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Full text of "Schulordnungen, schulbücher, und pädagogische miscellaneen aus ..., Volume 38"

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Moniimenta Germaiiiae Paedajogica 



Begründet von Karl Kehrbaeh 

Herausgegeben 



von der 



Gesellschaft fOr deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte 



BAND XXXVIII 

Das Unterriohtswesen der Orofiherzogtümer 
Mecklenburg -Schwerin und Strelitz 1 

Urkunden und Akten 
nebst einem Überblick über seine geschichtliche Entwickelimg 



BERLIN 

A. Hofmann & Comp. 

1907 



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Das 



Unterrichtswesen der Großherzogtümer 
Mecklenburg- Schwerin und Strelitz 



Herausgegeben 



Dr. H. Schnell 

Oberlehrar in Güstrow i.M. 



ERSTER BAND 

Urkunden und Akten 
zur Oeschichte des meoklenburgisohen Unterriohtswesens 

Mittelalter und das Zeitalter der Reformation 



r I 1, 



BERLIN 

A. Hofmann & Comp. 
1907 



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Alle Rechte, 
auch das der Übersetzung, vorbehalten. 



Published April 1, 1907. 

Privilege of Copyright in the United States reserved 
under the Act approved March 3, 1905 by 

A. Hofmann & Comp., Berhn. 



MC IM AR. - HOF-BUOHORUCKDttl. 



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Der hodiwärdigen 
Theologischen Fakultät der Universität Rostock 

in Dankbarkeit 

gewidmet 

vom Verfasser 
Dr. H. SchnelL 



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Vorwort 



Später als dem Yerfaseer lieb ist, erscheint der I. Band der 
Oeechichte des Unterrichtswesens in den beiden Großherzogtümem 
Mecklenburg, das Mittelalter und das Reformationszeitalter ent- 
haltend; später als ihm lieb ist, wird auch der II, der das 17. und 
18. Jahrhundert umfafit und der III. Band, der einen Überblick 
über die geschichtliche Entwicklung vom Mittelalter bis zum Schluß 
des 18. Jahrhunderts enthält, erscheinen können. 

Der C^nd dafür ist in den mangelnden Yorarbeiten zu suchen, 
die beim Mittelalter ganz vermißt wurden. Zudem hat der Druck 
der mecklenburgischen Urkundenbücher erst das Jahr 1393 erreicht, 
und wenn der Verfasser für das 15. Jahrhundert, das nicht überall 
ein saeculum obscurum genannt zu werden verdient, sich auch be- 
müht hat, die vorhandenen Urkunden zu benutzen, so kann er hier 
doch keine Vollständigkeit gewährleisten. Er muß vielmehr auf 
die in Aussicht genommenen Urkundenregesten des 1 5. Jahrhunderts 
verweisen und sich mit der Hoffnung begnügen, später hier und da 
aus diesen Nachträge zu sammeln, wenn auch nicht anzunehmen ist, 
daß sich noch wichtige Urkunden finden; scheint doch aus den vor- 
handenen und beigebrachten Urkunden mit einiger Sicherheit sich 
die Tatsache zu ergeben, daß die Urkundenschätze des 15. Jahr- 
hunderts für das mecklenburgische Unterrichtswesen von besonderer 
Dürftigkeit sind, wobei die Schuld nicht an einem etwa anzu- 
nehmenden Verfall des Schulwesens liegt! 

Andere wichtige Vorarbeiten, die vermißt werden, betreffen das 
Schulwesen in den Mönchs- und Nonnenklöstern des gesamten Mittel- 
alters. Es bedeutet nämlich eine Lücke in der Geschichtsschreibung, 
daß die einzelnen Kongregationen die Geschichte ihrer unterricht- 
lichen Tätigkeit, wie sie sich aus den Ordensstatuten und sonstigen 
Anzeichen ergibt, noch nicht herausgegeben haben, und es bleibt 
der Gesellschafk für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte vor 



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VIII Vorwort. 

andern eine dankbare Aufgabe, wenn sie das Mönchsschulwesen 
oder besser das gesamte mittelalterliche Schulwesen in den einzelnen 
Linien seiner Entwicklung zunächst in Angriff nehmen wollte. Ver- 
fasser will aber hiermit sich mildernde Umstände ausgebeten haben, 
wenn künftig Vorwürfe geltend gemacht werden sollten, etwa von 
der Art, daß er dieses oder jenes Ordensstatut nicht verwertet habe. 

Diesen Mängeln gegenüber muß jedoch auf eine große Fülle 
von Literatur verwiesen werden, welche sich für das 1 6. Jahrhundert 
geltend macht. Fast alle größeren Schulanstalten unseres Landes 
sind im Besitze ihrer Geschichte oder doch wenigstens von mehr 
oder minder gut gelungenen Versuchen zu einer solchen. Diese 
bieten allerdings dem Forscher eine ganz wesentliche Hilfe. Allein 
nur sehr wenige dieser Darstellungen nehmen auf die archivalischen 
Quellen Bezug, und so bleibt die Aufgabe für den Verfasser die- 
selbe wie beim Mittelalter, nämlich den Quellen nachzuforschen, 
eine Arbeit, welche um so mühsamer ist, als eine große Dezentrali- 
sation in der Aufbewahrung der urkundlichen Nachrichten herrscht. 
Die wichtigste Fundstelle ist auch hier, wie sonst in der mecklen- 
burgischen Geschichte, das Geheime und Hauptarchiv zu Schwerin : 
hinzu kommen aber auch das Hauptarchiv zu Neustrelitz, das Eon- 
sistorialarchiv daselbst, das Domarchiv zu Ratzeburg, das land- 
ständische Archiv zu Rostock, die Ratsarchive in den einzelnen 
Städten, die Superintendenturarchive , einzelne Pfarrarchive. Die 
Benutzung aller dieser war mir freundlichst gestattet. Die Schul- 
schriflenliteratur» eine weitere wichtige Quelle, — leider fehlt es an 
einem umfassenden Verzeichnisse — suchte und fand ich in den Biblio- 
theken der einzelnen Anstalten und in den größeren Bibliotheken, 
nämlich der ständischen und der Universitätsbibliothek zu Rostock, 
sowie den Regierungsbibliotheken zu Schwerin und Neustrelitz. 

Diesen Schwierigkeiten gegenüber erwies sich die Kraft des 
Verfassers, der durch seine amtliche Tätigkeit sehr in Anspruch 
genommen ist, als fast zu gering, und er fühlt sich deshalb für 
das Zustandekommen seines Werkes zu .aufrichtigem Danke den 
Herren verpflichtet, welche durch Rat und Tat ihn immer wieder 
unterstützten, vor allem dem Herrn Geheimen Archivrat Dr. Grote- 
fend, dem Herrn Archivar Dr. Stuhr, sowie den übrigen Herren 
Beamten des Geheimen und Hauptarchivs zu Schwerin, — den 
Herren Dr. F. Techen in Wismar, Dr. Dragendorff in Rostock und 
Dr. von Buchwald in Neustrelitz, die für ihn Urkunden aufnahmen, 
bezw. mit den Originalen verglichen, — den Herren Bibliothekaren 
in Rostock, Schwerin und Neustrelitz, — den Herren Verwaltern 



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Vorwort. IX 

der Anstaltsbibliotheken, insbesondere Herrn Professor Dr. Marqnardt 
in Ofistrow, — sowie endlich allen den Herren diesseits und jen- 
seits der Ghrenze, welche auf briefliche Anfragen hin bereitwilligst 
Auskunft erteilten. 

Endlich will ich nicht unterlassen, den Herren, welchen das 
Manuskript im ganzen vorgelegen hat, und die mir ihre Ratschläge 
dabei nicht vorenthielten, noch besonders zu danken, Herrn Ge- 
heimen Archivrat Dr. Grotefend zu Schwerin und Herrn Stadt- 
archivar Dr. DragendorfF zu Rostock, ferner dem Vorstand der 
Gesellschaft fiir deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte, ganz 
besonders Herrn Archivrat Dr. Schuster, endlich dem Kuratorium 
der Ghruppe beider Mecklenburg, Herrn Schulrat Dr. Strenge, Herrn 
Geheimen Regierungsrat Dr. Schröder, Herrn Archivar Dr. Stuhr 
zu Schwerin und Herrn Oberkonsistorialrat Praefcke zu Neustrelitz. 

In betreff der Schreibung der Urkunden des Mittelalters ver- 
weise ich auf die Grundsätze, welche die Mecklenburgischen ür- 
kundenbücher im I. Band auf Seite LVI aufgestellt haben. Ich habe 
also die Urkunden mit ganz unwesentlichen Abweichungen, die jedes- 
mal angegeben sind, aus den Urkundenbüchern entnommen und 
habe auch für die Urkunden, die dort nicht abgedruckt oder noch 
nicht zum Abdruck gelangt sind, die Grundsätze befolgt: Gebrauch 
großer Anfangsbuchstaben nur bei Eigennamen und am Anfang, 
Beseitigung nachlässiger Worttrennung, sinngemäße Änderung der 
Interpunktionen, u. a. m. 

Für das 16. Jahrhundert hat Yerfasser sich nicht entschließen 
können, die Texte, wie er sie fand, herüberzunehmen. Er unter- 
scheidet vielmehr zwischen Originalen und Abschriften. In ersteren 
hat er die Interpunktion verbessert und kleine Anfangsbuchstaben 
(außer in Eigennamen und am Satzanfang) gebraucht. In letzteren 
hat er dazu die Häufungen weggelassen, wo keine Änderung der 
Aussprache zu befürchten war, z. B. bürg für burgk; aber gebett, 
dagegen arbeit für arbeitt. Alle grammatischen Fehler und die 
Wortformen sind gelassen, dazu gehört auch die Schreibung aw 
för au; dagegen ist wie auch im Mittelalter die Schreibung v und 
n, auch j zu Anfang vor einem Konsonanten, modernisiert. Moder- 
nisiert ist weiter in den Abschriften, wo keine Änderung der Aus- 
sprache zu befürchten war, also z. B.: Endsilbe ieren, kloster 
(statt closter), tat, jähriich (aus jerlich), ein (statt eyn), wird (für 
wirt) usw. usw. 

Die Anordnung des gesamten Stoffes erfolgt nach dem „Kurz- 
gefaßten Plane^ Kehrbachs, des Begründers der Monumenta, zu 



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X Vorwort. 

dessen Gedanken sich Verfasser auch heute noch freudig und dank- 
bar bekennt, in der Weise, daß die Urkunden, auch die bereits 
anderswo gedruckten, vollständig zum Abdruck gelangen, indem 
Yon der Erwägung ausgegangen wird, daß den Benutzern, Päda- 
gogen, Historikern und Yerwaltungsbeamten, nur die ganze Urkunde, 
kein bloßes Regest genügen kann, um so mehr als, abgesehen von 
dem Mecklenburgischen Urkundenbuche, die gerade nicht seltenen, 
aber auch nicht immer vollständigen und zuverlässigen Abdrücke 
einzelner Urkunden recht weit verstreut sind, — jedoch auch in 
der Weise, daß die Darstellung der Geschichte des Unterrichts- 
wesens wenigstens in der Form des Überblicks über die geschicht- 
liche Entwicklung in einem Band III versucht und dabei in zahl- 
reichen Anmerkungen den Benutzern nicht nur die Möglichkeit zur 
Eon trolle des Verfassers, sondern auch zu weiteren Forschungen 
dargeboten werden soll. 

Verfasser hat überall nach Vollständigkeit gestrebt; daraus 
erklärt sich die Aufnahme mancher Urkunde, die man sonst wohl 
unter dem Strich zu finden erwartet hätte. Verfasser hat überall 
die Gesamtgeschichte eines Territoriums, Mecklenburgs, vor Augen 
gehabt; daraus erklärt sich vielleicht die Aufnahme mancher Nach- 
richten, die rein territoriales oder gar lokales Gepräge haben. 
Aber die Geschichte des deutschen Unterrichtswesens setzt sich 
aus den Einzeldarstellungen seiner Territorien zusammen, und erst, 
wenn eine Gesamtgeschichte fertig ist, wird man beurteilen können, 
was in den einzelnen Darstellungen, weil Anlehnung, Nachahmung 
und einfaches Herübernehmen, weggelassen werden konnte. Bis 
dahin ist es sicherer, etwas zu viel als zu wenig zu bringen. 

Der Überblick über die schulgeschichtliche Entwicklung neben 
den Urkunden endlich nimmt weder Abrundung noch Vollständigkeit 
für sich in Anspruch ; sie begleitet die Urkunden und will zu ihrem 
Verständnisse beitragen. Daß sie beim Mittelalter einen breiteren 
Raum einnimmt, erklärt sich aus der Dürftigkeit der Vorarbeiten 
und der geringen Zahl der vorhandenen Urkunden. Eine zusammen- 
hängende Darstellung des mecklenburgischen Unterrichtswesens, 
die formell und inhaltlich nicht nur den Ansprüchen einer prag- 
matischen Geschichtsdarstellung gerecht wird, sondern auch alle 
einzelnen Kapitel der Schul- und Bildungsgeschichte enthält, wird 
sich erst später ermöglichen lassen. 

So viel aber wird aus den Urkunden und Akten dieses I. Bandes 
hervorgehen, daß man an der Wahrheit des Satzes nicht mehr 
zweifeln kann: Die mittelalterliche Kirche ist die Vermittlerin der 



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Vorwort. XI 

Bildung auch in Mecklenburg gewesen ; die Kirche der Beformation 
hat ebenso den Unterricht der Jugend und des Volkes als ihre 
Aufgabe erkannt und diese in einem Umfange und mit einer Ord- 
nung durchgeführt, die, an sich dem Mittelalter überlegen, zu 
immer größerer YoUkommenheit strebte. 

Ein Yerzeichnis der benutzten Literatur wie auch der in den 
drei Bänden erwähnten Schulbücher wird dem Band III beigegeben 
werden. 

Güstrow, Wintersemester 1906/07. 

Dr. H. Schnell. 



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Inhaltsverzeichnis. 



Seite 
Vorwort VU. 

I. Mittelalter. 

A. Urkunden, betreffend Schulgründungen, Schulpatronate, 

Schulordnungen 5—69 

1. Der heilige Ansgar kauft wendische Sklaven und Knaben, um sie zu 

unterrichtea. 834—842 5 

2. Das Kloster Mikilinburg, die erste Bildungsstätte in Mecklenburg. 

[Nicht vor 967.] . 6 

3. Die endg&ltige Einrichtung der drei wendischen Bistümer. [Harse- 

veld. 10. Oktober 1149 und 1154.] 7 

4- MittelalterUche Schulaufsicht. 1160. 1248. 1383. 1354. 1382 . . . 8-14 

a. Die Oberaufsichtsrechte des Ei*zbischofs von Hamburg in geist- 
lichen Sachen über den größten Teil von Mecklenburg. Ham- 
burg 1160 8 

b. Das Aufsichtsrecht des Domscholastikus zu Schwerin über das 
Schulwesen des Sprengeis. Warin. 15. Mai 1248 10 

c. Die Gegenstände einer erzbischöflichen Visitation im Bistum 
Schwerin. Lübeck. 8. Dezember 1333 10 

d. Befugnisse eines Archidiakons im Archidiakonat Doberan. Rostock. 

27. Juni 1354 11 

e. Bischöfliche Kirchenvisitation zu Ratzeburg. [Ratzeburg. 18. Mai 
1382] 12 

5. Das Patronat der Schulen zu Wismar. 1279. 1323. 1331 .... 14—18 

a. Die Fürstin Anastasia und die Vormünder der Söhne Heinrichs 
des Pilgers überlassen das Patronat der Schulen zu Wismar 
dem Rate der Stadt. [Wismar.] 6. August 1279 14 

b. Heinrich von Mecklenburg überläßt zur Sühne dem Bischof 
Marquard von Ratzeburg für sein bischöfliches Tafelgut die 
Nikolaikirche und die beiden Schulen zu Wismar. • Oreves- 
mühlen. 17. März 1323 und Lübeck. 25. Mai 1323 16 

c. Der Bischof Marquard von Ratzeburg übergibt das Patronat der 
Schulen in Wismar den Ratmännem daselbst. Ratzeburg. 

7. September 1381 17 



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XIV Inhaltsverzeichnis. 



Seite 

6. Geistliche und weltliche YerfQgongen in betreff der Ehrenden Schüler. 

1292. 1375 18—19 

a. Statut einer Provinzialsynode im Erzbistum Bremen - Hamburg' 

in betreff der fahrenden Schüler. [Bremen.] 17. März 1292 . . 18 

b. Die wismarsche Bürgersprache verbietet, fahrende Schüler zu 
beherbergen. Wismar [c. 1375.] 19 

7. Der Unterhalt der Domschüler zu Ratzeburg. 1301 19—22 

a. Die Speisung der Schüler. Ratzeburg. 21. Oktober 1301 ... 19 

b. Der Anteil der Schüler an Brot und Bier. Ratzeburg. 1301 . 20 

8. Die Teilnahme der Schüler in Parchim an den Gottesdiensten in den 

Kirchen zu St. Marien und St. Georgen. Parchim. 6. Juli 1807 . 22 

9. Der kirchliche Unterricht der Pfarrer im Bistum Havelberg. 1313. 1468. 25—26 

a. Das Statut des Bischofs Reiner von Havelberg in betreff des 
Unterrichts der Pfarrer und in betreff der Bücher in Kirchen. 
[Havelberg. 1313.] 25 

b. Statut des Bischofs Wedego von Havelberg in betreff des Unter- 
richts der Pfarrer. Witstock. 25. April 1463 26 

10. Albrecht von Mecklenburg schenkt dem Rat der Stadt Rostock das 

Patronat der Pfarrschule an St. Marien. Wismar. 8. Juni 1387 . 27 

11. Bestinunungen in betreff der Anzahl von Nonnen und Schülerinnen im 

Cisterciensemonnenkloster Wanzka. Zechlin. 23. Januar 1341 . . 28 

12. (i^esetze für Lehrer und Schüler der Domschule zu Schwerin. [Um 1370.] 29 
18. Bestimmungen des Bischofs Melchior von Schwerin über das servicium 

episcopale und das servicium scolarium des Bützower Kapitels. 
Bützow. 13. Juli 1378 33 

14. Gedanken eines Priesters über die Erziehung eines Jünglings in Wismar. 

[Rom. 19. September 1888.] 34 

15. Die Fundatibnsbulle der Universität zu Rostock. Ferrara. 13. Februar 

1419 35 

16. Gesetze für das Pädagogium der Universität zu Rostock. [15. Jahr- 

hundert ] . . . .• 39—46 

a. Die Einrichtung der Regentien und des Pädagogiums an der 
Universität Rostock. [15. Jahrhundert.] 39 

b. Die Verpflichtung zum Besuch des Pädagogiums zu Rostock. 

[15. Jahrhundert.] 46 

17. Die Methodik und der ünterrichtsplan der Klarissen im Kloster zu 

Ribnitz. [c. 1400-1450.] 47 

18. Statut des Bischofs Nikolaus Böddiker von Schwerin in betreff der 

Kleidung der Geistlichen, Magister und Doktoren. [Schwerin.] 

26. September 1451 57 

19. Statut des Bischöfe Wedego von Havelberg in betreff der Prüfung der 

Ordinanden. [Zwischen 1460 und 1487.] 58 

20. Der Anteil der Schule zu Wismar an den Großen Zeiten. Wismar. 

11. Mai 1500 62 

21. Zur Lektüre der Schule an St. Marien in Rostock aus den Jahren 1502 

und 1503: Magister Hildebrand Dorgelo liest die Medea und den 
Eunuchus und interpretiert letzteren in niederdeutscher Sprache . 65 

22. Schul- und Kirchenverhältnisse der Stadt Grevesmühlen am Ende des 

Mittelalters. 1517-1533 66 



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Inhaltsverzeichnis. XV 



Seite 

23. Die Lektionen am P&dagogium der Universität Rostock. Rostock. 

5 Aprü 1520 67 

24. Der Unterricht der angehenden Elosterschwestem bei den Benedik- 

tinerinnen zu Dobbertin. [Dobbertin. 1^. Oktober 1569.] .... 69 

B. Schulverträge, Besoldungsverhältnisse und andere schul- 
geschichtlich wichtige Urkunden .... 70—108 

25. Die AnÄnge von Bibliotheken. 1195. 1222. 1240. 1297. 1337. 1342. 

1344. 1428 70—78 

a. Die Anfänge der Bibliothek des Schweriner Domkapitels. 1195 
und 1222 70 

b. Die Anlage einer Büchersammlung im Kloster Dargun. 15. Ok- 
tober 1240 71 

c. Bfichersammlungen in Wismar 71 

d. Das Kloster Wanzka kauft eine Bibel in zweiB&nden. I.Juli 1342 73 

26. Schulverleihung in der Stadt Parchim. 1249. 1278. 1295 .... 74—76 

a. Ffirst Pribislav von Richenberg verleiht dem Priester Johann 
an St. Marien zu Parchim die Schulen auf der Alt- und Neustadt. 
Parchim. 20. September 1249 74 

b. Bischöfliche Bestätigung des Besitzes der Schulen auf der Alt- 
stadt Parchim fftr den Pfarrer an St. Marien daselbst. 19. Juni 1278 75 

c. Nikolaas von Werle verleiht seinem Kaplan Thietmar die Schalen 

auf der Altstadt Parchim. Güstrow. 13. Februar 1295 ... 76 

27. Die Prftbende des Scholastikus zu Bützow. Schwerin. 1. Januar 1270 76 

28. Heinrich der Pilger von Mecklenburg übergibt seine Adoptivtochter 

dem Kloster Rehna zur Erziehung. Wismar. 8. Juli 1270. ... 77 

29. Die Kosten für den Unterhalt von Schülern. 1278. 1279. 1284. 1294. 

1826 78-80 

a. Der Unterhalt von Schülern, auch in betreff der scolastica doc- 
trina. Wismar, c. 1278. 1284. 1294 78 

b. Bevorzugung eines Schülers in einem Testament. (Wismar 1279) 79 
c Der Schüler Johann Lyse erhalt eine Zuwendung an Geld. 

(Wismar 1326) 80 

30. Der Scholastikus und zahlreiche Schüler in Parchim erhalten Zu- 

wendungen aus einer Geld- und Kleiderstifbung. Parchim. 6. Januar 
1293 80 

31. Abgabenfreiheit von Schulmeistern. 1296. 1515 82-83 

a. Abgabenpfiicht des Schulrektors Mag. Hermann zu Wismar. 
(Wismar 1296.) 82 

b. Der in den Ruhestand tretende Magister Hildebrand Dorgelo an 
der Schule zu St. Marien in Rostock erhält einen Erlaß in be- 
stimmten Abgaben. (Rostock.) 7. Mai 1515 82 

32. Der Vergleich des Scholastikus Nikolaus von Stralendorf zu Wismar 

mit den Ratmännem daselbst. Wismar. 7. April 1297 .... 83 
38. Beispiele von Einkünften aus kirchlichen Obliegenheiten für Lehrer 

und Schüler. 1305. 1308. 1381. 1407. 1504 84—89 

a. Ein Schüler hat stiftungsmäßige Einkünfte aus dem Dienste bei 
einer Vikarei in der Pforrkirche zu Neu-Röbel. [Röbel] 14. Mai 1305. 84 



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XVI Inhaltsverzeichnis. 



Seite 

b. Der Anteil der SchtQer an den Memoriengeldem des Domkapitels 

zu Ratzeburg. Ratzeburg. 25. Jnli 1308 85 

c. Der Anteil des Schulmeisters und der Schüler in Gadebusch an 

den Einkünften einer Messestiftung. Röggelin. 6. Januar 1381 . 87 

d. Eine Geldstiftung für den Rekter der Schule zu St. Marien in 
Wismar und vier Schüler zum Tragen von Lichtern bei Eranken- 
kommunionen. [Wismar] 1467 88 

e. Einkünfte des Schulmeisters und seiner Schüler bei einer Hochzeit, 
nach der Hochzeitsordnung des Rats zu Rostock. [Rostock 1504.] 89 

34. Eüsterschulstellen in Stadt und Land. 1833. 1839. 1342. 1348. 1349 . 89—93 

a. Bestätigung eines schulhaltenden Küsters in der zum Schweriner 

Sprengel gehörenden Stadt Barth. Barth. 10. Mai 1333 ... 89 
^ b. Der [Scholar und] Küster zu Jabel erhebt Abgaben aus einem 

Hofe. Malchow. 1339 90 

c. Die Dörfer Mistorf, Wiek, Goldenitz und Rukieten stellen einen 
[schulhaltenden] Küster an der gemeinsamen Kapelle in Mistorf 

an. 6. Dezember 1342 90 

d. Die Einkünfte des [schulhaltenden] Küsters im Kirchdorfe Quetzin. 

22. August 1348 91 

e. Vereinigung einer Vikarei mit der Küsterschulstelle in der zur 
Schweriner Diözese gehörenden Stadt Tribsees. Triebsees. 

30. November 1849 93 

35. Mittelalterliche Schülerbrüderschaften. 1337. 1514 94 

a. Die Priester- und Schölerbrüderschaft zu Friedland erhält eine 
Rente. Friedland. 7. Oktober 1337 94 

b. Die Schülerbrüderschaft zu Malchin im Jahre 1514 94 

36. Der Kleriker Johann Rabode Übernimmt als Rektor auf ein Jahr die 

Schule zu St. Marien in Wismar. Wismar [1840] 95 

37. Rentenverleihungen aus den Schulen zu Wismar und Rostock. 1352. 

1358. 1367. 1368 96—99 

a. Der Rat zu Wismar verleiht eine Rente aus den Schulen dem 
ehemaligen Stadtschreiber Heinrich von Eimbek. Wismar. 

5. November 1352 96 

b. Der Rat zu Rostock verkauft aus der Schule an St. Marien eine 
jährliche Rente von 20 Mark. Rostock. 13. Dezember 1358 . . 96 

c. Der Rat zu Rostock verkauft die Schule an St. Marien dem 

Rekter derselben. Rostock. 1367 98 

d. Der Rat zu Wismar verleiht eine Rente aus den Schulen dem 
ehemaligen Stadtschreiber Johann Moyleke. Wismar. 15. April 1368. 98 

38. Die Einkünfte des Domscholastikus zu Güstrow. Vor 1858 und im 

16. Jahrhundert 99—100 

a. Die Präbende des Scholastik^is zu Güstrow. [Vor 1358.] ... 99 

b. Einkünfte des Domscholastikus zu Güstrow. [16. Jahrhundert.] . 100 

39. Der Propst bezahlt den Unterhalt des rector scolarum zu Ratzeburg. 

Ratzeburg. 3. Februar 1372 101 

40. Beispiele von Beförderungen der Lehrer in kirchliche Ämter. 1381. 

1480 . 102—105 

a. Der Rektor Konrad Römer an der Schule zu St. Marien in Rostock 
erhält eine Vikarei zu Güstrow. Güstrow. 21. Dezember 1381 , 102 



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InhaltsTeReichnis. XVII 



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h, Reeior achohurun und loeatus in Wittenberg sollen stiftnngs- 

m&jßig zn einer Kommende prftsentiert werden. Schwerin. 

16. Anglist 1480 103 

41. Beispiele ftkr den Gebrauch des Niederdeatschen im Unterricht. 1439. 

clöOO 105-106 

a. In der Marienkirche zn Rostock wird das Vaterunser und der 
Glaube sonntäglich von der Kanzel in niedersächsischer Sprache 
hergesagt und erklärt [Rostock] 1439 105 

b. Das Lesen eines niederdeutschen Beichtbuches wird von Eltern 
und Kindern gefordert. [Rostock c. 1500.] 106 

42. Schulbelehnung zu Crivitz seitens des Rats der Stadt Crivitz. 27. Fe- 

bruar 1498 106 

43. Bestimmungen des Bischöfe Konrad Loste in betreff der kirchlichen 

Hebungen des rector scholarium an der Domkirche zu Schwerin. 
Schwerin. 23. Juli 1500 107 

44. Unterstfitzung armer Schüler. [Güstrow 1500.] 108 

IL Reformationszeitalter. 

A. Urkunden betreffend Schulgründungen, Schulvisitationen, 

Schulordnungen 111—488 

1. Des Organisators des Rostocker Schulwesens Dr. Oldendorp Ansichten 

von der Schule. [Rostock 1530.] 111 

2. Zur Frage nach dem Wert der lateinischen Kirchengesftnge im Gottes- 

dienst f&r die Schule. 1531 115—117 

a. Die Beibehaltung der lateinischen Gesänge im Gottesdienste 

der Schüler wegen. [1531.] 115 

b. Der Wert der Sprachen, nach einem Gutachten des ürban 
Rhegius. Celle. 8. November 1581 116 

c. Der Wert der Sprachen, nach einem Gutachten Bugenhagens. 
Lfibeck. 24. November 1531 116 

8. Zur Einfährung des Katechismus in den Schulunterricht. 1532. 1540. 

1568 118-120 

a. Einführung von Luthers Katechismus und den deutschen Psalmen. 
[Vor 1532.] 118 

b. Die Vorrede zum mecklenburgischen Katechismus von 1540 . . 118 

c. Aus der Vorrede zum Kleinen Corpus Doctrinae. [Wismar. 

25. Dezember 1563.] . 119 

4. Die Organisation des Schulwesens zu Rostock. 1534. 1541 . . 121—124 

a. Die Einrichtung von Schulen in den Klöstern zu Rostock. 1534. 121 

b. Mandat des Rates zu Rostock in betreff einer deutschen und 
einer lateinischen Schule. Rostock 1534 122 

c. Die Reaktion gegen die neue Schulorganisation. Rostock. 1. und 

9. Dezember 1534 123 

d. Beschwerden des Rechenmeisters zu Rostock. Rostock. I.April 
1541 123 

5. Aus der Kirchenordnung der .Hansestädte Lübeck, Bremen, Hamburg, 

Rostock, Stralsund und Lüneburg. Hamburg 1535 125 

Mommenta Oennaoiao Paedagogica XXXYUI H 



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XVm Inhaltsveneichnifl. 



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6. Landesherrlicher Befehl an Ratsherrn und EirchengeBchwarene, 

Schulen zu errichten. [Stargard 1535.] 131 

7. Der Befund des Schulwesens in der ersten evangelischen Eirchen- 

visitation. [1535.] 132 

8. Die Mitwirikung der Schüler im Gottesdienst nach der Eixchenordnnng 

von 1540 134 

9. Das Schulwesen in der Visitation von 1541—1542 137 

10. Die Einrichtung des Pädagogiums an der üniversit&t su Rostock. 

1582. 1544. 1548. 1566 149—165 

a. Die allgemeinen Aufgaben des Pädagogiums an der üniversit&t 
Rostock. Rostock. August 1544 149 

b. Die Einrichtung des Pädagogiums an der Universität Rostock. 
Rostock. August 1544 150 

c. Die Lehraufgabe in der ersten Klasse der schola philosophica 
(Pädagogium) Arnold Bürens. [Rostock c. 1582—1566.] ... 163 

d. Aus den Universitätsstatuten vom Jahre 1548 164 

11. Die Mitwirkung der Schüler im Gottesdienst nach der Gottesdienst- 

ordnung von 1545 165 

12 und 18. Die mecklenburgischen Schulordnungen von 1552 und 1602 . 169 

14. Ordnung und Vollzug der Kirchen- und Schulvisitation von 1552 . 227 — 235 

a. Visitationsbefehl Johann Albrecht« von 1552 227 

b. Aus der Instruktion zur Kirchen- und Schulvisitation. [1552.] . 228 

c. Die Visitationshandlung. [1552.] 280 

d. Aus der Kirchenvisitation zu Teterow. Teterow. 19. Oktober 
1552. Die Verwendung von Kirchengut zu Schulzwecken . . 282 

15. Die Visitation zu Güstrow und die Fundation der Domschule. 1552 . 285 

16. Ordnung des Matthias Caselius fdr die Schule zu Neubrandenburg. 

Neubrandenbnrg. 1. August 1553 238 

17. Offener Brief des Herzogs Johann Albrecht an Ritterschaft und Städte 

in betreff der Fürstenschule zu Schwerin. Schwerin. 4. August 1553 248 

18. Die Aufgaben der Schule nach David Ghyträus. [Rostock 1555.] . . 245 

19. Landesherrliche Verpflichtung zur Erhaltung des Schulwesens. 1555. 

1556 245—248 

a. Verpflichtung der Herzöge Johann Albrecht und Ulrich zur Er- 
haltung von Kirche und Schule. Wismar. 11. März 1555 . . 245 

b. Die Verwendung der Klöster für Kirche und Schule. Altruppin. 

1. August 1556 247 

20. Rats- und Bürgerschluß in betreff d^r Verwendung der geistlichen 

Güter zu Wismar. Wismar. 17. Oktober 1555 248 

21. Supplikation etlicher Professoren zu Rostock an die Herzöge Johann 

Albrecht und Ulrich betreffe ,Anrichtung der Schulen*. [Rostock. 

10. August 1556.] 252 

22. Der Lektionsplan der Domschule zu Güstrow. 17. März 1557 . . . 258 

23. Die Aufgabe der Visitation in Kirche und Schule. [Güstrow 1557.] . 259 

24. Gesetze des Rektors Dabercusius für die Fürstenschule zu Schwerin. 

[Schwerin 15?] .263 

25. Stundenpläne der Fürstenschule zu Schwerin .;.-.;.. 265—269 

a. Schwerin. 1. Oktober 1559 265 

b. Schwerin. 18. November 1561 267 



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Inhaltsveneiclmis. XIX 

Seite 

26. Dos neae P&dagogiam zn Rostock. 1560. 1561. 1564 .... 269—273 

a. Die Einrichtung eines Pädagogiums im Kloster St. Michaelis 

za Rostock. Rostock. 23. September 1560 269 

b. Lehrplan im Pädagogium St. Michaelis zn Rostock. 1561 . . 270 

c. Die neue Ordnung in den Pädagogien der Universität EU>stock. 
[Rostock 1564.] 271 

27. Auff&hrong von Komödien an der Schule zu Wismar. 1561. 1595 . 274—275 

a. Einladung des Rektors Christian Schregel zu Wismar zur Teil- 
nahme an der Auffährung einer Komödie. Wismar. 7. März 1561 274 

b. Einladung des Schreib- und Rechenmeisters Alezander Pipan zu 
einer Komödie. Wismar 1595 274 

28. Zum kirchlichen Katechismusverhör. 1561. 1562. 1599 .... 275—277 

a. Erneute Einrichtung der Katechismuslehre in Rostock. 1561 . 275 

b. Katechismusverhör zu Wismar. 1562 276 

c. Aus den Generaldekreten der Visitation für das Bistum Ratze- 
burg. [Ratzeburg 1599.] 277 

29. Die Neueinrichtung der Partikularschule zu Parchim durch die Visi- 

tation vom Jahre 1563. [Parchim. 21. 22. März 1563.] 277 

30. Die Stiftsschule zu Schwerin. 1565. 1576 281—284 

a. Stiftungsakte der Stiftsschule zu Schwerin. Güstrow. 4. Februar 
1565 281 

b. Lehrplan der Stiftsschule zu Schwerin 283 

c. Die Vereinigung der Fürstenschule mit der Stiftsschule in 
Schwerin. Güstrow. 26. Juli 1576 283 

31. Schulgesetze und Pensenordnung an der Schule zu Wismar. 1566 . 284—287 

a. Cfesetze für die Lehrer an der Schule zu Wismar. [Wismar] 1566. 284 

b. Ordo lectionum an der Schule zu Wismar. Wismar 1566 . . 286 

32. Aus der Konsistorialordnung des Stifts Schwerin. 1567 287 

33. Die Vereinbarung des Domkapitels zu Schwerin mit dem Admini- 

strator betrefi des Schulwesens. 1568. 1590 289—292 

a. Vertrag in betreff des Kirchen- und Schulwesens zwischen Herzog 
Ulrich und dem Domkapitel zu Schwerin. Bützow. 21. Februar 
1568 289 

b. Stiftung eines Stipendiums seitens des Domkapitels für die 
Domschule zu Schwerin. Schwerin. 25. Juni 1590 290 

34. AuB der mecklenburgischen Kirchengerichts- oder Konsistorienordnung. 

Güstrow. 31. Januar 1570 • • ., 293 

35. Aus der Superintendentenordnung. Güstrow. 31. Januar 1571 . . . 298 

36. Die Ordnung der Kurrende in Rostock und Wismar. 1571. 1572. 

1579 302—305 

a. Ratsverordnung betreffs der Kurrende in Rostock. Rostock. 

6. Mai 1571 302 

b.- Vorschläge des Rektors Düring in betreff der Einrichtung einer 

Kurrende zu Wismar. Wismar 1572 303 

c. Aus der wismarschen Bettelördnung. Wismar 1579 .... 305 

37. Die Schulen in den drei Landesklöstern. 1572 305—315 

a. Die Überg^abe der drei Klöster an die Landstände zu Schul- 
zwecken. Stemberg. 2. Juli 1572 305 

b. Die Schulordnung in den drei Landesklöstem. 1572 .... 307 



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XX Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
88. Schülergeseize an der Domschule zu Güstrow. 1572 315 

39. Die Oberaufsicht über Kirche und Schale zu Rostock. 1578 u. 1584. 322 — 324 

a. Aus dem Rostocker Erbvertrag. 21. Sept. 1578 322 

b. Ans dem 2. Rostocker Erbvertrag. Febr. 1584 323 

40. Die Visitation der wismarschen Schule durch das geistliche Mini- 

sterium. Wismar 1573 324 

41. Aus Herzog Johann Albrechts Testament. Schwerin. 22. Dezember 1573. 325 

42. Die Verpflichtung der Schule zur Leichenbegleitung. 1575. 1576 . 328 — 329 

a. Die Begleitung der Leichen durch die wismarsche Schule. 
Wismar 1575 328 

b. Leichengeldgebühren der Schulmeister in Rostock. Rostock. 

14. April 1576 328 

48. Ansichten des D. Chyträus in betreff einzelner Aufgaben der Schule. 

1578 829—342 

a. Der Eirchengesang in der Schule im Siime des Professors David 
Chytr&us. [Rostock 1578.] 329 

b. Die Konfirmation im Sinne des Professors David Chyträus. 
Rostock. 1578 831 

c. Der Eatechismusunterricht nach dem Sinne des Professors David 
Chyträus. [Rostock 1578.] 334 

44. Einzelne didaktische Vorschriften des Professors CaseHus. 1579 . 842 — 347 

a. Die Forderung einer guten Aussprache beim Anfangsunterricht 
seitens Johann Caselius'. [Rostock 1579.] 342 

b. Die Forderung einer guten Handschrift seitens Johann Caselius'. 
[Rostock 1579.] 343 

c. Der grammatische Unterricht nach Johann Caselius. [Rostock 
1579.] 348 

d. Die Auswahl der lateinischen Schriftsteller nach Johann Caselius. 
[Rostock 1579.] 345 

e. Die Interpretation der Schriftsteller nach Johann Caselius. 
[Rostock 1579.] 346 

f. Die Methodik des lateinischen Unterrichts nach Johann Caselius. 
[Rostock 1579.] 347 

45. Der Wert der häuslichen Erziehung. Ein pädagogisches Flug- und 

Merkblatt aus dem Jahre 1579 348 

46. Die Einführung einer neuen Schulordnung an der Domschule zu 

Güstrow durch Herzog Ulrich. Güstrow. 18. Mai 1580 .... 855 

47. Ordnung der Beischulen in Wismar, [c. 1580] 367 

48. Die Neueinrichtung der Rostocker Schule durch Nathan Chyträus . 357—898 

a. Der Professor und Schulrektor Nathan Chyträus richtet die 
Rostocker Schule im Geiste Sturms und Fabricius* ein. [Rostock 
1580.] 857 

b. Die Einrichtung der Schule zu Rostock. Rostock 1580 ... 358 

c. Gesetze der Schule zu Rostock. [Rostock 1580.] 869 

d. Der Professor und Schulrektor Nathan Chyträus fordert das 
Zusammenwirken von Schule und Haus. [Rostock 1580.] . . . 888 

e. Das Urteil des Professors und Schulrecktors Nathan Chyträus 
über die Zahl der täglichen Unterrichtsstunden und das schul- 
fähige Alter. Rostock. 10. Mai 1580 889 



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lübaltsveneichnis. XXI 



Seite 
f. Das Urteil des Professors nnd Schalrektors Nathan Chyträus 

fiber die Haltung von paedagogi. Rostock. 10. Mai 1580 . . 892 

49. Die Schule im Kloster zn Rühn. Güstrow. 10. April 1581 .... 393 

50. Ordnung des Klosters zum heil. Kreuz in Rostock. Rostock. 14. Sep- 

tember 1586 395 

51. Anordnung eines Scholarchats in Wismar. Wismar 1587 401 

52. Die Schale zu Btltzow in der Visitation des Jahres 1593. [Bützow. 

17. Juni 1593.] 404 

53. Die Verpflichtung der Domherrn zu Ratzeburg, je einen Ghorschüler 

zu unterhalten. Ratzeburg. 28. Juni 1596 406 

54. Der Zustand der Schule zu Ratzeburg. [Ratzeburg. 6. Juni 1599.] . 407 

55. 56. Herzog Ulrichs gfistrowische Schulordnung von 1602 und Herzog 

Adolfs gfistrowische Schulordnung von 1662 410 



B. Urkunden betreffend Zeugnisse, Anstellungen und 

Einkünfte der Lehrer 489—516 

57. Empfehlungsschreiben Melanchthons, David Chytr&us' und Simon 

Paulis. 1689. 1551. 1571 489-493 

a. Melanchthon empfiehlt einen Magister f&r eine Hauslehrerstelle 

in Ankershagen. Wittenberg. 17. Juli 1539 489 

b. Melanchthons Zeugnis ftr M. Simon Leupold, den Organisator 
des meckl. Kirchen- und Schulwesens. Wittenberg. 10. No- 
vember 1539 490 

c. Melanchthons Empfehlung f&r Friedrich Winkler zum Rektorat 

der Schule in Gfistrow. Wittenberg. 21. März 1551 .... 491 

d. Empfehlungen zweier Männer für das Rektorat der Schule zu 
Wismar. Rostock. 27. Oktober und 2. November 1571 .... 492 

e. Empfehlung des Laurentius Rhodomann durch David Chyträus. 
Rostock. 7. September 1571 493 

58. Die Anstellung des Dabercusius als ersten Rektors an der Fflrsten- 

schule zu Schwerin. 1552 494—497 

a. Die Bedingungen des Dabercusius in betreff seiner Anstellung 

an der Ffirstenschule zu Schwerin. Meißen. 13. Januar 1552 . 494 

b. Bestallung des Dabercusius zum Rektor der Fürstenschule zu 
Schwerin. Schwerin. 2. April 1553 496 

c. Dienstrevers des Rektors Dabercusius an der Ffirstenschule zu 
Schwerin. Schwerin. 9. November 1558 496 

69. Inventarium der Wohnungen wismarscher Lehrer. 1561. 1572 . 497 — 499 

a. Inventarium aver dat bedde tuch, welcher deme rectori schole 

und synen gesellen ingedan anno 1561 497 

b. Inventarium rectors schole übergeben mense lunio 1572 durch 
Magistrum lohannem WallbOm 498 

60. Amt und Einkfinfte des Schulmeisters zu Goldberg. Goldberg. 

27. Oktober 1570 ' . 499 

61. Revers des Rektors an St. Jakobi zu Rostock. Rostock. 31. Oktober 

1571 501 



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XXII iDhaltsvenseichnis. 

Seite 

62. Einweisung des M. Philipp Mfiller in das Prorektorat an der Fflrsten- 

scbnle eu Schwerin durch den Rektor M. Hederich. Schwerin. 

7. November 1574 502 

63. Berufung, Bestallung und Enturlaubung des ersten Rektors der Schule 

zu Rostock. Rostock 1579. lf)93 504r— 506 

a. Die Vokation des ersten Rektors Nathan ChytiAus. Rostock. 

18. August 1579 504 

b. Die Bestallung des ersten Rektors M. Nathan Chyträus. Rostock. 

29. September 1579 505 

c Die Dienstentlassung des Rektors Nathan Chyträus. Rostock. 
28. Juli 1593 606 

64. Die Einkünfte wismarscher Lehrer. [Wismar ca. 1580.] 507 

65. Schreibmeister und -Qesellen in Wismar. 1580—1583. 1585. 1597. 

1602 508—513 

a. Besoldung des Schreibmeisters in Wismar. 1580—1583 . . . 508 

b. Zeugnisse für Schreibmeister und -Gesellen. 1585. 1603 . . • 510 

c. Bestallung des Schreib- und Rechenmeisters Brandanus Daetri 

in Wismar. Wismar. 2. Oktober 1597 511 

66. Einkünfte des Rektors und Konrektors an der Domschule 2sn Güstrow. 

Ostern 1597 — Ostern 1598 513—615 

a. Des Rektors Christ. Dormann 510 

b. Des Eonrektors M. Ludolphus Barcaeus. Anno 1597 .... 515 
Berichtigungen und Ergänzungen 515 



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Das 



Unterrichtswesen der Großherzogtümer 
Mecklenburg-Schwerin und Strelitz 



Urkunden und Akten 1 



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I 

Mittelalter 



1* 



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A. Urkunden betreffend Schulgründungen, 
Schulpatronate, Schulordnungen. 



1. 

Der heilige Ansgar kauft wendische Sklaven 
und Knaben, um sie zu unterrichten. 834—842. 

Interim^) quoque dominus et pastor noster^) in diocesi sibi com- 
missa et in partibus Danorum strenue suum implebat officium et 
exemplo bonae conyersationis multos ad fidei gratiam proyocabat. 
Coepit quoque ex gente Danorum atque Slayorum non nullos emere 
pueroB, aliquos etiam ex captiyitate redimere, quos ad seryitium 
Dei educaret. Quorum quosdam hie ^) secum retinuit, quosdam vero 
ad eeUam praedictam Turholt nutriendosposuit: fueruntque cum eo hie 
ex societate yestra^) sancti patres nostri et magistri, quorum doctrina 
et institutione feHciter nobiscum religionis diyinae creyit opinio. 

. . . Eo quoque tempore ')quando cellam praedictam Turholt habu- 
erat, quoniam omnis ei cura de yocatione gentium erat, ut eis in sua 
legatione prodesse potuisset, nonnuUos pueros ex Nordmannis yel 
Slayis*) emptos in eadem cella causa discendi ad sacram militiam 
nutriendos posuerat, quorum quosdam praedictus Raginariu8®),quando 

Zu 1 : Kap. 15 und ein Abschnitt aus Kap. S6 der Vita Sancti Anskarii 
a Rimberto et alio discipulo Anskarii conscripta. Scriptorum tom. II der 
Honnmenta Germaniae bistorica S. 700. 720. Auch abgedruckt von Wigfj^er, 
Mecklenburgische Annalen, Scbwerinsche Schulschrifb 1859, S. 14. 15. Zu dem 
Wert der vita überhaupt siehe Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im 
Mittelalter I, BerUn 1904, S. 298. 

Andere Lesarten: 

a) Nortmannis vel Sclavis. 

*) 834, als der Mönch Gauzbert in Schweden wirkte. 
^ So schreibt der Biograph und Schüler Ansgars Rimbert 
*) In Hamburg. 

*) D.h. das Kloster Korvey, aus dem Ansgar stammte. 
*) 842 und folgende Jahre. 

*) Ein fränkischer Großer. (S. Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands. 
IL 1900. S. 598 und Anm. 2.) 



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6 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

illi^) cella ipsa data est, inde abstulit et ad suum servitiiiiii misit. 
Qua de causa cum nimium esset dominus episcopus anxiatus, post 
paululum yisum est illi, quod yenisset in quandam domum invenis- 
setque ibi et yenerandum regem Earolum et ipsum Raginarium, 
quos ipse, ut ei videbatur, de eisdem^) pueris increpavit, asserens, 
quod eos ad Dei omnipotentis servitium nutrire disposuerit, non 
ut Raginario servirent 



2. 

Das Kloster Mikilinburg, die erste Bildungsstätte 

in Mecklenburg. [Nicht vor 967.] 

Aldenburgensem'^) sedem suscepit regendam venerabilis vir 
Ecwardus, qui multos Selavorum convertit ad Dominum. Ordinatus 
est a sancto Adeldago, Hammemburgensi archiepiscopo. Crevit 
autem populus fidelium, nee fuit aliquid, quod novelle ecclesie ad- 
versaretur omni tempore Ottonum. Herum tres fuisse comperi omnes 
pari devotione erga Selavorum vocationem^) affectos. Et repleta 
est omnis Wagirorum, Obotritorum sive Eicinorum provincia ecclesüs 
et^) saoerdotibus, monachis et Deo dicatis yirginibus.^) Porro Alden- 
burgensis ecclesia dedicata fuit in commemoratione sancti lohannis 
baptiste existens honore matricis ecclesie insignis. Michelinburgensis 
vero ecclesia fuit constructa in honore principis apostolorum Petri 
continens monasterium virginum 

. . . Procreavit [regulus Obotritorum Billug] autem ex ea [sorore 
episcopi Wagonis et uxore Billug] filiam, nomine Hodicam, quam 
pontifex, avunculus eins, monasterio virginum contraditam et sacris 
litteris edoctam abbatissam prefecit virginibus, que degebant Miki- 
linburg, cum tamen necdum pervenisset ad annos 



b) ,illi* fehlt. c) iisdem. 

Zu 2: Aus Kap. 12 und 13 lib. I von Hehnoldi Chronica Slavorum. 
Scriptorum tom. XXI der Mon. Germ. hist. S. 19. 20. 

Andere Lesarten: 

a) Aldenburgensen. b) erga Slavorum populos et vocationem eorum. c) „et* 
fehlt. Zu Helraolds Chronik s. Wattenbach, 1. c. II. S. 338—341, BerHn 1894. 

*) Adam von Bremen drückt das in seinen Gesta Hammenburgensis 
ecclesiae pontificum, Mon. Germ. bist. Scriptorum tom. VII lib. II cap. 24 
S. 314. 315 so aus: Ecclesiae in Sclavania ubique erectae sunt; monasteria etiam 
virorum ac mulierum Deo servientium constructa sunt plurima. Er beruft sich 
auf das Zeugnis des Dänenkönigs Sven. 



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Die endgültige Einrichtung der drei wendischen Bistümer. 



Die endgültige Einrichtung 
der drei wendischen Bistümer 

[Harseveld 10. Oktober 1149 und 1154.] 

Yidens igitur donmus Hartwicus, Hammemburgensis archiepi- 
scopus, quia pax erat in Sclavia, proposuit reedificare sedes epi- 
scopales, quas barbaricus furor olim destruxerat in Sclavia, scilicet 

Aldenburgensem , Bacisburgensem*), Mikilenburgensem 

Poetquam igitur permittente Deo propter peccata hominum 
Christianitas adnullata est in Sclavia, vacaverunt he sedes annis 
octoginta^) quatuor^) usque in tempora Hartwici archiepiecopi. Qui 
propter generis nobilitatem duplici principatu clarus magno studio 
enisus est pro recuperandis suffraganeis episcopis universe Dacie, 
Norwegie, Suedie, quos Hammemburgensi ecciesie quondam perti- 
nuisse commemorat antiquitas. Sed cum obsequiis et variis largiti- 
onibus®) nil profecisset apud papam et cesarem, ne omnino oareret 
suffiraganeis, aggressus est iam pridem abolitos^) episcopatus Sclavie 
snscitare. Accitum igitur venerabilem sacerdotem Yicelinum Alden- 
burgensi sedi consecravit episcopum, cum iam esset etate provectus 
et mansisset in terra®) Holzatorum triginta annis. ^) Porro in Mikilin- 
burg^ ordinavit domnum Emmehardum, et consecrati sunt ambo in 
Rossevelde missique in terram egestatis et famis, ubi erat sedes 
Sathane et habitatio omnis spiritus immundi. 



Zn 8 : Aus Kap. 69 und 77 von Helmolds Chronica Slavoi-um lib. I in 
Scriptorum tom. XXI der Mon. Germ, bist S. 63 and 69; auch abgedmckt in 
dem Mecklenburgischen Urknndenbuche, Urk. Nr. 49. 59. Die Überschriften 
lanten: 69: De Hartwico archiepiscopo. 77: De Evermodo episcopo. 

Andere Lesarten: 

a) Bacesburgensem. b) octuaginta. c) legationibus oder donariis. 
d) obolitos. e) terram. f) mikinburg. 

^) Nach der Anm. 1 zu Meckl. Urk. Nr. 49 rechnet Helmold nach alter 
Weise 1066 und 1149 mit in die Summe hinein. Da Vicelin nach Helmold 
Kap. 78 bei seinem Tode am 12. Dezember 1154 fünf Jahre und neun Wochen 
Bischof gewesen war, so föllt seine Weihe auf den 10. Oktober 1149 (nach 
Anm. 11 von Scriptorum tom. XXI S. 63 auf den 11. Oktober). 

*) Nach Anm. 12 von Scriptonim tom. XXI S. 63 war Vicelin in Holstein 
nur 22 Jahre geblieben, von 1127—1149. 



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8 Urkonden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

[1154.] 
Nee hoc pretermittendum videtur, quod dilatante Deo fines 
ecdesie ordinatus est episcopus Bacesburg^) domnus Evermodus, 
prepositus de Magdeburg, deditque ei comes Polaborum Heinricus 
insulam ad inhabitandum prope castram 



4. 
Mittelalterliche Schulanfsicht. 

1160. 1248. 1333. 1354. 1382. 

a. 

Die Oberanfsichtsrechte des ErzMsehofs ron Hamburg 

in geistlichen Sachen ftber den größten Teil yon Mecklenburg. 

Hamburg 1160. 

In nomine sancte et individue trinitatis. Ego Hartwicus dei 
gratia sancte Hamburgensis*) ecdesie archiepisoopus. Pastoralis 
officii nostri sollicitudo nos admonet pia antecessorum nostrorum 
studia considerare, et ne ipsorum religiosa facta uUa possint refra- 
gatione perturbari, cura vigili^) providere. Notum ergo°) esse cupimus 
tarn presentibus quam futuris, quod cum venerabilis pater et ante- 
cessor noster Adelbertus^) totius parochie sue diligentissimam gereret 
curam®), preelegit metropolin') suam Hamburg, per'sevitiam barba- 
rorum propter evangelium lesu Christi sepius vastatam et iam quasi 
iure postKminii ^) reyersam reformare et in statum pristinum reyocare, 
fecundissimam illam matrem gentium considerans omnique devotionis 
officio venerandam, protestatus«) ei tanto maiorem offerri'*) debere 
consolationem, quanto maiori plaga et propioribus^ insidiis et tarn 
longituma paganorum infestatione cribraretur. Que qualis et cuius 
sit meriti quibusve eam dignitatibus preferre debeamus, pontificum 



g) in Racesburg. 

Zu 4a: Meckl. Urk. Nr. 70. Nach dein Original -Transsumpte im Archiv 
zu Neustrelitz. 

a) für Hamemburgensis, Hammenburgensis, Varianten. b) desgl. yigili 
cura. c) notum igitur. d) Adalbero. e) curam gereret. f ) metropolim. 
g) protestans. Die folgenden Worte „fecundissimam — cribraretur' sind nach 
Meckl. Urk. Anm. aus Adam v. Bremen entnommen, III, 25. h) afferri. 
i) proprioribus. 

») =r das Recht der Rückkehr. 



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Mittelalterliche Schnlaufsicht. 



et principum Romanorum apud nos deposita nos instruunt priTÜegia. 
Qae idem Yenerabilis pater noster Adelbertus'^) diKgentius intaens, 
Uoet eadem ecclesia in sui Tastatione nominis conservasset digni- 
tatem, ut pleno tamen in ea pristinum remansisse declararet^) honorem, 
ne propter temporis lapsnm et frequentem paganorum insultum de 
libertatis sue titulo possit'") saboriri dubium, canonicos in ipsa restituit 
in omni libertate et iure metropolitico ipsi a sancte Romane eccie- 
sie pontificibus et piissimis principibus concesso, usque ad vite 
sue excessum cum debita conserTans reverentia. Nos ergo°), qui 
eandem ecclesiam, licet indigni, gubemandam suscepimus, factum 
eins per omnia commendantes et confirmantes, ut ex laboris nostri 
soUicitadine aliquid ^) addicere videamur, quia iamsuffraganeos habere 
dederat, quadam parte Slavie adiutorio nobilis viri Henriei ducis 
Saxonie deTicta, tribusi") suffraganeis scilicet Lubicensi, Raceburgensi 
et Zwerinensi ipsam decoravimus auctoritate sedis apostolice, cuius 
legatione fungimur, statuentes, quatenus predicte ecclesie novelle 
ad Hamburgensem ecclesiam tanquam ad metropolin *i) suam in 
Omnibus respectum habeant et ut matrem debito honore venerentur, 
necnon eiusdem sedis archiepiscopo tantum') secundum canonum 
sanctionem*) debitam obedientiam et reyerentiam exhibeant. Iura 
etiam et consuetudines tarn Bremensis quam Hamburgensis ecclesie, 
que post unionem ipsarum fideliter ab antecessoribus nostris suo 
tempore servate sunt et que^) maxime propter viarum et aquarum 
pericola et locorum distantiam ad commodum utriusque provincie 
proYide institute sunt, in perpetuum servandas decemimus, ita ut in 
Hamburgensi ecclesia^) semel in anno cum suflEraganeis, prelatis, 
clericis, nobilibus, liberis tantum Cisalbinis provincialis synodus, in 
Bremensi Toro, sicut consuetum est, suo tempore tantum cum 
Transalbinis generalis synodus celebretur. Ut autem predicta omni 
evo rata et inconvulsa^) permaneant, presentem cartam scribi et 
sigilli nostri impressione signari fecimus. Ne quis autem haue nostre 
confirmationis paginam infringere presumat, sub anathemate et 
districti iudicii interminatione prohibemus. Actum Hamboreh, 
anno dominice incamationis M^C^LX^, indictione octava. 



k) Adelbeiiaa fehlt auch. 1) declaranä. m) posset. n) nos igitur. 
•) aliqaid eidem oder eidem aliquid. p) itaque [fehlerhaft, tribu8 in fast allen 
Handschriften], q) metropolim. r) tantum fehlt auch, s) sanctionem exhibeant 
debitam oder sanctiones exhibeant debitam. t) quam, v) Hamburgensis 
ecclesia, auch in H. ecclesia. t) et inconvuisa fehlt auch. 



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1 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 



Das Aufsiehtsrecht des Domseholastikns zu Schwerin ftber 
das Sehiilweseii des Sprengels. 

W.^) dei gratia Zverinensis ecclesie electus et confirmatus 
Omnibus presens scriptum visuris salutem in domino. Notum esse 
Yolumus Omnibus, ad quos presens pagina perrenerit, quod nos 
gratiam, quam dominus Rodolfus prepositus, quondam scholasticus 
Zverinensis, circa personam lohannis, exhibitoris presentium fecit, 
eandem quoque gratiam magister Nieolaus, nunc existens scholasticus, 
exhibuit, porrigendo videlicet eidem scholas in ciyitate Parchem, 
auctoritate nostra duximus confirmandam. Ne igitur super eiusmodi 
porrectionis beneficio possit in posterum dubitationis scrupulus pro- 
venire, presentem ei paginam scribi fecimus, sigilli nostri robore 
communitam. Datum Warin, anno domini M^CC^XLVIIP, idus 
Maii, per manum Theodorici capellani nostri. 



Die Gegenstände einer erzbischöf liehen Visitation im Bistum 

Seliwerin. 

Lübeck, 8. Dezember 1333. 

Borchardus dei gracia sancte Bremensis ecclesie archiepi- 
scopus universis sub sua iurisdiccione constitutis, quorum interest 
seu Interesse poterit, seu quos presens negotium tangit vel tangere 
poterit quoquo modo, salutem in domino. Cum venerabilem 
fratrem nostrum dominum Ludolfum episcopum Zwerinensem et 
canonicos Zwerinenses rite et legitime visitaverimus secundum 
canonicas sanctiones et huiusmodi visitacionis officio seu negocio 
circa alias personas ecclesie, civitatis et dyocesis Zwerinensis ex certis 
et legitimis causis ad presens vacare et intendere personaliter 
nequeamus, religioso et honorabili viro domino Hinrico preposito 
Novi Monasterii, nostre, ac discreto viro Hinrico de Zwerin, rectori 
ecclesie in Luthkenborch, Lubicensis dyocesis, et cuilibet eorum in 
solidum, ita quod non sit melior condicio occupantis, sed quod 
unus inceperit, alter possit prosequi libere et finire, in huiusmodi 
visitacionis officio seu negocio ulterius excercendo circa personas 

Zu 4b: Meckl. ürk. Nr. 7171. Nach einer Abschrift aus dem Anfang des 
17. Jahrh. im Geheimen und Hauptarchiv zn Schwerin. 

») D. i. Wilhelm. 

Zv 4c: Meckl. ürk. Nr. 5468. Nach einer vom Original, das sich im 
Geh. Archiv zu Kopenhagen befindet, genommenen Abschrift. 



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Mittelalterliche Schulanfsicbt. ti 

per nos non visitatas ecclesie, civitatis et dyooeeis predictarum 
presentibuB plenarie committimus vices nostras, dantee eisdem et 
eorom oailibet plenam et liberam potestatem inquirendi, corrigendi, 
pnniendi crimina, excessus et delicta et negligencias cleri et populi, 
prelatonim, prepositonim, collegiorum et conventaum, monasterio- 
nun, plebanonim, ecdesiarum rectorum, vicariorum perpetaomm 
sea temporalium, clericorum, laycorum seu personarum quarum- 
eunque, cuiuscunque dignitatis, preeminencie, statas, gradus aut 
condicionis existant, ecclesie, civitatis et dyocesis Zwerinensium, 
episcopo et canonicis ecclesie Zwerinensis dumtaxat exceptis, et 
in hiis refornmndi, que fuerint reformanda, ac omnia alia et singula, 
qae circa premissum visitacionis officium seu negocium necessaria 
faerint vel oportuna, et que nos personaliter facere possemus, si 
huiusmodi officium seu negocium per nos excerceremus, eciamsi 
roandatum exigant speciale, contradictores et rebelles et inpedientes 
auctoritate nostra per censuram ecclesiasticam compescendi. In 
quorom testimonium sigillum nostrum presentibus est appensum. 
Datum Lttbeke, anno domini M° CCC^ XXX^ IIP, feria quarta 
post festum beati Nicolai episcopi et confessoris. 

d. 
Befagnisse eines Arehidiakons im Arciiidiakonat Voberan. 

Rostock. 27. Juni 1354. 
In nomine domini, amen. Omnibus, ad quos presens scriptum 
pervenerit, Andreas miseracione divina Zwerinensis ecclesie epi- 
^'copus salutem et rei geste agnoscere veritatem. Cum ea, que ad 
dlTiunm coetum ampliandum sacris locis sunt applicata racionabiliter 
et donata, merito debent integre conservari et, si quoquo modo 
collabi contigerit, cum diligencia reformari, hinc est, quod nos 
äolempni tractatu prehabito omnes libertates, decimas, omnia iura et 
bona monasterii Dobranensis, Cisterciensis ordinis, nostre diocesis, a 
predecessoribus nostris felicis recordacionis Bemone, Brunwardo, 
Rodolpho et Hermanno, olim ecclesie Zwerinensis episcopis, con- 
ceasa, donata et indulta, prout in litteris eorum clarius elucescit^), 
presentibus innovamus, approbamus et auctoritate ordinaria confir- 
namus; et omnia et singula predicta grata et rata reputantes et 

/q 4d: Meckl. Urk. Nr. 7963. Nach dem Original im Hauptarchiv zu 

Schwerin. 

') Gemeint sind die Nummern des Meckl. Urkundenbuchs, Nr. 122 (Be- 
stätigung Bernos von 1177), Nr. 380 (Brunwards von 1230), 40t5. 746 (Rudolfs I. 
Tonl-2o5), Nr. 992 (Hermanns I. von 1263\ 1297 u.a. 



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12 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichts wesen^. 

habentes, quantum ad nos pertinet, ut premittitur, pleno iure cun 
banno et iure sinodali ac ecdesiarum iBtarum. yidelicet Cropelin 
Stevenshaghen, Parchentin, Stobelow et Redewisch, que olim fuii 
in Bayenhoret, cura et ordinacione, coUacione, clericorum institucioue 
et destitucione, investitura, iuridicione ecclesiastica et quibuseunque 
aliis ad premissa necessariis seu quomodolibet oportunis efficacitei 
confirmamus, addicientes, quod abbas monasterii Doberanensis. qui 
pro tempore fuerit, per se vel per alium seu alios libere possit 
curas dictarum ecdesiarum et ipsas ecdesias conferre'^). clericoä 
institaere et, si opus fuerit, destituere, inquirere, corrig^ere, iuri- 
dicionem exercere, synodo presidere, visitare^) et alia ad officium 
archidiaconi pertinencia^) exercere, reservantes tarnen nobis et nostiis 
successoribus in predictis ecciesiis visitacionem clericorum et laico- 
rum ac caritativum subsidium, cum ea per totam nostram diocesin 
generaliter celebrari, peti et prestari contigerit^^) in futurum. Et ut 
premissa omnia et singula perpetua gaudeant firmitate, presente-t 
litteras nostri sigilli munimine duximus roborandas. Datum et 
actum Rostoc, anno domini millesimo trecentesimo quinquagesim^ 
quarto, mensis lunii die vicesima septima, presentibus discretis viri^ 
dominis Hermanne Witten, canonico Pragensi. Oherardo Heker, 
rectore ecclesie in Stevenshaghen^), lancone de Czamecow, canonico 
Butzowensi, nostro notario. et aliis quam plurimis testibus fide digni^. 



e. 

Bischöfliche Kirchenyisitation zu Batzeburg. 

[Batzeburg. 18. Mai 1382.] 

In nomine domini, amen. Anno a nativitate eiusdem 
M«»CCC<>LXXXII°, indictione V*», mensis Maii die XVIII*, in qua 
occurrebat dies dominica infra octavas asoensionis domini, hora 
yesperarum seu quasi, pontificatus sanctissimi in Cristo patris ac 



Zu 4d: 

a) contingerit. b) Stevenschaghen. 

*) ecdesias conferre = Patronatrecht, das also vom Archidiakonat aus- 
zuscheiden ist 

») Der Archidiakon hatte also das Visitationsrecht, jedoch bedang der 
Bischof sich ebenfalls die Visitation aus, wenn er eine solche im ganzen Land»' 
veranstaltete. 

*) alia . . . pertinencia. Nach den Dekretalen (bei Richter-Dove, Lehrbuch 
des katholischen und evangelischen Eirchenrechts. 1886. S. 453 Anm. 5) fehlt 
noch: Verwaltung des Kirchenguts, Prüfung der Ordinanden. 



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Mittelalterliche Schnlaufsicht. 13 

domini nostri domini Urbani diTina providencia pape sexti anno 
qiiiBto, reverendus pater et dominus Hinricas episcopus Racebur- 
gensis propter officium visitacionis in ecciesia sua Raceburgensi ac 
dvitate tarn in dero quam in populo celebrandum ad civitatem 
Raeebargeasem et ad curiam suam, quam prope dictam ecdesiam 
habere dinoscitur, se declinans, sequenti die, scilieet feria secunda, 
hora tertiarum seu quasi, solempniter visitare inchoavit et primo 
dominum Gherardum prepositum, deinde priorem et successive 
eeteroB canonicos ipsius ecclesie per ordinem interrogando de statu 
ipsius ecclesie necnon de vita et conversadone cuiuslibet canonici 
ac eciam cuiuslibet yicarii, et si aliquid crederent in ipsa ecciesia 
refonnandum, et ulterius de singulis articulis, prout unum quemque 
officium habens vel eciam non habens officium tangere poterat et 
ipsi ac ecclesie expidire Tidebatur. Quibus scilieet omnibus et 
singulis sie, ut premittitur, debite et sollempniter visitatis et hoc 
in loco capitulari Baceburgensi superiori, postmodum descendebat 
ad ecclesiam, in qua religiosi viri videlicet domini Tidericus 
Smethusen, rector ecclesie sancti Petri Raceburgensis, et lohannes 
Plone, rector ecclesie sancti Georgii prope civitatem Raceburgensem, 
cum suis patronis ibidem communiter congregatis similiter^) cum 
debita soUempnitate tarn dictos rectores quam patronos eosdem 
similiter visitando ac de vita et conversacione dictorum rectorum 
ac suorum cappellanorum nomine et loco ipsorum rectorum in 
ipBis ecclesiis parrochialibus ministrancium interrogando. Post hec 
interrogavit a patroms eciam receptis a quibusdam eorum sibi de 
et super hoc deputatis iuramentis de excessibus, si qui essent in 
ipsis patronis et similiter de hominibus, si qui correctione indigerent, 
ibidem deferendis et publicandis. Quibus sie peractis predicti iurati 
cum aliis suis conpatronis deliberati pleniter, ut dixerunt, quosdam 
eicessus et nonnullas personas correctione dignas extunc ibidem 
detulemnt. Super quibus idem dominus episcopus peciit sibi per 
me Botarium publicum fieri unum vel plura publica instrumenta. 
Actum sunt hec anno, indictione, mense, die, hora et pontificatu 
ac lods, quibus supra, presentibus honorabilibus et discretis viris 
hominis Nicoiao, decano ecclesie Gustrowensis, lohanne Eetel, officiali 
generali curie Raceburgensis, ac Hinrico de Rene, rectore ecclesie 



Zu 4e: Meckl. Urk. Nr. 1U37, doch ist o statt ^ und u statt fi gesetzt. 

Nach dem Notariatsinstrament im Hauptarchiv zu Neastreütz. 

i) Nach den Anmerkungen zu den Urkunden büchern fehlt etwa ,consti- 

toerant". 



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14 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg^. Unterrichtswesens. 

parrochialis in Schonenberghe , et Tiderico Schilaten, perpetuo 
vioario in ecciesia sancti lohannis in Lunenborgh, Caminensis, Race> 
burgensis et Yerdensis diosecium, testibus ad premisea Tocati^ 
specialiter et rogatis. 

Et ego Albertus de Been, clericus Myndensis diocesis. publicus 
imperiali auctoritate notarius 



5. 
Das Patronat der Schulen zu Wismar. 

1279. 1323. 1331. 

a. 

Die Ffirsthi Anastasia und die Tormünder der Söline Heinrichs 

des Pilgers fiberlassen das Patronat der Schulen zu Wismar 

dem Batc der Stadt. [Wismar] 6. August 1279. 

In nomine sancte et individue trinitatis. Anastasia dei gracia 
domina Magnopolensis, Nicolaus Lubicensis ac Zwerinensis eccle- 
siarum prepositus et lohannes eadem gracia dominus Magnopolensis 
Omnibus presens scriptum visuris in omnium salvatore salutem. 
Humanarum multitudo et varietas actionum angustias nostre 
mentis excedit, et propterea ita sapientum ordinavit providencia, 
ut, quod capere in nobis memoria non potest, litterarum capacitas 
ad firmam futurorum noticiam enutriret. Hinc est, quod notum 
fieri Yolumus universis, quod nos sacri operis cultum dilatare pio 
cupientes desidefio, ne traditi nobis a domino talenti dispensatores 
pigri et inutiles iudicemur, viris providis et honestis consulibus 
Wismarie patronatum scolarum civitatis eiusdem per sollempnem 
stipulacionem de manu pueri Hinceke domicelli Magnopolensis, ad 
quem dominium feodi pertinebat, in manus dictorum consulum 
factam dimisimus, discrecioni eorum committentes de consensu 
unanimi, ut, cum dictas scolas ex morte Gozscalci presbiteri et 
scolastici ibidem vacare contigerit, extunc de patronatu scolarum^) 
se intromittant et de cetero in viro honesto et ad regimen scolarum 

Zu 5a: Meckl. Urk. Nr. 1506. Nach der Abschrift im Wismarschen 
Privilegienbuch. Auch abgedruckt bei Bunneister, Urkundliche Geschichte der 
Schulen in Wismar. 1837. S. 26. 

^) scolarum sind die Pfarrschulen von Marien und Nikolai ; s. Urkunden- 
buch Nr. 4426, wo sich ein Referat über diese Begebenheit findet. 



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Das Patronat der Schulen zu Wismar. 15 



ydoneo provideant, prout expedit, instituendo et destituendo ad 
dictum regimen, qaemouinque Toluerint, -pro sue raeionis arbitrio, 
8ub hac forma sciUcet^ ut de parte fructuum sive precii acolastici 
laboribus rectoris puerorum competenter satisfiat et de parte 
remuneretur presbiter quispiam conversacionis honeste, quem volu- 
erint, qui in ecciesia beate virginis Marie civitatis eiusdem singulis 
diebuB hora tercia postposita omni negligencia et remota ad altare 
tantom sibi deputatum, de fructibus scolarum pulchre et decenter 
secundum temporis exigenciam libris et omamentis instructum, 
missam ad honorem dei et ad salutem animarum omniumprogenitorum 
nostrorum, die dominica de trinitate, secunda feria pro defunctis, 
tercia feria de angelis, quarta feria pro peccatis, quinta feria de 
sancto spiritu, sexta feria de sancta cruce, sabbato de domina 
nostra, sollempnitatibus tarnen intervenientibus missam, que festo 
competit, decantare nullatenus pretermittat, patris nostri domini 
lohannis domini Magnopolensis, matris nostre domine Ludgardis, 
firatris nostri domini Alberti et aliorum predecessorum nostrorum 
pariter et nostri in missis singulis memoriam habiturus. Quem eciam 
presbiterum consules civitatis destituendi et alium instituendi, 
sicut de rectore scolarum premissum est, facultatem habebunt 
hberam secundum sue providencie racionem, hoc addito, quod de- 
ductis expensis tam circa rectorem scolarum, quam circa presbiterum 
memoratos, necnon et circa omatum altaris necessario faciendis, 
si firactus scolarum forte afBuencius acceperint secundum temporis 
gradam incrementum, quicquid de scolarum emolumento superfuerit, 
in Bomptus fabrice ecclesie beate virginis fideliter convertatur. 
Decrevimus quoque, ut omnem turbacionis materiam, que inter 
plebanum dicte ecclesie sive eins vicarium et inter presbiterum 
sepedictum misse huius occasione possit oriri, tollamus, quicquid 
sacrificü oblatum fuerit ad altare predictum, absque omni fraude 
et diminucione rectori ecclesie integral! ter exhibendum. Ideoque 
plebanus ecclesie sive eins vicarius huius misse celebracionem 
neqoaquam impediat neque indigne ferat, sicut omnipotentis dei et 
patroni sui graciam diligat inoffensam. Sepedictis civitatis consu- 
libus 8ub testimonio crucifixi et tocius ecclesie committentes, 
quatenns premissis taliter provideant secundum devocionis nostre 
iatencionem, sicut velint super credita sibi huiusmodi dispensacionis 
sollicitudine racionem in supremo examine deo reddere et digne 
retribucionis proinde meritum reportare. üt ergo tam salubris 
ordinacio nnllo oblivionis obscurata velamento iugis memorie optineat 
firmitatem, presentem litteram conscribi iussimus et nomina eorum, 



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16 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

quos huic facto presentes habuimus, que sunt ei sigillorum 

noBtrorum appensionibus roborari. Datum anno domini M^ CC** 
LXX^ nono, in die beatorum Sixti, Felicissimi et Agapeti mar- 
tirum, per manum Gozscalci preebiteri in Pole, feliciter. Amen. 

b. 

Heinrich Ton Mecklenburg ftberläBt zur Sfihne dem Bischof 

Marquard Ton Ratsebnrg fBr sein biscliöfliehes Tafelgat die 

Nikolaikirche und die beiden Schulen zu Wismar. 

Grevesmühlen, 17. März 1323 und Lübeck, 25. Mai 1323. 

Universis Christi fidelibus, ad quos presens scriptum per- 
venerit, Hinricus dei gratia Magnopolensis et Stargardie dominus 
de invio ad viam redire 

Porro coDsiderantes, quod in municipio nostro Wismarie 
dominis nostris episcopis Raceburgensibus, qui pro tempore faerint, 
perpetuam mansionem seu domicilium, tarn propter ipsorum quam 
etiam cleri et populi commodum et salutem, habere convenit, in 
remissionem peccatorum nostrorum liberaliter, pure et simpliciter 
donavimus et donamus predicto domino episcopo Raceburgensi et 
suis sucoessoribus ius patronatus ecclesie sancti Nicolai cum dote 
eeu habitatione, quam dominus Rotgherus, nunc rector ipsius 
ecclesie, inhabitat, necnon ius patronatus ambarum scolarum in 
eodem municipio Wismaria, cum omnibus fructibus, redditibus, 
proventibus, iurisdictionibus , iuribus et pertinentiis eorundem per- 
petuis temporibus libere possidendum, cupientes, ut predicte eccle- 
sia et scole cum suis fructibus, redditibus, proventibus, iurisdictioni- 
bus, iuribus et obventionibus mense episcopali predicte pro relevatione 
ipsius inopie ac cleri et populi salute connectantur, uniantur et incorpo- 
rentur perpetuis temporibus, ita quod censeantur ammodo in perpe- 
tuum unum corpus ; dummodo episcopus Raceburgensis, qui pro tem- 
pore fuerit, eidem ecclesie per presbyterum temporalem yelperpetuum 
seu yicarium religiosum vel secularem et iisdem scolis per ydoneos 
doctores religiöses vel seculares faciat provideri eisdemque pres- 
bytero seu vicario et doctoribus ad onera incumbentia supportanda 
de predictarum ecclesie et scolarum proventibus congruam susten- 
tationem prestari; non obstante quod quondam domina Anastasia, 
mater nostra dilecta, et patrui nostri domini Nicolaus etlohannes, 

Za 5b: Meckl. Urk. Nr. 4426. Nach dem Original im Archiv zu Neu- 

ötrelitz. 



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Das Patronat der Schulen zu Wismar. 17 

derlei in sacris ordinibus constituti, cum fuissemue minores annis, 
dieuntur patronatum dietarum scolarum vivente patre nostro caris- 
simo domino Henrico, tunc ab hostibuB, scilicet Sarracenis, capto, 
absqne ipsiuB mandato consnlibus Wismariensibus de facto dimisisse; 
quam tarnen dimissionem seu commissionem nos non recolentes 
esse factam, postquam ad annos discretionis pervenimus et eam 
sie fiactam esse percepimus, ratam non habuimus, nee pater noster 
predictns postliminio reversns ratam habuit, immo contrarium 
fecimufl de ipsis scqlis per mortem quondam Godäcalci ibidem 
scolastici vacantibuB, domino Nicoiao de Stralendorpe, nunc Lubi- 
censis et Zyrerinensis ecclesiarum canonico, predictis consulibus cum 
effeeta non contradicentibus, sicut de iure potuimus, providendo. 
Ut autem omnia et singula predicta irrevocabilia et inviolata per- 
petuo perseverent, volentes emendare preterita et ad versus futura 
eavere, pro nobis et nostris heredibus seu successoribus renunciamus 
omni actioni, exceptioni, appellationi ac iuris canonici et civilis 
auxilio ordinario et extraordinario nobis et ipsis competenti et 
competituro seu competiture, per quam seu per quod possit huius- 
modi tam pia donatio seu satisfactio revocari vel aliqualiter 
impediri. In cuius rei evidenciam perpetuam mandavimus et man- 
damus presens scriptum inde confectum sigilli nostri munimine 

roborari. Testes presentes fuerunt: 

Datum et actum Gnewesmolen, anno domini millesimo trecen- 

tesimo vicesimo tertio, in die beate Ghertrudis virgiuis 

[Der erzbiscfaöflich bremische OfGzial bestätigt die Schenkung:] 
Datum Lubeke, anno domini predicto, in die beati Urbani martiris. 



Der Bischof Marqnard von Batzeburg übergibt das Patronat 
der Schulen in Wismar den Batmännern daselbst 

Ratzeburg. 7. September 1331. 

Wi, Marqnard, van der gnade godes byschop to Raceborgh, 
bekennen unde don yritlik al den ghenen, de desse breve hören 
unde seen, dat wy mit den ratmannen van der Wysmer mit rade 
unde mit volborde hem Eghardes, des provestes, unde al des 
capiteles uses godeshuses umme dat recht al der scholen in der 
Wi8[mer] dreghen over eyn alsodane wys, dat de vorsprokenen 

Zu 5c: Meckl. ürk. Nr. 5265. Nach der Abschrift im Wismarschen 
Privilegienbuch. Bunneister, 1. c. S. 29. 

HonoineDta Oemumüie Paedagogica XXXVm 2 



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tg Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

radmanne scholen hebben eweliken al de schole vry unde umbe- 
woren, dat se moghen al de scole lenen unde bevelen, weme se 
willen, up alsodan recht, dat se in eren breven hebben. Darto 
ghewe wi en al recht, dat wi unde use godeshus hebben unde 
hebben mochten in al den scholen van genegherleye saken unde 
breven. Darto hebbe wy, de vorbenomede[n] ») radmanne, ghe- 
wyset unde orlevet in der were al der schole unde vorsaken al 
des rechtes unde nut, dat us unde usem godeBhuse[n] mochte evene 
komen van al den breven, de wy hebben up dat recht der vor- 
sprokenen schole ; de willekore wi in desser schrift, dat se eweliken 
scholen bliven machtloos. Unde to euer betughinghe al der stucke, 
de hir vore ghescreven sint, dat de eweliken vast unde untobroken 
bliven, so is mit unsem ingheseghele unses capitels ingheseghel to 
Baceborgh ghehenghet to dessem breve. De is ghegheven to 
Baceborgh, na godes bort dusend drehunderd unde eynuntdrittich 
iaar, in dem hilghen avende unser vrowen der lateren. 



6. 

Geistliche und weltliche Verfftgimgen in betreff 

der fahrenden Schüler. 1292. 1375. 

a. 

Statut einer Provinzialsynode im Erzbistum Bremen-Hamburg 

in betreff der fahrenden Schuler. 

[Bremen.] 17. März 1292. 

In nomine domini. Amen. Gyselbertus dei gratia sancte 
Bremensis ecclesie archiepiscopus ad perpetuam rei memoriam 

NoB una cum Baceburgensis, Zverinensis ac Lubicensis eccle- 
siarum episcopis^), suffraganeis nostris, necnon totius provincie 
prelatis tam regularibus quam secularibus et plurimis clerisis tarn 
religiosis quam aliis in nostra Bremensi ecclesia in provinciali con- 
cilio congregati deliberatione diligenti habita consensu et appro- 
batione predictorum omnium accedente statuimus 

a) Verb, aus ,vornomende". umme, up, betughinghe, stucke habe ich 
geschrieben statt: vomme, v^p, betöghinghe, stücke. Statt ,Uvi* zu Anfang 
schrieb ich ,Wi**. 

Za 6a: Meckl. Urk. Nr. 2156. Nach der Originalausfertigung im Archiv 
zu Neustrelitz. 

^) Die Bischöfe waren Burchard von Lübeck 1276—1317, Gottfried I. von 
Schv^erin 1292—1314 und Hermann von Ratzeburg 1292—1309. 



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Geistliche und weltliche Verfügungen etc. ] 9 

Item Omnibus et singulis prelatis ac clericis nostre diocesis et 
proTincie prohibemus, ne in domibus suis vel oommestionibus 
scolares Tagos, qui goliardi vel histriones alio nomine appellantur, 
per quos non modicum vilescit dignitas clericalis, ullatenus recipiant, 
Qlos maxime, qui in sacris ordinibus constituti a clericali habitu 
apostatantes et ordine laicalem habitum assumpserunt. Quod cum 
premissis statutis omnibus et singulis sub excommunicationis pena 
precipimus firmiter observari. 

Datum et actum anno domini M^CC^XCII^, feria secunda post 
dominicam, qua cantatur Letare lerusalem, pontificatus nostri anno 
decimo nono. 

b. 

Die Wlsmarsche Bflrgerspraehe yerbletet^ fahrende Schuler 
zu beherbergen. Wismar [c. t375.] 

Item. Quod nullus de civibus nostris debeat hospitare in bodis 
et habitacionibus suis presbiteros, clericos et scolares nisi presbiteros, 
qui habent hie investinghe et vitam suam ut boni presbiteri, et 
scolares, qui visitant scolas, ultra tres^) dies sub pena X marcarum 
suri, exceptis ambulantibus et peregrinis.*^) 



7. 
Der Unterhalt der Domschüler zu ßatzeburg. 1301. 

a. 
Die Speisung der Schüler. Batzeburg. 21. Oktober 1301. 

In nomine sancte et individue trinitatis. Amen. Hinricus 
miseratione divina prepositus, Fridericus prior totumque Race- 
burgensis ecclesie capitulum ad perpetuam rei memoriam bonorum 
omnium largitori. Humani generis conditio, etiamsi omnia membra 
eius in linguas yerterentur, dignas non sufficeret pro misericordi 
eiu8 pietate referre gratiarum actiones. Cuius pietatis nos non 

Zu 6b: Meckl. Urk. Nr. 10515. Zusätze zu der Wismarschen Bürger- 
spräche. Nr. 2. Nach der Matrikel im Ratsarchiv zu Wismar. 

ft) Dafür stand ursprünglich: X. b) exceptis ambulantibus et peregrinis 
ist späterer Zusatz. 

Zo 7a: Meckl. Urk. Nr. 2758: Die Speiseordnung des Domkapitels zu 
Ratzebnrg. Nach dem Copiarius I im Archiv zu Neustrelitz. Gedruckt bei 
Westpbalen, Monumenta inedita etc. Tom. IL 1740. S.2231, und Schröder, 
Papistisches Mecklenburg. I. 1741. S. 2991. 

2* 



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20 Urkunden u. Akten zur Oeschichte des mecklenburg. Unterrichtsweaens. 

immemores nee ingraii, si nee dignas sufficimus, sicut decet, saltem 
impares meritis eius pro modulo nostro gratias referamus eidem, 
qui dicte ecclesie inopiam admirabili sua Providentia nostris tem- 
poribus dignatus est sublevare, ordinans cotidianam nobis prebendam 
solito meliorem 

Insuper de conversis sie deerevimus observandum, ut 

eonversi absentes de summa missa, vigiliis et aliis horis 

prefatis fuerint, puniantur pena qua et eonventini superius prenotata, 
et omnes simul in una domo, una et eadem mensa sumant tempore 
debito eoncorditer alimenta; quibus sobrie sumtis surgant deeenier 
ad gratiarum aetiones. Prohibemus et distriete servari yolentes, 

ne sepedicti eonversi privates servos habere vel audeant 

eonfovere; quod si feeerint, volnmus eos expertes ab uno fereulo 
camium remanere. Hane quippe observationem oonversis adsignatam 
deerevimus a subdyaeonibus in seolis existentibus observari, ma- 
gistris eorum eos niehillominus eorrigere valentibus et eum eis 
dispensare, eum neeessitas id postulat et requirit 

Ceterum de elemosinis et reliquiis mense nostre taliter defini- 
mus, ut pure propter deum pauperibus vel seolaribus erogentur 

Item volumus, ut in omnibus supradietis dispensatio domini 
prepositi integra in sua firmitudine perseveret, nullius statuti aut 
rigore sanetionis obstante. Item notandum, quod in omnibus pre- 
missis eaussa iusta, legitima et rationabilis transgressores presentis 
statuti potent exeusare. Item servari preeipimus, ut, si hoe statutum 
seu ordinatio displieuerit, vel in ea quidquam addi, subtrahi vel 
eorrigi aut mutari plaeuerit, Uli, qui hane eondiderunt, ordinent ae 
disponant. Ut autem hee inviolabiliter observentur, presentem 
paginam desuper eonseribi feeimus et tam sigillo domini nostri 
episeopi Hermanni, quam prepositi neenon eapituli iussimus eonsi- 
gnari. Aetum a nobis anno domini M. CGC. L, in die sanetarum 
undeeim millium virginum. 

b. 
Der Anteil der Schüler an Brot und Bier. 

Ratzeburg. 130t. 

Universis Christi fidelibus presentia visuris Henrieus dei gratia 
prepositus eeelesie Baeeburgensis ad perpetuam rei memoriam. 

Zu 7bt Meckl. Urk. Nr. 2759: Die Brot- und Bierordnung des Dom- 
kapitels zu Ratzeburg. Die Zeitbestimmung s. daselbst in der Anmerkung. 



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Der Unterhalt der Domschüler zu Ratzebnrg. 21 

FftTor et atfeetio caritatis, quem ad firatres nostros habemus, nos 
admonet, nos inducity ut eorum commoditatibus intendamus et 
ipBomm proourationem in quotidiana refectione faciamus plus solito 
meliorem. Yolentes igitur, ut panis fiat de puro tritico prebendalis 
ad magnitadinem et puritatem prebendalis panis in Zverin, ita ut 
dttodecim panes de uno pistentur modio, de quibus unus ad diem 
cailibet de oonventu detur, et illo contentus nichil de pane familie 
ex debito sibi yaleat yendicare; ut panis etiam alius similiter de 
puro tritico fiat minor isto, ita ut yiginti quatuor de uno modio 
fiant pro subdiaconibus et conversis, de quibus cuilibet detur unus, 
nifli prepositus de pane familie iusserit superaddi ^) 

Ad hec volumus, ut cerevisia tam conTeniens tamque bona 
braxetur, ut de quatuor talentis avene et duobus talentis hordei 
et de duobuB talentis tritici non plus fiat de cerevisia, quam decem 
et octo tunne Travenenses^) possint capere bene plene. De qua 
cereyisia canonico de conventu dabuntur tres mensure ad diem 
tante magnitudinis, quod quelibet mensura dimidium stoYekinum') 
capiat; et cuilibet conversorum tria magna bacharia, de mane 
unum, de vespere duo quolibet die dabuntur; sed subdiaconibus 
tam mane quam yespere tantum duo etiam de eadem 

Verum cum res, in quibus certis personis constat provisum, 
commode dispensari nequeant inter plures, ideo de approbacione 
totias nostri capituli duximus statuendum, ut numerus personarum 
in conyentu yiginti quatuor non excedat, ita quod prepositus sit 
Tigesimos quintus, quo excepto erunt sedecim sacerdotes, quatuor 
dyaconi et quatuor subdyaconi in conyentu pariter ut in scolis 

Nos Fridericus prior totusque conyentus promittimus singulique 
et universi, quod ordinationem domini nostri prepositi tam lauda- 
bilem, tam salubrem semper inviolabiliter servabimus. Et quicun- 
qae ex nobis imposterum sibi fuerit substitutus, ipsam fideliter 



Nach dem Copiarias I im Archiv zu Neustrelitz. Abgedruckt bei Westphalen, 
Monnmenta inedita IE, S. 2274, und Schröder, Papistisches Mecklenburg S. 1494. 

^) Zur Bestreitung des Brotes und des Bieres wurden besondere Einkünfte 
bestimmt, welche die Urkunde an den hier fortgelassenen Stellen genau 
bezeichnet. 

') D. i. Iflbeckische Tonnen. 

*) D. i. ein Stübchen = ein Weinmaß. 40 gehen auf das Ohm; 4 quarta- 
na geben 1 stopa (stop)j s. Reg. zu den Meckl. ürk. Bd. XVII, S. 611. 



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22 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtewesens. 

observabit. Quisquis etiam ex nobis defectu, quo supra diotam 
est, non suppleto chorum adierit, voce sua in capitnlo per annnin 
integram Bit privatus. Ad diBpensandam cereviBiam, cum de yespere 
ad cenandum deponit se conventas, intret cellarium dispensator^ 
et exinde non exeat, nisi cum secunda campana ad completorium 
impulsatur. Item exituris ad negocia seu de itinere reyersuris 
prebenda panis et cerevisie tocius diei integraliter ministretur. 



8. 

Die Teilnahme der Schüler in Parchim 

an den Gottesdiensten in den Kirchen zu St. Marien 

und St. Georgen. 

Parchim. 6. Juli 1307. 

Universis presentCB literas inspecturis nos HermannuB Rampe, 
Ludolfus Akeleye, Hermannus de Eriwiz, Hinricus de Eucin, 
Gherardus Buscel, lohannes de Dambeke, Oherardus Ronewik, 
lohannes Stuto, Nicolaus Lichte, Gherardus de Grambowe, Theo- 
dericuB de Goldenbowe et Bemardus Sprikel, consules civitatis 
Parchym, cupimus esse notum, quod cum inter honorabiles viros 
dominos Nicolaum de Brusewiz, rectorem ecdesie sancti Georgii 
in Parchym, ex ima, et Ditmarum, rectorem ecclesie sancte Marie 
civitatis eiusdem, scolasticum ibidem, et Reynerum, rectorem sco- 
larium in eadem civitate Parchym, parte ex altera, esset materia 
dissensionis suborta, qualiter et quando idem rector scolarium et 
ipsi scolares divinis officiis in eadem ecclesia sancti Georgii cele- 
brandis Interesse deberent, inter ipsos consensu eorum libero de 
prudentum virorum consilio coram nobis ordinatum et placitatum 
exstitit sub hac forma: quod omnibus diebus ferialibus in matutinis 
et vesperis maiores et pueri de maiori et minori cantu sine reli- 
gione esse debebunt, in diebus vero dominicis et festivis maiores 
et pueri omnes et cum sua religione^), qui eam habent, erunt in 
primis vesperis et matutinis et in missa, et tunc erit unus cantor 
ad responsoria, et duo pueri alleluya cantabunt, in secundis 



Zu 8: Meckl. Urk. Nr. 3172. Nach dem Original im Geh. Archiv zu 
Schwerin. 

>) Geistliche Kleidung. 



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Bie Teilnahme der Schüler in Parchim an den Gottesdiensten etc. 23 

Tesperis maiores et pneri de utroque canta. Si autem fiierit 
spedale officium novem lectionum nee celebre, ad missam officii 
diei mittet magister tot scolares, quot plebanus requisierit. In 
Omnibus sextis feriis in vesperis beate Marie maiores et pneri de 
utroque cantu erunt, et unus puer versum cantabit ad vesperas; 
in omni vero sabbato ad matutinas maiores et pueri de utroque 
cantu, in missa autem omnes pueri cum maioribus et cum religione, 
quotquot habent, erunt, et duo cantabunt alleluya. Item in qua- 
tuor temporibus et vigiliis omnibus maiores et pueri de utroque 
cantu erunt in missa, si plebanus requisierit. In septuagesima 
dominicis diebus et festivis unus puer versum gradualis ad missam 
cantabit. Item per totam quadragesimam omnes de cantu et 
maiores in missa de die erunt, et unus puer cantabit versum 
gradualis. Item singulis quartis et sextis feriis quadragesime duo 
pueri letaniam in circuitu solempniter dicent. Item magister ad 
vigilias sive in choro sive in civitate dicendas tot pueros mittet, 
quotquot voluerint amici defuncti, et iidem in missis defuncti et 
exequüs manebunt. Item in summis festis, sicuti est in feste 
pasche, pentecostes et nativitatis Christi, primis quatuor diebus in 
matutinis, in missa et vesperis primis et secundis omnes pueri et 
maiores cum religione sua, quotquot habent, esse debebunt, et 
dtto erunt cantores. Item infra octavam dictorum festorum maiores 
et pueri de utroque cantu cum religione, quotquot habent, erunt 
in matutinis, in missa et vesperis. Item in feste apostolorum 
maiores et omnes pueri cum religione in primis vesperis et ipso 
die in matutinis et missa erunt et duo cantores. Eodem modo in 
aliis festis, iure vel consuetudine duplicibus, est servandum, sed in 
ipsa octava dicti pueri de utroque cantu et maiores erunt in 
vesperis, matutinis et missa. Item in duobus festis sancte Marie, 
scilicet in assumptione et nativitate, eodem modo, sicut dictum est 
de festis apostolorum et duplicibus festis, pueri se habebunt, sed 
infra octavam, si plebanus requisierit, pueri de utroque cantu 
eront in missa, in ipsa tamen octava omnes pueri et maiores cum 
religione in vesperis, matutinis et missa erunt. Item in quadru- 
plioi animarum conmemoracione, que annuatim seiet fieri, maiores 
et omnes pueri et cum religione, quotquot habent, in vesperis, in 
vigiliis, matutinis, cir(cum)cuitu et missis erunt et duo cantores. 
Item in rogationibus magister, maiores et omnes pueri cum reli- 
gione sua processionaliter et aliis divinis officiis se habebunt, sicut 
haetenus est consuetum. In hiis omnibus supradictis maiores et 
pueri in divinis officiis cantando et legende decenter ad plebani 



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24 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenborg. Unterrichtswesens. 

Yoluntatem et placitum se habebunt; hoc sane proviso, quod in 
quatuor festis beafe yirginis puerorum omaium una medietas in 
predicta ecclesia sancti Georgii divinis officiis, alia vero medietas 
cum magistro equaliter dividenda in ecclesia beate Marie nove 
civitatis Parchym primis vesperis, matutinis et missali officio inter- 
esse debebit. In dedicatione vero ecclesie utriusque taliter est 
pro Visum, quod rector ecclesie, cuius dedicatio tunc temporis 
minime peragitur, sie tempestive divina officia faciat celebrari, 
quod in ecclesia, cuius dedicatio est peragenda, omnes pueri in 
divinis officiis possint congrue interesse; simili modo per omnia 
observando, quando dies patroni, videlicet beati Georgii, cele- 
brandus accurrit. Preterea pueri, qui in nova civitate morantur, 
diebus dominicis et festivis in primis vesperis, matutinis et in 
missa, et vigiliis, si celebrande fuerint, erunt, et si rector sepedicte 
ecclesie in nova civitate diebus dominicis et festivis sex vel octo 
pro subsidio divini officii requisierit, sibi mitti debebunt. Ceterum, 
quando pueri et maiores ferialibus diebus divinis officiis in sepe- 
dicta ecclesia sancti Georgii interesse debent, ut superius est 
expressum, si predictus Beynerus eiusque successor, qui pro tem- 
pore fuerit, interesse non possit, unum aut duos ydoneos substituet 
loco sui, qui iisdem pueris presint in choro, ipsos ad explendum 
divinum officium efficaciter exhortando et, si divinum officium 
debite non impleverint, corrigendo et ab insolentiis laudabiliter 
conpescendo; et si tempore matutinalis officii rector scholarium 
legere decreverit, tunc octo vel decem de choro, quos ad audien- 
dam suam lectionem aptos reputaverit, poterit revocare. De Ulis 
vero, qui ratione scholarum vel scolarium nuUum percipiunt emolu- 
mentum, taliter est statutum, quod ad frequentandum divinum 
officium non sunt necessario, licet de honestate hoc facere debeant, 
obligati. Diebus vero dominicis et festivis magister scolarium 
divinis officiis cum pueris et maioribus in sepedicta ecclesia sancti 
Georgii sine religione, si voluerit, et maioribus anni festivitatibus 
cum religione personaliter interesse debebit, nisi causa evidenti et 
legitima fuerit prepeditus. Si vero, quod absit, pretactus rector 
scholarium, qui pro tempore fuerit, prefata omnia et eorum quod* 
Übet violaverit vel neglexerit adimplere, prenominatus dominus 
Ditmarus scholasticus ad denunciationem et requisitionem prefati 
domini Nicolai taliter excessum vel torporem magistri, qui pro 
tempore fuerit, corrigere tenebitur, quod idem dominus Nicolaus 
omnimode sit contentus. Insuper memorati domini Nicolaus et 
Ditmarus coram nobis sunt protestati, quod per huiusmodi ordina- 



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Der kirchliche Unterricht der Pfarrer etc. 25 

tionemy oompositionem, pacta sive placita buob saccessores non 
iDten4iint quomodolibet obligare. In quorum testimonium sigillum 
nostre civitaÜB ad instanoiam et preces partium presentibus est 
appensum, et nos memorati Nicolaus et Ditmarus loco subscrip- 
tionis et in signum inviolabilis observacionis premissorum sigilla 
nostra presentibus simUiter duximus appendenda. Testes herum 
onmium et singulorum sunt similiter domini magister Willekinus, 
plebanus in Eriwiz, Hinricus plebanus in Clodrum, lohannes 
Handertmarc, lohannes de Wuzsten , Otto plebanus in Zwemin, et 
lohannes de Campe, notarius domini Godefridi episcopi Zwerinensis, 
et quam plures alii fide digni ad hec Tocati specialiter et rogati. 
Datum et actum Parchym, anno domini M^ CCC^ septimo, in 
oetaya apostolorum Petri et Pauli.^) 



9. 

Der kirchliche Unterricht der Pfarrer im Bistum 

Havelberg. 1313. i463. 

a. 

Das Statut des Bischofs Beiner TOn Hayelberg in betreff des 
Unterrichts der Pfarrer and in betreff der Bfleher in Kirchen. 

[Havelberg. 1313.] 

Populum Yobis commissum edificate et instruite verbo et evan- 
gelio; fidem katholicMn firmiter, devote et eins articulos populo, 

*) Die Bischöfliche Bestätigung des Vergleiches (Warin. 28. Juli 1307. 
Meckl. ürk. Nr. 3172) lautet: 

Nos Godefiridus dei gratia Zwerinensis ecclesie episcopus universis presentes 
litten» inspecturis cupimos esse notnm, quod nos quasdam litteras consulum 
civitatis Parchim integras yidimus sub liac forma: [Es folgt die vorstehende 
Urkunde.] 

Nos igitur considerantes predictas Ordinationen!, compositionem et pro- 
Tisionem inter predictas personas provide et in divini cultus augmentum 
aalabriter fore factas eas ratificamus et approbamus, ipsas autoritate ordinaria 
confirmantes, volentes omnia premissa et singula firmiter observari. In cuius 
ratihabitioiiia , approbationis et confirmationis testimonium sigillum nostrum 
presentibus litteris est appensum, ne inter personas memoratas in posterum 
de novo dissensionis materia quoad premissa valeat aliquatinus suboriri. Datum 
et actum Warin, anno domini millesimo trecentesimo septimo, in die sancti 
Pantaleonis. 

Za 9a: Riedel, Codex diplomaticus Branden burgensis. 1. Hauptteil. 
Band m, 8.233, Urk. Nr. I. Die Überschrift lautet: Incipiunt regule pleba- 



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26 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

quantum congruit, explicate Item campanas, libros, calices 

et alias res ecdesie sine licentia nostra vendere non permittite. 

Item has constitutioiies omnes habete et sub pena synodali 
duarum marcarum argenti fideliter reservate. 



Statut des Bischofs Wedego toh Hayelberg in betreff 
des Unterrichts der Pfarrer. 

Witstock. 25. April 1463. 

Wedego, dei et apostolice sedis gratia Havelbergensis ecdesie 
episcopus, universis et singulis prelatis, capitulis, ecclesiarum 
parrochialium rectoribus seu eorum loca tenentibus altaristis ac 
clericis tarn religiosis quam secularibus per civitatem et diocesim 
nostram Havelbergensem ubilibet constitutis salutem in domino 
sempitemam 

De festivitatibus celebrandis. 
Item rectores ecclesiarum doceant suos parrochianos orare 
orationem dominicam, videlicet Pater noster cum Ave Maria et 
cimbalo apostolico materna ligwa et faciant hoc in singulis suis 
sermonibus et maxime diebus dominicis aut per suos capellanos 
id fieri procurent. Hec serventur sub pena iuxta arbitrium infli- 
genda 

Acta et confirmata sunt hec Wistogk, anno domini millesimo 
qnadringentesimo sexagesimo tertio, die vero lune yicesima quinta 
mensis Aprilis, in ecclesia parrochiali beate Marie yirginis, memo- 
rato domino episcopo synodo sollemniter presidente.^) 

norum per dioecesin Havelbergensem tmdite a venerabili domino, domino 
Regnero episcopo Havelbergensi, anno domini MoCCCoXIIIo. Riedels Vorleben 
waren die Statuten, wie sie in einem alten Brevier des Bischofs Johann von 
1511 und in einem alten Havelberger Kopialbuche standen. Mit letzterem 
verglich das Egl. Geh. Staatsarchiv zu Berlin auf meine Bitte den Riedeischen 
Text; mit Dank nahm ich die Verbesserungen in oben vorliegenden Text auf. 

Za 9b: Riedel, Codex diplomat Brand. 1. Hauptteil. Band III, S. 246 ff., 
Urk. Nr. X. Der Text ist wie in 9a mit dem Original verglichen. 

>) Die Statuten Wedegos von 1463 stimmen nach Riedel, Codex diplomat. 
1. Hauptteil. Band III, S. 246 fast wörtlich mit dei^jenigen Konrads von 1427 
uberein. Unser Statut ist aber ein Zusatz, der also ganz Wedego gehört. 



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Albrecht von Mecklenburg schenkt dem Rat der Stadt Rostock etc. 27 

10. 

Albrecht von Mecklenburg schenkt dem Bat 
der Stadt Rostock das Patronat der Pfarrschnle 

an St Marien. 

Wismar. 8. Juni 1337. 

Albertus dei gracia Magnopolensis, Stargardie et Rozstok 
dominus omnibus, ad quos presencia pervenerint, cupimus fore 
notnm ac infirascripte rei et eteme lucidam constare veritatem, 
quod discretis ac honorabilibus viris, dilectis nobis consulibus 
civitatis nostre Rozstok, ipsorum benemerita et gratuita obsequia 
nobis per ipsos impensa et, ut vehementer presumimus, inantea 
inpendenda non modicum attendentes, ius patronatus scolarum 
sanete Marie dicte civitatis nostre Rozstok cum omni proprietate, 
cmn ipsas per resignacionem vel per mortem domini Meynardi 
rectoris ecclesie in Ziwan, nunc scolastici earundem, vacare con- 
tigerit, de beneplacito et consensu dilecti fratris nostri domicelli 
lohannis accedenteque nostrorum consiliariorum consilio donavimus 
et contulimus et nichilominus donamus et conferimus in hiis scriptis 
libere et pacüice perpetuis temporibus, quociens vacaverint, possi- 
dendum, nichil penitus in premissis nobis aut nostris successoribus 
retinentes, dantes et concedentes eisdem consulibus plenam et 
liberam facultatem presentandi vel alias de premissis scolis dispo- 
nendi et ordinandi, prout ipsis melius et utilius videbitur expedire. 
Testes huius sunt: Bolto Hasencop, Nicolaus de Helpede, Otto 
Dewitze, lohannes Molteke, Raven Bamekow, milites, Johannes 
Rodekoghele, lohannes Cropelyn, proconsules nostre civitatis Wis- 
marie et consiliarii nostri fideles, una cum Bertoldo Roden, nostro 
dileeto pronotario<^), necnon quam alii plures fide digni. In cuius 
rei evidens testimonium presentem litteram super dictam dona- 
cionem nostram eis traditam sigilli nostri appensione fecimus 
roborari. Datum et actum Wismarie in curia nostra, anno domini 
millesimo tricentesimo tricesimo septimo, ipso die feste pentecostes. 



Zi 10: Meckl. Urk. Nr. 5778. Nach dem Original im Archiv der Stadt 
Rostock. 

a) In dem Texte steht hier: (!), ein Zeichen, das ich weggelassen habe. 



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28 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichts wesena. 

11. 

Bestimmiingeii in betreff der Anzahl von Nonnen 
nnd Schülerinnen im Cistercienseraonnenkloster 

Wanzka. 

Zechlin. 23. Januar 1341. 

Beverendo in Cristo patri ac domino suo dilecto, domino 
Theoderico Havelbergensis ecclesie episcopo , . . . abbatissa , . . 
priorissa totusque conventus sanctimonialium in Wantzik cum debita 
reverencia oraciones devotas in Cristo. Cum per certissimam 
experienciam rerum variarum in dicto nostro claustro noviter 
introductarum didicerimus, statum nostrum vergere et magis posse 
in futurum vergere verisimiliter et declinare ad condiciones dete- 
stabiles, graves etnocivas: huic morbo, qui noviter irrepsit, sanam 
cupientes apponere medicinam, de unanimi et concordi eonsilio et 
consensu omnium nostrarum dicti claustri sanctimonialium, quarum 
interest, eciam specialiter requisitarum, cum matura deliberacione 
tenore presencium statuimus et sanximus, quod deinceps et inantea 
numerus sanctimonialium nostrarum non debeat esse vagus et 
incertus, immo idem numerus debet sie iuxta facultates ecclesie 
restringi, quod ultra quinquaginta personas nullatenus extendatur, 
et quod numerus secularium puerorum^) ultra decem personas non 
trahatur. Qui pueri unum annum in erudicione conplebunt tantum, 
et nuUus talium puerorum ante solucionem expensarum faciendam 
in promta pecunia introducatur, immo sine promta pecunia mox 
reducatur. Item statuimus, quod, quandocumque contigerit puellam 
vestiri, in tali articulo et circumstanciis eins debeant servari con- 
suetudines antique, laudabiles et approbate 

Preterea masculi quicumque pro negociis suis non petant 
interiora claustri, sed foris agant ea; et iidem masculi aut alii qui- 
cumque, eciam pueri duodecim annorum, in claustro ad pemoctan- 
dum nequaquam admittantur 



Zu 11; Meckl. Urk. Nr. 6107. Nach dem Original im Hauptarchiv zu 
Schwerin. 

^) Pueri, nicht Knaben, sondern Mädchen. Das zeigt schon das folgende 
puellae, welches für Novizen gebraucht wird. In Nr. 5939 des Urkundenbuchs 
ist von einer filia die Rede, welche hernach mit „dictus puer' bezeichnet wird. 
In 7453 werden tres pueri, Mechtildis, Elyzabet et Gheseken genannt. S. auch 
das Wort .puer" im Wort- und Sachregister, Band XII, S. 424. 



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Bestiimniingen in betreff der Anzahl von Nonnen etc. 29 

Datum anno domini M^ CCC^ XLI<>, feria tercia post Fabiani 
et Sebastian! martirum, sub sigillo nostri conventus. 

Nos quoque Thidericus dei gracia Havelbergensis ecclesie 
episcopus antedicta statuta in omnibus suis clausulis, in quantum 
sunt legitima et communi iuri consona, quoad dominas et prepo- 
Bitos, ut premittitur, approbamus, ratificamus et presentibus confir- 
mamus, sperantes eandem ecclesiam debere et posse in melius 
proficisci ex eisdem, penam synodalem in negligentes ea infligentes 
et cum hoc aliam in visitacionibus iuxta qualitatem delicti impo- 
nentes. Datum Tzechelin, anno domini W CCC<> XLI^, in die 
beati Mathie apostoli, nostro sub sigillo. 



12. 

Gesetze fftr Lehrer und Schüler der Domschule 
zu Schwerin. [Um 1370] 

Fredericus dei et apostolice sedis gracia episcopus, Hinricus 
prepositus et capitulum ecclesie Zwerinensis ad perpetuam rei me- 
moriam. Cum transgressor rationabilis et honeste consuetudinis 
non minus quam violator^) iuris puniendus existat, ne quisquam 
de nostra ecclesia pretextu ignorantie ab servandis laudabilibus et 
rationabilibus eiusdem ecclesie consuetudinibus se excusare yaleat, 
tenore presentium easdem consuetudines duximus declarandas. 

In primis igitur. sicut ex antiqua et approbata consuetudine 
diete nostre Zwerinensis ecclesie observatum est, nuUa persona 
ipsius ecclesie, cuiuscumque dignitatis, Status vel conditionis extiterit, 
etiamsi scolastica fuerit, a pulsu ad primam missam vel ad horam 
inira tempus divinorum sine religione per cimiterium yel ecclesiam 
Zwerinensem transire debebit 

Item omnibus personis eiusdem ecclesie sub excommuni- 
cacionis pena dudum per nos in scriptis prolata districtius est 
prohibitum, ut nulla ipsarum, sive prepositus, decanus, canonicus, 
Yicarius, rector scholarium vel Scolaris, quicumque pro tempore 
fiierit, litteram vel litteras, notam vel notas in libris chori ecclesie 



Zu 12: Meckl. ürk. Nr. 10128. Nach einer Abscbrift des 15. Jahrhunderts 
im Kopialbach des Rostocker Domkapitels. 

Die Yerbessenmgen nach den dort getroffenen: 
a) ans violenter. 



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30 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unternchtswesens. 



Zwerinensis immutet vel abradat^) absque capituli et decani licen- 
cia speciali 

Item totus chorus prepositi, tarn canonici, vicarii quam scho- 
lares, ipsi preposito de lectione in choro per ipsum completa 
redeunti reverenter assurgent, quod similiter chorus decani eidem 
deeano faciat transeunti 

Item scholasticus Zwerinensis erit custos minoris sigilli ecclesie 
et omnes litteras capituli scribi faciet®) suis sumptibus et expensis 
librosque scholasticos custodiens reservabit^) summe cayendo, unde 
periculum timeatur, ne aliquid de secretis capituli litteras scribi 
faciendo revelet, nee ullas litteras sigillo capituli nisi de mandato 
speciali eiusdem sigillabis. 

Item eciam scholasticus omnium excessuum tam magnorum quam 
parvorum correctionem, quos scholares sub iugo existentes commi- 
serunt, retinebit. 

Item scholaris thesaurarii habebit libros lectionum, super pul- 
petum reponet et inde reportabit, armarium claudet et, que in eo 
reservantur®), custodiet diligenter. 

Item cellerarius ministrabit de redditibus ad panes preben- 
dales deputatis XII prebendatis, scilicet prebende in Rub(en)ow, 
prebende domini episcopi et decem prebendis maioribus per ducem 
instauratis qualibet septimana, scilicet feria lY^* Septem et sabbato 
Septem panes triticeos albos, prout maiores et meliores fieri possunt 
de modio mensure Zwerinensis, [secundum] pondus ad hoc specia- 
liter deputatum; quod pondus habebit imum decanus in sua custo- 
dia, unum senior capituli et unum ipse cellerarius obtinebit. KuUi 
tamen dabitur panis prebendatis, nisi habenti proprias expensas') 
Zwerin et in propria curia residenti, necnon tres servientes, videli- 
cet scholarem, unum servum et unum quoquinarium secum tenenti. 

Item canonicus de novo receptus habet facere et dare tenetur: 
primo dabit cappam de cerico yalentem XX marcas Lub. infra 
tempus ad hoc statutum, vel unum cericum iuxta ordinationem et 
estimationem thesaurarii et capituli, dummodo valor non excedatur. 
Item episcopo quatuor, preposito, deeano, scolastico, cantori, thesau- 
rario, cellerario Zwerinensibus, cuilibet ipsorum duas stopas vini, 

b) aus abradet. c) aus faciat. d) aus reformabit. e) aus reformantur. 
f ) aus expenses. 



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Gesetae fCLr Lehrer und Schüler der Domschule zu Schwerin. 31 

cnilibet canonico unam stopam, cuilibet Yicario dimidiam stopam, 
qaartale vini cuilibet lectori chori tenebitur erogare. Item dabit 
camerario yestes, quibus tempore sue recepcionis est indutus; si 
yero puer fiierit, dabit eidem, cum ad annos discretionis pervenerit, 
Testes decentes. 

Item secundum sue recepcionis ordinem serviet dominis [et] 
pueris isto modo. In vigilia beati Andree pueri schole et scholares^) 
abbatem et in vigilia beati Nicolai secundum consuetudinem eligent 
episcopum, quos ambos procurabit a die electionis usque ad diem 
sancti Thome Canthuariensis exdusive; illos investiet^) toga, tunica, 
caputio, caligis et calciamentis. Item infra tempus predictum singulis 
diebus dominicis et festivis pueri et scholares cum chorea primis et 
secundis vesperis ducent episcopum ad hospitium canonici servientis, 
ubi bibent. Item scholares et pueri bis in septimana ad stupham 
cum episcopo et abbate per dictum^) canonicum procurari debe- 
bunt.') Item in profesto Innocentum idem canonicus scholaribus 
et puerift tam de yespere quam de mane conyiyium faciet ministrari. 
Item dabit rectori scholarium par caligarum de pulcro panno 

Item ebdomadarii officium est, quod in festo, quando duo sunt 
cantores aut unus cantor cappatus cum serico, idem ebdomadarius 
post primum yersum „Magnificat^ de armario procedet, ubi scho- 
laris precedens eum presentabit ei ante summum altare incensum, 
cum quo circuet illud, ut est moris 

Item, qui inceperit yigilias, idem vel similis ei in dignitate 
eosdem complebit. Item, qui inchoaverit primam, ut pueri distinc- 
tius legant, apud ipsos remanebit, confusiones quaslibet corrigendo: 
alii similiter facient, qui alias horas servare tenentur. 

Item custos vel scholaris parre a decano et capitulo constitui- 
tur, qui de mane ad matutinum et ad missam, que dicitur vromisse, 
8erv[i]et per omnia et precedet sacerdotem infirmos visitantem cum 
lucema et campana ante eucharistiam, ubi datur sibi denarius; et 
tantum recipiet a muliere introducta; in sacra unctione sex denarii°^) 
dabuntur eidem. Item in omni nocte, quando debent incendi 
luminaria in smnmo altari, in ambone, supersedilia et in platis 
posita et lumina pascalia, incendet et extingwet, et cereum pasca- 
lem ad fontem portabit. Item procurabit pulsari secundum '^) festa 



g) aus secundum. h) aus investiget. 1) aus scholaris. k) aus perductum. 
1) aus procurare debebitur. m) aus denarios. n) aus scz (scilicet). 



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32 Urkunden u. Akten zur Geflchichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

et tempora statuta, suis sumptibus et expensis. Item faciet calda- 
rium portari cum aqua benedicta per circuitum cimiterii. Cum sit 
clericus parre, et non chori, pro bis habebit redditus sibi ad hoc 
deputatos, et precipue a feste nativitatis Christi a qualibet scutella 
per totam parochiam recipiet unum denarium Zwerinensem. Item 
procurabit omni dominica die sal ad aquam benedictam et ipsam 
aquam necnon aquam ad baptismum et ligna ad ignem benedicen- 
dum in vigilia pasce. Item portabit seu procurari faciet crucem 
in feste pasce et aquam per circuitum. Scholaris claudens armarium 
procurabit ignem in eo et aquam ad lavandum et portabit incensum. 

Item nuUus intererit divinis officiis alba tunica vestitus, preter- 
quam in nocte Tel sub iugo scholaris existens 

Item canonicus vel vicarius debito tempore chorum intrans in 
latere reverenter inclinet; lector vero et magister ac scholaris ad 
statuam, ut moris est, inclinabunt. Ministrantes yero in dhoro et 
religionem ferentes huiusmodi inclinationibus non sunt astricti. 

Item processione scholarium veniente chorus surget, et infra 
„Magnificat" et „Benedictus'* standum erit. 

Item processione solempni primo duo scholares albis induti 
„AUeluia^ cantaturi portabunt prima duo vexilla; ad alia yexilla 
portanda magister scholares ordinabit; ante alia duo vexilla ymnus 
cantabitur a duobus scholaribus in processione. 

Item, cum „Te Deum^ cantatur, aut de nocte fuerint novem 
lectiones, vel missa de domina nostra cantatur, duo pueri ministra- 
bunt in albis cum candelis accensis infra missam ante statuam vel 
retro subdiaconum, ac ferialibus diebus unus scholaris ministrabit 
cum candela ardenti ad missam, subdiaconus autem et diaconus ab 
oiFertorio usque ad finem misse stände ministrabunt. 

Item in quatuor temporibus prophecie leguntur in albis ante 
statuam, alias in ambone iuxta subdiaconum et „Benedictus" a 
tribus pueris cantabitur in ambone choro respondente; sed sabbato 
„Caritas dei^ dicetur „AUeluia'', „Benedictus^ in ambone. Item 
puer versicularius versiculum interroget ab ebdomadario, et primum 
versum cantans ad matutinum dicet versiculos voce submissa. 



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Bestimmungen des Bischofs Melchior von Schwerin etc. 33 

13. 

Bestimmimgeii des Bischofs Melchior von Schwerin 

ftber das servicimn episcopale nnd das servicimn 

scolarimn des Bützower Kapitels. 

Bützow. 13. Juli 1378. 

Melchior dei et apostolice sedis gracia episcopus ecclesie 
Zwerinensis universis et singulis, ad quos presens scriptum per- 
venerit et quorum interest seu interesse poterit quomodolibet in 
futurum, in perpetuum salutem in eo, qui est omnium vera salus 

Preterea cum prefatis dominis decano, canonicis et capitulo in 
futurum precavere volentes, ne illi, qui, ut premittitur, exnunc de 
cetero canonicatum et prebendam eciam quamcunque de novo 
assecuti fuerint, per servlcium episcopale solitum et hactenus in 
dieta ecclesia Butzowensi fieri consuetum nimium pergraventur, 
presentibuB eciam cum eisdem dominis ordinamus, facimus et 
statuimns, quot, quicunque dictum episcopale servicium iuxta ordi- 
nem consuetum debuerit facere, decem marcas Lubicensium dena- 
riorum pro utilitate ecclesie scilicet librorum, vasorum, utensilium, 
vestium, omamentorum, paramentorum necessariorum comparacione 
seu reformacione reservandas et rectori scholarium, qui pro tem- 
pore fuerit, IIII^' marcas Lubicensium denariorum, de quibus 
dominis canonicis supradictis computacionem faciat, pro servicio 
scolarium ibidem faciendo exponendas prefatis dominis decano, 
canonicis et capitulo aut thesaurario ibidem de consensu et nomine 
dominorum eorumdem infra tres menses necnon rectori scolarium 
ibidem infra YIII^ dies a feste beati Andree apostoli illo anno, 
quo ipsum tangit ordo huiusmodi servicium episcopale faciendi, 
computandas dare et solvere debeat expedite sub pena excommu- 
Bicacionis late sentencie in hiis scriptis. Decernimus^) eciam omnes 
et singulos huiusmodi marcas usibus predictis deputatas inter se 
dividentes seu alias in aUos usus sine licencia nostra vel nostrorum 
successorum conyerten[te]s sentenciam excommunicacionis incurrere 
ipso facto.^) Insuper in casu, si contingeret, quod forte ex canonicis 
ibidem nuUus superesset ad huiusmodi episcopale servicium facien- 
dum, ordinavimus et statuimus et presentibus ordinamus et statuimus, 

Zn 18: Meckl. Urk. Nr. 11122. Nach dem Diplomatarium ecclesiae 
Bützowiensifi. fol. 104 b. 

a) aus discemimafl. b) aus feste. 
Monumenta Oermaoiae Paedagogica XXXVIII 3 



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34 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

ne huiusmodi consuetudo laudabilis et honesta omnino et ex toto 
pereat et annuUetur, quod a seniore canonico eiusdem ecclesie 
Butzowensis secundum ordinem et gradum descendendo servicium 
huiusmodi resumatur et deserviatur, donec alius novus canonicus 
iterato superveniat, qui extunc huiusmodi servicium facere et deser- 
yire, ut premittitur, teneatur, tali tarnen eciam apposita condicione, 
quod illi canonici, qui iterato seu secundario huic episcopali servicio 
deservierint, im^' marcas Lubicensium denariorum et non ultra pro 
huiusmodi servicio episcopali^) solvant et ad alias X marcas Lubi- 
censium denariorum pro reformacione librorum vasorum, utensilium, 
omamentorum, paramentorum supradictas^), ut prefertur, minima 

teneantur ex eo, quod prius huic servicio episcopali deservierunt 

Datum et actum Butzowen in loco capitulari ecclesie Butzo- 
wensis supradicte, anno domini M^CCC^ septuagesimo octavo, in 
die beate Margarete virginis et martiris gloriose. 



14. 

Gedanken eines Priesters 
über die Erziehung eines Jünglings in Wismar. 

[Rom. 19. September 13S8.| 

Integri amoris constantisque amicicie salutacione premissa. 
Frater et amice carissime 

Yalde doleo, quod cum dicto Hinrico nepote meo vexationes 
habuistis et habetis. Puto tarnen, quod ebrietas ipsius per cibi et 
potus subtraccionem possit curari, qua curata mentis duricia et 
corporis inmundicia aliquantulum curabuntur et, si huiusmodi eure 
sibi adhibite adhue infra tres vel quatuor menses non suffragabuntur, 
placet michi summe, quod ipsum dimittatis ire, quo velit. Nolo 
enim aliquo modo, quod vexaciones cum ipso habeatis, quas per 
me nollem secum habere nisi ad modicum tempus, et hec sibi, 
si placet, dicatis 



c) deservierunt ist durchstrichen, d) in supradictarum verbessert. 

Zu 14: Meckl. ürk. Nr. 11950: Der 1. Brief des Jakob Repest, fallend 
zwischen 1388 und 1395. Meckl. Urk. Nr. 11951: Der 2. Brief des Jakob 
Repest, um 1388, am 19. September. Nach dem Original im Wismarschen 
Ratsarchiv. 



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Gedanken eines Prieeters Über die Erziehung eines Jünglings etc. 35 

Rogo ttt ad cognatum meum vobis commiBsum respectum 
habeatis ipsumque in rigore teneatis seu teneri faciaÜB et michi 
rescribatis, quid sibi de vicariis conprendis factum sit vel fieri 
speretur 

Scriptum Rome, die XDL mensis Septembris, meo sub signeto. 

JaeobuB Repest. 
Fratri carissimo domino Hinrico de Baisee, prothonotario 
dominorum WiBmariensium, detur. 



15. 
Die Fundationsbulle der Universität zu Bestock. 

Ferrara. 13. Februar 1419. 

Martinus episcopus, servus servorum dei, ad perpetuum rei 
memoriam. Sapientie cuius immareesBibilis inextinguibile eradiat 
lumen ac infinitus est theBauruB, et que omnem habens vigorem 
sacramentum virtutisque vapor est altiBBimi, dispensator et dux 
omniumque carismatum elargitor dominus ad hoc sue miserationis 
dignatu nobis licet immeritis sponse sue universalis ecclesie regimen 
pia dispensatione commisit et nostre debilitatis ocülo iugum im- 
ponens apostolice servitutis nos ad sacram Petri sedem conscendere 
Yolttit, ut inenarrabilibuB investigabiles suas facientis semitas dei 
exquisitifi iudiciis. tanquam de supremo vertice ad mundi infima 
prothoplaustique posteros, qui non nativitatis depascunt fructus, sed 
intelligentie spiritum, eandem, cuius initium yerissima est discipline 
concupiscentia, perstringendo sapientiam divinis educantur eloquiis, 
reflectentes intuitum, quid pro indisciplinatis errantium curandis 
mentibus, pro huiusmodi illustranda ecclesia ad fidei propagationem 
conferat orthodoxe, quid statui conveniat fidelium quorumlibet, 
prospiciamus attentius, et qualiter a fidelibus ipsis profugatis igno- 
rantie tenebris illi post supereminentissimam summi opificis notio-^ 
nem per eiusdem sapientie donum in viam mandatorum directi 

Zu 15: Nach dem Abdruck des Jahres 1620: Bulla fundationis academiae 
Rostochiensis. Typis loachimi Pedani, acad. typ. An. 1620. 6 Bl. Andere 
Dmcke erwähnt Krabbe, Die Uniyersit&t Rostock im 15. und 16. Jahrhundert, 
S. 38 Anm. 2. Das Original befindet sich im Geh. Archiv zu Schwerin. Ich 
habe den Text nach diesem verbessert. Unter dem Falz der Pergamenthand- 
Schrift, an der das Siegel hängt, steht : 1900 Goldgulden. G. Stoter. Jo. Simonis. 

3* 



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36 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

veri luminis pertingant claritatem solertius intendentee eo8 ad 
querendum ipaius alimenta sapientie litterarum studia, per que 
divini nominis et eiusdem fidei cultus protenditur, militans ecclesia 
tarn spiritualiter quam temporaliter sustentaculo ducitur et cum 
animarum salutis incentivo succisisque iurgiorum sentibus pax et 
tranquillitas solidantur ubilibet omnisque conditionis humane dila- 
tatur prosperitas nostre solicitudinis ope apostolicisque favoribus 
perpensius exeitemus. Cum itaque, sicuti pro parte dilectorum 
filiorum nobilium virorum lobannis et Alberti, dueum Magno- 
polensium, nobis nuper exhibita petitio continebat, ipsi pro huius- 
modi discipline sapientieque muniendis cultoribus et eorum ad 
illas zelo armature defixo superstitiositatum errorumque in partibus 
proch dolor illis germinantium consternendis praecipitiis earundem 
nedum, sed et yicinarum cum felici publice rei progressu partium 
eliciendis profectus utilitatisque antidotis, ad hoc venerabilis fratris 
nostri Henrici, episcopi Zwerinensis, ac dilectorum filiorum pro- 
consulum et consulum opidi Rostoccensis Zwerinensis dioecesis, 
quod temporali eorundem domino ducum subesse dinoscitur, con- 
currentibus auxilio et consensu in opido ipso veluti ad id accommodo 
plurimum et ydoneo generale Studium apostolice sedis auctoritate 
fieri x)rdinarique desiderent, successu optato salubri, ut inibi huius- 
modi discipline sapientieque poris apertis erudiantur simplices, 
equitate servata iudicii concrescat ratio et puritatis expansis radiis 
universorum clarius patescant intellectus, attendentesque duces ipsi, 
quod inter cetera virtutum opera que tanquam acceptum summo 
rerum auctori sacrificium ei per manus oiFeruntur humanas, illa 
divine maiestati grata plurimum nullatenus ambiguntur, per que 
ad suscipiendum singulare virtutum diadema illis, qui scientiarum 
earundem sitiunt acquirere margaritam oportunis remediis et 
auxiliaribus commodis subventionis presidium efficaciter impertitur, 
duces iidem unacum proconsulibus et consulibus prefatis inter alia, 
quod in eodem opido duo cum cameris stubellis reliquisque 
necessariis officinis pro magistris, doctoribus et aliis protempore 
legentibus docentibusque ibidem collegia denovo fundari erigique 
et constitui ac dotis ope competentis fulciri, quodque pro conde- 
centibus magistrorum, doctorum et aliorum legentium eorundem 
stipendiis salariisque certi et congruentes annui redditos perpetuo 
deputari et assignari, omnes insuper et singuli magistri, doctores 
et scolares opidum ipsum studü causa protempore accedentes vel 
abinde, postquam studio ibidem insteterint, huiusmodi secedentes 
ipsorumque nuntii et servitores per eorundem ducum dominia 



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Die Fundationsbulle der Unirersität zu Rostock. 37 

terrae atque districtua sine dotii, passagii, gabelle, thelopei aut 
alterius exactionis solutione cuiuslibet liberum evolatum securumque 
transitum et conductum habere debeant, ac rector univerBitatis 
studii huiusmodi protempore existens snper omnia membra universi- 
tatis eiusdem et illorum servitores tarn in civilibus quam crimina- 
libus et aliis quibuslibet causis, negotiis et excesBibus sine impe- 
dimentis quibusvis libere plenarieque exerceat iurisdictionem, 
correctionem et emendationem , etiam ipsis ducibus, proconsulibus 
et Gonsulibus in eodem opido quomodolibet competentes, quodque 
in opido ipso septimana qnalibet vice bina congruo pro pane et 
camibus ac continuis temporibus pro vino, cerevisia et aliis vichia- 
libus emendis et yendendis magistris, doctoribus, legentibus scolari- 
busque membris et servitoribus existat forum eisdem liberum, 
ainguli autem huiusmodi causa studii protempore constituti inibi 
quecunque sua, res et bona, secum apportandi et ea pro voluntatis 
Ubito deportandi sive ibidem vendendi liberam habeant potestatem 
ceterisque privilegiis, libertatibus, immunitatibus et exemptionibus 
quibuslibet aliorum generalium studiorum, quantum in ducibus 
predictis et eorum subditis fuerit, gaudeant et utantur, cooperari 
et efßcere promiserint fide creditiva, quemadmodimi in ipsorum 
patentibus desuper confectis litteris suisque sigillis munitis plenius 
eomperimus explicari, nos igitur, qui relatione fida post informa- 
tionem diligentem super indagandis aptitudine et sufficientia aliisque 
circumstantiis opidi prefati de mandato nostro receptam opidüm 
ipBum aeris videlicet temperie politum, singularem humano necessa- 
riarum usui rerum ubertate refertum et alias pro huiusmodi direc- 
tione studii locum preelectum fore didicimus, pium meritoriumque 
eorundem ducum desiderium, per quod scientiarum fons, ex quo 
ad dei laudem ac gloriam haurire queant, singuli viri succedent 
consilii maturitate perspicui, yirtutum ac dogmatum omatibus 
redimiti, discendi speratur irriguus, patemis contemplantes afFectibus 
et ad eximiam fidei devotionisque sinceritatem , qua duees ipsi 
erga nos et Romanam ecclesiam splendere noscuntur, attente 
destinantes considerationis aciem eorum in hac parte supplicationibus 
inclinati auctoritate apostolica presentium serie statuimus et etiam 
ordinamus: quod in opido ipso de cetero in facultate qualibet 
preterquam theologie generale sit Studium illudque perpetuis 
futuris temporibus vigeat et preservetur ibidem, quodque omnes 
et singuli docentes, legentes et audientes inibi libertatibus, immuni- 
tatibus et indulgentiis quibusvis doctoribus, magistris, legentibus 
et Scolaribus Colonie et in Wyennensis ac Lyptzensis. Pataviensis 



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38 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

et Merseburgensis dioecesis opidis studii causa commorantibus per 
sedem predictam et alias qualitercunque concessis gaudeant in 
Omnibus pariter et utantur; singuli vero, qui eursu feliciter con- 
sumato in ea facultate, qua huiusmodi inhesere studio, bravium 
obtinere meruerint sibique etiam pro aliorum erudimento docendi 
licentiam ac doctoratus sive magisterii honorem petierint, elargiri 
per ipsorum inibi doctores sive magistros episcopo Zwerinensi, quem 
cancellarium studii in opido huiusmodi esse perpetuo volumus, 
eonstituimus pariter et ordinamus, ecclesia vero Zwerinensi yacante 
archidiacono Bostoccensi in eadem ecclesia protempore existentibus 
sive aliis ab ipsis protempore deputandis presententur et ab Ulis 
si servatis consuetudine et modis super talibus in aliis studiis pre- 
missis observari solitis ad hoc extiterint ydonei suf&cientesque 
reperti licentiam et honorem sortiantur ac reportent antedictos. 
Et quiquidem presentati quamprimum illos adepti fuerint, absque 
ulterioribus de eis habendis examine et approbatione in ipsa facul- 
tate, qua licentiam et honorem attigerint, eosdem legere et docere 
poterunt etiam in aliis generalibus studiis quibuscunque. Kursus 
quoque promissionum earundem suadente vigore omnium et singu- 
lorum causarum et negotiorum cognitio decisio, membrorum quoque 
et servitorum eorundem, sive clerici vel laici fuerint, de levibus 
utpote pro capillatione et offensione cum palma vel pugno, citra 
membri mutilationem etiam sanguinis effusione secuta, similibusque 
criminibus et excessibus correctio et punitio ac omnimoda super 
illis iurisdictio ad rectorem et non ad duces proconsules vel con- 
ßules supradictos sive ipsorum, quorum videlicet ditioni dictum 
opidum subesse censebitur, protempore ducum inibi successores 
aut aliquem ex eis ipsorumve officiales pertinere omnimode dinos- 
cantur, prefatis ducibus successoribusque , necnon proconsulibus, 
consulibus et officialibus, cum modificatione infra scripta de causis 
et negotiis cognoscendi sive illas dirimendi aut membra et servi- 
tores huiusmodi vel ex illis aliquem pro criminibus et excessibus 
eisdem aut alias quomodolibet corrigendi, mulctandi vel puniendi 
seu aliquam in eos superioritatem vel iurisdictionem exercendi 
facultate et auctoritate penitus interdictis. Uli tamen ex membris et 
servitoribus predictis, qui, quod absit, in furto vel homicidio aut 
aliquo crimine capitali et ignominioso deprehensi fuerint, si clericali, 
debere reperiantur privilegio confoveri episcopi Zwerinensis pro- 
tempore existentis huiusmodi. Si vero laici extiterint, temporal! 
cohercionibus et iudiciis subiaceant debitam pro patratis acrimo- 
niam perpessuri. Profecto ut super attendendis explendisque pro- 



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Die Fundationsbulle d«r Univerdität za Rostock. 39 

missionibus eisdem duces ipsi suorum tenacius animorum motus 
diiigantque conceptus volumus et eadem auctoritate decemimus, 
Quod duces sive successores prefati vel vice eorum alii ad hoc 
ydonei infra unius anni spatium a dato presentium computandum 
super fundandie et dotandis collegiis acquirendiBqne et aesignandis 
redditibus huiusmodi si interim quo ad hoc promissiones ipse effectui 
mancipate non extiterint sicuti episcopo predicto rationabiliter 
congruere videbitur coram illo cautionem prestare ydoneam et 
quamprimum commode poterunt earundem presentium litterarum 
recepta notitia suis sumptibus et expensis oportunas ad comprehen- 
dendum huiusmodi promissionum effectum patentes auctenticasque 
litteras debitis communitas sigillis ad opus studii et universitatis 
eomndem procurare ac confici facere et requisiti illas ipsi Universi- 
tät! tradere ac deliberare debeant atque teneantur. Alioquin huius- 
modi presentes littere nullius existant roboris vel momenti non 
obstantibus constitutionibus et ordinationibus apostolicis ac aliis 
contrariis quibuscunque. NulU ergo omnino hominum liceat hanc 
paginam nostrl statuti, ordinationis, constitutionis et voluntatis in- 
fringere vel ei ausu temerario contraire. Si quis autem hoc attemp- 
tare presumpserit indignationem omnipotentis dei et beatoum Petri 
et Pauli apostolorum eins se noverit incursurum. Datum Ferrarie 
Id. Februar, pontificatus nostri anno secundo. 



16. 

Gesetze fOr das Pädagogium 
der Universität zu Rostock. 

[15. Jahrhundert.] 

a. 

Die Einrichtung der Begentien und des Pädagogiums 

an der Universität Rostock. [15. Jahrhundert.] 

I. 

Primum nullus regenciarum rector teneat vel foveat scienter 
in domo sua discolum vel immorigeratum sub pena medii floreni. 



Zu 16 a: Nach dem Abdruck der Univeraitätsstatuten bei Westphalen, 
Mon. ined. etc. Tom. IV. Sp. 1008 ff. § 9: De officio rectorum regentiarnm, 



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40 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

IL 
Item regenciales debent subesse et debitam reverenciam 
exhibere rectori suo eique parere in his, que regenciam concemunt 

et regimen eiusdem. 

III. 
Item regenciales cum suo rectore contendere non debent nee 
sibi conyitia dicere sub pena medii floreni tociens quociens huic 
Statute contravenerint persolvendi. 

IV. 

Item qoilibet regencialis ad omnia iura regencialia teneatur, 
yidelicet ad ponendum pro mensa et potu et ad alia onera regencie 
sustinenda nisi racionalis causa ipsum a talibus excusaret. 

y. 

Item regencie claudi debent post sonum campane vigilum sub 
pena medii floreni quem rector regencie ad fiscum solvet quociens 
fuerit in hoc negligens repertus. 

VI. 

Item clavem regencie rector habeat vel eins fidelis commissarius. 

VII. 
Item rector regencie debet pro suis regencialibus quolibet 
die post prandium et post cenam unam brevem collacionem, dis- 
putacionem vel lectionem scholasticam teuere seu teneri facere in 
materia ipsis competenti sub pena remocionis a regencia. 

vm. 

Item inobedientes et rebelles et discoli et precipue illi, qui 
conspiraciones, discordias aut alia illicita in regenciis excitant, dum 
convicti super his fuerint, de regenciis dimittantur et cum efFectu 
expellantur, nichilominus integrum censum in penam suorum ex- 
cessuum solvere teneantur. 

IX. 

Item sie dimissi aut expulsi propter dictas causas et consimiles 
alibi ad alias regencias nullatenus recipiantur nisi consilium universi- 

Sp. 1026—1030; aber verglichen mit dem Original im Universitfttsarchiv zu 
Rostock. 

Die Universitätsstatuten stammen aus den ersten Dezennien des Bestehens 
der Universität, aber erst nach der Errichtung der theologischen Fakultät. 
Siehe Krabbe, Die Universität Rostock im 15. und 16. Jahrhundert. 1854. S. 75. 
Anm. 2. S. 76. und Krause, Zur Geschichte der ersten Jahre der Universität. 
Rostocker Schulschrift 1875. S. 16. 



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Geaetse für das Pädagogium der Universität zu Rostock. 4] 

tatis duxerit eoe recipiendos alioquin eos recipiens a regimine 
regencie sit exdusus et nihilominas decem solvat fiorenos fisco 
uniTersitaüs applicandos. 

X. 

Item regenciales sub pena tociens quociens unius obuli latina 
loquantur et horis lectionum et exerciciorum nullatenus in plateis 
aut campis vagentur sub pena quatuor solidorum regende appli- 
candomm, quam rector regencie exigere tenetur (et) finaliter debi- 
torem rectori universitatis si non solvent denundando sub pena 
octo solidorum. 

XL 

Item nullus regendalium turpia fadat vel loquatur nee cum 
aliquo iniuriose contendat et preeipue in mensa aut inter sodos 
sub pena ad minus quatuor solidorum aut maiori quam rector 
nniyersitatis super huiusmodi excessu convicto pro modo excessus 
duxerit infligendam. 

xn. 

Item nee regencialis nee aliquis studentium aliquem ludum 
inhonestum nocivum aut inconsuetum civium aut vicinorum provoca- 
tomm in domo Tel in plateis habeat aut artem dimicatoriam 
exerceat scolas habende vel ipsas instituendo in nocte vel in die 
sub pena tociens quociens adminus medii floreni aut maiori prout 
rector uniyersitatis cum suis consiliariis duxerit infligendum. 

XIII. 
Item nullus graduatorum seu studentium sine dispensacione 
presumat portare cultellum trusilem hie in civitate sub pena 
amissionis eiusdem et quatuor solidorum fisco universitatis appli- 
candorum tociens quodens contravenerint huic Statute. 

XIV. 
Item statuimus, quod nullus conveniat domum pro regencia 
nisi ex disposicione universitatis sub pena decem fiorenorum et 
snspensionis a regende. 

XV. 

Item nullus regenciarum conventor aliquam domum conveniat 
ante daos menses mutacionis regenciarum, in qua alter moratur, 
nisi prius requisierit conventorem inhabitantem an resignare velit 
domum oonductam vel retinere sine dolo et fraude sub pena duo- 
dedm fiorenorum pro medietate fisco et pro medietate conventori 
persolvendorum. 



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42 Urkanden u. Akten zur Geschichte des mecklenhurg. Unterrichtswesens. 

XVI. 

Item nuUus studencium stabit extra regenciam per universi- 
tatem approbatam, nisi per consilium univereitatis sit ad alias et 
alibi standum licenciatus licencia temporal! ut ad quartale anni vel 
ad medium annum, ultra quod tempus nisi nova habita licencia 
ab hospite suo non teneatur. 

XVII. 

Item rector domus per consilium universitatis deputandus sie 
fidem prestabit consilio universitatis: Ego N. sub bona fide pro- 
mitto. quod meis scolaribus presentibus et futuris in tali domo 
mecum commorantibus aut commoraturis volo pro posse et nosse 
in moribus et disciplinis preesse, ipsos ad Latina loquendum cogere, 
strepitus in domo et incommoditates, quibus scolares in domo et 
vicini vexarentur, non admittere, rebelles et discolos sub forma 
statutorum corrigi procurare et tandem, cum opus fuerit, consilio 
universitatis, ut de remodio provideant, denunciare nee non domum 
horis statutis ab universitate firmitate non ficta ubique claudere et 
clausam teuere, cerevisiam quamcunque extraneam vel intraneam 
per me vel per alium vendere aut duallatim vendi permittere et 
si solus rexero, ultra triginta ponentes regenciales, si vero alio 
mihi adiuncto, ultra quadraginta in regencia nostra non admittam 
aut assumam nee scolares alterius regencie ad me colligere absque 
expresso consensu sui regentis aut rectoris universitatis et suonim 
consiliariorum et in fine temporis mihi concessi pro regimine 
domus ad manus consilii universitatis regenciam libere resignare 
gratiose, si michi ulterius regere placuerit petendo in eodem 
regimine continuari et quandocunque a regende desistam aut 
requiescam, in aliquo termino illud universitati per dimidium annum 
ante ipsum terminum significabo, et hie medius annus erit a pasche 
ad michaelis tam quoad hospitem domus quam eciam universitatem. 

XVIII. 
Item omnia denodia et utensilia regencie comparata per 
rectorem domus de communi collecta scolarium debent mauere in 
dicta regencia mutato rectore et alio succedente, nee debe[n]t emi 
per rectorem novum ab antiquo rectore regencie, quia utensilia 
sunt communitatis et non rectoris, non tamen sie sunt communitatis, 
quod quis membrum universitatis existens exiens aliquam regenciam 
suam partem de utensilibus exigere possit, quia spectant ad 
communitatem regencie conjunctim, non divisim, ad communem 
usum, non ad appropriandum, nisi rector cum maiori parte regenci- 



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Gesetze für das Pädagogium der Uniyeräität zu Rostock. 43 

alium illa dimiesa regencia intraret aliam domum regendam, qui 
recipiat secum clenodia et utensilia prius comparata, si vero aliqua 
domus regencialis penitus desierit esse, regencialis et scolares illius 
regende ab invicem dissolvantur, facultas illius regencie de uten- 
8ilibu8, quibus fuerint applicanda, providebit. 

XIX. 

Item quia non vitatur malum nisi precognitum et audita statim 
de memoria dilabuntur, volumus et statuimus, quod in utraque scola 
videlicet iuristarum et artistarum in quadam tabula scripta appen- 
dantur universitatis statuta conclusionatim excerpta, omnia supposita 
in agendis et precavendis generaliter regulancia cum mandato 
rectoris mandantis in eisdem scriptis, quod nuUum membrum uni- 
Tersitatis illam tabulam auferre debeat aut ledere inscindendo aut 
canceUando, apponendo vel delendo aut quovismodo deturpando 
sub debito obediencie et prestiti iuramenti ita, quod contrarium huic 
mandato faciens aut facienti consenciens aut facientem sciens et 
Celans rectori aut promotori non revelando eadem pena astringatur 
et inyolvatur et tamquam auctor malicie principalis sit puniendus. 

XX. 
Item Yolumus et statuimus, quod in qualibet regencia universi- 
tatis studii Rozstokcensis, similiter in pedagogio, omnia et singula 
statuta regencialium regulativa et statuta rectorem vel rectores in 
eisdem respiciencia habeantur appensa in folio pergameneo sive in 
tabula in communi stuba sive in regencialium refectorio, ut nuUus 
illonim super statutorum ignorancia possit excusari. Ad quod 
deponendum et servandum obligabuntur rectores earundem sub 
pena suspensionis a regimine et sub pena quatuor florenorum, 
quando eorum negligencia fuerit evidens vel denunciata, et similiter 
ad predicta statuta sub forma expressa est apponenduni mandatum 
rectoris universitatis, ne quis audeat deturpare. 

XXI. 
Item sicut rectores regenciarum astringi debent et sunt astricti 
per nmversitatis statuta, ut per illam horam, que immediate sequitur 
prandium factum, que non est deputata ad lectiones vel exercicia, 
similiter post cenam tractent stände vel sedendo materiam dispu- 
tabilem, que utilius creditur prodesse regencialibus quam lectio, 
quia regenciales sie acquirunt disputandi habitum et assumunt 
audaciam opponendi scolastice et respondendi, sie regenciales pena- 



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44 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Untemchtswesens. 

liter debent esse astricti, quod nuUus eorum in huiusmodi exercicio 
se absentet sine causa racionali a regenoiali rectore approbata Tel 
approbanda sub pena unins albi denarii, quam sub pena dupli sine 
rebellione eadem die, si monitus fuerit, persolvere tenetur, excepto 
tarnen si aliquis graduatorum in eadem regencia staret preter 
reetorem vel rectores, qui propter lectionem legendam aut exer- 
cicium habendum legitime fuerit occupatus aut magister aut aliquis 
studens de aliqua facultate. 

XXII. 

Item in eodem exercicio Uli, qui opponendo vel respondendo 
non sunt exercitati, loco argumentorum dubia vel questiones eis 
dubiosas proponant respondenti yel respondentibus, qui respon- 
dentes inter se et opponentes ordinem habebunt; in respondendo 
habebit etiam quilibet regencialium hanc libertatem, quod potest 
dubium movere in fine exercicii, quod in proximo exercicio per 
respondentem pro tunc locnm tenentem aut per reetorem presidentem 
erit dissolvendum. 

XXIII. 

Item licet non omnes sint astricti ad respondendum, quia 
minus idonei excipiuntur, tamen non omnes sunt astricti ad argu- 
endum vel dubium proponendum in ordine suo, quia non omnes 
possunt proponere in una hora nee respondens ad singula potest 
respondere, si quis in suo ordine negligit respondere opponere, 
solvat denarium pro pena. 

XXIV. 

Item disposicio et ordo respondencium et arguencium sit in 
ordinativa potestate rectoris illius domus, cuius disposicioni et ordini 
quilibet regencialium debet parere et se conformare. 

XXV. 

Item sub pena duorum denariorum nullus regencialium cachinnis 

seu contencionibus aut clamoribus aut interlocucionibus actum 

huiusmodi exercicii impedire debet sub pena maiori vel minori 

secundum delicti quantitatem, cuius iudicium sit in dictamine rectoris 

domus, et ideo in huiusmodi exercicio solummodo tres habeant 

loquendi facultatem absque pena, videlicet rector presidens in 

exercicio respondens et opponens, et alii sub pena tacebunt exercicio 

durante. 

XXVI. 

Item Yolumus et statuimus, quod regenciarum rectores non 

debent absque necessitate aut racionali causa tempore prandii vel 



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Gesetze für das Pädagogium der Universität zu Kostock. 45 

cene abesse mense nee debent adianctis sibi speeialibus et certis 
regenciaUbus, quantumcumque sibi coniimeti sint, extra (quem) refec- 
torium aut in eodem refectorio pro quocunque tempore habere 
distinctam mensam a communi mensa, extra quam mensam commiuiem 
regenciales esse non debent in commodis suis aut alias habendo 
distinctam mensam nisi infirmitatis causa aut alia causa racionali, 
quam rector domus duxerit racionabiliter approbandam et petita 
licencia et simul obtenta a rectore regenciali sub pena a rectore 
et universitate dictanda, cuius pene una tertia pro mensa regencialium 
est tribuenda et alie due tertie secundum statuta universitatis 
dividende. 

XXVU. 
Item regenciarum rector rarissime permittat fieri conyivia aut 
hospitum invitaciones, quia evacuant bursas et sunt studii et finis 
intenti impeditiva et multum nociva et, si in aliqua regenciarum 
huiusmodi multiplicantur cum excessu, puniantur regenciarum rectores, 
et huiusmodi conviviorum et invitacionum auctores cum effectu 
rigorose corrigantur. 

xxvni. 

Item Yolumus et statuimus, ne aliquis magistrorum aut gradua- 
torum aut quodcunque universitatis suppositum cuiuscunque con- 
dicionis aut facultatis fuerit aliquam domum conducat aut de novo 
cum aliquo civium vel incolarum conveniat pro regencia instauranda 
et noviter aptanda nisi universitatis dictamine et licencia prehabitis 
et presentibus ad minus duobus de consilio universitatis ad hoc 
deputandis, qui considerabunt valorem et situm domus et distanciam 
et vicinos, ne videlicet talibus domibus prostibulum coniungatur 
lateraliter vel ex opposito aut in loco vicino et qui pensent pretium 
domus et singulas circumstancias et pluralitatem regenciarum 
nimiam, quia in huiusmodi regenciarum instauracione varia possimt 
accidere damna ex parte locantis, ex parte conducentis seu con- 
ventoris et ex parte regencialiiuu et aliquando ex parte honestorum 
vidnorum, qui divites sunt et in opido potentes, qui studencium 
strepitus aut vicinitatem abhorrent. Locans enim et edificans 
dampnificari potest, si numerus regenciarum iam existencium sufficit 
pro Ulis, qui assunt vel qui creduntur affuturi. Domus enim pro 
regencialibus aptata non est congrua pro civium inhabitacione et 
inde oriuntur querele et odia et displicencie multe contra universi- 
tatem. Conventores dampnificantur, quando domus est inepta ex 
parte alicuius circumstantie vel in suis substancialibus invalida 
aut pro magno convenitur precio. Eciam propter hoc domus 



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46 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

regenciales multo precio in futurum appreciabuntur et mag^na 
distancia a scola et prostibulorum vicinitae multum derogant et 
regencialibus sunt nociva; quicunque ergo contra illud statutum 
egerit, a regimine suspendatur et nichilominus persolvat et satis- 
faciat cum pro suo dampno et censu et solvat decem florenos pro 
pena secundum statuta dividendos. 

b. 
Die Yerpfliehtnng zum Besach des Pädagogiums zu Bostoek. 

[15. Jahrhundert.] 

Item quilibet causa scolaritatis aut studii noviter adveniens 
statim, prius ingressum suum ad regenciam quam intrabit, post 
adventum suum infra quindenam sub penis contentis in statutis 
uniyersitatis habebit adminus quatuor actus, id est duas lectiones 
et duo exercitia et unam lectionem concurrentem in lectorio, ad 
quas si non sufFecerit, intrabit pedagogium, ubi iuxta sui capaci- 
tatem in grammatica, rethorica, cantu et aliis huiusmodi inibi 
doctrinari consuetis fideliter imbuatur, de pastu magistro pedagogii 
responsurus. 



Zu 16b: Aus dem Matrikelbuch der philosophischen Fakultät, pag. 12. 
§ 17: De statu et qualitate noviter advenientium. Die Zeit läßt sich nicht 
genauer bestimmen. 



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Die Methodik und der Unterrichtsplan der Klarissen etc. 47 



17. 

Die Methodik und der Untemchtsplan 
der Klarissen im Kloster zn Ribnitz. 

[c. 1400—1450.] 

Hyn leve suster taleke^), du scholt dat weten, wo me kinder 
leren schal. In dat erste wen se er fibele lezen kont, so lerth 
me ze envort an der schule to dude.^) Item dameghest dat brevier. 
Item dama dat quinarium.') Item darna dat sequencenarium. Item 
dama den salter, dyt synt schulebuke. Item in ereme lösten jar 
80 seggen se er commune sanctum buten up unde de venite. 

Zn 17: Unter den Manuskripten der Rostocker Universitätsbibliothek: 
Mss. Var. 30. An Taleke. Kinderlehre. Das Manuskript ist zuerst von Krause, 
Oäterprogramm der Großen Stadtschule zu Rostock. 1873. S. 14—20 gedruckt 
und hernach besprochen und erklärt im Programm des Gymnasiums zu Roessel 
1878 von Joseph Frey, S. 3— 11. Da die Betenden sumpturae, die Vorsteherin 
aber domna genannt wird , so ist es klar, daß die Schrift für eine Mädchen- 
schale bestimmt ist. Diese aber muß dem St. Klarenorden angehört haben, 
da das Confiteor sich auch an den heil. Franziskus und die heil. Klara richtet. 
Auf ein Kloster weist auch das Gebet «für die Wohltäter". Der Text des 
Manuskriptes ist folgendermaßen gestaltet: a) Zum lateinischen Text sind 
zweimal lateinische Zusätze gemacht, nämlich: omnis spiritus en jewelk ghest, 
idem quod omnis homo, und: lichten avent, hoc est in mortis nostre hora. 
b) Die ursprüngliche lateinische Wortstellung ist öfters zugunsten der deutschen 
Gegenüberstellung abgeändert (s. Frey S. 7). c) In der deutschen Übersetzung 
finden sich dreimal kleine Znsätze : tui amoris = dyner gotliken leve ; manum 
toam = dyne milde haut ; de profundis = uth der dupe mynes herteo. Das 
Mannskript ist vollständig erhalten, wie Frey S. 6 gegen Krause nachweist. 
Nach Frey ist folgendermaßen zu disponieren: 1. Die Einleitung. 2. Das 
Breriarixun mit 12 Gebeten. 3. Das Hynmarium mit 7 Hymnen. 4. Der Anhang 
zum TagesofBcinm. Beide, Krause wie Frey, halten das Manuskript für eine 
Abschrift. Darauf deutet die Überschrift über den Hymned: Imnus ad primam 
et ad omnes horas, wobei hernach die tertia übersehen ist (s. Frey S. 5). Nach 
Krause ist die Schrift vom Anfange des 15. Jahrhunderts. 

Das Manuskript ist genauer von Krause S. 13 beschrieben. Ich benutzte 
für meine Abschrift den Krauseschen Abdruck, habe sie aber mit dem Original 
verjrUchen und, wo es nötig war, verbessert. 

') Die niedersächsische Sprache weist auf ein Kloster in Niedersachsen 
bin. Ribnitz ist das einzige mecklenburgische. Taleke =: Adelheid. 

*) to dude = zu deuten, 

*) Quinarium: Frey 1. c. S. 5 will dafür imnarium oder ymnai-ium lesen. 
Richtig ist, daß es die hernach genannten 7 Hymnen bringt. Da diese aber 
'^ 5 Abschnitten stehen, ist der Ausdruck quinarium vielleicht davon her- 
zuleiten. 



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4S Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

Item wen se uth der schule kamen, bo lerth en de yicaria vort, 
dar se myt dessen vorscreven buken bleven synt, unde lerth en 
denne vorth dat lignum vite unde den Donatus unde den katonem ; 
hebben ze mer tyd, so dudet me en epistolen unde ewangelii unde 
sermones de sanctis unde dat kalendarium. 

Nu will ik dy hir bescriven — men bidde ghod den heren 
jo vor my in dat erste — Yeni sancte spiritus. Sancte spiritus o hilghe 
ghest, veni kum, reple vorvulle corda de herte tuorum fidelium 
dyner löveghen minschen, et accende unde entfenghe in eis in en 
ignem^) dat vur tui amoris dyner gotliken leve, qui congregasti 
de du best tosamende sammelt per diversitatem vormyddelst der 
mennechvoldeneyt linguarum cunctarum aller tunghen gentes de 
heydenen unde alle volk in unitatem an de enecheyt fidei des loven. 

Pater noster dameghest. Pater noster vater unse, qui es de 
du bust in celis an den hemmelen, sanctificetur ghehilghet werde 
nomen tuum dyn name, adveniat inkamende sy uns regnum 
tuum dyn ryke, yoluntas tua dyn wille fiat de werde in terra an 
der erden ^) sicut in celo alze an deme hemmele, panem nostrum 
cottidianum unse daghelkes brot da nobis dat ghif uns hodie hüten, 
et dimitte nobis unde vorghif uns dcbita nostra unse schult, sicut 
et nos dimittimus alze wy vorgheven debitoribus nostris unsen 
schuldeneren , et ne nos inducas unde leyde uns nicht in tempta- 
cioncm in deme bekoringhe, sed sunder libera nos loze uns a malo 
van alleme arghen. amen. 

Ave Maria ghegrutet sistu maria, gracia plena du bust vull 
gnade, dominus de here tecum is myd dy, benedicta tu du bust 
benedigghet in mulieribus mank den vrouwesnamen, et benedictus 
unde benedigghet is fructus de vrucht ventris tui dines lichammes, 
jhesus Christus. 

Hie incipit Credo. Credo ik love in deum an ghod, patrem 
omnipotentem an den alweldighen vader, creatorem an den 
schepper coli des hemmeis et terre unde der erden, et in 
filium eins unicum unde an synen enghebamen zone jhesum 
Christum dominum nostruih unsen heren, qui conceptus est de dar 
is entfanghen de spiritu sancto van deme hUghen gheste, natus 
ghebaren ex maria virgine van der juncfrowe marien, passus he 
heft gheleden (edder is ghemartelt) sub poncio pilato under deme 
richter Pilatus, crucifixus he is ghecruceghet, mortuus unde ge- 



a) im Orig. ingnem. b) durch ein Zeichen im Orig. ist die ursprüngliche 
Umstellung der Worte richtig gemacht. 



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Die Methodik and der Unterrichteplan der Klarissen etc. 49 

storven et sepultus unde is begraven, descendit he is nedder- 
ghesteghen ad infema to der helle. Resurrexit he is wedder up- 
ghestan die tereia an deme drudden daghe a mortuis van dode. 
Ascendit he is upghesteghen ad celos to den hemmelen, sedet he 
sith ad dexteram to der vorderen hant dei ghades, patris omni- 
potentis sines alweldighen vaders. Inde dama venturus est is he 
to kamende iudicare to richtende vivos de levendighen et mortuos 
ande de doden. Credo ik love in spiritum sanctum an den hilghen 
ghest, sanctam ecclesiam catholicam an de hilghen loveschen 
kerken, communionem an de menheit sanctorum der hilghen, 
remissionem an de vorghevingbe peccatorum der sunde camis an 
dat vlesk resurrexionem der upstandinghe et vitam eternam unde 
an dat ewighe levent. amen. 

Hir heft sik an dat benedicite unde gracias. Benedicite 
benedigget domine here, oculi de oghen omnium aller minschen 
sperant de hapen in te an dy, et tu das unde du ghifst en escham 
illomm ere spize in tempore oportuno an der nottroftighen tyd, 
aperis du openst en manum tuam dyne milde hant et imples unde 
vorvullest omne animal en islik derte benedictione myt dyner 
benedigghenge. Benedicite benedigghet. pauperes de armen edent 
de eten et saturabuntur unde scholen ghesadeghet werden et lau- 
dabunt unde scholen laven dominum den heren, qui requirunt eum 
de ene sukende sinth, corda eorum ere herte vivent scholen leven 
in seculum seculi van ewich to ewighen tyden. Domine here, 
benedic nos benedigge uns et dona tua unde dyne ghave, que 
sumus sumpture de wy synt to uns nemende de tua largitate van 
dinre ghotliken mildicheit per christum dominum nostrum vor- 
middelst unseme beren christo. 

Domna juncvroüwe edder vrouwesname, iube het edder betb 
benedicere to benediggende. 

Rex de konnik eteme glorie der ewighen ere faciat nos de 
make uns participes mededelaftisch mense celestis der hemmel- 
sehen tafelen* 

Gracias. Omnis spiritus en jewelk ghest^) laudat lavet dominum 
den heren, autem aver tu domine du here miserere nobis vor- 
banne dy aver uns. Gracias dancknamicheit sy deo gbade. 
Bomine here confiteantur tibi wy bekennen dy omnia opera tua 
unde alle dyne werke, et sancti tui unde dyne hilghen benedicant 



e) im Ong. hier noch die Worte, welche aber gestrichen sind: idem 
omnis homo. 

Monimeiita Gennaniae Faedagogica XXXVIII 4 



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50 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

tibi de benediggen dy. Gloria ere sy patri deme yader et filic» 
unde deme zone et spiritui sancto unde deme hilghen gheste, 
sicut erat alse he was in prineipio an deme ambghinne et nunc 
unde un is et semper unde to allen tyden et in secula seculorum 
unde van ewich to ewighen tyden. 

Omnipotens deus alleweldighe ghod, agimus tibi wy seggben 
dy gracias danknamicheit pro universis beneficiis tuis vor alle 
dyne woldath, qui vivis de du levest et regnas unde regnerst in 
secula seculorum van ewich to ewighen tyden. 

Pealmus. Omnes gentes alle volk laudate lavet dominum den 
heren, omnes populi alle siechte laudate eum lavet ene, quoniam 
wente misericordia eins syne barmeherticheit confirmata est de is 
bestedigbet super nos baven uns, et veritas unde de warheyt 
domini des heren manet de blift in etemum to ewighen tyden. 
Dispersit he heft ummeghedelt, dedit unde heft ghegheven pau- 
peribus den armen, iusticia eins syne rechtverdicheit manet de 
blift in seculum seculi van ewich to eweghen tyden. Benedicam 
ik will benediggben dominum den heren in omni tempore an aller 
tyd. laus eins sin lof is semper to allen tyden in ore meo an 
myneme munde. Anima mea myne zele laudabitur schal ghelavet 
werden in domino an deme heren. Mansueti de sachtmudighen 
andient de hören dat letentur unde scholen sik vrouwen. Magni- 
ficate maket grot mecum myt my dominum den heren, et exal- 
temus unde wy wyllen vorhoghen nomen eins synen namen in id 
ipsum an sik sulven. Nomen de name domini des heren sit de 
sy benedictum benedigget en hoc nunc van nu an usque in seclum 
beth to ewighen tyden. 

Domine here dignare willich werde retribuere weddertoghevende 
Omnibus alle den nobis bona facientibus de uns ghud duende synt 
propter nomen tuum dorch dynen hilghen namen vitam etemam 
dat ewighe levent. amen dat sehe. Benedicamus wy benedigghen 
domino dem heren. Gracias danknamicheit sy deo ghade. Et da 
unde ghiff fidelium anime den lovighen zelen per miserioordiam 
dei dorch de barmeherticheyt ghades requiescant dat ze rouwen 
in pace an deme vrede. Misericors de gnedighe et miserator 
dominus unde de barmehertighe here dedit de heft ghegheven 
escam de spize timentibus se den de ene vruchtende synt, fecit 
unde heft ghemaket memoriam ene dachtnisse mirabilium suorum 
syner Wunderwerke. Benedictus benedigghet sy deus ghod in donis 
suis an synen ghaven et sanctus unde de hilghe ghod in omnibus 
operibus suis an allen synen werken, qui vivit de dar levet et 



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Die Methodik und der Unterrichtsplan der Kiariseeu etc. 51 

regnat unde regnert in secuta seculorum van ewich to ewighen 
tyden. 

Hie incipit confiteor deo. Confiteor ik bekenne omnipotenti 
deo deme alleweldighen ghade, beate marie virgini unde der 
ealighen juncvrouwe niarien, beato francisco deme salighen Fran- 
cisco et beate clare virgini unde der salighen juncvrouwen sunte 
ciaren et omnibus sanctis unde allen ^) ghades hilghen et tibi 
pater unde dy vader, me graviter peccasse dat ik my swarliken 
besundeghet hebbe per superbiam vormiddelst boverdicheit in lege 
an der Ee dei mei mynes ghades, cogitacione an danken, delectaeione 
an Wollust, obmissione an vorghetenheit, consensu an vulbort, verbo 
et ope an worden unde an werken. Mea culpa myne schult, mea 
culpa myne schult, mea maxima culpa myne aldergroteste schult. 
Ideo hinimme precor bidde ik beatissimam de aldersalighesten et 
gloriosam unde erlikesten virginem mariam juncvrouwen marien 
et beatum franciscum unde den salighen franciscum et beatani 
claram virginem unde de salighen juncvrouwen ciaren et omnes 
sanctos et sanctas dei unde alle ghades hilghen et te pater unde 
dy vader orare bidde pro me vor my. 

Hie incipit In te domine speravi. Domine here speravi ik 
hape in te an dy. non confundar ik wil nicht vorstoret werden in 
etemum to ewighen tyden. libera me loze my in tua iusticia an 
dyner rechtverdicheit. Inclina neghe edder boghe ad me to my 
aurem tnam dyn ore. accelera snelle dy, ut eruas me up dat du 
my lozest. Esto mihi wes my in dominum an ghade protectorem 
tu eneme beschermer et domum unde en hüs refugii der tovlücht, 
ut salvum me facias up dat du my salich makest. Quoniam wente 
es tu du bust fortitudo mea myne sterke et refugium meum unde 
myne tovlücht, et propter nomen tuum unde dorch dynen hilghen 
namen deduces me uthleydest du my et enutries me unde vudestu 
my. Educes me du schalt my uthleyden de laqueo van deme 
strike, quem abschonderunt in dat ze my hebben behut, quoniam 
wente tu es du bust protector meus myn beschermer. Domine 
here, in tuas manus an dyne hende commendo bevele ik spiritum 
meum mynen ghest. domine here deus ghod veritatis der warheit, 
redemisti me du hast my ghelozet. 

O crux. o crux, o du hilghe crüce, ave wes ghegrütet, spes 
unica unse eneghe hopene hoc tempore an desser tyd passionis 
dynes lidendes, äuge vormere piis den milden iusticiam de recht- 



d) Orig. alle. 

4* 



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52 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. üntenichtswesens. 

verdicheit et dona unde ghif reis den schuldeghcn veniam de gnade 
edder de vorghevinge der sunde. Dens ghod, summa trinitas du 
overste hilghe drevaldicheit, te eollaudat dy medelavet omnis 
Spiritus en jewelk ghest, idem quod omnis homo quos salvas de 
du salich makest per misterium vormiddelst der vorborghen 
hillicheit crucis des hillighen cruces. rege de regger per secula 
aver alle de werlt. 

Requiem eternam. Domine here, dona eis ghif en requiem 
eternam de ewighen rouwe, et lux perpetua unde dat ewighe licht 
luceat eis dat luchte edder schine en, requiescant dat se moghen 
rouwen in pace an den vrede. 

Psalmus voce mea. Clamavi ik hebbe gherupen voce mea 
myt myner stempne ad dominum to deme heren. Deprecatus sum 
ik hebbe ghebedet ad dominum to deme heren voce mea myt 
myner stempne. Effundo ik will uthgheten oracionem meam myn 
beth in conspectu eins an siner jeghewardicheit et pronuncio®) 
unde wil vorkundeghen ante ipsum vor em tribulacionem meam 
myne druffnisse. Spiritum meum alze myn ghest ex me van my 
edder an my in deficiendo vorkrenkede tu cognovisti do bekendestu 
semitas meas myne weghestighe. In via hac an deme weghe qua 
ambulabam dar ik ane wanderde absconderunt michi dar behodden 
my superbi de hoverdighen laqueum en strik. Considerabam ik 
merkede edder pruvede ad dexteram to der vorderen haut et 
videbam unde hebbe ghezen, et non erat unde dar was numment, 
qui cognosceret me de my bekande. A me van my periit vorghink 
fuga alle vlucht et non est unde dar is numment, qui requirat de 
dar socht animam meam myne zele. Domine here, clamavi ik 
hebbe gherupen ad te to dy, dixi unde hebbe ghespraken tu es 
du bust spes mea myne hopene, porcio mea, myn dell in terra an 
deme lande vivencium der levendighen. Intende andenk ad depre- 
cacionem meam to myneme bede, quoniam wente humiliatus sum 
ik bun geothmudighet nimis sere. Libera me loze my a perse- 
quentibus me van den de my vorvolghende synt, quia wente con- 
fortati sunt se synt ghesterket super me baven my. Educ uth 
vure edder uth leide animam meam myne zele de custodia uth 
der hude edder bewaringhe des kerkeners ad confitendum my to 
bekennende nomini tuo dyneme namen, me exspectant myner vor- 
beiden justi de rechtverdighen donec also langhe retribuas michi 
dat du my wedder ghifst [vitam eternam] dat ewighe levent. 



e) Orig. pronunctio. 



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Die Methodik und der Unterrichtsplan der Klarissen etc. 53 

Imnus ad primam et ad omnes horas. lam jo to orto alze 

dan is upgheghan sidere de sterne lucis des daghes edder des 

lichtes, precemur so bidde wy deum ghod supplices innichliken ut 

nos servet dat he uns beware a nocentibus vor alle scheddelke 

Bunde, temperet dat he meteghe lioguam de tunghen refrenans 

weddertoto wende edder to sturende ne insonat dat dar nicht an 

lüde horror de grezelgheit litis des kyves. contegat dat he^) 

medebedekke fovendo to bewarende visum dat gheschichte ne 

hauriat dat ith nicht to sik enthe vanitates de idelheit. Intima de 

inwendicheit cordis des herten sint de sin pura reine, et vecordia 

unde alle twedracht des herten absistat de sy van uns, que pro et 

parcitas unde de meticheit potus des drankes, cibi unde der spize 

terat de toknustere superbiam de hoverdicheit camis des vleskes. 

Ut cum dies alse de dach abscesserit wech gheit que pro et sors 

unde de ummelopp des daghes reduxerit wedderbrinkt noctem de 

nacht, canamus so singhe wy ipsi eme gloriam de ere per absti- 

nenciam vormiddelst der affentholdinge mundi der werlt. Gloria 

ere sit sy deo patri ghod vader que et soli unde allenen eins filio 

syneme zone cum spiritu paraclito myt deme troster deme hilghen 

gheste et nunc unde nu et in perpetuum unde to ewighen tyden. 

Sancte spiritus here hilghe ghest unum de du bust en^) pt^tri myt 

deme vader, cum filio unde myt deme zone dignare willich werde 

nunc nu promtus snelleken ingeri intosenden nobis an uns refusus 

dat dar ist uthgheghaten nostro pectori an unse herte. Os de 

mund, lingua de tunghe, mens de danke edder dat herte, sensus 

de zin, vigor de kraft personet de wedderlude in confessione an 

der bekantenisse edder an deme lave, Caritas de leve flammascat 

de berne igne an deme vure des hilghen ghestes, ardor de hette 

accendat de entfenghe proximos de neghesten. Pater piissime du 

aldermildeste vader para vorlene uns dat que (pro et) unice unde 

du enghebame zone ghades compar medeghelik patri deme vader, 

regnans de du bust regnerende cum spiritu paraclito myt deme 

trostere deme hilghen gheste per omne seclum aver alle de werlt. 

Imnus ad sextam. Rector potens du weldighe hovethere 

verax deus du waraftighe ghod qui temperas de du meteghest 

edder schickest vices de stunde edder de wandeUnge rerum aller 

dink et instruis unde vorluchtest mane den morghen splendore myt 

f) Orig. se. g) Über e stehen 2 Punkte (:), ebenso solche oft über u. 
Krause hält sie für ein nachklingendes i. Mir scheinen sie den Akzent zu 
vertreten; weil hierin keine Regelmäßigkeit herrscht — denn auch das u in 
instruis hat sie — , so habe ich sie stets weggelassen. 



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54 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbui^. Unterrichtswesens. 

deme schine, meridiem unde den middach ignibus myt vuregher 
bette, extingue utbleske flammas de locbene edder vlammen litiuni 
des kyves, aufer nym wech calorem noxium de schedelken bette, 
confer medebrink salutem de suntbeit corporum der Hebamme que 
pro et veram pacem unde den waren vrede cordium der berte. 

Imnus ad nonam. Dens gbod tenax vigor du entholdende 
kraft rerum aller dink, permanens du bust blivende immotus un- 
bewecblik in te an dy, determinans du bust endighende temporum 
de tyd lucis diurne des dagbelken licbtes successibus myt den 
navolghenden stunden. Largire gbif uns claram vespere enen 
schonen liebten avent**) quo darane vita unse levent nusquam 
decidat nummer en valle, sed sunder premium dat Ion mortis 
sacre des bilgben dodes perbennis gloria der ewigben ere instat 
dat sta uns an. 

Imnus ad vesperas. O lux o du liebt, beata trinitas, du salegbe 
bilgbe drevaldicbeit et principalis unitas unde du vorstelke enycbeit 
jam jo to recedit wecb gbeit sol*) igneus de vuregbe sunne, in* 
funde angbet lumen dat lieht cordibus an unse berte. Laudamus 
te wy laven dy carmine myt deme sangbe laudum der lave mane 
an deme morgben, deprecemur te wy bidden dy vesperi an deme 
avende. te laudat^) dy lavet nostra supplex gloria unse innigbe 
ere per cuncta secla aver alle de werlt, Creator optime du alder- 
beste sebepper lueis des licbtes edder des dagbes proferens du 
bust Yorbringbende lucem dat liebt dierum der dagbe, parens du 
bust beredende originem den ortsprunk lucis nove des niggen 
licbtes primordiis an deme ersten ambeghinne mnndi der werlt. 
Qui precipis de du bust [bedende] mane deme morgben junctum 
sick tutovugbende vesperi deme avende vocari unde to betende 
diem den dacb. tetrum cbaos de vordupede dustemisse der belle 
illabitur de wecbglyde. äudi bore preces unse bede cum iletibus 
myt wenende, ne mens dat nicbt unse berte gravata beswart 
werde crimine myt den sunden sit unde sy exul elende munere 
van der gbave vite des ewigben levendes, dum cogitat wen itb 
denkt niP) perhenne nicbt ewigbes sese illigat so vorbintb itb 
sick culpis myt der schult. Intimum cor dat inwendigbe berte 
pulset dat anrupe dominum den beren celorum der bemmele, 
toUat dat he uns gheve vitale premium dat levendigbe Ion, 
vitemus dat wy mogben vormiden omne noxium alle scbedelke 

h) Hier folgen durchstrichene Worte: hoc est in mortis nostre hom. 
I) Orig. soll, k) Orig. hinter laudat ein .supple", das später noch einmal 
vorkommt, dort aber durchstrichen ist. I) Orig. nill. 



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Die Methodik und der Unterrichteplan der Klarißsen etc. 55 

dink, purgemus dat my moghen reynyghet werden omne pessimum 
van den aldererghesten sunden. Para pater piissime. 

Imnus ad completorium. Creator optime du alderbeste schepper 
rerum aUer dink, poscimns"') te wy bidden dy ante terminum vor 
deme ende lucis des daghes ut sis dat du sist solita clemencia 
van dyner wonliken gudicheit presul en huder ad custodiam to 
nnse bewaringhe. Somnia de slape recedant de wechwiken procul 
van en veme et fantasmata.°) 

Domine here dona eis gbyf en requiem etemam de ewyghen 
rouwe et lux perpetua unde dat ewyghe lycht luceat eis dat lucbte 
edder schyne en requiescant dat se mogben rouwen in pace an 
den vrede. Amen dat scbe. 

Omnipotens deus de alleweldygbe gbod misereatur tui de vor- 
barme sik dynre [yel vestri edder juwer] et dimissis unde vorlate 
edder Yorgheve dy [vel jw] omnibus peccatis tuis alle dyne sunde 
[yel Omnibus peccatis vestris edder alle jwe sundej et perducat te 
unde brynghe dy [vel vos edder jw] in vitam etemam in dat ewyghe 
levent. Indulgenciam aflat et absolucionem unde afflozinghe omnium 
peccatorum nostrorum alle unser sunde tribuat nobis dat gbeve 
uns onmipotens de alleweldygbe ghot et misericors dominus unde 
de gnedyghe barmehertighe bere. 

Domine bere, clamavi ik bebbe gberupen ad te to dy de 
profundis utb der dupe mynes horten. Domine bere exaudi ent- 
wyde vocem meam myne stempne. Aures tue dyne oren fiant 
de werden intendentes andechtycb in vocem in de stempne depre- 
caoionis mee mynes bedes. Domine bere si observaveris is dat 
du bewarst iniquitates de sunden vel de bosbeyt, domine here quis 
sustinebit wol mach dat lyden, quia wente apud te by dy is pro- 
piciacio de gnedycheit vel de vorbarmyngbe. et sustinui de unde 
ik bebbe dy gbebeden, domine bere, propter legem tuam dorch 
dyne £e. Anima mea myne zele sustinuit de beft gbeleden in 
verbo eins in synen worden, anima mea myne zele speravit de 
beft gbebapet in domino in den beren a custodia matutina van 
der motten bude usque ad noctem beth in de nacht speret so 
schal hapen Israel in domino in den beren, quia wente apud domi- 
num by deme beren is misericordia de barmeberticheyt et apud 

m) Orig. possimus. n) Hier bricht der Satz mit dem Ende der Seite ab. 
Der anliegende halbe Bogen hat offene Stellen mit kleinen Buchstaben, die 
als Anweisung für den Hubrikator bestimmt sind. Der Halbbogen hat als 
Wasserzeichen den Ochsenkopf mit einer schlangenumwundenen Säule zwischen 
dem Gehörne. 



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56 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtsweaens. 

eum unde by em is copiosa redempcio umhaftyghe vorlozynghe. 
Et ipse unde he redimet lozede israel ex omnibus iniquitatibus 
ejus van alle synre bosheit. 

CoUecta. üeus ghot, qui nobis precepisti de du uns best 
ghebaden honorare to erende patrem et matrem vader unde müder, 
miserere vorbarme dy clementer gnedelken animabus aver de 
zelen parentum nostrorum unser olderen que (pro et) dimitte unde 
Yorlath vel vorgbyf en peccata eorum ere sunde que unde ok 
fac nos unde lath uns eos ze videre zen in gaudiis in den vrouden 
eteme claritatis der ewyghen klarheyt. 

CoUecta. Dens ghot cuius misericordie des dynre barme- 
hertycheyt non est numerus is nen thal, suscipe entfa propicius 
gnedelken preces de bede humilitatis nostre unser othmudicheyt 
et animabus unde de zelen que nobis commendate sunt, de uns 
synt bevalen in oracione in unse beth et quarum unde derjennen 
utimur der wy brukende synt elemosinis erer almyssen, quibus den 
dedisti du best ghegheven confessionem die bekantenysse tui nomi- 
nis dynes namen, tribue den ghif ok remissionem de vorlatynghe 
edder vorghevynghe cunctorum peccatorum aller erer sunde. 

CoUecta. Dens ghod, conditor du schepper et redemptor unde 
du vorlozer fidelium omnium aller loveghen zelen, tribue ghif 
animabus den zelen famulorum dynre denre que (pro et) famularum 
tuarum unde dynre denerynnen remissionem de vorghevynghe 
cunctorum peccatorum all erer sunde, ut consequantur up dat ze 
moghen vorwerven vel nafolghen semper to allen tyden indulgen- 
ciam dat aflat, quam optaverunt dat ze hebben beghert piis suppli- 
cacionibus vormyddelst jweme milden biddende. 

Antifonium. Raphael de ersceenghel ingressus est de is ingheg- 
han ad thobiam to thibias et salutavit eum unde gnitede ene dicens 
segghende vel sprekende tibi sit°) dy sy gaudium vroude semper 
to allen tyden. thobias de prophete respondens de antwardede 
cui deme enghele aitP) unde sprak, quäle michi erit wo mach 
wy werden gaudium vroude qui wente sedeo ik sytte hyr in tene- 
bris in der dustemysse et non video unde ze nicht lumen dat 
lycht celi des hemmeis. Angelus de enghel ait de sprak cui to 
deme propheten *>). Esto wes forti animo van eneme starken 
gemuthe, in proximo est ith is vul na ut cureris dat du scholt 

0) Orig. seit, p) Hier ist, wie Krause bemerkt, das Lateinische fiir die 
Übersetzung konstruiert, statt: cui thobias dicens ait. q) Ebenso statt: 
cui angelus ait. 



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Statut des Bischofs Nikolaus Böddeker von Schwepn etc. 57 

sunt nnde to reke werden a deo van ghade, sed sunder spero ik 
kpe in domino in den heren qui wente me non derelinquet dat 
k my nicht vorleth. 



18. 
Statut des Bischofs Nikolaus Böddeker 
Ton Schwerin in betreff der Kleidung der Geist- 
lichen, Magister und Doktoren. 

[Schwerin.] 26. September 1451. 
Nicolaus dei gratia episcopus Zwerinensis ad futuram rei 



memoriam 



Sed quia plerique clerici dissolutioneni, quam mente gerunt, 
habitu praevertunt et spreta forma ecciesiastieae honestatis laicis 
in vestibus conformes esse delectantur vel usurpant vestitum 
dignioribus solum debitum et admissum, hinc est, quod iuris 
communis ac sacri et magni Constantiensis concilii circa honestatem 
et tonsuram et vestes clericorum edita pro recensitis habemus ac 
praecipue volumus obsenrandum, ut nullus ecclesiasticus fiilgidis 
vel sordidis yiridisque seu rubei coloris aut brevitate vel consuetu- 
dine notandis vestibus utatur, ne quid tenacula ad vestes aurea vel 
argentea balteave seu aliud vestium genus auri vel argenti seu etiam 
orichalci superfluum aut pomposum omatum habentia, sed nee 
manicas ad cubitum superflue dependentes fissurasque in vestibus 
ad latus vel retro alias quam in itinere, sed nee fulcituras ultra 
oras vestimentorum reflexas laicali more deferat publice sub 
poena III. marcarum Lubicensium, quarum una id revelanti et 
aliae duae superiori in pias usus convertendae pro qualibet vice 
contravenienti debeantur ultra poenas modo privatas iuxta communis 
et generalis concilii constitutum promulgatas; quodque nullus nisi 
cathedralis ecclesiae canonicus aut in disputatione vel personatu 
eeu magistero vel doctoratu aut licentiatura alicuius auctoritate 
facultatum constitutus foderaturam ^) varii aut serici publice portet ; 
nee quis annulum publice deferat, nisi id sibi avite sit permissum 
sub poena proxime antea dicta. 

Zn 18; Diplomatarium Mecklenburgicum des Georg Westphalen in West- 
phalens Monumenta inedita, Tom. IV, Sp. 1067: Nr. 14 der Statuta synodalia 
Ton 1451. 

*) foderatura, auch fodratura (franz. fourrure) ist pellitium, quo vestis ornatur. 



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58 Urkunden n. Akten zur Geächichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

Datum prout e mundis dioecesis sab nostro sigillo dei dominica 
XXYI. mensis Septembris anno a nativitate domini millesimo qua- 
dringentesimo quinquagesimo primo, pontificatus sanctissimi maximo- 
pere patris et domini nostri domini Nicolai divina Providentia 
quinti anno quinto, horis pomeridianis. 



19. 
Statut des Bischofs Wedego von Havelberg 
in betreff der Prüfung der Ordinanden. 

[Zwischen 1460 und 1487.] 

Et cum iam nostris temporibus actenus in huiusmodi examine 
ordinandorum in diocesi nostra Havelbergensi modus et forma in sacris 
canonibus expressi in modico 8int servati, constare prout certius 
plerosque non admittendos et inhabiles de iure sepius fore admissos 
et ordinatos. Ad obviandum igitur huiusmodi periculis nos Wedego, 
episcopus Hayelbergensis, volumus, statuimus et ordinamus univer- 
sisque in spiritualibus vicario, necnon officiali curie nostre omni- 
busque aliis et singulis pro examine per nos ordinandorum depu- 
tatis et deputandis in virtute sancte obedientie et sub obtestacione 
divini iudicii districtius iniungimus et mandamus, ut in cuiuslibet 
ordinandi examine ultra alia de iure inquirenda serventur modus 
et forma infrascripti. 

Primum itaque et generaliter servetur pro regula, quod nemo 
ordinandorum, presertim de quo non constat clarissime de ydonei- 
täte, moribus et scientia etc. suis, examine admittatur. 

Item quod examinandi in antea venire debent ad locum ordi- 
nationis quinta feria desero ante sabbatum, ut sequenti die tota exa- 
minari possint et se confitendo preparare ; alioquin non admittantur. 
Accedente igitur exaroinando inquiratur, an sit de diocesi Havel- 
bergensi, an sit alienus. Si fuerit alienus, sive sit religiosus vel 
secularis, ad quemoumque ordinem promovendus, postuletur dimisso- 
rinm et si non exhibuerit, reiciatur. Si vero exhibuerit et fuerit 
religiosus, debet habere dimissorium sui prelati immediati et cum 

Zo 19: Riedel, Codex dipl. Brand. 1. Hauptteil. Band III, S. 254 ff. 
Urk. Nr. XVI. Die Urkunde ist undatiert, fällt also zwischen 1460 und 1487, 
die Jahre der Regierung des Bischofs Wedego. Der Text ist wie 9a und b 
mit dem Original verglichen; s. S. 24 Anm. 



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Statut des Bisehofs Wedego von Havelberg etc. 59 

eonsensu Bui ^piscopi. In eo exprimi debet testimonium de ydonei- 
täte peisone et de sufficientia honestatis, morum et scientie, et 
si de fiierit, admittatar sine examine , alioquin reiciatur. Si vero 
faerit secnlaris et exhibuerit dimissorium a suo episeopo vel eins 
ricario in spiritualibus habente spirituale mandatum ad id, caute 
videatar, an contineat testimonium de vita et moribus ipsius, de 
ydoneitate persone et scientia et titulo et tunc sine ulteriori 
eiamine admittatur; alioquin reiciatur, nisi tunc alias de premissis 
evidenter eonstaret. Idem fiat de exemptis etiam de diocesi 
existentibns. 

Si vero fuerit non alienus, sed intraneus, tunc aut est religiosus 
et teneatur exhibere litteras dimissoriales sui prelati; alioquin 
reiciatur. Et iste litere dimissoriales etiam debent habere testi- 
monium de ydoneitate persone etc; alioquin iterum reiciatur. Et 
hoc habet locum in huiusmodi religiosis ad quoscumque ordines 
veÜQt promoveri. Item in huiusmodi religiöse ordinando habente 
literaa suas ut debet etc, habendus est adhuc respectus super etate. 
Si enim yelit ordinari subdiaconus, habeat XYIII. annum inchoa- 
tum, si diaconus XX, si presbiter XXV. Et si infra fuerit, reicia- 
tar, nisi ostenderit Privilegium. Si vero voluerit promoveri iste 
religiosus intraneus ad minores ordines, quamvis non habeat com- 
plete YII annos in etate, non erit cura, dummodo tamen concordant 
priora videlicet de litteris dimissorialibus etc. Si autem talis ordi- 
nandus intraneus fuerit secularis, queratur, ad quos velit promoveri. 
% dixerit: quod ad minores, queratur primo an sit baptisatus; si 
nescit, queratur de patrinis; si iterum nescit, queratur an paren- 
tes eiuB fnerint reputati pro christianis, et an ipse inter christianos 
«it conversatus. Item queratur, an sit natus de legitime thoro sive 
matrimonio; quod si non, tunc non admittatur sine dispensatione 
episcopi. Item an sit confirmatus, si non prius confirmctur. Item an 
habeat in etate complete septem annos, alioquin reiciatur, nisi fuerit 
fcligiosus ut supra. Item an sit criminosus vel irregularis, quod tales 
peiciantur. Fostmodum examinatur hoc modo : Primo legat orationem 
dominicam, Credo in deum, et queratur, an credat omnes articulos 
fidel. Item examinetur in Donato et in declinando infrascriptos 
et in casibus. Si sciat, admittatur. Si nichil omnino sciat, reiciatur. 
Si vero modicum sciat et fuerit spes de profectu , iniungatur sibi 
ätrictissime, quod diligenter addiscat, et facto per eum de hoc 
promisso admittatur, dummodo priora concurrant, videlicet quod 
noQ habet impedimenta. Si vero talis intraneus ordinatus dixerit, 
^e Teile promoveri ad sacros ordines sive ad unum de sacris, postu- 



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ßO Urkunden u. Akten zur Geschichte des niecklenburg. Unterrichtswesens. 

lentur primo formate sive littere testimoniales de prius habitis 
ordinibus; si vero non habuerit illos, tunc reiciatur. Et circa hoc 
sciendum, 8i volens ordinari in sacerdotem exhibuerit Bolum forma- 
tarn super ordine diaconatus, non admittatur, nisi etiam probaverit, 
se habere ordines priores vel nisi in formata ista exhibita con- 
tineatur, quod gradatim sit promotus, et est nota dignum. Post- 
modum queratur ab isto ordinando et habente formatas debitas, 
primo an sit aliquo crimine irretitus, item an sit infamis, item an 
sit irregularis, et si illorum aliquid confitetur, reiciatur. Si dixerit 
quod non, nee aliter appareat, creditur ei. Item queratur de con- 
ditione sive genere, an videlicet sit servus vel über, quod servui*. 
talis videlicet, qui est proprius domini vel empticius, non admittitur. 
Item an sit alicui obligatus ad ratiocinium, quod talis ante reddi- 
tam rationem non promovetur. Item videatur caute, an talis sit 
viciatus, ubi videri potest, videlicet in oculis, auribus, manibus et 
aliis membris: ubi autem non videri poterit, inquiratur. Item 
queratur, an sit bigamus, quod talis repellitur. Item an sit legi- 
time natus, quia illegitimus non admittitur sine dispensatione pape. 
Item queratur de etate, quia si velit promoveri in subdiaconum. 
oportet necessario, quod attigit in etate XYIII annum ; si in diaco- 
num, vioesimum; si in presbiterum XXY; alioquin si est infra, 
tunc reiciatur. Item queratur, de qua provincia natus est, ut 
secundum hoc presumi possit de moribus, quia in una patria sive 
in una parte unius provincie consueverunt homines esse virtuosiores 
quam in alia videlicet per experientiam cottidianam. Et hec in- 
quisitio generaliter fiat in minoribus ordinibus. Item queratur de 
titulo. Si dixerit, quod velit promoveri sub titulo patrimonii. 
ostendatur testimonium, quod sit suf&ciens^) vel saltem conpetens. 
Si vero sub titulo beneficii, exhibeatur institutio et ibi videatur, 
an sit beneficium desolatum vel minus Valens, quod tunc depre- 
henditur fraus, ut scilicet beneficium recepit pro titulo, post ordines 
receptos ipsum derelicturus, prout fit tota die. In hiis rigorosissime 
procedatur in examinando, ut videlicet defectum tituli et modici- 
tatem suppleat copiositas scientie. Nam tales si non valde bene 
habeant se in scientiis et ceteris, que requiruntur, reiciantur. Nam 
volunt post beneficia derelicta ire ad magnas ecclesias et ibi tarn- 
quam cappellani deservire et predicare. Si non fuerit beneficium 
tale, in quo iste velit residere, habendus est respectus ad benefi- 
cium. ut secundum hoc fiat examen in scientia, videlicet nam^) 



a) Verbessert aus sufficens. b) nam scheint fehlen zu müssen. 



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Statut des Bischofs Wedego von Havelberg etc. 61 

|iromotus ad sollemnem parrochialem ecclesiam habentem magnum 
populum tenetur maiorem habere scientiam quam is, qui ad modi- 
cam ecclesiam promovetur. Et iste tenetur adhuc ad maiorem 
^ientiam, quam si habet simplex beneficium. Et si in huiusmodi 
soiencia defecerit, reiciatur. 

Item habendus est respectus ad ordinem, quem ordinandus 
velit recipere, quia maior seientia requiritur in sacerdote quam in 
diacoDo et maior in diacono quam in subdiacono. Et secundum 
hoc reguletur examen quoad^) scientiam. Hodie tamen non consue- 
yerunt petere subdiaconatum presertim seculares, nisi mox post 
velint etiam habere ordines sequentes. Ideo forte non incautum 
iudicaretur, fieri examen tantum apud promovendum in subdiaconum 
^icttt in sacerdotem. Attamen premisso staute posset fieri examen 
qnoad promovendum in subdiaconum eo modo, ut sufficeret. Et 
äi sufficiens esset in seientia quoad®) subdiaconum et non ultra, 
diceretur sibi: Si vellet promoveri ad illum ordinem, admitteretur 
bene, sed ultra non posse admitti, nisi plus studeret et se in mori- 
ks et ydoneitate meliorem redderet. Et si tunc accederet, impu* 
taret sibi ipsi, si postea reiceretur et sie maueret. In examine 
itaqne istius ordinandi ad sacros ordines, postquam in legende et 
cantando bene se habeat, aliisque in grammatica et ceteris necessa- 
riis expeditus, queratur, quot sint sacramenta et que sint. Item 
que possint reiterari et que non. Item que sit forma baptismi et 
ijuae matrimonia et sie consequenter de aliis sacramentis. Et quot 
äint claves ecclesie et que sunt. Item quid sit clavis ecclesie. Hec 
precipue querantur a curatis. Examine finito mandetur omnibus 
et singulis ordinandis presertim ad sacros ordines, ut confessionem 
faciant de omnibus peccatis, antequam accedant, et quod se diligenter 
ad eukaristiam sumendam preparent. Item quod sint conservati. 
Item omnes ordinandi ad minores ordines facere debent confessionem, 
antequam accedant, et ad eos recipiendos se etiam diligenter devote 
preparare. 

e) verbessert aus quo ad. 



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62 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichts wesens. 

Der Anteil der Schule zu Wismar 
an den Großen Zeiten. 

Wismar. 11. Mai 1500. 



Item in den festdaghen der juncfrouwen Marien edder ander 
festdaghen, wen de scholemester vorplichtet is mit szynen scholren 
to synghende de mette van neghen Iex£en ^) unde de laudes, schal 
bliyen by denn scholemestere, so oldinghes is gewesen in der 
kerken, myt den festdaghen des hilligen lichammes unde Marien 
visitaciohis, in welken twen festen de scholemester myt synen 
scholren unde locaten aver de gantzee weken scholen to köre 
ghan myt den tyde heren unde choralibus und ßynghen, als van 
oldinghes is gesehen, de mette, laudes, prime, tereie, sexte, 
homisze, none, vesper unde nachtsanck myt alleme vlite, dat de 
unschuldigen kyndere in den twen groten festdaghen myt der 
wekene delaftich werden mede des aflates, dar de beyden twe 
feste mede beghiftet synt; van den anderen octaven der festdaghen 
Marien schal de scolemester entfrighet zyn unde myt der octaven 
epyphanie, utgenamen de lesten daghe der octaven der feste, so 
sal he myt synen locaten unde scholren to coro gan unde zinghen 
de vesper unde de homissen myt den tyde heren unde choralibus 
unde sze alweghe myt deme scholemester, synen locaten unde 
scholren sunder insegghent unde nicht entfrighet weszen van dessen 
tyden unde homissen, wen ere de scholmester to köre iß mvt 
synen scholren unde deshalven neue schuldinge hebben. 

Item degantze octave des hilligen paschen festes schal eck 
bliven bi denn scolemester, alsz men denne alle dage by de vunt '^) 
gheit myt processien, myt den festdaghen der hemmelvard Cristi 
unde pinxsten unde myt eren octaven. Item de homisse myt allen 
sonavenden myt alle veer quatertemper missen schal ock bliven 
bi denn scolemester, de tor tyd is. Alzo weret in deme sonavende 
in ferien qwemen feste martirum, virginum edder confessorum, ßo 

Zu 20: Abgedruckt aus einem Testament bei Schröder, Pap. Meckl. 
S. 2612—2628. Dr. F. Techen in Wismar verbesserte für mich den Text nach 
dem Original, das sich im Ratsarchiv zu Wismar befindet. 

*) 9 lectiones: das ist ein besonderer Festgrad, vgl. Grotefend, Zeitrechnung 
des deutschen Mittelalters und der Neuzeit. 1. 1891. S. 60. 

«) vunt = Fünte, Taufstein. 



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Der Anteil der Schule zu Wismar an den Großen Zeiten. 63 

etcal he dar de homissen äff zinghen, dat de homisse zo confonne- 
lick syder tydt unde der geholden tyde. 

Item als denne ghemeDÜck ock in allen sieden unde kerken, 
dar me plecht to holdende unde synghende de soven grote tyde, 
eyne wiße unde wanheit is, dat de scholemester myt synen scholren 
unde locaten plecht in festdaghen hart na deme sermone to zing- 
hende de sexte unde darvore stipendigert is vor syn arbeyt unde 
ock behinderß halven der prestere, de zick denne bereden to eren 
missen edder anderen densten der kerken oldinges geholden, so 
boghere wi patronen unde funderere vorbenomet, de dinghe ock 
so to holdende dorch den scholemester, der tor tyd is, dat he 
in allen festdagen to ewigen tyden myt allen synen nakamelinghen 
zingfae de sexte, so vro als de sermon uth is, myt suffragien, in 
fest dagen tor motten, unde vesper myt denn ymno tor motten, 
na deme irenite, unde ock myt denn ymno tor laudes vor denn 
benedictus unde myt allen suffragien tor ersten vesper, in festen 
unde ock to anderen vesper; assigneren unde tokeren ofte tote- 
kenen hirvore denn scholemester. de tor tydt is, syn loen edder 
Stipendium alle jar vif marck geldes, de en denne gheven de vor- 
weBere unde procuratores desser tyde. 

Item so schal de scholemester myt alle synen nakomelinghen 
Torplichtet weszen, dat he in allen sondaghen, aposteldaghen unde 
anderen festdaghen, wen he de motte nicht enszynghet, dat he to 
ewighen tyden myt synen nakomelynghen synghe de laudes unde 
weme in organis plecht to zinghen, dat he alle tydt synghe nonum 
responsorium unde te Deum edder in festen drier lexszen dat 
drüdde responsorium unde Te deum, up dat de cantus in organis 
nicht vorgha, mer in syneme wesende blyve, de organiste speie 
to köre edder nicht. 

Item desse prestere unde korscholre, tho dessen tyden un van 
uns vorescreven patronen nach creme willen unde vorplichtede 
lavede denste baven bestemmet, scholen ock vorplichtet weszen, 
myt alle eren nakomelinghen zo tyden to köre tho ghande unde 
de tyde antohevende, in werkeldaghen edder ferien, dat de tercie 
in de klocke tho soven uthe sy, dat denne vort mysse zunghen 
werde uppe der liberie, de her baltzee dar fundert heft'), zo dat 
de mysse to achten in de clocke 10 ute sunghen sy. 8e scholen 
ock in den octaven der feste sünte Eatherinen unde concepcionis 
Marie zo botyden to köre gan, dath de beyden missen bliven in 



') Zur Bibliothek BaUees siehe Nr. 25 c. 



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64 Urkunden u.* Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

ereme wesende to rechten stunden. Sze scholen ok aver de 
hilligen vertich daghen in der vasten zo vro to köre ghan, de 
tyde anheven des mydwekens unde vrigdaghes, dat de memorien 
misszen, de denne wanlick zynt to holdende, in de clocke to soven 
umme der sermonn willen nicht vorbliven, mer stede unde vast in 
alle eren olden ordinancien bliyen. Item sze scholen ock nicht 
unlatich weszen in denn köre, wen se de tyde holden unde szinghen 
unde nyn qwat ghebilde van gheyen in denn denste gades. Sze 
scholen ock nicht spaseren ghan in deme köre edder in der 
kerken, de wile dat ße synghen. Sze scholen ock be tyden kamen 
to köre als voregescreven steit unde vor der endinghe der tyde 
nicht wechgan* Sze scholen ock synghen edder leszen nicht de 
tyde sunder rogghelen.*) Sze scholen sick ock nicht vorhasten in 
ßinghende edder leszende desszer tyde, mer myt lavelickeme unde 
behorliken pauszen dat volk to innicheit reiszen myt zotane en- 
drachtlikeme done eres ßanghes. 

Item ße scholen ock nicht langhe utreisen sunder orlof der 
Yorwesere unde procuratoren unde denne denen dorch enen anderen 
nogafdgen prester, ofte enen nogaftighen Choral, weret dat en van 
Chorälen utreisede, ßo dat vor enen prester is alweghe denen schal 
en prester. Weret ock dat van desszen tyde heren edder Chorälen 
mit kranckheit beville, dat he nicht konde to köre kamen, so schal 
he over de tydt syner kranckheit denen den tyden dorch enen 
wolghevellighen Substituten. 

Item disse prester unde chorales scholen ock vorplichten 
wesen, dat ze ere stede, residencien hebben unde holden in der 
vorbenomden kerken unszer leven vrouwen, dar ze de tyde zinghen 
myt den anderen presteren der zulven kerken to köre to ghande 
in hochwerdigen vigilien, tor ersten vesper unde anderen vesper 
unde des sondages unde anderen groten festdaghen alle tyd mede 
circueren edder umme hof ghan myt den choralibus unde de chora- 
les myt en sunder jeghen segghent unde in den zulven groten 
festen de stacie ^) mede holden in der kerken to der ere gades wen 
umme hofF gheghan is noch to donde den Statuten unde geszetten 
darup gebaden van unsen heren van Ratzeborch. 

. . . Das gheliken de chorales, weret ze prestere zynt, dat god 
deme heren in synneme denste nyn affbrack schee, deme kerck- 
heren unde cappellanen gheme helpen myt missen, wen ße darto 
beden unde esschet werden, zo ene wanlike wysze is in der kerken. 



♦) Chorkleider. *) stationes = 4 Vigilien einer Nacht 



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Zur Lektüre der Schnle an St. Marien in Rostock etc. 55 

Sze scolen ock Torplicbtet weszen, wen de scholemester myt synen 
scholren snffragien holt unde zinghet tor metten unde tor vesper, 
dat en yan en al weghe myt alle eren nakamelinghen, de denne 
nach erer ordinancie wekenhere is, dat de wäre up de Torsicule 
unde coDecten, dat dar nene yorBamenysse inne sehe. De zulve 
wekenhere aver zyne weken seal upschriven de neglientes unde 
in der tyd der beloningbe truweliken vermelden den procura* 
toiibus 

... In festdagben imme affweszende des underkosters schal en 
van den Chorälen deme scholemester luden tor laudes, dat nene 
negliencie sehe unde en van den Chorälen schal vorwaren den 
slotel to denn eygen boken schappe, he sy prester edder nicht, 
unde scal myt Yl3rte de boke vorwaren, de to dessen tyden boren, 
unde be tyden upsluten, dat dar nene vorsumenisse sehe, weken 
umme weken, bi pyne enes lubescben Witten, zo vaken al£ he vor- 
smnelick is. 



21, 

Zur Lektüre der Schnle an St Marien in Rostock 

ans den Jahren 1502 nnd 1503: 

Magister HUdehrand Dorgelo liest die Medea und den Eunnehus 
und interpretiert letzteren in niederdeutscher Sprache.^) 

Finis Medee Senece anno domini 1502 in Rostock per venera- 
bilem Magistrum Hildebrandum ibidem in schola Beate Yirginis. 

Finis Eunuchus comedia secunda interpretata layca lingual) per 
Magistrum Hildebrandum Dorgelo in scholis Beate Marie Yirginis 
Rostock sub anno domini millesimo quingentesimo tertio, septimo 
kalendas Februarii. 



Zo 21: Aus der Schrift eines Schülers, aufbewahrt in der Universitäts- 
bibliothek zu Bestock (Mss. philol. 28*). Mir lag indes nur die Beschreibung 
von Adolf Hofmeister im L Band der Beiträge zur Geschichte der Stadt Rostock, 
Heft 4. S. 77 S, vor. Der Schüler helBt Michael, wie aus einigen Versen hervor- 
geht. Seine Handschrift bietet uns den Text der Schriftsteller und die Be- 
merkungen des Lehrers. Ganze Abschnitte haben keine Beischrifben und legen 
von versäumten Stunden des Schülers Zeugnis ab. 

^) Siehe auch Nummer 31b und 41. 

*) layca interpretata: Aber die Bemerkungen des Schülers sind alle 
lateinisch. 

Moniinienta Gennaniae Paeda^gica XXXVm 5 



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66 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünterrichtswesens. 

22. 

Schul- und Kirchenverhältnisse 
der Stadt Greyesmühlen am Ende des Mittelalters. 

1517—1533. 

Anno 1518 sin hir to grevesmoln gewesen tein vicarien edder 
missepopen^) und ein pastor, ein scholemester, ein koster, alse 
erstlick Nicolaus Dene, soholemester; Valentin Evers, köster; her 
Jochim Tribbow, pastor; her Hinrick Sten, ein yicarius, notaiius 
und statschriver, ein gewesener predicher tor Ealckhoff^); her 
Peter Gammelkame, vicarius und notarius unde predicher; her 
Jochim Dannel, vicarius und notarius, her Hinrick Eock, vicarius 
und gemener predicher to borkow^); her Jochim Averberch vicarius, 
her Hinrick Eop vicarius, her Hinrick Smachthagen vicarius, her 
Georgen Everdes vicarius, her Nicolaus Smachthagen vicarius, her 
Antonius Greve vicarius. Düsse alle weren fuUenkamen ordenert, 
se möchten predichen, bichtsitten, krancke besöken, sacramente 
vorrecken, kinder dopen, gelick alse de pastor^), jedoch hedde 
ein jeder sin eigen ampt und altar, doh he plegede und nerde 
sick van de rente, de dar to gestiftet was. Itt weren domal tveUF 
altar in der karcke, dar weren ock sös capellen; eine to s. Georgen, 
dar de meierhoff is; eine*^) vor dem lübschen dor, hett s. hülpe*), 
an dem stendamme, alse sick schedet^) de lüpsche wech un de 
questiner wech, mit euer starken mur umringett, unde eine tom 
hilligen geiste, welches nu ein komhuss is. De arme lüde wanden 
up des hilligen geistes hove. Dat armhuss was am ende der 
hilligen geistes kercke und gingen ut und in dorch de kercke. 
Dat hus wart anno [15]31 nedder gebrachen, de arme wurden 
in de schole gewiset, de schole wart in de capelle, de up deme 
karckehave steit, gewiset. Noch eine capelle tor wemow*), het 

Zn 22: Masch, Beiträge zur Geschichte merkwürdiger Bficher I. Stück, 
S. 74 ff. fand in „ Angostinoa de civitate dei *" diese Eintragung von . alter 
Hand", welche noch „vor 1550 geschrieben ist". Ich habe den Text so über- 
nommen, wie ich ihn bei Masch fiand, doch folgendes verbessert: 

a) aus nissepopen. b) aus papor. e) aus eme. d) aus schadet. 

^) Ealkhoff, verschrieben für Ealkhorst, Pfarrdorf im Amt Grevesmühlen. 
*) Borkow, muß heißen: Börtzow, ist ein Dorf in der Nähe von Greves- 
mühlen. 

') s. hulpe = sanctus salvator := Ghristusbild. 
*) Wamow ist ein großes Dorf bei Grevesmühlen. 



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Schul- and KirchenTerhältnisse der Stadt Greveamühlen etc. 67 

tom hilligen crutz, und eine capelle up dem berg, alse me*} na 
der Wismer geit am wege, de het 8. calyarie. De pastor mosste 
jarlich dem bissohoppe to Rosstsborch twelfF mk yor de kercke tor 
bor geven und de wedem unde^ sohüne, tunen und stelle erholden 
ap sine eigen unkost De yorstender buweten de balye wedem 
und nicht mer. De anderen yicarien buweden ehre waninge up ehre 
eigen unkost H. Peter Gammelkame«^) heft anno 1517 de sohole 
gebuwet up sine eigene unkost; na sinem dode met [?] it tor 
Bchole gelecht. Düsse yicarien hebben ein dusent marck lübecker 
penninge'^) up rente beiecht by Bemstorpe, Basseyitzen to Torstorpe 
und Stralendorpe to Eranckow, des geyen segel und breye tuche- 
nisse. Ock is domal mer alse yor twe dusent mk sülyer, golt, an 
25 becker, 11 monstrantzen^), sülyem krützen, spangen und was 
des mer is, gewesen. Der yon is yerko£Pt yor 1250 mk und bey 
den rath to Lübeck up rente gedan. Dat ander sülyer is yor 
malyorkofft, an spangen^ paelde^), bindeken^), krallensnor, dar de 
bilde mit gesmücket wurden, und was des mer was. Ein jeder 
ampt hedde yer^) lüchter in der kercke, desgelicken ein jeder 
dorp sine yer') lüchter mith lichten besettet, de se holden muste. 
Diisse kercken dener sämptlich hedden eene frouwen allene. 
Anno 1533 nemen etliche frouwe, und wen düsser einer starff, so 
borde der kercken dat halye gude, de andere helffte den fründen. 



23. 

Die Lektionen am Pädagoginm 
der Universität Rostock. 

Rostock. 5. April 1520. 

8i Philippus, ille Macedonum rex, multis laudibus dignatus 
86 fortunatum tota animi hilaritate, quam frequenter recensuit, 

e) aus mi. f) aus an. g) für Gammellame, h) penninge, so mutmaßt 
Schlie, Kunst- und Geschicfatsdenkmäler, Tom. II, S. 345, der einen Teil dieser 
Stelle hat. Hasch verzichtet auf die Lesung, i) aus mustrantzen. k) aus 
bindekan. 1) aus vor. 

*) Diademartiger Frauenschmuck. 

Zu 28: Aus den Observantia lectionum in universitate Rostochiensi vom 
Jahre 1520, abgedruckt bei Krabbe, Die Universität Rostock, S. 319 Anm.l, 
S.352 — 364 u., aber von mir verglichen mit dem Original, das sich im Besitz 
der Universitätsbibliothek befindet. Einen andern Abdruck erwähnt Krabbe, 
Ic. S.318 Anm.2. 

5* 



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68 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 

quod eo tempore filiom suscepisset, quo grecanicae sapieniiae vir 
pene divinus Aristoteles philosophiae balsamo multos imbueret, 
iinns profecto (sua sententia ex milibus delectus), cui amatissimum 
filium recte et preclare instituendum traderet, non indigne huius 
temporis studiosos adolescentes fortunatissimos predicamus, qui felici 
sydere nati in hoc litterarium seculum incidenmt, quo vera et In- 
tegra bonarum artium studia, heu multo tempore sub inertibus 
preceptoribus depressa, vincta et ad tabidum usque squalorem 
detrusa nunc in toto orbis circuitu sub optimis et munificis Mecena- 
tibus florent, augentur et mirifice insplendescunt. Quales revera 
Mecenates et frugalissimos patronos ac defensores se habere gratu- 
latur universitas Rostochiensis illustres et magnanimos duces Mega- 
polenses Hinricum et Albertum germanos fratres optimarum Utte- 
rarum christianeque religionis ardentissimos erectores et illustratores, 
quorum oculatissima prudentia ac mitissima admonitione rector, 
magistri ac doctores eiusdem academie subiectum ordinem verioris 
eruditionis invulgare et publicare decreverunt, quem singuli lectores 
ac eruditores fidelissime conservabunt ad fecunda adolescentum 
ingenia formanda et in deliciosis disciplinarum ociia sufficientissime 
reficienda. In gloriam dei et universe reipublice litterarie imicum 
decus. Datum Bostochii sub sigillo rectoratus nonis Aprilis anno 
vigesimo. 

Lectiones pedagogii porte celi extraordinarie pro triviali eru- 
ditione paryulorum. 

Mane hora sexta rector pedagogii exercet aut in fundamentis 
legices*^) aut phisices secundum qualitates auditorum. 

Hora septima conrector pedagogii exercet in elementis gra- 
matices, quo ad inflectiones congruam nominum, verborum et 
reliquarum partium orationis. 

Hora nona alter conrector exercet in formulis conficiendarum 
epistolarum cum applicatione Latinarum epistolarum Ciceronis, Plinii 
aut similium. 

Hora duodecima conrector exercet doctrinam poetandi in 
diversis generibus carminum adhibitis exemplis probatorum poe- 
tarum Vergilii, Horacii, Ovidii, Catulli, Tibulli, Sillii et reUquorum 
sine numero priscorum et modemorum. 

Hora prima conrector alter exercet in proprietatibus vocabulo- 
rum, quo indocti parvuli possint ad Latinam linguam promtius imbuL 



a) Muß heiBen: logices. 



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Lektionen am Pftdag. Rostock. — Unterricht angeh. Elosterschwestem. 69 

Hora tertia alter rector pedagogii aut in Donato aut sintag- 
mate aut competenti poeta pro capacitate auditorum exercet. 

Hora prima in profectis et vigilüs ac festiB sanotomm onus 
conrectorum lectiones in metamorphosi Ovidii aut simili poeta diu- 
genter observat. 

Hora tertia eodem tempore alter conrector in ordinario estivo 
exercet in algorithmis integrorum annexis probis et minutiarum 
phisicarum, in ordinario hibemo in ecclesiasticis computationibus. 



24. 

Der Unterricht der angehenden Klosterschwestem 
bei den Benediktinerinnen zn Dobberiin. 

[Dobbertin. 19. Oktober 1569.] 

Za dem ^) findet sich ein grosser mangel, alß dieses closter ein 
junfem- schule sein solte, das die junfem gar übel gantz vor- 
kerter weise darin unterrichtet werden, denn sie zu gar keinem 
Stack der gottsaligkeit und heilsamen lehre, viel weiniger zu dem 
heiligen catechismo ermahnet und gelehret werden, sonder allein 
zu nonnensitten und latinische gesenge zu lernen, das sie auch 
ungeme teutsche psahnbucher ansehen weiten, und vormeinen, den 
jungem junfem die latinische spräche einzubilden, mit der commen- 
dation, das die spräche sey lingua angelorum, und brauchen der 
alten schweren grammatiken Torrentini, Alexandri und anderer 
und lesen ihnen geschriebene Dicta Catonis und andere heidnische 
Spruche für; darein stehet ihre gantze institutio, das zu erbarmen, 
und baltens noch wol so heilig, das darzu die allein gelassen 
werden, die ihre gelübde thun und von newen eingekleidet sein, 
welche den sechs jar^) in gedachten dingen unterweiset, muchten 
billig sagen, ohne einigen nutz gemartert werden. 

Zo 24: Nach dem Abdruck in den Jahrbüchern des Vereins fCLr meckl. 
Geschichte u. Altertumskunde. Jahig. 22, S. 167. 168, aas dem Visitationsbericht. 

*) Zu dem Es ist Punkt 4 des Berichtes von der 3. Visitation des 

Klosters. 

«) sechs jar: 1563—1569, seit der 2. Visitation , welche 1562 gewesen war 
und 1568 eine feste Ordnung eingeführt hatte. 



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B. Schulverträge, 
Besoldungsverhältnisse und andere schul- 
geschichtlich wichtige Urkunden. 

25. 
Die Anfange von Bibliotheken. 

1195. 1222. 1240. 1297. 1337. 1342. 1344. 1428. 

a. 
Die Anfänge der Bibliothek des Sehweriner Domkapitels. 

1195 und 1222. 



1. Boizenburg. 18. Juni 1195. 

Des verstorbenen Bischoffs Bemonis Bücher sollen der Kirche 
widergegeben und uff die Gerbekamer gesetzt werden 

Acta anno domini 1195, 14. kal. Julii, in Boyzeneburg, regnante 
Heinrico imperatore. 

2. Schwerin. 31. März 1222. 

In nomine sancte et individue trinitatis. Ego Brunwardus dei 
gracia Suerinensis ecclesie episcopus 

Yolumus etiam, ut oblatio, que in supradictis tribus solenni- 
tatibus ipsi dominico sanguini offertur, in tres partes diyidatur, 
quarum una ad edificationem monasterii porrigatur, secunda ad 
usus cedat canonicorum, tertia Tero tribus annis ad libros com- 
parandos ecclesie conferatur, quibus transactis ipsa pars custodie 
sit perenniter deputata 

Acta sunt hec anno incamationis domini M. CG. XXTT. in- 
dictione X. Datum in Suerin, 2. kalendas Aprilis. 

Zu 25 at Meckl.Urk. Nr. 158. (Bischof Mried von Ratzeburg nebst zwei 
anderen kirchlichen Würdenträgern schlichtet den Streit des Kapitels mit den 
Wenden wegen der Bischofiswahl. Es ist der letzte Punkt des Instruments.) 
Nr. 280. (Bischof Bmnward bestimmt die Verehrung des heil. Bluts.) Nach den 
Protokollen des Notars Daniel Clandrian aus dem Jahre 1603. Fol. 280. 281. 



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Die AnHUige von Bibliotheken. 71 



b. 

Die Anlage einer Bficliersammlung im Kloster Dargnn. 

15. Oktober 1240. 

Borwinus dei gratia dominus de Bozstoo omnibus in perpetuum. 
Notam esse yolmnus nniversis has presentes nostras litteras in- 
spectaiis, quod, cum nos terminos yille Levin metiremur, unus 
maiisns de eisdem terminis superhabundans ad manus nostras est 
hereditario iure ac legitimo devolutus, quem nos pro salute nostra, 
anime ^idelicet et corporis, priori in Dargun ad libros comparandos, 
reficiendos seu quolibet modo alio instaurandos cum omni iure 
perpetuo contulimus possidendum. Super quo facto dicto priori 
et monasterio ipsius Dargun presentes sigillo nostro dedimus 
communitas. Guius rei testes sunt: Thidericus de Buren et frater 
suus Johannes, Jereziaus et frater suus Johannes, Hinricus de Ragen 
advocatus noster et alii quam plures. Datum anno domini 
M« CO XL« idus Octobris. 



c. 
Bfiehersammlungen in Wismar. 

a. Verzeichnis gottesdienstlicher Bücher zu St. Marien 
in Wismar. Wismar 1297. 

Dominus Robekinus ^) quondam custos beate virginis presentavit 
Theoderico successori suo III libros missales et unum ordinarium, 
duos antiphonarios et duo gradualia, duo volumina matutinalia et 
tres agendas, quatuor psalteria et unum omeliarium, duo volumina 
biblie et duo Tolumina nove passionalis, duo purpura spissa et 
unum purpur tenue^), quinque calices et duas ampullas') argenteas. 
Et pro dicto Theoderico fideiusserunt Johannes de Moderiz, Rot- 
bertuB cognatus suus, Johannes Coqus et Jacobus de Szurowe. 
Hec nota sunt consulibus. 



Zu 25b: Meckl. ürk. Nr. 515. Nach dem Original im Hanptarchiv zn 
Schwerin. 

Zu 25e: a) Meckl. ürk. Nr. 2439. Nach dem Wismardchen Stadtbuche B. 
p. 241. 

^) Robekinus = Robert (schon anno 1296 in Nr. 2368). 

*) purpur spissum (dicht) et tenue sind geistliche Gewänder. 

') ampulla = Kanne. 



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72 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichts vreaens. 

ß. Yerkattf zweier jaristischen Bücher. 
Wismar. 1337 (zwischen 3. Attgost und 9. Oktober). 

Domina Eriatyna, relicta Hinrici Töllenere, recognovit se ven- 
didisse consensu filii sui Hinrici clerici duo volumina, scilicet Deere- 
taies et Innocencium, magistro Ludolfo de Winninghusen, iuriste 
dominorum consulnm Hamborgensinm, et donüno Twano de Elütz. 
Ipsa eciam domina et filius eins tenebunt indempnem dominum 
Twanum ab omnibus impetitoribus super huiusmodi vendicione, si 
qui essent aut supervenirent impetitores in futuro. 

y. Verkauf mehrerer Bücher. Wismar. 13. Mai 1344. 

Bemardus Woidenbergh clericus recepit: de zelo et mundo, 
metrorum, de anima, de sbera orbis, super facetum. Hos libros 
dixit esse suos et stat pro eo proximioribus Hinrici Mordorpes*), 
quod pro hiis libris ab aliis moneri non deben[t]. 

d. Die Gründung einer Bibliothek in St. Marien 
zu Wismar. Wismar. 18. November 1428. 

In nomine Domini. Amen. Ego EQnricus Balzee presbiter, 
scriptor civitatis Wismariensis, Ratzeburgensis dyocesis 

Demum volo et ordino, ut librarie ac librorum aidui per me 
ad honorem ipsius virginis gloriose pro usu cleri Wysmariensis 
donatorum, assignatorum in eadem capella supra armarium ecclesie 
beate Marie sepedicta, curam agitant et custodiam rector ac duo 
seniores vicarii ecclesie predicte, vel si seniores ad hoc iudicio 
omnium vicariorum vel saniorum et maiorum partium in ecclesia 
dicta apti non fuerint, ex tunc duo de yicarüs per ipsos vicarios 
et non per rectorem eligantur ydonei ad custodiam et curam una 
cum rectore memoratas, quique tam rector quam vicarii ad libros 
illos claves habeant, nee alter alterius clavem custodiat vel recipiat 
absque consensu vicariorum omnium vel sanioris et maioris partis 
predictorum. Yolo insuper et eciam ordino, quod residuum reddi- 
tuum predictorum ultra deputata et premissa per rectorem et 
vicarios predictos pro conservacione librarie et augmento librorum 
emoneatur et servetur, quodque rector et ipsi vicarii de residuo 



ß) Meckl.Urk. Nr. 5800. Nach einer Eintragung imWisinarschen Zeugebuch. 
y) Meckl. ürk. Nr. 6414. Nach einer Eintragung iin Wismarschen Zeugebuch, 
a) statt Mo^rdopes. 

6) Schröder, Papistisches Mecklenburg, S. 1889 — 1895, aber nach der 
gatigst besorgten Verbesserung Ton Dr. F. Techen in Wismar. 



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Die Anfänge von Bibliotheken. 73 

hmusmodi ad utUitatem et augmentum prediotorum sie disponant, 
ut de hoc in extremo iudicio rationem reddere et meritum a iudice 
omniuin retributore valeant reportare. Et nichilominuB omnes et 
siiiguli presbiteri in eadem capella of&cia sive beneficia habentes 
amore eteme patrie et bone remuneracionis diligentem habeant 
atque frequentem custodiam et oculum vigilem pro eisdem ut eo 
arciuB malum dampni impediatur volo, ut ad hoc etiam sint astricti 

et obligati 

Acta sunt hec in ecclesia beate Marie virginis sepedicta anno 
indictione mense die bora et omnibus aliis quibus supra, presen- 
tibus ibidem honorabiUbus et discretis Dominis Hermanne Eulp et 
Hermanno Gemmelyn presbiteris Ratzeb. dioc. ante dicte ac 
Domino Henrico Dangmer, perpetuo vicario in ecclesia coUegiata 
Buzoyiensi, Zyuerin. dioc. et pluribus aliis fide dignis testibus ad 
premisaa specialiter vocatis et rogatis. 



d. 
Das Kloster Wanzka kauft eine Bibel in zwei Bänden. 

I.Juli 1342. 

Nos frater Hatbertus abbas monasterii Stolp recognoscimus 
publice per presentes, quod feminis reUgiosis domine Margarete 
abbatisse in Wandch (et) ceterisque sororibus sui conventus ven- 
didimus rite ac racionabiUter bibliam unam in duobus voluminibus 
coUigatam pro certa pecunia nobis integraliter persoluta et duabus 
partibus unius viatici nobis presentatis de scitu et consensu nostro- 
rum seniorum subscriptorum, yidelicet fratrum Conradi prioris, 
Thiderid subprioris, Johannis cantoris, Johannis dicti Yos, Hinrici 
cellerarii et aliorum plurimorum fide dignorum. In cuius testi- 
monium sigillum nostrum presentibus est appensum. Datum et actum 
anno domini M^ CCC^ XL^ secundo, in octaya sancti Johannis 
baptiste. 



Zu 25d: Meckl. Urk. Nr. 6222. Nach dem Original im Hauptarchiv zu 
Schwerin. 



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74 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtsweeens. 



26. 
SchulverleiliTmg in der Stadt Parchim. 

1249. 1278. 1295. 



Fftrst Priblslav TOn Uehenberg 

verleiht dem Priester Johann an St. Marien zu Parchim 

die Schulen auf der Alt- und Neustadt. 

Parchim. 20. September 1249. 

Pribizlavus dei gracia dominus de Rikenberch universis pre- 
sentem litteram yisuris in perpetuum. üniversa negoda mandata 
litteris ac voce testium ab utroque trahunt inmobile firmamentum. 
Notum igitur sit presentibus et füturis, quod nos lohamii, exhibitori 
prensencium, tam pro sua laudabili conversatione quam pro 
8U0 fideli obsequio nobis sepius inpenso cappellam nostri oastri 
in Parchim cum sex mansis in Boken^) ad ecclesiam nove civitatis 
ibidem cum omni utilitate porreximus perpetuis temporibus suo 
usui feliciter possidendam. Preterea aream inter fossam castri 
et aggerem molandini sitam prefato Io[hanni] dedimus ad unam 
curiam et domum construendam, ut eo vincior esset in supradicto 
Castro divinum oiBcium peragendum. Insuper scolas, ubienmque 
in antiqua vel nova civitate construerentur, eidem contulimus 
in subsidium et iuvamen. Ne autem huio dono aliqua in posterum 
possit novercari calumpnia, prensentem sibi paginam nostri sigilli 
inpressione signatam tradi iussimus ad munimen. Astitemnt 
vero, cum fieret ista donatio: Nanno de Lentsin, Amoldus et 
Bemardus de Molandino, Tbeodericus Berser, Johannes de Be- 
dekestorp, Iwanus et Nicolaus fratres de Belowe, Gerardus et 
Martinus fratres de Malyn, Heinricus et Segebodo fratres dicti de 
Holtdorp, milites, Gerardus Enesel et alii quam plures, quorum 
hie non sunt nomina subarrata. Acta sunt hec publice in Castro 
Parchim, anno gracie M^CC^X^LIX®. Datum ibidem, in vigilia 
beati Mathei apostoli et ewangeliste. 



Zu 26 a: Meckl. Urk. Nr. 633. Nach dem Original im Hauptarchiv zu 
Schwerin. 

a) Das Meckl. Urk.-Bnch hat Borken. 



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Schnlverleihmig in der Stadt Parchim. 75 



b. 

Bisehöflielie Bestättguiig des Besitzes der Schulen 
auf der Altstadt Parehim fftr den Pfarrer an St. Marien daselbst. 

19. Juni 1278. 

In nomine dei. Amen. Hermannus dei gratia episcopus 
Swerinensis universis, ad quos he litere pervenerint, salutem in 
domino sempiternam. Notum esse volumus, quod anno domini 
M^CC^LXXYin., die dominica proxima ante festum sancti lohannis 
baptiste, de consensu nostro et voluntate dedicata fuit ecclesia de 
nova civitate Parchem per yenerabilem in Christo dominum Ludol- 
fom, episcopum quondam Halberstadensem, fratrem nostrum. Que 
inquam ecclesia dotata fiierat decem mansis in Boke cum omni 
utilitate et fiructu ac sex modus siliginis, quos plebanus eiusdem 
ecclesie, qui pro tempore fuerit, de villa Damerow percipiet annuatim, 
com capella castri et scholis civitatis antique, que per eundem 
plebanum nove civitatis in divinis officiis et rectore scholarium 
perpetuo disponentur. Nos igitur dotationem eiusmodi in dicta 
consecratione publice per dictum episcopum nominatim expressam 
ratam habentes et firmam, dicto plebano suisque suocessoribus, 
pront hec omnia rationabiliter et iuste possidet, auctoritate ordinaria 
confirmamus ac presentis scripti patrocinio communimus. Nulli ergo 
hominum liceat haue nostre confirmationis paginam infringere vel 
eiausutemerario contraire. Si quis autem hoc attemptare presumpserit, 
indignationem omnipotentis dei et ultionem canonicam se noverit 
incursumm. Acta sunt hec presentibus: Hedenrico capellano nostro, 
lordano plebano in Wamekow, Henrico plebano de Gkrgeviz, 
lo. plebano de Vrowenmarck et Segebando plebano de Moderitz, 
clericis; item Nicoiao de Belowe, Siffrido de Eerkdorp et Nicoiao 
de Bruseviz, militibus ; item Olemanno, Bemardo Stuten, lo. de 
Boycenborch, lo. de Molenbeke, Gerardo de Stenbeke, Tiderico 
molendinario et Henrico de Scolenen, laicis, et reliqua fidelium 
multitudine copiosa. Datum per manum Gerardi notarii nostri, 
canonici Swerinensis» 



Zo 26 b: Meckl. Urk. Nr. 7200. Nach einer Abschrift ans dem Anfange 
des 17. Jahrhunderts im Hanptarchiv zu Schwerin. 



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76 Urkunden u. Akten zur Geschichte des inecklenburg. Unterrichtswesens. 

C. 

Nikolaus von Werle rerleiht seinem Kaplan Thietmar 
die Schulen auf der Altstadt Parchim. 

Güstrow. 13. Februar 1295. 

Nos Nicolaus dei gracia dominus de Werle recognoscimus et 
presentibus protestamur, quod nos nostro dilecto capellano Thitmaro, 
plebano nove civitatis in Parchem, contulimus communicato consilio 
discretorum ecclesiam dicte civitatis, capellam in Castro cum fructibus 
suis, scholas sive collectionem scholarum antique civitatis ibidem 
cum annua pensione et libera potestate vocandi et remittendi 
scholares ac divina utriusque parrochie officia exhibenda, sicut sui 
antecessores habuisse bactenus dinoscuntur. In cuius rei testimonium 
presens scriptum sigilli nostri munime duximus roborandum. Testes 
huius facti sunt: lohannes et Bernhardus fratres de Belin, milites, 
lohannes de Tieyz, Gotfridus de Ibendorf, clerici, et alii quam 
plurimi fide digni. Datum Güstrow, anno domini M^CC^nonage- 
simo quinto, dominica, qua cantatur Este mihi. 



27. 
Die Präbende des Scholastikus zu Bfitzow. 

Schwerin. 1. Januar 1270. 

Hermannus dei gracia Zwerinensis ecclesie episcopus omnibus 
presentem paginam visuris salutem et sinceram in domino caritatem. 
Geste rei noticia propagatur in posteros, cui venit auctoritas et robur 
testimonio litterarum. Declaretur igitur presentibus et futuris, quod 
nos, salubritati canonicorum ecclesie sancte Elizabeth Butzowensis 
insistentes, provida canonicorum nostrorum ecclesie Zwerinensis, 
videlicet venerabilis domini Ludolfi prepositi et domini Ghunteri 
prepositi eiusdem ecclesie Butzowensis, deliberatione prehabita, 
decrevimus prebendis minoribus aliquos addere redditus, maioribus 
vero subtrahere sine preiudicio nunc habencium prebendas easdem, 
quoad vixerint, ut predicte ecclesie canonici damorem ad nos 
frequencius delatum unanimi facta concordia postergarent. Cuitibet 
autem prebende XXX et duo tremodia^) vel equivalens statuimus 

Za 26 e: Meckl. Urk. Nr. 7235. Nach einer Abschrift aus dem Anfange 
des 17. Jahrhunderts im Hauptarchiv zu Schwerin. 

Zu 27: Meckl. ürk. Nr. 1178. Nach dem Diplomatarium Bützowiense. XIV. 
*) tremodium = 12 Scheffel = 1 Drömt = V« Last- 



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Pr&bende d. Scholastikus z. Bfitzow. — Heinrich d. Pilger übergibt etc. 77 

assignari. Melioribus tarnen in prebendis conetitud de supercres- 

cente gaudeant annona temporibus vite sne 

prebenda scolastici in Lussow 11 mansos, in Lukowe 

II mansos, in Beymersdorpe quinque tremodia et stolas, adiectis 
sibi tribuB tremodiis de prebenda maioris Ghotgbemak, cum vacarit, 
et in talibns redditibus permanebit 

Yolumus eciam, quod canonici sepedicte ecclesie, qui expensas 
habent, ad sustentandos scolares pauperes chorum ibidem frequen- 
tantes, derivaciones stacionum et ecclesie parrochialis Butzowensis 
et banno eiusdem civitatis gaudeant pensione 

Ut autem huiusmodi ordinacio tam racionabiliter ordinata 
futnris temporibus stabilis perseveret, hanc presentem paginam 
inde confectam nostre et eiusdem ecclesie Butzowensis sigillis 
fecimus communiri. Acta sunt hec anno domini M.CC.LXX., die 
circumscisionis domini, pontificatus nostri anno septimo. 



28. 

Heinrich der Pilger von Mecklenburg 

übergibt seine Adoptivtochter dem Kloster ßehna 

zur Erziehung. 

Wismar. 8. Juli J270. 

In nomine sancte et individue trinitatis. Mutantur tempora, 
transmigrant homines, evanescit memoria, sed vivit robur testium 
et littera, et per eam diucius vivunt actiones; unde laudabilis 
fidelium inolevit consuetudo, actiones emergentes litterarum remedio 
aut testium viribus perhennare. Huius rei gracia nos Hinricus, 
dei gracia dominus Magnopolensis, tam futuris quam presentibus 
notuin esse volumus, quod, cum in peregrinacionem versus Lyvoniam 
profecti essemus sub vexillo beate virginis militantes, inter mediam 
stragem paganorum ancillulam quandam multum teuere etatis, utpote 
triennem, ex ore gladii rapuimus et obtento sibi baptismi sacramento 
adoptayimus eam nobis in filiam, nobiscum ipsam in terminos 

Zu 28: Meckl. Urk. Nr. 1193. Nach dem Original im fiaüptarchiv zn 
Schwerin. 



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7S Urkunden u. Akten zur Geachichte des mecklenburg. Unterrichts wesens. 

nostros traducentes. Ne igitur contagione seculi lubrici eam oon- 
tingeret maculari, . et ut saluti sue plenius consuleremus, misiinus 
ipsam in claustrum Rene, ut inter virgines inbuta celestibtifl disci- 
plinis virgo virgini perpetuo deserviret. Ut ergo ex eiusdem ancille 
introitu claustrum Rene solacium acciperet, non gravamen, quicqiiid 
habuimus in villa Parpurth cum quatuor mansis in terminis suis 
in longum et in latum sufficienter, ut modo distentis, cum omni 
proventu, sicut nos possedimus, conferimus Renensi ecciesie perpetuo 
possidendum, excepto maiori iudicio, de quo terciam partem eidem 
claustro damus, nobis duas partes residuas reservantes. De hiis 
autem redditibus sex marce denariorum in vestituram dicte puelle 
et cetera necessaria, quamdiu vixerit, per annos singulos conver- 
tentur. Testes vero huius donacionis sunt: Helmoldus de Plesse, 
Alvericus de Bamekow, Conradus Dotenberg, Benedictus de Ro- 
denbeke, Hermannus Storm, Hinricus Pren, castellani Wismarie, 
Ludolfus Moltzan, Bemardus de Ghisticow, Ulricus de Blukker, 
Nicolaus de Ekerenvordhe, milites, castellani de Oodebuz. Acta 
sunt hec anno domini M**CC®LXX^ Hinrico tunc in Rene prepo- 
sito ea fideliter procurante. Datum in Wismaria, per manus Godes- 
oalci notarii, in die beatorum martirum Eyliani et sociorum eius, 
VIIP idus lulii. 



29. 
Die Kosten für den Unterhalt von Schülern. 

1278. 1279. 1284. 1294. 1326. 

a. 

Der Unterhalt Ton Schülern^ auch in betreif 

der seolastiea doctrlna. 

Wismar, c. 1278. 1284. 1294. 

a. 

lohannes albus et henricus albus, gener eins, et iohannes 

Brandenburg promiserunt coniuncta manu pro C. Marcis denariorum 

ad manus Gereconis^) filii Gerardi lanei textoris, qui manserat 

Zn 29a: Abgedruckt bei Barmeister, urkundliche Geschichte S. 14. 15. 
und nach einer gütigst bescha£Eten Korrektur von Dr. Techen in Wismar, der 
auch die Zeit bestimmte nach Stadtbuch B. S. 55. 74. 209. 

*) Gkreco = Gerhard. 



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Die Kosten för den Unterhalt von Schalem. 79 

8iq>er novam civitatem de hereditate patris sui: si predioti viri 
trec vellent vendere hereditatem eonim vel exponere non posaent, 
niai puero certificarent predictas C. Marcas : Quando autem de 
promiBso solati esse voluerint, in pentheooste eertificabunt peou- 
msm prenotatam vel dabunt, et predicti tres viri tenebunt predictum 
puenim in expensia et vestitu et doctrina scolastica, seeuiidum 
eonsilinm considum. 

ß- 

Meyneco faber habet sab se XXY Marcas denariorum, quae 
pertinent pueris lohannis institoris,^) unde tenebit Henricum scolarem 
filium ipsius lohannis in expensis et scolastica doctrina, pro quibus 
idem Meyneco impignoravit. 

r- 

lacobus du Zwerin habet sub se LXXX*) Marcas denariorum, 
que pertinent cuidam reynekino ^) Scolari de Zwerin, pro quibus in- 
pignoravit hereditatem suam in platea Tagmari*) et tenebit puerum 
eundem in expensis suis et providebit ei in vestibus et necessariis 
in scolis per biennium; quo termino elapso si vicinioribus amicis 
utrobique placuerit, idem puer secum manebit ulterius, sin autem,^) 
refondere debet pecuniam prenotatam. 

b. 
BeTOrzugnng eines Sehülers in einem Testament. 

(Wismar 1279.) 

Dum Theodericus dictus hosic in Bigam ire proponeret, de suo 
libero arbitrio sie fecit testamentum suüm, quo si dominus ipsum 
Tocaret, ut 'ingrederetur viam camis universe, quod tres privigni 
sui LX marcas de hereditate patris eorum debent habere inante, 
quo facto mater puerorum predictorum dimidietatem de aliis 
bonis, que supersunt supradictas LX marcas, levabit, partem vero, 
que Theoderico possit derivari, mater et pueri divident equanimiter, 
excepto uno agro in Dargezoywe, quem Scolaris unus de tribus 
pueris, si apud scolas manebit, habebit inante. 

a) Die Snmme ist später mehrfiGush abgeändert, b) Der Sinn erfordert 
vielmehr: si minus. 

*) institor «= Kramer. 

*) BeynekinoB s Beinke oder Reinhard, auch Reinbert. 

^) D. i. Dankwartsstraße, s. Techen in Jahrb. für meckl. Gesch. Jahrg. 66, 
S. 87. 

Zu 29b: Abgedruckt bei Burmeister, I.e. S. 9. 10. und nach der Ver- 
besserung von Dr. Techen, der nach Stadtbuch B. S. 24. die Zeit bestimmte. 



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gO Urknnden n. Akten znr Geschichte des mecklenbnrg. üntemchtsweseiiB. 

c. 

Der Sehüler Johann Lyse erhält eine Zuwendung an Geld. 

(Wismar 1326.) 

Senior lohannes Middelvar assigavit et dedit lohanni Lysen 
privigno suo XY marcas Lubicensium denarionim in domo Sancti 
Spiritus existentes, de quibus dabuntur eidem lohanni Lysen XXTTTI 
solidorum redditus, quamdiu scolastico studio adheserit. Si vero 
laycari inceperit, tuno provisores ipsius Middelvar dabunt dictaa 
XY marcas, ubi volunt [Provisores] domus [seil. Spiritus] dictoa 
redditus pro XY mr. Lubicen. reemere ex gracia possunt, quando 
volunt. 



30. 

Der Scholastikus und zahlreiche Schüler 

in Parchim erhalten Zuwendungen aus einer 

Geld- und Kleiderstiftung. 

Parchim. 6. Januar 1293. 

In nomme domini. Amen. Consules in Parchem omnibus 
presencia visuris seu audituris salutem in salutis auctore. Ne acta 
in tempore una cum fluxu temporaneo evanescant, expedit ea non 
solum proborum testimonio, verum eciam litteris inde compositis 
perhennari. Ideoque notum esse cupimus omnibus Christi fidelibus, 
quod Wolderus Magnus, civis in Parchem, ob divine gratie respec- 
tum et in salutem anime sue ac sue uxoris de reditibus sui altaris, 
quod in ecclesia beati Georgü construxit in honore beatorum 
apostolorum Symonis et lüde, elemosinas assignavit perpetuis tem- 
poribus duraturas 

Za 29 c: Abgedruckt bei Burnoeister, 1. c. Beil. 1 Absatz 1 und nach der 
Verbesserung von Dr. Techen, der das Jahr nicht mit Bestimmtheit angeben 
kann, weil die Schrift im Stadtbuch auf Rasur eingetragen ist. 

Zu 80: Aus Meckl. Urk. Nr. 2203. Nach dem Original im Hauptarchiv 
zu Schwerin. In Nr. 2204 liegt eine kürzere Ausfertigung von demselben Tage 
vor. Hier heißt es: Item .... triginta sex scolaribus tres solides assignavit 
ad dicendum vigilias ac missas tres , ita quod tercia missa fuerit de spiritu 
sancto, ad quas sacerdos sui altaris sex denarios tenetur offerre. Item in 
tempore anniversario sex scolaribus sex paria calligarum de albo panna 
assignavit, unumquodque par alteram dimidiam ulnam continentem, ideo 
quod unicuique Scolari lectio duorum psalteriorum obligetur 



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Der Scholastikus und zahlreiche Schüler in Parchim etc. gl 

item in anrnversario suo ac uxoris sue prefato rectori 

ecclesie sex denarios assignavit, duobus capellanis suis sex denarios, 
triginta sex scolaribus tres solides ad dicendum yigilias ac missas 
tres, ita quod tercia missa fuerit de spiritu sancto, ad quas 
sacerdos sui altaris sex denarios tenetur offene 

Item sacerdos iam dicti altaris in ipso anniversario 

sacerdotibus utriusque civitatis ac scolastico cum duodecim solidis 
servicium exhibebit 

Item quartam dimidiam marcam assignavit ad stipam^) pau- 
peribuB erogandami : item quatuordecim solidos assignavit ad 
caicios, ad necessaria duodecim pauperum procuranda, ita quod 
anumquodqne par emptum sit pro censu quatuordecim denariorum. 
Item Wolderus quintam dimidiam marcam assignavit, cum quibus 
tres albi panni debent procurari; de ipsis pannis duodecim pauperes 
vestiri debent, ita quod unicuique septem ulne diriventur. Sex 
scolaribus de ipsis pannis sex paria calligarum diriventur, unum- 
qnodque par alteram dimidiam ulnam continens, ita quod in anni- 
versario Wolderi ac sue uxoris unicuique Scolari lectio duorum 
psalteriorum obligetur 

Preterea ad istas elemosinas prefatas Wolderus viginti marcas 
novem solidis minus assignavit ac sacerdoti sui altaris vi(n)ginti 
marcas denariorum singulis annis, de quibus una cum suo Scolari 
eommode poterit sustentari 

Ad istas elemosinas sepius nominatas consules in Parchem 
propter deum et ad peticionem Wolderi se obligaverunt, si reditus 
sepedicti altaris in persolutionis tempore quodam modo fuerint 
occupati, ipsorum mediante auxilio in locum sepius assignatum 
dirigentur. Item prememoratum altare cum elemosinis ad hoc 
assignatis debet esse beneficium speciale, ut nullus superveniens 
(qni) illud debeat destruere, sed in perpetuum debet integraliter 
permanere. Testes huius donacionis sumus consules in hoc anno : 
Hermannus Bampo, Folpertus, Landbertus de Merica, lohannes 
Pannicida, lohannes Molenbeke, Bertoldus Longus, Goldeke, Ghe- 
rardus Calmeri, lohannes Coliseren, Olemannus, Hermannus filius 
Seldenhemi, Hennekinus Stuto. Ne autem aliquorum successorum 
malicia presens donum trahat in calumpniam, paginam hanc inde 
conscripatm sigilli nostri munimine ac sigilli Wolderi fecimus robo- 
rari. Acta sunt hec anno dominice incarnationis M^CC^LXXXX^ 
tercio, in die festivo epyphanie. 

*) Stipa = eleraosjDa. 



Monnmenta Oermaniae Paedagogica XXXVm 



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82 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

31. 
Abgabenfreiheit von Schulmeistern. 

1296. 1515. 

a. 
Abgabenpflieht des Sehnlrektors Mag. Hermann zu Wismar» 

(Wismar 1296.) 

Magister Hermannus, rector scolarum, emit aream a Marquarda 
molendinario pro XL marcis denariorum, sitam infra hereditatem 
lohannis Dargezowen et cimiterium beate yirginis in angulo, quam 
sibi coram consulibus resigDabat. Consules quoque consenserunt 
ita videlicet, quod predictus magister Hermannus omnia facere 
teneatur, que ceteri cives de suis hereditatibus facere consueverunt» 

b. 

Der in den Ruhestand tretende 

Magister Hildebrand Dorgelo an der Sehule zu 8t Marien 

in Bestock erhält einen Erlaß in bestimmten Abgaben. 

(Rostock), 7. Mai 1515. 

Ick Hildebrandus Dorgerlo, artium magister unde börger to 
Rostock, bekenne apenbar yn unde mit desseme myneme breve 
vor alsweme, dat yk eyne tyd lanck de schole to unser leven 
frouwenn bynnen Rostock vor eynen scholemeyster geregeert unde 
dar by mynen fliit und, so vele an my was, dat beste gedan hebbe. 
Unde so yck denne yan olders wegen desulfften schole Yorlaten 
unde deme ersamen rade to Rostock gutlick gedanket, des se my 
denne uth gudome willen umme sunderliker fruntschop unde mynes 
truwen denstes willen fryg, qwyt unde loesß gegeven hebben to 
myneme levende sodanne vyflF mark renthe, so de weddeheren^) uth 
myneme huse, yn der Kusvelde Straten belegen, jarlikes tho hörende 
hebben, unde dar to de XIX ßl wortgelt '^) uth mynen beyden höven 

Zn 81a: Meckl. ürk. Nr. 2407. Nach dem Wismarschen Stadtbuche B. 
p. 231. Auch bei Burmeister, Urkundliche Geschichte. S. 9. 

Za 81 b : Siehe Nr. 21. 6 habe ich mit ö, u und k dagegen mit u und a 
wiedergegeben. 

>) Weddeherren = Gewettsherren, Inhaber eines städtischen Amtes der 
Stadt Rostock (z. B. Meckl. Urk. Nr. 11649: domini silvarum vulgariter dicti 
weddemestere). 

*) Wor^, auch Wurt, ist ein Bauplatz, auch ein bebauter Ort, Hofstätte. 



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Abgabenireiheit von Schalmeistem. — Scholastikus von Stralendorf. g3 

buten Bunte Peters dore belegen, des yck eren Ersamheyden gut- 
lick bedancke, alzo hebbe yck my wedderumme vor my, myne 
erven unde nakomelinge vorplichtet unde Yorwylliget, dat sodane 
vorlatinge sulker vorg(enomeden) rente unde worttynses nicht 
lenger dan to myneme levende waren schal; wenner yck oversß 
vorstorven byn, so schölen myne erven unde besittere des vorg(eno- 
meden) huses unde hoves tho uthgyfft sulker renthe unde 
worttynses yn aller mate vorplichtet syn, gheliik alze yk vorhen 
unde eer sulker vorgerörden vorlatinge gewest hebbe, allet sunder 
argelyst unde geverde. Unde hebbe desses alle to merer vorse- 
keringe myn yngesegel hyr benedden gehenget vor dessen breeflf, 
den yck ock to furder tuchnisse myt myner eygen haut underge- 
screven hebbe, des mandages na Philippi et Jacobi apostolorum 
anno etc. dusent vyfhundert vöflfteyne. 



32. 

Der Vergleich des 
Scholastikus Nikolaus von Stralendorf zu Wismar 
mit den Ratmännern daselbst. 

Wismar. 7. April 1297. 

De iure scholarum. 
Dissensio, que orta fuit inter I^icolaum filium domini Heynonis 
de Stralendorpe, scolasticum civitatis Wismarie, de scolis, ex parte 
una, et consules, ex parte alia, taliter est sopita, videlicet quod 
unusquisque puerorum frequentancium dabit rectori scolarum pro 
precio scolastico X solides annuatim. Item quicumque scolarium 
Ubro magistri usus fuerit et ipsum ad finem audierit, ipso finito 
dabit magistro pro pastu duos denarios; socii vero assidentes in 
eodem loco, qui non audiverunt illum librum, nichil dabunt, et 
qui proprios libros habuerint, quos audiunt, eciam nichil dabunt. 
Item pueri^ qui illuminare debent suis sociis, portabunt tantum duo 
Inmina, quorum dabunt magistro quivis unum, et cum reliquo suis 



Zu 82? Meckl. ürk. Nr. 2444. Nach dem Wismarschen Stadtbuche B. 
p. 242. Anch bei BarmeiBter, Urkundliche Geschichte, S. 28. 

6* 



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84 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

sociis illuminabunt, quam illuminationem incipient in crastino 
omnium sanctonim et in purificatione ibeate yirginis terminabunt. 
Preterea consules construent et reficient scolas predictas de rebus 
ecclesie, prout ipsis videbitur expedire. Super quibus decreyerunt 
ex utraque parte, quod omnia suprascripta nee augmentari, nee 
minui debeant, nee in aliqua parte penitus innovari. Et pro tali 
iusticia eroganda rector scolarum institui debet, qui ciyitati et 
pueris plenam iusticiam faciat et det liberam licenciam scolaribus 
ad altaria ministrandi, quanto remissius conveniri potuerit tempore 
sue misse dicende, et si contigerit ad exsequias processiones ordi- 
näre, ex hoc cum scolaribus munera non deposcat. Hec omnia rata 
servabuntur et huic precio predifiinito idem Nicolaus scolasticus 
temporibus vite sue fortiter commanebit. Acta sunt hec anno domini 
M**CC** nonagesimo VII^, die palmarum. 



33. 

Beispiele von 

Einkünften aus kirchlichen Obliegenheiten 

für Lehrer und Schüler. 

1305. 1308. 1381. 1407. 1504. 

a. 

Ein Sehüler hat stiftungsmäßige Einkünfte 

ans dem Dienste bei einer Tikarei in der Pfarrkirclie 

zu Nen-Röbel. 

[Röbel] 14. Mai 1305. 

Universis Christi fidelibus hanc litteram visuris yel audituris 
lohannes dei gratia archidiaconus novo civitatis Bobele neenon 
consules civitatis eiusdem salutem in eo, qui ex nihilo condidit 

uniyersa. Quoniam defluente tempore igitur nos supradicti ad 

perpetuam rei^) memoriam profitemur , quod Bartoldus de 

Cemow, civis in Robele, quoddam altare in ecciesia sancti 

Nicolai cum consensu et pleno favore domini lohannis archidiaconi, 



Zu 33 a: Meckl. ürk. Nr. 2997. 

a) «rei' fehlt in einer andern Abschrift. 



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Beispiele von Einkünften aus kirchlichen Obliegenheiten etc. g5 

eiusdem ecciesie reotoris, fiindavit et cum pr[o]Yeiitibii8 validis et 
redditibus liberis, perpetuis dotavit et idem altare cui(u8)dam sa- 
eerdoti contulit rite et rationabiliter propter dominum, sicut de iure 
beneficium est conferendum. Beditus ad altare sunt: in quatuor 
mansis in eampo Euskow quatuor tremodia siliginis, duo tremodia 
hordei et octo tremodia avene; item in Nedebow duo tremodia 
siliginis et duo tremodia avene; scholari ad altare servienti unum 
tremodium avene in Nedebow et unum hortum liberum ante civi- 
tatem situm, ecciesie sancti Nicolai pro cera et vino ad idem altare 
pertinenti^) unum tremodium hordei in Nedebow 

Idem altare dictus Bartholdus tempore vite sue confere[e]t^) 
et expleto vite ipsius termino ins patronatus eiusdem altaris ad 
manus domini archidiaconi et ad consules divolvetur; et si sacer- 
dotem predicti altaris mori contingeret vel altare Yoluntarie resig- 
naret, dicti Bartholdi heredes proximiores ad tale altare suscipien- 
dum non scholarem, non personam infamem, non bibulum, non 
tesseratorem, non fornicatorem, sed sacerdotem, virum probum et 
honestum presentabunt, cui talis prebenda est amicabiliter confe- 
renda 

Ne autem hec donatio nostraque confirmatio neque a Bartholdo 
neque ab aliquo heredum vel successorum suorum possit infringi, 
nostris sigillis presens scriptum in testimonium duximus roborandum. 
Acta sunt hec anno domini M.GCC.quinto , pridie idus Maii. 
Testes 

Nos yero Amoldus dei gratia Havelbergensis ecciesie epi- 
scopus, ut cultus divinus amplietur, ordinationem sive dotationem 
presentibus suprascriptam in nomine domini confirmamus, eandem 
nostri 8i[giUi] munimine roborantes. 

b. 

Der Anteil der Sehflier an den Memorlengeldern 

des Domkapitels zu Batzebnrg. 

Ratzeburg. 25. Juli 1308. 

In nomine domini. Amen. Universis Christi fidelibus presens 
scriptum audituris lohannes dei gracia prepositus, F[ridericus] prior 
totumque capitulnm ecciesie Raceburgensis ad perpetuam rei geste 



b) för ,pertinente* in letzterer, c) für ,confert*. 
Zu 88 b: Meckl. Urk. Nr. 3235: Ordnung der Memoriengeldverteilung des 
Domkapitels zu Ratzeburg. Nach dem Original im Hauptarchiv zu Neustrelitz. 



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86 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

memoriam. Cum hü, qui divinis officiis mancipati sunt, ex prava 
forsan desuetudine tardius aut negligencius debito, sine inpunicione 
ad ipsa of&cia exsequenda conveniunt, expediens videtur et iuri 
consonum, ipsos per distributionem sive porcionum, que ministrari 
consueverint, subtractionem yel alicuius condicionis apposicionem 
compellere sive allicere debitis officiis studiosius interesse, qoia, 
sicut veterum clamat auctoritas, sive ignoscendo sive plectendo hoc 
solum bene agitur, ut Tita hominis corrigatur et divinus oultus 
augeatur. Sane prelatis nostris sepe querulose ac dure nobis in 
capitulo congregatis proponentibus de chori negligentia, et maxime 
quando memorie defunctorum solempniter aguntur, placuit nobis 
Omnibus et singulis aliquem excogitare modum, quo absentes puni- 
antur et presentes nichilominus consolentur. Petito itaque et optento 
consensu venerabilis in Christo patris et domini nostri H[ermanni], 
ecclesie nostre episcopi, sie duximus statuendum: ^) 

Pratres conversi, quos numerum denarium excedere nolumus, 
qui habitum portant, et subdyaconi in scolis contenti erunt dimidia 
memoria canonicorum. Item subdyaconi in scolis sub iugo existentes, 
qui scolasticis disciplinis frequenter intenti vel propter officium 
suum sepe de choro sint absentes, nequaquam propter hoc sua 
porcione carebunt; qui si absentes fuerint, scilicet apud parentes 
suos vel alios de licencia magistri sui, porcio absencie ipsorum 
deposito applicetur 

Et nos Hermannus dei gracia Raceburgensis ecclesie episcopus 
suprascripta diligenter examinantes, quia invenimus ad aucmentum 
cultus divini, morum correctionem ac honorem ecclesie nostre 
laudabiliter excogitata et statuta, ea secundum omnes suos articulos 
approbamus, ratificamus et confirmamus auctoritate, qua fungimur 
dispensantes, ut possitis pecuniam sie perceptam, cum sit pars 
prebendarum yestrarum, in usus vestros expendere, sicut vobis 
yidebitur expedire. Ad cuius evidenciam eciam sigillum nostrum 
una cum sigillo capituli vestri apponi fecimus huic scripto. Et 
nos Johannes dei gracia sepedicte ecclesie prepositus simiUter feci- 
mus nostrum apponi sigillum. Actum et datum anno domini 
M^CCC^Vin«, in die sancti lacobi apostoli. 



^) Der Propst bestellte jemand für den Dienst der Memorien, der dafür 
24 Mark erhielt und kleinere Zuwendungen. Dieser verteilte das Geld, so daß 
jeder Kanonikus 6 Denarii von der Mark erhielt. Der Propst erhielt für sich 
und den Kaplan den Anteil dreier Domherren. Wer zu spät kam, wurde mit 
der Entziehung der Hälfte, wer nach dem kyrie kam, wurde als Abwesender 
mit der Entziehung des Ganzen bestraft. 



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Beispiele von Einkünften aus kirchlichen Obliegenheiten etc. 87 

Der Anteil des Schulmeisters und der Sehfller in Gadebnsch 
an den Einkünften einer Messestiftnng. 

ßöggelin. 6. Januar 1381. 

In nomine domini, amen. Cum suprema fecilitas*) humani 

geneiis in possessione celestis patrie consistere dinoscatur, 

hinc est, quod ego lohannes de Bulowe^), morans in Roggelyn, 
famulus, in salutem anime mee et pro pia felicitate animarum 
parentum ac proximorum meorum cultum divinum augeri cupiens 
do et appono modis et condicionibus subcontentis pro me et 

heredibus meis perpetue dotis , antique vicarie nostre in 

ecclesia parrochiali Godebusz, Baceburgensis dyocesis, per nostros 
progenitores felicis recordacionis quondam instaurate et fnndate, 
cuius reddituum maior pars in villa Slavicale Rambeel ^) est situata, 

omnes pactus et redditus meos, quos hucusque habui et 

possedi in dicta villa Rambeel, videlicet ita tamen, quod 

vicarius iam dicte vicarie, qui est vel qui pro tempore fuerit, novem 
pias memorias quolibet anno temporibus infrascriptis post vesperas 
cum yigilüs et de mane inmediate sequente cum duabus missis pro 
defunctis in remedium animarum parenti|m ac proximorum meorum 
de predictis redditibus in eadem ecclesia Godebusz fideliter imper- 
petuum peragere providebit, et in uno quoque memoriarum tempore 
quatuor solides Lubicensium denariorum realiter erogabit, videlicet 
quod in crastino beati Briccii confessoris peragetur anniversarius 
patris mei Nicolai de Bulowe, et dabit presenti in vigiliis plebano 
in Godebus YIII denarios Lubicenses, et de mane ad missas pro 
defunctis IUP' denarios offerantur^), tres quoque solides residuos 
inter cappellanos ecclesie et vicarios, vicevicari[um] ac rectorem 
scolarium. si sacerdos actu fuerit, in vigiliis presentes, necnon 
scolarem ecclesie more solito campanas pulsantem sit in singulis 
memoriarum temporibus porcione equali distributurus; sed quantum 
simplicibus scolaribus de dictis tribus solidis dabitur in iam dictis 
-vigiliis existentibus, sit in consciencia et voluntate distribuentis ; 
anniversarius vero matris mee Sophie peragetur in feste sancte 



Za 83 c; Meckl. ürk. Nr. 11307. Nach dem Original im Hauptarchiv zu 
Neustrelitz. 

a) und c) das Zeichen! ist von mir weggelassen, b) Bulowe hier und 
sonst statt B&lowe. 

') Slavicale Rambeei = Wendisch Rambeel, in der Nähe von Gadebusch. 



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88 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Untemchtswesens. 

Barbare virginis, dabitar similiter et taatum; anniversarius fratris mei 
Nicolai in profesto Cecilie virginis, similiter et tantum ; anniyersariua 
sororis mee Yden in die sancti Mathie apostoli, similiter et tantum ; 
anniversarius patrui mei lohannis in die Septem fratnim, similiter 
et tantum; anniversarius mee prime uxoris Truden in profesto beate 
Elyzabeth, similiter et tantum; anniversarius mee seeunde uxoris 
Elyzabeth quarto die post conversionis beati Pauli, similiter et 
tantum ; anniversarius mei ipsius, dum venerit disposicione omnium 
conditoris, similiter et tantum; et post obitum mee uxoris adhuc 
divina miseracione viventis in ipsius anniversario similiter et tantum, 
dum venerit. 

Ut autem hec omnia et singula inviolata et irrevocata 

perseverent Datum Roggelyn, anno domini M^CCC^LXXX*^ 

primo, in die Epyphanie domini. 



d. 

Eine Geldstiftnng far den Rektor der Sehnle zu 8t Marien 

in Wismar und vier Sclifller zum Tragen von Lichtern 

bei Erankenkommnnionen. 

[Wismar] 1467. 

Anno domini M.GCCCLXy II assignavit etdedit dominus lohannes 
Appelbom presbiter ob salutem anime sue et omnium suorum bene- 
factorum in honorem et reverentiam corporis domini nostri lesu 
Christi redditus octo marcarum Lubic. denar. in hune modum, quod 
procuratores existentes pro tempore ecclesie beate Marie virginis 
huius civitatis predictos redditus octo marcarum suis temporibus 
sublevare debent et ex illis rectori scholarium schole beate Marie 
virginis singulis annis dare YIII solidos et quatuor scholaribua 
honestis per rectorem ad hoc deputandum cuilibet singulis quarta- 
libus anni quatuor solidos Lubecenses par solidorum Lubicensium. 
Proinde dicti quatuor scholares quociens capellanus dicte ecclesie 
beate Marie virginis cum corpore domini nostri Ihesu Christi ad 
infirmos vocatus saltem post quintam de mane et ante sextam 
horas de sero visitare voluit quatuor lucernas ob reverenciam et 
honorem sacramenti portare et cantica consueta de feste corporis 
Christi cantare sint astricti 



Zu 88d: Schröder, Papistiflches Mecklenburg. S. 2185. 2186. Dr.F.Techen 
in Wismar hatte die Güte, diesen Text nach dem Original zu verbessern. 



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Beispiele yon Einkauften aus kirchlichen Obliegenheiten etc. 89 

e. 
Einkfinfte des Schulmeisters und seiner Schüler bei einer Hoch- 
zeit, nach der Hochzeitsordnung des Rats zu Rostock.^) 

[Rostock 1504.] 

Item. Wen eyne bruthmisse gesungen wert, so schal me den 
kosteren to ludende geven 8 ßl. sundesch unde den pulsanten up 
dem thome eyne mölye unde dre stoveken beerß, der geliken den 
locaten unde schöleren, dede misse singen, eyne mölye ^) unde twe 
stoveken beers unde dem schölemestere eyne mark sund[esch] unde 
dem Organisten eyne mark sund[e8ch]. Unde schölen neue pul- 
santen edder sengere mede to der kost gaen, sunder efft jemant 
den scholemester eflPte Organisten mede to der kost biddende wörde, 
80 scholen se mede in dem tale der vate unde personen gerekent 
werden. 



34. 
Küsterschulstellen in Stadt und Land. 

1333. 1339. 1342. 1348. 1349. 

a. 

Bestittgung eines schalhaltenden Küsters in der zum Schweriner 

Sprengel gehörenden Stadt Barth. 

Barth. 10. Mai 1333. 

Albertus dei gratia Magnopol[ensis] ac Starchar[d]ie domicellus 
Omnibus presens scriptum cernentibus salutem in domino sempitemam. 
Noverint universi, quod collationem seu provisionem Petro de Aven 
Scolari, exhibitori presentium, super officium rectoris scole et custodie 

Zu 88e: Nach dem Original im Ratsarchiv zu Rostock; den Text nahm 
Dr. Dragendorf in Rostock gütigst fQr mich auf. Ein anderes Exemplar ist 
beschrieben bei Wiechmann-Hofmeister, Meckl. altniedersächsische Literatur III, 
S. 107 ff. Daselbst ist auch (S. 111) die Zeit auf das Jahr 1504 bestimmt. 

*) Die älteste Hochzeitsordnung von Rostock (1470) enthält nach Angabe 
von Dr, Dragendorff nichts über die Schule. Auch die jungem Ordnungen von 
1538 und 1567 erwähnen sie nicht; Wiechmann-Hofmeister, Meckl. altnieder- 
Bicbsische Literatur III, 129. 161; II, 59 ff. 

') d.i. eine Mehlsuppe. 

Zu 84 a: Meckl. Urk. Nr. 5421. Nach Westphalen, Monumenta inedita. IV, 
S. 976, auch bei Schröder, Fapistisches Mecklenburg. S. 1128. 



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90 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

ecclesie parrochialis in Bard per nobilem dominum Wyzlaum, prin- 
cipem quondam Ruyanorum, legitime factam ratificamu[8] , appro- 
bamus et nichilominuB confirmaraus dictumque scole et custodie 
officium sibi de novo conferimus in hiis scriptis, dantes eidem Petro 
faeultatem liberam matrimonium contrahendi. In premissorum 
evidentiam eidem Petro presentes contulimus litteraa nostri sigilli 
munimine roboratas. Datum Bard, anno domini M.GCC.XXX. tertio, 
feria II. in rogationibus. 

b. 

Der [Scholar und] Küster zu Jabel erhebt Abgaben 

aus einem Hofe. Malchow. 1339. 

No8 lohannes Pribom, plebanus in Earowe, viceprepositus War- 
nensis, teuere presencium recognoscimus nichilominus protestando, 
quod discussum est amicabiliter et placitatum finaliter cum scolare 
custodeque in yilla label, lohannes nomine, parte ex una, et racione 
curie in Damerowe, parte ex altera, in hunc modum, quod curia 
talis assignare debet Scolari prenotato pro suo labore sive precio 
tantum, quantum mansi ceteri seu curie site yilla in eadem a dextris 
yel a sinistris, in summis yel in ymis erogabunt, examinantibus, 
loquentibus et iudicantibus eiusdem yille senioribus, et in hoc totum 
factum est terminatum integraliter et sopitum. Scriptum Malchowe, 
anno domini M^CCC^XXX® nono, in synodo yille label placitatum 
presentibus lohanne preposito in Malchowe, Henrico de Clokowe 
sacerdote, ßegnero notario archidyaconi Wamensis, et aliis pluribus 
fide dignis, nostro sub sigillo. 



Die Dorfer Mlstorf^ Wiek, Goldenltz und Bnkleten 

stellen einen [schulhaltenden] Küster an der gemeinsamen 

Kapelle in Mistorf an. 6. Dezember 1342. 

Hinricus dei gracia Zwerinensis ecclesie episcopus uniyersis 
presencia yisuris seu audituris salutem in domino. Cum homines 
yillarum Mystorp, Wych, Goldeniz et Rukitel in sede parrochialis 
ecclesie Sywan propter locorum distanciam et terrarum quandoque 
discrimina ac alia grayamina officia diyina nequeunt yisitare, hinc 

Zu 84 b: Meckl. ürk. Nr. 5921. Nach dem Original im Archiv des Klosters 
Malchow. 

Zu 84c: Meckl. Urk. Nr. 6252. Nach dem Original im Archiv des Klosters 
Ribnitz. 



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Eflfiterachalstellen in Sfcadt und Land. 9 t 

est. quod nos ipsis de gracia indulsimus speciali, ut inminens ani- 
mamm periculum facilius possint declinare, quod unam capellam in 
predicta yilla Mystorp construere licite valeant, ut magis commode 
ecdesiastico possint ofScio congniis temporibus Interesse, in qua 
plebanus ecdesie in Zywan, euius consensu hec facta nosountur, 
faciet per suum capeUanum tantum singulis crastinis diebus sano- 
tomm Tidelicet dierum nativitatis Cristi, pasche, pentecostes, assump- 
cionis yirginis gloriose et die dedicacionis eiusdem capelle et 
patronorum missarum soUempnia celebrari. Ipsi tarnen homines 
predictamm villarum preparamenta, luminaria, vinum, oblatas, 
necnon scolarem sive custodem, qui predicto sacerdoti capellam 
officianti deserviat, ac universa et singula, que preter sacerdotem 

ipsi capelle fuerint necessaria, procurabunt 

üt antem hec omnia et singula suprascripta rite racionabiliter- 
que agantur et firma stabilitate perdurent, sigillum nostrum et 
sigilla infrascriptorum, videlicet nobilis domini domini Alberti, Magno- 
polensis, Stargardie et Bozstok domini, patroni ecdesie memorate, 
Meynardi plebani eiusdem ecdesie, capituli Gustrowensis ecdesie, 
Gotfridi Pren et Bertoldi eins filii, Gotfridi plebani in Parchim 
et Nycholai de Lobeke^ militis, in omnium premissorum evidens 
Signum consensus omnibus prescriptis consensiencium expresse et 
in testimonium sufficiens presentibus sunt appensa. Datum anno 
domini M^CCC^XL^ secundo, die sancti Nycholai episcopi. 

d. 

Die Einkünfte des [sclialhalteiiden] Eflsters im Kirclidorfe 

Qnetzin. 22. August 1348. 

In nomine domini. Amen. Nicolaus dei gratia dominus de 
Werle omnibus presentia visuris seu audituris salutem in domino 
sempitemam. Ad perpetuam rei geste memoriam non improvide 
sapientum industria humano providi[t] usui, ut ea, que per lapsum 
temporis continuum a memoria homiuum de facili evanescerent, 
saltem per scripturarum ac testium amminiculum perhennem memo- 
riam sordantur. Eine est, quod presentes scire cupimus et posteros 
non latere, quod discreti yiri et honesti domini Albemus de Tralow, 
rector ecdesie in Q witzin, et consules ac universitas opidi Plawe 



Zb 84d: Meckl. Urk. Nr. 6874. Nach der vom Original genommenen Ab- 
schrift in der Flauer Batsmatrikel, welche nach mehreren plattdeutschen Über- 
setzungen in der Ratsmatrikel und im Hauptarchiv zu Schwerin ergänzt ist. 
Siehe dazu auch Lisch in den Jahrbüchern 17, S. 308 oben. 



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92 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

consideratis commodis et utilitatibus in successu temporis rectorum 
ecclesie in Qwitzin in quanindam renim permutatione matora 
deliberatione et consilio prehabitis, ut infra continetar, concordarunt. 

Ceterum consules et universitas in Plawe dimisenmt et 

dimittunt ecclesie in Qwitzin et ipsins rectori omnia ligna alnea, que 
Yulgo dicuntur elreholt, que incipiunt a distinctione aree Clunderi ^) 
iuxta cimiterium, protendunt e[t] extendunt se ueque ad aquam 
Lancken et ultra protendunt se a vado yiUe Lesten usque ad terminos 
campestres viUe Lesten et ulterius protendunt et extendunt se 
usque ad distinctiones et terminos ville Hagen ad usum et usu- 
fructum rectoris ecclesie in Qwitzin et suorum subditorum in kotis ^) 
suis morantium et Scolaris*) ipsi ecclesie servientis; [nee] in istis 
lignis [per] rector[em] ecclesie cum suis subditis funditus et radicitus 
destrui et eyelli nee ligone acquiri et ad agriculturam a[p]poni et 
fieri aliqualem, immo fundus predictorum lignorum ad communia 
pascua oppidi [et] civitatis Plaw ac ville Qwitzin debet iacere et 
ad usum pascuorum integre permanere 

Preterea Scolaris ipsius ecclesie precium suum, videlicet duos 
modios siliginis et novem modios avene, ut prius et ex antiquo 
habuit, ita sibi optinebit, preter unum modium siliginis iacentem in 
kotha Bornhovedes, quem modium siliginis consules in Plawe annis 
singulis ipsi scholari deinceps et ut antea dabunt aut in alium 
certum locum demonstrabunt 

In horum omnium premissorum evidens testimonium presentes 
litteras conscribi iussimus et sigilli nostri una cum sigillorum domini 
Albemi, nunc rectoris ecclesie in Qwitzin, ac civitatis et oppidi 
nostri Plawe munimine fecimus roborari. Datum per manum Deth- 
mari thesaurarii ecclesie Gustrow[ensis], nostri notarii, anno incar- 
nationis domini M.GCC. quadragesimo octavo, feria YI. post 
assumptionis Marie virginis, presentibus Johanne de Bellyn, Ottone 
de Cremen et Thiderico Spegelberch, nostris fidelibus et dilectis, 
cum aliis quam pluribus fide dignis^). 



a) Nach alten plattdeutschen Übersetzungen: scholder, scholer, köster, 
clerike, kercke. b) Die Zeugen sind nach den Übersetzungen hinzugefügt. 

>) Elunder ist ein Bauer in Quetzin. 
») kota = Kate. 



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Küsierschulsiellen in Stadt und Land. 93 

e. 

Tereinignng einer Tikarei mit der Kflsterschnlstelle in der 

znr Scliweriner Diözese geliörenden Stadt Tribsees. 

Tribsees. 30. November 1349. 

üniversis Christi fidelibus, quorum ad noticiam presens scriptum 
peryenerit, nos Hinricus dictus Wulf, miles, Borchardus eiusdem 
Eünrici filius, armiger, recognoscimus tenore presencium publice 
protestantes, quod matura deliberacione prehabita, necnon omnium 
amicorum nostrorum et heredum de consilio, beneplacito et assensu, 
ob honorem dei et reverenciam intemerate genitricis eiusdem 
semper virginis Marie in remissionem nostrorum peccaminum simul 
et nostrorum progenitorum eternam animarum ob salutem ins 
patronatus super sex mansos sitos in villa Yirde ad quandam vicca- 
riam fundatam deputatos yenerabili patri domino abbati suoque 
monasterio Novi Campi cum omni iure et proprietate libere, prout 
hactenus ad nos pertinebat, ima cum litteris illustris domini domini 
Magnopolensis super dictos sex mansos confectis contulimus et 
presentibus donamus perhenniter possidendum, inbrigacione, impe- 
ticione seu contradictione qualibet per nos yel nostros quoslibet 
heredes penitus postergata, ita sane, quod yiccaria predictorum sex 
mansorum uniri debeat scolastrie siye custodie in opido Tribuses, 
ex utrisque unum beneficium ut resultet, cuius coUacio seu presen- 
tacio et ins patronatus, sicut dicte scolastrie et custodie exclusis 
Omnibus dfisjceptacionis occasionibus yoluntati ac beneplacito predicti 
domini abbatis et sui monasterii Noyi Campi in perpetuum subia- 
cebit. In huius rei eyidenciam pleniorem nostrorum utrorumque 
sigillorum munimine, necnon sigillis yidelicet consulum civitatis 
Tribuses ac testium subscriptorum presentem cedulam duximus 
roborandam. Datum et actimi in Tribuses, anno domini millesimo 
tricentesimo quadragesimo nono, in die beati Andree apostoli 
presentibus discretis viris et honestis domino Viccone Beren, plebano 
in Tribuses, domino Marsilio, sacerdote ad viccario ibidem, Andrea 
dicto Klitowen, Hinrico Stoltenbergh, armigeris et aliis pluribus 
fide dignis. 

Zn 84e: Meckl. Urk. Nr. 7015. Nach dem Original im Königlichen Archiv 
zn Stettin gedruckt bei Lisch, Urkunden und Forschungen zur Geschichte des 
Geschlechts Behr. IT. B. S. 172. In der Anm. zu Nr. 7015 befindet sich eine 
Erklärung des Propstes von Neuenkamp hinsichtlich dieser Schenkung vom 
gleichen Tage; dort heißt es scola et custodia. Von der Vikarie berichtet 
auch die ürk. Nr. 7046 vom 1. Febr. 1350. 



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94 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

35. 
Mittelalterliche Schülerbrüderschaften. 

1337. 1514. 

a. 

Die Priester- nnd Schülerbrüderschaft zu Friedland 

erhält eine Rente. 

Friedland. 7. Oktober 1337. 

Albertus dei gracia Magnopolensis, Starghardie et Rostock 
dominus dilectis fidelibus suis Willekino ^) militi et Bussoni famulo 
dictis de DoUa salutem et omne bonum. Iniungimus vobis man- 
dantes in hiis scriptis, quatenus fratres fraternitatis sacerdotum et 
scolarium in Yredeland vos vel alter yestrum mittatis vel mittat in 
quatuor talentorum Brandeburgensium denariorum annualium red- 
dituum, iacencium super curias ac mansos eisdem adiacentes, ut 
alia nostra littera continet, in quibus nunc morantur Ryke Amoldus, 
Hermannus Crugher et Otto Cutlowe in Wittenbome, posessionem 
corporalem. Datum Yredeland, anno domini M^CCC^tricesimo 
septimo, feria tercia ante Dyonisii martiris, nostro sub secreto. 

b. 
Die Schülerbrüderschaft zu Malchin im Jahre 1514. 

Scholer broderschop. 
Darinne hundert personenn ungeyerlick. — Item II personen, 
man und frowen, geven vor denn ingangk ^2 fl., I punt was. — Wert 
geholdenn des sondags vor pingesten, wäret II dage, dorto YIII tn. 
bier. — Item holdenn des jars IUI begengnis.^) 



Za 85 a: Meckl. ürk. Nr. 5817. Nach dem Original im Hauptarchiv zu 
Neustrelitz. 

») d. i. Wilhelm. 

Za 8ob: Nach dem vonGroth besorgten Abdrucke der urkundlichen Vor- 
arbeiten zur Polizeiordnung von 1516. Der Sekretär Monnick bereiste die 
Städte und berichtete über ihre Gewohnheiten, Jahrb. 57, S. 179 ff. Unsere 
Angabe befindet sich auf S. 201. 

*) begengnis = Seelmesse mit Vigilie und Begehen, d. h. feierlichem Um- 
schreiten eines Grabes. 



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Mittelalter!. Schülerbrüderschaften. — Der Kleriker Johann Rabode etc. 95 

36. 

Der Kleriker Johann Kabode übernimmt als Rektor 
auf ein Jahr die Schule zu St. Marien in Wismar. 

Wismar [1340]. 

Ego lohannes Rabode, clericus Raceburgensis diocesis, tenore 
presencium recognosco. lucideque protestor, quod honesti viri 
domini consules Wismarienses me ad annum unum ad regendam 
scholam suam apud beatam virginem Mariam et ad preessendum 
pueris sive scholaribus ibidem in hmic modum receperunt. De 
quolibet siquidem puero sive Scolari dictam scholam frequentanti 
et pecuniam dare volenti non magis accipiam quam qu[o]libet 
qnartali anni sedecim denarios Lubicenses, hoc est de quolibet 
pnero ad annum integrum quinque solides et IUI denarios. Item 
qnilibet scholarium audiens autores seu alios nuUatenus dabit sepius 
pastum mihi aut sociis meis quam quater in anno, hoc est Ulis 
temporibus, quibus precium dare solent; et ipsum pastum socii mei 
de pueris suis, quibus ipsi presunt, accipient et ego de meis, quibus 
personaliter presum, accipiam, et in ipso pastu ipsi et ego per 
omnia volumus contentari, nuUatenus plus ab ipsis pueris seu 
scholaribus postulando aliqualiter vel percipiendo. Si vero aliquis 
sociorum meorum sepius pastum ex aliquo acciperet vel alias aut 
statuta aut exactiones scolaribus imponeret, quam cito mihi hoc 
per dominos meos consules notificaretur, ipsum socium de schola 
amovere et sine licentia omnium dominorum consulum nuUatenus 
recipere deberem. Quod si requisitus per dominos consules aut 
eonun nuncios facere neglexero, extunc statim in proximo termino 
quatuor terminorum anni me de dicta schola deponere possent et 
amovere et alium ad regendam eandem scholam in locum meum 
acceptare. Item quilibet puerorum sive scholarium tempore illu- 
minacionis semel in septimana sibi et sociis suis unam solum can- 
delam ad illuminandum ministrabit. Sed in vigilia purificationis 
quilibet scholarium michi pro luminibus sive candelis meis dabit 
duos denarios Lubicenses. Ultra huiusmodi precium et has iustitias 
sive condiciones prescriptas ab aliquo scholarium nuUatenus plus 



Zu 86: Meckl. ürk. Nr. 6017. Nach Schröder, Papistisches Mecklenburg. 
S. 1236. Burmeister, Urkundliche Geschichte etc. S. 30, der aber das Jahr 1332 
annimmt. 



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96 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtsweaens. 

postulare volo seu aliquid extorquere. Item de parochia beati 
Nicolai nullum scholarem in meam scholam accipiam, nee rector 
Bchole dicte parochia aliquem de parochia beate Marie aut parochia 
beati Georgii accipere debebit. 



37. 

Eentenverleihungen aus den Schulen zu Wismar 
und Eostock. 1352. 1358. i367. 1368. 

a. 

Der Bat zn Wismar verleiht eine Rente ans den Schulen dem 

ehemaligen Stadtschreiber Heinrich von Eimhek. 

Wismar. 5. November 1352. 

Dominus Hinricus de Embeke, frater ordinis predicatorum, 
quondam notarius dominorum meorum, dimisit libere et resignavit 
fratribus predicatoribus huius conventus redditus annuos XII mar- 
carum Lubicensium denariörum, ex ambabus scolis huius civitatis 
quolibet anno tollendos et percipiendos, quamdiu vixerit et non 
ultra; et si aliquem defectum in hiis fieri contingeret, illum dominus 
Andreas Bukowe^) dictis fratribus refundere tenetur et adinplere. 
Hanc scripturam scripsi ad iussum domini Andree predicti LII^ 
feria secunda post omnium sanctorum. 

b. 

Der Bat za Rostock verkauft ans der Schule an St. Marien 

eine jährliche Rente von 20 Mark. 

Rostock. 13. Dezember 1358. 

Nos consules civitatis Bozstoch ad universorum noticiam 
deducimus presentibus publice protestantes ^ quod matura deli- 
beracione inter nos prehabita unanimiter et concorditer vendidimus 

Zn 87 a: Meckl. Urk. Nr. 7674. Nach dem Wismarschen Zeugenbuche. 
Fol. 135. Teilweise gedruckt bei Schröder, Papistisches Mecklenburg. S. 1323. 

^) Andreas Bukow ist ein Batmann in Wismar. Register zu den Meckl. 
ürk. Band 17, S 81. 

Zn 87 b : Meckl. Urk. Nr. 8543. Nach dem Original im Kirchenökonomie- 
archiv zu Rostock. Das Meckl. Urk.- Buch bringt zwei Ausfertigungen; ich 
wiederhole nur die unter A angeführte. 



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Rentenverleihungen aus den Schulen zu Wismar und Rostock. 97 

et preeentibuB yendimus dilectis nobis domino Hinrico Boden pro- 
consuli ac Everhardo Sobben, civi nobiscum, testamentariis domini 
Lodewici Crusen, olim nostri conconsularis bone memorie, viginti 
marcarum perpetuos redditus Rozstoccensium denariorum pro qua- 
dringentis marcis dicte monete nobis integraliter numeratis et 
persolutis ac in necessarios nostre civitatis usus conversis in scolis 
beate Marie virginis nobiscum in Rozstoch ad unam vicariam per- 
petuam in cappella ecclesie beate Marie yirginis nobiscum ad partem 
borealem per dictum dominum Lodewicum constructa fundatam, 
presbitero vel clerico, dicte vicarie possessori, singulis annis in 
quatuor terminis« scilicet pasche, nativitatis beati lohannis baptiste, 
Michaelis et nativitatis Christi, per rectorem scolarium, quicunque 
ibidem pro tempore scolas rexerit, expedite post obitimi hono- 
rabilis yiri domini Hermanni de Wampen, prepositi Guzstrowensis, 
dictarum scolarum protunc possessoris, perpetuo exsolvendos. Nos 
tarnen et nostri successores ad solummodo necessariam competentem 
dictarum scolarum structuram tenebimur faciendam, nobis eciam 
et nostris successoribus institucionem rectoris dictarum scolarum ac 
ipsius deatitucionem et amocionem, quandocunque et quotienscunque 
expedire nobis videbitur, libere reservantes.^) Damus quoque ex 
special! favore et concedimus dilectis nobis Ghisoni Halterman, 
Hinrico et Lodewico fratribus dictis Grusen, filiis quondam Gerardi 
Grusen, ac Hinrico Roden, predicti domini Hinrici Roden filio, ins 
patronatus dicte vicarie, ita quod ipsi, quamdiu vixerint vel eorum 
alter vixerit, poterint ad dictam vicariam presbiterum vel clericum 
ydoneum, quociens vacaverit, presentare de consensu domini Hinrici 
Roden et Everhardi Sobben predictorum, quamdiu fuerint viventes ; 
8ed ipsius quatuor scilicet Ghisone, Hinrico, Lodewico et Hinrico, 
defunctis ius patronatus dicte vicarie ad nos et nostros successores 
redibit et perpetue remanebit In quorum efficax testimonium 
nostre civitatis maius sigillum presentibus duximus appendendum. 
Datum Rozstoch, anno domini millesimo CCC° quinquagesimo octavo, 
iB die beate virginis Lucio. 

^) Die Testamentsvollstrecker zahlen also 400 Mark an den Rat ein, ver- 
kngen und erhalten dafür eine Besoldung von 20 Mark fiir einen Vikar, der 
beätimmte Messen lesen muß. Diese Besoldung wurde in der Schule sicher- 
gestellt. Die 400 Mark sind also nach modernen Verhältnissen einer Hypothek 
gleich zu achten, welche auf die Schule und ihre Einkünfte eingetragen wurde 
und aus derselben verzinst werden mußte. Dadurch waren die Zinsen, welche 
der Vikar als Besoldung erhielt, diesem für alle Zeiten garantiert. Hermann 
V. Wampen ; s. die Genealogie in Meckl. ürk. Bd. 15, S. 183, aber auch Bd. 17, 
S. 242; unser Hermann in Nr. 8 der letzten Stelle. 

Moniiaieiita Qermaniae Paedagogica XXXVIII 7 



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98 ürktinden u. Akten zur Geschichte des mecklenbarg. ünterrichtswesens. 

C. 

Der Bat zu Rostock verkauft die Schule an St Marien dem 
Rektor derselben. Rostock. 1367. 

Item eodem anno LX<* VIP consules vendiderant magistro 
Hinrico de Dolghen XX marcarum redditus et scolam ad tempora 
vite sue pro IUP mareie, quas perceperunt XVI consules, quorum 
quivis centum marcas civitati concessit, et quilibet de eis percepit 
XXV marcas et sie civitas tenetur eomm unicuique [L]XXV 
marcas et sunt isti domini lohannes de Pomerio, Amoldus Cropelin, 
Hinricus Vreze, Gherardus Rode, Lud. de Gotlandia senior, Lam- 
bertus Rode, Bemardus Copman, Ludolfus Nyendorp, Everbardus 
HoUoger, Everbardus Bezeler, Gerwinus Wilde, Hinricus Pelegrime, 
Symon Quast, Lud. Gotland iunior, Godfridus Eynt et lobannes Kaie, 

d. 

Der Rat zu Wismar verleiht eine Rente ans den Schulen dem 

ehemaligen Stadtschreiber Johann Moyleke. 

Wismar. 15. April 1368. 

Omnibus presens scriptum visuris seu audituris nos proconsules 
et consules civitatis Wismer facimus manifestum lucide protestantes, 
quod propter longa servicia nobis, antecessoribus nostris et civibus 
nostris exhibita domino lohanni Moyleken contul(er)imus et 
conferimus in hiis scripturis scholas nostras aput beatam virginem 
et beatum Nicolaum in nostra civitate sub hac forma, quod dictus 
dominus lohannes Moyleke a rectoribus dictarum scolarum, quicunque 
pro tempore fuerint, percipere debet et habere singulis annis 
redditus XX marcarum Lubicensium denariorum, quatuor temporibus 
anni et festis, videlicet nativitatis lohannis baptiste, Michaelis, 
nativitatis Christi et pasche, quolibet termino V marcas. Quos 
quidem redditus XX marcarum ipsi rectores predictarum scholarum, 
quicunque pro tempore fuerint, dicto domino lohanni Moyleken vel 
suo certo nuncio, ubicunque eciam locorum ipsi morari contingerit, 
in terminis premissis annuatim pacifice et sine briga^) persolvere 
debent et dare. Et si, quod absit, predictas scholas et redditus 

Zu 87 c: Meckl. Urk. Nr. 9582. Nach dem Leibrentenbuch der Stadt 
Rostock. Fol. 53 b. 

Zu 37d: Meckl. Urk. Nr. 9775. Nach Schröder, Papistisches Mecklenburg. 
S. 1447. Auch bei Burmeister, 1. c. S. 31. 

*) briga = Verhinderung. 



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Die Einkünfte des Domscholastikus zn Qüstrow. 99 

fatoris temporibns per aliquot Tel aliquos qao[t]cunque et quos- 
cnnqne Ute, que ex parte civitatis aut consulum nostrorum originem 
traheret, imbrigari,^) perturbari aut morte scolarium in parte vel in 
totum annihilari contingeret, ita quod predicto domino lohanni 
Moyleken predicti XX marcarum redditus, ut premittitur, non 
exBolverentur seu expagarentur, extunc nos consules predicti et 
nostri saccessores dictos XX marcarum redditus predicto domino 
lohanni Moyleken vel suo certo nuntio in terminis premissis per 
camerarioB nostros, qui pro tempore fnerint, ex cercioribus bonis 
diete nostre civitatis Wismariensis volumus expagari et promittimus 
in hiis scripturis pacifice expagandos et exsolvendos. Si autem 
predicte scole lite, que ex parte domini lohannis predicti originem 

traheret, imbrigarentur, illam per se disbrigavit.*) Actum in 

publico nostro consistorio anno domini MCCCLXVIU, sabbatho 
proximo poat pascha. 

38. 
Die Einkünfte des Domscholastikns zu Güstrow. 

Yor 1358 und im 16. Jahrhundert. 

a. 
Die Präbende des Scholastikns zu Güstrow. [Yor 1358.] 

In nomine domini, amen. Yocatis omnibus, qui voluerunt, 
potuerunt et debuerunt Interesse, ecciesie necessitate et utilitate 
solerter pensatis ac tractatu solempni prehabito, capitulum ecciesie 
nostre diffinivit et decrevit, quod ecciesie et vicarie infrascripte 
dignitatibus infrascriptis et prebendis secundum sui distinctionem 
remaneant annexe in perpetuum, et prelati dignitatum et canonici 
prebendarum, prout infra sequitur, easdem conferent temporibus 
oportunis 

Scolasticus, cuius prebenda est in Gancekow,^) conferet 
parochiam in villa Gene^) et vicariam Hinrici Plotzaneviz,^) cuius 
redditus sunt in villa Goldeniz.^) 

•) imbrigare = yerhindem. 

•) disbrigare = befreien. 

Zu 88a: Meckl. ürk. Nr. 8428 (S. 244). Nach dem Diplomatar des Dom- 
koUegiatstifts Qüstrow. Fol. 75. 78. 

*) Ganzekow == Qanschow, Cene = Zehna sind Dörfer bei Güstrow ; Golde- 
nitz liegt bei Schwaan. 

*) Heinrich Plotzaneviz = Prisannewitz war Vikar an der Güstrower 
Stiftskirche. 

7* 



> i 



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1 00 Urkunden n. Akten zar Geschichte des mecklenburg. ünteirichtswesens. 

b. 

Einkftnfte des Domscholastikns zu GIlBtrow. 

[16. Jahrhundert.] 

Praebenda in Gantzkow.^) 
Achim Burmeister V schefifel roggen, V scheffel geraten, 

XVI scheflPel haver, 
Achim Hurmann Y scheffel roggen, Y scheffel geraten, 

XVn scheffel haver, 
Heinrich Bandow YHI scheffel roggen, YIII scheffel gersten, 

n Dromet haver, 
Peter Mouche Ul^/a scheffel roggen, IHVa scheffel gersten, 

XI scheffel haver, 
Achim Mouche XXI scheffel roggen, XXI scheffel gersten, 

YV2 dromet Haver, 
Clawes Berlich YI scheffel roggen, YI scheffel gersten, 

I dromet haver, 
Hans Knolle XXI scheffel roggen, XXI scheffel gersten, 

YI dromet Haver. 

Badendick. ^) 
Mattias Yieth YHI scheffel roggen, I dromet haver, 
Achim Eellemann III dromet roggen, III dromet haver, 
Clawes Ahnesel XIIII scheffel roggen, I dromet haver, 
Bemt BermoUe I dromet roggen, I dromet haber. 

In Metelke. 
Mattias Stolte IHI marck sundisch, 
Hans Burmeister IUI marck sundisch, 
Titke Stermer III marck sundisch, 
Achim Burmester IIH marck sundisch, 
Achim Balekow H marck sundisch, 
Clawes Oltmann II marck sundisch, 
Churt Musth II marck sundisch. 

Praebenda in Rachow.^) 
Laurentz Brakenwagen II marck YIII ssl. 
Clawes Otto IIH marck 
Clawes Gylaw I marck I ssl. lübisch. 
Westphael YII ssl. lübecks. 
Rachow nil ssl. lübecks. 



Zu 88b: Nach dem Abdruck bei Raspe, Einladung zur Jubelfeier des 
300jährigen Bestehens der Domschule zu Güstrow. Güstrower Schulschrift. 
1853. S. 8. R. schöpft aus den Original -Visitationsprotokollen, wo sich unter 
C. Scholasteria, Fol. 3b die Angaben finden. Die Visitation fand 1552 statt. 

*) Gantzkow (Ganschow) und Badendiek liegen in der Nahe von Güstrow, 
Rachow (auch Rakow) bei Teterow, Metelke (Methling) bei Dargun. 



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Der Propst bezahlt den Unterhalt des rector scolarum zn Ratzeburg. 101 

39. 

Der Propst bezahlt den Unterhalt des rector 
scolarum zu Katzeburg. 

Ratzeburg. 3. Februar 1372. 

In nomine domini, amen. Ad perpetuam rei memoriam Mar- 
qnarduB prepositus, lohannes prior totumque capitulum ecclesie 
Baceburgensis omnibus et singulis presencia yisuris seu audituris 
salutem in domino et rei geste agnoscere veritatem. Cum propter 
gravia et intollerabilia ODera debitorum, quibus iam dudum a loDge 
retroactis temporibus eciam sine spe relevacionis alicuius nostra 
quam plurimum gravabatur ecclesia et non minus gravari dinoscitur 
in presenti, modos et vias diversas et oportunas, quibus posset ab 
huiusmodi debitorum oneribus, ne in totum deperiret, salubriter 
releyari, anxiis mentibus pluries perquisivimus, tandem nobis 
omnibus et singulariter universis, nomine eciam, qui interesse debuit, 
pretermisso et excluso, propter hoc specialiter convocatis ac in loco 
nostro capitulari et capitulariter constitutis, reverendi eciam in 
Christo patris ac domini nostri, domini Hinrici episcopi Razeburgensis 
presentis auctoritate et consensu placuit, soilempni tractatu eciam 
et deliberacione diligenti prehabitis, nostreque eciam ecclesie 
ntilitate et profectu et conseryacione in hoc non modicum pensatis, 
pura, libera ac spontanea voluntate et consensu unanimi omnium 
et singulorum nostrorum, inspirante eciam nobis, ut speramus, 
divina clemencia, ad edendum statuta et ordinaciones infrascriptas 
concorditer duximus'procedendum 

Preterea statuimus et ordinamus, quod huiusmodi noster prepo- 
situs pro tempore de eadem tercia sua porcione, qua, ut promittitur, 
debeat esse contentus, et de curia ipsa, quam elegerit, omnia et 
singula onera de antiqua consuetudine ad ipsum prepositum spec- 
tancia, que nobis et*^) ecclesie nostre tam infra septa eiusdem 
ecclesie, scilicet rectori scolarum pro tempore in annua pensione 
proTidendo, campanaribus, pulsatoribus campanarum diebus solemp- 
nibus, calcatoribus organorum, calefactori estuarii et sectoribus 
glacierum preciando necnon luminaria seu candelas in nostris 



Zn 89: Meckl. Urk. Nr. 10293. Nach dem Liber copialis II im Haupt- 
archiv zu Neustrelitz. 

a) et verbessert aus in. 



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102 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. ünterrichtswesens. 

refectorio et dormitorio congruis temporibos ministrando , quam 
eciam extra eadem septa videlicet bona nostra, res et iura coram 
quibuscunque dominis terrarum^ advocatis, iudicibus seu aliis quibus- 
cunque propugnando et defendendo imminebunt , presto subire 
debeat et sufferre, nee aliquem in eadem ecclesia nostra officium 
quodcunque gereutem in bonis et redditibus ad officium huiusmodi 
spectantibus quomodolibet impedire nee ipsum ab eodem officio 
destituere aut alium subrogare nisi de scitu, consilio et expresso 
consensu prioris, canonicorum et capituli vel saltem maioris et 
sanioris partis ipsius 

Et nos Hinricus dei et apostolice sedis gracia episcopus Race- 
burgensis, quia omnia et singula premissa, quibus interfuimus, pro 
utilitate, profectu et conservacione ecclesie nostre Raceburgensis 
sepedicte per predictos dominos prepositum, priorem, canonicos et 
capitulum fuisse et esse salubriter statuta et ordinata perspeximus et 
cognovimus, ipsis nostram auctoritatem et consensum interposuimus 
et interponimus per presentes 

Actum et datum in loco nostro capitulari Baceburgensi, anno 
domini millesimo C*'C<^C<' septuagesimo secundo, ipso die beati Blasii 
episcopi et martyris, presentibus honorabilibus et discretis yiris 
testibus ad premissa.^) 



40. 

Beispiele von Beförderungen der Lehrer 
in kirchliche Ämter. 

1381. 1480. 

a. 

Der Rektor Konrad Römer an der Schule zn St. Marien in 

Rostock erhält eine Tikarei zu Güstrow. 

Güstrow. 21. Dezember 1381. 

lohannes Predoele, vicedecauus ecclesie coUegiate Gustrowensis, 
Camyuensis dyocesis, discreto yiro domino Marquardo Swyngheu, 

^) Nach Masch, Qeschichte des Bistama Ratzebarg. 1835. S. 289 warde 
dieser Vertrag 1443 teils abgeändert, teils bestätigt. 

Za 40a: Meckl. ürk. Nr. 11387. Nach dem Original im Rostocker Rats- 
archiy. Ich schrieb oe statt d, n statt ft. 



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Beispiele Yon Beförderungen der Lehrer in kirchliche Ämter. 103 

perpetuo yicario ecclesie nostre Gustrowensis antedicte, salatem in 
domino. Yobis in virtute sancte obediencie et nichilominus sub 
excommunicacionis pena damus in mandatis, quatenus accedatis, 
qao propter hoc fuerit accedendnm, inducendo et instituendo dis- 
cretum virum Conradum Bomere, rectorem scolarum beate Marie 
yirginis in Rostock, in possessionem corporalem vel qnasi quorun- 
dam reddituum per quondam honestam dominam Ghyselen, relictam 
quondam Rumescbotelen pie recordacionis, in villa Eonessen^) ad 
pios asus, videlicet ad unam perpetuam vicariam in dicta nostra 
ecclesia collegiata Oustrowensi divinitus instaurandam, assignatomm 
et deputatorum , precipiientes villanis dicte ville Eonessen censna- 
libus predicto Conrado et non altri de redditibus sie per predictam 
dominam Ghyselen pie assignatis et depntatis singulis annis suffi- 
cienter responderi, facientesqne sibi omnia et singnla, que circa 
premissa sibi necessaria fuerint et oportuna. Datum Güstrow, anno 
domini millesimo trecentesimo octuagesimo primo, ipso die Thome 
apostoli, nostro sub sigillo. In signum execucionis vestre reddite 
presencia sigillata. 

b. 

Rector seholarum und locatns in Wittenbnrg sollen stiftongs- 

mäßig zu einer Kommende präsentiert werden. 

Schwerin. 16. August 1480. 

Johannes, dei et apostolice sedis gratia Raceburgensis ecclesie 
episcopus, universis et singulis presentia visuris et audituris salutem 
in domino sempiternam et rei geste agnoscere veritatem. Cum 
creatura nil habeat, in quo respondeat creatori, saltem in eo respon- 
deat, ut de iustis suis substantiis deum studeat honorare, a quo 
prodeunt universa, et hoc solum nostris desideriis agitur, ut cultus 
diviuns semper augeatur ; ut relatu honorabilis viri domini lohannis 
Molners, perpetui vicarii in ecclesia parochiali opidi Wittenborch 
nostre dioc, accepimus, quondam bone memorie dominus lohannes 
Moire, dum vixit, eiusdem ecclesie parrechialis Wittenborch 
rector, hac pia meditatione exeitatus quandam perpetuam common- 
dam seu elemosinam in honorem sancte et individue trinitatis, beati 
Bartolomei, Änsveri et sociorum eins martyrum, decem miUum 
militum martyrum et omnium sanctorum ad altare in capella sancte 

^) Konesse = Knese liegt im Kirchspiel Marlow. 

Za 40b: Abgedrackt bei Schröder, Pap. Meckl. S. 2307—2310. Das 
Original fand sich im Geheimen Archiv zn Schwerin leider nicht; ich habe 
den Schröderschen Text nar da verändert, wo er ti statt ci hatte. 



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1 04 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. üntemchtswesens. 

crucis prope et extra dictum opidum Wittenborch nostre dioces. 
terrena in celestia et transitoria in etema felici commercio trans- 
mutando dotare, instaurare, engere et noviter creare affectans, 
certos perpetuos decem et octo marcarum Lubicensium redditus 
in extreme voluntatis sue codicillo legaverit pro dotatione eius- 
dem 

Äd quos redditus supra dictos honorabilis dominus lohannes 
Moire, rector ecclesie in Hogenkercken nostre dioc, dicti testa- 
toris patruus ipsiusque commende primus possessor, quem ad 
eandem, quatinus indigeat, instituimus per presentes, sex marcarum 
redditus pro centum marcis Lubicens. in hereditate Bünrici Welandes 
opidani in Wittenborch addidit et apposuit 

lus vero patronatus sive presentandi dicte commende ex gratia 
damus venerabili capitulo nostre ecclesie Basseburgensis et specta- 
bili consulatui dicti oppidi Wittenborch nostre dioc. altematis 
Yicibus, ita tamen, quod tempore vacationis occurrentis ipsi iuxta 
sortem vicis sue et primo capitulum, deinde consulatus in Witten- 
borch nuUum alium presentare debebunt nisi unum de domo et 
parentela ipsius quondam lohannis Moire fundatoris existentem 
proximiorem in linea consanguinitatis et seniorem in sacerdotio, 
ut premittitur constitutum vel infra biennium promovendum ; quibus 
tandem dificientibus et parentela fundatoris predicti amplius non 
extante ex tunc capitulum ecclesie nostre, cum alternatis vicibus 
presentatio eis manebit, nullum alium. quam rectorem scholarum 
aut unum de curalibus ^) vel custodem in ecclesia nostra ipsique 
consulares opidi Wittenborch pro tempore pari modo pro sua vice 
unum de ministris ecclesie parrochialis Wittenborch, ut puto capel- 

lanum, custodem seu *) rectorem aut locatum ibidem, qui 

eis yidebitur idoneus, infra tempus a iure statutum presentabunt 
sie usque in perpetuum presentacionem huiusmodi sine fraude 
altematis yicibus continuando. In quorum fidem et testimonium 
sigillum nostrum maius et autenticum presentibus duximus appen- 
dendum. Datum et actum in ecclesia cathedrali Sverinensi anno 
domini millesimo quadringentesimo octuagesimo indictione quarta 
decima die sexta decima mensis Augusti pontific. sanctissimi in 
Christo patris et domini nostri domini Sixti pape quarti anno 



a) Die Punkte finden sich bei Schröder; es scheint als ob Schröders Vor- 
lage hier ein unleserliches Wort hatte. 

*) curales = chorales, d. i. Chorsänger. 



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Beispiele für den Gebrauch de^ Niederdeutschen im Unterricht. 105 

dedmo, presentibus ibidem Tenerabilibus yiris dominis loanne 
Wardberch, preposito ecclesie Rasseburgens. et lohanne Langen, 
decano ecclesie Sverin. testibus ad premissa vocatis atque rogatis.^) 



41. 

Beispiele fftr den Gebrauch des Niederdeutschen 
im Unterricht') 

1439. c. 1500. 
a. 

In der Marienkirche zu Rostock wird das Yatemnser nnd 

der Glanbe sonntägUch von der Kanzel in niedersächsisclier 

Spraelie liergesagt nnd erklärt. [Rostock]. 1439. 

Bernt Beringer vendidit domino doctori Bekelin, plebano ad 
beatam Yirginem, 3 mr. redditus pro 40 mr. in hereditate sna 
angulari pistrina et bodis adiacentibus in platea Snicman apnd 
Stenbeken et Rumoer sitis, in quatuor terminis anni persolvendos. 
Qnando prefatus Bernt facultatem bonorum habuerit et ad quartale 
anni predixerit, pro 40 mr. reemendos. Et iste 40 mr. cum suis 
redditibus deputate sunt et Ordinate plebano ad sanctam Yirginem 
et suis pro tempore capellanis, cuilibet unam tnarcam percipiendo ; 
et pro hoc capellanus^) ibidem debet et obligatus est, ut fidem 
catholicam, videlicet: Credo in Deum, et: Pater noster singulis 
dominicis diebus matema lingwa^) de ambone cum diligencia dicat 
et devote exponat. Ideoque si predictam summam cum suis reddi- 
tibus contingeret reemi, debent ad fundos iacentes et hereditates 
stantes cum consensu et consilio plebani ad beatam Yirginem 
relocari, sie quod perpetue ad prefatam deputacionem et pium 
usum maneant. 



*) Zur ganzen Urkunde s. Masch, Geschichte des Bistums Ratzeburg. 
S. 372, auch die Angabe bei Schröder, Papistisches Mecklenburg. S. 2878. 

Zu 41a: Aus dem Geistlichen Rentebuch, aus dem Jahre 1439; abgedruckt 
bei Koppmann, Beiträge zur Geschichte Rostocks. Bd. II, Heft 3, S. lOÖ. 

a) verbessert aus capellanibus. b) verbessert aus ligwa. 

>) Siehe auch Nr. 96 (Statut des Bischofs Wedego von Havelberg vom 
Jahre 1463) und Nr. 21 (Hildebrand Dorgelo interpretiert in niederdeutscher 
Sprache). 



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1 06 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

b. 

Das Lesen eines niederdeutschen Beichtbaches wird von 
Eltern und Kindern gefordert. [Rostock c. 1500.] 

[H]yr beginnet ein schon spegel d' cristen minschen, welkeren 
ein jewelk cristen minschen gerne schal by sik dregen vor ein 
hantbokeken, wente hir inne beslaten is allent, dat dar not is to 
weten to der seien salicheyt, tosamende ghesocht uth velen hilgen 
scriften der leres, to profite unde salicheit aller minschen unde 
unseme leven heren to lave unnd Marien siner^) leven moder. 
De jenne, de dyt gemaket heft, biddet alle minschen, dat se dat 
yaken averlesen willen imn sik willen darna regeren, ok dat den 
anderen simpelenn unweten luden, de nicht lesen konen, des hilgen 
dages vorlesen willen, wen se doch leddich sitten up d'straten, 
dar vor se grote pine liden mothen. Ok biddet he, dat de olderen 
ere kinder dat lesen leren. Ok so begeret he, dat me vor em 
bidden wille, wente he vorbindet sik alle sine dage tobiddende 
vor de genne, de dit bokeken bi sik dregen mm mit vlite sik dar 
na regeren. 



42. 

Schulbelehnung zu Crivitz seitens des Kats 
der Stadt Crivitz. 

27. Februar 1493. 

Wir borgermestere unde rathmanne des wikbildes Crivitze, 
in dem lande tho Meklenburg belegen in dem stifte tho Zwerin, 
bekennen und betügend vor algemeine geistlik u[nde] weltlik, de 
de£en unsen apenen breef sen, hören efte lesen, dat wir pur umme 
gades willen vorlenet hebben unse schole tho Crivize mit erer tho- 
behöringe deme vorsichtigem ]!ficolao Stolpman, ein scholre baven 

Za 41b: Aus der Vorrede des „Spiegels der ChristeDmeDschen'', nachdem 
Abdruck bei Wiechmann-Hofmeister, Mecklenburgs altniedersächsische Literatur. 
1885. III, S. 47. Nach Hofmeister „kann* das Buch dem Jahre 1507 angehören. 

a) statt ,finer'. 

Zn 42: Nach einer Abschrift im Geh. Archiv zu Schwerin, die von 
der Abschrift im Crivitzer Pfarrarchiv genommen ist Gedruckt bei Voß, 
Geschichte der Volksschule Mecklenburg-Schwerins. 1893. S. 3. 4 mit falschem 
Datum. 



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Schnlbelehnnng za Criyitz. — Befiiimniungen des Biechofe Loste etc. 107 

thor Niestadt in dem baven screven lande tho Meckl.[enbarg] unde 
stifte Zweiin, dartho wi bayen schreyen borgermester u[nde] 
r[athnianne] dem upgenanten Nicoiao thosecht hebben n[nde] yer- 
lenet, gegenwärtig thoseggen ulnde] yerlenen x lüb. mark guder 
münze, de he skal boren yan den lüden, alzo se geschreyen sind 
in unser fundaoien u[nde] confirmacien, de darup gemaket ist. Yor 
deßen bayen schreyene x Mark wil unde skal de yaken^) sohreyene 
Nicolaus Stolpman holden unde waren in unser karke tho Cr[iyitze] 
de erste meße u[nde] dem karkfaerm horsam wesen na lüde der 
fundaoien u[nd] c[onfirmation]. Yortmehr umme der däget^) willen 
des bayen schreyenen N. St. hebbe wi emme tbosegt dat erste len, 
dat uns erst loswert, edder ene tho yorbiddende, wor unß dat aller- 
erste yollen kan. 

Des tho mehr warheit unde tügniß hebbe wi yorschreyen 
borgerm[ester] u[nde] r[athmanne] mit witschop u[nde] yuUbort 
hengen laten unser stad ingesegel yor dißen unsen egen breef, de 
gegeyen unde schreyen ist na gades bort M. C. COC x CHI an 
dem middewek negst yor Beminiscre. 



43. 

Bestimmungen des Bischofs Konrad Loste 

in betreff der kirchlichen Hebungen des rector 

scholarium an der Domldrche zu Schwerin. 

Schwerin. 23. Juli 1500. 

Quoniam iuxta canonicas iuris sanctiones manuales distributiones 
tantum presentibus debentur in ecclesiis deseryientibus, ideoque 
yolumus et ordinamus, quod collectores et distributores , qui pro 
tempore distributionem ordinant et disponunt, taliter et ita exe- 
quantur, quod distributiones fiant solum presentibus in horis diurnis 
et noctumis in officiis diyinis quibuslibet interessentibus in choro, 
istis horis presertim, pro quibus huiusmodi distributio est instituta. 
Et tempestiye yidelicet in matutinis et yesperis siye primis siye 
secundis ante primam sessionem, in missis ante epistolam, in yigiliis 

*) yaken = oft. 

«) = doget, Tugend. 

Zu 48: Nach Schröder, Papistisches Mecklenburg. S. 2643, aus den dort 
abgedruckten Statuta synodalia, von mir nach dem Original im Geh. Archiy 
zu Schwerin verbessert. 



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108 Urkanden u. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 

ante secondum psalmum intersint et usque in finem permaneant, 
nisi causam aliquis habuerit rationabilem per decanum et capitalum 
approbandam , ut sunt infirmitates et in causis ecclesie missio ex- 
ceptis coUectoribus et advocato capituli. Et istud statutum intelli- 
gimus quoad omnes personas, canonicos, vicarios ecclesie, etiam 
rectorem scholarium, of&ciantes, lectores, corales et alios quoscunque 
esse servandum. Et ut huiusmodi statutum commode possit observari, 
Yolumus, quod distributores in ecclesia Zwerinensi die sue recepr 
tionis iuramento astringantur in presentia dominorum capitularium, 
canonicorum et aliorum noncapitularium, necnon vicariorum omnium 
ecclesie ad hoc vocandorum, ne absentibus in aliquo contra iuris 
dispositionem emolumenta ministrent,'') salvis tarnen quindenis solitis, 
et presens statutum omnimode observent. Si vero contra premisaa 
et sua iuramenta fecerint, noverint se infames et ab ecclesia 
obiiciendos, quia infamibus porte dignitatum patere non debent 



44. 
Unterstützung anner Schüler. 

[Güstrow. 1500.] 

Sic simili modo altera die, scilicet feria secunda, fratribus 

convenientibus senior ordinet ministros ad missas Quibus 

finitis legant conmendaciones distincte, in qua omnes fratres, si 
infirmitas eos non excusat et in loco sint residentes, sin autem, 
per alium seu per alios indüctis suppliciis debent esse presentes; 
et ad tercium responsorium : „Libera me domine^ cantabitur 
versus: „Horrendum est.^ Quo dicto cantores incipiant respon- 
sorium: ^Accessit ad pedes^; et tunc senior cum diacono et sub- 
diacono lavent pedes duodecim pauperum scholarium et procura- 
tores sequentes dabunt cuilibet duos denarios Lubicenses, quibus 
lotis cantores incipiunt responsorium: ^Yere felicem^ cum versu 
sine repeticione; et tunc senior dicat versiculum : „Ora pro nobis^ 
cum collectis ut supra 

Fostscripta dabunt de communi bursa procuratores : 

Itemscholaribusinambabusmissisexistentibussexalbos.^) 



a) für ministrant. 

Zu 44: Nach dem Abdruck yon Lisch in Jahrb. 44 S. 19. 32 aas den 
Statuten des Ealands von 1500 und sonstigen Aufzeichnungen im Ealandsbuch 
des Qüatrower Batsarchivs. 

^) d. h. Meßhemde aus weißer Leinewand. 



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IL 

Reformationszeitalter 



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A. Urkunden betreffend Schulgründungen, 
Schulvisitationen, Schulordnungen. 



1. 

Des Organisators des Rostocker Schulwesens 
Dr. Oldendorp Ansichten von der Schule. 

[Rostock. 1530.] 



Superius satis probatnm 
est, omnes aimus natara- 
liter ignorantia bonarum 
rernm prediti. Et vere 
dictum est, horoinem om- 
nium inconstantissimuDi 
animal esse. 



Wedder den unvorstandt, des wy van 
nature wegen ful syn, hefft uns godt de 
herre mennigerleye gude lere und künste 
gnedichlick gegeven, wor mede wy dem 
sulvigen beyegen und helpen mögen. 

Idt ys apenbar vor ogen, dath eyn 
minsehe, welcker syn levenlanck nicht un derrichtet ys worden, 
de suhige kan noch schryven, noch lesen, noch eghentlick reden 
edder eynich werck recht vortbryngen und in summa, weth nichts 
dann eten und dryncken, wowol ock noch vaken ^) tho untyden und 
ane'mate. Wann men eme ychteßwes tho donde anmodet, so 
sprickt he: Ick hebbes nicht ghelert. Und ys recht geantwerdet. 
Denn wy weten nicht mer als uns gelert ys. Dat maket de natur- 
lyke unwetenheyt, de den minschen yn den hacken henget. 

Zu 1: Aus Oldendorps Schrift: Van radtslagende, wo men gude politie 
und ordenunge ynn steden und landen erholden möghe. An den erbarn radt 
nnnd ghemeyne tho Hamborg. Durch Joannem Oldendorp, doctorem, syndicum 
tho Rozstock. Malum consilium consultori pessimum. Proverb XII. MD.XXX. 
Ich benutzte die von Freybe unter dem Titel »Ein Ratmannen -Spiegel" 
faksimilierte Ausgabe, unser Abschnitt ist überschrieben ,De drüdde artyckel, 
vam unvorstande". Bogen Hm — Im. Das Zeichen e und k habe ich mit e 
und ä wiedergegeben. Diese Schrift Oldendorps wurde 1597 von Konrad Forstenow 
ins Hochdeutsche übersetzt: Von rathschlägen, wie man gute policey und 
Ordnung in stedten und landen erhalten möge etc. Rostock 1597. Bogen G 6. 
Zur Schrift s. auch Wiechmann-Hofmeister I, S. 138 ff. 

*) yaken = oft. 



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112 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbarg. Unterrichtswesens. 



Hyr tho denen nu de scholen edder univer- 
siteten, so men ytzunder nömet, (wowol schola 
eyn höger name ys) wor ynne de jöget erer un- 
wetenheyt, gerade als eyn vorrustert ysern, ghe- 
poleret und blanck gemaket werden mochte. 

Des synth de olden greken und römer 
wändages*) so begerich gewesen, dat eyn yder, 
de ydt vonnochte, schaffede synen kindern 
eynen egenen tucht meyster. Overst dar 
na ys vor gut und nütte angesen, dat ghe- 
meyne scholen umme de jungen lüde mit 
dagelyker brükinge und lere by eynander 
to underwysende angerichtet worden. Als 
noch hütes dages sodane schole (wowol de 
gebruck etwes verändert) by uns befunden 
werden und mith velen fryheyden begyif- 
tiget synt. 



Inde schola Pia- 
tonis et schola 
Aristotelis dicta 
est. 



Xenophon de Republica: 
Lycnrgos antem (inqnit) 
pro servis pedagogis, qnos 
privatim pueris quisque 
preficit, virum preesse et 
illis volait, e qnibus ma- 
ximi magistratus con- 
stant, qai qnoniam pneros 
moderetnr pedanomas ap- 
pellatur. Huic vero po- 
testatem dedit, ut et pue- 
ros congregaret, et qnem 
versa te aut nequiter qnic- 
quam patrare observasset, 
acerrime cederet. 



Per Fredericum 
imperatorem, in 
auc[toritate] habi- 
ta: Nefilipropat.») 



eneth, an synen 



Nicht dat wy alle gelert syn könen edder 
scholen. Wyle eyn flytich minsche mach ock wol 
ahne bockstave und lere durch mennichfeldighe 
erfarenheyt thor politie nicht undenstlick syn, so 
schal dennoch nemant de gnade, so em godt vor 
kindern vorsümen motwillens. 

Nu wüste ick warlick nicht, eflft ydt ock gerynger dann un- 
synnicheyt to achtende were, dat de öldem ere kinder so gar nicht 
thor lere ynn scholen holden laten, wann ick nicht wedderumme 
gedachte, dat de schuldt nicht alleyne by ene, besonder vele mer 
by den regenten der hoghen scholen und ock by der övericheyth 
eynes ydern ordes befunden wörde. 

Na dem dat yn vergangener tydt de form 
und arth tho lerende yn gemeynen scholen gantz 
vam rechten ghebruke vorgleden so wythlöfftich, 



His igitur. Instit. 
De ia8ti[tia] et 
iur[e]. 



undenstlick und swar gemaket ys, dath gar weinich ynn blöyenden 
und jungen jären, etlyke ock noch nicht upt older, thom rechteu 
warhafftigen gründe gekamen synt. 

*) wändages =« wannedages = zu irgendeiner Zeit, einst. 

») Nach einer gütigen Auskunft Professor Freybes bedeutet Per Fredericum 
imperatorem in auctoritate habita, daß der Spruch durch Kaiser Friedrich in 
Geltung und Ansehen erhalten worden ist. In der Spruchsammlung Kaiser 
Friedrichs wird jener mit den Worten: Ne fili pro pat. begonnen haben. 



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Des Organisators des Rostocker Schalwesens Dr. Oldendorp Ansichten etc. 113 



Schole nichil alind esse 
debeat quam seminarinm 
eomm, qoi reipublice de- 
serviant. 

1. Corin. XII. Et alios 
qoidem posoit dens in 
ecclesia, primam aposto- 
los, deinde prophetas, 
tertio doctores, deinde po- 
testatesydeinde dona sana- 
tionnm,»)8ub8idia, g^ber- 
nationes, genera lingna- 
min. 



Ja, de gantze anfang, myddel mm ende, dar alle universiteten 
edder scholen hen gehören, ys nicht alleyne vorgeten, dann allent- 
halyen nmme gekert worden. Nömlick, wyle dyth de orsprunck 
gewesen, dat men ghemeyner politie, landen und lüden tho gude 
ghelerde, geschyckede menne, de ere ambacht recht wüsten, tho- 
richten mochten. 

Denne universiteten und scholen synt 
gerade als grote wölde und holtinge, welckere 
tho Torrade geheget und yn acht genamen 
werden, nmme de buwete unnd hüsere der 
Stadt, wordes Tann nöden, tho underholden, 
dat men ock also uth scholen, tho forderunge 
gnder politie und mennmgerleye gemeynen 
ambachten beqweme lüde erlangen mochte, 
als predicanten, magistraten, redere, bysit- 
tere, syndicos, secretere, arsten und der 
ghelyke. 

Dar umme leret und handelt men yn bogen scholen nicht 
alleyne götlyke, dann ock ander schryffte, welckere tho guder 
onderrichtynghe denen und nottorfftich synt, gherade als de andern 
handtwercke, hebben ere uthgestyckeden tyde, dat se der kunst 
erfaren und nicht er ynt ampt gestadeth werden, dath ock jo 

solich hoch ambacht dem gemeynen besten vorthowesende nicht 

slymmer gheachtet wörde. 

So hefft men nu yn scholen nicht vele 

anders dann disputeren und hadern geleret, 

dar doch alle minschen süs van uatur tho 

geneget. Alleyne ys ydel eere unnd rom 

gesocht mith schynlykem geprenghe, nicht 

gmndt und warheyt, mit korter underrich- 

tinge. XJnd dem na hefft men keyne lüde 

thom regimente unn radtgevende unge- 

schyckeder, ya ock schedelyker befunden, 

als de yn scholen tho langwyliger dispu- 

tatien also upgewennet weren, dat se vam 

rechten gründe des handeis nichts wüsten. 

"Wowol metige underredinge imd up beyden 

syden bewegynge eynes dinges vaken nütte 

und gudt syn kau. 



a) statt sonationum. 
Mommenta OennaniM Paedagogica XXXVIII 



Mimns ille Publianus, 
sophistis Omnibus mnlto 
sapientior. Nimiom (in- 
quit) altercando veritas 
amittitur. Freno hie opus 
erat, non calcaribus. Cum 
homines natura ad dissen- 
tiendum sint faciles, ut 
iurisconsultus dixit. Mo- 
derate igitur disceptatio- 
nes exercitii vice adhiberi 
debebant, more veteris 
schole Socratice, ut cum 
alter dizisaet, quod vellet, 
alter contradiceret mode- 
ste, in hoc tantum disse- 
rentes, quo magis investi- 
garetur veritas et diversa 
simul collata facilius in- 
telligerentur. 



8 



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114 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünt^rrichtswesens. 



Multa sunt, qae degu- 
stasse sufiicit, et quibas 
yelut condimentis, non 
ut cibo, utendum est in 
scholis. 

Nichil magis contemp- 
tum et satietatem parit 
quam quod extra modum 
degenerat in abusum. 



Wann denn de öldern an eren kindern 
80 mercklyke kost, tydt, möye und arbeyt 
gantz vorlaren gesen und dar tho anghe- 
mercket hebben, dat eyn ungelert vorfaren 
minsche tho ghemeynen saken, beyde seele 
und lyiF bedrepende (dar nicht disputerent, 
dann de rechte lutter grundt unnd warheyt 
gelden wil) vele mer dann eyn grot gelerde 
reden könde. So synt se der kost möde geworden und hebben 
mith der tydt de handt affgetagen. 

Dat hebben yn den tyden de magistraten by sick henne ghän 
laten unn warlick an gelerde lüde nicht yele gekeret, velichte 
ghedacht, ydt geve ene nicht tho schaffende, wüsten överst nicfat, 
dath se den alder högesten schat gemeyner wolfart, dar ene eren 
kindern und ydermen nichlick, armen und ryken, mer denn an 
ethen und dryncken ghelegen was, so jemmerlick vorsümeden, und 
hofft nhu de gantze werft vorsocht, wat unvorstant ynbrynget. 

Dem gelyck ys ock grot myßbruck unn feyl gewesen an 
drückeryen, de tho bogen seholen und erholdinge aller guden 
schryffte egentlick gehören, dat de sulvigen so gar ane upsent 
und gemeyne rüggestür durch ydermanne, de des dinges keyn 
Yorstant und vele weyniger tho solicher wychtigen unkost vor- 
mögenheyt hebben, ghedreven synt worden, wat einem ydern 
gelevede tho drückende. 

Wyle doch mith dem drückewercke, even 
als mit dürbarn arstedyen gelegen ys, wor men 
der sulvigen recht ghebruket und na ördentlyker 
mate, so helpen se wol, wo nicht, so wert de alder högeste vor- 
gyfft dar uth. 

So where nhu nötte und gudt, dath drückerye gemeynen am- 
bachten yngely vet, mit sonderlykem upsende, ock hülpe und rüggestür, 
den seholen und andern guden künsten tho vorschyne, van der öve- 
richeyt ghehandthabet worden mit ernstem flyte. Als ick vorhape 
und ock egentlick (gade loff) befynde, dath sick des und anders 
vele stende ytzunder gudtwillich annemen. 

Dem na, wyle de alder geschyckedesten unlängst ghenoch dar ' 
van geschreven hebben, wil ick beslutlick alle dre par tyen, nömlick 
de öldern erer kinder halven, de regenten der seholen, erer lere 
wegen, de magistraten unn overicheit eres vorplychteden upsendes 
halven früntlyck und truwlick ynn Christo ermanet und gebeden 
hebben, dath eyn yder thom rechten wege, de tho guder politie 



Optima medicina 
extra dosim vene- 
num est. 



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Zur Frage nach dem Wert der lateinischen Kirchengesänge etc. 115 

und lücksaligem stände forderlick reken und denen mach, sick 
snlvecht wyse und schycke na form und mate der grünt fasten war- 
heyt, so godt yn dyssen tyden der werlt myldichlick wedder ge- 
geyen hefft, und lathe sick syne gnade nicht ydel edder vorachtlick 
syn, uns allen, de wy ynn einen schäpstäl ghehören, tho gude unn 
endtlick gödtlyker maiestet tho ewigher glorien und eere. Amen. 



2. 

Zur Frage nach dem Wert der lateinischen 
Kirchengesänge im Gottesdienst für die Schule. 

1531. 

a. 

Die Beibehaltung der lateinischen Gesänge im Gottesdienste 

der SchUler wegen. [1531.] 

M. Slüter meinung was disse, men scholde und muste im an- 
fange des lutterschen christendoms stedes düdische psalmen singen, 
der anderen prediger meinung överst was, men scholde ock de 
reinen latinschen gesenge in der kercken mit gebruken. Hyraver 
hebben eine underredung geholden H. Valentin Körte, pastor tho 
unser leven frowen, H. Peter Hakendale und H, Bartelt van 
S. Jacob in bewysende D. Oldendorps, dem stadt sindico, und 
hebben beschedentliken mit M. Slüter sick imderredet. 

Idt heflft överst M. Jochim Slüter des düvels grepe balde vor- 
standen, heflft sick derwegen wedderumme christlyken unde bröder- 
lick erkleret und sick mit den anderen disser sake halven also vor- 
gelyket, dat eflft ydt wol heylsam were, dat men umme des eint- 
foldigen gemeinen volckes willen im anfange des evangelii stedes 
düdische psalm, de se vorstan konden, sünge, up dat se desto 
mehr up dat wordt der warheit acht geven mochten und Christi 
wordt desto rycklyker mit aller wyßheit under en wanen mochte, 
unde dat ock nicht wedderumme der jungen jöget de papistische 
affgöderye in den latinschen Choral gesengen vormenget na der 
tydt mochten bygebracht werden, so achteden unde beiden se ydt 
dennoch ock mede darvor, dat ydt nicht undenstlick were, in den 



Zu 2a: Bei Gryse, Historia van der lere, levende und dode Joach. 
Slütera. Rostock 1593. Bogen Ji. 

8* 



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116 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtewesens. 

caspelkercken thor metten und thor vesper, dar nicht yele volokes 
vorhanden, umme der sohöler willen de christlyken latinschen ge- 
senge mede gebrukede. 

b. 

Der Wert der Sprachen^ 

naeh einem Ontachten des ürban Bhegins. 

Celle. 8. November 1531. 

Von sprachen. 

. . . Paulus 1. Cor. 14 spricht: Lieben brueder, vleissigt euch des 
weissagens und weret nicht mit zungen reden. Das ist des heiligen 
geists Ordnung, der wil die sprachen in der gmein gebrucht haben, 
doch das man sie zur besserung uslege. Weil nun die bibli in 
lateinische sprach verfast ist, sol man die latinische sprach in der 
kirchen gebruchen imd nit verpieten, dan die diener des*^) evangelii 
werden dodurch geubet, das si zur ußlegung und leer dester ge- 
schickter werden. Eur prediger ist frilich ein teutscher here, den 
selten ier gen Rhodis^) schicken, dan er kan villeicht des lateins nit 

vil. Last den blindenfierer gehn! 

Datum Zell in Saxen. 8 novemb. an. 31. 
E. e. W.2) 

williger 

D. Urbanus Rhegius, 
Superintendent des furstenthumbs Lüneburg. 

c. 
Der Wert der Sprachen^ naeh einem Gutachten Bugenhagens.^) 

Lübeck, 24. November 1531. 

Yan den tungen, dat is dat me redet uth* der hilgen 

scrifft unde lest unde leret myt anderen tungen, wen mit düdescher, 

Zu 2b: Nach dem Original im Ratsarchiv zn Rostock. Auch abgedruckt 
in Jahrb. 24, S. 154 dnrch Wiechmann. 

a) för »das*. 

*) Wegen der Rhetorenschnle. 

*) d. h. Eure ehrbaren Weisheiten = Anrede an den Rat 

Zu 2c: Nach dem Original im Ratsarchiv zu Rostock. Auch abgedruckt 
in Jahrb. 24, S. 149. 150 durch Wiechmann. Unsere Stelle ist der zweite Teil 
,Van den tungen". 

*) Der Rostocker Prediger Valentin Körte war im Sommer 1531 zu Lübeck 
bei ßugenhagen zwecks mündlicher Unterredung gewesen; so erzählt Bugen- 
hagen in seiner umfangreichen Antwort an den Rat. Slüter hatte seinen 
Widerspruch gegen die lateinischen Eirchengesänge bereits fallen lassen. 



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Zar Frage nach dem Wert der lateinischen Kirchengee&nge etc. 117 

'segge ick up dit mal also. Do got wolde, dat dat evangelion 
Christi ersten scheide uthgan in de gantze werld, do gaff he dar 
tho mennigerleye tongen, Act. 11., de wile me mennigerleye tungen 
prediken scheide. Nu overst in dissen letsten tiden, do got wolde 
dat eyangelion Christi wedder klar an den dach bringen, gaff he 
uns wedder de spraken, dar mede de hilge scrifft gescreyen is, 
nomelik de hebreische unde de grekische: de hebreische tom olden 
testamente, de grekische tom nyen testamente. Ock gaff he uns 
wedder de reyne latinische sprake, dat wy latinischen desto beth 
mit der latimschen sprake sulke srifft den latinischen konden Tohr- 
holden. Sulk ia nu so sere am dage, dat me sick des verwunderen 
mach; Yorlöchenen kan me id nicht. Oades gaven sind id, to 
denste dem evangelio vorschaffet unde geschencket, so wol also 
de dmckerye. De nu sulke tungen nicht liden kan, de schendet 
gade syne gaven, batet dat evangelion unde wil, dat dat evangelion 
nicht lange bliven schal. So werd denne eyn jewelick swermer 
lerende, wat he wil, wen nemand krefftich mit gades werde wehret. 
Sulke haderers konen alle dinck vorwerpen, overst wen noth hyr 
an kumpt mit ketterye, so weten se nichts; ja se fragen dar ock 
nicht vele na, se laten wol dat water over berch unde böme gan. 
So moten denne de tungen unde eddelen gades gaven, de wile 
wy se noch hebben, hervohr treden usw. 

Darumme de eyn evangelisch prediker wil in eyner stad syn 
unde sorget nicht mit groten vlite vor de arme jöget, dat gude 
kynder scholen wedder werden upgerichtet, dar uth wy mögen 
krigen mit der tid gelerde lüde tom werliken unde geistliken regi- 
mente — de is eyn sachte levent unde nicht eyner honen werd 
unde deyt groten schaden, wente dar na wil eyne grote unwetenheit 
unde düstemisse kamen, to vordunckerende dat evangelion Christi. 
Ick Bwige nu, wo grot sulke ere egene eselye unde Unverstand an 
den dach geven, wen se so unbescheydich vor dem armen volke 
darwedder plapperen. Ick wolde en raden, dat se sick recht under- 
richten leten, unde dat se leten andere lüde seggen van sulken 

saken, dar se nicht van weten 

J. e. willige 

Joannes Bugenhagen, 
Pomer. 



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Hg Urknnden u. Akten zur Geschichte des mecklenbarg. Unterrichtswesens. 

3. 

Zur Einfohrung des Katechismus in den Schul- 
unterricht. 

1532. 1540. 1563. 

a. 

Einfahning von Luthers Katechismus und den deutsehen 

Psalmen. [Vor 1532] 

Editio illa catecheseos minoris facta est 1529. Hi igitur libri 
cum prodiissent et in haec quoque loca et nostram urbem perducti 
essent, mirum in modum promoverunt evangelii yeritatem et ab 
Omnibus, qui eam sectabantur, magna cum aviditate et voluptate 
lecti sunt; atque hoc modo in ecclesiam et scholam catechesis 
Lutheri vivo adhuc Slutero^) introducta est magna cum utilitate 
auditorum et profectu pietatis in iuventute. Simul etiam psahni 
Lutheri Germanici prodierunt, qui in templis et scholis post abro- 
gationem missarum in cultu divino decantati sunt, etiam diebus 
feriatis ante et post concionem sacram idque auctoritate senatus 
etiam accedente. 

b. 
Die Yorrede zum mecklenburgischen Katechismus yon 1540. 

Desse catechismus edder kynder lere ys nicht umme der 
parhem edder prediger willen geschreven, denn me weth gantz 
wol, dat de meiste deel an en so yeel christlykes Vorstandes wol 

Zu 8a: Bei Lukas Bacmeister ,Historia ecclesiae Rostochiensis*, abge- 
druckt in Westphalens Monnmenta inedita, Tom. I. Spalte 1559. Bacmeister 
kam 1562 nach Rostock und ist also ein zuverlässiger Gewährsmann. 

») Slüter starb 1532. 

Zu 8b: Blatt 1 und 2 des Buches S. 347 der Bibliothek der Ritter- und 
Landschaft zu Rostock. Der vollständige Titel lautet: Catechismus edder 
kynder lere, wo de nicht allene inn des marggraven tho Brandenburg und 
eynes erbarn rades der stadt Nürnberg avericheyt und gebeden, sonder ock 
im lande tho Meckelnborch unnd velen andern orden und steden allenthalven 
geprediget wert, den kyndem unnd jungem volcke schrifftlick vorvatet. Tho 
Rostock by Ludowich Dyetz gedruckt. M.D.XL. Der Katechismus ist eine 
niederdeutsche Übersetzung der Kinderlehre des Job. Brenz, welche in der 
Nümbergischen Kirchenordnung von 1533 sich findet und bereits 1534 zu 
Magdeburg gerade so wie die ganze Kirchenordnung niederdeutsch erschienen 
war; s.. Wiechmann-Hofmeiater I, S. 184. 



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Zur Einftlhrung des Katechismus in den Schnlanterricht. 119 

heffit;, gade sy loff, dath se sölcke lere sülvest temliok und nütlick 
wol konden handeln, sonder umme der jungen kynder willen ys he 
uth groter nodt also vorvatet und thosamende gebracht Na dem 
male dat de dagelikesche voryaringe gifft, dat wol kynder leren 
wil, de moth en nicht tho veel up ein mal Torgeven und dat yenne, 
dat he en vorgyfft, vaken und yele*^) mael jümmer dar in eynerley 
wjse unnd worden wedder vordragen. Denn wenn me en ytzundes 
dyth, upp eyn ander mal ein anders ytzundes mit dessem und 
denne mit andern worden vörsecht, so beholden se nicht allene nichtes 
darvan, sonder werden ock men ungeschickeder unn unachtsamer 
tho leren, also se vorhen weren. 

Dewile denn wol tho besorgende ys gewest, dat nicht ein 
jeder parher edder prediker de möye up syck nemen wörde, den 
catechismon also tho vorvaten, dat he en ein mal alse dat ander 
lerede. Dartho ys ock nicht van nöden, eynem yedem in Sonder- 
heit mit solckem arbeyde tho beladen. Ock up dat ydt an eynem 
orde, wo am andern, geholden wörde, welckes by dem gemenen 
manne vel ergemisse vorhödet unn benimpt, so ys en hyr mith 
deßen arbeyde gedenet, upp dat de kinder den anfanck christlyker 
lere van uns desto lichtlyker mögen begrypen und beholden. Wente 
wenn dat geschüt, so werden se nicht allene alle ander lere desto 
beth vorstan, sonder ock fyne frame christlyke geschickede und 
wyse lüde tho allerley christlyken stenden und amptern bequeme 
werden. Dartho schölen billick vader und moder, parhern und 
prediker unnd alle christlyke avericheit vlitich raden, vordem und 
helpen. Dar geve godt syne gnade tho. Amen.^) 

c. 
Ans der Yorrede zum Kleinen Corpus Doctrinae. 

[Wismar, 25. Dezember 1563.] 

Oodt hefft bevalen, dat de olderen ere kinder schölen 

upertehen in der tucht und vormaninge tho dem heren, tho den 



a) S habe ich e transkribiert. 

^) Blatt 4 heißt es: Hyr volgen de tein gebodt, wo de stedes den kjndem 
TÖt]ge8echt und van en heimlick nagespraken schölen werden. Diese An- 
weisimg wiederholt sich beim Glauben usw. und beleuchtet die Methodik des 
Verfassers. 

Zo 3o: Aus der Neuausgabe Wiechmanns, Schwerin 1865, der die 
1. Boetocker Ausgabe von 1565 benutzt Unterschrieben ist die Vorrede : 
Datum Wismar in den hilligen wynachten, Anno 1564. I. f. g. underdeniger 



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120 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichts wesens. 

Ephe. am 6. capit. Dar tho gehöret averst, dat inen en Tan jöget 
up gades wordt yörholde unde se darinne öve. 

Dewyle averst de jöget nicht wol lange uthlegg^nge und vor- 
kleringe der schrifft fahten kan, so erfordert de nodtroffik, dat men 
de hövetstücke christlyker lere fyn kort uth gades worde thosomende 
tehe unde de dersülvigen inbilde, up dat se de desto lichter uth- 
wendig leren, dagelick wedderhalen und ere gantze levenlanck be- 
holden, eren geloyen unde gebedt unde levendt dar nach richten 
mögen. 

Derhalven hebbe ick vor myne kinder körte definitiones aller 
artickel der christlyken lere uth gades worde up dat eintfoldigeste 
thosamende gesettet, welckere do se ock in ander lüde hende ge- 
kamen, byn ick gebeden worden, solcke dorch den druck ene mit 
tho delende. 

Unde dewyle i. f. g.^) ock noch junge heren syn unde in gade 
worde unde dem catechismo dagelick underrichtet unde geövet 
werden, ock daran ere lust unde fröwde hebben unde de wäre 
frucht gades vor ere schöneste kleinöde unde gröteste wyßheit 
achten, unde ick my ock i. f. g., wor mit ick vormach, tho denen 
schuldig erkenne, hebbe ick solck bökeschen, dat umme der jöget 
willen so kort vorfahtet, under i. f. g. namen in den druck wollen 
komen laten, in höpeninge, ydt würde i. f. g. vor godt unde allen 
fromen Christen eine ehre syn, der jungen jöget in der godtselicheit 
vor tho lüchtende unde tho plantinge unde uthbredinge der reynen 
lere orsake tho gevende 



Matthaeus Iudex. Da letzterer schon im Mai 1564 starb, so hat nach Wiech- 
mann S. 9. Iudex nach alter Weise das neue Jahr schon mit dem Weihnachts- 
feste 1563 angefangen. Bei der Wiedergabe habe ich 6 statt S, ü statt ä 
gesetzt. 

1) i. f. g. = Ihre Fürstliche Qnaden, Anrede an die Prinzen Johann und 
Sigismnnd August, Söhne Johann Albrechts I. 



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Die Organisation des Schalwesens in Rostock. 121 



4. 
Die Organisation des Schulwesens zu Eostock. 

1534. 1541. 

a. 
Die Elnrichtimg Ton Sehnlen in den Klostern zn Bestock. 

1534. 

Wat oyerst den dren mönniken klösteren anlangende gewesen, 
hefit in diesem jhare ein erbar radt dorch etlyke personen den 
dominicaner mönneken tho S. Johannis antögen laten, dat dewyle 
de closter anfencklyken tho scholen geordent und bestediget syn 
worden, so wolde ein radt eine latinische particular schole in erem 
reyenter anrichten und stifften. Hyr tho hebben de meisten closter- 
broder eren consent gegeven, de anderen överst hedden leyer ge- 
sehen, dat eine solcke christlutterische schole, alse darben gelecht 
wart, buten der stadt up den koppekenberge^) were gelecht worden, 
und alleine ere mönnekerye im flore mochte syn erholden gebleven. 

Den franciscaner mönnöken tho S. Catharinen ys vormeldet 
worden, nademe se lange tydt mit dem namen pauperes sine defectu 
weren belastiget gewesen, so scholde nu in der dadt und warheit 
erkleret werden, dat ydt ein recht bedeler kloster vor de christ- 
lyken armen personen syn und blyven scholde, derwegen scheiden 
se nemen wat er were und ghan wech, eren staff in einander 
closter setten, und sick na einem andren heren ummesehen und 
bewerven, darup ydt also balde in dissem jare tho einem armen 
huse ys thogerichtet und bestediget, alse ydt dennoch ytzundes 
vorhanden, darinne aver achtentich arme personen geholden werden. 

Dewyle eck in S. Michaelis closter van oldinges her de frater 
monneke darsülvest eine gemeine düdische schole hedden geholden, 
so hefft eck ein erbar radt en anmelden laten, dat se scheiden 
einen godtsaligen düdischen scholemeister holden, nicht der hema 
de junge jöget thor papisterye vorleidede, sondren in gades fruchten 
upertoge, welckes eck also balde gescheen, und syn derwegen eck 
alle andere klipscholen affgesch äffet worden. 

Zu 4a: Bei Qrjse, Historia van der lere, levende und dode Joach. Slüters. 
Bogen £4 and Li. 

^) Koppekenberg, d. i. Richtstfttte,' nach einer gütigen Auskunft von Dr. 
Dragendorff in Rostock ^etwa beim jetzigen St. Georgsplatz '^ gelegen. 



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122 Urkunden n. Akten zur Geschiebte des mecklenburg. Unterrichts wesens. 



b. 

Mandat des Rates za Rostock in betreff einer deutschen nnd 

einer lateinischen Schnle. 

Rostock. 1534. 

Im nhamen Christi. 

Eyn ersame radt mit belevinge der gantzen gemeinde dieser 
Stadt Rostock hefft vor nutte angesehen und entfiaten, dat gude 
bestendige scholen angerichtet werdenn, dar men der borger kynder 
truwelich ynd recht inne lere, den armen so wol alß den rykenn. 
Weicker nu des Vermögens is, de schal dat wontliche gelt vnd 
nicht mer als vorhen in de scholen gegeuen is worden, de ock 
nichts Yormach, de schal vmb gades willen angenamen werden, 
dudesch edder latin tho lerende nha eines idern gelegenheit. 

Derwegen wil ein radt allen inwanern geistlich efift wertlich, 
ernstlich gebaden hebben, dat sich ein ider der privaten scholen 
in den husern jungen tho lerende gentzlick afdho ynd entholde, 
bynnen der stadt ock buten Sanct Jürgen in achte dagen; were 
darnha wol anders befunden, den wil ersame radt straffen laten. 

Were denn jemant, de dar dudesch schrivenn, leßen und 
rekenen begerde recht tho lerende, de mach morgen fro tho 
klockenn tydt vmb achten tho Sanct Michael kamen, dar schal he 
des rades vorordenten vnd gudt bescheit fyndenn. Mit der latinschen 
schol wil ock ein radt mit den alderersten de meninge laten aff- 
kundigen, wor sick ein ider nha richten moghe. 



Zu 4b: Eine Bekanntmachung des Rats, in einem Mandat buche von 
1533 — 1563 auf der Universitätsbibliothek zu Rostock erhalten, abgedruckt in 
den Neuen wöchentlichen Nachrichten 1838. Nr. 15 S. 114, teilweise auch in 
Jahrb. 4, S. 25 Anm. 4, zuletzt von Dr. Ernst Dopp : Aktenstücke zur Geschichte 
des Rostocker Schulwesens im 16. Jahrhundert, 2 Blätter fol. Die Überschrift 
im Original lautet: Anno 1534. Leider ist das Mandat undatiert. Es muß 
jedoch zwischen dem 3. und 9. August liegen, da Gryse beim Jahr 1534 kurz 
vorher ein Datum nennt : Montags nach Vincula Petri = 3. August, und kurz 
nachher: 10. Sonntag nach Trinitatis = 9. August. Dennoch muß das Datum 
in den Anfang des Jahres 1534 hinaufgerückt werden. Zu Anfang des Jahres 
1534 nämlich verließ Oldendorp Rostock und ging nach Lübeck , erst im Juli 
kehrte er zurück. Aus der folgenden Urkunde vom 29. August 1534 geht aber 
hervor, daß das eben eingerichtete Schulwesen in seiner Abwesenheit verfallen 
ist und nun erneuert werden soll. Mithin fUllt die erste Organisation des 
Rostocker Schulwesens in den Anfang des Jahres 1534. Siehe hierzu Krabbe, 
Die Universität Rostock im 15. und 16. Jahrhundert. 1854. S. 406. Anm.; aber 
auch Dopp, Aktenstücke. 



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Die Organisation des Schulwesens zu Rostock. 123 



Die Reaktion gegen die nene Schalorganisation. 

Rostock. 1. und 9. Dezember 1534. 

Noch hefft de gemene den vorordenten borgern upgeleoht, 
myth dem er.^) rade tho handelen, dath de scholen mochte wedder- 
umme by de kercken gelecfat werden, darumme dath in der itzigen 
angestelden scholen de kinder mercklich vorsumeth wai in nenem 
dwange geholden; dartho isset velen borgern tho veme und un- 
bequeme, ere kinder fio Terne dorch de stadt thor scholen tho 
senden, mochten derhalven in yarlicheit des lyyes underwegen 
kamen . • . 

Na begere der gemente hebben de vorordenten borger dem 
rade eck Yorgeholden, dat de radt de scholen wolde wedder by 
de kercken leggen, uth orsaken, wo vorgescreven. 

Hyrup hefft de radt geantwordet, dath idt itzundes de tydt 
nicht lyden wyl, de scholen uth dem kloster wedder tho nemende, 
uth orsaken dath velichte alßdenne ander hoge lüde up dat kloster 
ein oge werpen mochten, dath velichte der stadt tho nadele reycken 
mochte. 



Beschwerden des Rechenmeisters zn Rostock. 

Rostock. 1. April 1541. 

Erbaren vorsichtigen wolwysen hem, jwen erbaren wysheiden 
sindt myn underthenige gehorsame denste thovorn. Ersame wol- 
wyse hem, ick geve jven e. w.^) frundtlicher wolmeninge tho er- 
kennen, dat ick tho dem scholdenste tho Sunte Johannes vorvordert 
byn durch meyster Jacobus Raven, de sulffte hefft my gebrachtt 
tho den vorordenten schole herren also her Marx Luskoven und 
her Hinrick Gultzowen, dar wy denne samptlicken up beiden teiln 
aver eyn sint gekamen ein jar langk, so hefft sick ergenante mester 
Jacob wedder de ordinancien und geloffte der framen herren se 
my domals gelavett dar an gestreckett und darwider gedan, nemlich 



Zb 4c: Aus den Bürgerschaftsakten des Rostocker Ratsarchivs. 

^) d. h. dem ehrbaren Rate. 

Zu 4d; Nach dem Original im Rostocker Ratsarchiv. Adresse: Denn 
erbaren ersamen unnd wolweysenn hernn burgermeistemn unnd radttmannenn 
der stadtt Rostock mynen gunnstigenn herm. 

^) d. i. ehrbare Weisheiten = Anrede an den Rat. 



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124 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburi^. Unterrichtswesens. 

also ungeverlich vieff effte soes weken für wynaohten hefft he de 
dudeschen jungen utt dem rempter genamen und manck de lati- 
niflchen gesettet; forder mer hefft he ook gelt und gesehene ke 
gename& Tan fremden unde utt landesiken jungen, utt myner scholen 
dat ehm nicht behorde, sonder my geeyget hedde, na deme con- 
tracte alse my gelayett wartt. Darto hefft sick under stan in syner 
scholen eck dudesk tho leren und endt toch my Yor der tidtt all 
de besten jungens, wente sines bedunken wolde he hebben, ick 
scheide em datt geltt Tordenen, he woltt in de tascken stecken, 
ock settede he my in dem samer de jungens by de rekens taffei, 
ick lere se rekenschop, he borde datt geschencke. Solcke imingen 
und gebrecken hab ick den vorberorden vorordenten hern offtmals 
angethogett und angelegen, averst velichte mit eynes er baren 
rades geschefften beladen also darin vorhindertt unde my niwerle 
beandtwortet. Derhalben bidde ick, eyn erbare und wolweysen 
radtt desser loblichen stadtt Rostock wolde my armen manne hir 
inne bohulplick und frundtlicken beandtworten, wes ick my gentz- 
licken holden scheiden edder tho vorlatinge. Ich yorhape my ock, 
des ein ersam raedtt werde my der achterstelligen belonungh, de 
my noch rest, alse IfTT gülden neuen affbrocke dhon, dewile ick 
im altidt willick gesportt erfunden worden, wiewol de almechtige 
gott weitt, dat ick eyn seer geringe Stipendium hebbe, des jars 
16 gülden und neue accidentalia mer, dartho ayerst M. Jacobus 
Baven ist sin Stipendium wol so guett, als myn und der andern 
aller und hefft alle giefft und gave dar to, nemlich inspringer geltt, 
kerckmissen geltt, meyen geltt, holtt geltt und wes des mer ist. 
Averst my und ein andern mackett he firoett,^) idst is neue wise, 
gelicker arbeidt moet woel gesehen, ovQrst ungelicke beringe is 
dar kegen, bidde nochmaels hier up ein frundtliche andtwordtt van 
eynem ersamen rade, datt will de almechtige gott jwen erbaren 
wisheiden unnbelovett nicht laten und willt mynes hogsten vor- 
moegens nachts und tags in aller undertanigkeitt thovordenen willich 
sin, kennet gott dem ick iw. e. w. in seligem und langduren regi- 
mentt tho fristen bevhele. Datum Rostock etc. des fridages nach 
mittfasten. Anno etc. 1541 der weiniger zall 

i. e. w. 
wUliger und gehorsamer 

Laurencius Heynem 
rechenmeister. 

') d. i. weißmache Q. 



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Aus der Kirchenordnnng der Hansestädte etc. 125 



5. 

Aus der Kirchenordnung der Hansestädte Lübeck, 

Bremen, Hamburg, Bostock, Stralsund und 

Lüneburg. 

Hamburg. 1535.^) 



Yan den stücken, so vornem- De bis, quae ad doctrinae et 
lyken geachtet werden, einicheit ceremoniaram concordiam ser- 
in der lere und den ceremonien, vandam potissimum videntur per- 
in dissen steden thoerholdende. tinere in his urbibus. 

IV. Wy achten ock nödich syn, IV. Utile putamus, ut, quantum 
dat in den offentlyken ceremonien fieri potest, concordia aliqua in 
80 yele mögelick, eine glyckfor- ceremoniis publicis servetur, nam 
micheit möge geholden werden, usucomperimusjhominessimplices 
Denn wy erfaren ydt in dem ge- et modestos, qui christianam liber- 
bmke, dat de sympelen und eint- tatem non satis tenent, yalde of- 
foldigen, so de cfaristlyke fryg- feudi morosa ista varietate cere- 
heit nicht genoch vorstan, dorch moniarum. Proinde recepti ritus 
deuntydigeYorenderinge dercere- in cantando retinendi sunt in 
monien sehr geergeret werden, templis iuxta praescriptum ordi- 
demna so ys der angenamener narium, donec generali concilio 
gebruck in den kercken tho sin- melior ceremoniarum ratio con- 
gende na der Yorgeschreven or- stituatur, saltem ut interea opera 



Zu 5: Der deutsche Text findet sich bei Gryse, Historia van der lere, 
levende und dode Joach. Slüters. Bogen Le bis Ms, der lateinische bei Grapius, 
Das evangelische Rostock. 1707. S. 228—241, beide bei Schröder, Kirchen- 
historie des evangelischen Mecklenburgs. 1788. LS. 301 ff. S. 308. 309 erwähnt 
Schröder noch andere Abdrücke. Ich benutzte den Gryseschen Text, da ich 
weder im Ratsarchiv noch im Archiv des geistlichen Ministeriums zu Rostock 
einen andern finden konnte. 

*)' Nach Gryse, Bogen Ls war die Zusammenkunft der Theologen auf dem 
Hansetage am 15. April 1535. 



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126 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünterrichtswesens. 

clenung tho holdende beth dat detur, ut asus psalmorum et Latina 

in einem gemeinem concilio eine cantica de tempore, ut vocant, 

beter art der ceremonien voror- maxime retineantur in ecclesia 

dent wert, doch dat middeler propter iaventutem, et ut populus 

wyle vlyth werde angewendet, intelligat necessarium usum esse 

dat der gebruck der psalmen und Latinae linguae in ecclesia, quae 

der latinschen gesenge, so up alioqui contemnitur a Tulgo tan- 

yder tydt gehören, in der kercken quam inutilis et perniciosa ad 

Yornemlyken umme der jöget religionem christianam, interim 

willen geholden werden, und dat tamen ne suo exercitio careat 

ock dat volck Yorsta, dat der ge- populus, inspergendae sunt su- 

brück der latinischen sprake in binde Germanicae cantiones. Nam 

der kercken nödich sy, welcker si Germanica tantum caneren- 

sonst Tan dem gemeinen manne, tur, fieri non posse, quin sen- 

alse unnödich und der christlyken sim vilesceret religio, ut tandem 

religion schedtlyck geachtet wert, omnis decor ceremoniarum pror- 

Middeler wyle överst, up dat sus interiret 

dat gemeine volck in der kercken 

nicht stedes möge stille syn, syn 
ock de düdischen psalme mit 
under thogebrukende, denn so 
alleine düdiech gesungen, worde 
ydt nicht feylen, dat nageradede 
gadesdenst und alle zyrheit der 
ceremonien worden tho nichte 
werden. 

VIII. Under anderen gewönt- VIII. Praeter alias conciones 
lyken predigen is sonderlyken de ordinarias unius catechismi doc- 
lere des catechismi stedes flytigen trina sedulo et diligenter incul- 
dem volcke vorthodragende und canda est populo, explicanda quo- 
tho gewisser tydt eintfoldigen und que nonnunquam certo tempore, 
düdtlyken vor de kinder und un- idque simpliciter et crassissime 
erfaren na einer yderen stadt pro pueris et rudioribus, prout 
beste gelegenheit tho erklerende. commodum est unicuique civitati. 

IX. De olde tucht der kercken IX. Utilissimum sane esset re- 
disciplin thoholdende were nicht vocari exemplum veteris dis- 
undenstlick, dat etlyke male des ciplinae ecclesiasticae, ut aliquo- 
jares de knaben und medelin in ties in anno privatim audirentur 
Sonderheit vorhöret worden, wat adolescentes et puellulae confi- 
se uth den predigen geleret tentes, quid ex concionibus didi- 



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Aue der Kirch enordnung der Hansestädte etc. 127 

hedden, up dat mit der wyse de cerint, ut hoc pacto paulatim in 
jöget, 80 Bonst ane tucht und una revocaretur iuventus, quae 
gades frucht dat jhar hendorch alioqui dissolutis moribus vivit 
levet und nicht bedencket, wat toto anno sine timore dei neque 
86 in erem berope na gades ge- cogitat, quid facere teneatur in 
sette tho donde schüldich , tho sua vocatione iuxta praecepta dei, 
rechte gebracht werde, ock de opus esset eadem paedagogia 
so tho eren jaren gekamen und propter alios rudiores quanquam 
noch unvorstendich syn, nevenst natu grandes, item et propter 
den armen dardorch mochten ge- mendicos. 
betert werden. 

Overst solcken arbeidt thovor- Sed ad hos labores subeundos 
richtende syn nicht genoch de, so non sufficiunt illi, qui nunc docent 
nu dat evangelium predigen, de- evangelium, qui alioqui plus iusto 
wyle de doch genochsam wegen grayatisuntconcionibusinnumeris, 
eren velen predigen besweret syn, proinde necessarium esse videtur 
derwegen were nödich, dat men praeter illos, qui docent, etiam 
ane desülven, de dar leren, noch ministros habere, qui istos labores 
andere kercken dener hedde, de in se reeipiant et curam infir- 
solcke arbeidt up sick nemen morum habeant in consolando et 
und de krancken vorsorgeden mit dispensando sacramento , ut qui 
tröstende und vorrekung der docent, orationibus, studiis et con- 
sacramente , up dat de anderen cionibus intenti nulla alia graviori 
lerer wegen eres gebedes, stu- molestia distrahantur. Fieri enim 
derendes und predigendes dorch non potest, ut unus omnibus et 
andere grote beswerung nicht tam variis laboribus possit satis 
vorhindert worden, denn ydt un- facere. 
mögelick, dat einer alleine und so 
mennigerley arbeidt kan genoch 
don. 

X. So vele anlanget der gegen X. Quantum attinet ad prae- 
werdiger thostandt der kercken, sentem ecclesiae statum, non po- 
so kan nicht in dissen steden de test sincera praedicatio evangelii 
reine lere des evangelii lange er- conservari diu in his urbibus, prae- 
holden werden, sonderlyken tho sertimintantapravitatetemporum, 
solck einer bösen tydt, wo nicht nisi pii et eruditi praedicatores 
godtfrüchtige und gelerde predi- fideliter doceant. Proinde ma- 
ger trüwlyken leren, darumme so gistratibus •) in urbibus operadanda 
moth de overicheit disser stede est, ut bonos et eruditos yiros 



a) statt „magistratus". 



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128 Urkunden u. Akten zar Geschichte des mecklenbarg. Unterrichtswesens. 

flyth anwenden, dat se gude und aocersat eoeque dignis et honestiB 

gelerde lüde förderen und ock stipendiis alat. Atque huo per- 

desülven mit geborlyker und ehr- tinet quoque, ut studeat magi- 

lyker besoldung erholde, dartho stratusconseryarepublicasscholas, 

denn ock dyt gehöret, dat de et ut honesta mercede alantur 

OYericheit ock de gemeine scholen praeceptores, qui iuyentutem recte 

erholde und de scholemeister de et fideliter instituant. Idem sen- 

jöget recht und trüwlyken under- tiendum de puellarum scholis in- 

richtet, mit ehrlyker beeoldung stituendis ad exemplum quanin- 

vorsehe, also denn ock solckes dam urbium. ..... 

by den megede scholen antho- 
richtende na etlyker stede in gude 

acht tho nemende ys 

XI. Idt ys nein twyfel, dat de XI. Dubium non est prayam 

Yorkerede lere der wedderdöper anabaptistarum doctrinam ac er- 

und de erdom der sacramenterer rorem sacramentariorum poenam 

straffe der sünden und unser un- peccati et ingratitudinis nostrae 

danckbarheit wedder dat wäre esse, erga verum evangelium, 

evangelium syn. Derhalven schö- ideo diligenter admonere debent 

len de prediger dat volck flytich praedicatores populum, ut magni 

vormanen, dat se dat wäre wordt faciat verum verbum et libenter 

grodt achten und na Christi be- ac saepe utatur vero sacramento 

fehl gerne und offt dat wäre sa- iuxta praeceptum Christi, et ut 

cramente gebruken, und dat ein quisque paterfamilias suae fami- 

yder huävader gude acht up syn liae curam habeat eamque ad- 

gesinde hebbe und desülve vor- moneat, ut aliquoties in anno 

mane, dat se etlyke mahl im confiteatur et communicet. Om- 

jhare thor bicht und h. sacramente nino enim opus est calcaribus qui- 

ghan, denn ydt ys hochnödich, busdam oportune et importune 

thor rechter und unrechter tydt urgeri iuventutem rebellem, quae 

de wedderwillige jöget darben si suis desideriis permittatur, suc- 

thodrengende und dartho hardt crescit et vivit sine uUo timore 

thoholdende, welckere, wenn men dei et putat se nullis le^bus 

en den tögel tho wydt werde teneri. 
laten, ane gades fruchte upwasset 
und levet und meinen, dat se an 
nein gesette verbunden sy etc. 

XY. De kerckengüder recht XY. In bonis ecclesiasticis recte 

antholeggende kan neue beter conferendis melier et utilior ratio 

und nütlyker wyse erfunden wer- non potest inveniri, quam ut inde 



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Aqb der Eirchenordnung der Hansestädte etc. 129 

den, denn dat darvan de prediger alantur praedicatores et ministri 

und kercken dener werden er- ecclesianim, et ut maneant vir- 

holden, und dat desülven blyven tutum ac studiorum praemia, nam 

besoldung der dögeden unde in alium usum translatis eccle- 

leroDgen, denn de kerckengüder siarum bonis fieri non poteet, quin 

tho anderem gebruke wenden, religionis conservatio et studia 

werde Yolgen, dat de erholdung literarum proreus intereant, sine 

der religion und de lere gentz- quorum praesidio neque in ecclesia 

lyken underghan, ane welckere evangelium neque recta admini- 

hülpe beyde, dat evangelium in stratio in rebus publicis potest 

der kercke, noch rechte regerung consistere, maxime hoc tempore, 

des gemeinenbesten, bestankönne, quo nemo aliquid conferre vult 

Yomemlyken tho disser tydt, dar ad servanda studia literarum et 

nemandt tho erholdung des stu- pietatis. Itaque consulere debent 

derendes und godtsalioheit etwas magistratus posteritati, ut non 

wenden wil, darumme so schal temere distrahantur illa bona 

de overicheit der uakömlinge ecclesiarum, sed in suo ordine 

beste ock hyrinne beforderen, conferantur viris dignis et utOibus 

dat de kercken güder nicht lichtly- in ecclesia et republica. Atque 

ken wechgerapet werden, sondern utinam huic consilio acquiescerent 

in erem rechten gebruke blyven omnes boni magistratus. 
und wolvordeneden und nütten 
menneren in der kercken und dem 
gemeinen besten mitgedelet wer- 
den. Wolde godt, dat dissem rade 
alle löfflyke overicheit nakamen 
mochten. 

XVn. Wat anlanget de orde- XVII. Quod ad ordinem cere- 

nnng der ceremonien, syn wy moniarum attinet, ita inter nos 

des under uns einich, dat hen- convenit, ut iam amplius nuUa in 

forder in den kercken disser stede harum urbium ecclesiis sit magna 

neine grote enderung sy, dardorch varietas, quae quemquam possit 

jemandt konde geergert werden, offendere, et habet quisque ex 

und hefft ock ein yder hyrher ge- missis praedicatoribus eins rei 

sandte prediger disses valles eine descriptam formam, ad quam in 

schrrfftlyke forme, dama in dissen his urbibus se praedicatores attem- 

sieden de prediger sick schicken perabunt. 
werden. 

In den ceremonien schal disse In ceremonüs hie ordo serva- 

ordenung geholden werden. bitur: 

Monnmenta Oennaniaa Paedagogica XXXVUI 9 



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130 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünterrichtswesens. 

Des sondages in der metten Diebus dominicis in matutinis 

schal erstlyck der latinsche cate- legendus primum catechismus 

chismus gelesen werden, darna Latinus est, deinde cautandi duo 

schölen twe edder dre latinsche yel tres psalmi Latini cum anti- 

psalmen mit den antiphen und phona et responsorio de tempore; 

dem responsorio van der tydt ge- postea lectio una Latina et altera 

sungen werden. Darnegest eine Germani'ca ex sanctis literis pro 

lection up latinsch und eine up ratione temporis, Te deum lau- 

düdisch uth der h. schrifFt na er- damus, Latine; his addi potest 

forderung der tydt. godt, wy Benedictus, Zachariae canticum. 

laven dy, latinsch. Dissen kan In missa introitus de tempore, 

thogedan werden dat benedictus, Kyrie eleison. Gloria in Excelsis 

des Zachariae gesanck. In der Latine, nonnunquam Germanice. 

Misse,introitus van der tydt. Kyrie- Collecta. Epistola. AUeluja, de 

leyson. Gloria in excelsis, latinsch tempore, sequentia, item de tem- 

averlanck de düdische collecta, pore evangelium, symbolum apo- 

de epistel, halleluja, de tempore, stolorum, praefatio Latina, sanctus, 

sequentia. Item dat gewöndtlyke exhortatio Pomerani de usu sa- 

evangelium, de apostolische ge- cramenti propter communicaturos. 

love, praefatio latina, sanctus. D. Oratio Dominica, yerba coenae 

Pomerani Exhortation van der seu testamenti et canticum Ger- 

nütticheit des sacramentes, umme manicum de sacramento. Agnus 

der willen, so ydt entfangen. Dat Dei. Collecta cum adiuncta bene- 

vader unse und de wordt der in- dictione ad populum. 
settung des avendtmals edder 
testaments, einen düdischen psalm 
vam sacramente. lam gades. 
De coUecte nevenst dem ange- 
hengeden sogen thom volcke. 

In der yesper syn twe edder In vesperis cantandi duo yel 

dre psalm mit der antiphen und tres psalmi cum antiphona et 

dem responsorio na erforderung responsorio de tempore, hymnus 

der tydt tho singende und den de tempore addendus, Magnificat, 

hymnus de tempore dartho, ne- et collecta etc. 
yenst dem magnificat und col- 
lecten. 

Dytsülye hebben de hema ge- 
nömeden söä prediger der söfi 
benaberden stede, up erforderung 
der oyericheit eines yderen ordes 
anno 1535. tho Hamborch ein- 



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Ans d. Kirchenordnong d. Hansestädte etc. — Landesherrlicher Befehl etc. 131 



heilich thosamende geordenet 
unde mit eigener handt under- 
schreven. 

Hermannus Bonnus van Lübeck. 

Johannes Amsterdammus van 

Bremen. 
Johannes EpinnsvanHamborch. 

Henricus Techens van Rostock. 

Jobannes Enipstro vam Stral- 

Bunde. 
Henricus Ratebrochius van Lü- 

nenborch. 



Hermannus Bonnus, Lubecensis 

subscripsit. 
Johannes Amsterdammus, Bre- 

mensis subscripsit. 
lohannes Aepinus, Hamburgen- 

sis subscripsit. 
Henricus Techens, Rostochien« 

sis subscripsit. 
lohannes Enipstroh, Stralsun- 

densis subscripsit. 
Henricus Ratbrochius, Lünae- 

burgensis subscripsit. 



Landesherrlicher Befehl an Ratsherrn nnd Kirchen- 
geschworene, Schnlen zu errichten. 

[Stargard. 1535.] 

Instruction 
was unsere herzog Henriges predicanten 
er Egidius Faber und er Niclawes Kutzs als vor unser verordente 
Tisitatores der pfarren und predicanten in unsem eygenen stetten, 
ampten und vogedien, beide under uns und under unsem under- 
tanen, ock yn den steden und ampten, unserm bruder und uns 
semptlich zugehörig,^) gesessen, mit den selben pfarrem und predi- 
canten itzlichs ords in sunderheit, doch alleyne der orthe, da das 
wort gods zu predigen angefangen ist, handelen und außrichten 
sollen. Erstlich • . . . 



Zu 6: Ans der Instruktion des Herzogs Heinrich för die erste Eirchen- 
visitation, abgedruckt nach dem im Geh. Archiv zu Schwerin befindlichen 
Konzepte in Jahrb. 8, S. 40—42. Das Datum ergibt sich aus einer Kanzlei- 
registratur auf der Rückseite des Konzeptes. 

*) Die gemeinsamen Städte waren 13: Woldegk (seit 1534), seit 1520: 
Rostock, "Wismar, Parchim, Brandenburg, Friedland, Schwerin, Güstrow, Waren, 
Röbel, Malchin, Stemberg, Teterow. 

9* 



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132 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

Item wenn nhu solchs alles oberurth eyns ifzlichen ortes mit 
den pfarren und predicanten beredeth und auBgericht ist, sollen 
ßie auch darnach den radt und kirchgesworen zu sich erfordern 
und denselbigen in byweßen des pharrers und predicanten an- 
zeichen, das m. g. h. vor gantz guth und nutze ansieht, eynen 
gemeynen kästen auffznrichten in der kyrcfaen, war huß arme leuthe 
und diener des words gods, und auch s. g. gefallen wolthe, das 
szie, wo solchs vorhin nicht gescheen, eine schule vor de kynder 
und jungen aufrichten und sich darzu myt eynem gelerten Schul- 
meister besorgen mochten, der die kynder in der hilligen schrifft 
imd andern guten kunsten und tugenden underwysende und inen 
dameben die verdeutschen psalmen und geistliken gesenge singen 
leren und deselben myt ihnen, wie m andern steden und landen 
gebruchlicher ist, got zu lobe und ehren auff die feiertage zu eher 
singen und also in gods furcht erzogen werden, dardorch die selben 
ire kynder zu gelerten und verstendigen leuthen, dem gemeynen 
besten zu dinst und nutz gedeyhen imd erwachssen mügen. 



Der Befand des Schulwesens in der ersten 
evangelischen Kirchenvisitation. 

[1535.] 

Hymach folgen dy ortt und stette, welche wyr auf dysmal 
visitirt haben, etliche e. g. allein, etliche e. g. und ewerm heren 
bruder zugehörig, und dafür uns verboten, alle pharheren und dy 
so sich hören lassen, das sy gottes wort predigen, nicht allein ynn 
den stetten, sondern auff den ampten, bropsteyen und vogedeyen, 
nach lautt der credencz und Instruction.^) 

Warne.«) 
Da haben sich die geistlichen zimlich yns wort geschicket, 
und wo sy noch fehl haben, sich bessern, yr Idrchengeseng halten 
sy wye vorhyn etc. 

Zu 7 : Aus dem YisitatioiiBbericht, der nach dem Original in Jahrb. 8, 
S. 43—51 abgedruckt ist. 

^) Siehe die Urkunde No. 6. 

*) d. i. Waren am Maritzsee. Wie schnell sich das Schulwesen besserte, 
zeigt die Nachricht von der Visitation der Jahre 1540 — 42 in ürk. Nr. 9. 



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Der Befand des Schulwesens in der ersten evangelischen Kirchenvisitation. 133 

Da steht dy schule gancz wüste, dy Jugend wyrd verseumet. 
Sy haben keinen gotteskasten auffgericht; was sie noch thuen wollen 
aufF unser vermanung, wissen wyr nicht. 

Malchyn. 
Da haben wyr hyn verbotschafft den predioanten auss Detro,*) 
weil er sich hat hören lassen, er predige das ewangelium recht, 
aber ym examiniren ist er erfunden eyn ungeschickt, ungelert man, 
der noch Yom glauben, noch Tom ewangelio, noch Yon Torsorgung 
der Seelen weys, und doch gancz vermessen, als künde ers besser 
dann kein ander. 

Der kirchher zu Kemyn*) yst eyn ungeschickt ungelert man, 
hatt keynen rechten versthande, wye man dy sacrament gebrauchen 
und was nucz darauss khompt. 

Der kircher zu Hohen Sprencze^) weys auch keynen rechten 

verstand und brauch der sacrament, füret also eyn blinder den 

andern etc. 

Tessyn. 

Da yst ein dorffpharher gancz ungelert, wer besser zum hirten 

auffs felde, denn czum Seelsorger, seyn nam heist Nicolaus. 

Swan. 
Er Joachim pharher zu Camps*) yst ein ungelert, blind, un- 
verstendig man und gancz ungeschickt zum Seelsorger. 

Von Schwan wolden wyr durch Buzow gen Waryn, aber her 
Eersten,*^) yr prediger, quam unß auff der Strasse entgegen, hatte, 
wyr mochten über nacht da herbergen umb etlicher Sachen willen, 
das ewangelium belangende, da bliben wyr, und das folk sampt 

dem ratt versamleten sich und beklagten, Czum andern 

sprachen sy, das dy pharkirch und dy schule nicht vom capitel, 
sondern vom statfolk gebawet yst, der halben begeren sy yr 
kirchen und schule wider für sich zu gebrauchen, und baten uns, 
wyr wöUens e. g. anzeigen, auff das sy czu yrer erbkirchen wider 
quemen, wo nicht, szo gedenken sy weiter keyn hulff und stewr 
zur kirchen und schule zu thun, sondern sy lassen verfallen und 
verwüsten 



») d. i. Teterow. 

*) Cammin ist ein Dorf bei dem Städtchen Laage. 

■) Hohensprenz ist ein Dorf bei Schwaan. 

*) Eambs ist ein Dorf bei Schwaan. 

"*) d. i. Christian, der Reformator von Bützow; s. Jahrb. 16, S. 125 ff. 



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1 34 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtewesens. 

Grabaw. 
Da hat der kircher eyn hum bey sich, sunst steht es wol da. 

Grevesmölen. 
Nache bey der statt yst ym Dorff Bossaw eyn kircher, er 
Curd, eyn grober, unverstendiger man, welcher noch nicht recht 
den glauben khan sprechen, yst darzn eyn öffentlicher hurer und 
grober unbeschnittener papist. 

Denn®) wo e. g. nicht halten wirdt über dyse visitacion (welche 
khaum eyn schatten yst einer rechten visitacion) und nachdrucken, 
szo wirt sy schedlicher sein, denn szo sy nye geschehen wer, welches 
wir e. g. zu betrachten wollen heimgestellet haben, 

Umbgeschriben und eintrechtig übersehen durch unß visitatores, 
wollen wir uns da mit gancz unterthaniglichen e. g. befolhen haben 
yn gnaden solchs gegen uns zu erkennen. 



8. 

Die Mitwirkung der Schüler im Gottesdienst nach 
der Kirchenordnnng von 1540. 

Thom ersten, wenn de prester thom altar kumpt, so mach he 
dat confiteor, edder wat en syne andacht erynnert, spreken, dama 
den introitum lesen, doch dath he uth der hillygen schrifft genamen 
sy; dewile schölen de schölers, wor me scholen heflft, den introitum 
ock syngen latinisch. Wor me averst, also in dörpem, tho sölckem 
latinischen gesange nicht lüde hedde, dar schal me eynen christ- 
lyken düdeschen gesanck na gelegenheyt eines yedem ordes syngen. 
Wo averst dath volck sölcke gesenge nicht könde, so schöUent de 



*) Im vorhergehenden war gefordert, daß religiöse Irrlehre ausgerottet 
werde. 

Zu 8 : Aus „Eercken ordeninghe, wo ydth van den evangelischen predi- 
canten und kercken deners mit den ceremonien und gades densten in deme 
forstendome Megkelnborch geholden schal werden. Gedrucket in Rostock dorch 
Ludowich Dietz 1540", und zwar dem Abschnitt: 

Ordeninge der misse, wo se geholden schal werden. S. 106<^— 125^ Aus- 
gelassen sind hier die Kollekten (S. 107«^— 115»), das rein Homiletische, das 
den Chor nicht betriflft, auf S. 115». 116, sowie die Gebete S. 119»>. 120». 
121—123. Zur Kirchenordnung von 1540, welche ein niederdeutscher Druck 
der Nürnberger ist, s. Jahrb. 63, S. 215 if. 



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Die Mitwirkung der Schüler im Gottesdienst etc. 135 

parhem anrichten dem volcke tho lerende; so veme averat hyrvör 
inn eÜyken steden und flecken de introitus und andere der gelyken 
gesenge yn düdescher sprake angerichtet weren edder noch worden, 
darby mach ydt ock bliven. 

Dama schal he lesen dat kyrieeleyson und Et in terra lati- 
nisch, und de schöler edder dath volck schall ydt syngen latinisch 
edder düdesch, wo se idt im gebruke hebben. Als denn kere syck 
de prester tho dem volcke unnd spreke edder synge: Dominus 
Tobiecum edder: De here sy mit yuw. Dem sülven volget den 
eyne edder mehr coUecten nha gelegenheit der tydt unnd vor aller- 
ley anlyggende nodt der christenheyt. Und de wyle de sülven in 
der stede der gantzen gemene gespraken werden, schal me se up 
düdesch lesen, up dat dat volck de sülven hören und vorstan und 
im herten dewyle ock also gedencken und beden möge 

Na dem gebede schal me lesen ein capittel uth den episteln 
der apostole Pauli, Petri edder Johannis up düdesch, dat schal he 
also anheven 

Na der epistel mach he lesen ein alleluja mit synem versch 
latinisch edder ein gradual ^) uth der hillygen schrifft genamen, dat- 
sülve mögen ock de schölers latinisch syngen. 

Dama schal he avermals lesen ein capittel uth dem evangelio 
edder uth den geschefften der apostole und den anheven dath 
credo, dat schölen de schölers latinisch syngen, wo de gebruck ys, 
edder dat volck schal den geloven düdesch syngen. 

Darup schal denn an den fyrdagen de gewönlyke predekye 
volgen. Na der predekye schal volgen dat aventmal unses heren 
Jhesn Christi. 

Dama^) volget dat sanctus latinisch edder düdesch, darup also 
balde: Oremus, praeceptis salutaribus moniti et divina institutione 
formati audemus dicere: Pater noster, Dama also balde: Pax domini 
sit semper vobiscum etc., edder upp düdesch, wo ydt hyraa volget. 

Dewyle dat geschöt *) schölen de schöler syngen Agnus dei etc. 

Wer averst nicht schölers vorhanden synt, mach de gemene 

dat Agnus dei up düdesch edder ein ander, dat dem worde gades 



^) Das Gradnal enthält die Psalmen (Gradnalpsalmen), welche ad gradus 
bei den feierlichen Prozessionen in der Kirche gesungen wnrden. 
*) d. h. nach den Einsetzungsworten. 
*) d. h. die distribytio des Leibes und Blutes. 



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136 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichts wesena. 

und gelegenheit der tydt gemete ys, syngen, wo me dat ym ge- 
bruke heflft. Und wo de velheyt des volckes so groth ys, dath 
ydt syck lange vortüth, so schal me nicht alleyne ein communio 
(ttth der hillygen schryfft genamen) syngen, sonder mach und schal 
ock wat mehr syngen, beth dat dat volck alle berichtet ys, alse 
dat responsorium, Discubuit edder wat für der schrifft gemete ys. 
Wenn nu dat volck alle berichtet ys, so schal me averst eyn gemene 
gebedt up düdesch apenbar spreken, dath schal ein danckseggynge 
syn, also 

Wenn syck averst up de dage, an welckeren me vormals 
plach misse thoholden, nemandt ansede, de dat hillyge sacramente 
entfangen wolde, so schal inn der stede der misse desse navolgende 
Ordeninge geholden werden, idt were denn, dat so weynich lüde 
edder ghar nemandt dartho ginge, dat ydt mit weten mid wyllen 
der avericheyt darsülvest edder der gantzen gemene möchte under- 
wegen blyven, wo denn in den Dörpern an den werckeldagen ge- 
sehen möchte. 

Anvencklick schal me eynen psalm, twe edder dre, na dem 
se lanck edder korth synt, syngen, besonderlick averst am sondage 
dath symbolum Quicunque vult schal an der stede des losten psalms 
gesungen werden, darup ein antiphona uth der hillygen schrifft, 
dama ein capittel uth den episteln Pauli edder der andern apostel 
lesen, nha dem capittel eynen düdeschen sinck edder latinischen, 
de kort und dem werde gades gemete sey. Darna avermals ein 
capittel uth dem evangelio. Na dem evangelio den lavesanck, 
Te deum laudamus edder einen hymnum de tempore, der der hillygen 
schrifft gelickmetich ys. Darnha schal me dre düdesche collecten 
edder gemene gebede den 

Thom lösten schal me besluten mit dem Benedicamus domino 
und mit einem düdeschen sogen, wo by dem aventmale vorhen 
gesettet syn. 

De vesper schal ock tho gewönlyken tyden na gewönlyker 
ordeninge geholden werden, allene dath me vor dat latinisch 
capittel ein düdesch capittel lese uth dem olden testamente. Hedde 
averst yemandt düdesche gesenge angerichtet edder wolde se noch 
anrichten, dem schölen se fry syn, allene dat me de latinische 
sprake nicht gantz uth de kercke dryve, denn wenn de uth der 
kercke queme, so wörde se ock in den scholen affhemen, so kan 
me gades wordt edder de reyne lere nicht erholden ane de er- 



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Die Mitwirkung der Schüler etc. — Das Schulwesen in der Visitation etc. 137 

kenteni&se der hövetspraken, inn welckeren de hillyge schrifFt annd 
andere künste unnd wyßheit vorvatet ys. Danimme ys natte und 
gudt, dat de sohöler und kercken dener der hillygen schrifft van 
yöget up gewanen, am alder meysten in der sprake, dar se am 
alder reynigesten in Yoryatet, gehandelt unn uthgelecht ys. Dar- 
umme hefft ock de hillyge Paulus vormanet, me schSle de tungen 
und spraken nioht weren edder affdon. 

In den Bti£Eten unn klöstern schal ydt mit dem dageampt ge- 
holden werden, wo in den andern parkercken 



9. 
Das Schulwesen in der Visitation von 1541—1542. 

[1.] Etzliche artiokell, so die verordente Yisitatomn er^) Johann 
Kbelingk, er Joachim Eukenbieter unnd magister Simon Leupolt 
aus christlichenn bevelich des durchleuchtigenn hochgebomenn 
furstenn und hemn hern Heinrichs hertzogenn zu Meckelnnburgk 
etc, wie maus in seinenn furstlichenn gnadenn stedtenn und ampternn 
hinfurder ordenntlich haltenn solle anno CXL ahnn montage nach 
visitationis Mariae angefangenn und verordennt. 

Erstlich soll der predicantt denn catechismum mit allem 
yleisse dem volcke predigenn und lerenn alle sontage, sonderlich 
im sommer des morgends vor der missenn predigte, im winter aber 

Zn 9: Nach dem OriginalvisitationsprotokoU im Geheimen und Haupt- 
archiv zu Schwerin. Die Reinschrift ist offenbar nicht nach der chronologischen 
Reihenfolge der visitierten Orte angefertigt. Es finden sich verschiedene Zeit- 
angaben: Wismar, 7. Dezember 1541. Boizenburg 1541. Im Stargardischen 
21. Angnst 1541. Rostock , Montag nach Trinm Regum 1541 , d. i. 9. Jan. 
Waren, 19. Janaar 1542. Flau, 14. September 1541. Gastrow, 19. September 1541. 
Parchim 1542. Hierzu noch „etliche Artikel* vom Montag nach Visit. Maria 
1540 = 5. Juli 1540. (Die Hanptüberschrift „ Ordenung der verordenten Visitatom" 
von Montag nach Visit. Maria 1542 (= 3. Juli 1542) setzte wohl infolge eines 
Schreibfehlers ein zu spätes Jahr). Die Visitation sollte also im Sommer 1540 
beginnen, tatsächlich begann sie erst 1541 und dauerte bis 1542, indem sie in 
Parchim, dem Sitze des Superintendenten, schloß. — Zum Abdruck gebracht 
ist nur dasjenige, was sich auf die Schule bezog; manches, das sich wieder- 
holte, ist weggelassen. Da weder eine geographische noch eine chronologische 
Anordnung der Reihenfolge sich erkennen ließ, wählte ich die alphabetische. 
Die Angaben von Malchin und Plan standen an je zwei verschiedenen Stellen 
^er Vorlage. 

') „er*' ist die Bezeichnung eines Geistlichen. 



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1 38 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenhurg. Unterrichtswesens. 

nach mittage nach der epistel predigte, dartzu soll der rath die 
burger und ein jeder haußwirt inn Sonderheit sein gesinde unnd 
kynder haltenn und vormahnen, daß sie mit vleisse in die kirche 
gehenn und denn catechismum mit andacht horenn und mit bethenn 
und nicht er aus der kirchenn gehenn soUenn, es sein denn alle 
christlicke Zeremonien auß und Yolenndt. 

Zum drittenn soll der pastor am sontage nach der predigte 
inn dorfernn und stettenn die litanei dem volcke vom predichstuell 
mit andacht fursingenn, und die schuler oder der kuster sampt 
dem Yolcke sollenn niederknigenn und ime darauf antwurtenn. 

Zum yirdenn sol das volck alle mit woch sonderlich in stetten 
in die kirche uiF eine gewisse stunde gehen und mit den schulemn 
das deütze te deum laudamus mit andacht uffs vleissigste singenn. 

Zum funfften soll alle freitage das yolck in der kirchen zu- 
samen kommen und die deutze litanei mit andacht auffs vleissigste 
denn schulemn singenn helfenn, wie am sontage gehaltenn. 

Zum neundenn soll der pastor sampt dreienn verstendigenn 
mennemn Yom rathe dartzu yerordenet alle yiertzehenn tage uff 
weinigste ein mall die schule visitiere nn unnd vleissig acht habenn, 
ob die schuler auch woll under wisen werdeon, ob sie auch zu- 
nehmen inn lere und zucht, den es ist notigk unnd nutze, das die 
jugennt in gots furcht und lere ufferzogenn werdenn möge, dartzu 
sie von den eitern und schulmeistern sollenn gehaltenn werdenn 
und underweiset, und der Schulmeister soll ein zuchtigk leben fiirenn, 
darmit er denn knabenn ein gudt exempel gebe. 

[2.] Was der schulemeister zu Boitzcnborgk jerlich zur be- 
soldunge haben sol: 

20 marck lübecks an gelde.^) 
Die freie kost bei sieben burger. 
t pfundt maltz. 



*) Der Wert der Einkünfte läßt sich nur dann richtig hestimmen, wenn 
man den Wert des Geldes hestimmt. Der Maurer erhielt nach der Polizei- 
Ordnung von 1572 ohne Beköstigung täglich 3ßl. 6^, der Tagelöhner P/s ßl-; 
der Ackerknecht bekam jährlich 5 fl. ä 24 ßl. Lohn , die Dienstniagd 3 fl. Da 
die Lebensbedürfiiisse, wenigstens die wichtigsten, dieselben sind wie heute, 
80 geht daraus hervor, daß der Geldwert im 16. Jahrhundert ungefähr 26 fach 
höher war als jetzt; siehe die Preisangaben und Berechnungen bei Boll, Ge- 
schichte Mecklenburgs. I. 1855. S. d62ff. 425ff. 



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Das Schulwesen in der Visitation von 1541—1542. 139 

1 pfund roggen von unsem g. h. von der borch.') 

1 Seiten speck. 

3^2 mark von zwei kaster gelde. 

8 ßl im jar vom idem schuler. 

Item sein geldt von einem todten mensch, von einem altenn 

drei oder vier Schillinge, 

von 1 kinde 1 ßl. 
Item 1 freie wonunge. 
Item andere viel mehr accidentalia. 

Was der kuster zu Boitzenburg jerlichs zur besoldunge 
habenn soll: 

1 fl die seiger zustellen. 

8 ßl — das hat ehr zuvor gehabt. 

1 marck. 

2 marck vonn Gert Ammeken. 

Jochim Schutte gibt die renthe aus. 
2 marck von her Johan Wegeners wegen. 
1 marck von er Johans Wepken. 
1 marck von er Hinrich Abels. 

Summa 9 marck. 
Was der Organist hat zuvom angezeiget: 
Ein lehen vom rade sol 19 marck geben. Aber es kumpt 
nicht aus. 

[3.] Die schule zu Fredelant ist mit gelerten praeceptoribus 
amlich wol vorsehenn. 

Der Schulmeister hat jerlich 

16 gülden vom rahte, 

3 fl von der probstei 

und von den knaben sein gebuer. 

Der locate hat jerlich vom rahte 8 fl. 

[4.] Schulmeister zu Gnugen ist zugleich stadschreiber, küster, 
Beygersteller, 

hat vonn der schulen 1 1 ^/a fl, seine accidentalia von den 

knaben und tode gelt, 6 sohl, roggen vom pastor. 
Von der stadtschreiberei 4 mark lub. und sein accidentalia 
vom schreiben. 



*) d. i. die Festang Boizenburg, welche den Elbabergang deckte und eine 
Garnison hatte. 



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140 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünterrichtsweaens. 

Yon der kusterey 44^2 sohl. haTem, 18 ßl lub. 
Vom seiger stellen 2 marck lub. 

Artickel, welcke in der kercken zu Gnugen zu halten sindt 
verordnet wordenn. 

Erstlieh sol der heilige oatechismus in der sohulen und kirchen 
mit yleisse gepredigt werdenn *) 

Zum siebenden sol der rath zwene gelerte menner aus inen 
yerordenen, die nebenn dem pastor alle viertzehen tage einmhal 
die schule yisitiren helfFen und yleissig acht haben, das die jugent 
yleissig underwiesen werden. 

Zum achten sol ein radt acht haben, das die kirche , 

schulen nicht verfallen, sondern im baw erhalten moegen 

werden. 

Zum neunden sol ein rath mit ernste und yleisse dartzu trachten, 
das von geistlichen guteren nichts verkome, sonderen das die 

renthe getrewlich verwarett damit solchs muege in 

gots ehre gewant, die predigstuele, schule und arme leute erhalten 
unnd versorget moegen werden. 

[5.] Des Schulmeister zuGrabow, der*) kusterund statschreyber 
zu gleich mit ist, borunge: 

Vom rathe der stadschreiber halbenn 1 fl. 
vonn den priestemn 3 mark, 

vonn Borate messenn *) 8 ßl. 

vom salwe ^) 8 ßl. 

von der stacienn'^) 10 ßl. 

Hannß Trechaw 6 ßl. 

Mattheus Brun 6 ßl. 

Hannß Donne 12 ßl. 

Achim Ehunne 2 ßl. 

Hannß Ortmann 6 ßl. 



a) statt „dem". 

') Hier folgen im Original Anweisungen betreffs lateinischer und deutscher 
Gesänge im Gottesdienste, die völlig gleichmäßig lauten und deshalb weg- 
gelassen sind. 

*) Rorate ist nach einer gütigen Auskunft von Geh. Archivrat Dr. Grote- 
fend in Schwerin eine Stiftungsmesse am Sonnabend der 4 Adventswochen zu 
Ehren der Jungfrau Maria. 

*) Salve ist nach Geheimrat Grotefend eine Stiftung, ein so beginnendes 
Gebet zu singen. 

"*) Statien = stationes = 4 Vigilien einer Nacht, bedeutet ebenso eine Stif- 
tung aus katholischer Zeit, die der Schulmeister jetzt bezog. 



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Das Schulwesen in der Visitation von 1541 — 1542. 141 

Mattheus Wanckelmuth 17 ßl. 

Hannß Becker 12 ßl. 

Prantz Windes 12 ßl. 

Annecke Redotz 12 ßl. 



Summa 1 1 marck minus 2 ßl. 



[6.] Der schulemeister zu Qrevismoelen hat jerlich XXX marck 
lab. zur besoldung. Item 8 ßl vonn iderm knabenn im jare. 

[7. Güstrow.] 
Zum ersten sol ein erbar rath als die fumembsten der stadt 
mit yleis acht haben, das der heilige catechismus inn der kirchen, 
schulen mit yleisse und sonderlich in feiertagen gelert und ge- 
predigt werde, sie auch ihre gesinde unnd kinder dartzu halten, 
das sie gotts wort mitt yleisse unnd andacht hören. ^) 

Zum funfften sollen sie zwen yerstendige menner aus dem 
rahte neben denn predigem yerordenen, die uffs weinigste alle 
monat ein mhal die schulen yisitieren und yleissig acht haben, das 
die jugent in der geistlicheit, guten kunsten und ehrlichen sitten 
mag underweiset und aufferzogen werden. 

Wie wol fast in keiner stadt ein solche unordenunge den 

gots dienst belangendt befunden ist worden als in dieser stadt, so 

hat doch ein rath zuletzt sich erboten, sie wollen den artickeln, 

wie obberzelt allenthalben gehorsamlich nachkomen. Aber uff 

den funfften und neunden^) artickel haben sie ein gros beschwer 

gehat, die schulen zu yisitiren und auff geistliche guter acht zu 

haben. 

Schulemeister. 

Der Schulmeister ist zugleich auch organist, hat yon beyden 

ampten nicht meher dan 1 jar XII fl, mus sich dabey bekosten, ist 

ime unmuglich, das ehr sich darbey erhalten kan, wie man auch 

im gründe befindet, das die fumembsten im rate die schulen zu 

fordern nicht ist yonnoten, das yon e. f. g. als geburlich obericheit 

ein gnedigs einsehent darin habe, damit die jugent in gottes wort, 

guten kunsten und zucht aufferzogen möge werden. 

[8. Laage.] 
Schulemeister ist kuster zu gleich, hat jerlich : 

1 last hayeren und seine accidentalia yon knaben, todten^ 
frawen kirchgang unnd dergleichen. 



•) Der 9. Punkt betrifft die Verwaltung der geistlichen Güter. 



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142 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünterrichtswesena. 

[9.] Was zu Malchin mitt dem rahte, predicanten unnd vicarien 
gehandelt wordenn, am Sonnabend den Tierzehenden lanuarii 
anno 1542. 

Zum andern ist es nutze unnd notig, das ein ersam radt 
vleissig ach habe, das der heilige catechismus in den kirchen und 
schulen mit allem yleisse geleret unnd geprediget werde. ^) 

Zum achten begertt hochgemelter unser gnediger her gnediglich, 
das der rath zwene verstendige rats menner Terordene, die nebenn 
dem predicanten alle vierzehen tage ein mahl die schulen visitieren 
sollen und vleissich acht haben, das die jugent in guten kunsten, 
in ehrlichen sitten, in gottsfurcht moege underwieset und mit vleiß 
aufferzogen werden. 

Anthwurtt der radts hern zu Malchin, abwesen beider irer 
burgermeister. 

Sie weren erstlich hochlich erfrewett der gnedigen Visitation, 

weiten sich auch also schicken, das e. f. g. ein gnediges 

gefallen dran haben solte 

Yom Schulmeister zu Malchin. 
Er ist ein gelerter geselle, 

hatt jerUch: 
16 fl, 

freye kost, 
vonn den knaben sein besoldung. 

[10.] Die schule ist zu Newen Brandenburg mit praeceptoribus 
reiglich unnd wol vorsehen. Haben auch eine gros anzael der 
flchuler. 

[11. Parchim.] 
Wie es die prediger inn der kirchenn haltenn soUenn. 
Erstlich ist eim erbamn rathe zu Parchim angezeigt wordenn, 
das sie eynn vleissig auflPsehen habenn sollen, das der heylige 
catechismus mit allem vleisse ynn der kirchen und schulenn ge- 
predigt unnd gelert werde.*) 

Darauff hat eynn erbar rath sich erstlich solcher ewer fürstlich 
gnadenn gnediger heimsuchung mit höchster reverentz bedanckt mit 
erbietung demselben so viel als ihnen belangt undertheniglich ge- 
trewlich nachzukomen. 



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Das Schulwesen in der Visitation von 1541—1542. 143 

Was inn Sonderheit eim erbarnn rathe, vicarien und calandes hernn 
zu haltenn angetzeigt. 

Erstlich soll ein erbar radt zwene verstendige menner aus 
ihnen erwelenn und darzu verordenen, die nebenn den predicanten 
alle viertzehenn tage einn mhall die schule visitieren unnd vleissig 
auffsehenn habenn sollenn, das die jugent inn guten kunsten, 
ehrlichenn sittenn und gots furcht underweyset, aufFerzogen unnd 
darin zunehmen mugen. 

Schulemeister 
hatt nhue 5 fl unnd von denn knabenn und todtenn gelt, aber 
ein rath will vleis furwenden, das er möge mit einer bessern be- 
soldungk versorgt werdenn. 

fl2.] Plawe. 
Erstlich sindt burgermeister, radtmann, kirchgeschworen sampt 
den predigem unnd geistlichen furbescheiden unnd ihnen e. f. g. 
credentz und Instruction furgelesen, desgleichen etzlich artickel, 

als vom catechismo die schulen zu visitieren, damit der 

jugent wol uffertzogenn und underweiset werde haben der 

rath sampt den predigem solchs mitt hohen frewden unnd danck- 
sagung angenhommen 

Was der Schulmeister zu Plawe jerlich hatt: 
Im ist verordent wordenn, das er jerlich XX fl bar gelt vom 
rahte gewertig sein solle, wie obberurtt. 

Item darüber hat ehr sein verdienst vom rahte von der 

Schreiberei. 
Item, lehen. Philippi et lacobi, darvan 3 fl. 
Item vom todten sein geldt. 
Item von den schulerenn. 
Item 3 sohl roggen und 3 sohl, maltz von e. f. g. schlösse.®) 

[13. Rostock.] 

Dieweile na keiner ist,^^) so siebet seine f. g. gnedig fui gut 

an, wie sie auch in allen stedtenn, dorffem unnd flecken ires 

fuTstenthumbes unnd ämter hat verordenen lassenn, das der heilige 

catechismus, darinne die heupt articuli gotlicher schrifft unser seien 



*) d. i. die Festung Flau, die den Süden Mecklenburgs deckte und 
Garnison hatte. 

*•) d. h. ein Superintendent. 



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t44 ürknnden u. Akten zar Geschichte des mecklenburg. Unterrichts-wesens. 

Seligkeit verfast, mit allem yleisse in der schulen und kercken der 
jugent unnd jungen Christen zu tröste, nutz unnd heile getreulich 
möge geprediget unnd geleret werden 

Desgleichen uf alle heilige abendt sol in der kirchen die 
Tosper von den schulem zu latein unnd teutsch mit christlichen 
gesengen gesungen werden 

Dieweile auch nutzlich unnd notigk, das die schulen erhalten, 
domit die jugent inn gutenn kunsten, ehrlichen sitten unnd gottes- 
furcht underweiset unnd auffgetzogen möge werden, den wie man 
die kinder in irer jugent gewenet, so hat man sie, wenn sie alt 
werdenn. Unnd ir in ewer stadt ^^) alhier nicht alleine eine gemeine 
deine schule, sonderenn auch ein universitet habt, da nicht allein 
die jugent in artibus politioribus, sondern auch in den trefflichen 
faculteten als inn der theologey, medicin unnd Juristerei mögen 
underweiset werden. 

Wie nutze unnd hoch vonnoten es aber ist, das solche facul- 
teten auf den hohen schulen erhalten werdenn, sieht man für 
äugen, wil den welcher kranckheit kan doch licht geholffen werden, 
den durch gelerte und getrewe medicos, die der kreuter, sternen 
unnd der complexiones ir natur und eigenschafft wissen; welchem 
der unrecht unnd vorgewaltiget wirt, kan recht verholffenn werden, 
den durch einen vorstendigen der rechten. 

Wie wil man gottes wort dar unnd lauter erhalten, dorinne 
unser seelen Seligkeit verfast, wo nicht gelerte leute sindt, die sich 
in heiliger schrifft vleisiglich übenn. 

So stunde es wol unnd wer loblich unnd erlich, das e. g. uffs 

höchste sich befleissigte, das gelerte leute hier seindt, die in ere 

gehalten unnd mit zimlicher besoldung versorget sein mochten. 

Hochgedachter unser gnediger her wil als ein loblicher landesfurste 

dartzu das beste thuen, wie s. f. g. auch bisanher gethan, damit 

die lobliche universitet restaurirt unnd in flore bleiben mochte, 

damit die hohen faculteten nicht sogar vergehen, ahne welche 

kein regiment, kein friede, keine gesuntheit, keine heilige schrifft 

erhalten kan werdenn. 

[Artikel.]") 

Erstlich sol alle sontage das heilige evangeUum lauter und rein 
sampt dem heiligen catecbismo mit vleisse gepredigt werden. 

^^) So redet Superintendent Riebling den Rat an. 
") Der Rat antwortete, er wolle gehorchen, und man solle die Artikel 
den Predigern im Beisein zweier Ratspersonen vorhalten. 



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Das Schulwesen in der Visitation von 1541—1542. 145 

f. — . __ 

Zum sechsten sollen die predicanten, so Tom erbaren rahte 
dartzu vorordenet, die oleine schule alle viertzehen tage ein mahl 
lelffen yisitirenn und vleisig acht haben, das die jugent in guten 
bmsten, ehrlichen sitten und gottes furcht underweisen unnd uff- 
ertzogen mögen werdenn. 

[14. Eöbel.] 
Schule. 
Item er Joachim Eumcke ^^) hat mit grosser muhe und arbeit 
ein gelertenn fromen schulemester zu wege bracht, der hat nu 
jerlich 7^/2 fl stände geldt unnd von iderm knaben ein jarlanck 
4 ßl, der wirt nothalben endlauiFen müssen, wo ime die besoldung 
nicht gebessert wirt. 

[15. Schwerin.] 
Erstlich ist ein ersam rath e. f. g. credentz verantwortet und 
folgender gestalt diese artickell zuhaltenn angezeigt wordenn : 

Zum andern, das der heilige catechismus in der kirchen und 
schulen mit vleisse gepredigt und gelert werde. ^) 

Zum siebenden soll ein rath zweene vorstendige menner vom 
rathe verordenenn, die nebenn dem predicantenn alle viertzehenn 
tage ein mal die schulenn visitirenn sollenn und vleissigk ach 
habenn, das die jugennt in gutenn erlichenn sittenn und gots furcht 
mogenn underweiset und mit vleisse aufferzogenn werdenn. 

Antwort des rates zu Schwerin. 
Hierauff habenn sie die antwort gegebenn, das sie^) uff e. f. g. 
iree gnedigen landesfursten und hemn gnedigs begernn sich 
woltenn schickenn und haltenn 

[16.] Schulmeister zum Stemebergk. 
Die schule ist mit einem ungelerten schulemeister versehen, 
der auch noch ein papist ist. Es zeiget ein rath, das e. f. g. 
gnedige Vertröstungen gegeben, das sie jerlich aus gnaden wolle 
X fl geben dem schulemeister zu hulffe, so weite der rath auch 
X fl darzu geben, damit er XX fl jerlich zu besoldung habe. 
Daiuff kunte man wol einen gelerten gesellen uberkomen, der 
die jugent in guten kunsten, ehrlichen sitten und gotselickeit under- 

b) weggelassen ist ,sich wollten'*. 

^*) Knmcke war Prediger auf der Neustadt Böbel. 
Honnme&ta Gennasiae Paedagogica XXXVin 10 



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146 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünterrichtsweaens. 

weysen möge. Der rath bittet undertheniglich, e. f. g. wollen der- 
selben ihrer gnädigen yertrostunge gnediglich eingedenck [selDJ. 
E. f. g. hat solche gnedige zusage gethan zum Sterneberge am 
freytage nach letare nechst verschienen. 

[17.] Des Schulmeisters zu Tetrow jerlich einkommen. 

Dem Schulmeister ist uf dismal beym pastor und sechs rath- 
mennern die freye kost verordent wordenn. 

Hat etlich dromet havem jerlich von den leuten, hats aber 
noch nihe geborett, wils clerlich auffzeichnen uüd was es ein jar 
tragen*^) wertt, schrifFtlichen bericht davon thuenn. 

Die leute beschweren sich, den havem dem schulemeister und 
dem pastor sein gebur auszugeben , so zeiget der rath und stadt 
Voigt an, wie sie inen gleich gerne weiten dartzu behulfFlich sein, 
so fragen doch die leute weder nach dem rath, noch dem stadt 
Voigt, bitten undertheniglich, e. f. g. wollen ernstlich an die gemeine 
schreiben, das sie sich nicht so mutwillig und ungehorsam wider 
sie ertzeigen mochte. E. f. g. wollen auch etzlich dartzu verordnen, 
wie in anderen stedten geschehen, die die jerlich borung dem 
pastor und Schulmeister zu gute samlen, einnehmen unnd enthrichten 
mochten uff gewisse zeitt. 

[18.] Des Schulemeisters zu Warne besoldungk. 

Bartholomeus Michaelis ist ein gelerter geselle. 

Item alle tage hat ehr bisher eine malzeit bey dem burger- 
meister gehat; nhu ist verordent wordenn, das ehr alle tage zwo 
bei ihme haben solle, wie auch der burgermeister zu thuen zu- 
gesagt. Sie wollen ihme auch seine besoldung verbesserenn. 

Wie eim radt zu Malchin artickel zu halten sindt furgestellet 
worden, also ist auch uff die weise zu Warne geschehen, wie ober- 
zelt; so haben sie dergleichen die predicanten unnd vicarien zu- 
gesaget, sie wollen sich als gehorsame underthanenn unnd getrewe 
menner gottes unnd vleissige Seelsorger allenthalben getrewlich 
und wol halten, haben auch besanher so eine feyne ordenung in 
der kirchen und gotts dienst, auch in der schulen schon gehalten, 
als wir nicht in vielen stedten gefunden habenn. 



c) statt ,tragett' 



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Das Schulwesen in der Visitation von 1541 — 1542. 147 

[19. Wesenberg.] 
Schule. 
Schulmeister hat jerlich 10 fl bar gelt, 4 tage fische Yon der 
horch bey der waden,^^) den sontagk die freye maltzeit abend und 
morgen beym kerckheren, den dingstag unnd donnerstag die 
freye maltzeit abend und morgen bey beyden burgermeisterenn 
aufi gunst. 

Item von e. f. g. 8 sohl, roggen. 
. 8 sohl, maltz. 
1 Seite Speckes, 
ider knabe gibt alle yirteil jars 2 groschen. 

[20. Wismar.] 
Zunr andern ist s. f. g. gnediges begeren, das ir in ewer 
kirchenn mit allem vleisse den catechismum^) sollet predigen 
lassenn, dan er ist ein fundament, daraufF alle prediger der crist- 
lichenn lere gegrundt sein. 

Zum funfftenn begert s. f. g. gnedichlich, wollet alle hillige 
abenndt denn schulernn die yesper zu latein unde dudesch singenn 
lassenn, damit die jugendt in beydenn sprachenn möge aufFer- 
zogenn und geubet werdenn. 

Zum siebendenn hatt s. f. g. ein sonnderenn guts gefallenn, das 
in ewer statt so eine feine kinder schule ist auffgericht wordenn; 
damit nu de schule vorhaltenn, de knabenn in zucht, gottes furcht 
und erlichenn kunst mogenn zunehmenn unnd uffertzogenn werden, 
ist s. f. g. gnediges Yormanen, ir wollet de schulenn diener mit 
zimlicher besoldung yersorgenn, auch etliche verstenndige burger 
dartzu yerordenenn, de neben ewerme secretarienn und predi- 
cantenn alle viertzehenn tage eyn mal de schulenn yisitirenn mogenn 
unde yleissigk acht habenn, daß de schuler in zucht, gutenn kunstenn 
und gottes furcht mogenn zunehmenn unnd uffertzogenn werden; 
denn es ist viel darann gelegenn, daß de jugent woll uffertzogenn 

werde. 

Antwort eins erbarn rats zur Wismar. 
Zum andemn was den catechismum^) in der kirchenn belangent 
mit yleisse zu predigen, haben sie sich der meinung Yomemen 

d) statt «catechesum*'. 

**) waden, d. i. das Fischereigerät und bedeutet, daß der Schulmeister von 
dem 4 mal jährlich stattfindenden Fischzuge ein bestimmtes Deputat erhielt. 

10* 



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148 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 

lassenn, sie woltenn das Ire gerne dartzu thun, das solches ge- 
trewlich außgericht wurde, auch werenn sie der Zuversicht, ire 
predicantenn als getrewe selsorgers werdenn das mit vleisse auß- 
richtenn unde den catechismum *^) mit allem vleisse predigen. 

Item de vesper uff alle hillige abent mit feinen christlichen 
psalmen zu latein unde deutz zu singenn hat ein rath nach ufrich- 
tunge der schulenn in denn kirchen mit vleisse halten lassen, 
woltens auch hinfurder mit deste grossem vleisse thun got zu eren, 
e. f. g. zu gnedigenn gefallen und zu irer selenselickeit. 

Zum siebenden v^as de schulenn zu visitirenn belanget, woltenn 
sie mit allem vleisse dartzu trachtenn, das dem foUige geschenn 
mochte, und woltenn etzliche predicanten, rats leute, irenn secre- 
tarien, auch zwen gelerte menner vonn der gemeine dätzu ver- 
ordenen, de sie alle viertzehen tage ein mall mit allen vleise 
visitiren mochtenn, den sie konten woU abnemen, erforens auch 
teglich wol, wie vil und gros dran gelegen, das de jugent wol undt 
getrewlich in guten kunsten, erlichen sitten und gotsfurcht auff- 
ertzogen werde. Es gehorte aber vil gelde datzu, de schulenn 
unnd predichstuell zuerhaltenn, und weren woll geneiget, de schulenn 
und kirchenn denern mit guter besoldung zuversorgen und inen 
dieselbenn zuverbessernn von geistlichenn gutemn und lenen, de auch 
datzu fiindert®) und gegebenn wurdenn 

[21.] Schulmeister zu Woldeck 

hat jerlich, wie es itzunt verordnet worden, aus jeden hause 
1 ßl lub. vor den korff, so ehr pflag alle sontage umbzutragen. 
Item 1 ßl sund. aus jedem hause kuster lohn. 

Item vom einem jedem knaben 1 jar ^/a fl. 

Item zu Perterstorp ^^) sindt jerlich 3 fl gewesen, de hat je und 
allewege der schulemeister entfangen, die entboret ime itzt der 
rath; eß wehre von noten, das sie wieder zur schulen mochten, 
wie sie von alters gewesen, gebracht werden. 

Item eß ist verordenet worden, das der kerckher dem schule- 
meister des sontags zwo malzeit und die ander sechs tage sechs 
burger bis zu ostem geben sollen, wie sie auch zuthun zugesaget 
und verwilüget. 



e) statt „funnert". 

*») Petersdorf ist ein Dorf in der Nähe von Woldegk. 



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Die Einrichtnng des Pädagogiams an der Universität zn Rostock. 149 

10. 

Die Einrichtung des Pädagogiums 
an der Universität zu Eostock. 

1532, 1544. 1548. 1566. 

a. 

Die angemeinen Aufgaben des Pädagogiams 

an der UniYersitftt Rostock. 

Rostock. August 1544. 

Quum igitur praecipua*^) cura sit nobis de instituendo adoles- 
centum studio, quorum alii ludes artium et linguae Latinae, alii 
mediocriter earum perceptis rudimentis instructi veniant, sequuti 
exempla aliarum scbolarum pueris paedagogium*) aperuimus, gran- 
dioribus publicum artium gymnasium, in quibus iuxta sui ingenii 
et eruditionis modum quisque ad tempus institutus superioribus 
professionibus praepararetur. 

Paedagogium vero cum necessarium esset propter quotidianum 
puerorum adventum atque etiam summo iudicio a clarissimo viro 
Gisberto Longolio esset constitutum, iuxta Fabii Quintiliani con- 
silium putavimus utilius unum fieri, in quo communiter pueri in- 
stituerentur melius quam singuli apaedagogis intra privates parietes; 
nam ita tenuioribus parentibus consultum est, qui quod siunptus 
in alendis paedagogis ferre non possent, saepe praeclara puerorum 
ingenia ab institutione deseri sustinuerint, opulentioribus quoque, 
qui etsi adiungere suis paedagogos possunt, tamen non erat pro- 
posita ea discendi occasio^ qua mutua aemulatione studiorum 
ingenia parvulorum excitantur, quam instituendi rationem ita, ut a 
Longolio, acerrimi iudicii et singularis eruditionis viro, constituta 
est, utinam non hoc nostrum modo Bostoobium, sed passim omnes 
pueriles diatribae aliarum regionum retinerent et sequerentur. In 
quo cum sunt omnia.non Tulgari modo constituta, sed ad veterum 
exempla et praecepta, non speramus quenquam in hac institutione 



Zu 10 a: Aas der „Epistola nuncupatoria'^ der „Rostochiensis Academia" 
an Bürgermeister und Rat der Stadt Rostock. Blatt I und II. Diese Epistel 
bildet die Einleitung der Universit&tsschrift : Studii litterarii publici in academia 
Rostochiensi diligens et accurata restauratio etc. Rostock 1544. Mense 
Augusto. 

a) Statt pr^cipua und p^dagogis schrieb ich: praecipua und paedagogis. 



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150 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenhurg. Unterrichtswesens. 

aliquid repraehensurum recta iadicia sequentem. Nam habita in- 
geniorum ratione ista tum nostris Sarmatis ^) scripta, ut Lucilius olim 
suis Tarentinis, edidimus tarnen, et si Longolius^) non ita, ut ederen- 
tur, scripserat, quo quorundam bominum iudicia et falsos minores 
nescio a quibus natos refelleremus 

b. 

Die Einrlchtang des Pädagogiums an der Uniyersität Rostock. 

Rostock. August 1544. 

Maiores nostri, qui civilis disciplinae Constitutionen! posteritati 
literis commiserunt, viri prudentissimi magnis de causis illam rei- 
publicae partem, quae leges de puerili institutione condidit atque 
proposuit, reliquis omnibus accuratius multo exquisitiusque tracta- 
yisse yidentur. Etenim homines ingeniosi facile cognoverunt nullam 
omnino civitatem diu et florentem et stabilem esse posse, in qua 
puerorum educationis institutionisque ratio diligens non habere tur. 
I^am sola yirtus, cuius vis maxima praeclarissimaque in iis rebus 
vertitur, ut sciamus quibus cum congregamur uti moderate et 
scienter, civitates omnes pace et hello, in ocio et negotio ut foeli- 
citer et beate durare possint, efficit. Quae nisi a teneris annis 
instituendo ac persuadendo pueris tradatur, fieri vix potest, ut se 
ad frugem bonam, ut dicitur, recipiant unquam. Quemadmodum 
stirpes, quas in rectas et speciosas arbores alimus, nisi a primis 
radicibus studiose diligenterque tractentur, yitium, quod negligentia 
conceperunt, nullo agricolae cultu ab illis auferri potest. Ita cum 
aetas illa tenera, tametsi et natura et ingenio sit perbona, sine cultu 
tamen atque disciplina frugi esse nequit. Non immerito igitur 
maximis laudibus omati quondam sunt Lacedemonii, quod inter 
Graeciae respublicas, quae tum solae sapere putabantur, omnium 
maxime in hanc rem incubuerunt, ut filios haberent moribus, eru- 
ditione et corpore prestantes. Cum illi autem ipsi viderent, animi 
quam corporis bona multo esse potiora, se prudenter facturos exi- 

*) hier Bezeichnung der Norddeutschen. 

*) Der Professor Gisbert Longolius, zu Rostock 1542—1546. 

Zu 10 b: Wie aus dem vollen Titel des genannten Buches hervorgeht, 
(una cum constitutione ludi puerilis a clarissimo viro D. Gisberto Lougolio, 
professore medico, summo iudicio conscripta) ist Gisbert Longol der Verfasser 
dieses auf die epistola nuncupatoria folgenden ersten Teils. Er überschreibt 
ihn: Ratio constitutionis paedagogii, ad senatum Rostochiensem amplissimum. 
Blatt IV — IX fol. Die Abkürzungen sind hier wie im vorhergehenden Texte 
aufgelöst, Akzente weggelassen worden. 



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Die Einrichtung des Pädagogiums an der Universität zu Rostock. 151 

stimarant, si prius pueros in naidayoyyiov (sie enim ludum, in quo 
literae discebantur, appellabant) ducerent, quam exercitatione ludo- 
que campestri {yvfivamov Yocabant) uterentur. Ac deinde omnes 
quibuscunque Lacedemoniorum institutum, ut optimum reipublicae 
exemplum imitari Tisum fuit, fuit autem multis, habiti sunt in- 
dustria et consilio superiores. Porro illos quod primi fuere, qui 
publice liberos erudiri Yoluerunt, nemo satis pro dignitate laudare 
potest. Neque enim tarn arcte et diligenter domi pueritiam haberi 
posse arbitrabantur, quin yel eorum cum quibus domi privatam 
viverent vitam perversitate pravitateque animi (vix enim vel a 
mediocribus ista familiis deduci possunt) vel parentum indulgentia 
depravarentur. 

Quis enim de rebus suis reete satis et cognoscit atque iudicat? 
Primum itaque ex Lacedemoniorum instituto paedagogia ista, quae 
Yocantur, orta sunt. Quorum usus posterioribus saeculis frequens 
adeo atque celebris extitit, ut prope nullam etiam hodie civitatem, 
quae paulo liberalior et cultior videri queat, reperiamus, in qua 
non summa cum diligentia, cura, sollicitudine pueritiae ratio habeatur. 
Arctam enim et contentam institutionem atque disciplinam propter 
aetatis lubricos et insolentes animos moresque in bis coli maiores 
nostri Yoluerunt. Quae cum in scholis istis, in quibus fere uniYersa 
artium et scientiarum genera tractantur, quas ob id nee absurde 
nee ineleganter liberalium disciplinarum sedes appellamus, quales 
etiam in hoc nobili Yandalorum Rostochio summo labore et maximis 
impensis iam olim ante hominum memoriam constitutae sunt, esse 
nequeat, (Yix enim omnes aetates, omnia studiorum professionum- 
que genera in ordinem cogi possunt,) magno hercle iudicio plurimis 
iustisque de causis puerorum istud conciliabulum (permittite mihi 
qoaeso nunc hoc Yorbo uti), quod Lacedemoniorum more paeda- 
gogium nominatis, exaedificarunt. Etenim Bostochienses non sibi 
solum natos, sed uniYcrsae Yandaliae patriae longo latissimae 
censuerunt, quae cum ex Yicinis urbibus educationis institutionisque 
gratia ciYCS huc Yeluti ad bonarum artium mercaturam*) sineret 
proficisci certior esset et plane confideret maiore cum cura et 
diligentia suos istic educari et confirmari, quam si in gremio parentum 
et necessariorum alerentur. 

Neque potuit etiam quicquam excogitari exputarique a paren- 
tibus nostris pueritiae atque adolescentiae necessarium magis ac 
huius paedagogii constitutio. Nam cum omnes passim sine aetatis 

a) Verb, aus marcaturam. 



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152 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichts wesens. 

et eruditionis düsorimine ad oapessendas^) disciplinas huc ablegr^' 
rentur, tantam oriri necessario studionim perturbationem oporteb&t, 
ut neque professores ipsi satis cognitos habere possent, quos daee- 
rent, neque discipuli (quoniam bona pars illorum imparati et mdes 
prope ad artes maiores niebant) ea, quae a praeceptoribus trade- 
rentur, perciperent atque intelligerent. 

Quare cum imperitiores cum paulo doctioribus essent coniuncti, 
quod inaequalium yix potest eadem esse ratio, impedimento potius 
et turbationi quam omamento et auxilio sibi fuere. Hinc insti- 
tuta sunt ingeniorum ac eruditionis iudicia, ut ponderari atque ex:-r 
pendi possit, ad quae disciplinarum ac artium studia singuli destina- 
rentur. 

Nam qui plane praeter prima literarum rudimenta nihil acce- 
pissent neque in authoribus, e quibus Latinae linguae cognitia 
hauriri solet, essent versati, eos ad Aristotelis Organum, ad medici- 
nam humanae salutis praesidem artem, ad sacram denique iuris 
civilis Rcientiam admittendos non putabant, yerum Ulis prius dis- 
ciplinis excolendos, quibus et linguae infantia emendatur, et via 
quaedam ad solidiorem eruditionem sternitur, censuerunt. 

Ac fuit quidem tempus, cum boni isti yiri pro aetatis ratione 
recte pueritiam instituerent eaque fideliter traderent, quae et a 
magistris percepissent et pro miserabilis saeculi conditione invenis- 
sent ipsi atque excogitassent, floruitque eo tempore huc puerorum 
conciliabulum (faciam verbum hoc usurpando tritius) ut cum maxime. 
At postea cum singulari dei beneficio mortalibus reddita est, et 
purior et praeclarior bonarum literarum cognitio non potuit amplios 
ex veteri illa disciplina statum et dignitatem suam defendere ac 
tueri, sed iniuria temporis et profitentium ignavia ruinam quidem 
fe«it, ita tarnen ut parvo labore ac negotio in pristinam dignitatem 
ac multo sane praeclariorem revocari modo possit. 

Postquam autem yiri prudentissimi huiusce restitutionis cura- 
tionem et provinciam nobis, quos non sine gravibus impensis ad 
TOS advocare visum est, dedistis, officii nostri sumus arbitrati, 
rationem quandam atque viam, qua reparari omnia possint, indicare 
ac prescribere, quam si ea diligentia atque sedulitate, qua nos usi 
sumus, fueritis ingressi, futurum esse confidimus, ut non modo 
liberis vestris, sed omnium etiam nationum, cum quibus et com- 
mercia et consuetudines vobis sunt, posthac sit optime consultum. 



h) für capescendas. 



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Die Einricfatnng des Pädagogiums an der Universität zn Rostock. 153 

Itaqne tos pradentissimos atque consultiBsimos ^) appellamus, tos ob- 
testamur, tos imploramus, ne ab huiufl paedagogii, quod familianim 
honestarom, qnod reipnblicae, quod religionis ac ecclesiae dei 
seminarium est, administratione atque procuratione, in qua nunc 
estis egregii, negligentia aut incnria vos sinatis amoYeri. 

Quales in paedagogium recipiendi. 

Sed ut ad institutionem puerilem accedamus, principio pro- 
videndum est atque animadvertendum, ne dum pueritiam omnem 
ad paedagogium vocamus, reliquae pueriles scholae, in quibus 
elementa prima atque adeo primordia et ingressus literarum 
traduntor quaeque in usum templorum et sacrorum constitutae sunt, 
discipulis destitutae corruant atque funditus intereant. Quae res 
sane quando incommodi multum habet (sie enim saerarum can- 
tionum, sie ceremoniarum , quarum administri cum presbyteris et 
diaconis magistri ludi sunt, ritus servari haud quaquam queant) 
curandum, ut ad paedagogium nulli admittantur, quin clare legere, 
literas fingere, nomina et verba infiectere exquisite calleant. Ita 
praeceptoribus paedagogii difficilis et importunus docendi elementa 
labor, si non omnino aufertur, certe magna ex parte minuitur atque 
detrahitur. Aedes interim sacrae puerorum coetu et exomantur 
et iis, qui ludis praesunt, aliquid ad vitam commodius transigendam 
suppeditatur. 

Unum tantummodo paedagogium satis esse. 

Multum autem de incremento et dignitate paedagogii detra- 
hitur, cum neglecto et contempto publice puerorum conventu 
paedagogi passim privatim discipulos erudiendos accipiunt. Nam 
et praeceptoribus ubi auditoribus se destitui animadvertimt, animus 
et diligentia ista, quam multitudini gloriae nomine debent, frangitur, 
excitat enim auditor Studium, ut recte quidam dixit, et officii 
premium laborisque fructus, ipsum scilicet lucrum, de quo fere 
artium professores hodie veniunt, nuUura capiunt. 

Quamobrem academiae totius gubemator et administrator simul 
cum magistratu eiusmodi priyata conventicula, si non pueris modo, 
sed et paedagogis bene esse cupit, non sinet coalescere. Yerum 
ad publica auditoria horis illis, quae ad docendum destinatae sunt, 
nt simul omnes conveniant, pro autoritate sua iubebit atque impe- 
rabit. Interim tamen quibusvis privatim discipulos curare atque 

>) d. i. der Rostocker Rat. 



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1 54 Urkunden u. Akt<en zur Geschichte des mecklenburg. UnterrichtBwesens. 

paedagogi officio fungi liberum sit, modo a lectionibus , quae in 
paedagogio fiunt, hac via non abducantor. Quinimmo in rem 
puerorum, qui pauIo opuleDtiores smit, plurimum esse existimamus, 
ut simul ac e ludo redierunt, adsint domi adolescentes doctiores 
aut praeceptores, qui rationem eorum, quae paulo ante didicere 
exquirant et domi contineant, ne animas ad lusum et inanes occu- 
pationes pronos aliorsum quam ad studia con?ertant. Hos bonarum 
omnium actionum monitores sedulos esse cupimus. 

Quod si autem domi cum parentibus sine paedagogo est viven- 
dum, hie illi officii meminisse debent. Cogitent animo quid a filiis 
expectare velint, sciant se prope primos curatores esse et omnem 
fructum ingeniorum et eruditionis maxime ad se spectare, quare 
nee indulgentius nee laxius illos domi habeant, quam a praecep- 
toribus in scholis tractari soleant. Pulchre enim omnia succedunt, 
cum tales domi reperiunt parentes, quales in scholis magistros 
reliquere. Neque quicquam magis facit ad progressus in studiis 
faciendos ac parentum praeceptorumque consentiens illa yoluntas. 

Non quoslibet in ludum admittendos. 

In discipulis autem ad literarum studia admittendis 'delectus 
magnus abhibendus est, non enim quoslibet musarum sacris initi- 
andos putamus. Sed quemadmodum olim a mysteriis profani arce- 
bantur, ita quibus Ingenium rudius et obtusius, quibus nulla 
memoriola, in quibus nulla liberalioris animi indicia conspiciuntur, 
hos parentibus satius fuerit commendare, ut alii potius vitae generi 
dedicentur, quam frustra et sine spe fructus facultates suas dissipent. 

Imitari autem hac in re diligentes agricolas convenit; non 
enim illi quibusvis agris semina mandant, sed diligenter naturam 
terrae primum exquirunt et contemplantur, ne post sementem 
messis nulla spes offeratur. Sed non est cuiusvis hominis recte de 
ingeniis censere, quamobrem acumine opus est, iudicio subacto 
opus est. Saepe enim qui natura destituuntur, labor et diligentia, 
quod deesse videri poterat, compensant. Quare nisi plane hebetes 
et ignavi^) cognoscantur, ferendi sunt monendique, ne sibiipsi in 
honestissimo ac utilissimo studiorum cursu desint. Saepe etiam 
illud poetae^) audiant: Labor improbus«) omnia vincit.^) 

De praefectura paedagogii. 
Quanquam autem suum habeant pueri praesidem, quem paeda- 
gogii praefectum nominamus, ex usu tamen esse videtur, ut totius 

c) aus ignavos. d) aus peot^. e) aus improdus. 
*) Vergil, Qeorgica I, 145. 



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Die Einrichtung des Pädagogiums an der Universität zu Rostock. 155 

academiae gubernatori, quem universarum professionum, ut divi- 
naniin literarum, ut iuris, ut medicinae ac philosophiae studiorum 
rectorem ac dominum vocant, nomina sua dent, huic in primis 
se paratos ad nutum fiituros promittant seque legibus primum paeda- 
gogii, deinde academiae obedientes ac subiectos esse, honestatem 
et Tiitutem cum bonis literis sectari velle sancte, si per aetatem 
üeet^ sin minus per parentes aut illos, quibus sunt commissi, polli- 
ceantur. Sic enim praeclaris istius academiae privilegiis, quae non 
ad libertatem et licentiam peccandi, sed ad literarum ac studio- 
sorum conservationem irrogata sunt, uti poterunt. Quinetiam saepe 
insolentiores facti in praesidem insurgere , illum nihili facere et 
pietatis contemptores etiam pulsare in animum inducunt, qui ubi 
academiae poenam extremam, nimirum relegationem ac ad parentes 
amandationem ob oculos sibi ponunt, ab eiusmodi facinore manus 
continere solent. Sunt et alia plaeraque, in quibus summi modera- 
toris autoritas imploranda est. Apud illum tamen (quia ex mai- 
oribus et praeclarioribus professoribus fore legitur) minutiores illas 
puerorum querelas habendas non putamus, sed in has partes illum, 
qui in philosophiae studentium conventu quasi Senator vel decurio 
est, quem decanum professorum artium appellant, substituendum 
ac supponendum, ad hunc praefectus in causis paulo gravioribus 
accedat, hunc consultet. Admodum enim utile est, ut et revere- 
antur et ex animo diligant illum omnes. Nam cum a paedagogio 
iam ad philosophiam praeparati discedunt, recta in huius quasi 
municipium et coloniam transferri solent. 

De classibus et ordine studiorum. 

Cum pueri aut adolescentis ingenium praeceptori satis pro- 
batum fuerit, quantum scilicet in primis literarum rudimentis pro- 
gressus sit, num satis expedite legere, num commode in pingendo 
manum ducere norit, num nominum verborumque inflexionem ab- 
solute calleat, quae si probe tenet, iam ad classem illam adscri- 
bendus est, quae ordine quidem prima sit, sed eruditionis ratione a 
prima quarta. Ita per quatuor plane gradus priusquam Aristo- 
telico organo et rhetoricae caeterisque maioribus disciplinis, ut 
mathematicis, idonei sint, pueros ducendos arbitramur. Quatuor 
antem classes pro temporis ratione j qua gramaticen absolute dis- 
cere, dialecticae item et rhetoricae progymnasmatis utcumque imbui 
possint, constituimus. Nam durum admodum et plane ignavum 
esse oportet, qui diligentibus praeceptoribus usus quatuor annorum 
cnrriculo ista, quae praescribemus, non percipiat. 



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156 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

Cur classes institutae. 

Quod autem in classeB, rem necessariam plane et multum 
etiam utilitatis adferentem distribuendos pueros censemus, maiorum 
exemplo, quibus id ut credere par est, tanquam per manus tra- 
ditnm fuit, fecimus. Nam praeter id quod pulcherrimo ordine, quo 
sine nihil recte institui ac disponi potest, studia progrediuntur, 
excitanfur etiam pueriles animi aemulatione et gloria (haec autem 
in pueris maxime vigent et valent) ut altiores ordines, quae digni- 
tatis plus habent iam affectare et ad libertatem illam academiae, 
ad quam proximos esse vident primos, aspirare ausint. 

Infima classis quae est quarta. 

Hanc grammaticis praeceptionibus destinamus, in quibus tra- 
dendis praeceptorum diligentia et iudicium ante omnia^ requiritur. 
Nisi enim illa aceurate doceantur, ?ix fieri potest, ut in superio- 
ribus classibus fructum aliquem facere possint. Sunt enim haec 
omnis eruditionis et disciplinarum fundamenta, quae cum firma et 
solida fuerint, facile admodum, quod superstruitur, ferro valent. 
Iudicium autem docentis deposcimus ne temere praecepta tradat, 
ne dum rara quaedam et quae forte semel apud ignobilem aliquem 
ac vetustum poetam reperiuntur, pro exemplis et praeceptiunculis 
dictet, non enim pueros scriptione multa onerandos existimamus. 

Itaque quam simplicissimam hanc tradendi rationem esse cupi- 
mus. Auctorem autem ad eam rem Optimum et ad captum puerilem 
quam «) maxime idoneum Melanchtonis rudimenta grammatices, quae 
octo partium inflexiones et proprietates tradunt, existimamus ea 
mane a septima hora usque ad octavam diligenter explicanda sunt, 
praecepta et exempla saepe exigenda, donec memoriae ita man- 
data sunt, ut aegre ex ea evelli queant. Hora, quae prandium 
proxime antecedit, hoc est nona, omnes rursum in ludum convo- 
candi enarrandusque simplicissime princeps Latini sermonis et facili- 
tatis Terentius, quo praecepta grammatica, quae in poetis propter 
veritatem flexionis et figurarum crebrius densiusque occurrunt, 
exemplis illustribus annotari et veluti demonstrari possint. Huic 
autem interpretationi horam istam unam satisfacere arbitramur. 
A prandio sub primam statim in ludum revocandi et praecepta de 
orationis Latinae constructione, quam syntaxin Oraeco vocabulo 
Yulgo nominant, enucleanda sunt eligendumque ad eam rem ali- 
quid est, quod nee brevitate nimia nee copia et multitudine sit ad 

f) aus omnium. |^) aus ut euro. 



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Die Einrieb tnng des Pädagogiums an der Universität zu Rostock. t57 

ingenia pnerilia ineptum. Quare ad hanc rem nostro iudicio com- 
modoB^) erit ab Erasmo quondam de Latinitate conscriptns libellus 
seu ex Philippi grammatica pars altera, quam syntaxim appellant*). 
Habent enim praeeepta et facilia et exempla venusta sane et clara. 

In bis autem ita versabitur lud! magister, ut exempla, quae 
ad praeceptorum explicationem in poeta oecurrunt, ante oculos 
pnerifl ponat et rationem Latinitatis postulet. Ubi a ludo hora 
secunda fuerint dimissi, unusquisque duabus horis pri?atim cum 
paedagogis suis, quae in ludo didicit, animo revolvat; sie fiet, ut 
feliciter memoriae, quod auditum est, tradatur et ad usum, quoties 
opus erit, revocetur. Ad quartam vero in auditorium revocandi 
sunt et ad orationis Latinae puritatem exemplar illis, quod perpetuo 
et tuto imitari queant, proponendum. 

Cum yero Latini sermonis puritas apud unum Ciceronem 
maxime sit, statim introducendus in scholam Cicero neque prius 
dimittendus quam per omnes classes ita sit tractatus, ut familiarior 
et notior illo nihil omnino esse possit. 

Huius epistolas omnes, cum fieri utiliter non possit, ut a pueris 
eo discantur (multa enim, quae puerilem captum excedunt, com- 
plectuntur) delectus ex quatuor voluminibus, quibus omnes com- 
prehensae sunt, ut familiäres, item ad Atticum, ad Brutum et 
ad Q. fratrem faciendus est neque tam brevissime quam facillime, 
et quae utilitatem aliquam afferre possunt, quales ab eloquentissimo 
Sturmio coUectae sunt, proponi debent. 

Atque hie animadvertendum, ne temerarium istum enarrandi 
morem, qui hactenus apud proletarios explicatores obtinuit, literator 
sequatur. Flaerique enim non recte scriptorem enarratum existi- 
mant, nisi ad illius siugula yerba etiam aperta et minime figurata 
synonymum aliquod atque illud multo quandoque obscurum magis 
qnam ipsum autoris dictum non sit apportatum. Satis profecto 
est, ut puer vim dictionis et sententiae capiat. Quod si yolet 
Synonyma convehere, non utatur aliis quam apud autorem illum, 
qnem enarrandum suscepit, exfare cognoverit. 

Exempli causa. Qui epistulam primam, quae est ad Lentulum 
scripta : „Ego omni officio ac potius pietate erga te, caeteris satis- 
facio Omnibus, mihi ipse nunquam satisfacio^, interpraetatur, satis- 
fecerit pueris, si indicaverit hoc loco officium nee munus, ut offi- 
cium consulis, nee opus aliquod, sed cultum illum, quem amicis 



h) aus comodus. i) aus apeUant. 



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158 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

debemus, significare. Deinde ac potius pietate annotabit hoc 
loquendi genus, quod per correctionem nominant et venustam et 
Ciceroni familiäre, quoties sententiam augere instituit. Kon enim 
cuitu illo amicitiae ex aliorum sentencia, Lentulo se satisfecisse 
asserit, sed eultu longe maiore, nempe illo, quem parentibus 
et his quos aequali cum parentibus observantia colimus, debemus. 
Mox: Caeteris Batisfacio Omnibus, cum apud Ciceronem non sit 
ullum cum satisfacio synonymum, nisi quod aliquando pro illo, quod 
debeo, soWo (ni fallor) in oratione coUocat, non puto hie anxie 
inquirendum, quid hie afferri oporteat. Quare meo iudicio longe 
rectiuB fecerit, si indicaverit, quod venustius multo inter duo ista 
eiusdem casus nomina interseratur verbum, quam si verbum yel 
procedat vel subsequatur. Aiicere etiam licebit non perpetuo 
compositionem hanc servari, sed nunc dictionem unam interponi, 
ut hoc ad Atticum: Yarro satis mihi facit; nunc duas ut: Satis 
officio meo factum esse arbitror; nunc plures, ut: mihi vero satsi 
superque istorum studiis videtur satisfactum. Sed eiuscemodi prae- 
ceptores ipsi facile animadvertere ac observare solent. 

Haec adiecimus, ut indicaremus, quodnam diligentis in dictio- 
nibus enarrandis officium interpraetis existat. Hora una huic lectioni 
satis esse videtur. In hac autem classe Terentius prope totus 
ediscendus est, maxime autem insignes et illustres illae narrationes 
sermonisque formulae vulgares, quae cum nostro idiomate plaerun- 
que consentiunt, neque patientur praeceptores, ut Oermanicae 
linguae stribliginem^) Latinitati deinceps admisceant. Non enim 
satis est, quocunque Latine loquantur sed puris et Romanis,^) id est 
exquisitis verbis mentis sentenciam aperiant, hoc unum est, quod 
maximopere desideramus. Hie quoque scribendi exercitationibus 
uti incipiant, siquidem haec consuetudo ingenium incitat, memoriam 
acuit, facilem componendi viam efficit. 

Dictet itaque magister gregi etiam syllabatim patria lingua 
epistolii argumentum, non qualecunque, sed facile et in quo Ciceronia- 
nae orationis formulae locum comAiodum habeant: quavis autem 
septimana, id bis minimum fieri debet. Tantum vero praeceptoribus 
temporis iis recognoscendis et emendandis impartiendum, ut nullius 
scriptum, quod recitet aut indicet, omittatur. Beddet enim hoc 
diUgentes magis et scire multum refert, quibus in rebus vitupera- 
tione, quibus laude. digni*sint. 



k) aus stribiligiraem. 1) aus Bhomanis. 



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Die Einrichtung des Pädagogiums an der Univei-sität zu Rostock. 159 

Tercia classis. 

Cnm fieri vix possit, ut ingenii promptitudo et alacritas con- 
sistat sine poetices et carminum rationis cognitione neque quen- 
quam unquam progressus in literis fecisse meminimas, qui non 
fuerit eius artis peritus. In hac classe yersuum componendorum 
artificium diligenter tradendum est. ilfon enim ad phrasin et stylum 
formandum haec res modo potest, sed ad reotam pronunciationem 
Tia est longe facillima et expeditissima. 

Horam septimam huic studio nuncupamus. Sunt autem prae- 
ceptionibus exempla exquisita quidem adiungenda, qualia in heroico 
carmine Virgiliana sunt, quae propter versuum aequalitatem et 
dictionis puritatem proprietatemque primas in hoc genere tenent. 
Ibi quem putaverint Virgilio adiungundum, non videmus, quis Clau- 
diano accommodatior esse possit. 

Nam reliqui, qui Quintiliani tempore floruere ut Statins, Syllius, 
Yalerius Flaccus, Persius, luvenalis, duriores sunt et minus proprii. 
Elegiam optime lusit TibuUus, deinde Propertius, Ovidius omnium 
est facillimus. Ex hiis loci aliquot insignes, ut qui ad mores 
formandos faciunt vel descriptiones illustres rerum aut personarum 
continent, deligendi. Lyricorum solus Horatius dignus, qui legatur. 
Epigrammatum yero author optimus Martialis, in quibus non aliter 
versandum ac de elegiographis censemus, hoc est, castissima et ad 
captum puerilem aptissima deligantur. Hendecasyllaba nemo 
elegantius rotundiusque CatuUo tomavit, cui si abesset obscenitas, 
primas merito deferremus, adeo prope ad Ciceronem Latini sermonis 
proprietate accedit. 

In poetis autem explicandis vis et structura verborum annotanda 
est, epithetorum aptus usus indicandus. Nam ut non quaevis vestis 
cuilibet personae convenit, ita nee epitheta quovis in loco gratiam 
habent. Qui solem aestate dixerit tepidum, in vere rapidum contra 
naturam syderis et temporis peccat, utrunque tamen eidem soli 
apud Yirgilium attribuitur. Sed ista ab aliis copiose tractantur et 
nos aliud agimus alioque properamus. Hora deinde nona cum 
infima classe Terentiana lectio hisce communis erit, omnes enim 
authoriis huius comoediae™) discendae sunt, nee unus annus ad id 
satis esse videtur. A prandio Horatii artem, quae ad Pisonem 
scripta est, explicandam censemus, multum enim eruditionis, multum 
iudicii habet. Huic libello, quoniam brevius disci potest, authores 
figurarum, adiiciendi sunt, deligat autem praeceptor ad hanc rem, 

m) aus comaediae. 



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160 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 

quem putaverit appoBitissimum. Diomedes et Donatus satis aperte, 
Mosellanus satis copiose illas descripsere. lam hora quarta epistolas 
Ciceronis, lectionem rursus utrique clasei communem esse volnmus, 
nam in qnatuor tomos selectas has epistolas digessimus, ut sex 
menses singulis tomis destinari commode queant. In quavis antem 
hebdomada et carminis argumentum, nunc heroicum, nunc elegia- 
cum, nunc Sapphicum , nunc aliud genus praescribendum idque ut 
diligentia, qua fieri possit, tractent omnes adnitendum. Dictandom 
item huic classi ad epistolam componendam argumentum, sed 
semel duntaxat, quod tali diligentia recitandum, quäle in superiore 
classe significamus. 

Secunda classis. 

In hac classe amplius aliquid audebunt pueri et veterum more 
ad rhetores ducendi, sed eo ordine, quem omnium artium consti- 
tutiones requirunt, nimirum ut rudimenta quaedam primum tradantur 
veluti principia, quibus utcunque imbui ab artis difficilibus prae- 
ceptis minime absterre antur. In hunc usum conscripta sunt a Graecis 
sophistis progymnasmata. ut quae Aphthonii nomine circumferuntur 
et a Rhodolpho Agricola Phrisio in Latinum sermonem sunt con- 
versa. Extant et eiusdem argumenti Theonis cuiusdam copiosiora 
quidem illa et magis culta, nam quisquis hie fuit, commentarios, 
quos Numerianus in Äphthonium scripserat, suis adiecit. Hunc 
autem quia nuper pure et terse loan. Camerarius Latine reddidit, 
in hac classe servandum existimamus et ad praecepta Theonis sin- 
gulis septimanis progymnasmaticum argumentum a pueris poscen- 
dum. Nihil enim de re quapiam dici potest, cuius exemplum in 
sophistis istis non extat, et utile fuerit in encomiastico reliquisque 
generibus ita pueros esse exercitatos, ut in Corona sodalium ali- 
quando dicere audeant, sie fiet ut ad declamationes, quas in sequenti 
et prima classe instituemus, longo sint et paratiores et confidentiores. 

Praeceptor deliget ad hanc rem illos, quos ingenio, industria, 
diligentia viderit praestantes. Haec autem progymnasmata mane 
sunt docenda. Hora nona insignes illos de amicitia et senectute 
Ciceronis Ubellos diligenter tradendos censemus, ut praeceptis 
Theonis Latinitas et copia orationis sufficiatur. Quoniam autem in 
integrum annum ista Ciceronis opuscula non sufficiunt, interprae- 
tandas vicissim orationes aliquot eiusdem authoris putamus, ut 
illam, quae pro Archia et de lege Manilia dicta est, item Catili- 
narias et quae sunt argumenti facilioris. 

Horam vero, quae prandium sequitur, Graecae grammaticae 
tribuendum censemus, quam sane simplicissime doceri interest, hoc 



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Die Einrichtmig des Pädagogiums an der Universit&t zn Rostock. 161 

est, uü nominam verboramque flexiones maxima diligentia IbcuI- 
centnr, nihil yere tantopere in hao arte urgendnm est. Nam syntaxis 
fere tota onm Latinis est eadem et paucis, in qnibus est variatio 
aliqna, tradi potest. Ad hanc rem utUissimas nostro iudicio 
Clenardus visus est, verum quia tota ea ratio tribus mensibus 
integre tradi potest, satis est, ut mediam horam praeceptis, reliqnum 
anthori alicni, nt Hesiodo aut Eurypidi aut Sophocli concedamus. 
Praecepta enim sine anthorom exemplis memoria teneri aegre 
possnnt. 

In Graecis antem anthoribus interpraetandis non desyderamus 
anxiam illarum rerum explicationem , Terum satis est, ut sententia 
authoris probe cognita in verbis et dialectis sint occupati. Quin- 
etiam differentia Graecae et Latinae phrasis dUigenter explicanda, 
indicandum quid Graece") probe dictum, Latine ut insolens et ab- 
surdum non sit imitandum. Horam quartam exemplis progymnas- 
matum enarrandis transfigendam putamus, et si quae illustres apud 
Ciceronem et historicos nobiles narrationes, si quae communes loci, 
si quae theses, ea omnia dictanda praelegendaque a praeceptore 
censemus. 

Prima et summa classis. 

Quandoquidem rhetorica praecepta sine dilecticis yix percipi 
qneunt et iam in gradu illo pueri sunt,^) ut ad Aristotelem prope- 
modum aspirent, necessarium fore duximus, ut in rudimentis dialec- 
ticis, quae ab omatissimo Phi. Melanchtone consoripta sunt, hora 
matutina operam coUoeent. Hie omnes artis definitiones ediscant 
definiendi dividendique simplicium Yocum, ut categorematum et 
categoriarum , item compositorum et simplicium pronuntiatorum 
vim, ad haec argumentationum formulas in promptu habeant, loco- 
rum numerum et usum cognoscant, ne cum ad Aristotelem accesse- 
rint, rüdes plane et ignari in graviora Ulius praecepta impingant. 

Hora nona a paedagogio veluti emancipati ad rhetorices pro- 
fessorem publicum comeabunt et illum attente andient nee a lectione 
illins vel momento temporis aberunt. Cum pransi fuerint, ad 
Graecam lectionem redibunt, quae huic classi cum secunda erit 
perpetuo communis. 

Hora quarta officia Ciceronis exbibebit, quem librum Plinius 
gravis in primis author non modo in manibus habendum quotidie, 
sed etiam ediscendum asserit, hunc ut fidelem admonitorem audientes 
studiosissime et prope ad verbum ediscant. Non enim dictionis 

n) aus Graece. o) ans sint. 
Moniimenta Qemumiae Paedagogioa XXXVJUl 11 



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162 Urkunden a. Akten zur C^chichte des mecklenburg. UntemchtsweBens. 

eloquentiam solum, non exempla tantam aperta, quibus artis prae- 
oepta oonfirmantur, eoppeditat, sed optimam hominiB partem niminim 
meutern sanctLs et honestis moram disciplinis, quas hoc aetatis 
tempore pueritiam adoleecentiamque reverenter colere oportet, 
format. In hac olasse praeeeptor declamationis argumentum aliquod 
insigne praescribat et quos ingenio reliquis euperiores deprehen- 
derit, singulis mensibus publice in oelebri magistrorum omnium 
oonventu orationem dicere iubeat. Sit hie classium yeluti terminus 
et deinceps ad graviore» artes instrumento dicendi belle instractos 
adolescentes amandamus. 

Quid diebns feriatie et sacris tractandum. 

Cum christianos pueros instituendos susceperimus, necessarium 
esse arbitramur, ut et hie officium, quod^) ad pios pertinet, descri- 
bamus. Sacris itaque diebus paulo maturius quam profanis ad 
ludum accedant et his, qui classium duarum superiorum ordinem 
habent, novum testamentum ea lingua, qua a sanctis apostolis 
scriptum est, hoc est Graece explicetur. 

Magnum commodum adfert ea lectio, etenim lesu Christi ser- 
yatoris nostri historiam et leges praeceptaque solida et pura ad 
vitam Christiane degendam ex ea hauriunt. Ad haec yerborum 
Graecorum ingens vis in eo sancto Script o extat, quam sine aliquo 
negocio sie percipiunt et in hoc, quia lingua GhnEtecorum communi 
editum est, nnlla difficultas aut phraseos aut figurarum aut dialecticon, 
quo minus facile percipi possit, obstat atque impedimento est. In- 
ferioribus vero duabus idem hoc Latine ab Erasmo evulgatum in* 
culcandum putamus. Foelices enim sapiens ille Hebreus existimat, 
qui ab infantia mandata dei cognoscere studuerunt. 

De sacris concionibus. 

In lectionibus istis haerendum, donec signo concio sacra indi- 
catur, mox ab infima dasse ad supremam usque omnes ad aedem 
saoram composite, ut moratos decet pueros, ire pergant, ante con- 
cionem nudato capite omnes consistant, intentis oculis, attenta mente, 
quid istic dicatur, animadvertant. 

Sacros psalmos ad chori modulos si noverint, apte concinant 
neque quoquam abeant, priusquam tota concio fuerit dimissa. Cum 
a prandio in ludum hora prima redeunt, inferioribus duobus ordi- 
nibus catechismus aliquis pius, qui ab infaminm sectarium autho- 

p) aus quid. 



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Die Einrichtong des Pftdagogiunu an der üniyeEsitftt asu Rostock. |63 

riboB non mt Bcriptue, explioandua est. Superioribus Laetaatü 
Finniani, euius dictio tolerabilis est, libellus de mirabili opificio dei 
«iiarrandiis, ut ex operibus magnificis et admirandis onmiiim remm 
opificem stapendam toto animo diligant et revereantor. Licebit 
et Pmdentii poemata yicissim interserere. Nihil enim habent, qaod 
pinm auditorem offendere qoeat. 

Praeter hos, qaos e profaois et saoris aathoribns soholae 
assignavimus, nullos puer Ubros habeat, duIIos legat, id vero dili- 
genter et praeceptoribus et paedagogis curaDdom atque animad- 
Tertendum mandamus. Nihil siquidem excogitari potest ingenüa a 
progretBu literamm aroendis pestilentius. Interim tarnen lexioa et 
Graeca et Latioa, item Germanioo Latina usurpare sit illis liberum, 
at memoriae imbecilMtati, quoties dictionis aliqua significatio rarior 
aat ignotior oocurrit, saocurrator. 

Institutionem autem istam, quam in quatuor digessimus annos, 
n et pneri sibi ipsi et praeceptores illis deesse noluerint, satis esse 
pntamus ad eam praeparationem, quam ad Organum Aristotelis, hoe 
est maioram artium omnium instrumentum adferre debent. Quanquam 
antem mnlto plura indnstria humani ingenii tanto temporis spatio 
percipere possit, sufficere tarnen ista yidentur, ut ex aequo uni- 
versis Yia sit aperta et facilis ad id per?eniendi, quo sunt destinati. 
Quanquam enim hi, qui industria antecellunt caeteros, vel triennio 
opus ad hanc rem yix habeant, curandum tarnen est, ut qui sunt 
ingenio dnro et obtnso, aequaliter cum illis progrediantur. 



Die Lehraufgabe in der ersten Klasse der sehola philosophlea 
(Pidagogium) Arnold Bürens. 

[Rostock c. 1532—1566.] 

Scholasticos nostrae philosophicae scholae distribuimus in audi- 
tores grammaticos, studiosos laureae et magisterii philosophici 



Zu lOe: Ans Bürens Yerteidignngsrede, zu welcher Melanchthon die 
Vorrede schrieb: Oratio Ar. Burenii cansas exponens, cur scholae philosophicae 
praefecti in academia Rostochiana in disciplina resarcienda elaborarint, et quo 
ordine et qua ratione tum docendi tum discendi in illa hoc tempore publice et 
privatim utantur, cum apologia, qua sycophantis respondetur, qui praesentem 
scholae' statum pudoris et veritatis obliti deformare, quantum possunt, iam 
pridem laborant. Seite 12. 

Die Vorrede Melanchthons weist auf die Ursachen der schlechten Zucht 
unter den Studenten hin, u.a.: Audivi multos et quidem scholasticos, quorum 

11* 



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164 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

candidatos. Auditoribiu grammaticis horis antemeridianis propo- 
nimus privatim epistolas Ciceronis et praecepta etymologiae, pome- 
ridianis autem vel comoedias Terentii vel poema aliquod sive 
Yirgilii sive Ovidii, et praecepta syntaxeos et prosodiae. 

Autores explicati cum auditoribus ita releguntar, ut omnia 
iBter examinandum cum praeceptis enarratis diligenter conferantar 
et adolescentes ad rei grammatiae et Latinae linguae cognitionem 
non satis instructi in utraque re aliquem progressum facere cogan- 
tur. Tum, quod attinet ad religionis Studium, damus operam, ne 
christiana et yere pia iuTentutis institutio nostrae soholae desit. 
Nam tempora, quae solent, in scholis religiöse constitutis cognitioni 
dei et sacrae scripturae tribuuntur. Praeter festes enim dies, qoi 
toti in tractatione rerum sacrarum ponuntur, dies Mercurii et Satami 
partim in interpretatione catecheseos, partim in exercitiis styli et 
memoriae consumuntur. 

Haec aetas, quod sibi parum consulit, legibus ad partes edis- 
eendi et exercitationis munus astringitur, et poenae desertores 
officii, cum necessitas requirit, ad suum pensum absoWendum ex- 
stimulantur. Ut enim bona nomina non appellata saepe mala finnt, 
sie et adolescentia, si non exoitetur aliquando, facile of&cii ob- 
liviscitur. 

d. 
Aus den Unlyersltätsstatuten yom Jahre 1548. 

Nullus studentum habitet alibi quam in aedibus scholasticis 
destinatis, nisi ex causa hac lege per concilium absolutus sit et 
venia impetrata, quam elapsis sex mensibus denuo impetret. 

Nullus regentium in domibus privatae disciplinae retineat aut 
foveat apud se dyscolum et improbis moribus praeditum, unde 
reliqui infici possint*) sub poena unius fl. 

Item Studiosi regentibus commissi debitum honorem et obedien- 
tiam eis semper praestent in re quavis licita et honesta. 



aetas non procul a yicesimo anno aberat, qui symbolum apostolorum recitare 
non poterant. 

Die 2. Klasse Bürens enthielt die studiosi lanreae, die 3. die candidati 
magisterii philosophici. 

Zu 10 d: Original im Qniversit&tsarchiy zu Bestock: Statuta academiae 
Bostochiensis de studiis et moribus auditorum in schola proponenda 1 — 46. 
1548. §§ 6. 16-19. 21. 22. 24. 

a) Verbessert aus „possent". 



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Die Emrichtmig des P&dagogioms etc. — Die MiWirkung der Soh&ler etc. 165 

Item Studiosi cum suis regentibus ooutendere non debent nee 
aliquid eonvitii aut contumeliae iisdem exhibere, sub poeua rele- 
gationis 7el arbitraria. 

Item omnes domus privatarum disoiplinarum claudi diligenter 
debent vesperi post redditum Signum horae nonae, sera bene 
munita, cuius clavis non sit alten oommissa quam rectori domus 
aut eiuB adiutorii. 

Item Latine loqui sub poena pecuniana cogantur discipuli a 
regentibus; nee minus illi puniantur, qui tempore publicarum lectio- 
num yagantur, mulcta quatuor solidorum, quam rector domus exigere 
tenetur et nisi solverit rectori academiae indicare sub poena octo 
solidorum. 

Nullus item discipulorum contumelia aut iniuria alterum afficiat 
aut etiam obscoena loquatur sub poena pro qualitate commissi 
exigenda. 

Item quaeque domus, in qua est privata disciplina, tabulam 
habeat aperte pendentem, in qua statuta domus inscripta sint, sub 
poena quatuor florenorum, quam qui corruperit, instituet reformatam 
et mulctae loco aureum numerabit. 



11. 

Die Mitwirkung der Schüler im Gottesdienst 
nach der Gottesdienstordnung von 1545. 

De prester, wenn he syck hefft angeklededt, wende he syck 
Tor dem altare umme unn segge tho dem Yolcke: 

Hyr nha^) schall in den steden de cantor edder scholmester 
den introitum anfangen tho latin effte syngen under tyden enen 
düdeschen*) psalm: Erbarme dy myner o here godt etc. 

Zu 11: Aü8 „Ordeninge der misse, wo de vann denn kerckheren unnde 
Seelsorgern ym lande tho Meckelnborch, im fArstendom Wenden, Swerin, Rostock 
nnnd Stargharde schal geholden werden. 1545*'. Weggelassen ist alles, was 
die Schule nicht unmittelbar betraf, also die liturgischen Handlungen des 
Geistlichen, aber auch die Notensätze, welche für die Geschichte des Gesang- 
unterrichts zwar nicht unwesentlich sind, sowie die bis ins einzelne ausgeführte 
Angabe der jeweiligen Gesänge und Responsorien. 

tt) fi las ich wie ü, d wie ö, dagegen in chdr wie o (e = Tonzeichen, wie 
anch bei S und oft bei ä). 

>) Nämlich nach der Beichte und der Absolution. 



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166 Urkunden u. Akten bot Geschichte des mecklenbarg. üntenrichtsweeeiM. 

Menn kan dat yar aver in dea Btedeo syngen de introitos, 
de nicht wedder de hillige sohrifft sjnt. 

In den bogen festen, wynachte: Puer naias eto. 

In die epiphanie: Eoce advenit etc. 

In die purificationis synge me Tor enen introitum de Teer 
Bchönen versehe: Eyn kyndelin etc. Welck ock de sondage 
twyschen ivynachten und lechtmissen up den dörperen schal vor 
enen introitum gesungen werden, up welckere sondage in den 
steden under tyden dat ofBtium: Puer natus, mach gesungen werden. 
In den ostem: Resurrexi. 
Aseensionis: Yiri Galilei. 
In den pinxsten: Spiritus domini. 
Trinitatis: Benedicta sit sancta tri[nita8]. 

De kerckheren in den steden werden dar acht up hebben 
unde dem rectori anseggen, dat he dat yar dorch up de sondage 
und feste de introitus ordentlick synge und den kyndem ydt Yorhen 
ayersynge. He mach ock up de sondage syngen nu: De trinitate, 
under tyden ^): Spiritus domini, ock: Omnes gentes plaudite manibus, 
welcke up den avent aseensionis vortekent. 

Ock dath schone gebedt Danielis: Omnia, quae fecisti nobis 
domine, welck am donnerdage na judica steyt. 

De schonen gesenge ock tho tyden: Salus populi, am donner- 
dage na oculi. Exsurge®) domine, in rogationibus. Letetur cor 
querentium dominum, quinta feria post letare. Dum sanctificatus 
fuero in vobis, am^) mydweken unde donnerdage na letare. 

De kerckheren werden de echolmeysters unde cantores flytich 
Yormanen, dat se darup sehen, dath de gesenge syck fyn rymen mith 
den festen. Wenn se neue gesenge dar tho hebben, so nemen se 
de frölikesten psalmen edder lede unde sehen yo darup, dat de 
gesenge uth der reynen schryfft syn unde reyn, lustich unn Yor- 
stentlick vor de leyen uth gades werde gemaket. 

Upp den dörperen schal men stedes eynen düdeschen psalm^) 
syngen vor den introitum. 

Dat kyrie eleyson mach men syngen nha gelegenheyt der 
tydt, wo beth hertho geholden ys. In den steden synge men tho 
tyden dath nageschreven^) latin ock düdesch. 

b) Hier mnß ich dahingestellt sein lassen, ob die Interpunktion der Vor- 
lage wiederhergestellt werden soll: ap de sondage syngen, nn de trinitate, 
unter tyden, spiritns domini. e) Verbessert aus „exurge**. d) Ausgelassen 
ist „wo", das vor „am" stand, e) Verbessert aus gpalm". 



') Es folgen die Melodien. 



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Die Mitwirknog der Schfiler im Oottesdienst etc. 167 

Dat dfidesohe kyrie summiim: Ach yader alder hSgesie godt, 
•ehölen de kerckheren up den dorpern syngen unde dem yoloke 
ydt leren, dat de gantze kercke ydt synge. De koster kan groth 
gadt darynne den, wenn he syck nicht nth dem wege stickt, eck 
aieht (wo etlyke den) np dat altar liggen gaen, sonder 3rm chor 
syck tho tyden na der keroken wende nnd dem Tolcke wol Yorsynge. 

In den steden schall hyr nha^) tho tyden yan den kinderen 
eyn alleluja gesungen werden, wente aUeli^ja ein ewich frölich 
stemme der kercken ys. Me kan de velen unnütten noten stan 
laten unde syngen alleluja unde dat versch vort dar up. Düsse 
aUeluja konen de cantores den jungen thoTome aversyngen, up 
dat ydt schon unde wol gesungen werde. 

In dem advent synge me: Ostende nobis domine, Dominica 
prima adventus, welck ock underwylen ym yar up de sondage kan 
genamen werden. 

Up de gemenen sondage synge me underwyle de sequentie: 
Benedicta semper sancta etc, ock tho tyden düdesch, de sequentie: 
Sancti spiritus adsit nobis gratia, ock tho tyden: Laus tibi Christo, 
qui es creator, welcke den kyndem vorhen scholen geleret werden. 
Up den dörperen schal me stedes einen düdeschen psalm sjmgen, 
wo me in den steden tho tyden ock don mach 

In den steden, dar denn namiddach de catechismus gepredyget 
werth, schal de pastor na dem gespraken bede einen psalm 
anfangen, de nicht lanck ys, gemenlich eyn gebedt, den de gantze 
gemene syngen kan, also: Idt wolde uns godt gnedich syn. Here 
Christ etc, wat kan uns kamen an vor nodt. 

Up den dörperen schal stedes de kerckhere na der predike, 
wen dat gebedt gesehen ys, den catechismum dem Yolcke vorlesen 
unde de werde, wo im klonen catechismo vann D. Luthero gesettet 
ys, dar up den syngen de teyn gebodt 

Nha dem de kerckheren den morgen ehren gades denst up 
denn dörperen so uthgerychtet hebben, werden se ock allen flyth 
vorwenden, dath de hyllyge dach up den namyddach nicht mach 
unnütte by den ehren unde van ehn tho gebracht werden. Is 
derhalven vor christlick unde gudt angesehen, dat eyn yder 
kerckhere up den dörperen tho YII siegen lüden laten tho der 
lere des catechismi, ock denn morgen dat volck dar stedes tho 

•) Nach der Schriftverlesung. 



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] 68 Urkunden u. Akten zur Oeechichte des mecklenburg. dniemchtswesens. 

Tormanen, dat se ehr gesynde unde kynder mit flyte dar hen. 
forderen unde de olden ock sülven mit gan. Denne nha dem. 
gebede, wen syn gesungen de gebade, de geloye, vader iinse, 
echal de kerckher anfangen denn klenen catechismum D. Lutheri, 
wo he in den sanckböken^) steyt, unde den beth thom ende Yor- 
lesen, dar nha eyn weynich leren nicht eyn femdeH) yan eyner 
stunde unde heve denn an dat gesynde unde de kynder tho vor- 
hören, unde late etlyken tho tyden de gebade mit der uthleggynge 
seggen, etlyken den loven. Tho düsser nhamyddages predyke 
schal de kerckhere nicht up den predichstoel stan, sünder vor dat 
chor stan gan an eynem bequemen ordt, unde lere unde vorhöre 
so syne bevalen schape, dar vele frucht und gudes na kamen wert. 

De huß tafPelen können tho tyden de kerckhere mede Tor- 
lesen, wen de kynder unde dat gesynde de gebade und den 
catechismum ein weinich gefatet hebben. 

De kerckheren mothen sick ock in düsser vorhörynge und 
lere früntlick stellen, dat se de lüde nicht affschrecken, sünder 
mit früntlicheyt de jögent locken, dat se mit lust tho düssem 
hilligen gades denste kamen. 

Wen ock eyn kerckher am sondaghe modt up twen orden 
syn unde predygen, an dem orde, dar he latest ys, dar schal he 
verharren unde der jöget tho YII. den catechismum predygen. So 
denne jo neue maltydt vor den kerckheren an dem orde beredt 
were, willen sick dennoch de kerckheren ydt nicht laten vordreten, 
sünder de kleyne tydt dulden unde wyllygen leren. De wäre ertze 
herde, unse here unde salichmaker Jhesus Christus, wyl ehne de 
unvorgencklike crone der ehre geven. Amen. 



*•) In den Slüterschen Gesangbüchern steht der Katechismus nicht ; s. Bach- 
mann, Geschichte des evangeL Kirchengesanges in Mecklenburg. 1881. S. 44. 
Es muß also schon damals in Mecklenburg ein anderes Gesangbuch bekannt 
gewesen sein. 

») d. i. Viertel. 



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Die mecklenbingischen Schulordnangen von 1652 und 1602. 169 

12 und 13. 

Die mecklenburgisclLen Schnlordnimgen 

Yon 1552 und 1602. 

Vorrede. Ulrich von gottes gnaden 

DEr allmechtige, ewige gott ^ertzog zu Meckelnburg, fürst zu 

hat sich mit vielen sichtbaren ge- Wößdön? paff z» Schwerin, der 

wissen Zeugnissen den menschen '*^*® Rostock und Stargardt herr, 

Ton anfang her geoffenbaret, als ®^* 

mit der ausfürung der Israeliten NAch dem die ewige göttliche 

aus Egypten, mit der sendung maiestet alle christliche fürsten- 

Zn 12 und 18: Der Titel der enteren lautet: Kirchenordnung: Wie es 
mit christlicher lere, reichung der sacrament, Ordination der diener des e?an- 
gelii, ordenlichen ceremonien in den kirchen, Visitation, consistorio und 
schulen im hertzogthumb zu Meckelnburg u. s. w. gehalten wird. [ Es folgt 
das Wappen.] Witteberg. 1552. Die Bückseite dieses ersten Blattes wird von 
demselben Wappen in großer Ausführung eingenommen. 136 Blätter. Am 
Schluß: Gedruckt zu Witteberg durch Hans Lufft. Im jar. 1552. Außer dieser 
Wappenansgabe findet sich von demselben Jahr 1552 noch eine zweite ohne 
Wappen, der allerdings kein von der ersten verschiedener Satz zugrunde liegt, 
die aber doch einige Verschiedenheiten im Text aufweist. Die Wappenausgabe 
war iür Mecklenburg bestimmt, die Ausgabe ohne Wappen ließ Melanchthon 
im Namen der .Wittenbergischen Kirchen" drucken, und so ist die mecklen- 
burgische Kirchenordnung von 1552 — und es findet sich noch eine Ausgabe 
Ton 1554 — ganz oder zum Teil in andere Territorien oder zum mindesten 
in andre Kirchenordnungen herflb ergenommen, wie z. B. die Kurpfälzische von 
1556, die Pfalz-Zweibrückensche von 1557, die Braunschweig-Lüneburgsche von 
1563, die Hessische von 1566, die Kurl&ndische von 1570, die Oldenburgische 
von 1573, die Hoyasche von 1583. 1557 wurde im Lande selbst eine nieder- 
deutsche Übersetzung hergestellt. 

Der Titel der Ordnung von 1602 lautet: Bevidirte kirchenordnung: Wie 
es mit christlicher lehre, reichung der sacrament, Ordination der diener des 
evaDgelii, ordentlichen ceremonien in der kirchen, Visitation, consistorio und 
schulen im hertzogthumb Meckelnburg etc. gehalten wirdt. [Es folgt das 
Wappen.] Rostock durch Stephan MüUman gedruckt. Anno MDGII. Die 
Backseite nimmt dasselbe Wappen in großer Ausführung ein. 280 Bl. nebst 
4 Bl. Noten. Diese Ausgabe ist 1650 unverändert abgedruckt, nur daß eine 
neue Vorrede am Anfang und ein Index am Schluß angefügt wurde. Wie 
beide Ordnungen hinsichtlich des Schulwesens miteinander übereinstimmen 
oder voneinander abweichen, wird die Nebeneinanderstellung der Texte dar- 
tnn. Ausführlicheres zur Geschichte derselben siehe in meinem Aufsatz über 
die mecklenburgischen Kirchenordnungen in den Jahrb. für meckl. Geschichte. 
Jahrg. 63, 8. 177—226 und 64, S. 1—77. — Der Abdruck geschieht nach Exem- 
plaren in der Gttstrower Domschulbibliothek. Abgedruckt sind beide Ord- 



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170 Urkunden n. Akten znr Geschioihte des mecklenborg. UnterrichtsweeenB. 

seines sons Jhesu Christi, mit uff- tumb, stedte und herschafften zu 
erwecknng der todten und yielen diesem fomembsten und letzten 
grossen mirakeln. Und hat dabey ende geordnet, erhelt und be- 
bezeuget, das dieses arme, elende wäret, das es wonungen und 
menschlich geschlecht nicht zu tempel gottes sein, darin wäre 
diesem vergenglichen wesen er- erkentniß und anruffung gottes 
schaffen sey, sondern das er im und unsers heilandes Jesu Christi 
eine ewige kirche im mensch- leuchte und gott eine ewige 
liehen geschlecht samlen wolle, kirche durch sein wort und pre- 
welcher er seine Weisheit, ge- digampt gesamlet werde, in 
rechtigkeit und freude, in ewig- welchen versamlungen herm und 
keit mitteilen wolle. unterthanen, jung und alt, gott 

semptlich anruffen, dancken, loben 

und preisen. 

Das nu dieser göttlicher will. So erkennen wir, das wir vor 
und der son gottes Jhesus Chri- allen dingen dem ewigen gütigen 
stus und die göttliche lere im gott und unserm heilande Jesu 
menschlichen geschlecht bekant Christo diesen fiimehmen, hohen 
weren, hat gott selbs das pre- und angenemesten dienst schuldig 
digampt eingesetzt und wil, das sein, das wir sein heiliges gött- 
öffentliche, ehrliche versamlungen liches wort von hertzen lieb haben, 
sind, darin seine lere den men- fleissig hören, lesen, öffentlich 
sehen öffentlich furge tragen werde, bekennen, in unseren forsten- 
Wil auch durch die selbige seine thümen und landen rein und 
lere krefftiglich wircken. Und hat trewlich predigen lassen und als 
derhalben allen menschen geboten, den höhesten tewersten schätz und 
seine lere zu hören und zu er- eine gute werde beylage unsem 
haltung des predigampts trewlich nachkomen und lieben getrewen 
hülffe zu thun. Und hat offt der- unterthanen rein und unverfelscht 

halben die regenten ernstlich an- verwaren und aufferben 

gesprochen, als psalmo 11 

Von wegen dieser aller höhe- So sind wir ja alß oberste 

sten, emstlichsten, unwandelbaren patron und schutzherr der kirchen 

nungen in , Geeetzsammlung für die Meckl.-Schwerinschen Lande". Erste 
Sammlung, vom Anbeginn der Tätigkeit der Gesetzgebung bis zum Anfange 
des 19. Jahrhunderts. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage der sog. 
Parchimschen Gesetzsammlung. II. Band. 1805. S. 1—87. S. 87—264. und 
sonst. Ein Teil ist auch abgedruckt in Vormbaum, Ev. Schulordnungen. I. Band. 
1860. S. 59—65; nicht zu vergessen das große Werk von Richter: Die ev. 
Kirchenordnungen. Band IL 1846. S. 115 ff. — Ich las ü, &, ö wie ü, ä, ö; 
die häufige Abkürzung „un'' wie das ebensooft vorkommende »und". 



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Die mecklenburgischen Schulordnungen Ton 1652 und 1G02. 17| 

gebot göttlicher maiefliet erkent und heiligen predigampts in un^ 
die faoehlöbliohe hemchafffc im sem yon gott uns verliehenen 
hertaogthnm Meckelnbn^, das fürstenthumen und landen gott 
sie gott diesen gehorsam Tor zu ehren und zu christlicher und 
allen dingen schuldig ist, aUen heilsamer Verwaltung des gantzen 
mfiglichen vleis zu ihun, das in kirchenampts gott diesen ge^- 
iren landen das heilig evange- horsam für allen dingen schuldig, 
linm rein und treulich geprediget das wir das heilige predigampt 
werde, und das der son gottes in unsem kirchen mit tüchtigen 
Jhesus Christus und seine wol- personen und predigem, welche 
thaten recht erkant und also zur pflantzung und außbreidung 
gott recht angeruffen und ge- der lehr des heiligen evangelii 
preiset und viel menschen selig (welches der grundt und kerm 
werden, und das dazu die kirchen aller christlichen kirchen regie- 
mit tüchtigen personen bestellet, rung ist) geschicket und trew 
consistoria verordnet, und Christ- sind, christlich bestellen und zucht 
liehe zucht und studia erhalten und studia der göttlichen lehr, 
werden. und andern nötigen künsten und 

sprachen, so die bücher des göttlichen worts zu lesen und ver- 
stehen und andern für zu lesen und zu erkleren nötig sind, in 
der schulen fortpflantzen und erhalten, auch ordentliche Visitation 
der kirchen, schulen, klöster und hospitalen fümemen und das 
kirchen gericht zu erhaltung reiner lehr, christlicher zucht, schütz 
der priester und irer einkomen und aller kirchengütern und ehe- 
Sachen gebürlicher Verrichtung christlich bestellen und mit ernst* 
lieber execution halten lassen, so viel uns müglich. 

Derhalben wir neben unserm freundtlichen lieben brudem 
hertzog Johans Albrechten hochlöblicher und seliger gedechtniß 
für funffzig jaren, unsere kirchenordnung, wie es mit christlicher 
lehr, reichung der sacramente, Ordination der diener des evangelii, 
ordentlichen ceremonien in unserer lande kirchen und schulen 
gehalten wird, öffentlich haben außgehen und publicieren lassen. 
Welche wir auch nachmals in iren wurden bleiben zu lassen und 
Dicht abzuthun oder zuverwerffen, sondern allein revidiren, und 
was in dem examine von der lehr mangelt, in eine besondere 
schrifft verfassen, und wo es die notturft erfodert, besser zu 
erkleren bedacht sind. 

Befehlen darauff allen unsem unser universitet zu Rostock 
professom, Superintendenten, pfarherm, predigem, diaconen unnd 
andern kirchen unnd schuldienem, auch unsem amptleuten und 



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172 Urkunden u, Akten zur Geschichte des mecklenburg. UnterrichtswesenB. 

in gemein allen nnsem untertbanen und schütz Terwaaten, das sie 
alle dieser unser Ordnung, so viel ein jeden belangen tbut, fleissig 
und trewlich nach kommen und in Sonderheit die pastom und 
kirchendiener beide in predigen und anderer kirchenampter Ver- 
waltung sich dieser aus gottes wort furgestelten form der lehr 
und ceremonien gemeß und gehorsam ohne einige verednerung 

oder newerung eintrechtig halten 

Befehlen auch sonderlich unsem Superintendenten, das sie in 
allen visitationibus und synodis, fümemblich darauff fleissige auff- 
racht haben, das in der lehr und ceremonien und allen andern 
stücken des gantzen kirchenampts dieser unser kirchenordnuDg 
trewlich nachgelebet und also gott zu ehren und zu vieler menschen 
Seligkeit christliche eintracht in diesen landen erhalten werde. 
Dazu wolle der ewige gott und vater durch seinen eingebomen 
söhn unsem herm und heilandt Jesum Christum mit seinem heiligen 
geist unsere hertzen allezeit gnediglich regieren und stercken. 
AMEN. 

[Es folgt nun die Vorrede von 1552.] 

Kirchenordnung : Kirchenordnung : 

so in unsem, Johan Albrechts, so in unsem, Johan Albrechts 
von gottes gnaden hertzogen zu und Ulrichs, gebrüdere von gottes 
Heckeinburg, fürsten zu Wenden, gnaden, hertzogen zu Meckeln- 
graven zu swerin, der lande bürg, fürsten zu Wenden, graven 
Rostock und Stargard herm, zu Schwerin, der lande Rostock 
fürstenthumen und landen sol und Stargardt herm, forsten- 
gehalten werden. thümen und landen sol gehalten 

werden. 

Christliche kirchenordnung ste- wie 1 552. 
het fiimemlich in funff stücken. 

Erstlich in pflantzung und er- wie 1552. 
kentnis der einigen, warhaff- 
tigen, ewigen, rechten lere des 
evangelii 

Zum andern, in erhaltung des wie 1552. 
kirchenampts, nemlich des mini- 
sterii evangelici 

Das dritte stück ist, ehrUche, wie 1552. 
nützliche, euserliche ceremonien 
in kirchen 



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Die mecUeiibtiTgischen Schulordnimgeii von 1562 und 1603. I73 

Das yierde stück ist, erhaltung wie 1552. 
christlicher schulen und Studien. 
Denn dieses ist gewislich gottes 
wille, das eüiche leut also ufiF- 
geaogen und unterwiesen werden^ 
das sie der propheten und apo- 
Bteln schrifft lesen lernen und 
hernach andern für lesen können, 
dazu Yerstand der sprachen und 
mehr künste dienen, wie S. Pau- 
los Timotheo gebeut, er sol an- 
halten mit lesen, leren und trösten. 
Das kan nicht sein, wo nicht recht 
bestehe schulen sind. 

Das funfPte stück ist, Verordnung wie 1552. 
gewisser guter und einkomen, da- 
mit die prediger in kirchen und 
lerer in schulen gebürliche Unter- 
haltung haben, wie offt in gött- 
lichen geboten gemeldet wird, und 
S.Paulas mit ausgedruckten werten 
spricht, 1. Gor. 9: Also hat es der 
herr geordnet, das diese, so das 
eyangelium verkündigen, vom 
evangelio leben. 

Tom ersten stück, nemlleh Tom ersten stfieke, nemlieh 
von der lere. von der lere. 



Das ander teil. Das ander teil. 

. Ton erlialtong des predig- Ton erhaltung des predig- 

ampts oder ministerU evan- ampts oder ministerU evan- 

gelicL geliei. 



Yon der visitatio. Von der Visitation. 

Des hausvaters äugen und fus- wie 1552. 
trit machen den acker fett, also 
sagt das alte Sprichwort zu er- 
innerung, das in aller regierung 
nötig ist, das diese personen, 



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174 Urkunden u. Akten zur Qeaohichte des mecUenborg. UnterriohtsweeeiiB. 

welchen fürnemlich die regiemng 
befolhen ist, selb Tleissig uffsehen 
und mercken sollen, wie man 
haushelt. 

Also ist hochnötig, das trewe das die Superintendenten 

uffseher bey weilen die kirchen als trewe uffiseber bißweilen die 

besuchen und erkunden sich von kirchen 

der lere und sitten der pastom, wie t552. 

von des volcks verstand und bes- 

serung, von öffentlichen lästern, 

ehebruch und anderer unzucht, 

von Verachtung der christlichen 

lere und sacrament, von un- 

einikeit zwischen den pastom 

und dem volck, von der pastom 

schütz und Unterhaltung, von den 

gebe wen, vom einkomen der 

kirchen, davon man die pastom, 

diacon, schuln, hospitaln und 

arme leut, welchen die kirch 

hülffe thun mus, unterhalten sol. 

Nu kan nicht alle jar eine wie 1552. 
gantze und general visitatio ge- 
schehen. Daramb wollen wir 
mit gottes hülff verordnen, das 
in jedem jar in etlichen emptem 
die kirchen visitiert werden. Und 
sol das consistorium davon er- 
innerung thun und de register 
bey sich haben. 

Erstlich aber wollen wir eine wie 1552. 
gemeine visitatio im gantzen 
fürstenthum mit gottes hülff fur- 
nemen. Dazu sollen neben den 
gelarten etliche personen vom 
adel und landrethen verordnet 
werden. Und sol dazu die un- 

kost aus den kloster gutem ge- auß den clSster gutem 

nommen werden, wie auch in oder auß den negsten en^tem 
der particular visitatio damit der genommen werden, ..... 



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Die meoklenbargischen Schnlordnaogen von 1552 und 1602. 175 



armen leut, so Tiel mfiglich ist, wie 1552. 
verschonet werde. 

Und Bol dabey der notarius Und sol dabey jedes saperin- 
consistorii sein, der ord^icbe tendenten creisses notarius visi- 
register mache von allen kirchen tationis sein, der ordenliche ro- 
und Ton den furnemsten hand- gister mache Ton allen kirchen 
Inngen. Diese register sollen bey des creisses und von den för- 
dern Gonsistorio verwart werden, nemsten handlungen so anff der 
Und werden die gesandten selb Visitation fürfallen und yerrichtet 
bedencken, wo der anfang zu werden, und zugleich fleissig pro- 
machen, und wie in emptem die tocoUire den zustand der wedmen 

dorff sdiaffken in die nehesten oder wonung der pastom 

stedte dordi die amptleut zu 

erfordern. gleicher gestalt auch der schul- 

Und so sie an ein ort ankörnen, meister, Organisten, custer, ar- 
8ol ersüich der prediger unter men und siechen gründe, hebung, 
den visitatom ein predigt thun, besoldung, gerechtigkeit, freyheit. 
darin dem volck angezeigt werde. Item, derselben als auch der 
das diese besuchung zu erhaltung oeconomen und yorsteher grava- 
rechter lere und christlicher zucht mina, citation, eingebrachte ant- 
iuigenomen sey, inen und den wort, abschied, und was derglei- 
nachkomen zu gut. Darumb sollen eben mehr ist, das den kirchen, 
sie auch gott zu lob und inen schulen, armenheusem und der 
selb zu besserung gehorsamlich posteritet dienlich ist. Solches 
erscheinen und helffen, das diese alles sol der notarius fleissig in- 
besuchung gute frucht schaffe. ventiren und protocolliren, auch 

hernach mundiren und dem*) con- 
sistorio und Superintendenten desselben creisses jeden ein abschrifft 
zur nachrichtung übergeben. Es sollen aber die visitatores die 
bestimte Visitation vier oder zu weinigsten drey wochen zuvor den 
eingepfarten Junckern schrifftlich notificim und den andern kirch- 
spiel leuten durch den pastom von der cantzel verkündigen 
lassen, doch das sie die zeit des jars in acht nemen, damit die 
bawrsleute an iren ackerbaw und emdte nicht verhindert werden. 
Und sollen so wol unser amptleute als des kirchspiels ver- 
wante vom adel ire untergehörige leut und unterthanen, wen die 
Tisitaiiones auff einen werckeltag einfallen, mit hovediensten, weil 
irer seelen Seligkeit daran gelegen, übersehen und zuverschonen 



a) Hier wie auch sonst ist „de" der Vorlage in „dem* bezw. „den", die 
Endsilbe „e" in en, ,zG" in „znm" aufgelöst worden. 



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1 76 Urkunden u. Akten zur GeBchichte des mecklenbnrg. UnterrichtsweseiiB. 

wissen. Sollen auch die vom adel in iren lehenkirchen den 
yisitatom beywonen und alle nothwendige befurdemng erzeigen, 
weil inen dadurch an irer gerechtigkeit und iuri patronatns nichts 
entzogen, sondern allein gottes ehre, erhaltnng und fortpflantzang 
reiner lere, der eingepfarreten Seligkeit und der kirchen gedeien 
gesuchet und befurdert wird. 

Wen aber die yisitatores an einen ort ankommen, sol erstlich 
der superintendens den pastom eines jeden orts, damit ir fleiß 
und geschicklicheit desto besser exploriret werde, eine predigt 
selbst thun lassen, und hernach sol der superintendens für den altar 
treten und dem volck oder eingepfarreten kirchspiel leuten an- 
zeigen, das diese besuchung zu erhaltung rechter lere und christ- 
licher zucht fürgenommen sey, ienen und den nachkommen zu 
gute, darumb sollen sie auch gott zu lob und inen selbst zur 
besserung gehorsamlich erscheinen und helffen, das diese be- 
suchung gute firucht schaffe. 

Damach so man eine kirche wie 1552. 
visitiert, sollen erstlich der pastor 
und diaconi von der lere vleissig 
verhört werden in allen heubt- 
artikeln. 

Zum andern sind die pastores Und den sind die pastores 

und diaconi zu fragen, von den wie 1552. 
folgenden artikeln, wie auch die 
erforderten personen aus dem 
volck. 

Zum ersten. Was der pastor wie 1552. 
und diaconi leren, und ob sie 
ires ampts warten, zu gebürlicher 
zeit predigen und sacrament 
reichen und zu den krancken 
komen, so sie gebeten werden. 
Und ob sie uff bestimpte zeit die 
jugent hören im eatechismo. 

Item^ ob sie die privat absolutio Item. Ob sie die leute 

erhalten und einem jeden in son- und insonderheit die einfeltigen 
derheit sprechen vor der com- in der beicht fleissig verhören 
munio. und im eatechismo examiniren, 

auch die privat absolution erhal- 
ten und einem jeden insonder- 
heit sprechen vor der communion. 



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Die mecklenburgischen Schulordnungen von 1552 nnd 1602. 177 

r— — _ 

Item, ob sie auch für ire person 
die absolution zuvor bei Iren col- 
legen oder nachbar suchen und 
erlangen und sonst in irem ampt 
getrew und fleissig sein. 

Zorn andern. Ob einikeit sey wie 1552. 
zwischen den kirchenpersonen. 

Zum dritten. Von sitten der und leben der pastom 

pastom und diacon. und diacon, ob sie auch mit christ- 

lichem unstrajOFbarem wandel, irer 
gemeine vorgehen und gute exem- 
pel on alle ergemiß geben. 
Zum vierden. Vom volck, ob Zum vierden. Vom volck, wie 
in der stad oder im dorff per- sich die kirchspiel leute gegen 
Bonen sind, die in öffentlichen das gottliche wort, die hochwir- 
sünden leben, als in ehebruch, digen sacrament und das mini- 
nnehlicher beywonung oder an- sterium schicken und verhalten, 
derer Unzucht. ob auch öffentliche verechter und 

lesterer derselben verbanden. 
Item, ob in der stad oder im 
dorff personen sind, die in öffent- 
lichen Sünden leben, als in ehe- 
bruch, unehelicher beywonung 
oder anderer unzucht oder auch 
in öffentlichem haß, zom, Un- 
einigkeit, Verfolgung ires nehe- 
sten, wollen sich auch zu keiner 
versünung bewegen lassen. 
Zum funfften. Ob jemand da Zum funfften. Ob jemand da 
zeuberey treibe. zeuberey treibe oder mit wicken, 

böten, planeten lesen, segnen, 
siebelauffen , christallen sehen, 
warsagen, geltgraben, und der- 
gleichen abergleubischem und 
teuffelschem wesen umbgehe, und 
ob auch etliche bey inen rath 
und hülffe suchen. 
Zum sechsten. Ob noch wal- wie 1552. 
farten oder andere öffentliche 
abgötterey am selbigen ort sey. 

Monnmenta Qennaniae Paedagogica XXXVIII 12 



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178 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

Zum siebenden. Ob jemand da Zum siebenden. Ob jemand da 
lesterlich rede wider gott oder lesterlich rede, wider gott, sein 
wider christliche lere. wort und die heiligen sacrament, 

oder der den heiligen namen 
gottes mit fluchen und schweren 
bey den wunden, leiden, marter, 
sacramenten Christi und der- 
gleichen lesterlich mißbrauche. 
Zum achten. Ob jemand nicht Zum achten. Ob jemand nicht 
zu christlicher communio geben zu christlicher communion gehen 
wolle. wolle und unter oder vor geen- 

digter predigt und communion 
außgehe und auff dem kirchhove oder anders wo spatzieren gehe. 
Item, ob auch unter dem gottesdienste hier oder brantenwein 
geschenckt, kremerey und andere leichtfertigkeit getrieben werde. 
Item, ob jemand au£F die sontage und andere feste mit pflügen, 
seen, wagen und pferden jenige arbeit verrichte und also den 
sabbath entheilige. 

Zum neunden. Ob etliche fal- wie 1552. 

scher lere und secten, als der als der papisten, wider- 

widerteuffer oder andern, die teuffer, sacramentirer und andern, 

unsere kirchen lestem, anhengig die unsere kirchen lestem 

sind und Spaltungen machen. wie 1552. 

Zum zehenden. Ob Wucherer Zum zehenden. Ob Wucherer 
da sind. da sind, oder die andere über- 

setzen, mit falscher wahre be- 
triegen und auch ehrlicher leute 
guten namen mit Verleumdungen 
afifterreden, schmehen, lestem und 
dergleichen, krencken und ab- 
schneiden. 
Zum eUfften. Ob auch mut- Zum eilfPten. Ob auch mutfa- 
willige leute sind, die dem pastor willige leute sind, die iren pa- 
und den diacon drewen oder sie stom und predigem wegen noth- 
schmehen oder pochen. wendiger gesetz predigten, und 

das sie ire sünde darin beschei- 
denlich und zu der besserung 
gestrafft, oder in der beicht und 
Bonsten trewlich zur busse ver- 
manet haben, drewen, flachen 
oder sie schmehen, pochen und 
verfolgen. 



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Die mecklenbargischen SchulordnuDgen von 1552 und 1602. 179 

Zum zwelfFten. Ob etliche ehe- wie 1552. 
liehe personen Ton ein ander ge- 
lauffen sind. 

Zum dreizehenden. Ob etliche wie 1552. 
eheleut in uneinikeit miteinander 

leben. Item, ob auch die Ver- 

löbnissen christlicher und orden- 
licher weise mit vorhergehendem gebete, auch mit vorwissen beider- 
seits eitern oder Vormunden gehalten und den femer die hoch- 
Zeiten nach gotteswort und unser kirchen- und policey Ordnung 
in gottes furcht, messigkeit, zucht und erbarkeit, on alle leicht- 
fertigkeit und on unnötigem uberfluß, darauß offte viel Uneinigkeit 
und Unheils entstehet, gehalten werden. 

Zum vierzehenden. Ob etliche Zum vierzehenden. Ob unge- 
kinder ire eitern pochen oder horsame mutwillige kinder da 
schlagen etc. sein, die iren eitern pochen oder 

schlagen, oder wen sie alt und 
abgelebet und ire erbe den kin- 
dem übergeben, sie von sich 
stossen und nicht mehr hausen 
oder neren wollen oder aber auch 
wider derselben willen und con- 
sens sich wollen verloben und 
ehelich werden. 

Zum funffzehenden. Wie es mit Zum funffzehenden. Wie es mit 
dem begrebnis gehalten werde, dem begrebniß gehalten werde, 

und obs alles ehrlich und mit 
christlichen ceremonien zugehe 
und die nachbam gern mit nach- 
, folgen, ob auch die unzeitige 
gastereien, die man beygrafffc 
nennet, abgeschaffet sein. Item, 
ob auch die kirchhöve verwaret 
und von einer jeden dorffschafft 
ir anteil gebessert werde. 

Zum sechzehenden. Wie die wie 1552. 
schul regiert werde, und wie die 

personen versorget sind. sind, und ob sie ir ampt 

trewlich thun und ein auffrichtig 
leben füren. 

12* 



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180 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

Zum siebenzehenden. Von un- wie 1552. 
terhaltong des pastors und der 

diacon. und ob sie auch zu rechter 

zeit Ire besoldung und verdien- 
ten lohn empfahen. 
Zum achzelienden. Ob jemand wie 1552. 
auch der kirchen etwas entzogen 

hab, acker, wiesen, holtz oder holtzungen, 

andere guter oder zins, und ob oder zinse , 

jemand den pastom und diacon pastom oder diacon 

nicht bezalen wolle, das er schul- wie 1552. 
dig ist. 

Zum neunzehenden. Von den Zum neunzehenden. Von den 
gebewen der kirchen, behausung gebewen der kirchen, behausung 
des pastors, diacon, schulen, und des pastorn, diacon, schulen und 
des custos wonung. des custos wonung, und ob die 

juraten und Vorsteher dieselben 
zu rechter zeit bawen und bessern, 
auch sonst ir ampt trewiich ver- 
richten, der kirchen hebung fleis- 
sig einfodern, wol anlegen, und 
alle ire einname und außgabe, 
durch den pastom lassen ver- 
zeichnen, auch klare register haltn 
und jerlich schliessen. 
Zum zwentzigsten. Von den Zum zwantzigsten. Von den 
hospitaln und von den armen, hospitaln, ob die auch im baw- 
welchen die kirche mus hülfFe liehen wesen erhalten werden, 
thun. und ob die armen, welchen die 

kirch muß hülfFe thun, iren unter- 
halt haben, und ob das, was von 
alters her dazu gegeben, noch 
verbanden und sie dasselbige ge- 
messen. Ob auch darauff gesehen 
werde, das sie fleissig beten, unter 
sich friedsam und christlich leben 
und der almosen würdig sein. 
Von diesen artikeln allen sol wie 1552. 

man die pastores, diacon und die man in der Visitation die 

menner fragen, die aus den sted- pastores, diacon und Vorsteher, 
ten oder dörffem erfordert sind, auch die gantze gemeine fragen. 



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Die mecklenburgischen Schulordnungen von 1552 und 1602. 181 

Und nach dieser erkündung sol Und nach 

christliche besserung in allen nö- wie 1552. 
tigen Bachen von den yisitatom 
bedacht werden, die auch den 
amptleuten und bürgermeistem 
im namen der herrschaift befelh 
thun sollen, das die laster ge- 
strafft und abgewand werden und 
christliche zucht erhalten werde. 

Und diese fragen sollen die wie 1552. 
pastores dem volck alle jar zwey 

mal, als nemlich uff den sontag sontag nach ostern, 

nach pasca und uff den tag mi- wie 1552. 
chaelis für lesen und die leut 
erinnern, das sie sich zur Visita- 
tion gerüst machen. Denn alle 
menschen sind schuldig, ein jeder 
nach seinem stand, hülff zuthun 
zu erhaltung christlicher lere und 
zucht. 

Damach sollen die visitatores wie 1552. 
selb etliche von den alten und 
von den jungen aus den dorff- 
schafften im catechismo verhörn 
und erkunden, ob sie rechten ver- 
stand haben von christlicher lere 
und gott recht anruffen. 

Und in Sonderheit sol in der Und diewiel uns hiebevor zum 
visitatio befehl geschehen, das öfftern bericht einkommen, das in 
in allen kleinen stedten und vorigen visitationibus befunden 
dörffern die pastores oder dia- worden, wie die armen leut im 
coni am sontag zur vesper die catechismo so weinig unterrichtet 
kinder ordenlich unterweisen im sein, so sol insonderheit bey der 
catechismo, also das sie die Visitation befehl geschehen, das in 
kinder nach einander fragen und allen kleinen stedten und dörffern 
öffentlich in der kirchen antwort die pastores oder diaconi am 
von inen hören. Und sol den sontage zur vesper die leut im 
hausvetem durch die visitatores catechismo unterweisen, und da 
ernstlich geboten werden, das sie der pastor zwo kirchen bereisen 
iren kindem zu dieser verhör muß, sol er doch den einen son- 
des catechismi alle sontage zu tag in der einen und den folgen- 



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182 Urknnden ü. Akten znr Geschichte des mecklenburg. ünterrichtswesens. 

komen gebieten. Dazu sollen den sontag in der andern kirchen 
auch die pastores und amptleut den catecbismum ablesen und ein 
die hausveter vermanen. stück kürtzlich und einfeltig er- 

kleren und alsdenn auch die kin- 
der nach einander öffentlich fragen in der kirchen und antwort 
von inen hören. 

Es sol aber der superintendens das examen catechismi allent- 
halben selbst anfahen und den pastom anleitung geben, wie sie 
sich hernach dabey verhalten und bey den albern einfeltigen 
leuten, jung und alt, sich aller gebürlichen bescheidenheit, gedult 
und sanfftmuth befleissigen sollen. 

Und sol daneben den haußvetern durch die visitatores ernst- 
lich geboten werden, das sie iren kindem zu dieser yerhör des 
catechismi alle sontage zukommen befehlen. Dazu sollen auch 
die pastores und amptleute die haußveter trewlich vermanen. 

Die amptleut und bürgermei- wie 1552. 
ster sollen auch mit ernst darob 

halten, das die pastores, diaconi, diaconi und 

Schulmeister nicht mutwillig be- Schulmeister, 

leidigt werden. Item, das sie wie 1552. 
trewlich und zu gebürlicher zeit 
bezalet werden. 

Sie sollen auch die stedt und Sie sollen auch die juraten und 
dorffschafften dazu halten, das kirchspiels verwandten in stedten 
sie die kirchen und der kirchen und dorfschafften dazu halten, 
personen behausungen, schulen das sie die kirchen und der 
und custos wonung nicht zerfal- kirchen personen behausungen, 
len lassen. Item, das sie diesel- schulen und custos wonung, nicht 
bigen trewlich bawen oder wider- zerfallen lassen, auch das sie 
umb uffrichten. Und so die ampt- dieselbigen trewlich bawen, oder 
leut, bürgermeister, stedt oder wo sie bawf ellig, widerumb auff- 
dorffschafften in diesem notigen richten und bessern. Insonder- 
werck unwillig sein werden, sollen heit aber in den kleinen land- 
die superattendenten oder das stedten und dörffem, da die kir- 
consistorium der herrschafft da- chen an hebungen unvermügen 
von anzeigung thun. Und wird sein und die kirohspiel leute 
sich die herrschafft also erzeigen, die wedeme und cüsterey mit 
das stedt und dorffschafften in den scheunen, stellen und zeunen 
diesem billichen gehorsam nicht gebawet, gebessert' und erhalten 
seumlich sein werden. Zu dem haben, sollen sie auch bey den- 
wird auch die herrschafft zu selben beschaffen, das sie solche 



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Die mecklenbargischen Schulordnungen von 1552 und 1602. Ig3 

aOen nötigen gebewen an solchen gebew ferner in gutem wesen 
örtem«, da es die notdurfft erfor- erhalten und die unyermügende 
dert, holtz geben. kirchen hiemit verschonet werden 

Was auch den kirchen ent- und zu irem eigen gebew nott- 
zogen, ecker, wiesen, holtz oder durfft haben, 
zins, das sol inen one allen ver- Und so die amptleute, burger- 
zag widerumb restituiert werden, meister, stedte oder dörffschafften 

in diesem nötigen werck unwillig 
sein wurden, sollen die Superintendenten oder das consistorium der 
Iierrschafft davon anzeigung thun, und wird sich die herrschafft darauff 
also erzeigen, das stedte und dörffschafften in diesem billigen ge- 
horsam nicht seumlich sein werden. Zu dem wird auch die herrschafft 
zu allen nötigen gebewen an solchen orten, da es die notturfft er- 
fodert, holtz geben. Wo aber bey den kirchen und pfarren höltzung 
verbanden, sollen dieselbe bescheidenlich und doch nicht one vor- 
wissen unserer amptleute dazu gebrauchet und daneben den 
pastom und Vorstehern ernstlich eingebunden werden, das sie ire 
höltzung nicht verwüsten noch außrotten, sondern auff einen noth- 
fall hegen. 

Wir wollen auch, das unsere verordnete visitatores die vorigen 
Visitation register, so unsere Superintendenten bey sich haben 
oder auch in unsem cantzleyen und archivis verbanden und inen 
mitgeteilet werden sollen, widerumb an die band nemen und er- 
kündigung anstellen, ob auch alles an garten, eckem, wiesen, 
holtzungen^ fischereien, geltpächten, mißkom und andern gerech- 
tigkeiten, als auch an kirchen omat, hebungen und allem vorrath, 
den^) pfarherrn und kirchen zugehörig, laut voriger register, itzo 
noch in esse und verbanden sey. Da aber über Zuversicht etwas 
davon entwendet oder eingezogen, sollen sie denen, so es unrecht- 
messiger weise an sich gebracht und besitzen, es sey vom adel, 
bürger oder bawren, von unsemt als der herrschafft wegen auff- 
erlegen, die ligende gründe als bald abzutreten, und da gelt, korn- 
pechte, zehendlemmer, rauchhüner und dergleichen den pastom 
und kirchen entzogen, innerhalb vier wochen widerumb zu resti- 
toiren. Da aber solches nicht geschehen würde, sol jedes orts 
amptman hiemit von uns befeliget sein, die execution zuvoln- 
strecken. 

Wo auch das einkommen der pfarren auff den dörffem so 
geringe were, das der pastor und custer iren unterhalt nicht 



b) verbessert aus ,denn". 



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184 ürkundeo u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtewesena. 

haben könten, so sollen unsere visitatores zwo die negst be- 
legene kirchen, da es also füglich geschehen kan, zusammen stossen. 
Wen aber solches mit gelegenheit nicht geschehen könte und die 
eingepfarrete bifi daher das gebürliche mißkom, als von der hufen 
einen schefFel und von einem katen einen halben scheffel, nicht 
gegeben betten, sollen sie damit beleget werden, solches hernach 
zugeben, oder aber verordnen, das sie dem pastom zu begatung 
seines ackers zu hülife kommen, dagegen die pastores inen noht- 
türfftig essen und trincken nach verrichteter arbeit reichen und 
darüber nicht beschweret werden. 

Imgleichen sollen sie auch gewisse anordnung machen, was 
ein jedes eingepfarretes dörff an der wedeme, cüsterey und 
kirchhove bessern und bawen solle. 

Als es sich auch offtmals auff den visitationibus befindet, das 
die pastores selbst nicht wissen, wie viel sie an kom und sonst 
einzukommen haben, oder ja kein register darüber haben, welches 
den eine grosse nachlessigkeit ist, so sollen unsere visitatores 
inen mit ernste aufFerlegen, das sie jerlich von den einkunfften 
ein ordenlich register halten und in specie die leute darin be- 
nennen, von denen sie es einzunemen haben, auch ire ecker, 
garten, wiesen und andere ire liegende gründe eigentlich messen 
und beschreiben und solch register jedes jar dem Superinten- 
denten übergeben. 

Gleichsfals sol auch der pastor des gotteshauses register an 
allen und jeden einnamen und außgaben mit den Vorstehern richtig 
halten und jerlich schliessen, das sie zu jeder zeit, wenn von 
unsem Superintendenten und amptleuten rechenschafft von inen 
erfodert wird, sie damit gefast sein und bestehen können und 
die register beygelegt werden mügen. Dafür den auch dem pastorn 
nach gelegenheit des Vorrats und arbeit gebürlich schreibgelt sol 
zugeordnet und von den juraten gegeben werden. 

Würden auch wegen entwendeter kirchengüter Sachen für- 
fallen, darumb man zeugniß auffnemen müste, darauff sollen 
unsere verordnete macht haben, die vom adel, bürger und bauren, 
so wissenschaiFt davon haben möchten, für sich zuerfodern, sie 
zuvereiden oder bey den pflichten, damit sie uns verwand sein, 
umb die warheit zu fragen und auff geschehene erkündigung die 
Sachen nach recht und billigkeit zuverabscheiden. 

Wen es sich den auch offtmaln begibet, das in den visitatio- 
nibus bey den kirchen gute brieve und siegel, auff gewisse rechte 
und guter lautende, gefunden werden und dagegen von den be- 



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Die mecklenbargischen Schulordnungen von 1552 und 1602. Ig5 

sitzem der guter fürgewendet wird, das sie die guter quid und 
frey vermüge irer brieye und siegel gekauSt oder gepfändet 
haben und also one beschwerung wider abtreten müssen, in dem 
fall sollen unsere visitatorn, wo die besitzer dieselben über yiertzig 
jähr nicht geruhig besessen, die guter mit allen auffgehobenen 
nützungen den kirchen widerumb zuzustellen befehlen^ und sol 
der besitzer sich seines schadcDS zuerholen an den verkeuffer 
(oder verpfender) geweiset werden. Wen aber die praescription 
von den debitoribus angezogen wird, haben sich die visitatorn 
nach unserer consistorii Ordnung sub titulo 9. zurichten. 

Was auch künfftiglich bey angeordenten visitationibus fürlauffen 
wird, darüber keine außdrückliche erklerung hie gesetzet, das 
wollen wir zu unserer verordneten bescheidenheit, darin die gebür 
zuverschaffen und, was unrichtig ist, in gute richtigkeit zubringen, 
heimgestellet haben. 

Würden aber Sachen fürfallen, darin sie one unsem rath und 
zuthun bedencken betten zuverabscheiden, werden sie dieselben 
an uns mit außfürlichem schrifftlichen bericht gelangen lassen^ dar- 
nach wir uns ferner zuachten. 

Letzlich werden auch unsere visitatores die pastorn und alle 
kirchen und schuldiener fleissig vermanen, das sie ires ampts 
trewlich warten und mit leren und leben irem ertz bischoff 
Jesu Christo nachfolgen und irer zuhörer und schüIer heil, Selig- 
keit und zuneraen suchen, gute exempel geben, ergerniß ver- 
hüten, ire hauß, weib, kinder uud gesinde christlich halten und 
ziehen, damit sie gott gefallen und von iren zuhorem desto mehr 
wegen ires ampts geliebet und geehret werden. 

Desgleichen auch die pastores allenthalben, insonderheit aber 
auff den dörffem dazu vermanen, das sie auff ire predigten fleissig 
Studiren, dieselben schrifftlich disponiren und fassen und auff das 
aller einfeltigste den baursleuten furtragen, damit sie die lere 
desto besser vernemen und behalten mügen, auch das sie solch 
geberde, hochtrabende wort, lange periodos, frembde sprachen und 
unbekanter sectirer namen bey hauffen einzufüren vermeiden 
und die vermeinte geschickligkeit und beredenheit anders wohin 
sparen und nicht über eine stunde predigen. 

Es ist auch billig, das sich die pastores und prediger irem 
Stande nach in kleidung und priesterlichen habit erbarlich, züchtig 
und demütig verhalten in imd außerhalb ires ampts. Sollen sich 
auch frembder hendel enthalten und nicht in ein frembt ampt 
greiffen, als mit bierbrawen, on zu irer eigenen notturfft, mit bier- 



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1 86 Urkunden u. Akten zur Geschichte des niecklenburg. ünterrichtswesens. 

schencken, advocat und notariat Sachen, ertzney, kauffhendeln und 
dergleichen, viel weiniger in den krügen, gilden und zechen sich 
finden lassen oder auch daheim mit volsauffen, unordenlichem 
haußhalten, fluchen, zancken, schlahen und dergleichen ergerlichem 
wesen ir ampt nicht deformiren und sampt der lere göttliches 
Worts in Verachtung bringen, davon sie je billich die ernste drawung 
des herrn Christi abschrecken sol: Wehe dem menschen, durch 
welchen ergerniß kommet, Matth. 18. 

Also sol auch von den visitatoribus erkundet werden, welcher 
gestalt der custer sein ampt bediene, mit dem fernem befehl, das 
er nicht allein die kirche sampt dem altar, tauffstein, und was 
dazu gehöret, reinhalte, sondern das er auch die glocken im türm, 
wenn geleutet wird, in acht neme und zusehe, das sie nicht be- 
scheidigt, vielweiniger zerbrochen werden, auch das er des tages 
dreymal, des morgens, mittags und abends, die beteglock schlahe, 
dessen gebrauch der pastor seinen zuhörern offt und fleissig sol 
fürhalten und sie zum gebet für die gemeine noth der gantzen 
Christenheit vermanen. 

Sol auch der pastor mit zusehen, da der custer eine kinder 
schule helt, das er sie fleissig und gebürlich unterweise. Und wie 
es sich gebüret, das die custer iren pastom in allen ampts und 
kirchen Sachen und diensten auffwertig, trew und gehorsam sein, 
also sollen auch die pastores ire custer hinwider in acht haben 
und sie mit iren eigenen haußdiensten und anderer arbeit nicht 
beschweren. 

Es sollen auch die custer so wol als die pastom ein züchtig, 
ehrlich, messig, christlich und unergerlich leben füren, auch keine 
landstreicher, spilleute, spitzbuben, dobler und dergleichen lose 
gesindlin hausen, herbergen oder sich zu denselben anderswo 
halten, oder da sie des überzeuget, mit vorwissen des Super- 
intendenten abgesetzet werden. 

Dieweil aber solche Visitation der kirchen, ob sie wol an 
sich selbst nutz und nötig ist, doch one exeoution weinig frucht 
schaffen würde, als sollen unsere visitatores macht haben, allent- 
halben, wo mangel und beschwerung der kirchen, prediger und 
kirchendiener befunden, gebürliche anordnung zuthun, wie es zu- 
beesem und abzuwenden, und was der billigkeit gemeß, verab- 
scheiden. Welches, so etliche nicht annemen und gehorsamen 
wollen, auch unsere amptleute und die patronen nicht exequiren 
wollen oder können, so sollen es die visitatores alsbald an unser 
consistorium durch ein volnkommene relation gelangen lassen. 



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Die mecklenburgischen Schnlordnungen von 1552 und 1602. 187 

Woranff sich denn unser consistorium weiter wird resolyim und 
was billig ist, rechtmessiger weise mit ernst exequiren, auch die 
widersetzigen durch unsem fiscaln zum gehorsam bringen. Würde 
man auch unser, als der herrschafFt, hülffe dazu vonnöten haben, 
so woUen wir unsere fürstliche hoheit und reputation, als auch 
unserer kirchengerichts rhäte und visitatom ampt, und was irer 
instmction und der billigkeit gemeß, wol ¥ässen in acht zu haben. 
Über diese gemeine Visitation ist auch hochnötig, das die 
Superintendenten als trewe auffseher ire unterworffene kirchen 
bißweilen besuchen, nicht allein auff die wercktage, sondern auch 
auff die sontage oder andere festage, sonderlich auch darumb, 
wen sie etliche pastores in verdacht haben, das sie ire predigten 
oSl anstehen lassen und in des ire oder irer Junckern gewerbe 
verrichten oder auch auff die predigten nicht studiren, das sie 
denselben unversehens beykommen und nach befindung gebürlich 
zu reden setzen. Oder aber, das die Superintendenten sonsten 
den zustand der kirchen, pastom, custem erkunden, oder andere 
amptssachen, welche auff die wercktage füglich nicht können 
bestellet werden, verrichten. 

Und sollen in solchen feilen die andern coUegae und dia- 
coni bey des Superintendenten kirchen befehliget sein, für in 
unweigerlich auffzuwarten mit den predigten und andern kirchen- 
diensten, weil die Superintendenten nicht allein an den ort, da sie 
ire residentz haben, ir ampt zuwarten, sondern auch auff die in- 
spection und Visitation irer andern befohlenen kirchen bestellet sein. 

Die visitatores sollen auch den Was die stiffte und olöster be- 
stifiten und klöstem ernstlich langet, dieweil dieselben hiebevor 
befelhen, das sie sich den pfar- in der gemeinen Visitation Christ- 
kirchen gleichförmig machen mit lieh reformiret sein und sich itzo 
predigen, mit der communio und mit predigen des reinen göttlichen 
mit andern christlichen ceremo- worts, verreichung der heiligen 
nien und mit abthuung der mis- sacrament und andern christlichen 
breuch der opffermess, der hei- ceremonien andern pfarkirchen 
ligen anruffung, gelübden und kap- gleichförmig verhalten, lesset maus 
pen etc., sollen auch nicht mit auch dabey billig bleiben, 
den horis canonicis beladen sein. 

Und wo in stifften oder klö- Den predicanten, so in stifften 
stem noch nicht christliche pre- und döstem sein, sol auß denen 
dicanten sind, sollen als bald solche gutem ire gewisse besoldung jer- 
dahin verordnet werden. Und sol lieh gereichet werden, 
inen aus den stifften oder klö- 



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tS8 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

Stern gewisse besoldung gereicht 
werden. 

Man sol auch erkündung haben von den gutem und ein- 
komen und niemand etwas davon zureissen gestatten. Denn toh 
diesen gutem mus mit der zeit den pfarrkirchen, studiis und 
hospitaln hülffe geschehen. 

Welche personen ausser den klostem sein wollen und sonst 
ehrlich leben, im ehestand oder ledig, den sol unverboten sein, 
sich eraus zubegeben. Und so sie ehlich werden, sol inen aus dem 
kloster hülff geschehen. 

Wo in jungfrawen klöstera die In die jungfrawen clöster, so 
domina junge jungfrawen zu noch auff dem lande und in 
christlicher zucht und unterwei- stedten vorhanden und nach der 
sung annemen wil, das mag sie kirchen Ordnung reformiret sein, 
thun. Sollen aber mit gelübden können von der domina wol 
und kappen nicht beladen sein, mehr junge jungfrawen ange- 
sondern sollen da lernen lesen, nommen werden, zu christlicher 
schreiben, predighören, den ca- zucht und Unterweisung, sollen 
techismum sprechen, zum tegli- aber mit gelübden und kappen 
chen gebet gehalten werden, mit nicht beladen sein, sondern andere 
solcher Unterweisung, das sie ehrliche schwartze und demütige 
rech ten verstand der gantzen Christ- kleidung tragen und sollen da 
liehen lere erlangen und sich zu lernen lesen, schreiben, predigt 
rechter anruffung gottes und allen hören, den catechismum sprechen, 
lügenden gewöhnen. zum teglichen gebete gehalten 

werden, mit solcher Unterweisung, 
das sie rechten verstand der gantzen christlichen lere erlangen, 
und sich zu rechter anmffung gottes und allen tugenden gewenen, 
daraufF den auch neben der domina der closter prediger fleissige 
acht geben sol. 

So auch etliche personen hernach wider auß dem closter sein 
wollen und sonst ehrlich leben im ehestande oder ledig, den sol 
unverboten sein, sich herauß zubegeben, und so sie ehelich werden 
und unvermügen sein, sol inen auß dem kloster hülffe geschehen. 

In die mönch kloster sol nie- 
mand vorthin eingenomen werden. 

Denn ob sie gleich furgeben, schulen anzurichten, so haben sie 
doch nicht tüchtige personen dazu. Und müssen®) viel ingenia neben 
einander sein, sol man sprachen und künste lernen. 



c) verbessert aus , müssen^ 



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Die mecklenburgischen Schulordnongen von 1552 und 1602. jgQ 

Dieweil aber noch alte personen in stifften und klöstern sind, 
sollen sie Unterhaltung haben und nicht Verstössen werden, so fern 
sie sich den pfarkirchen gleichförmig machen, wie gesagt ist. 

Von synodis ist bedacht, Yonsynodis. 

das ein jeder superattendens im ^^ j. . i • ... i^ 

, , ,. , «. , Das synodi m christlichen 

jar em mal, als nemhch uff den , . , "^ „ 

. , -VI- 11 Kirchen zu allen zeiten ge- 

montag nach michaelis alle pa- , ,^ . . ^ o j i. t_ 

i. • 1. -i» j 1 j. halten sein, ist auß den jreschich- 

Stores zu sich erfordern soL die ^ , ^ i . ^ir ^ 

.. , ,. ten der apostel im 15. cap. und 

in seine superattendentia ffe- ^ , , . , i.. ^ . 
, - -r. '^ , . . j auß der kirchen historien mue- 

hören. Dazu sol einem jeden von i v j ti « i T . . 

, ,. , . '' , sam bekand. Es sollen aber chnst- 

den kirchvetem zerung gegeben ,., j.j -^ ,.i_ji. 

j TTj iji. "Che synodi dazu fürnemhch die- 

werden. Und sol der superat- ■; . , , 

. j . • .!_ -x • j iien, das reine, gesunde lere 

tendens sie zu emikeit m der ' , , .«•! j i .,. 

, , 1. .XX i^ach den schnfften der heiligen 

lere und zu guten Sitten ver- , ^ , , , , ® 

j 11... Propheten und aposteln erhalten 

manen und emach hören, was /*^ «x./.!! 

, V . j und fortgepflantzet, falsche lere 

sie haben anzuzeigen von der .■.,?:. , , «• . 
, ... j , , widerlegt und abgeschaffet und 

lere, von Sitten der nachbam , ^ ?..,.. 

, ^ . X 1. 1. ^ute Ordnung und emtracht m 

und sonst von irer Unterhaltung , . ,,. i ... ,. i i . i 

j , ^ TT j 1 . . j chnsthchen, nützlichen kirchen 
und schütz. Und sol em jeder . , , i. . ,. 

^ j ^ , ,^. ceremonien und guter disciplm 

superattendent dem consistorio , ^ -. , ,^ ■. 

r . ^. , ., gemacht und erhalten werden, 

bencht zu schreiben. ° ., ,, , , 

Also wollen wir auch, das em 

jeder superintendens im jar ein- 
mal, als nemlich auff den montag nach michaelis, alle pastorn, die 
ia seine superintendentz gehören, zu sich erfodern, oder da das 
mit bequemigkeit nicht geschehen könte, das er doch die pastores 
auß einem jedem ampt in ein stedlin oder pfarre, darin unser 
amptheuser belegen, auff vorgedachte zeit oder wo es gelegener 
im junio zwischen der sommersat und der erndte, schrifftlich be- 
mffen sol und solches zugleich den eingepfarreten von der cantzel 
yerkündigen lassen, damit ein jeder, der etwas zuberichten oder 
zu klagen hette, solches wissen und sich d ahin verfügen müge 
Dazu sol den einem jeden pastorn von den kirchen vetem oder 
Vorstehern die kirchspiel füre beschaffet und daneben zerung 
gegeben werden. 

Gegen solchen synodum sol ein jeder pastor mit einer predigt 
sich gefast machen und seine disposition mit nemen und dem 
Superintendenten zeigen, der auß dem mittel der pastorn einen 
zupredigen auffstellen sol, seine gaben und fleiß zuerkunden. Und 
sollen die pastores eine bequeme materia der predigen selbst 



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190 Urkanden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Qnterrichtswesens. 



nemen, die sich auff den synodum schicket, als von erhaltong und 
liebe reiner göttlicher lere, von guter kirchen disciplin, vom 
ampt der prediger und irer einigkeit und unstrefflichen leben 
oder dergleichen. 

Es mag auch bißweilen der superintendens nach gelegenheit der 
zeit eine lateinsche oration oder eine deudsche predigt halten 
und darin von itzschwebenden streiten und irthumen zu Unterricht 
der pastorn, so viel zu erbawung heilsam ist, gehandelt werden. 

DaraufF sol der anfang des synodi in gottesforcht und mit dem 
^ebete also gemacht werden, das der superintendens sich mit den 
anwesenden pastorn und kirchendienem freundlich und nach 
gottesworte unterrede und befrage, fast auff dieselbige weise, wie 
hiebevor in dem artikel Yon der Visitation yermeldet ist. 

Fürs erste von der lere und derselben fürnemsten stücken 
und rechtem gründe auß gottes wort, und ob auch einigkeit sey 
in der lere, und da einer in irthum befunden wird, sol der super- 
intendens und neben im die andern prediger in mit sanffmütigem 
geist unterweisen und im seinen irthum auß gottes werte zeigen und 
davon abzustehen, mit fleiß und ernst vermanen; wo ferne er aber 
halstarrig darauff verharret, sol es der superintendens dem consistorio 
alsbald zuschreiben und demselbigen prediger ernstlich befehlen, 
der Sachen auff der cantzel in mitler zeit nicht zugedencken. 

Zum andern sol der superintendens auch fieissig erkunden 
nach den ceremonien, ob in denselbigen allenthalben gleichformig- 
keit gehalten werde, nach unser publicirten kirchenordnung, und 
wo newrung von jemand eingefürt oder etwas geendert oder ver- 
«eumt sey, sol er demselben ernstlich einreden und zur gleich- 
förmigkeit vermanen. 

Zum dritten sol auch fleissige erkundigung geschehen nach 
dem leben und sitten der pastorn und anderer kirchen und schnl- 
diener. Und so befunden würde, das jemand unchristlich und 
ergerlich lebete oder in seinem ampt verseumlich were, sol der 
superintendens denselben mit allem ernst zur besserung vermanen, 
und wo keine besserung erfolget, sol er macht haben, in seines 
dienstes und ampts zuentsetzen, oder so man in verdechtig helt, 
8oI ers mit außfürlichem bericht an das consistorium gelangen lassen. 

Zum vierden, so da geklagt oder sonst vermerckt würde, das 
Uneinigkeit, zanck, hader oder andere mißverstende zwischen des 
orts pastorn und coUegen oder pastorn und cüstem oder kirchen 
und schuldienem und iren firawen und kindem oder zwischen 



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Die mecklenburgischen Schulordnungen von 1552 und 1602. 191 

diesen personen und kiroh vetern oder andern kirchspiels ver- 
wandten sohwebeten, do sei der snperintendens die parteien Vor- 
bescheiden, beide teile hören und sie in der gute und zur bilUgkeit 
vergleichen. Da aber solches unfruchtbar abgehen würde, sol er 
sie an das consistorium verweisen. 

In diesen vorgedachten stücken allen sol ein jeder pastor 
und kirchendiener bey seinem christlichen glauben und gewissen, 
verpflichtet sein, dem Superintendenten oder synodo von seinem 
nachbam, was ergerlich, kundbar und beweißlich und im davon 
bewußt ist, zu offenbarn und nicht zuverschweigen, oder da seine 
wissenschafft hernach offenbar würde, sol er gleich straff bar ge- 
achtet werden. 

Zum fünfften sol der snperintendens auch erkunden, ob die 
kirchen und schuldiener iren billigen unterhalt haben und den- 
selben zu rechter zeit empfahen, auch gegen gewalt und unrecht 
gebürlich geschützet werden, und da in diesem mangel befunden 
würde, sol er bey unsem amptleuten, auch bey denen vom adel, 
bey den raten in den stedten, Vorstehern, oder wo es zusuchen 
ist, die versehung thun, das sie ire gebür zu rechter zeit empfahen 
und bey iren getrewen diensten auch gebürlich wider die freveler 
und widerwillige geschützet werden. Würde er aber bey inen 
keine folge haben, so sol ers an die herrschafft gelangen lassen. 

Letzlich, wen nu oberzelete und andere vorfallende kirchen 
Sachen, so eigentlich für den synodum gehören, verrichtet worden, 
sol der snperintendens die anwesende pastores und prediger 
fleissig erinnern, der ersten vermanung, so inen bey eines iglichen 
Ordination auß dem heiligen apostel Paulo, actorum 20. I. 
Timoth. 3. vorgehalten ist, damit sie sich in irem ampt, lere und 
leben durch gottes gnade derselbigen gemeß verhalten, auch 
wie zu den Hebreem im 13. geschrieben stehet, wachen über 
irer zuhörer seelen, als die da rechenschafft dafür geben sollen, 
und sie also, wen der ertzhirte Jesus Christus erscheinen wird, 
die unverwelckliche kröne der ehren empfahen, I Petr. 5. Also 
sollen auch die schuldiener ires ampts treulich vom Superinten- 
denten ermanet und der synodus dimittiret werden. 

Es sol aber ein jeder snperintendens nach gehaltenem synodo 
dem consistorio bericht hievon zuschreiben. 

Wenn andere gemeine synodi wie 1552 synodi 

zu erfordern sind, das sol stehen der Superintendenten, theologen 
zu der herrschafft bedencken, uff und fQmemer pastom zuerfodem 
des consistorii erinnerung. sein, das sol 



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192 UrkuDden u. Akten zur Geschichte des meckleDburg. ünterrichtsweseDs. 

Das dritte teil. Das dritte teil: 

Von Ordnung der leetion und Ton kirehen ceremonien. 
gesang in den kirehen. 



Ordnung der ceremonien wie 1552. 

in pfarkirehen der stedt, und 
da schulen sind. 

Sonnabendes und andere Sonnabends und andere heilige 
heilige abend und f ei er- abend und f eiertage nach mittage 
tage nachmittag sei der custer auff den schlag eins 

sei man zu gewönlicher zeit ^^ ^««P^^ 1««*«^ "^^ folgends 
Vesper singen, nemlich die schü- ^^^ ^*°*«^ ^^^ «^^^^ zugeordnete 
1er einen psalm, zwen oder drey, "^^* ^^^ «^^^^^"^ ^^ ^^^J ^^»'^ 
und die antiphen von der domi- ^^^^ ordenlich zu chore gehen 
nica oder fest, darauflf ein re- un danf englich singen : Veni sancte 
sponsorium oder hymnum, die da «P^"*^« ^^^' BaTnach ein antiphon 
rein sind ^® dominica oder fest und dar- 

auff einen, zwen oder drey psal- 
mos singen und den das respon- 
sorium und hymnum, die da rein 
sind und auff die zeit sich schicken. 

Darnach sol ein knabe eine wie 1552. 
leetion aus dem newen testament 
latinisch und ein ander knab 

eben die selbige lectio deudsch deudsch, 

lesen. oder aber des sontags oder fest- 

tages evangelium lesen. 
Nach der leetion singe man Nach der leetion singe man 
das magnificat,bey weilen deudsch, das magnificat deudsch oder la- 
beiweilen latinisch, auch mit einer teinisch, auch mit einer antiphon 
antiphen, de dominica oder feste, de dominica oder de feste. 
Darauff lese der priester eine Wo aber orgeln sein, sol der 
collect, und beschliesse der chor organist einen verß umb den an- 
mit dem benedicamus domino, dorn schlagen, 
oder: Erhalt uns herr bey deinem Darauff singe der priester: Do- 
wort, und: Verley uns friede gne- minus vobiscum und eine coUec- 
diglich. ten de tempore, und beschliesse 

der chor mit dem benedicamus 
domino und da pacem domine. 



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Die mecklenburgiflchen Schulordnungen yon 1552 und 1602. 193 

Zu solchen alten und christ- 
lichen reinen choralgesengen sol- 
len die Schulmeister und cantores 
die knaben gewanen und fleis 
anwenden, das dieselbigen inen 
von Jugend auff eingebildet und 
bekand werden. 
Nach der vesper sol der prie- wie 1552. 

ster die leut, so des folgenden 

tages communicim wollen, beicht 

hören, unterrichten und mit der 

absolution trösten. 

An gemeinen sontagen und An gemeinen sontagen und 
feier tagen. feiertagen. 

Früe, als zur metten, sol man In den stedten, da fruepre- 
die Schüler einen psalm,z wen oder digten gehalten werden, sollen 
drey singen lassen mit der anti- etliche deudsche psalmen vorher 
phen de dominica oder feste. gesungen und darauff die predigt 

angefangen und mit einer stunde 

geendigt und mit einem deud- 

sehen psalm beschlossen werden, 

in welcher predigt der catechismus 

mit der außlegung Lutheri sol 

fürgelesen und ein stück ein- 

feltig und deutlich erklert werden. 

Damach lese ein knab eine Da aber an etlichen örtern ge- 

lection aus dem alten testament bräuchlich, das der catechismus 

latinisch und ein anderer deudsch. auff den nachmittag und des 

morgens das gewönliche evan- 
gelinm oder epistel umb des einfeltigen gesindes willen gelesen 
and erkleret wird, da sollen doch nichts weiniger die wort der funff 
heuptstücke des catechismi dem volck fürgelesen und ordenlich 
gesaget werden, oder den einen sontag der catechismus und den 
andern die fragstücke D. Lutheri neben dem evangelio dem ge- 
sinde fürgelesen und den die summa des evaogelii mit den für- 
nemsten lehrstücken auffs aller einfeltigste angezeiget und er- 
kleret und mit einem psalm, der sich auff die predigt schickt, be- 
schlossen werden. 

Denn singe man das benedictus. Wenn den die schüler vor der 
deudsch oder latinisch, beiweilen messe gegen die ander predigt 

Monamenta Gennaniae Paedagogica XXXVIII 13 



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194 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

das te denm laudamus, attch zasaminen kommen, singe man 
deudsch und latinisch. erstlich : Yeni sanete spiritus etc. 

neben einem psalm, mit der an- 
tiphon de dominica oder feste, 
darnach lese ein knabe eine lec- 
tion au£ dem alten testament 
oder das eyangelium lateinisch 
und ein ander deudsch. 
Endlich beschliesse man mit Denn singe man das benedictus 
einer antiphen und coUecten. deudsch oder lateinisch, bifiweilen 

auch das te deum laudamus auff 
dieselbige weise; endlich beschliesse man mit dem benedicamns. 
Hernach singet der chor den introitum de dominica oder feste, 

darauff das kyrieleison 

Damit es aber mit diesen ceremonien auff die sontage 
nicht zu lang were und darüber die leute überdrüssig werden, 
insonderheit an denen orten, da orgeln gebrauchet werden, sol der 
Organist mit seinem schlagen sich auch nach gelegenheit der zeit 
richten, damit der prediger auff den gewönlichen glockenschlag 
anfahe und zwischen den psalmen und andern gesengen vor und 
nach der predigt nicht zu lange georgelt werde, wie er den auch 
der prediger anordnunge wegen der gesenge billigen gehorsam 
leisten und in schlagen allezeit sich der psalmen, guten choral 
gesangs und muteten befleissigen und aller leichtfertigkeit und 
weltlicher lieder enthalten sol, damit der gottesdienst nicht yer* 
unheiliget, sondern gezieret und vermeret und die hertzen der 
leute zu lobe und preise gottes hiedurch erwecket werden mügen. 



An sontagen und hohen An sontagen und hohen 

festen nach mittage in den festen nach mittage, in den 

stedten. stedten. 

Nachmittag umb eins sollen wie 1552. 
die schuler anfahen einen psalm 
oder zween zu singen, oder sin- 
gen die zehen gebot, vater unser 
im himelreich. Christ unser herr 
zum Jordan kam, und der gleichen. 

Darnach unterweise der predi- wie 1552. 
ger die kinder im catechismo 
also, das er sie nacheinander 



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Die mecklenburgischen Schuloidnnngen von 1552 und 1602. 195 

firage und lasse im die zehen 
gebot auswendig sagen, item die 
auslegung, welche die kinder yon 
wort zu wort aus dem kleinen 
catechismo D. Martini Lutheri 
sollen lernen und uffsagen. Des- 
gleichen nemo er ein ander mal 
ein ander stück des cateohismi 
fiir sich bis zu end. Und als 
denn sol man widerumb von fer- 
nen anfahen. 

Damach singe man das magni- wie 1552. 
ficat. 

Damach gehet der prediger uff wie 1 552. 
die cantzel und spricht aus mit 
lauter stimme die zehen gebot, 
daa symbolum, das yaterunser, die 
wort Yon der tauff und die wort 
des abendmals. 

Denn nimpt er ein stuck des wie 1552. 
cateohismi für sich, mit vleis dem 
Tolck furzutragen und zu erkleren. 

Zu end der predigt vermanet wie 1552. 
er das volck zum gebet. 

Nach der predigt singet man: wie 1552. 
Herr, nu lest du deinen diener im 
friede faren, darauff wird eine 
collect gelesen und mit dem be- 
nedicamus domino beschlossen. 

Eirchenordnung uff den Kirchenordnung auff den 
dörffern. dörffern. 

Alle Sonnabend nach mittage wie 1552. 
umb zwey und alle heilige abend, 
wenn des andern tages die yer- 
samlung des volcks geschihet, 
sol uff den dörffera der custos 
zur yesper leuten. Und wo der 
pfarherr im dorff wonet, sol er 
bald nach dem andern puls in 
die kirche komen und singen mit 

13* 



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196 Urkunden n. Akten zur Oeschichte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 

seinem custos einen psalm deudsch 
und unterschiedlich, das man in 
wol verstehen künne 

Nach mittage am sontage Nach mittage am sontage 
und Feiertagen uff den und feiertagen auff den 

dörffern dörffern. 

sollen die leute in alle wege wie 1552. 
dazu gehalten werden, das sie 
widerumb in die kirche komen 
und den catechismum hören lesen 
und handelen. 

Dabey sollen sie vor und nach wie 1552. 
singen: Dis sind die heiligen zehen 
gebot. Item: Vater unser im 

himelreich etc. himelreich 

und sonderlich den psalm, der auff 
das stück des catechismi gehöret, welches in der predigt erkleret 
wird. 

Und diß sol geschehen allezeit von ostern biß an die emdte 
und widerumb nach geendigter emdte biß auff martini, in welcher 
zeit ein jeder pfarherr alle jar den catechismum gentzlich erklären 
und endigen sol und zugleich nach der predigt allezeit die leute 
im catechismo fleissig examiniren. 

Wo aber dieses umb gewisser Wo aber umb gewisser ursach 
ursach willen nicht möglich, sol willen nicht müglich, das die leute 
inen alle sontage und feiertage nach mittage wider in die kirche 
vor mittage nach der predigt und kommen und die catechismus 
vor der communio ein stück aus predigt anhören können, sol inen 
dem kleinen catechismo Lutheri doch alle sontage und feiertage 
von wort zu wort furgelesen wer- vor mittage vor oder nach der 
den.^) Und sollen die pastores in predigt und vor der communion 
alle wege furnemlich darauff be- ein stück auß dem kleinen cate- 
dacht sein , das sie die lere des chismo Lutheri von wort zu wort 
catechismi mit höhestem vleis bey fürgelesen werden, 
iren pfarkindem treiben und pflant- wie 1 552. 
zen. Denn wie nütz und nötig 
dieses sey, ist nicht auszusprechen. 

Und sol furnemlich und inson- 

derheit den kindem so wol auff 

d) verbessert aus , werde". 



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Die mecklenburgischen Schulordnungen von 1552 und 1602. 197 

den dörffem alß in den stedten der kleine catechismus Lutheri 
sampt seinem fragstücken woU eingebildet werden, die eß hernach 
ir lebenlang auch behalten. Und wen etliche kinder sein des 
alters geworden, das sie zum tische des herrn gehen solen, so sol 
der pastor oder prediger sie zuvor öffentlich für der anwesenden 
gemeine in den fimff heuptstüoken des catechismi verhören und 
also ir bekentniß thun lassen und sie alsden mit einem kurtzen 
gebete gott dem herrn befeien, das er seines geistes gnad in inen 
vermeren und sie im rechten verstände seines worts und aller 
gottseHgkeit erhalten wolle, darauff sie den hernach zum heiligen 
abendmal zugelassen werden sollen 

Was sonsten die deudschen psalmen und geseng belanget^ die 
in den kirchen so wol in stedten als auff den dörffern gesungen 
werden, sollen verstoDdige pastores und Schulmeister auß den ge- 
meinen psalmbüchem die besten und geistreichsten außlesen, und 
die sich auff die zeit und evangelia am bequemsten schicken und 
dem volck zur besserung dienen. Insonderheit aber sollen sie die 
schonen alten und nützlichen psalmen und geseng D. Martini Lutheri 
behalten und singen, welche an geistreichen werten und schönen 
beweglichen melodeien nach art und krafft der wort andern ge- 
sengen billig vorzuziehen sind. 

So sollen auch' die pastores ire zuhörer vermanen, das sie die 
psalmen in der öffentlichen versamlung mitsingen, gott zu lob und 
ehren und inen selbst zu trost, erquickuDg und besserung. Und 
dieweil an vielen örtem auff den dörffem die leute weinig oder 
bey weilen wol gar keine psalmen wissen und singen können, 
etliche aber auch wol des groben Unverstandes sein, als wenn nur 
allein dem pastom und custer amptshalben zusingen gebüre, so 
sollen die pastores sie recht hieven unterrichten und mit fleifi dazu 
anhalten und gewenen, das sie etliche gewönliche psalmen lernen 
und mitsingen, nach gelegenheit der zeit und feste 

Das vlerde teil. Das vierde teil. 

Yon erhaltang ehristliclier Ton erhaltnng christlicher. 

sehnlen und Stadien.^) sehnlen und Studien. 

Der aUmechtige gott hat sich wie 1552. 
ans grosser barmhertzikeit gegen 
den menschen umb seines lieben 



^) Die Einleitang dieses IV. Teils l^mt sich an den Abschnitt der , Witten- 
berger Reformation" an, welcher „De scholis* überschrieben ist. 



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198 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünterrichtswesens. 

Bons willen für und für mit ge- 
wissen gezeugnis geoffenbaret und 
seine gnedige verheissungen ge^ 
ben und hat diese seine Offen- 
barungen und seine lere durch 
die Propheten und aposteln in 
gewisse schrifften fassen lassen. 
Er hat auch selb die zehen gebot 
in steinern tafel geschrieben 
und hat geboten, das man der 
Propheten und aposteln bücher 
lesen und lernen sol, ja wir sind 
also daran gebunden, das keine 
kirch gottes ist, wo nicht diese 
einige lere, die in der propheten 
und aposteln büchem gefasset ist, 
bekant und angenomen ist und 
fwt und für andern furgetragen 
und yerkündigt wird. 

So man nu aus den selbigen wie 1552. 
büchem die lere lernen mus, so 
ist hoch nötig, das etlich sind, die 
lesen können, und wer andere 
unterrichten sol, der mus selb 
BUYOr bey sich ein ordenliche 
summa der ganhsen lere haben 
und wissen, wo und wie alle ar- 
tikel in göttlicher schrifft nach 
einander gegründet und erklert 
sind. 

Und damit man gewiss sey vom wie 1552. 
verstand göttlicher schrifft, müssen 
viel sein, die der propheten und 
apostel sprach verstehen und Yom 
gründlichen verstand bericht thun 
und Zeugnis geben können. 

Und in summa, wer andere wie 1552. 
leut recht und ordenlich unter- 
weisen sol, der mus gerüst sein 
mit löblichen küastoB, die su 
solchem werek dienlidt sind. 



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y^ Die mecklenburgischen Scbulordnnngen von 1562 nnd 1602. 199 

Und ist vom lesen ausdrücklich wie 1552. 
geboten 1. Timo. 4: Du solt an- 
halten mit lesen, trösten und leren, 
in welchem spmch das lesen nicht 
vergeblich am ersten genennet 
ist, denn das evangelium ist gantz 
weit unterschieden von allen an- 
dern künsten, religionund secten; 
ander künsten werden angefangen 
aus natürlichem verstand, als zelen, 
messen, wenn sie gleich nicht in 
schrifft gefasset weren. Aber die 
gottliche verheissung von der gnad 
ist nicht ein liecht, das uns ange- 
bom sej wie zelen oder gesetz 
lere, sondern ist ein wunderbar- 
licher rat gottes über und ausser 
aller creaturen verstand und ist 
besonder geoffenbaret und durch 
die Propheten und ernach durch 
die aposteln in schrifft gefasset, 
danunb ist der anfang der christ- 
lichen lere vom lesen. 

und 2. Pet. 1 ist also geschrie- wie 1552. 
ben: Ir thut recht daran, das ir 
yleis tut in der propheten schrifft 
nnd euch daran haltet als zum 
liecht im finstem etc. 

Paulus zun Oalatem : So jemand wie 1552. 
ein ander evangelium predigt, 
denn ich gepredigt habe, der sey 
Terfiucht; nu hat Paulus seine 
lere selb in schrifft gefasset, die 
mos man lesen und betrachten, 
Bol man wissen, was seine lere ist. 

Ans diesen und viel andern wie 1552. 
Bpruchen ist öffentlich, das gottes 
enster will ist, das etliche men- 
Bchen 8md,die im lesen, schreiben, 
sprachen, künsten andere unter- 
weisen, und etlich besondere zu- 



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200 ürkanden tu Akten zur Geschichte des mecklenbarg. Unterrichtswesens. 

hörer, die lernen und zae erhal- 
tung der bücher, sprachen und 
christlicher lere und künsten die- 
nen. 

Und ist dieses den lerem und wie 1552. 
Zuhörern tröstlich, das sie wissen, 
das diese ir arbeit von gott ge^ 
boten und gott gefeilig ist, und 
das gott dabey sein wolle, wil ver- 
stand und gnade geben und wil 
auch sonst für sie sorgen, wie er 
spricht zu den leviten: Ich bin 
ewer erbe etc. 

Oott hat auch allezeit diese wie 1552. 
weise erhalten, das bey den far- 
nemesten kirchen ehrliche schu- 
len gewesen sind, als bey dem 
tabemakel in Israel und emach 
zu Antiochia, Alexandria etc. 
Und ist der apostel Johannes selb 
ein legent gewesen, darnach Poly- 
carpus, Ireneus und andere. 

Diese erinnerung sol man dem wie 1552. 
Yolck offt furhalten, gottfürchtige 
leute zu vermanen, das sie ire 
kindern gern lernen lassen und 
freude daran haben, so die kinder 
in christlicher lere und zucht uff- 
erzogen werden und zu den kir- 
chen gewöhnet und in der heili- 
gen yersamlung helffen gott prei- 
sen und anruffen, deren viel er- 
nach zum predigampt und zu an- 
dern ehrlichen, nötigen emptern 
in christlicher regierung seliglich 
dienen, dazu die eitern ire kin- 
der uff zu ziehen, so viel inen müg- 

lich ist, schuldig sind, wie zu Tito zu Tito am 3. cap. ge* 

geschrieben ist: Die unsem sol- schrieben ist 

len lernen, das sie zur regierung 
in guten wercken tüchtig sind, zu 



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Die mecklenburgischeii Schul Ordnungen von 1552 und 1602. 201 

nötigen sachen, und nicht un- 

frachtbar sind; item zu den 

Ephesem: Ir yeter solt ewre Ephesem (oap.6. ir yeter) . . . .;. 

kinder nfiziehen in göttlicher 

mcht und Unterweisung. 

Nach dem nu alle yerstendige wie 1552. 
wissen, das nicht allein kinder- 
schulen, darin man die latinisch 
grammatica und catechismum ler- 
nen mus, nötig sind, sondern man 
mns auch die sprachen, ebreische 
und grekische erhalten, item für 
die gewachsen der propheten 
und aposteln sohrifft auslegen, 
item historien und mathematica 
zum calender wissen. Dieses alles 
mus man im kirchen regiment 
haben, so bedarff man auch 
sonst zu menschlichen leben den 
schönen schätz yon ertzney, die 
gott den menschen zu gut ge- 
schaffen hat, dayon man nichts 
wüste, wenn gott nicht auch 
etliche erwecket hette, die für 
die nachkomen geerbeit und die 
lere dayon in bücher gefasset 
hatten. 

Weiter ist auch gottes will, wie 1552. 
das man in landen yemünfftige 
gewisse recht habe; darumb hat 
der hochlöblich sechsisch keiser 
Lotharius die alten wol ge- 
schriebnen römische recht wide- 
mmb zu brauchen und zu lesen 
geboten. 

Zu diesen itzt genanten sprachen wie 1552. ' 

and künsten sind auch besondere 
löbliche schulen für die gewachsen 
nötig, die nennet man uniyersi- 
teten. 



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202 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

Derhalben ist der hertzogen Derhalben ist yon gottes gnaden 
zu Meckelnburg ernstlich gemüt, unser JohansAlbrecht^) und Ulrich^ 
gott zu lob die universitet zu gebrüdem, hertzogen zu Meckeln- 
Rostock zu erhalten und mit bürg etc. emstlidi gemüt, gott 
tüchtigen personen, lection, ord- zu lob die universitet zu Rostock 
nung der Studien, disciplin, ein- zu erhalten. Und haben derwegen 
komen und schütz durch gottes auch vor uns und unsere erben 
hülff bestendiglich zu versorgen, von unsem yelt-clöstern zu der- 

selbigen universitet vierdehalb 
tausent gülden jerlich verordnet und mit brieven und siegeln ver- 
gev^issert, damit in^) allen faculteten und freien künsten tüchtige 
personen ehrlich unterhalten und in unsem landen gottes rein 
erkentniß und nützliche lere auff die nachkommen geerbet werde. 

Wie wol nu leider in diesem wie 1552. 
menschlichen schwachen leben 
kein versamlnng ist one viel und 
mancherley gebrechen und Un- 
kraut und war ist, das die welt- 
lich oberkeit ernster imd scherffer 
in erhaltung der disciplin sein 
solte, so ist dennoch diese für- 
nemeste nötige arbeit in recht- 
geordneten uniyersiteten hoch 
und gros zu achten, das darin 
die sprachen, verstand der pro- 
pheten und aposteln, symbola 
und historien und alle löblichen 
künsten erhalten werden, und wo 
dieses principal ist, da sind auch 
etlich gottgefellige gliedmassen 
der kirchen, ob gleich etliche 
andere ungleiche mit unter ge- 
menget sind, wie neben Zacharia 
und Simeon pharisei und saddu- 
cei gewesen sind; gleich wol ist 
ein solche versamlnng in einer 
zimlichen rechtgeordneten uni- 

e) verbessert aus n^^^*» 

*) Johann Albrecht starb bereits 157B; der Name stand in den Vorarbeiten 
zur Kirchen- und Schulordnung und ist bei der abschlieißenden Redaktion 
1602 stehen geblieben ; s. meinen Aufsatz in Jahrb. 64« S. 75. Ulrich t 1608. 



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Die mecklenburgischen Schulordnungen Yon 1552 und 1602. 203 

yersitet, darin etliche gottfürch- 
tige, gelarte, verBtendige menner 
sind, die semptlich und eintrech- 
tiglich mit einander za gottes er- 
kentnis und rechter anruffung 
and zu erhaltuDg guter zucht und 
künsten arbeiten, und da so viel 
sprachen und künsten bekand 
sind, ein besondere zier der 
kirchen, und ist den landen 
tröstlich, und werden one zweivel 
die landschafFt und nachbam zu 
diesem nötigen, nützlichen, lob- 
üchen und tröstlichen werck gern 
hülfe thun. 

Es sol auch christliche lere in wie 1552. 
dieser uniTersitet rein und unver- 

endert in den lection, disputation in der leetion, 

und predigten erhalten werden, 
wie droben offt gemelt, wie sie 
in der propheten und aposteln 
schrifft und in symbolis aposto- 
lico, Niceno und Athaaasii ge- 
bsset ist, damit gleich stimmen 
catechismuB und bekentnisLutheri 
und die confessio, die zu Augs- 
burg anno 1530. dem keiser uber^ 
antwort ist, und wie die lere 
dnich gottes gnad itzund in 
kirchen dieser lande, in Lübeck, ..... lande, auch zu Lübeck, 

Hamburg, Lüneburg gehalten Hamburg, 

wird, und so ein legent ein legent oder professor 

aräckel oder mehr anfechten und in der universitet ein artickel ..... 
gpaltimg machen wolt, sol er von 
der nmversitet erinnert werden, 
ond so er ni^ht nachlesset, sol 
die sach an das consistorium und 
dorch das consistorium und uni- 
versitet an die herrsohaft gelangen, 
die bedencken wird, ob ein syno- 
dns zu halten sey etc. mit er- 



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204 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

forderuog der chrisÜioheii predi- 
canten aiiB den stedten oder 
andern landen. 

Wie es aber in den kinder- wie 1552. 
schulen sol gehalten werden, da 
Yon sol zu jeder zeit in der Visi- 
tation ernstlicher befelh geschehen. 

Dieweil aber offt newe schul- wie 1552. 
roeister angenomen werden und 
etlich lust haben zu yerendrungen 
und zu ungleicheit und aber 
mancherley yerendrung und un- 
gleicheit den kindem Verhin- 
derung im lernen bringen und 
sonst mancherley unrichtikeit 
daraus folget, ist bedacht, das 
durch aus in gemein ongefehrlich 
diese folgende form in kinder- 
schulen sol gehalten werden; doch 

sol in den Visitation die gelegen- gelegenheit mit 

heit in allen stedten und flecken allen ..... 
bedacht und bewogen werden. 

Yon den kinderschulen.') Von den kinder schulen. 

Erstlich sollen die kinder Orden- wie 1552. 

lieh in drey oder vier heuflin heufflin oder 

nach gelegenheit geteilet werden, classes ..... 

Das erste heuflin sind die wie 1552. 

jüngsten, die anfahen die buch- sein die jüngsten 

Stäben zu kennen und lernen 

lesen, die sollen erstlich die ge- und lesen 

wohnlich handbuchlin lernen, dar- lernen, die 

in das aiphabet, oratio dotninica, 

symbolum, decalogus zusamen decalogus oder das 

gedruckt sein, und sollen im aiphabet, declinationes und con- 
anfang den kindem nicht andere jugationes, latinisch und deudsch, 
bücher furgeben werden. und der kleine nomenclator zu- 



*) Dieser Lehrplan lehnt sich teilweise wörtlich an den Unterricht der 
Yisitatoren von 1528 an, die abweichenden Bestimmungen jedoch überwiegen; 
8. meinen Aufeats in Jahrb. 64, S. 18. 19. 



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Die mecklenbargischen Schalordanngen von 1552 and 1602. 205 

Emach sol man inen den sammen gedrucket sein: denn 
DonatnndCatozusamenfargeben, daher sie nicht allein der dedi- 
also das der Schulmeister teglich nationen und conjugationen ge- 
einen oder zween vers exponir, wennen, sondern dieselbigen auch 
welche die kinder emach zu desto leichter und bequemlicher 
einer andern stund uffsagen, das hernach auäwendich werden lernen 
sie also anfahen etliche latinische können. Und sollen solchen kin- 
wörter zu kennen und Vorrat dem im anfang kein ander bücher 
schaffen , die latinische sprach zu fürgegeben werden. Doch müssen 
reden, und ist nützlich, das sie sie zum gebett, zu den heupt- 
den Donat und Cato nicht allein stücken christlicher lehr, wie sie 
ein mal lesen, sondern auch das im yorgedaohten aiphabet büchlin 
ander mal. gefasset sein, neben etlichen 

Dabey sol man sie leren psalmen und Sprüchen des alten 
schreiben und ernstlich dazu und newen testaments außwendich 
halten, das sie teglich ire schrifft zu lernen angehalten werden. Da 
dem Schulmeister weisen. denn der praeceptor nach aller 

Item, damit sie des mehr la- yemunfft und bescheidenheit mit 
tinischer wort lernen, sol man diesen jungen und zarten knaben 
inen teglich am abent zwey la- wird wissen umbzugehen und 
tiniBche Wörter zu lernen furgeben, unter andern sich auch dahin 
die sie behalten und morgens bemühen, das die knaben zu 
dem Schulmeister uffsagen sollen, einer deutlichen, verstendigen und 
und sollen sie in besondere buch- langsamen außrede gewenet wer- 
lin schreiben oder schreiben den. Und sollen so lang unter 
lassen, als deus gott, celum diesem heufflin gehalten werden, 
himel etc. biß sie im lesen geübet und 

Diese kinder sollen auch zur zimlich fertig sein, 
musica gehalten werden und mit 
den andern singen, wie emach 
angezeiget wird. 

Das ander heuflin sind kinder, Das ander heufflin sind kinder, 
die nu im lesen gewis sind und die nu im lesen sein geübet; 
die regulas grammaticae anfahen. diese sol der Schulmeister im 

Teglich sol man die erste stund latinischen und deudschen cate- 
nach mittag alle knaben in der chismo Lutheri fleissig üben, den 
musica üben. latinischen one den deudschen 

Emach sol man diesem heuff- mit der außlegung lassen auß- 
lin, das lesen kan, welches mag wendich lemen und den anfang 
genent werden secunda classis, der arbeit, wie denn auch bey 
die zween tag, montag und dins- den andern allen geschehen sol, 



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206 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtsweeens. 

tag, fabulas Esopi exponirn, teglich vom öebett machen, 

welche Jaochimus Gamerarius Darnach sol man bej ihnen denn 

latinisch gemacht hat, und sol Donat fleissig und one vordrieß 

der Schulmeister nach gelegenheit treiben, die paradigmata declina- 

der knaben wehlen, welche er tionum und conjugationum lassen 

wil, mag auch etlich liebliche fertig außwendich lernen und 

«oUoquia Erasmi lesen und andere nomina und yerba nach 

Erasmi buchlin de civilitate mo- machen, biß das sie darinnen 

rum und das büchlin Joachimi gnugsam geübet sein, alsden 

Oamerarii, welches titel ist: Prae- können inen auch etliche ge- 

cepta moram etc. Aber Esopus meine praecepta etymologiae und 

sol nicht gantz aus der schul leichte regeln auß dem syntazi 

komen. fürgegeben werden, und können 

Den donnerstag und freitag sol die exemplaria solcher bücher zu 

man diesem heuflin Terentium Rostock, da sie in der kinder 

exponirn, den sollen die knaben schulen üblich sein, gefunden 

von wort zu wort auswendig werden. Und damit sie in diesen 

lernen, darumb sol man nicht viel allen desto besser mügen geübet 

uff ein mal fürgeben. werden, sollen inen die leichtesten 

Am abend sol man diesen und kurtzten coUoquia Maturioi 

knaben, so sie zu hause gehen, Corderii und weinich disticha 

ein nützlichen spruch furschreiben Gatonis exponirt werden, welche 

und exponirn, den sie als bald sie hernach in einer andern stunde 

auch in ein besonder büchlin auffsagen, das sie also anfahen 

schreiben und daheim lernen etliche latinische Wörter zu kennen 

exponirn und gedencken, das und vorrath schaffen, die latinische 

«ie in morgens uffsagen, als: spräche künfftich zureden; und 

Timor domini initium sapientiae. damit sie desto mehr latinische 

Omnibus in rebus modus est Wörter lernen, sol man inen teglich 

pulcherrima yirtus, und der zwey oder drey vocabula auß 

gleichen. dem nomenclatore fürgeben, die 

Morgens früe sollen diese kna- sie behalten und auffsagen werden, 

ben, so viel sie in Esopo oder Den Sonnabend sol inen das 

Terentio gehört haben, widerumb latinische evangelium exponirt 

uffsagen, und sol der preceptor und neben dem catechismoLutheri 

etliche nomina dedinim lassen das deudsche corpus doctrinae 

und yerba coniugirn nach gele- Judicis außwendich zu lernen be- 

genheit der kinder viel oder folen werden. Auch sol man sie 

wenig und sol die regeln de zur musica mit den andern knaben 

generibus, casibus, praeteritis halten und sie schreiben leren 

4ind supinis fleissig fordern. und ernstlich auffsehen, das sie 



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Die mecklenborgischen Schulordnungren von 1552 und 1602. 207 

So auch die kinder regulas teglich ire schrifft dem schul- 
constractionum gelernet haben, meister zeigen. 
8ol er die oonstnictio und die 
regeln da von fordern. 

Die ander stund vor mittag soi die yier tage in der Wochen 
montag, zinstag, donnerstags freitag allezeit also gebraucht werden, 
das denn die knaben erstlich ein stück in etymologia auswendig 
recitim, darnach sol der preceptor die selbige regeln mit exem- 
peln erkleren. 

Und so sie die etymologiam gelernt haben, sollen sie ernach 
syntaxin diese stund auch also auswendig recitim, und sol der 
preceptor ernach die selbige regeln mit exemplis erkleren und 
die knaben deudsch fragen, das sie exempla latina uff die regel 
in syntaxi machen, als wie sol man im latin sprechen: Straffe 
folget gewislich nach Verachtung göttlicher gebot? Poena conii- 
tatur certo contemtum divinarum legum. 

Und sollen in alle weg die Schulmeister diesen vleis thun, 
das sie die jugent treiben regulas grammaticae auswendig zu 
lernen, und sol diese torheit nicht geduldet werden, das etlich die 
regeln yerachten, wollen die sprach one regeln lernen. 

Auch ist nützlieh, das im gantzen land eine gleiche etymolo- 
gia und syntaxis und nicht mancherley gebraucht werden. 

Den mitwoch und sonnabent sol man zum catechismo brauchen 
durch aus in allen hauffen, und sollen die preceptores jeden jungen 
nach einander hören gantz und deutlich sprechen decalogum, sym- 
bolum, praecationem dominicam, und die grossem sol man weiter 
fragen im catechismo: Quot sint personae divinitatis? quid sit lex? 
quid peccatum? quid evangelium? quid poenitentia? quomodo homo 
accipit remissionem peccatorum? etc. Und sol ernstlich befolhen 
werden, das ein gleicher catechismus durch aus im land gebraucht 
werde. 

Und die selbigen tag sol man den knaben ein lectio aus 
göttlicher schrifft exponira, am mitwoch Mattheum oder proverbia 
Salomonis, am sonnabent die erste epistel ad Timotheum oder die 
epistel ad Colossenses oder ein gemeinen psalmen, als miserere, 
de profiindis, psalmum primum, beatus vir. Secundum, quare 
fremuerant gentes. Psalmum 24. Ad te domine levavi. Psalmum 33. 
Benedicam dominum in omni tempore. Psal. 126. Nisi dominus 
aedificaverit. Psalm. 132. Ecce quam bonum. Und sollen die 
Schulmeister die grammatica vleissig in der selbigen exposition 
anzeigen und die einig eigentlich meinung den jungen deutlich 



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208 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbarg. Unterrichtswesens. 

sagen und nicht frembde disputationes einfuren; die jungen sollen 
auch dieser psalmen etliche auswendig leroen, ir gebet darin zu üben. 
Etliche Schulmeister wollen eitel heilige schrifft lesen, etliche 
gantz keine. Diese meinung beide sind strefflich, sondern diese 
Ordnung, wie gesagt ist, so man trewlich leren wil, ist der jugent 
nützlich. 

Das dritte heuflin sol man in Das dritte heufflin, welches 
den grossem schulen also machen, mag genennet werden secunda 
das man die knaben dazu wehlet, classis, sind knaben, die nu im 
die nu zimlich grammatici sind, lesen gewiß sein und die regulas 

In der stund nach mittag sollen etymologiae et syntaxis anfahen. 
diese mit den andern in musica Diesen sol die zwen tage montag 
geübet werden, wie zuvor gesagt und dingstag morgens früe die 
ist. Emach sol man inen die zween grammatica, sonderlich die beiden 
tage montag und zinstag Yirgilium teil orthographia und etymologia, 
exponim, die andern zween tag, explicirt und fürgegeben werden, 
donnerstag und freitag, etliche da sie denn erstlich ein stück in 
auserlesene epistolas Ciceronis etymologia außwendich recitiren 
oder de amicicia, de senectute oder sollen und der praeceptor die- 
Salustium. selbigen regulen mit exempeln 

Am abend regulas prosodiae erkleren. 
und etlich liebliche poemata Darnach sollen inen etliche 
Ovidii de ponto oder heroidas disticha Catonis, Yom Fabrido und 
Eobani oder etlich elegias Sabini Sibero coUigiret, exponirt und 
oder StigeUi. fleissig repetirt werden. 

Morgen Me sollen die selbigen Den nachmittag dieser zwen 
jungen, wie es die zeit bringet, tage sol man inen in colloquia 
Yirgilium oder epistolas Ciceronis Maturini Corderii oder Ludovici 
exponim, und sol der preceptor Vi vis expliciren, die phrases und 
durch aus lassen construim und constructiones darauß examiniren 
uff jede constructio die regel aus und die praecepta grammatices 
der syntaxi fordern, und sol sich nach müglicheit treiben; die 
dieser langweiliger erbeit nicht übrige zeit dieser nachmittage 
verdriessen lassen, sol auch et- sol zur etymologia graecae gräm- 
liche schwere declinationes und maticae genommen werden, und 
coniugationes halten. wird darinnen der praeceptor die 

Darnach sol man mit diesem knaben im lesen, decliniren, com- 
dritten hauffen auch repetim ety- pariren und conjugiren fleissig 
mologiam und syntaxin, und sol üben und anhalten, 
jeder in Sonderheit die regeln Den donnerstag und freytag 
auswendig sagen. Diese repeticio vor mittag sol man diesem heuff- 



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Die mdcklenborgischen Scbuloidnungen yon 1552 und 1602. 209 

der etymologiae und syntaxis ist lin den syntaxin proponiren und 

nötig. Es mögen auch die schul- außwendich lassen auffsagen, 

meister zu dieser stund beide darnach die epistolas Ciceronis, 

hauff secundam et tertiana das- vom Stunnio in ein büchlin zu- 

sem zusamen setzen, das sie in sammen gezogen, erkleren und 

dieser stund semptlich gehört auß denselbigen exempla regu- 

und geübet werden. larum syntaxeos geben, die der 

Zu diesem allem ist nötig, das praeceptor hemacher von den 

der Schulmeister selb ein gewisser knaben sol repetiren und corri- 

grammaticus sey, denn was einer giren. 

selb nicht gelemet hat, dazu hat Den nachmittag sollen diese 

er nicht lust und hellt die jugent knaben etliche Tocabula auß dem 

nicht dazu. Er sol auch selb mit nomendatore außwendich auff- 

den Schülern latinisch reden und sagen und darnach die coUoquia 

die Schüler dazu halten, das sie Corderii oderLudovici Yivis, wel- 

untereinander latinisch reden. che inen exponirt sein, alternatim 

Alle Wochen sollen die knaben recitiren, da denn der praeceptor 

aus dem dritten hauffen am sonn- die außrede der knaben wird 

abent latinische schrifften dem wissen in guter acht zunemen 

Schulmeister überantworten, epi- und sie zuweilen unter einander 

stein und historien oder vers, und lassen certiren in den fürgege- 

sol der Schulmeister den knaben benen und exponirten lectionibus. 

zu deudsch etlich schöne histo- Es sollen aber die praeceptores 

rien dictirn, die sie emach die stets und alle wege alle und 

Wochen latinisch machen, als von jede lectiones, so die knaben 

Joseph, von Samson, von David, gehöret haben, widerumb lassen 

Tom yerlomen son, und aus auffsagen und etliche nomina de- 

andem büchern yon Ulysse und cliniren und verba conjugiren, 

Polyphemo, von Hercule und nach gelegenheit der knaben 

Omphale, von Cyro, vom Cam- viele oder weinig, und sollen die 

byse und dem gestrafften richter, regeln de generibus, casibus, 

des haut Cambyses uff den rieh- praeteritis et supinis fleissig for- 

terstuel spannen lies, von Mida, dem. 

der nicht recht urteilt zwischen So auch die knaben regulas 

Apolline und Pan, und wurden constructionum gelemet haben, 

im seine ohm in eselohm ver- sollen sie die constructiones und 

wandelt etc, und andere nütz- die regeln davon forderen, auch 

liehe geticht, darin zugleich die die regeln mit exemplis erkleren 

jungen die sprach üben und hi- und die knaben deudsch fragen, 

storien lernen und viel erinne- das sie exempla latina auff die 

ruDg von tugent mercken mögen; regeln machen, als: Wie sol man 

Monamenta Germaniae Paedagogica XXXYIII 14 



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210 Urkunden n. Akten zur Geachichte des mecklenbnrg. ünterrichtswesens. 

und sollen die Schulmeister vleis im latin sprechen? Straff folget 
thun, das sie inen selb verrat gewisse nach yerachtung gött- 
schaffen solcher historien und licher gebott, poena comitatur 
geticht. certo contemtum legum divina- 

und so die jungen ire schriff- rum. 
ten uberantwort haben, sol der Und sollen in allewege die 
Schulmeister inen anzeigen, wo Schulmeister diesen fleiß thun^ 
etwas unrecht ist, und die un- das sie die jugent treiben, re- 
rechten Wörter und constructiones gulas grammaticae außwendich 
bessern. zu lernen, und sol diese thorheit 

nicht geduldet werden, das et- 
liche die regeln verachten, wollen die spräche one regeln lernen. 

Auch ist nützlich, das im gantzen land eine gleiche etymolo- 
gia und syntaxis und nicht mancherley gebraucht werden. 

Den mittwochen, und da es sonst in der wochen bequemlich 
geschehen kan, sol man die exercitia styli ein oder zweimal mit 
inen treiben und dieselben nemen auß den lectionibus, die inen 
fürgegeben werden, oder auch zuweilen etliche schöne historien 
ex probatis auctoribus dictiren, die sie die wochen über zu latinisch 
machen, welche die praeceptores hernach übersehen und corrigiren 
sollen. Und damit die knaben desto besser sehen mügen, woran 
es inen in irem selbst gemachten arbeit gemangelt, sollen die 
Schulmeister inen entweder die formalia auctorum, darauß die 
historien genommen, oder ire eigene versionem dictiren und so 
wol die deudsche als die beiderley latinsche versiones renlich ab- 
geschrieben, in besonder dazu gemachte bücher lassen referiren, 
die sie künfftich in den examinibus sollen aufweisen und fürlegen. 
Und sol insonderheit darauff fleissig von den schulmeistern gesehen 
werden, das die knaben recht und zirlich reden und schreiben 
lernen mügen. 

Den Sonnabend sol man zum catechismo gebrauchen durchauß 
bey allen hauffen, und sol ernstlich befolen werden, das ein 
gleicher catechismus, als nemlich der kleine catechismus D. Lutheri 
deudsch und die catechesis D. Chytraei latinisch durch auB im 
lande gebraucht werde. Doch sollen auß diesen den discipulis 
secundae classis allein die fürnemsten und nötigsten quaestiones, 
welche auch umb der jugent willen der auctor selbst mit unter- 
schiedlichen typis hat drucken lassen, außwendich zu lernen auff- 
gegeben werden. 

So kan man auch am sonnabent das evangelium Graecum die 
knaben lesen lassen und inen dasselbige exponiren, darauß die 



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Die mecklenbargischen Schulordnungen von 1552 und 1602. 211 

leichsten themata nemen und die eigentliche meinung den jungen 
deutlich sagen und die themata lassen decliniren und conjugiren. 

Wo in stedten der jungen so Das vierde heufflin, welches 
viel ist, das man den yierden prima classis mag genennet 
hauffen machen kan, aus solchen werden, sol man in den grössern 
knaben^ welche nu gewis sind in schulen also machen, das man 
etymologia und syntaxi, diesen die knaben dazu wehlet, die nu 
sei man die selbige stund lassen zimlich grammatici sein und in 
regulas dialectices recitirn, die Latino exercitio zuschreiben ge- 
8ol der Schulmeister mit leichten übet. 

nützlichen exempeln erkleren, Diese sollen die praeceptores 
ernach sol man inen furgeben fümemlich dahin anhalten und 
initia rhetoricae. gewehnen, das sie nicht allein 

Diese sol man auch die. wochen congrue, sondern auch eleganter 
ein stund lassen regulas grece schreibenlemen, und der Ursachen 
grammaticae recitirn, item den halben inen die besten und be- 
andern tag sol man ein stund zum quemsten auctores Graecos et 
Fhocylide und ernach zum Hesiodo Latinos exponiren. 
und Isocrate ad Demonicum nemen. Wenn sie demnach teglich zu 

Und sol der Schulmeister bey morgen ire') arbeit vom gebet 
der grammatica bey weilen ein angefangen, symbolum Graecum 
nützlichen spruch den knaben Athanasii oder Nicenum recitiret 
fiirschreiben, das inen etliche und einen psalmum auß dem 
Wörter bekant und gemein werden, Buchanano gesungen, alsdenn sol 
und das sie zu gleich die buch- inen der Terentius, epistolae Cice- 
Stäben recht formim lernen, und ronis ad Atticum, auß den histo- 
sollen die Schulmeister vleis tun, ricis aber Salustius oder Aemilius 
das sie selb auch rechte buch- Probus exponiret und dabey die 
Stäben machen, als solche sprüch etymologia und syntaxis repetiret 
Homerus spricht*): Betet, lieben werden, und sol jeder insonder- 
kinder, wir bedürffen alle gottes, heit die regulen außwendich sagen. 
evxe(r9ai, ndvteg dk ^eov ;^aT^ot;at Es müssen auch von den prae- 
äv9QO}jioi. Item : Gott sihet ceptoribus diesen die regulae 
alle werck und straffet unrecht, prosodiae, der Virgilius, etliche 
ex^i^edg ixdixov S/jl/jUx.^) Item: In liebliche poemata Ovidii de ponto, 
allen Sachen sol dir gott der die züchtigsten elegiae TibuUi 
anfang und das ende sein, AqxV'^ und insonderheit der psalterium 
äjidvToyy xal riXog noUi *6<5v.*) Buchanani exponiret und auß- 

f) verbessert aus „iren arbeit". 
*) Odyssee 3, 48. ») Batrach. v. 97. 

•) Die Herkunft dieses Wortes konnte nicht festgestellt werden. 

14* 



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212 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichteweaens. 

Item: Böser anfang bringet ein wendig zu lernen anbefoleo 
bösB ende, xax^g An &QXV^ werden, welche sie denn wider- 
yivetai reXog xaxdv^'^) und andere umb sollen exponiren, den text 
dergleichen sprüch, wie denn die construiren, und auff jede construc- 
selbige sprach seer reich ist von tion die regeln auB dem syntaxi. 
allerley schönen Sprüchen, und und rationem prosodicam sagen. 
ist nützlich, das die jugent von auch etliche schwere declinationes 
kindheit bald solcher reden viel und conjugationes halten, und 
höre und mercke, denn es sind sollen^) sich die praeceptores 
gemeine regeln des lebens, die dieser^) classis der langweiliger 
emach zu tugent erinnerung sind, arbeit nicht verdriessen lassen, die 
und ist ein zier, so die sachen, phrases auß den exponirteii auc- 
davon wir reden, uff solche sprüch toribus den schülern dictiren, die 
bequem gezogen werden, auch von inen wider abfodem und 
helffen sie den jungen im schreiben beide im exponiren und repetiren 
zur inventio und ordenlicher und sich aller weitleufftigkeiten ent- 
zierlicher ire materien zu fassen, halten und des spruchs Horatii 

ingedenck sein^): 
Quicquid praecipies esto brevis, ut cito dicta 
Percipiant animi dociles teneantque fideles, 
und in allen dahin sehen, das die schüler den usum praeeeptorum 
erreichen. 

Zu diesem allem ist nötig, das der Schulmeister selbst ein 
gewisser grammaticus sey und in den poeten versiret; den was 
einer selbst nicht gelernet hat, dazu hat er nicht lust. Er sol auch 
selber mit den schülern latinisch reden und die schüler dazu halten. 
das sie unter einander der latinschen spräche gebrauchen. Denen, 
welche nu in etymologia und syntaxi gewisse sein, sol man die 
praecepta dialectices, wie sie von Luca Lossio auß den erotematis 
Philippi gezogen oder von Adamo Sibero colligiret sein, furgeben, 
dieselbigen mit leichten nützlichen exempeln erkleren, auch die 
initia rhetorices, von Martine Crusio in den Druck gegeben, mit 
inen treiben und lassen außwendich lernen. Diese sol man auch 
die Wochen lassen Graecam grammaticara Cleonardi recitiren und. 
da sie so fem gekommen, Graecam syntaxin Posselii conjugiren. 
Auch sol man eine stunde in der wochen nemen, darinn er inen 
die versus Nazianzeni, apophthegmata Graeca oder der Phocylides, 

g) verbessert aus „solle". h) verbessert aus „dieses*. 

'') Euripides, Fragmente 32, Nauck. (Stobaeus, Florilegien 4, 11.) 
*) Horaz, Ars poet. 335. 



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Die mecklenburgischen Schulordnungen von 1552 und 1602. 213 

Pythagoras, Isocrates ad Daemonicum, Plutarchus de iBstitutione 
puerorum und hernach Flatus Aristophanis, Theognis, PhenisBae 
Euripidis oder Hesiodus exponiret werden, da denn der praeceptor 
die exponirten versus, wo nicht alle, doch die fumemsten und, die 
sententiosi sein, sol lassen außwendig lernen, die themata investi- 
giren und im repetiren die grammaticam, syntaxin und phrases 
fleissig treiben. Alle wochen sollen die knaben auß diesem hauffen 
latinische schrifften dem Schulmeister überantworten und da sie in 
praeceptis prosodiae und in versibus disiectis geübet, exercitia 
earminum und Oraeca exempla syntaxeos übergeben, welche der 
ächolmeister mit fleiß sol durchlesen, den schülem anzeigen, wo 
etwas unrecht ist, und die unrechten Wörter, phrases und construc- 
tiones bessern. Und da sie in den praeceptis rhetorices so weit 
gekommen, das sie dieselbigen etlicher massen verstehen, kan inen 
zuweilen eine nützliche chria für gegeben werden, das sie die 
secundum progymnasmata Hermogenis oder Aphthonii deduciren 
lernen. 

Insonderheit aber sol auch bey diesem hauffen der catechismus 
Chytraei, Graeca evangelia, wie sie vom Posselio in versus gebracht 
sein, psaUerium Buchanani und die initia arithmetices und musica 
fleissig getrieben werden. 

Nu mag einer hie sprechen, der wie 1552. 
übrige klugheit hat, diese Ordnung 
sey eitel kinderwerck. Das ist war, 
aber an diesem kinderwerck ist 

hoch und mercklich gelegen und hoch und viel gelegen 

ist ein grosse Vorbereitung zu Vorbereitung in 

guter zucht und künsten, wenn guter zucht 

die jungen leute im catechismo recht im catechismo 

recht unterwiesen sind und sind 
gewisse grammatici worden. In 
allem gebew ist hoch nötig ein 
gut fundament zu legen, also sol 
dieses fundament auch nicht gering 
geacht werden. 

Dieweil auch ein guter baw- Damit aber solches alles in der 
meister dazu gehört, sol befolhen schulen so viel besser und trew- 
werden, wenn man einen schul- lieber verrichtet werde^ so sollen 
meister in stedten dieses hertzog- unsere Superintendenten, ein jeder 
thumbs annemen wil, das der sei- in seinem anbefolenen creiß, alle 
big zu ßostok von personen, die schulen sich lassen nicht weiniger 



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214 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbarg. ünterrichtswesens. 

dazu sollen verordnet werden, zu- als die kirchen befolen sein und 
vor examinirt werde und zeugnis gute achtung darauff haben, das 
bringe, das er zu solchem ampt sie nicht allein mit tüchtigen und 
tüchtig sey. frommen präceptom versorget 

werden, sondern das dieselben 
auch gebürlich mit der jungen jugent als himmels pflantzen umb- 
gehen und sie für allen dingen zu gottesfurcht halten und ge- 
wenen. Dazu denn nicht weinig dienet, wenn die knaben iren 
catechismum, schöne psalmen und sprüche der schrifft aoßwendig 
lernen und also daneben in guten künsten und sprachen wol unter- 
weiset werden. Es sollen auch die praeceptores auff ire mores 
gute achtung geben, das sie sich wissen züchtig und erbarlich za- 
verhalten, und zu diesem ende inen mit gottseligem nüchtern und 
auffrichtigem leben und wandet fürgehen, gute exempel geben. 
So müssen sie auch wissen gebürliche und bescheidentliche dis- 
ciplin zuhalten, die in alle wege bey guter institution der Jugend 
nötig ist. Und so sie von jemand, dessen kind gebürlich in der 
schulen gezüchtiget worden, mit trotz drawen oder gewalt über- 
fallen würden, sollen sie dem Superintendenten, oder so der an 
dem orte nicht verbanden, den predigem, oder so es nötig, auch 
dem rath solches anmelden und umb bilUgen schütz bitten, der 
inen auch widerfaren sol. 

Es sollen auch jerlich ein oder zweymal examina gehalten 
werden, und da die Superintendenten denselben nicht jederzeit in 
eigener person beywonen können, sollen sie die prediger des orts 
dazu verordnen, die mit Zuziehung etlicher personen auß dem rhat 
und bürgerschafft, sonderlich die etwas studiret haben, die examina 
halten und in denselben nicht allein der Schulmeister und irer 
Schüler fleiß und profectum erkunden, sondern auch dieselben zu 
merem fleiß in irem ampt und lere damit erwecken. 

Es muß aber den praeceptoribus mit ernst eingebunden werden, 
das sie mit den knaben, so erst latin lernen sollen, nicht zu zeitig 
und alzu hoch fliegen, inen schwere lectiones furiosen und mit der 
prosodia, griechischer spräche, poeten und dergleichen für der zeit 
plagen, wie viele vorwitzige praeceptores thun, sich selbst zu üben 
oder sich ein ansehen damit zumachen, sondern darauff sehen, das 
die knaben erst recht decliniren, compariren, conjugiren und die 
elementa grammaticae fassen und solches offt mit inen repetiren, 
auch die vocabula rerum inen bekand machen und was ein jedes 
auff deudsch heisse. Also können sie teglich weiter kommen und 
besser proficiiren. 



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Die mecklenburgischen Schulordnungen von 1552 und 1602. 215 

Damit aber die schuldiener irer arbeit zugeniessen haben 
mügen, so sol inen neben irer stehenden hebung nicht allein das 
allenthalben gewönliche quartalgelt neben andern aeoidentien von 
der burgerschafft gebürlich und zu rechter zeit entrichtet werden, 
sondern die bürger sollen auch wolthetig sein und sie mit freiem 
tisch, ein jeder, der es vermag, einen tag oder mehr versorgen, 
und sollen die prediger ire zuhörer zu solcher miltigkeit gegen die 
schale vermanen. 

Da auch megdlin schulen verbanden, sollen gottfurchtige und 
erbare fraws personen und, die eines guten gerüchts sein, dazu ge- 
nommen werden und die prediger die lermeisterinnen vermanen, 
das sie bey den kindem allen fleiß thun, sie in gottes furcht er- 
ziehen, im catechismo unterweisen, zu aller zucht und erbarkeit 
und zu allen christlichen tugenden und sonderlich zum gebete mit 
fleiß gewenen und inen den catechismum und schöne psalmen und 
spräche der heiligen schrifft wol einbilden, damit künfftiglich christ- 
liche und löbliche matronen und haußhalterinnen auß inen werden 
mügen. 

Wofern aber die megdlin mit in die knaben schule gingen, 
sol man einen ort absondern, dahin sie gesetzet werden, oder sie 
in ein ander gemach verordnen. 

Auff den dörffern sol der pastor oder custer sampt iren frawen 
auch schul halten und etliche knaben und megdlin im catechismo, 
im gebete, im lesen, schreiben und neben unterweisen, damit die 
junge leute daselbst nicht auffwachsen wie das unvemunfftige vieh, 
sondern neben irer arbeit auch gott dienen mügen, der seine kirche 
auch daselbst samlen wil, in welcher er wil auch von den jungen 
kindem recht erkand, geehret und gepreiset werden. 

Derwegen auch die pastores auff den dörffern die bawrsleute 
und ire zuhörer dahin ernstlich ermanen sollen, das sie ire kinder 
gott zu ehren und zu irer eigen Seligkeit in die schule schicken sollen. 

Das fftnffte teil. Das fünffte teil. 

Ton nnterhaltnng nnd schntz Ton nnterhaltang nnd schntz 
der pastorn^ predlcanten und der pastorn, predlcanten und 
legenten In der unlversitet nnd legenten in der nniversltet nnd 

andern schulen. andern scbnlen. . 

Im psalmen*) ist geschrieben : non wie 1 552. 
mortui laudabunt te domine, die 

•) Ps. 115, 17. 



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216 Urkunden u. Akten zur Gescliichte des mecklenbnrg. ünterrichtswesens. 

todten preieen got nicht mit pre- 
digen, leren und anruffen, das 
sie mit irer arbeit und bekentnis 
den lebendigen dieneten, sondern 
also und nicht anders wil gott 
im ein ewige kirchen samlen, das 
seine erkentnis sol in diesem leben 
im menschlichen geschlecht an- 
gefangen werden durch das evan- 
gelium, und wer in diesem elen- 
den schwachen leben nicht zu 
gott bekert wird, der ist ewiglich 
verdampt, wie klar ausgedruckt 
ist 2. Corint. 5: So wir nicht 
bloss befunden werden, werden 
wir mit der selikeit bekleidet 
werden. 

Item: Selig sind, die im herrn wie 1552. 
sterben^®) ; darumb wer aus diesem 
leben weg kommet one bekerung 
und glauben an den herrn Chri- 
stum, ist gewislich Terdampt. 

Item 2. Corint. 5: Wir müssen wie 1552. 
alle vor dem gerichtstuel des 
herrn Christi oflFenbar werden, 
das ein jeder empfahe, wie er in 
seinem leib gethan hat, gutes oder 
böses. 

Dieweil nu in diesem itzigen wie 1552. 
sterblichen leben die kirche mus 
versamlet werden und ewiges 
leben durch das evangelium an- 
gefangen, so ist hoch nötig, wie 
es auch gottes ernstlich gebot 
ist, predig und prediger zu er- 
halten, und dieweil die prediger 
leben, bedürffen sie essen, trin- 
cken, kleidung, hülff zum studirn; 
auch ist gottes gebot, das man 



»«) OflF. Joh. 14. 13. 



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Die mecklenburgischen Schulordnungen von 1552 und 1602. 217 

ire arme weib und kinder nicht 
mit hunger sterben lasse. 

Und dieweil gott selb weis, das wie 1552. 
die weit voll Unordnung ist und 
der grösser hauffen gott und das 
eyangelium verachtet, hat er selb 
trost und verheissung geben, das 
sie dennoch sollen narung haben 
durch in und etliche person, welche 
durch göttliche gnad zu diesem 
werck ein guten willen haben 
werden, wie die arme widfraw in 
der bergstad Sarepta und wie 
Abdias in der Verfolgung die gott- 
fürchtigen gelerten menner in die 
hülen gesteckt und sie gespeiset 
hat, und wie die from Elisabeth ires 
lieben sons Johannis in der flucht 
über den Jordan gepflegt hat etc., 
da Herodes die jungen kindlein 
hat erstechen lassen, und wie 
Maria des herm Christi gepfleget 
hat in der flucht in Egypten etc. 

Darumb spricht der herr Ghri- Christus, Matth. 6. 

stus: Erstlich suchet das himel- Erstlich 

reich und gottes gerech tikeit, so 
wird euch das ander alles zu 
geben etc.^^) 

Diese verheissung und exempla wie 1552. 
sind ein gewisser trost, wenn 
gleich der grösser teil in der 
weit rechte lere veracht und ver- 
folget, denn der herr Christus 
wil seine kirchen nicht gantz ver- 
tilgen lassen. Dabey ist aber 
dennoch allen regenten und men- 
schen und sonderlich diesen, die 
gliedmassen der kirchen sein wol- 
len, ernstlich geboten, das sie gott 



') Matth. 6, 33. 



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218 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. ünterrichtswesens. 

auch danckbarkeit erzeigen und 
zu Unterhaltung der lerer und 
prediger hülffe thun, ja darumb 
le^set gott gnediglich die erden 
jerlich frücht tragen und erhelt 
diese weit, dieweil er noch glied- 
maß der kirchen samlet, und wach- 
sen alle fruchten fümemlich umb 
der armen menschen willen, jung 
und alt, die gliedmaß Christi sind 
oder werden sollen, so ist ja bil- 
lich, das trewe lerer und prediger 
dieses auch gemessen sollen, wie 
zu Timotheo geschrieben ist : Der ist, 2. Timoth. 2 der 

bawman der die erbeit thut, sol bawman 

der fruchten am ersten geniessen. 

Und hat gott selb im gesetz wie 1552. 
Moisi, als der born aller Weisheit, 

gesetz und gerechtigkeit, ein be- ein be- 

Bondern stam zum ordenlichen sondern stand zum 

predig und kirchenampt verord- 
net, nemlich den stam Levi, und 
hat sie versorget mit ziemlichem 
einkomen an opffem, erstling, 
zehenden, eigen wonungen etc wonungen. 

Wiewol nu dieses hochnötig ist wie 1552. 
zu wissen, das wir nicht an die 
levitischen ceremonien gebunden 
sind, so ist doch dieses zu mer- 
cken, das diese Ordnung ein Zeug- 
nis Kein sol, das gottes will sey, 
das man zu erhaltung der lere 
und des predigampts den kirchen- 
dienern Unterhaltung gebe, und 
das wir eben dieses dabey wissen 
sollen, das gott im aus grosser 
barmhertzikeit ein ewige kirchen 
in diesem leben durch das pre- 
digampt und nicht anders samlen 
wolle. 



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Die mecklenburgischen Schulordnungen von 1552 und 1602. 219 

Und 1. Corinth. 9. spricht Pau- wie 1552. 
luB mit klaren werten: Also hat 
68 der herr yetordnet, das diese, 
welche das evangeliom verkün- 
digen, Yom eyangelio leben, das ist, 

leibliche natürliche narung haben, leibliche, naturliche ... . 

and ist dieses gebot offt erholet. 

Aus diesem allem ist klar, das wie 1552. 
alle diese schwerlich wider gott 
sündigen und durch ire undanck- 
barkeit gott hoch erzürnen, die 
zu Unterhaltung des predigampts 
nicht hülff thun wollen nach irem 
stand und vermügen und lestem 
dazu mit teufflischen reden, kla- 
gen über der armen priester geitz, 
so inen doch und iren armen ehe- 
lichen hausfrawen und kindlin 
der hunger zun äugen aussihet. 
EÜich rauben auch von den kir- 
chen und pfarrgütem, was sie 
können; darüber sind auch hypo- 
criten, die diesen groben irthumb 
geschrieben haben^ die priester 

sollen nicht eigenthumb haben haben. 

etc. Und lauffen viel widerteuffer Und 

in landen irr, welche die leute 
wider die armen pastores an- 
hetzen, rhümen sich, sie predigen 
nmb sonst und leiden viel etc. 

Wider solche irthumb und le- wie 1552. 
Störung des göttlichen ampts, dar- 
in der herr Christus selb der hö- 
hest priester und pastor ist und 
wirckt durch sein evangelium 
krefftiglich, bekert viel menschen 
zur selikeit, sollen die leut wol 
Unterricht werden, das sie das 
evangelium und den herrn Chri- 
stum und seine gliedmas, die ar- 
men pastom, lieben und ehren. 



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220 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtewesens. 

Es sol auch die oberkeit die wie 1552. 
lesterer und reuber, welche den 
kirchen die guter entzihen, in 
straffe nemen. 

Zur aposteln zeiten hat man wie 1552. 
gemeine elemosynen gesamlet, 
davon die predicanten unterhalten 
sind, und ist den armen leuten 
hülffe davon geschehen; emach 
hat ConstantinnuB den kirchen 
besondere einkomen geben, doch 
keine herrschafft, keine stedt, 
keine weltliche regiening. Aber 
Julianus hat dasselbig einkomen 
den kirchen auch wider genomen 
und der Christen dazu gespottet, 
hat gesagt, unser lere spreche: 
Selig sind die armen, also helffe 
er uns zur selikeit, wie itzund 
auch viel spotten. Ernach haben 
Jovianus und Theodosius die kir- 
chen wider begäbet, doch mit ge- 
ringer hülff, und bald ist diese 
Ordnung durch die Gothen, Wen- 
den, Hunnos in occidente und 
durch die sultan in Orient zer- 
rissen. 

Ernach hat Carolus Magnus wie 1552. 
widerumb newe stifftung in Italia, 
Gallia und Germania gemacht, und 
ist dadurch der bapst zu Rom 
gewaltig worden, und ist die christ- 
liche lere vertunckelt, und haben 

für und für bapst, biscboff, cano- bapst, bischove, 

nici nach weltlicher hoheit ge- wie 1552. 
tracht und haben die studia, pre- 
digampt, examen und Unterwei- 
sung in der ordinatio und Visitation 
fallen lassen, haben grosse fursten- 
thumb mit listen, betrug und 
mancherley grossen kriegen zu 



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Die mecklenburgischen Scbalordnangen von 1652 und 1602. 221 

sich gezogen. Dieweil denn öffent- gezogen/) 

lieh ist, das der herr Christus die Dieweil denn öffentlich ist, das 

weltliche herrschafft und kirchen 

regiment unterschieden hat und wie 1552. 

die bepst und bischoff ausser irem 

beruff getretten sind, solten sie 

ir ampt betrachten und zu gottes 

ehre und zu irer und des volcks 

selikeit mit gutem rat dienen hel- 

ffen. Wiewol wir nu das bepst- helffen.') 

liehe betriegen, rauben, abgötte- Wiewol wir nu 

rey, unzuchtund allerley untugent wie 1552. 

öffentlich in unser und unser 

kirchen^) bekentnis straffen, so 

ist doch unser gemüt, nicht weiter 

zu thun oder zu raten, denn so 

fern wir in unser vocation zu thun 

schuldig sind. Gott wird seine 

zeit finden, wenn er die bepst- 

liche abgötterey und ungebürliche 

hoheit zu boden stossen und die 

geraubten guter wider wird zer- 

reissen lassen etc. Davon ist hie 

g:nug geredt, unser bekentnis zu 

erholen. So viel aber kirchen- zu erholen.^) 

guter imter dieser herrschafft sind. So viel aber 

stifft, klöster, probenden, wil die wie 1552. 
herrschafft die selbigen nicht zer- 
reissen lassen, sondern dazu er- 
halten, das nach gelegenheit der 
stedt und dörffer daraus der 
universitet und den kirchen mit 
gutem rat zulag verordnet werden. 
Denn dieses ist christlich und den 
geschriebnen rechten gemeß, das 
diese gaben, die vor zeiten zu er- 
ghaltun der christlichen empter ge- 
dacht sind, noch zu erhal tung Christ- 

i) 1602 ist hier ein Absatz. k) Das Wort „kirchen" fehlt merkwürdiger- 
weise sowohl 1552 als auch 1602. Da der Sinn es fordert, ergänzte ich es aus 
der niederdeutschen Übersetzung von 1557. 



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222 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

lieber lere, kirchen, schulen und 
hospitaln angewant werden; und 
sollen die visitatores von den kir- 
chen anzeigung thun, die fürnem- 
lieh hülffe bedürffen. So ist öffent- 
lieh, das die ordinatio mit dem 
examine also mus bestelt werden, 
das man den armen ordinanden 
hülffe thue, die man uff halten 
und unterweisen mus, denn das 
examen und Unterweisung sind 
hoch nötig. So bedarff man zu 
den consistorien und visitatio auch 
etwas stadliehs, wie alle yersten- 
dige wissen, und dazu sind erstlich 
die bistumb mit gütern reichlich 
begäbet, und ist seer unbillich, 
das die bischoff und canonici die 
selbigen elemosynen itzund un- 
nütz verschwenden, und die armen 
yerlassene pastores sollen die ar- 
beit mit der ordinatio, consisto- 
rien und visitatio tragen und 
haben gleichwol nicht so viel, als 
die notdurfft zu diesen sachen er- 
fordert. 

Derhalben ist der herrschafft wie 1552. 
wille und gemüt, zu dieser not- 
durfft die stifft und klöstergüter 
anzuwenden; denn sie erkent sich 
schuldig, den kirchen hülff zu tun, 
wie im propheten Esaia cap. 49 
geschrieben ist : Die könige werden 
deine nehrer sein und die königin 
deine seugammen, das ist, die kö- 
nige und fürsten sollen die kirchen 
als trewe veter und nehrer schüt- 
zen und zum predigampt Unter- 
haltung verordnen, dergleichen 
sollen auch alle stedte und ehr- 
liche regiment trewlich Förderung 



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Die mecklenburgischen Schulordnungen von 1552 und 1602. 223 

QDd hüUF dazu thun als Ire seug- 
ammeii. 

Diesem göttlichen befelh wil wie 1552. 
die herrschafft durch gottes gnad 
gehorsam sein, und dieweil der 
Spruch von allen regenten redet, 

sollen die stedte selb auch zu die- sollen die vom adel und 

sem nützlichen werok willig sein, die stedte selbst 

Und sol erstlich in allen stedten wie 1552. 
und dörffern das pfarrgut trewlich 

erhalten und gebessert werden, erhalten und gebessert, auch den 

pfarherm und predigem ire ge- 
wönliche und gebürliche accidentia trewlich gereicht und nicht 
▼erkürtzet oder abgezogen werden. 

Wenn auch der herrschafft amptleute und befelhaber, die vom 
adel und stedte newe yiehehöve legen und etliche bawrhöve dazu 
nemen, sol von denselben eben das, was zuvor von den bawm 
und iren höven und katen geschehen, den pfarherrn gegeben werden. 

Man sol auchallefeiertag in allen wie 1552. 
pfarren öffentlich in der kirchen 
oder vor der kirchen elemosynen 
samlen, den armen leuten nach 
gelegenheit damit zu helffen. 

Weiter sol in jeder stad, klein wie 1552. 
oder gros, durch den rat ein ge- 
meiner käst, das ist der kirchen 
einkomen und verrat also geord- 
net werden, nach dem capellen, 
probenden und brüderschafften etc. 
in den stedten vor alters gewesen 
sind; der selbigen einkomen sol 
alles in einen gemeinen kästen 
zu der kirchen baw, belonung der 
diacon und Schulmeister und zu 
elemosynen für die armen ge- 
schlagen werden, und sollen trewe 
leut zur einnam, ausgab und rech- 
nung gewehlet werden. Ein sol- 
cher käst, so er in verrat kommet, 
ist gantzer stad tröstlich. Darumb 
ob gleich privat personen in sted- 



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224 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtsweflens. 

ten jus patronatus an etlichen 
prebenden haben, sollen sie den- 
noch solche prebenden nicht zu 
sich zihen und diesen gemeinen 
nutz verhindern, so doch solche 
prebenden zuvor von iren eitern 
der kirchen zugeeignet gewesen, ..* , 

wie auch die herrschafft selb die - .' ^ 

stifft und klöster nicht zu sich 
zihen, sondern allein zu hülff den 
kirchen, Studien, consistorien, Or- 
dination und Visitation bey samen 
erhalten wil. 

Und wolle ein jeder bedencken wie 1552. 
gemeinen nutz und die gnedige 
verheissung unsers herrn Christi, 
der spricht: Wer dem geringsten 
unter den meinen einen trunck 
Wasser gibet umb der lere willen, 
dem wird solches belohnet wer- 
den. ^2) Diese verheissung sollen 
wir gros achten und nicht zweiveln, 
gott wolle gegen solchen elemo- 
synen viel straffen lindern und 
seine gaben reichlicher geben, 
sollen also rechten glauben üben 
und zu dieser gemeinen hülff 
wilhg sein. Es wil auch die herr- 
schafft mit gottes hülff solche 
christliche Verordnungen gemeiner 
kästen ernstlich schützen und 
handhaben. 

Auch sol der rat in jeder stad wie 1552. 
im jar vier mal etlichen trewen 
mennem befelh thun, in allen 
heusem elemosynen zum gemei- 
nem kästen zu saralen, nemlich 
am fest natalis Christi, am fest 
resurrectionis, am fest pentecoste 



«) Matth. 10, 42. 



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Die mecklenburgischeB Schulordnirageii von 1552 und 1602. 225 

und uff den tag Michaelis, und 
sollen die leut zuvor durcli den 
pastor nach der predig yermanet 
werden, williglich und mildiglich 
zugeben. Denn es ist ja billich 
und gottes will, dds ein jeder 
mensch zu erhaltung der christ- 
lichen lere und yersamlung für 
sein person auch ein hülff thue 
und sich erzeige, das er gott 
danckbar sey für diese aller groste 
gaben, das er sich geoffenbaret 
hat, seinen son gesandt, gibet uns 
seine lere, erhelt schöne yersam- 
lung und wil uns darin unter- 
weisen lassen und gnediglich er- 
hören etc. Und damit er eine Damit auch die pastom und 
ewige kirche in diesem leben prediger sampt iren weib und 
Bsmle, erhelt er auch das leiblich kindem ire narung und unterhal- 
ieben, narung und regiment etc. tung desto besser haben mügen, 

so wollen wir auch, das nach 

altem christlichen gebrauch sie 

ire priyilegia und freiheiten haben und behalten und mit keinen 

Schätzungen oder beschwerungen, noch ire custer mit einigen hoye- 

diensten belegt werden sollen. 

Auch sonst sollen sie geburlichen schütz und schirm yon uns, 
nnsem amptleuten und oberkeiten in den stedten haben, damit sie 
ii ampt in friede und Sicherheit füren und sich keiner unbilligen 
gewalt zu befaren haben mügen. Sollen auch one yorhergehende 
ordenliche erkentniß ires ampts und diensts nicht entsetzet werden, 
darüber wir auch ernstlich zuhalten gemeint sein. Und wird 
unser consistorium zu Rostock gleichsfals darüber halten und wider 

die Übertreter sich der gebür zuerzeigen wissen ^') 

Es sollen auch die leut yleis- Zum beschluß sollen die leute 

sig und offt erinnert werden, die- fleissig und 

weil diese menschliche natur nicht wie 1552. 
allein zu diesem elenden sterb- 
lichen leben geschaffen ist, son- 



^*) Hier folgen die Bestimmangen über das Gnadenjahr der Pastoren und 
die sog. Conservatio der Witwe oder einer Tochter bei der Pfarre. 
MonnmeDta Oonumiae Paedagogioa TTTVrn 15 



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226 Urkunden u. Akten znr Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

dem zu ewigem leben, darin die 
bekerten zu gott ewiglich das 
göttlich wesen anschawen und 
mit göttlicher Weisheit, liecht 
und gerechtikeit erfüllet werden, 
und dieweil der anfang nicht 
anders denn allein durch das 
predigampt und reichung der 
sacrament in diesem sterblichen 
leben geschehen wird, das sie 
diese grosse gottes gaben be- 
trachten wollen, die kirchen emp- 
ter lieben und darin gott und den 
berrn Christum preisen und gott 
bitten umb erhaltung rechter lere 
und im dancken als für die hö- 
hesten gaben uff erden, so die 
herrschafft zu diesem höhesten 
werck geneigt ist, das gottes rechte 
erkentnis und anruffung gepflant- 
zet wird, und wollen ein jeder selb 
nach seinem vermögen hülff dazu 
fhun. Dieses hat gott selb offt 
befolhen und gegen solchen wol- 
thaten gnediglich hülff in aller not 
yerheissen, wie er auch gewislich 
mit der that erzeiget, wie viel 
exempel zu allen zeiten beweisen, 
als der widfrawen zu Sarepta 
und des löblichen mans Abdeme- 
lech, der etlich mal den Jere- 
miam errettet hat, davon gott 
spricht : Wiewol Jerusalem zerstört 
werden sol, so sol dennoch Ab- 
demelech nicht umbkomen, son- 
dern erhalten werden etc., wie 
geschrieben stehet in Jeremia im 

39. capitel, und im psalmen 121 und im 121. psalmen ist 

ist das gebot und die verheissung das 

zusamen gefasset: Ir solt frieden 
und heil wündschen Jerusalem, 



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Die Kirchen- und Schalvisitation von 1562. 337 



ind aUen, die Jerusalem lieben, 
wird gott auch glück und heil 
geben. Dieses gesohihet gewis- 
lich also, ob sie gleich auch mit 
der kirohen das creutz tragen und 
ein Zeitlang leiden, so erfahren 
sie dennoch, das sie von gott nicht 
yerlassen sind, und diesen glauben 
sollen wir alle in diesen wolthaten 
an der Idrchen üben, dazu uns 
der herr Christus, der son gottes, 
gnediglich mit seinem heiligen 
geist stercken wolle. 
AMEN.^ 



14. 

Ordnimg nnd Vollzug der Kirchen- und Schul- 
Visitation von 1552. 

a. 
Vlsltattonsbefehl Johann Albreehta Yon 1552. 

J. A. h. z. M. 

U. g. g. z.^) Erbare und hochgelarte rethe und liebe getreuen. 
Wir betten eucb genumenem abschiede nach unser gemut gnedig- 
lich und gern zu erkennen geben, wir seint aber des eilenden 
anzugs halben^) bisher daran yorhindert wordenn. 

Zum dritten begern wir, ir wollet durch den em D. Aurifietbrum, 
em Bibling, em Omeken und magister Symon Leupoldt,*) denen 

1) Im Original steht hier noch: Gedruckt zu Witteberg durch Hans Lufft. 
Im jar 1552. 1602 folgen die Noten des Kyrie. 

Zu 14a: Ans dem Schreiben des Herzogs aus dem Feldlager bei Augs- 
burg, c. April 1552, an seine heimgelassenen R&te; das Schreiben ist nur im 
Konzept yorhanden. Nach dem Abdruck in Jahrb. 8, S. 54—56. 

>) d.h. Unsem gn&digen Gruß zuvor. 

') Johann Albrecht nahm mit seinem Bruder Georg am Feldzug nach 
Tirol teil. 

*) D. Aurifaber war Professor in Rostock, Biebling Superintendent von 
Parcbim, Omeke Propst in Güstrow, während Mag. Simon Leupold der be- 
kannte Visitationssekretftr ist. (Em s= Anrede an eine geiBtliche Person.) 

15* 



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228^^ Urkunden n. Akten znr Geschichte des mecklenbaig. Unterrichtswesens. 

ir an itzlichem orte die ampleute sollet zuordnen, die Visitation fiir 
die handt nehmen, die abgotterei und papistische diener allethalben 
abschaffen und die reine gotliche lehr und christliche ceremonien 
aufrichten, christliche predicanten verordnen, inen auch und den 
schulmeistern notturftige ziemliche Unterhaltung machen unnd alles, 
so zu den kirchen gehörig, an geistlichen lehnen und sonsten vleysig^ 
aufschreiben, auch allen denen, so nicht kirchendiener, wer sie 
auch sein, ire lehne einziehen und das geldt einfordern und hinter- 
legen lassen, da auch ethwas von pauren, bürgern oder edelleuten 
untergeschlagen ist, dasselbe dazu widerbringen, damit wir von 
demselben und andern geistlichen gutem zu unser glucklichen 
heimkunfk, wils got, die Universität, auch junge gesellen vom adel 
und andere ihm studio unterhalten und die armen davon versorgen 
können. Unser bedenken etzlicher closter halben wird euch unser 
licentiate^) anzeigen; mit dem werdet ihr euch vorgleichen und unser 
bestes, wie unser vertrauen zu euch stehet, treulich allenthalben 
helffen fortsetzen. 

Daran thut ihr unns allenthalben gutt gefallenn mit gnaden 
unnd allem güeten zu beschulden. 



b. 
Ans der Instruktion zur Kirchen- und Schulviditation. 

[1552.] 

Und erstlich 

Und ehr die visitatom ankommen, sollen sie alle weghe in 
stedten den rat, prädikanten, Vorsteher und pfarhem der kirchen, 



*) d. i. der Kanzler Johann y. Lucka oder Lncanus. 

Zu 14b: Nach einer gleichzeitigen Abschrift im Ratsarchiv zu Wismar; 
eine gleiche findet sich auch im Geh. und Hauptarchiv zu Schwerin. Beiden 
fehlt Unterschrift und Datum. Die Überschrift lautet: Unßer von gots gnaden 
Johans Albrechts, hertzogen zu Megkelenburg instruktion und artickel, wie und 
welcher gestalt die Visitation durch die wirdighe, erbarn, heich und wol- 
ghelehrte unßer lieben andächtigen rate und getrewen heren Erasmum Alberum, 
der hilligen schrift doctor, Johan Lucka licentiatum, Volrhadt Preen, Bernd 
von Plessen, Jochim Eukebiter und Sigmund Zwungen[?] sampt andern hir- 
nach benannten auch dar tzu vorordenten personen soll vorgenomen werden. 
Nach Boll, Chronik der Yorderstadt Neubrandenburg. 1875. S. 53 ist 
Erasmus Alberus erst am 19. Oktober 1552 zum Prediger an der Marienkirche 
zu Neubrandenburg und zum (ersten) Superintendenten des Landes Stargard 
berufen worden. Seine Einführung erfolgte erst während der Visitation in Neu- 



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Die Kirchen- und SchuWisitation von 1552. 229 

dergleichen auf dem lande den adel und dorfer darauf verwarnen 
und die kirchgeswom zu sich vorschreiben; wann sie ankörnen, 
soUen sie die prädikanten, sohulemeister und ander mit fleiße 
examiniren und suchen, wie die kyrchen und schulen versorgt, 
und das allenthalben christlich verordnen, und insonderheit un- 
christliche ceremonien und abgotterei abschaffen, auch die fahnen 
und crutze, ßo man in papatu pflegt umbtzutragen, aus den kirchen 
hinv^eg tuen. 

Auch sollen sie sich aller einkunft der kirchen, auch der geist- 
lichen lehen, calande, bruderschaften, gilden, hospitalen und was 
zur kirchen gehorich, mit allem fleiß erkunden und von densulbigen 
notturftige underhaltunge nach gelegenheit der einkommen der 
personen und der kirchen oder der stadt den kirchen und schulen 
dienern verordenen, die ubermaß aber vertziechnen und die nutzunge 
einbringen und hinter leggen laßen, damit wir mit rat der land 
rate davon fernem disponiren mugen. 

Die einkunft zu geistlichen lehnen gehorich, ßo nicht von kirchen 
dienern, schulen dienern oder Studenten und gelahrten eingehabt 
und gebraucht worden, sollen alle eingetzogen und die inkommen 
zur kirchen gelecht oder sunst hinter gelecht und vorwahrt werden. 

Zu urkund mit unserm uffgedruckten pitzier 



brandenbnrg zwischen dem 21. Nov. und 2. Dez. 1552; am 4. Mai 1553 starb er. 
S. Krüger in Jabrb. 69, S. 1 14. Mithin kann die Instruktion nicht früher als 
in den Okiober oder November 1552 zurückdatiert werden. Eine auf den 
12. Nov. 1552 datierte Instruktion kennt Budloff, Pragmatisches Handbuch der 
meckl. Geschichte. Band III. 1821. Teil 1. S. 138. Anm. 11. Andere Visitatoren 
finden wir in der Visitation zu Güstrow; s. Nr. 15. Anm. 1. 

Am Schluß der Instruktion wird der Weg den Visitatoren vorgeschrieben: 
Die Visitation sol zur Wismar angefangen werden, und sol zu solchem werck 
unser kuchenmeister zu Boukow verordent werden, der auch die außrichtunge 
ihuen soll. Von dar sie zeiehe nach Bukow, Gadebusch und Greweßmolen und 
Hartweich von Bulow und Achim Negendanck zu sich vorschriben. Volgent» 
gegen Wittenborch, Boitzenborch, Domitz, Grabow, Neuestadt, Parchim, Crivitz 
und Stemeburg. 

Dann heißt es: Waß sunst mehr in disser Visitation notig und furtzu- 
nhemen sein will, ist in der negstgedruckten ordenung [N. B. Die Eirohen- 
und Schulordnung von 1552 verließ am 18. Juli 1552 die Druckerei zu Witten- 
berg ; s. meinen Aufsatz in Jahrb. 64, S. 11.], ßo wir ihnen mit gegeben, ver- 
fasset, dar nach sich die visitatoren weiter zu richten werden weissen. Zu 
urkund mit unserm uffgedruckten pitzier. 



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230 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 



Die Yisitationshandliing. 

[1552.] 

Erstlich werden die rate in den Städten samt den postom 
schriftlich verwarnet und ihnen kond getan, nf welchen tag man 
bei ihnen sein nnd die Visitation fiimehmen will 

Zum andern, wen nn die visitatom ankommen, bescheiden 
sie den rat nfs rathaus Denn darzu werden die kirchen be- 
sucht, item, daß in schulen die Jugend zu gotts erkenntnus 

und zu guten kunsten und tugenden uferzogen werden, damit die 
notige lehre auch uf die nachkommen möge rein und unverfälscht 
gebrucht werden. 

Zum dritten, dieweil aber solche personen, so in solchen ampt 
den kirchen und schulen dienen, von notwegen auch müssen er- 
nähret und underhalten werden, so ist zugleich unsers g. f. und h.^) 
befehle daß sich die yisitatom erkunden sollen aller inkunft der 
kirchen; denn solche wollen s. f. g. bei den kirchen in alwege er- 
halten haben und nicht gestaten, daß sie den kirchen entwandt, 
noch Yon den personen, so der kirchen nicht dienen mit lehren und 
studieren, ingehabt oder gebraucht werden, sondern zu solchen 
besoldungen der kirchen diener und schuldiener, item zu erhaltnng 
der bau, so den kirchen zugehörig, sollen sie hinfiirder wie billig 
gebraucht werden. Und was übrig ist, soll uff stipendia armer 
«tudenten, so in kunftigea zeiten den kirchen dienen mögen, item 
zu underhaltung armer leut in hospitaln gewandt werden. 

. Nachdem sich die yisitatom der geistlichen guter, so viel ine 
möglich, erkundet und in eine summa bracht, tun sie die Ordnung: 

Erstlich, wie viel personen in der kirchen und schulldienst davon 
sollen erhalten werden, und was ein jeder zu besoldunge haben soll. 

Zum andern werden geordente stipendia fiir die Studenten, so 
viele möglich, zugleich vor die vom adel, für burger und fm 
predikantenkinder 

Auch wird ein oekonomus verordent. 

Zum vierten werden examina gehalten, der pastor, kappellanen, 
Schulmeister und ihrer gehulfen. 

Zu 14 c: Gleichzeitige Abschrift im Qefa. und Hauptarchiv zu Schwerin, 
überschrieben: Processus visitationis. 1552. 
*) d. i. gnädiger Fürst und Herr. 



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Die Kirchen- mid Schul vidtation von 1652. 231 

Die schulmebter sampt iren gehalfen werden gleicher gestalt 
Yon chriBÜicher lere, welche sie auch fornehmlich in die jagend 
pflanzen sollen, gefragt und aber dies von andern kunsten, bo 
einem rechten schnlmeister notig, item was er den knaben fiirgebe, 
and was er fdr ordenang in seinem lehren halte. Auch wird von jederm 
ein scriptum erfoddert, darahn seine geschicklicheit zu spuren und 
was notig ist zu erinnern. Hernach werden auch etliche knaben 
verhöret im catechismo, in der grammatica und was sie mehr ge- 
lernet, daß man auch an den knaben höre, wie sie zugenommen 
and wes der Schulmeister zu erinnern; wird ihnen den schul- 
meistern auch endlich befohlen, sich der ordenung, so in der ge- 
druckten kirchen ordenung^) ausgedruckt, fleißig zuyerhalten. 

Nach der predigt trotten die visitatom für den 

hohen altar und redt einer die ganze gemeine an 

Darauf heißt man den pastor, diakon und kustos aus der 
kirchen entweichen und fragt alsdann 

ob er in lehre des catechismi guten fleiß far- 

wende, die Jugend auf bestimpte zeit dorin verhöre 

So wird der pastor wiederumb in die kirche gefoddert 

und geschiehet denn die nachforschung des pfarrvolckes, 

ob die leut zur predigt des catechismi kommen, ire kinder 

dazu halten, daß sie in fleißig lernen und üben. Und solchs zu 
erforschung werden etliche von den jungen und alten aus dem 
hauffen vor die visitatores gefordert und examiniert, wie sie die 
zehen gebott, die artickel des kristlichen glaubens, das yater unser 
etc. kunnen und yorstehn, und wenn alda mangel befunden (wie 
gemeinlich geschieht) wird dem pastor ernstlich darumb zugeredet, 
und wenn er sich entschuldigt, als sei der mangel an den zuhorem, 
daß sie nämlich nicht in die kirche und zur yerhore des catechismi 
kommen wollen, wird die gemeine mit ernstlichen werten darumb 
gestraffet und solchs zu bessern vermahnet, mit antzeichung, daß 
der supperattendens alle halbe jähr wiederumb visitieren und sie 
verhören werde, und wo nicht besserung befunden, sie nach er- 
kenntnis unsers g. f. und h. werden gestraffet werden 

Mehr wird gefragt item, wie die schule regiert werde, 

item von gebäuwen der kirchen, behausung des pastors, diakon, 
schulen und des kustos wohnunge und, was daran notwendig zu 



•) d.i. die Ordnung von 1552: 8. Nr. 12. 



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232 Urkunden n. Akten znr Geschichte des mecklenbarg. Unterrichtaweeens. 

bawen, wird auch den kerspeis leuten uferlegt bei einer 8tra£F 
innerhalb gesetzetes termins zu bawen. 

Dis ist also der gemeine proceß dieser Visitation. Wo aber 
sonderliche Sachen fdrfallen oder newe Verordnung mit kirchen 
dienern, schulmeistern, hospitaln etc. gemacht werden, das wird 
alsdennn auch in der Sammlung, so viel von noten, angetzeigt und 
publiciert. 

d. 

Aus der EircheiiTisitatioii zu Teterow. 

Teterow. 19. Oktober 1552. 

Die Verwendung von Eirchengut zu Schulzwecken. ^) 
Erstlich dieweil die stadt Tetrow mit kirchen- und schneien- 
dienern gantz übel versorget, haben wir für christlich und nötig 
erachtet, damit die armen leute, weil noch fünf dorfer in die kirche 
daselbst gehören, nach notturft mit geschickten Seelsorgern ver- 
sehen und die kranken getröstet, item die Jugend fleissig unter- 
weiset und nicht versäumet werden mugen, so haben wir zum 
pastor noch einen diaconum verordent und ihnen sampt dem schuel- 
meister, kuster und Organisten notturftige besoldung und Unter- 
haltung gemacht; hiertzu soll der oeconomus jährlich einfordern 
wie folget: 

2^/2 fl von Tewes Stenwedischen zu Tetrow von einer huefen 

acker; 
33 fl jährlich uf martini vom rate zu Tetrow; 
von der kommenden S. Annen zum altar S. Petri fundirt, 
welche die gottshausleute zu verlohnen und em Jochim 
Bansowen verliehen, jährlich 4 fl ; 
von dem lehen S. Oatharinae 6 fl 20 ßl; 
von dem lehen S. Andreae und Johannis, so jährlich 9 fl und 

16 ßl traget; 
von beiden kommenden, so Laurentz Bungers &aw zu ver- 
lohnen hat, 5^2 fl. 

Zn 14d: Gleichzeitige Ahschrifb im Saperintendentararchiv zu Güstrow ; 
die Überschrift lautet: Verordnung des durchleuchtigen hochgebornen fursten 
und hem hem Johans Albrechts, hertzogen zu Meckelnburg etc, unsers gne- 
digen hern visitatorn in der stadt Tetrow, welche borung und geistliche lehne 
der verordente oeconomus her Heinrich Bansow hinfürder einnehmen und die 
kirchen und schulen diener damit besolden solle. 

^) Diese Verordnung mag hier als eine Probe von unzähligen anderen 
dienen und zeigen, wie das Vermögen der mittelalterlichen Kirche für die 
Schule und die Kirche der Reformation verwandt wurde. 



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Die Kirchen- and Schulyisitation Ton 1552. ^33 

Er Bernd Burmeister als ein alter yioarins und kuster 0OII das 
leben des fruemessen- oder Marien- altars sein lebelang bebalten 
und nacb seinem todlichen abgange sollen die börung Yon dem 
yerordenten oeconomo der kirchen und schuelendienem zum besten 
eingefordert werden. 

Das leben trium regum, so die Wangeline zu Yiliste^) alse 
patronen zu yerlebnen und bem Heinrich Bansowen verlieben und 
jährlich 10 fl trägt, soll er Heinrich die borung sein lebenlang be- 
halten und nacb seinem tödlichen abgange mit der Wangeline 
wissen und willen auch dem yerordenten oeconomo yerreichet 
werden, die kirchen und scbueldiener damit zubesolden. 

Also soll es auch mit dem anderem der Wangeline leben, so 
bei 15 fl weiniger 4 ßl, wie er Heinrich Bansow woll weiß, mit der 
Wangeline willen gehalten, yom oeconomo eingefordert und die 
kircben und schulendiener damit besoldet werden. 

Der oeconomuB soll auch yon den yorstehem Marien kappellen 
jährlich einfordern — 10 fl; 

yon den yorstehem 8. Gertrud — 3 fl; 

yon 8. Georgens yorstehem jährlich — 6 fl; 

yon dem yikarien gelde jährlich — 8 fl. 

Es soll auch der yerordente oeconomus die 9 drpt. 4^2 scbeffel 
rogken, so der pastor zu Tetrow und von den dorfern in die kirche 
zu Tetrow gehörig bishero zuhören gehabt, einfordern. 

Er soll auch die 11 drpt. 2 seh. babern, so der Schulmeister 
yermuge seiner register jährlich geboeret, einnehmen und fordern. 

und was der oeconomus ferner kann ausforschen, so zu geist- 
lichen lebnen gehörig, soll er mit fleis getrewlich einfordem und 
zur rechenschaft bringen. 

Summa, was der oeconomus jährlich einzunehmen: 
103 fl 8 ßl an gelde, 
9 drpt. 4^2 scbeffel rogken, 
11 drpt. 2 scbeffel habem. 

Und yon dem acker, so Heinrich Matheus und Jürgen Einß 
bishero gebraucht und zur wedeme ^) zu Tetrow eigentumblich ge- 
hörig, soU dem pastor 12 morgen, dem diacono 9 morgen, dem 
schuelmeister und kuster iderm 3 gute morgen yerordent werden. 

Es soll auch dem pastor, diakon, schuelmeister und kuster 
iderm ein koelhoff zu der kirchen gehörig zugeordent werden. 



•) Vielist ist ein Dorf in der Nähe von Woren. 
') d. i. die Pfarrwohntmg. 



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234 Urknnden n. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. ünterrichtsweBens. 

Die wiese, so Dietrich Meyenfelt bishero gehabt, sollen die 
Tikarien zusamen ihr lebenlang gebraaohen, und nach ihrem tod- 
lichen abgange soll sie stetts der pastor, welcher jdertzeit sein 
wirt, haben und gebrauchen. 

Die wiese, so die yikarien bishero gebraucht, bei Ghurt Schele- 
nowenn burgermeister, wie sie beiigen, so vom alters zur wedeme 
gehörig, soll hinfurder der pastor gebrauchen. 

Desgleichen die zwo wiesen, so Heinrich Matheus und Jürgen 
Einß gebraucht, auch zur wedeme gehörig, soll der pastor inne- 
haben und gebrauchen. 

HieYon soll der pastor dem diacono jährlich 2 fueder und dem 
Schulmeister ein gut fueder hew folgen lassen, jedoch soll der 
diakon und Schulmeister das hew selber uf ihre Unkosten holen 
und helfen werben lassen. 

Yon obberurten einnahmen, 

hievon soll der oeconomus dem pastor geben jährlich 40 fl, 
fünf drompt und 3 drompt habern, 

dem diakon 30 fl, 3 drpt. rogken und 2 drpt habem, 

dem Schulmeister 20 fl, 1 drpt. rogken und 2 drpt. habem, 

dem kuster 8 fl 4V2 scheffel rogken und 2 drpt. habem. 

Der oeconomus soll für sein arbeit haben 2 drpt und 2 scheM 
habem jährlich, und was er hieven einbringen wirt, sol er getrew- 
lich zur rechenschaft briengen, auch den übrigen acker yerheuren 
und davon seinem gethanen eide nach jährlich uf michelis dem 
pastor, diacon, beiden burgermeistem und dem Stadt voigte zn 
Tetrow rechenschaft thuen und die übrige summen der kirchen 
zum besten bis uf der herm visitatom oder des probsts und super- 
attendenten zu Güstrow*) bescheid und Verordnung uf reute an ge- 
vrisse örter loggen. 

Dem Organisten sollen die Vorsteher der pfarkirchen jährlich 
8 fl in besoldung geben, auch mit einem koelhoff, 3 morgen ackers, 
einer freien wohnung und einer wiesen versorgen. 
Actum Tetrow, den 19*®" monats tag 
Octobris anno 1552. 

[Kurz vorher heißt es:] 

Das leben S. Bartolomei, so unsere gnedige fursten und heren 
zu Meckelnburg etc. als patronen zu verlohnen haben, welche 

*) Weil der erste Superintendent von Güstrow Gerd Omeke die Stelle des 
Dompropstes erhielt, heißt er hernach vielfach Propst. 



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Die Kirchen- und Sohnivisitation von 1552. 23& 

bomng seind im dorf Belitz,') so her Heinrich MoUer, tumbher zu 
Ghistrow,^ itzo hatt, sehen wir ihr nützlich und notig an, daß nach 
er Heinrichs tödlichem abgange das leben einem armen knaben, 
so uf einer nniversitet studiren wird, binnen Tetrow geboren, in 
subridinm stndii sui verliehen werde; doch stellen wir soUichs za 
8. f. g. gnedigem gefallen. Gleicher gestalt soll es billig mit den 
lehnen 8. Jacobi, welchs die Schmeker zu Wuestenvelde'') zuyer- 
lehnen haben, gehalten werden. 



15. 

Die Visitation zu Güstrow und die Fundation 

der Domschule. 1552. 

[1.] Bedencken der Terordenten yisitatoren^) den thomb und alle 
kirchen tzu Güstrow belangendt. 

Nach vleissiger erkundung aller der kirchen zu Güstrow zu- 
gehorigenn guteren und jerlichen nutzungen unnd betrachtung dieses 
orts gelegenheit erachten die hemn visitatoren zu erhaltung des 
ministerii eyangelici guter ordenung unndt christlicher zucht dienst- 
lich seinn, das volgende personen zu bestallung des kirchenn regiments 
Torordent werdenn, als ein superintendens, der inn der probstey 
wohnen sol,^) alle kirchenn dieses gustrowischen kreyses in acht habe, 
item ein*) pastor, zwen diaconi^ ein gelerter Schulmeister zusampt zwen 

•) Belitz liegt in der Nahe von Teterow. 

*) Heinrich Möller war bis 1529 auch Propst des Nonnenklosters Eldena, 
war also ,mnd mit Pfründen behängt"; s. Jahrb. 26, S. 10. 

^) Die Schmeker zu Wüstenfelde haben eine Art von Berühmtheit er- 
langt dadurch, daB die katholische Geistlichkeit eine gewalttätige Exekntion 
wegen verweigerter Zinsen gegen sie ins Werk setzte; s. Jahrb. 16, S. 12. 18. 

Za 15: Nach dem Original im Qeh. und Hauptarchiv zu Schwerin ab- 
gedruckt bei Raspe, Einladung zur Jubelfeier. S. 12—19. 

a) verbessert aus „in*. 

^) Visitatoren waren zu Güstrow in der Zeit vom 29. August — 11. Sep- 
tember der Kanzler Johann von Lucka, der Superintendent Riebling, die 
Professoren Aurifaber und Hofmann, der Sekretär Simon Leupold und der 
Landrat Kruse. 

») Omeke war bereits seit 1547 als Propst in Güstrow, wurde aber erst 
1552 in die Superin tendentur eingewiesen; s. dazu Knodt, Gerd Omeken. 1898. 
S. 147 ff. 168 ff. und meinen Aufsatz in der Zeitschrift für niedersächsische 
Kirchengeschichte. 1900. S. 417. 



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236 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesenfi. 

Bchnlgesellenn, ein Organist unnd ein custor, unnd das diesenn aus 
der thumb und pfarrkirchenn jerlichen nutzungen underhalt, wie in 
hernach gesetzter vertzeichnus zubefinden, vermacht werde 



Es ist auch nach erwegung allerlei umbstende fnr radtsam 
unnd bequeme bedacht, das die schule inn das barfusser kloster,') 
doch das denn altenn unvermogenenn mounichen, so noch vor- 
handenn, ire sondere wohnung darinne gelassen, gelegt werde. 

Weyl auch die kirche got lob mit jerlichenn einkommen 
zimlich yersorget, wirt fiir gut angesehenn, das sechs stipendia für 
arme schuler, die mann in zukunfftiger zeit gebrauchen mag, alhie 
als zwey, derer jeders 25 fl., unnd vire, dere jeders zwantzig guldenn 
jerlich trage, yerordent werde. 

Die erstenn zwey sollen für den armen adel, die anderen 
zwey für der kirchen diener kinder unnd zwei für burger oder pawer 
kinder geordent sein. 

Es sol aber kein knabe, wes Standes er sei, mit diesenn 
Stipendien belehnet werdenn, der nicht zuvor auf gudt getzeugnus 
seyner praeceptom von den hem des consistorii ^) unnd superinten- 
deuten als tuglich dartzu instituirt unnd erkandt ist. 

Unnd sollen solche Stipendiaten die stipendia nicht lenger dan 
drey oder vier jar nach gelegenheit der personenn unnd sie sich 
in irem studio anlassenn, gebrauchenn, sie sollenn auch denn 
kirchenn oder regimenten dieses landes dar jegenn zu dienen sich 
verpflichtenn 

Nachdem auch ein radt zu Güstrow an etlichen geistlichen 
lehnen, inn die pfarkirche gehörig, ins patronatus habenn, sol inenm 
zu erhaltung solcher gerechtigkeit zu jeder zeit, wenn obgenante 
yier stipendia jeder zwantzig guldenn tragendt, erlediget fiir andere, 
so femne knaben dartzu tüchtig bei ihnen vorhandenn, dieselbigenn 
«u praesentiren vergönnet sein, das sie also ins praesentandi be- 
haitenn mogenn. 

Es ist auch zu erhaltung der Studien für rathsam bedacht 
wordenn, das zu einer liberei jerlich dreissig gülden verordent 
werden, dartzu sol vom consistorio ein tüchtige person rechenschafft 
davon zu thun verordent werdenn. 



*) Erst 1509 von Herzog Heinrich errichtet. 

*) Das Konsistorium wurde erst 1570 eingerichtet. 



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Die Visitation zu Qüstrow. 1552. 237 

[2.] Summa des tumbs zq Güstrow einkommens, dartzu brieff 
und urkimde sein, so viel man sich bishero erkundet, und die jerlich 
einkommen sollen, sind ann gelde 

jerlichs einkommens: 
Ein tausent fiinffzig guldenn ann gelde. Zwey und achtzig 

dromet unnd ^/2 sohl, roggen. 
Siebenn unnd sechtzig dromet und II V2 sohl, geraten. 
Ein hundert vier unnd zwantzig dromet unndt II V2 sohl, havem. 
Ein hundert neun unnd achtzig hunner, IIU toppe flachs. 
Summa von den einkomen unnd lehnen, so die pfarkirche hatt, 

jerlich einkommens: 
Yier hundert neun unnd dreissig gülden XII ssl. 6 huner. 
Yonn diesenn beyden summen gehet jerlich ab zu besoldung 
unnd Unterhaltung der kirchen unnd schulen diener und anderen 
personen, wie volgett. 

Der Schulmeister 
jerlich LXXX guldenn, 
m dromet roggen, III dromet gersten, I dromet havem, das 
halbe praetium von den schulem. 



Der conrector 

jerlich XXXX gülden. 

Der locatus. 

XXX gülden. 



Diese beide sollen den halben teil 
des praetii des schulen gelts und das 
todten gelt (und andere accidentalia)^) 
allein. 



[3.] Unsers gnedigen fursten und hern hertzog Johans Albrechts 
zn Meckelnburg etc. erclerung auff der hernn visitatomn bedenckendt 
der Visitation halben zu Güstrow gehalten. [4. Oktober 1552.] 

Anfencklich lassen sich s. f. g. ir gnediglich gefallen, das zu 
Güstrow ein superintendens, ein pastor unnd ein diacon unnd auch 
ein gelerter schulemeister mit zwen schulegesellen sambt einem 
knster unnd Organisten mit der besoldung, wie inn der hern visita- 
torn bedencken vermeldet, volgends underhalten werden 

Die schule sol ins closter nicht, sonder ann ein ander bequem 
orth gelegt unnd Yonn den kirchenn, die für Güstrow stehenn^) unnd 
denselben materialien eine newe schule erbawett werdenn. 



b) Das in Klammern ( ) stehende fehlt in einem zweiten Exemplar des 
Originals. 

•) Die Kirchen vor Güstrow waren vielleicht die Kirche von Alt- Güstrow, 
über deren Untergang nichts bekannt ist, die aber 1534 noch erwähnt wird, 
und die St. Jürgenkapelle, beide auf dem rechten Nebelufer; s. Schlie, Kunst- 
und Geschichtsdenkmäler. Bd. 4. 1901. 8. 189. 254. Zum Abbruch von Kirchen 
im 16. Jahrhundert s. Jahrb. 5, S. 50. 



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238 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

Denn armenn knabenn yom adel soUenn jerlich dreissig unnd 
•der kirchen dienner unnd burger kinder eim jeden XXY fl. zu 
irer underhaltung gegebenn unnd inen die Btipendia auff fünf jar 
gelassen werdenn 

Die stipendia, so für der kirchen diener kinder verordent, 
soUenn er Peters, des predicanten szone zu Güstrow, unnd er 
Johans Mases sune zu Schwerin, so fern die em Superintendenten 
tuglich zum studio erachten, yerliehenn werdenn. Aber die bargers 
sühne zu presentiren, sol beim rath zu Güstrow der herren super- 
intendentenn bedenckenn nach bleibenn 

In den anderen puncten lest es s. f. g. bei der hemn yisita- 

tomn bedencken beruhenn 

Manu propria ss. 



16. 

Ordnung des Matthias Caselius für die Sclinle 
zu Neubrandenbnrg. 

Neubrandenburg. 1. August. 1553. 

luventutem nostram omnem in quatuor ordines et hos vioissim 
in octurias distribuimus. Guilibet yero octuriae hebdomatim pue- 
rorum unus per vices praeerit octarohus seu custos, qui ogdoadiB 
suae scholasticos ad bonam frugem proYOcabit sedulo eorumque 
errores et negligentias praeceptori fideliter indicabit. 



Zu 16: Abgedruckt bei Vormbaum, Eyangelische Schulordnungen. I, 
S. 483 ff., Aber von mir mit dem Original verglichen, das sich dank der Eülfe des 
Herrn Oberschulrat Prof. D. Dr. Eoldewey zu Braunschweig in einem Sammel- 
band auf der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel fand: Ludus literarius 
Neobrennopyrgri inclytae civitatis ditionis Megalopyrgensis in littore Baltico 
quomodo gubernetur opera et studio Matthiae Ghesselii Brachti. Wittebergae. 
Anno 1553 mense Septembri, 19 S. S. 20 und 21 folgt: Cantio Germanica 
D. Martini Lutheri „Erhalt uns Herr etc", d. h. eine griechische Übersetzung, 
dann eine evxtj vneQ slgi^g. S. 22 schließt das Ganze ein lateinisches Epi- 
gramm des Joh. Chess (d. h. Caselius des Jüngeren) auf den Crucifixus. 

Der Schulordnung voran steht eine Widmung und Anrede an consules 
et senatores inclytae Neobrennopyrgi mit dem Datum des 1. August 1553. 
Chessel erwähnt, daß er von Johann Albrecht zu seinem Amte berufen sei, 
verweist auf Jesu Wort: Ihre Engel sehen allezeit usw. Matth. 18, 10., bezeugt 
seine Sorgfalt und bittet Gott um seinen Segen für die Schule. 

Ich habe die Akzente weggelassen und ^ durch e (für ae) wiedergegeben. 



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Ordnung der Schule zu Neubrandenburg. 239 

Extrema yel <quarta classis. 

Ab uberibus in ludnin missi primum literarum figuras inter- 
noscere ordine reoto et retrogrado ac yarie Bubinde perturbato 
legere memoriter quoqae reoitare discent. Praeceptor hie diligenter 
advigilabit, ut genuina pronunciatione seryata literas rite sonent 
pneri. 

Inde syllabas contexere ae iam pingere literas ineipient. 

Quotidie bina rerum yocabula ediscent. 

Gatechismum Lutheri memoriter patriis yerbis reeitabunt. 

Hnie autem classi taniidsper inhaerebunt, donee literas apte 
proloqni didicerint et in quibusyis libris passim in legende ut 
conque sese exercuerint. 

Tertia classis. 

Pueri tertiae classis primam omnem impendent operam, ut 
eorum lectio iuxta Quintiliani praeceptum certa sit, deinde con- 
iuncta et diu lentior, donee exercitatione assidua emendata contingat 
yelocitas. 

Bis quotidie sua scripta praeceptori exhibebunt, quonim mendas 
is summa cum diligentia corriget et curabit, ut ductus literarum 
recte pingant. 

Ediscent praeterea Donati de grammatioa libellum et sedulo 
in declinationibus et coniugationibus exercitabuntur. 

Ad lectionem Catonis una cum secunda classe admittentur. 

Quotidie bina rerum yocabula, ut ad sequentia et maiora prae- 
parentur, memoriae mandabunt, quibus aut änöqy&eyjLui yel Septem 
sapientum yel quorumlibet aliorum, quod ad fingendos mores pluri- 
mum conducere yidebitur, aut pulchram sententiam addemus. 

Articulos quoque religionis Christianae praecipuos, ut sunt 
decalogus, symbolum apostolicum, oratio dominica, yerba baptismi, 
coenae domini, absolutionis et herum breyissimam explicationem 
reyerendi patris Lutheri Latine et Germanice discent. 

Secunda classis. 

Secunda classis ex üs constituitur, qui expeditam, claram et 
explanatam assecuti lectionem, Donati quoque grammaticas prae- 
eeptiones edidicerunt, ouius classis pueris sicut et primae grama- 
ticen Philippi praelegemus. 

Libellos, unde exempla exeroitatioms puerilis petant, hos addi- 
mus: Catonis disticha, fabellas Aesopi a loachimo Camerario Lati- 



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240 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbarg. Unterrichtswesens. 

nitate donatas, libellum Erasmi de civilitate morum, praecepta 
naorum puerilium Camerarii. 

Reddent hebdomatim nobis scriptum Latinum e Oermanico 
factum. 

Singulis diebus bis scripturas suas praeceptori Offerent. 

Ab his exigimus, ut paradigmata ex Donato, nominum, pro- 
nominum, verborum, participiorum omnia ad unguem memoriter 
teneant et ad proposita exempla alias voces inflectant. Aliter enim 
Fabio teste ^) ad intellectum sequentium pervenire non poterunt. 

Haec classis a musica, sicut nee reliquae, non excludetur. 

Gatechismum Lutheri et Latine et Germanice exacte memo- 
riter teneant. 

Prima classis. 

Hi exacte declinationes, comparationes, coniugationes et synta- 
xeos regulas calleant et se in praeceptis ad usum transferendis et 
autoribus imitandis exerceant. 

Reddent enim hebdomatim Latine a nobis Germanice prae- 
scriptam epistolam, in qua yertenda eos admonebimus, ut primum 
diligentissime regulas grammatices observent et praeterea phrasibus 
probatorum autorum a teneris uti adsuescant. Vice epistolae 
proponemus quandoque historiam aut narrationem fabulosam ex 
poematis, explicantes simul fiv^oXoylav fabularum, quales sunt 
Homeri de Circo, Scylla, Charybdi, Herba Moly, adulterio 
Yeneris et Martis, Lotophagis, crudeli yiolentia Polyphemi etc, 
Hesiodi de Pandora et reliquorum poetarum plurimae, quae et 
sunt iucundissimae et multum ad regendos mores conducunt. 
Reddent interdum quoque Germanice scenam e Terentio aut epiT 
stolam Ciceronis. 

Praelegemus autores omnium iudicio ad stylum formandum 
optimos, principes yidelicet Romani eloquii, Ciceronem, Terentium, 
Yirgilium. Quia vero varietas in omnibus rebus multum obtinet 
momenti, ideo horis commodis huic dassi sicut et secundae 
interpretabimur selectas elegias Ovidii, Eobani, Stigelii, Sabini aut 
iucundam öden Horatii. 

Grammatices preceptiones, qui non diligenter inculcant pueris, 
nostro iudicio non iuyentuti, sed suo ocio consulunt. Praelegemus 
igitur elementa grammatices Latinae Philippi Melanthonis, quae ab 
Omnibus edisci omnino volumus. 



>) d.i. Fabius Quintilianns. 



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Ordnang der Schule zu Nenbrandenburg. 241 

Caeterum, quia cognitio Latinae lingue perfecta esse et integre 
perdisci nequit, nisi Oraecam adiungas, curabimus quoque, ut prae- 
legatnr institutio grammatices Clenardi, quae nobis maxime visa 
foit idonea, ut rudibus primum proponeretar. 

Traetat enim autor omnia singulari dexteritate siye methodi, 
quae in praeceptis requiritur, sive ordinis, quem et Xenopbon in 
omnibns rebus non immerito inprimis necessarium et utilissimum 
eBse censet, rationem habere malis; yeruro, ut habeant pueri exempla 
declinationum et coniugationum, proponemus sententias Graecas 
easque selectissimas, quae de lege naturae concionantur et sunt 
rectrices vitae civilis, quales sunt versus Hesiodi, Theognidis, Phocy- 
lidae, Pytbagorae et plaerique Homeri etc. 

Legemus quoque Luciani dialogos illos, qui passim studiosae 
iuventutis manibus teruntur. 

Sunt enim inprimis festivi et necessarii ad intelligendas poe* 
tarum allusiones in fabulis; videmus enim doctissimos quoque*) 
non satis in iuventute ad solidam eruditionem praeparatos sae- 
pissime non sine dedecore in bis puerilibus nugis ballucinari. Stylus 
Luciani facilis, perspicuus et Atticus est. Quod si diligentiam 
discipulorum perspexerimus, nullius laboris non pigebit. 

Lectionem Graecam evangelii neutiquam omittemus. 

Mttsices stu^um non negligetur. 

Quanquam autem versificatoriae artis vel parum vel nihil 
hactenus gustarunt, speramus tarnen brevi fore cum nostra opera 
tum discipulorum diligentia, ut carmina quoque in hac classe con- 
cinnent ac reddant. Yidemus enim eos, qui prosodiae praecepta didi- 
cerunt, liberius apud doctos loqui andere, sicut econtra etiam gran- 
diores, qui huiusmodi tenuia neglexerunt, aut vix mutire coram 
doctis aut haesitantes in pronunciando plurimum peccare et sae- 
pissime turpiter erubescere omnes norunt. 

Elementa quoque dialectices et rhetorices, ut in trivialibus 
Bcholis fieri solet, reliquis lectionibus addemus et usum artium 
dmul indicabimus. 

Denique Ghristianae religionis fundamenta summa diligentia 
tractabimus et usitatam HaTfixfjoeoyg doctrinam retinebimus. Non- 
nunquam addemus explicationem psalmi alicuius. 

Et quia initium sapientiae timor domini, discipulos nostros^ 
omnes sedulo exhortamur, ut pietatem sectentur, in omnibus studii» 
dei Christique Ihesu gloriam spectent, dicentis^): Zijteae nQonoy 



a) statt: et doctissimos quoque. *) Mattb. 6, 33. 
Momunenta Gennaniae Faedagogioa XXXVm 16 



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242 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

Tfjv ßaoilelav xov ^eov xal rijv duccuoavvtjv avrov etc. Praeterea 
deum toto pectore oramus, ut nostrum institatum fortunet et pue- 
riles mentes sno spiritu regat. Qaod ut eo ardentius fiat, repe- 
temus Bubinde nostras preces. Puer autem quispiam recitabit in 
Bchola raane oratioDem ad deum patrem ex locis communibus 
domini praeceptoris Philippi, meridie ad filium, vesperi ad spiritum 
sanctum una cum psalmo aliquo. 

Oenerosioris animi pueri sui semper similes erunt, in incessu 
maturi, in habitu compositi, in gestu pudici, in sermone yerecundi,^) 
ne vel dei, 8g ndvt* itpoqä xal nävx biaxovei^^) vel hominum oculos 
offendant. 

HonoB ubivis exhibeatur praestantioribus, natu grandioribos, 
doctis, nobilibus, bonestis matronis etc. 

Scholastici nostri suis armis sint instructi, libris scilicet ordi- 
nariis, papyro, atramento, pennis etc. 

lUota facie manibusque prodire ac impexo capite agreste est. 

Ingrediens ludum aperiet caput. 

Libros dilacerantes , depingentes, conspurcantes aut alioqui 
negligenter et perdite tractantes acerrime punimus. 

In deprehensos in glacie vel in aqua gravissime animad- 
vertimus. 

Per plateas discurrentes, yociferantes, in schola susurrantes 
vapulabunt. 

Ut autem discipuli nostri facilius in officio retineantur, ordi- 
nabimus custodes, quos clavigeros appellare licebit, qui scholasti- 
corum insolentias, errores, negligentias et crimina ubique observabunt 
et praeceptori deferent. 

Substituemus et corycaeos, qui Oermanice loquentes et alioqui 
garrientes annotabunt et praeceptori prodent. Barbariem enim et 
morum et sermonis prorsus e schola pulsam et extirpatam volumus. 

Porro cum semper in manibus puerorum nostrorum sit libellus 
Erasmi de civilitate morum puerilium et loachimi Camerarii eadem 
de re versus, noiumus hie esse prolixiores. Qua enim ratione 
doctissimi quique hanc teueram aetatem informandam censent, eadem 
et non abs re nos utimur. Si de aliqua re praeterea pueri fuerint 
admonendi, id commodissime quoyis tempore fieri posse putamus. 

Oramus autem aeternum patrem domini nostri Ihesu Christi, 
ut haec puerilia agmiua regat, couservet ac tueatur ad nominis 
flui gloriam et sanctae ecclesiae salutem. Amen. TiXog, Secp 06$a. 

b) verb. aus ,vecundi*. 
») Homer, Od. VIII, 280. 



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Offener Brief des Herzogs Johann Albrecht 243 

17. 

Offener Brief des Herzogs Johann Albrecht an 

Ritterschaft und Städte in betreff der Fürsten- 

schüle zn Schwerin. 

Schwerin. 4. August 1553. 

Von gottes gnaden wir Johans Albreoht, hertzog von Heckein- 
borg, forste zu Wenden, grave zu Swerin, der lande Rostock 
und Stargard herr, entpieten den wirdigen, erbam und ersamen, 
allen unsern unterthanen, prelaten, den von der ritterschafft und 
Btedten, so dieser unser offen briff furkumpt, den lesen oder hören 
werden, unsern gunstigen grus zuvore. Lieben andechtigen und 
getrewen! Wir fugen euch gnediger meinung zu wissen, die weil 
unwidersprechlich und kein zweivel ist, das sich gott der almeohtig 
ans unermeslicher gnad und barmhertzigkeit dem menschlichen 
geschlecht geoffenbaret und sein unwandelbarer will ist, das die 
menschen solcher Offenbarung war nemen und gott in diesem leben 
recht erkennen und anruffen lernen, und aber solche lere in der 
Propheten und apostel schrifft verfasset und über dieses alle andere 
lobliche kunste, so zu weltlicher regierung und sunst zu zier, not- 
turfft und wolfart dieses lebens dienstlich, durch ettlicher hochver- 
standiger, furtrefflicher leutt vleis und arbeit durch gottes gnedige 
Schickung schrifftlich den nachkommen mitgeteilet und uffgeerbet, 
nnd derhalben durch ettlicher personen vleissiges lernen oder 
studieren solch erkenntnis gottes und gute kunst zu jeder zeit 
müssen erhalten werden, insonderheit aber auch die oberkeit gott 
dem herrn diesen dienst und gehorsam schuldig, das sie solche 
nötige lere und Studien in der weit furdem, erhalten und ausbreiten 
helffen, und dasselb nicht anders denn durch furderung und erhal- 
tung christlicher schulen, beider, die man universiteten und parti- 
cular- oder kinderschulen nenet, geschehen mag, erkennen wir uns 
auch schuldig, gott dem herrn zu ehren und zu unserer land und 
leutt wolfart und uffnemen hierin allen vleis furzuwenden, damit 
in unsern furstenthumen solche schulen angerichtet, fundieret und 
mit aller notturfft versehen und bestellet werden. 

Aus solchem christlichen bedenken und wolmeinung, auch vor- 
gehabtem guten rat haben wir beschlossen, ein particularschule 

7m 17: Nach dem Abdruck bei Wez, Zur Geschichte der Schweriner 
GelehrteDschnle. S. 7. 8. Original im Geh. nnd Hauptarchiv zu Schwerin. 

16* 



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244 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

für die Jugend zu Swerin alhie zu ordnen und uffzurichten, die wir 
mit unser sonderlichen darstreckung, furderung und hulffe der 
massen bestellen und versorgen wollen, das fiirtreffliche, ehrliche 
und zu leren dinstliche menner, der wir den ettliche alher^) ver- 
schrieben und dieselben auch ankommen, mit unserer besoldun^ 
unterhalden werden, also das die jungen knaben vom adel und 
burgerschafft die lere gantz frey und on all ire unkost und be- 
schwerung, so viel die publicam institutionem belangend, haben und 
gebrauchen sollen. 

Sind auch gnediglich bedacht und erbötig, für die knaben, so 
sich alher begeben, beide vom adel und burgerschafft, sunderlioh 
arme knaben, ettliche stipendia zu verordnen, damit der jenigen, 
so sich in dieser schul der massen erzeigen werden, das ir vleis 
und geschicklikeit zu spuren, zu jeder zeit eine gewisse antzal 
dadurch uff universiteten gefurdert und unterhalten werden, alda 
in iren studiis femer vortzufaren. Denn wir in alle wege begeren, 
auch wol die notturft ist und die wolfart dieser lande und kirchen 
hochlich betreffend, das mit allem vleis von adel und bürgern solche 
leutt ertzogen werde, die nachmals uns, unsem erben, unsem 
landen und leuten mit frucht, rühm und erbawung im predigampt, 
in weltlicher regierung und andern ehrlichen emptem und ge- 
schefften dienen können und mögen. 

Solchs wir euch, unsem unterthanen, die wir als der landesfdrst 
mit besondem gnaden gerne gefurdert sehen, gnediger meinung 
nicht weiten verhalten, mit ernstlicher und gnediger erinnerong und 
vermanung, das ir es an ewrem guten vleis hierin auch nicht 
mangeln lasset, sondern ewere kinder und gefreundte zu der lere 
und schulen haltet imd furdert. Dasselb, zu dem das es ewer selbst 
und ewerer kinder und geireundten bestes ist, gelangets auch zu 
gottes ehren, der euch alsdann widerumb alle gnad und wolthaten 
erzeigen wil, und wir woUens auch gegen euch in gnaden erkennen 
und bedenken. 

Zu urkund haben wir diesen offen briff mit unsem uffge- 
drackten petschir versiegelt, der geben ist zu Swerin, den 4. tag 
augusti im jar nach Christi unsers herm geburt 1553. 



*) Die Männer „stlher verschrieben" waren: Matthias Marcus Dabercusius 
als Rektor, Hieronymus Bivius als Prorektor, Nikolaus Sartorius als Kantor, 
Nikolaus Mylius als Hypodidascalus, der Bruder des Andreas Mylius. Alle 
vier stammten aus Meißen. 



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Die An^ben der Schule nach David Chyträns. 245 

18. 
Die Aufgaben der Schule nach David Chyträns. 

[Rostock 1555.] 

Imo Boholae Beminaria sunt ecolesiae et reipublicae, ex quibuB 
personae ad ministerium evangelii obeundum et controversias reU- 
gionom diiudioandas, ad consilia principum, ad moderandam rem- 
pnblioam, ad honeBtas leges tuendas, ad regenda iudieia et ad 
reliqua Titae offioia gabernanda sumantur. 

Cum aatem ad haec tanta munera homineB inBtructi doctrina 
earom artium, quae regendae ecolesiae et reipublicae nervös con- 
tinent, adhiberi soleant, profecto necesse est statim ab ineunte 
aetate tenera puerorum ingenia singulari prudentia, fide et aasi- 
duitate ad superiores artes vitae gubematriees praeparari. Ut enim 
in aedificiis plurimum refert firma et solida fundamenta poni, quibus 
reliquae extruotiones tuto possint inniti, sie in omni vita privatim et 
publice regenda maxime interest, qualis primae aetatis institutio 
fiierit. 



19. 

Landesherrliche Verpflichtung znr Erhaltung 
des Schulwesens. 

1555. 1556. 

a. 

Yerpflichtnng der Herzoge Johann Albrecht und Ulrleh 

znr Erhaltung yon Kirche und Schule. 

Wismar. 11. März. 1555. 

Das kirchen regiment, universitet zu Rostok, gemeine schueten 
imd hospitaln in landen Mekelnburg wollen und sollen hochgemelte 
beide fursten, hertzog Johannß Albrecht und hertzog Ulrich zugleich 

Zu 18: Aus der Rede des Chyträns: De oppido Suerino, quod sedes est 
anlae illustriss. principain Megapolitan. — Soeri nensi cuidam olim anno 1555 
praescripta. S. 565 der Reden des Chyti-ftns. Hannover 1664; ins Deutsche ist 
diese Stelle von Hederich übersetzt in seiner Schwerinschen Chronica. Blatt C. 4. 

Zu 19a: Ans dem Wismarschen Vortrag, abgedruckt bei Gerdes, Nttts- 
liche Sammlung verschiedener Schriften und Urkunden etc. 1786—44. 8. 177 ff, 
aber von mir mit einer gleichzeitigen beglaubigten Abschrift im Geheimen 
Archiv zu Schwerin verglichen und nach derselben verbessert. 



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246 Urkunden u. Akten znr Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 

bestellen und vieiß haben, das beide kirchen und schneien mit 
gottsfruchtigen gelerthen mennern versorgt werden und zum furder- 
Uchsten ein ordentlich christlich consistorium zu Bostok, deßgeleicben 
eine nothwendige cristliche Visitation, yermuge und einhalts der 
bewilligten und von gemeiner landtschafft angenomener mekeln- 
burgischen kirchen ordenungen ao. 52 ausgangen und der jungst 
gestelten und bewilligten Visitation form^) anrichten und zum aller- 
fnrderlichsten ins werck setzen lassen. Die bestellung und under- 
haltung aber des kirchen regiments, consistorii, Visitation, schneien 
und hospitalen und derselbigen personen sol von den nutzungen 
und einkaufften der geystlichen guetter des hertzogthumbs Meckeln- 
bürg geschehen und nottdurfftig verordent und verwidemt werden. 

Sovil aber das bischoffthumb Schwerin anlangt, welchs hertzog 
Ulrichen alleine aus ordentlicher wähl zusteht und derwegen alle 
kirchen Ordnung und verliehung der digniteten, benefitien, probenden, 
höfe und gueter des stiffts und capitis als ein ordentlicher ad- 
ministrator zu bestellen und zu conferiren hatt, darin soll und will 
hertzog Ulrich als der erweite bischoff das kirchen regiment, con- 
sistorium, Visitation, schulen und hospitalia dermassen zum furder- 
lichisten, mit gotfürchtigen gelerthen, düchtigen mennern besetzen, 
bestellen und dieselben von den geystlichen einkonfften des stiffts 
notturfftiglich underhalten und versorgen und dagegen die unteug- 
liehen und unordentlicher weise eingesetzte personen abschaffen, 
so fern es one Verletzung des eides, so hertzog Ulrich dem capitl 
zu Schwerin gethan hatt, geschehen mag; damit augenscheinlich zu 
spurn, das in bemelts stiffts kirchen regiment und vorliehung der 
benefitien nicht änderst gehalten, verordnet und gelehret, dann was 
der christlichen und apostolischen lehre und dem rechten verstandt 
der augspurgischen confession und der bekendtnus des glaubens, 
welche s. f. g. neben den andern forsten zu Meckelnburg zusambt 
gemeiner landtschafft einhellig bewilligt und der ro: kay. mt. ao. 
[t549.] überantwortten lassen,^) gemeß und gleichförmig ist. 

Dergleichen bestellung, Verordnung und underhaltung des 
kirohen regiments, schneien, hospitallen und derselben diennere im 
stifft Batzeburg will und soll hertzog Johannß Albrecht als vom 
oapitel erbetener verwalther an statt hertzogen Christoffs erweiten 
bischoffs im berurtem stifft Batzeburg auch befurdem und vor- 
setzen. 



^) Die Zeit fClr diese läßt sich nicht genauer bestimmen. 
*) Siehe daza meine Schrift: Das Bekenntnis des Herzogtums Mecklen- 
bürg . . . nebst demjenigen des Landes Brannschweig-Lttneburg 1899. 



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Landesherrliche Yerpflichtnng zur Erhaltung des Schulwesens. 247 

Actam zur Wismar montags nach reminiscere im jar nach 
Christy unsers seligmachers geburt tausend fünfhundert und im 
fnnfundfünffzigsten. 

J. A. h. z. M. U. h. z. M. 

manu ppra sst manu ppria') 

b. 
Die Terwendnng der Kloster fftr Kirche und Schule. 

Altruppin. t. August. 1556. 

Soviel die clöstere ahnlanget, soll zu mehrer pflantzung fireunt- 
liebes bruderlichen willens hertzog Johans Albreeht die clöstere 
Rehne unnd Czarrentien vor sich unnd hertzog Ulrich daß closter 
Dargun auch vor sich allein und zuvorauß behalten. Darnach 
sollen die volgenden drei clöstere, nemblich das neue closter, 
lyenak und Dobertien vor die junkfrawen beider stende gelassen 
werden,^) 

Und nachdem in obgemeltem wismarischem vortrage^) vorsehen, 
daß die bestellung unnd Unterhaltung des consistorii und schuelen 
von den nutzungen unnd einkunfften der geistlichen gütere deß 
hertzogthumbs Mekelnburk auch geschehen soll unnd darauff durch 
unsere freuntliche liebe vettern in diser handlunge^) zu solcher 
Unterhaltung jehrlich virdehalb thausent gülden gewilliget, so sollen 
bejde ire libden mitt rathe irer Libden landtrethe solche virdehalb 
thausent gülden uff etzliche gewisse geistliche rente unnd gueter 
verwidemen unnd die alßdan zu der universitet, consistorio und 
schulen schlagen unnd außteylen, auch eine sonderliche person 
vorordenen unnd dozu voreyden, die die obgemelte summa der 
virdehalb thausent gülden jerlich einneme unnd an die orthe, dohin 

') Die Unterschriften sind: Alb. qni supra manu ppria sst. Churt Rhur 
(Phur!), Chart von der Luhe. ChristofFer Hane. Joachim Freyher [?] manu 
ppria. Dietrich Multzan. ChristofFer Linstowe. 

Zu 19 b: Ans dem sog. Ruppinschen Machtspruch, abgedruckt bei Gerdes, 
Nfitzliche Sammlung etc. S. 198 ff, aber von mir mit dem Original im Ge- 
heimen Archiv zu Schwerin verglichen und nach demselben verbessert. 

>) ,Yor die Jungfrauen beider Stände gelassen werden*; s. dazu Vier- 
eck, Die Rechtsverhältnisse der vier Meckl. Jungfrau enklöster etc. 1875 t, 
S. 51. y. erklärt den Ausdruck «beider Stände'*: Jungfrauen des Adels (als 
Geburtsstandes) und des BOrgerstandes. 

*) Siehe 19 a. 

*) Es handelte sich um die Beilegung der brüderlichen Zerwürfnisse durch 
den Oheim der Herzöge Kurfürsten Joachim 11. von Brandenburg; s. mein Buch, 
Geschichte Mecklenburgs im Zeitalter der Reformation 1900. S. 173 ff. 



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248 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. üntenichtswesens. 

sie yerordent, distribuire, auch deßhalben unserenn vettern jerlich 
rechnung thuen. Waß .hiruber Yor andere mehr clostere und 
comptureyen vorhanden, die sollen mitt allen iren zubeh orangen 
durch die hibevom im ruppinischen vertrage vorordente landtrethe 
zum lengsten zwuschen hier und michaelis gleich von einander 
getheylt unnd beyden unsem vetternn einem jeden sein theyll 
darann von dem andern ungehindert eingeantwortet und zugestalt 
werden, auch mittler zeitt daß eingeworbene körn unnd aller hauß- 
unnd vorraeth, so in den clöäteren unnd comptureien vorhanden, 
unvorrück bey einander bleyben, unnd ob sich unsere vettern nach 
beschehener theylung der clostere unnd comptureien der wähle 
nicht könten vorgleichen, sollen ire libden derohalben durch daß 
loeß entscheyden werden. Doch soll die compturei Myrow inn 
dise theylung, biß diselbe vorledigt, nicht mit eingetzogen werden. 
Ob auch etwas von den heusem, clostern unnd comptureyen 
vorpfendet edder voreussert wehre, dasselbige soll durch die landt- 
schafft von den bewilligten steuren gefreyhet und zu den heusemn, 
clostern oder comptureyen, dozu eß gehörett, widderumb gebracht 
werden. 

Oeschehen zu Älden Buppien sonnabends am tage vincula 
Petri anno der wenigem zaell im LVL 

Joachim kurfurst mppr. 



20. 

Eats- und Bürgerschluß in betreff der 
Verwendung der geistlichen Güter zu Wismar. 

Wismar. 17. Oktober 1555. 

Ein erbar rat disser Stadt hefft bi sick mit bogen flite be- 
dacht und woUbewogen, wo gott der almechtig die regimente in 
steden und landen geordnet, und ist sin gottliche ewige vederliche 
wille, dat in steden vele lüde tosamende kamen, vornemblich dat 
die lere van wahrer erkentenisse und anropinge gades, die he 
uns sulvest gegeben und to lehren befahlen hefft, under velen 
minschen wider utgebreidet und erkannt werden möge. Darmit 
gott der almechtig van velen luden in dissem und ehewigen levende 

Zu 20: Gleichzeitige Niederachrift im Batsarchiv zu Wismar. Auch ab- 
gedrnckt bei Schröder, Kirchenhistorie 11, 8. 124—126. 



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Bäte- und Bflrgerachlaß in betreff der Verwendung der geistlichen Güter. 249 

gepriset werden, wi also hir ahnfangen eine hillige waninge and 
tempel gades to werden und in jennem lewende ewigleich duren 
und bestan mögen, derhalven ist der lofflicken nnd christlichen 
regenten Yomehmeste und hogeste ampt, wo de prophete Esaias 
lofifliehen und seher schone sprickt,^) dat de regenten der kercken 
gades sogeammen sind, dat ist, dat se der kercken regimente mit 
duchtigen, erlichen und gelehrden, gottfruchtigen personen besetten, 
de uns solchs alles recht und wahrhafftig lehren, welche de un- 
wandelbare wille gades sy, wo und worumb he uns sinen ehnigin 
aone in disse weit van bogen hemmel heraff ut sinen vederlicben 
schotte gesandt, de uns ock nha sinem sterbende, uperstandynge 
und himmelfahrt den billigen geist to senden gelavet, dacblicbs 
lehren und predigen scholen, dar mit wy also ja mehr und mehr 
in einer erkäntnis up wassen und thonehmen, ebne ahne under- 
latt prisen und laven, vor alle untelliche bewisete und entfangene 
woldat ebne dancksegginge don, in aller anfechtinge, tribulation 
und chrutze up ebne uns vorlaten, trost und erreddinge by ehme 
allene soken und entlig dat hemmelsche hirrusalem mit Christo 
Jbesu also dem wahrhaftigen und doch vorworpenen eggesteyne 
erwen und ewiglich besitten mögen. Darumb uns wedderumb ge- 
buren will, dat wy sulche duchtige und gottfruchtige personen und 
recht schapene lehrer mit noturftiger und erholdinge yerseben 
und Yorsorgen, darmit sie uns desto freimodiger lehren, de sunde 
fitraffen und keine ergemisse tom bösen ehrer notrofftigkeit halven 
gewen mögen. 80 geboret ock einer christlichen oubricheyt to, 
dat sie solche ordenliche regimente und christliche kercken ad 
posteritatem und to allen nakamelingen gelangen und kamen laten, 
eine gude schole, darinne durch frame gelerde gottfruchtige 
magistros und hipodidasoalos der jungen joget de gottselicheit, 
gades fruchte, eddele kunste und dogede ingebildet und geleret 
und to dem dyenste gades, der christlichen kercken und gemeine 
tom besten yan joget up bereidet und in tucht und erbarheit ge- 
holden, darmit man ehrer to künftig in der kercken und gemeinen 
geneten und gebrucken möge, etliche dersulvigen in böge scholen, 
darmit se ock in bogen doctrinen und kunsten und van gemeinen 
geistlichen beringen hulpe und trost mit delen. Daruth erfolgen 
wert, dat men ock gude scharpe gelerde iurisperitorum und rechts 
erfahrne van borger kinderen und alhier intogelingen hebben möge; 
so bedarf men ock sunst to des minschen lewende den schonen 



^) Jos. 49, 23; auch 60, 16. 



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250 Urkanden u. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Untenichtswesens. 

fichatt der artzenige, de gade den minschen to gade geschapen hefft 
und kone oek also einen guden hochgelehrden erfahrnen Juristen 
edder syndicum alhir by uns und ock woll einen physicum edder 
lifarsten Yon sulchen guderen jahrliches holden. 

Und deme nhu ein jeder Yorsick sulvest solche hoge "wichtige 
christliche und gade sulvest angeneme sacke gerne to befordern 
schuldig und van siner egenen substantien und gudem hulpe und 
bystand nha vormoge hirinne to donde gutwillig syn schole, wo 
yele mehr scholen dennoch to solchen christlichen wercke alle die 
geistlichen gudere, de sunst yan unsen vorfahren also gottfruchtigen 
framen christlichen luden gestiftet, geordenet und upgerichtet, darto 
vorordent, gelecht und endlich darby geholden werden. Wen nhu 
deme also vullenkamlich und vast nha gekamen und to geschende 
belevet und vorgenamen wert, so vorhapet sich ein ersam rat, dar 
schole gude ordeninge in den kercken to ehre, lave imd heil, unser 
aller seien salicheit ut erfolgen, folgendes ock alle enicheit in der 
gantzen stadt twischen aller gemeinen burgerschop und nha gades 
eigenen befeie und tosage, wo he sprickt:^) „Socket tom ersten dat 
rike gades, so schole yw alles tofallen, alle neringe und titliche 
wolfahrt durch den sogen des almechtigen gades darut entsprieten, 
und achtet ein erbar rat gantz nodig, will id ock also vor dat aller- 
beste disser tide vorordenet hebben, dat to vulforinge disser allen 
to einer jederen kaspel kercken eine persone des rades, ein burger 
und ein amptman sint, negen personen thosamende, nevenst einem 
beeydeten schriver ebnen schole semptleich geassocieret werden 
und dar do drei vorordnete personen alle in einer jedem kercken, 
gades huse, kapeilen, gefundierde stipftede lehne, kalande, tide, 
fratemiteten,broder8choppen, gemeinen vikarien gelde, Station,^) lichte 
und unerschapen gelt^) up flitigeste inquiren, up schriven und ahn 
tekenen, dat sulvige alles in ein gemene register bryngen, dat 
Bulvige uphewen und in eine gemeine kisten in der garvekamer^)') 
marien edder sunst bringen und wedderumb einen jederen kercken 
diener, scholgesellen und sunst armen Scholaren, Studenten, und 



a) Verb, aus warvekamer. 

>) Matth. 6, 33. 

•) = 4 Vigilien einer Nacht, hier also eine Stiftung far die Feier der- 
selben. 

*) = inexhaustus, für das noch nichts angeschafft ist. (Nach einer gütigen 
Erklärung von Geheimrat Dr. Qrotefend in Schwerin.) 

*) = Sakristei, weil hier die Meßgewänder aufbewahrt wurden = garwete; 
englisch the garb. 



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Bats- und Burgerscbluß in betreff der Verwendung der geistlichen GOter. 25t 



den sulohes geburet to hevende und duchtig dar to syn, doch 
Bunderlich und bescheidenlich, dat ein jeder patron by syner ge- 
rechtigkeit und vorleninge bliven und dem beleneden und posses- 
soii, so ferne he duchtig darto sy, alse dat he studiere, edder dat 
he der karcken und gemeinen besten in gottseligen saken dienen 
möge und kone, noch by sinem levende sine jahrliche beringe 
darut heven und boren schole. Dar ock de sulvigen vorordenten 
drie personen des rades, drie borger und drie amptlude und ein 
beeidter schriver to solchem hegen christlichen wercke to schwack 
und to weinig, so will ein rat stedes und in alle wege up ehre an- 
sokent ebnen darynne behulplich syn und mit to foginge und vor- 
ordeninge mehrer personen des rades und borger darto gutwillig 
syn, scholen ock eyner jederen kercken ridende dener darto ge- 
bnicket werden to forderinge, beschickinge mit breven edder 
werven an alle de jennigen, die buten der stadt darto schuldig 
synd, etwas to gevende, darmit id desto bet gefordert möge werden. 

Und mögen jahrlich in bogen scholen geholden werden YI 
edder YII edder mehr nba gelegenheit armer borgerkinder, den 
men mit disser beringen jährliche hulpe und trost deit, einem 
jederen mit xx m edder xx fl nba gelegeheit eines jedem und 
Yormoge der jerligen inkunft, welckere Studenten und borger kinder 
tokumpftig der kercken, der scholen, dem gemeinen besten vor 
sindycos, medicos und schriver dienen mögen. Alles averst wes 
nha entrichtinge solcher besoldinge und Stipendien aver bliven wert, 
schole int arme büß und gemeinen notroftigen luden, borgern und 
burgerinnen ut gedelet und ben gegeven werden. Id scholen ock 
vorerst de itzvorordneten diaconi in allen kercken van alle ehrer 
innahme und utgave dem ersamen rade und eren verordenten 
rekenschop den. So scholen ock henfort desulven negen voror- 
denten sampt erem schriver alle jar genogsame rekenschop van 
alle dissen gudern den und als denne ein van ebnen ut einer 
jederen kercken äff und andere in ere stede nha gesehener ge- 
nogsame rekenschop, de ock der gemeinen burgerschop als dene 
ock weil apenbaret kenne werden. 

Dit is der gemene vorgelesen werden, de sulches endrechtig- 
lich mit dem erbaren rade also beleret und begeret, in dit bock 
to schrivende, welches dorch vorhetinge eines erbaren rades gesehen 
dunnerdages nach st gallen, anno LY.®) 



*) Zur Behandlung der Kircbengüter in Wismar s. Crain, Reformation 
der Christi. Kirche in Wismar. 1841. 8. 41 ff. Ähnliche Verordnungen finden 



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252 Urkunden u. Akten znr Geschiebte des mecklenbnrg. ünterrichtswesens. 

21. 

Supplikation eüicher Professoren zu Rostock 

an die Herzöge Johann Albrecht und Ulrich 

beti-effs „Anrichtung der Schulen". 

[Rostock. 10. August 1556.] 

Den durchleuchtigen, hochgebomen Fürsten unnd berrn, 

herm Johans -Albrecht und herrn Ulrich, hertzogen zu Mekalburg, 

Fürsten zu Wenden, grayen zu Swerin, der lande Rostock und 

Stargard herm, unsern gnedigen herrn. 

Oottes gnad durch unsern heiland Jesum Christum sampt 
unserm underthonigen gehorsam zuvor. Durchleuchtige, hoch- 
gebome Fürsten, gnedige herm. Wir haben mit grosser und hertz- 
licher Freude vemomen, das unser herr gott seiner lieben kirchen 
gebet erhöret und die brüderlichen irrungen zwischen e. F. g. uff- 
gehaben und disen landen wideramb ein Fridliches und eintrechtigs 
regiment verliehen hat.^) 

Und bitten gott von hertzen, das er diso einigkeit, welche zu 
der ehr gottes, zum heil und wolFart diser land kirchen und lob- 
lichem regiment, zu erhaltung christlicher zucht, Fridens, recht und 
gericht hoch von nöten ist, gnedichlich durch seinen heiligen geist 
erhalten, bekrefftigen und mehren wolle. 



sich schon von 1534 und 1543. Vom Nov. 1555 lie^ ein gedrucktes Plakat 
vor, welches die säumigen Schuldner der Gotteshäuser zum Zahlen auffordert 
Der Erfolg war gering, da 1581 neue Bestimmungen getroffen werden mußten. 
1581 setzte der Bat eine Visitationskommission ein; nach ihrer Instruktion 
durften diejenigen Schuldner die Güter behalten, welche Jahr und Tag nach 
der Besitzergreifung nicht wußten, daß es geistliches Gut sei. Übrigens kam 
es noch zu einem Streit mit Herzog Ulrich, der das ins yisitandi sich vorbe- 
hielt. Im Verlauf desselben schrieb der Rat am 30. März 1581 : Die Visitation 
sei unnötig, da die geistlichen Hebungen vorlängst in Richtigkeit gebracht 
seien; Akten des Ratsarchivs zu Wismar. 

Zu 21: .Gedruckt bey Ludowig Dietz. Im jar 1556. Supplication«) etlicher 
professorn zu Rostock an die landsfürsten. Von anrichtung der schulen." Ein 
Exemplar ist in der Bibliothek der Ritter- und Landschaft zu Rostock; T 12. 
16 S. Die Universitätsbibliothek zu Rostock besitzt ein gleiches Exemplar. 
Das Originalmanuskript befindet sich im Geh. und Hanptarchiv zu Schwerin. 
Ich schrieb far 6 = ö, för ü = ü, für e und n = en und nn. 

a) verbessert aus „Supplitation*'. 

*) Im Ruppiner Vertrag vom 1. August 1556. 



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Supplikation etlicher Professoren zu Rostock. 253 

Dieweil auch e. f. g. als hochlöbliche, weise und christliche 
regenten sich offtmals gnediglich erkleret haben, das sie zu gottes 
ehren und zu ewiger Seligkeit irer underthanen die kirchen und 
schulen in iren landen fleissig besichtigen, loblich anrichten und 
bestendiglich erhalten wollen, haben wir nicht zweiffei, e. f. g. werde 
nu dise hochlöbliche und fürstliche zusag in das werck setzen und 
sonderlich die anrichtung und entliche bestellung der schulen be- 
stendiglich fümemen und volfüren. Wiewol wir aber wissen, das 
e. f. g. als gotselige und hochvorstendige regenten wol vorstehen 
und betrachten, das alle christliche Fürsten got disen dienst schuldig 
seind, die schulen anzurichten und zuerhalten, schaben wir doch 
in diser schrifft zehen Ursachen kürtzlich zusamen gezogen, die alle 
christliche oberkeit und einen ydem nach seinem beruff und yer- 
mögen zu furderung und erhaltimg der schulen bewegen sollen. 

Zum ersten. So sind alle menschen darum von gott erschaffen, 
das sie gott recht erkennen, anruffen und preisen sollen nach der 
lere, welche gott seihest den menschen geoffenbaret und in gewisse 
schrifften, in ein buch, welches man die bibel nennet, hat fassen 
lassen. Dises buch, dar in uns gott selbes leret, wie wir in recht' 
erkennen und anruffen und wie wir ewig sälig werden sollen, ist 
der höchste schätz, der auff erden bleibet. Und gebeut gott allen 
menschen, das sie dises buch und lere hören und lernen, und 
will niemands die ewige säligkeit geben, der dise lehr nicht achtet. 

Darumb erkennen alle vorstendigen, das es hoch nötig ist, das 
etliche sind, die dises buch lesen und andere leren können und 
den gründlichen verstand götlicher schrifft wider die falschen lerer 
erhalten. Darzu gehören vil löblicher künsten und sprachen, als 
lateinisch, greckische unn hebräische, welche in den schulen gelert 
werden. 

Zum andern. So hat unser herr got sonderiich den fursten 
unn regenten ernstlich bevolen, das sie dise lere von got und 
unserm hem Jesu Christo selbst lernen und in kirchen und schulen 
erhalten sollen, als im andern psalm spricht got: So lasset euch 
nu leren, ir könige, unnd lasset euch weisen, ir richter auff erden, 
dienet dem herren Christo mit furchte und frewet euch mit zittern, 
hüldet dem son gottes, das er nicht zürne und ir umkommet. Und 
in einem andern psalm ^): Ir fursten, thut ewer thor (das ist kirchen, 
schul, stedt und gantze regirung) auff, das der könig der eren 



«) Psalm 24, 7. 



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254 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

Christus ein ziehe, das ist, das Christus durch die lehr des heiligen 
eyangelii Yon vielen recht erkant und geeret werde. 

Und im propheten Esaia nennet unser herr gott die fürsten 
der kirchen und schulen seugammen und nerer.') Und gibt inen 
der heilig geist darumb disen hohen titel, das sie götter seien auff 
diser erden, dieweil sie wäre erkantnuß und anruffung gottes 
und die rechten und in götlicher schrifft gebottene gottes dienst 
fümemlich hanthaben und erhalten sollen. 

Zum dritten. Darumb so haben zu allen zeiten die höhesten 
und löblichsten könige und fürsten mit sonderlichem fleis und 
mildigkeit die kirchen unn schulen bestellet und versorget, als 
Joseph, David, Ezechias, Josias, Cyrus, Constantinus, Carolus Magnus, 
welcher die furnembsten bistum in Sachsen und die drei berump- 
testen universiteten zu Pariß, zu Bononia und Pavi gestifftet hatt. 

Heinricus Leo, hertzog zu Sachsen und Beyern, hat dise land 
erstlich zu dem christlichen glauben gebracht und das bistum zu 
S worin angerichtet und die thum kirchen alda gebawet anno 
.Christi 1195. 

Disen exemplen haben ewer fürstlichen genaden lobliche ver- 
eitern nach gefolget. 

Pribislaus hat das kloster Doberan gebawet und reichlich be- 
gäbet umb das jar Christi U70. 

Burewinus hat den stifft zu Oustrow erstlich ftmdiret anno 
Christi 1226. 

Nu sind die stifft vorzeiten auch schulen gewest, wie die 
namen scholasticus, decanus, cantor, prepositus noch anzeigen. 

Dises Burewini son Johannes, den die historici theologum 
nennen, hatt viel jar zu Paris studiret und sonderliche lust zu der 
theologia gehabt.^) 

Und hernach hat hertzog Hans, welcher e. f. g. vatters gros- 
vatter gewesen ist, sampt hertzog Albrecht, des Alberti, der hertzog 
zu Meckelburg unnd könig in Schweden gewesen, son, dise uni- 
versitet Rostock helffen fundiren.^) 

Derhalben wir nicht zweifeln, e. f. g. werde irer löblichen 

») Jeaaias 60, 16; auch 49,23. 

*) Johann I f 1264. Theologus heißt er zuerst in Kirchbergs Chronik; 
8. Jahrb. 50. S. 150. 

») Albrecht V. regierte von 1412—1423, Johann IV. von 1384-1422. Man 
beachte das Bestreben, den religiösen Beruf der weltlichen Obrigkeit dogma- 
tisch und historisch abzuleiten. 



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Sapplikation etlicher ProFeMorexi zu Rostock. 255 

Voreltern und anderer christlichen könig und fürsten exempel nach- 
folgen und dise arme universitet helffen wider auffrichten. 

Zum vierden. Die weltliche regirung sol furnemlich darhin ge- 
richtet werden, das man im friden die rechte lere yon gottes er- 
kentnus und anruffung lernen und die jügent in solchem erkentnus 
gottes und in zucht und erbarkeit auffzihen könne, dazu denn die 
schulen hoch von nöten sein. 

Zum fünfften. Es spricht der löbliche könig Cyrus: Bonus 
princeps nihil a bono patre differt. 

Nu ist ein yder yatter schuldig, das er seine kinder zu er- 
kentnus gottes auffzihe, wie Paulus spricht*): Ir veter solt ewere 
kinder auffzihen in zucht und underweisung des herm, das ist, in 
götlicher lehr, die got durch die propheten und aposteln geben 
hatt, nu kan nicht ein yglicher vatter solche preceptores den kindern 
halten, die sie gründlich underweisen können. Darumb sol die 
oberkeit als gemeiner vatter solche preceptores in den schulen 
bestellen und underhalten. 

Zum sechsten. Bißhieher sind allein dise Ursachen erzelet, die 
da anzeigen, das zu erkantnus christlicher lere nötig ist, schulen 
zubeatellen. Nu hat uns got yiel mehr kunsten geben, die zu disem 
eusserlichen, erbam und ordentlichen leben nötig sein; denn die 
weltliche regirung muß yernunfftige, erbare, geschriebene rechte 
haben; so bedarff auch yderman der ertzney; so ist in allen hendeln 
in kirchen, in weltlicher regirung, in gerichten, in allen contrac- 
tibus und summa im gantzen leben nötig, das man alle jar ein 
gewissen calender hab, nu muß man zum calender viel kunsten 
als arithmeticam, astronomiam und historias haben. 

Wenn nu die könige und fürsten keine schulen oder univer- 
siteten erhielten, kan jederman gedencken, was für ein wüst, wild 
und yihisch leben solte folgen, da man christliche lere nicht hette, 
da kein calender were, da keine gewisse geschriebene recht, da 
keine historien und alten geschieht und keine andere kunsten be- 
kant weren. 

Zum siebenten. So erfarens alle könig und fürsten in irer 
regirung, das inen ein gelerter unn geübter man nützer ist dann 
yiel andere ungelerte; denn in den höchsten hendelen, in kirchen 
regirung, in rath schlegen, in gerichten, in legationibus, wo man 
reden oder schreiben sol, bedarff man gelerter und erfarner leut 
mehr denn der andern. 

•) Eph. 6, 4. 



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256 Urkunden u. Akten zur Geachicbte des mecklenburg. ünterrichUweflens. 

Zum achten. Das man gelerte und sonderlich, die in der waren 
lehr des heiligen evangeUi recht underwisen sein, zu der regining 
zeucht, ist der kirchen gottes sehr nützlich, denn in der regining 
können sie der kirchen mit hülff und rath dienen,^) und werden 
auch yiel andere von irer bekentnus und guten exemplen zu gott 
bekeret. Darumb ließ der keyser Julianus, da er die Christen 
derapfen wolt keine Christen zu der regirung kommen und verbot 
inen die schulen, das sie nicht gelert würden. 

Zum newnden. Dieweil e. f. g. nu de geistlichen guter innen 
haben, können sie dieselbigen mit gutem gewissen nimmermer 
halten oder gebrauchen, wo nicht zuvor die kirchen und schulen 
recht bestellet und notdurfftig versorget sein, denn solche guter 
sind der kirchen gottes gegeben. Derhalben es ein grewliche, 
grosse Sünde ist, das viele herren, (under welchen wir e. f. g., die- 
weil sie kirchen unn schulen notdurfftig zuversorgen gnediglich 
geneigt sein, nicht zelen) dise guter so zu gottes eren und der 
armen kirchen gegeben sein, von der kirchen wegnemen und da- 
bey zusehen, das die kirchen im gantzen lande und sonderlich auff 
den dörffem also jemerlich bestellet sein, das zum theil gar keine, 
zum teil gar arme pastores sein, da die leut an irer seien Selig- 
keit jemerlich verseumet werden, und so underweilen tüchtige 
Personen sein, müssen sie mit frawen und hindern sich schier des 
bettelsacks behelffen. Disen jamer wirt gott in ewigkeit grewlich 
straffen und straffts zwar auch in disem leben sichtbarlich mit 
vielen plagen und sonderlich auch darmit, das er kein gedeyen 
dazu gibt, und frisset gemeiniglich das kirchen gut alle das ander 
wol erworben gut mit auff, wie man von des adlers federn schreibet, 
das sie anderer vögel federn neben sich verzeren. 

Unser Person halben melden wir dises nicht, denn etlichen 
unter uns von königen, chür und fürsten und stedten ehrliche 
dienste angebotten sein, sondern dieweil uns gott in e. f. g. land 
gefördert hatt, erinnern wir underthöniglich, was zu gottes namen, 
zu e. f. g. und diser landt heil und ehr, zu erbawung der kirchen, 
zur wolfart der nachkomen und zu Vermeidung göttUcher straffen 
dienlich und nötig ist. 

Zum zehenden. So spricht got: Wer mich ehret, den wil ich 
vnderumb ehren, und Salomon : Ehre got von deinen ersten fruchten, 
so wirt sie gott reichlich seegenen.'') Nu ist dises die höchste 
ehr und gottes dienst, das man kirchen unn schulen, darin göthche 

b) Verbessert aus „rath-dienen**. 
') 1. Sam. 2, 30. Sprüche 3, 9. 10. 



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Supplikation eüicber Professoren zu Rostock. 257 

lehre von warer erkentnus und anruffung gottes erbalten wirt, 
trewlich anrichte und erhalte. 

So nu ein iglicher nach seinem stand und beruff in hoffnung 
disr zusag gottes dise bülff den kirchen und schulen erzeigten, so 
wurd on zweiffei fried, schütz und mehrung der guter folgen. 

Dieweil aber der merer teil regenten mehr als heidnisch ge- 
dencken, diese zusagen sind nur wort, und was zu schulen und 
kirchen gegeben werde, das sey verloren, wie kan es anders gehen, 
denn das grosse straffen folgen müssen, das, da man nicht zu 
gottes ehr ein gerings hat wenden wollen, darnach jemerliche 
krieg und andere plagen komen, da man auff einmal zehenfeltig 
mehr mit schand und spott verlieren muß, denn man zu löblicher 
bestellung aller kirchen und schulen bedörfft hette, da von man 
doch ewigen rhum und ehr hette erlangen können. 

Dise zehen Ursachen, so alle christliche oberkeit und ein 
iglichen nach seinem stand bewegen sollen zu anrichtung und 
furderung christlicher schulen, haben wir kurtzlich erzelet und 
bitten, e. f. g. wolle dise schrifft gnedig von uns annemen und 
nicht anders verstehen, denn wie wir es aus undertheniger und 
trewer Zuneigung gegen e. f. g. löblichen namen und derselben 
kirchen und underthanen wol und trewlich gemeinet haben. 

Und bitten e. f. g. umb gottes ehr und e. f. g. löbliches 
namens und e. f. g. kirchen und underthanen heil und wolfart 
willen, e. f. g. wolle dise wider auffrichtung und bestellung diser 
universitet, davan so viel jar her alle frome leut in deudsch land 
und umbligenden königreichen fröliche unn tröstliche hoffnung ge- 
habt, einmal endlich in das werck setzen und vollenbringen. 

Wir halten auch, unser herr gott habe die volnzihung dises 
löblichen werckes biß auff e. f. g. regirung darumb lassen be- 
Tuwen, damit e. f. g. disen hohen rhum und ewiges lob, in der 
gantzen Christenheit und bey allen nachkomen erlangeten. 

Der almechtige gott und vatter unsers heilands Jesu Christi 
wöll e. f. g. sampt e. f. g. gemahel zu gottes ehren und vieler 
menschen Seligkeit in langwiriger regirung und steter wolfart 
des leibes und der sohlen erhalten. Datum Rostock, die Laurentii^ 
anno t556. E. f. g. underthönige 

Georgius Venetus. D. Tilemannus Hesshusius. D. 
Jacobus Bordingus. D. M. David.®) 



•) Georg Venediger war Professor in Königsberg, dann in Rostock bi» 
1558. Tilemann Heßhus ist der berühmte Theolog, welcher „7 exilia" erlebt 
Monomenta Germaniae Paedagogica XXXVm 17 



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258 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbarg. Unterrichiswesens. 

22. 
Der Lektionsplan der Domschule zu Güstrow. 

17. März 1557. 

Prima classis, 
quae habebat pueros XI, audiebat 
YU prosodiam et aliquot epigrammata, elegias octopodas a 

Wolfgango rectore,^) 
IX epistolas Ciceronis iuxta genera a coUega Henrico,^) 
I grammaticam Graecam usque ad yerbum substantivam 

elfü a rectore, 
n musicam ab Henrico, 

lU libellum de amicitia usque ad locum: „Quod Tarquinium 
dixisse ferunt tum cum exul esset^ etc., et formulas lo- 
quendi Latine a rectore. 
Diebus Mercurii et Yeneris repetebat et certabat, postea 
dialecticam usque ad librum quartum audiebat a 
rectore. 
Diebus sabbathi legebantur evaugelia et ad syllogismos 
reducebantur a rectore, et catechesis Latina ab Hen- 
rico, et scripta emendabantur a rectore. 
Diebus solis quae ex concionibus didicerant, referebant 
praeceptoribus. 

hat. Er war in Rostock Professor nnd Pastor an St. Jakobi 1556. 1557. Jakob 
Bording war Leibarzt des Herzogs Heinrich und Professor von 1550 — 1557. 
M. David ist der bekannte Chyträas. S. Krabbe, Die üniversit&t Rostock im 
15.nnd 16. Jahrhundert. S. 495 ff. 485 ff. 521 ff. Jahrb. 19, S. 65 ff. Wie Krabbe 
S. 499 nachweist, hatten die Bittsteller ihr Gesuch auf einem Landtag zu 
Sternberg übergeben; sie ließen es drucken, am falschen Gerüchten über 
seinen Lihalt zuvorzukommen. 

Zo 22: Nach dem Abdruck bei Raspe, Einladung zur Jubelfeier etc. 
S. 27. 28. Der Lektionsplan ist von Andreas Idylius eigenh&ndig geschrieben; 
B. bemerkt: unter dem handschriftlichen Nachlasse des Andreas Mylius von 
Lisch entdeckt und im Jahre 1813 als Festgabe zum 50jährigen Jubiläum 
Bessers durch den Druck veröffentlicht. Auch abgedruckt bei Vormbanm, 
£v. Schulordnungen, L S. 576 Anm. Die Überschrift lautet: Status scholae 
Gustroviensis XVII» Martii anno MDLVII. 

') Die Stunde von VIII — IX fehlt hier. Raspe ergänzt sie aus dem 
Schweriner Plan von 1559 ,aut repetebat, seil, prima ac secunda classis, andita 
aut argumentum coroponebat'. Nach R. S. 29 „verstand sich das damals von 
«elbst.** Der Rektor war Wolfgang Leupold. 

*) CoUega Henricus ist der Konrektor, wie aus einer Ökonomierechnung 
hervorgeht; Raspe S. 28. In derselben erhält auch Johannes seinen vollen 
Namen: Johannes Stekerlin. 



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Der Lektionsplan der Domschnle. Die Aufgabe der Visitation. 259 



Secunda elassis, 
quae habebat pueros XXY, aadiebat 
YII grammaticam Philippi [Helantbonis] Latinam asque ad 
tenninationem PO tertiae eoniugationis in formatione 
praeteritorum ab Henrico. 
ESI epistolas Sturmii a coUega loanne, 
I grammaticam ut supra, 
n musieam ab Henrico. 
III Bententias Ciceronis ab Henrico. 

Diebus Mercurii et Yeneris hora YII mimos Pnblii et. 
formulas Latine loquendi a rectore, postea repetebat 
et certabat. 
Diebus sabbathi legebantur evangelia Latina et scripta 
emendabantur ab Henrico, post meridiem catechismus 
Latinus a loanne. 

Tertia classis 

Yn discebat legere et declinare ac coniugare paradigmata a 

loanne, 
Yin describebat sententiam Salomonis ex tabula, 
IX audiebantur alphabetarii ab aedituo. 
I et U discebat legere et audiebantur alphabetarii et emenda- 
baDtur scripta a loanne. 
ni discebat yocabula. 

Diebus Mercurii et Yeneris exercebat yocabula et 

catechismum. 
Diebus sabbathi legebat evangelia Latine et Germanice. 



23. 

Die Aufgabe der Visitation 
in Kirche und Schule, 

[Güstrow 1557.] 

Eine christlyke Visitation wert vömemlyken umme desser vyff 
orsaken willen vorgenamen: 

Zn 28: Aus Gerd Omekens Schrift ,Van der Visitation nödige ander- 
richtiDge* etc. Gedrücket tho Rostock dorch Ludowich Dietz. MD. LVII. 

Die kleine Schrift ist sehr selten; soviel bekannt, existiert sie nnr in 
einem Exemplar in der Bibliothek der Ritter- und Landschaft zn Rostock und 

17* 



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260 Urkunden o. Akten zur Geschichte des mecklenborg. Unterrichtswesens. 

Thom ersten, dat de eynige wahrhafftige lere des hillygen 
evangelii van der waren erkentenisse gades unde unses heylandes 
Jesu Christi und van der minschen ewygen salicheyt, welcke lere 
gott sülvest den minschen gegeven hefft, inn dessen landen er- 
holden werde, dar dorch dat den kercken frame gelerde unde 
trtiwe pastores unde Seelsorger vorgesettet unn vorordent werden, 
de gödtlyke lere recht unde flytich predygen unde de sacramenta 
na gades ordeninge uthdelen unde sonderlyken de jungen lüde im 
catechismo flytich underwysen, unde dat in den scholen de leve 
jöget im catechismo tho gades erkentenisse und to guden künsten 
und dögeden upgetagen werde, darmede de nödyge lere ock up 
de nakömelinge möge gebracht werden. Derhalven plecht men in 
der Visitation am ersten den pastor unde de kerckendener tho 
Torhören van den vomemesten hövetstücken christlyker lere, als 
wy herna autogen willen. 

Thom andern werdt de Visitation vörgenamen, dat man sick 
van des volckes unde der thohörer vorstandt und beteringe in 
christlyker lere dorch dat examen, welck an dem visiteerdage ge- 
holden wert, erkündyge, damede dat volck den catechismum edder 
inholdt christlyker lere recht lere, de predekye flytich höre, de 
hillyge sacramente gebruke, godt recht anrope und ein ehrbarlick 
tüchtich unde christlick levendt före. 

Thom veerden, dat der kercken inkament by der kercken er- 
holden unde, so yemandt der kercken ethwas enttagen hedde an 
acker, wisschen, holte edder reute, dat solckes der kercken resti- 
tuert und wedder tho gestellet werde. 

Thom vöfften, dat den kercken unde scholen denem unde 
armen lüden nodttrofftige imderholdinge verordenet und dat der 
pastoren, diacon, scholen, hospitalen unde armen hüser im gebuw 
erholden werden. 

Desse sindt de vyff vomemeste orsaken, darumme de Visita- 
tion anfencklick ingesettet unde alletydt van den löfflyken unde 
christlyken forsten imde bisschoppen gade tho eheren unde lande 
unde lüden thom besten ys angerichtet und in dat werk gesettet 
und vullentagen worden 

in einer Abschrift in der Regiemngsbibliothek zu Rostock. Besprochen ist sie 
in Wiechmann- Hofmeister: ^Mecklenburgs altniedersächsische Litt-eratur* 
Bd. 2 S. 24, Bd. 3 S. 213. Das Druckexemplar enthält 24 Blätter ohne Blatt- 
zahlen, 8^, mit Kustoden und Sign. A bis Z, 25 Zeilen auf der Seite. Ich habe 
die kirchengeschichtlich wichtige Schrift abdrucken lassen in der Zeitschrift 
der Gesellschaft für niedersächsische Eirchengeschichte. 5. Jahrg. 1900. S. 416 ff. 



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Die Au%abe der Visitation in Kirche and Schale. 261 

1. Examen der pastoren. 

2. Yan den scholen. 
Eß gelyken also de pastores werden ock de soholemeysters 
im oatechismo, in der grammatica und anderen künsten vorhöret 
nnde werdt en bevalen, dat se eres amptes trüwlick waren unde 
dat se in der scholen in underwysinge der kinder desse form, so 
in der kereken ordeninge yorgeschreven ys, flytich beholden unde 
nicht Yorenderen scholen. Ock plecht men ethlyke kinder in der 
schole tho examineren, dar uth men lichtlyken ordelen kan, wo 
flytich de scholemeyster gewesen sy. 

Yomaninge, dat de lüde ere kinder flytich tho der 
scholen holden. 
Unde dewyle allen thalven eyn groter mangel hyrinne ge- 
funden wert, dat de lüde ere kinder nicht flytich to der scholen 
holden, sonder vele meher im huse unde up dem felde arbeyden 
effte sonst leddich gähn laten, werden de lüde dorch de heren 
Tisitatores ernstlick solckes tho betören vormanet. Wente ydt ys 
gades ernster befehl, dat men de leven jungen kinder in warer 
erkentenisse gades, in der lere des catechismi, in guden künsten 
unde tho aller döget unde löfflyker tucht upthee. Wente ydt 
steyt geschreven : Gy veder tehet ju we kinder up in der lere unde 
in der underwysinge des hheren,^) dat ys in der lere, de godt de 
here sülvest dorch Christum unde syne apostel gegeven unde allen 
minschen tho thören unde leren bevalen hefft. ünde in der 2. to 
Timoth. am 3: A puero sacras literas noveris. Men schal yan 
kindeßbein up de wäre lere van godt, so uns in dem boke, dath 
'men de hillyge schrifft nömet, apenbaret ys, leren. Wente dat 
men de jungen kinder leret de bockstaye kennen unde tho samen 
in de syllaben setten und entlyken recht lesen, dat geschüdt vor- 
nemlyken darumme, dat se dyt bock, nömlick de hillyge schrifft 
lesen unde yorstahn können unde dar uth godt recht erkennen, 
anropen unde ewich salich werden. Tho dessem högesten wercke, 
nömelick tho warer erkentenisse gades unde tho erlangen de 
ewyge salicheyt, denet desse erste unde also ydt schynet geringe 
arbeydt der scholemeyster, dat se de jungen kinder schryyen unde 
lesen leren. 

Unde wenn Christus secht: Latet de kinder tho my kamen 
und yeret ydt en nicht, wente solcker ys dat hemmelryke,^) so 

>) Eph. 6, 4. «) Mark. 10, 14. 



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262 Urkunden a. Akten znr Qeschichte des meeklenbnrg.IJnterrichtswesenfl. 

redet he nicht alleyne von den gahr kleynen erstgebarnen kinderen, 
sonder ock Tan den, de erwassen unde 6. 7. 8. 9. 10. 12. effte 
mehr jähr oldt sindt, dat men se tho Christo bringen, dat ys tho 
warer erkentenisse unde anropinge Christi gewonnen nnde en de 
lere, so uns Christus geapenbaret hofft, inplanten unde trüwlyken 
leren schöle. Darumme secht ock godt sülvest deut: am 6. cap: 
Du schalt myne lere unde gebodt, welcke ick dy gegeven hebbe, 
leren beholden unde dynen kinderen scherpen. Dat ys nicht 
schlicht effte vorsümlick, edder alleyne de wordt ane vorstandt 
leren, sonder schalt de lere scherpen, dat ys fyn diitlick uthleggen 
unde erkleren, dat se ydt wol yorstahn unde ere levedage recht 
beholden unde gebruken können. Dyt emstlyke befehl gades schal 
billick alle frame olderen bewegen, dat se ere kinder tho der 
scholen holden, dat se den catechismum unde gades wordt effte 
eyangelium lesen und vorstahn leren, ünde wo wol vele lüde beyde 
gades unde syner bevele weynich achten, so möten se doch dat 
bekennen, dat eyn junger geselle, de men eyn weynich in der 
scholen schryyen imde lesen und rücken geleret hofft, yele lichter 
kau yort kamen unde gröter gudt unde ehere erlangen, denn 
andere gantz ungeschickede graye minschen, die nichtes mehr also 
de ploch dryyen unde dat yehe tho höden geleret hebben. 

Darumme so wyllen de yisitatores eynen ersamen radt unde 
andere emptere in steden unde dorperen in dem namen unser» 
gnedygen heren emstlick beyalen unde yor ere persone fründtlick 
Tormanet hebben, dat se beneyen den predicanten, de solckes yan 
dem predichstole yaken und flytich handelen scholen, ere borger 
yormanen unn en beyelen, dat se ere kinder, sonderlick yan 7, 8, 
9, 10, 12 jaren, de enn doch tho erer arbeydt weynich dohn 
können, nicht leddig gähn laten, sonder alle dage na eynander in 
de schole schicken, dat se alldar den catechismum unde lesen unde 
schryyen leren, welckes en dar na (se blyyen by dem studeren 
edder nicht) alle ere leyelanck in allem donde nutlick unde forder- 
lick syn werdt. 



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Gesetze des Rektors Dabercusius für die Farstenscbule zu Schwerin. 263 

24. 

Gesetze des Bektors Dabercnsins 
für die Fürstenschule zu Schwerin. 

[Schwerin 15?] 

Scholastici nostri in ludo tria discuDto: pietatem, mores et 
ilteras. 

De pietate erga deum et praeceptores. 

Deum aeternum ac patrem domini nostri lesu Christi amanto 
et summa religione colunto, adoranto, invocanto eique pro innu- 
meris beneficiis cotidie gratias agunto. 

Huic assidnis precibus tum mane, tum vesperi christianomm 
magistratuum, illustrissimi principis, praeceptorum, suam suorumque 
vitam, inoolumitatem, salutem, studia, fortunas commendanto. 

Inprimisque ut ecclesiam et huic servientes scholasticos coetus 
defendat et protegat contra manifestes furores satanae, assidue 
oranto, ut consilia et actiones omnium et haec studia puerilia 
dirigat ad laudem et gloriam nominis sui, ad incrementa ecclesiae 
et commoda reipublicae. 

Denique ut ipse per spiritum suum unicuique in sui muneris 
fnnctione largiatur facultatem ea cogitandi, docendi, discendi, faciendi, 
quae sanctissimae illius voluntati placeant. 

Initium esse sapientiae timorem domini ex verbo dei sibi 
penitus persuadento. 

Deum ubique adesse omnium suarum actionum testem assidue 
eogitanto. 

Sacrosanctum nomen dei ne iuranto execrandove violanto. 
Qui faxint, gravissimi puniuntor. 

Catechismum singuli perfecte ediscunto eumque cotidie yicissim 
et particulatim ante lectionem et post lectionem pronunciando ab- 
solvunto. 

Ad coenam domini scientibus praeceptoribus saepe adeunto. 



Zu 24: Ein Torso mit der Oberschrift: Leges scholasticae, von der Hand 
des Daberkns geschrieben, im Geh. nnd Hauptarchiv zn Schwerin; der Schlaft 
lautet: De moribus in templo; mit dieser Überschrift bricht der Text ab. 
Bei der Wiedergabe habe ich die Akzente weggelassen. Zu einem kleinen Teil 
bei Wex, Zur Geschichte der Schweriner Gelehrtenschule. 1853. S. 12. 13. ab- 
gedruckt. 



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264 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Ünterriclits'weseiis. 

Cotidie domi ad mensam ante cibum et post cibum tensis 
manibus preoantor. 

Praeceptores vero ut parentes, non quidem corporum, sed 
animorum diligunto, observanto, reverentor. 

Recte monentibus obediunto, castigantibus ne repugnanto 
neve succensento. 

Docentes dicentesque attentis animis audiunto. 

De praeceptis illorum doctrinaque praeclare sentiunto. 

InscientibuB praeceptoribus a lectione templove ne absunto. 

Inscientibus praeceptoribus cum aliis ne quid contrahunto. 

Iniurias neque verbis neque factis ulciscuntor, sed autores 
earum praeceptoribus indicanto. 

Querelas ad neminem nisi ad praeceptores deferunto. 

Quae in ludo geruntur, foras ne efferunto. 

Erga praeceptores hospitesque suos grati sunto. 

Priusquam in ludum nostrum recipiantur, apud rectorem pro- 
fitentor. 

De mutua inter ipsos charitate. 

Scholasticae communitates inprimis animorum coniunctioae 
aluntur et conseryantur. Itaque suum quisque condiscipulum sin- 
gulari benevolentia et humanitate complectitor et cum socio stu- 
diorum fratema charitate copulator.^) 

ßixas et altercationes vitanto. 

OfiFensionum atque odiorum causas nemini danto. 

De studiis saepe et amice inter se communicanto. 

Bonos et studiosos diligunto et imitantor, improbos et negli- 
gentes emendanto et corrigunto. 

Lapsos errantesve admonento, obstinates et audire nolentes 
magistris indicanto. 

Qui pio animo delicta aliorum aperiunt, eos nulla verborum 
contumelia iniuriave afficiunto. 

Duces sui ordinis et inspectores ^) tanquam superiores audiunto. 

Absentibus praeceptoribus duces ipsi reliquos observanto. 

Ne quis condiscipuli corpus laedat vulneretve, magna omnes 
cura cayento. 



^) In dem ,,cum socio stadiorum copnlator*' will Wex besondere 

Verhältnisse unter den Schülern vermuten. Mir scheint der Aosdnick nichts 
«lergl eichen an die Hand zu geben. 

*) Dagegen weisen die duces ordinis und inspectores auf Trotzendorfs 
Einrichtungen hin, mit denen Daberkus also nicht ganz unbekannt war. 



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I 



Q^setse des Rektors Dobercusius. — StandeDpl&ne der Füratenschnle. 265 

De moribus soholasticorum. 
Scholastici nostri omne scelus fiagitiumque et omne naturae 
et pravae consuetudinis yitium deponunto et emendanto et coer- 
cento appetitus pueriliter exultantes, et quamobrem in ludum mit- 
tantur, etiam atque etiam cogitanto. 



25. 
Stundenpläne der Pürstenschnle zu Schwerin. 

a. 
Schwerin. 1. Oktober 1559. 

Prima classis. 
Hora septima rhetoricam et libellum de compositione oratoria 
et orationem pro Marcello audierat a Matthia,^) deinceps auditara 
orationem pro Milone ab eodem. Hora octava aut repetebat 
andita aut argumentum componebat. Hora nona Aeneida Yirgilii 
audiebat a Bernardo.^) Hora prima librum seeundum Iliados et 
libnim seeundum Graecae grammaticae audierat a Matthia, dein- 
ceps auditura Olynthiacas Demosthenis ab eodem. Hora seeunda 
musicam discebat a cantore.') Hora tertia Andriam Terentii 
audierat a Matthia, deinceps auditura libellum Ciceronis de senec- 
tute ab eodem. 

Die Veneris. 

Hora prima vicissim repetebatur grammatica Graeca et emen- 
dabantur scripta Graeca a Matthia. 

Die Veneris et Mercurii. 
Hora septima ante concionem vicissim repetebantur praecepta 
grammaticae, dialecticae et rhetoricae et instituebantur disputationes 
a Matthia. 

Die sabbati. 

Hora septima et octava emendabantur scripta Latine, tum 
soluta oratione, tum carmine a Matthia. Hora nona Locos com- 

Zn 25a: Nach dem Abdruck bei Wex, Zar Geschichte der Schweriner 
GelehrtenBchnle S. 11. 12. mit der Überschrift: Status scholae Suerinensis Cal. 
Oetob. anno MDLIX. 

^) d. i. der Rektor Matthias Daberkus. 

*) d. i. Bernhard Hederich, der 1557 angestellt war. 

'} Kantor war Nikolaus Sartorius. 



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266 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenharg. Unterrichtswesene. 

nmnes audierat a Matthia. Hora prima Acta apostolorum Ghraece 
aadiebat a Bemardo. 

Appendix. 

Hora prima libram primum grammaticae Graecae audierat a 
Bernardo, additis etiam sententiis et fabellis Graecis, deinoeps 
auditura Olynthiacas Demosthenis a Matthia. Reliquas lectiones 
habebat cum prima classe communes. 

Secunda classis. 
Hora septima. prosodiam audiebat a Bemardo. Hora octava 
aut repetebat audita aut argumentum componebat Hora nona 
epistolas a Sturmio selectas audierat a Nicoiao/) deinoeps auditura 
Aeneida Yirgilii a Bemardo. Hora prima mdimenta Ghraecae lin- 
guae audiebat a Bemardo. Hora secunda musicam discebat a 
cantore. Hora tertia Andriam Terentii audierat a Matthia, dein- 
ceps auditura libellum Ciceronis de senectute ab eodem. 

Appendix. 
Hora septima et prima etymologiam audierat a Bemardo^ 
deinoeps auditura syntaxin ab eodem. Hora tertia sententia» 
Ciceronis audiebat a Bemardo. 

Die Veneris. 
Hora prima repetebantur rudimenta Graeca a Bemardo. 

Die Mercurii et Veneris. 
Hora septima ante concionem vicissim repetebantur mdimenta 
grammaticae Latinae et instituebantur disputationes a Bemardo. 

■• 
Die sabbati. 

Hora septima et octaya emendabantur scripta a Bemardo, 
appendicis vero chriae a cantore. Hora nona epistolas a Sturmio 
selectas repetiverat praesente Nicoiao, deinoeps auditura Logos 
eommunes a Matthia. Hora prima evangelium dominicale Graece 
discebat exponere a Matthia, appendix vero evangelium dominicale 
Latine a cantore. 

Tertia classis. 

Hora septima partim mdimenta Latinae linguae audiebat a 
cantore, partim in legende exercebatur ab eodem. Hora octava 

*) d. i. Nikolaus Mylius, der Freund und Batgeber Johann Albrechts in 
wissenschaftlichen Dingen. 



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Standenpl&ne der Fürstenscbule zu Schwerin. 267 

partim senientiam Latme et Oermanioe scriptam describebat, partim 
in connectendis syllabis et oognoseendis literis exereebatar a 
Kieolao. Hora nona partim epistolas a Sturmio selectas audiebat 
a Nicoiao, partim sententiam in tabula praeseriptam legere dis- 
cebat a cantore. Hora prima idem agebat, quod hora septima. 
Hora secunda partim musicam discebat a cantore, partim ea, quae 
ante meridiem descripserat, offerebat emendanda a Nicoiao. Hora 
tertia partim sententias Ciceronis audiebat a Bemardo, partim aut 
formolas Terentianas aut duo vocabula Latina discebat a Nicoiao. 

Die Veneria. 
Hora prima exercebatur declinando et coniugando a cantore. 

Die Mercurii et Veneria. 
Hora septima vicisaim repetebat rudimenta Latinae linguae et 
ieclinando et coniugando exercebatur a Nicoiao vel cantore. Hora 
octaya et nona partim mimos Publii audiebat a Matthia, partim in 
eatechiamo Germanico et vocabulis Latinis recitandia exercebatur 
a Nicoiao. 

Die sabbati. 

Hora septima et octava partim in eatechiamo Oermanico exer- 
•ebatur, partim Germanice precari diacebat a Nicoiao vel cantore. 
Hora nona partim epiatolaa a Sturmio aelectaa repetebat praeaente 
ITioolao, partim evangelium dominicale Germanice legere diacebat 
a cantore. Hora prima partim evangelium dominicale Latine dia- 
•ebat exponere a cantore, partim epiatolam dominicalem Germanice 
legere diacebat a Nicoiao. 

b. 
Schwerin. 13. November 1561. 

Prima claaaia. 

Mane hora septima rhetoricam et orationem Ciceronia pro lege* 
Hanilia audiebat a Matthia. 

Hora nona Bucolica Virgilii audierat, deincepa auditura eiua- 
iem Georgioa a Bernardo. 

Za 25b: Original im Geh. Archiv za Schwerin mit der Überschrift: 
Statns scholae Snerinensis idibns Novembris, anno MDLXI. Die Akzente sind 
auch hier von mir weggelassen. Wex hat aach diesen Plan gekannt; allein 
tie Ton ihm in Klammern zu dem Plan von 1559 gegebenen Abweichungen 
und nicht erschöpfend. Diese rechtfertigen die Aufnahme des jüngeren Plans ^ 
der zü einem Vergleiche auffordert. 



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,268 Urkunden n. Akten zur Geschiebte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 

Hora prima Philippicam primam Demosthenis audiebat a 
Matthia. 

Hora Beeunda exercebat musioam. 

Hora tertia libellum Ciceronis de senectute audiebat a Matthia. 

Die Veneria. 
Locos oommunes audiebat a Matthia. 

Die sabbati. 

Mane hora septima et octava emendabantur scripta Latine, 

tum soluta oratione, tum carroine a Matthia. 

Hora nona repetebantur Loci oommunes a Matthia. 

Hora prima epistolam ad Romanos audiebat Graece a Ber- 

nardo. 

Seeunda classis. 

Mane hora septima syntaxin audierat, deineeps auditura figuras 
constructionis et prosodiam a Bemardo. 

Hora nona epistolas a Sturmio selectas audiebat a Nicoiao. 

Hora prima rudimenta Qraecae linguae audiebat a Bemardo. 

Hora seeunda exercebat musicam. 

Hora tertia sententias ex Cicerone selectas audierat a Ber- 
nardo, deineeps auditura libellum de senectute a Matthia. 

Appendix. 
Mane hora septima etymologiam Latinae linguae audiebat a 
Bernardo. Reliquas lectiones cum seeunda classe habebat oom- 
munes. 

Die sabbati. 

Hora septima emendabantur scripta a Bemardo. 
Hora nona repetebantur epistolae a Sturmio selectae a Nicoiao. 
Hora prima evangelium dominicale Graece discebat exponere 
a Matthia, appendix vero, id ipsum Latine, a cantore. 

Tertia classis. 

Mane hora septima partim rudimenta Latinae linguae audiebat 
partim in legende exercebatur a cantore. 

Hora octava partim sententiam Latine et Qermanice prae- 
scriptam describebat, partim in connectendis syllabis et cognos- 
cendis literis exercebatur a Nicoiao. 

Hora non^ partim cum seeunda classe epistolas a Sturmio selectas 
audiebat a Nicoiao, partim sententiam in tabula praeseript-am 
legere discebat a cantore. 



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Stundenplan der FfirstenschnJe. — Das neue Pädagogium zn Rostock. 269 

Hora prima idem agebat, quod hora septima. 

Hora aecunda ea, qaae ante meridiem descripserat, offerebat 
emendanda a Nicoiao. 

Hora tertia alii formulas Terentianas, alii duo voeabola dis- 
cebant a Nicoiao. 

Die Mercurii et Yeneris. 

Partim mimos Publii audiebat a Matthia, partim in catechismo 
Germanico et vocabulis recitandis exercebatur a Nicoiao. 

Die sabbati. 

Hora septima et oetava partim in catechismo Germanico exer- 
cebatur, partim Oermanice precari discebat a Nicoiao vel cantore. 

Hora nona partim epistolas a Stnrmio selectas repetebat prae- 
sente Nicoiao, partim evangelium dominicale Germanice legebat 
praesente cantore. 

Hora prima epistolam doroinicalem Germanice legebat prae- 
sente Nicoiao. 



26. 
Das neue Pädagogium zu Bestock. 

1560. 1561. 1564. 

a. 
IMe Einrlchtang eines Pädagogianis im Kloster St MichaeUs 

zu Rostock. 

Rostock. 23. September 1560. 

Dewile nutte is, dath idt fr[ater] kloster in mangel der fratern 
tho christlichem und gemenem nuth denstlichem gebruk gewendet 
werde, hefft ein r[atj sich entslaten, dath bemelte kloster thom 
paedagogium anthorichten, und wollen derwegen itzunt de herren 
bnrgermeister im namen des gantzen rades und gemeiner stedt de 
achtbaren und wolgelarten M. Peter Hagemeister, M. Gerhardum 
Smidt tho regenten dar in gesettet hebben, mith dem beschede, 
dath jw M. Arsenius in juwer waninge kein inbroch edder in dem 
garden gewalt wedderfaren solle, und werden gi M. Arsen mith 
dessen magistem, wo gi jw thovore erklert, thofreden sin. Jdt sal 

Zn 26a; Nach einem Ratsprotokoll im Stadtarchiv zu Rostock.abgednickt 
in Jahrb. 4, S. 278. Die Unterschrift ist: Testes Kordt Brandt and Clawes 
Steinfeit. Mandages den na Mathei hora 3 a pomeridiana. 



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270 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünterricfatsweBens. 

jw an juwen renten und inkumpsten ock nottroftiger erholdiDge 
kein affbrock gesehen. Wath ock tho der magistern und jungten 
Scholaren waninge wert mutte sin, will ein r[at] buwen laten. Und 
«etten demnach juw N. und N. in der besten formen und mathe 
hir in mith anlavinge, dath gi juw fromlich, tüchtig und erbarlich 
holden, ock also de jogent sich tho verholdende wolden upsent 
liebben. Dath möge gi uns laven, welchs se also gelavet. 

b. 
Lehrplan im P&dagogium St. Hiehaelis zu Bostoek. 

1561. 

Valde illustre dictum extat Xenophontis : ""Advvatay Twlia rexyco- 
/jievov &v&Q(07iov ndvxa xalwg nomv^ fieri non potest, ut simul multa 
quispiam faciat eademque recte omnia. Quare ex magno librorum 
numero paucos quosdam eosdemque optimos iunioribus proponendos 
esse utilissimum fore discentibus omnes docti iudicarunt, in quorum 
numero cum iam nostro tempore libri piae et laudatissimae memo- 
riae Philippi Melanchtonis de arte discendi scripti merito primas 
teneant, decrevimus illos (deo iuvante) ordine enarrare. Et primum 
grammaticam Philippi, que praeter Optimum ordinem et meihodum 
«ingularem, commodissima etiam regularum exempla ex optimis 
authoribus deprompta continet, proponemus. Deinde dialectices et 
rhetorices praecepta simplicissime perspicuis et illustribus exem- 
plis et (ut diel solet) pingui Minerva declarabimus. His repeti- 
tionem epistolarum Ciceronis et Terentii una cum styli exercitatione 
assidua et diligenti pro privatis nostris adiungemus. Postremo 
ut nobis sint quoque pietatis exercitia, sine quibus in his artibus 
et caeteris omnibus neque natura neque arte nee ingenio nee ex- 
perientia humanisque viribus quodquam laude dignum proficitur, 
catechesin reverendi88[imi] nostri praeceptoris M. Davidis diebus 
8 et "& ^) certis horis proponemus. Hoc enim libro nullus est 
compendiosior et iuvenili captui accommodatior. Cum autem dis- 
centibus utilissimum sit omnium doctorum approbatione xä aina 
negl rcbv amwvy hoc est, eadem de iisdem dicere et docere, nobis 

Zu 26 b: Aus Scripta in academia Rostochiensi etc., von Possei 1567 
herausgegeben, 8. 90—92. Die Überschrift lautet: Artium dicendi tyronibns 
S. D., die Unterschrift: M. Petras Hagemesterus. Im Eingange seiner An- 
kündigung, die ebenso wie der Schluß hier weggelassen ist, lobt H. den 
Rostocker Rat wegen der Errichtung des Pädagogiums. 

^) O das ist der Sonntag; § das ist der Mittwoch; "^ das ist der Sonn- 
abend. 



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Das neue Pftdagoginm zu Rostock. 271 

qnoque hoc in omnibos libris istis explicandis minime erit molestum. 
De ordine autem suaram leetionum et repetitionam coUega meus 
M. Gerhardus quam primum aliquid certi iunioribus ipse etiam 
publice significabit.^) 

c. 
Die neue Ordnung in den Pädagogien der Universität Bostoek. 

[Rostock 1564.] 

Cum professoribus singulis, quibus hactenus disciplinae guber- 
natio commissa fuit, per negotia non liceat hoc munus ex dignitate 
academiae administrare, iu?enibus quidem magistris in quorandam 
locum substitutis inspectio et gubernatio domuum academiae hoc 
anno 1564 commissa est, et primo coUegii facultatis artium M. 
Levino Batto, Portae Coeli seu paedagogii M. lohanni Posselio, 
Domus Eoleri M. Nathani Chytraeo, Arcis Aquilae M. Laurentio 
Wiedemanno, Domus ünicomis M. Stephane.^) 

Rubel Leonis inspectionem DD. David Chytraeus in gratiam 
paupcrum eam domum inhabitantium in se recepit. Monasterii 
fratrom cura et administratio M. Petro Hagmeistero et M. Gerharde 
Fabro a senatu urbis commissa est. 

IL 
His vel Ulis inposterum substituendis pro laboribus singulis 
annis tertia locarii pars ex domibus sibi comissis mercedis loco 
attribui debet. 

III. 
1. Praecipuae partes officii herum magistrorum sunt: Yesperi 
hora nona claudere fores. 



*) Eine Ankfindigang von Gerhard Schmidt findet sich in den Scripta 
Posseis S. 285. Daselbst kündigt er fQr das Sommersemester 1564 an, über die 
Katechesen des David Cbyträns lesen zu wollen. 

Zn 26 es Ich habe das Original yergebens gesucht und mußte mich 
deshalb mit dem Abdruck in „Etwas von gelehrten Rostockschen Sachen". 1739. 
S. 584 ff. begnügen; abgedruckt auch in Eschenbacbs Annalen der Rostock- 
schen Akademie 1809—1818, 3. Bd., U. Stack S. l()9ff. unter dem Titel: Forma 
•constitutae didciplinae in omnibus regentiis sive domibus academiae Rosto- 
chiensis. Anno 1564 mense Octobri. 

^) Levin Battus war Mediziner, Johann Possei und Nathan Chyträus ge- 
hörten der Artistenfakultät an, Nathan Chyträus ward später Rektor der 
Schule zu Rostock. Lorenz Wiedemann und Magister Stephanus konnte ich 
nicht weiter bestimmen. S. Krabbe, Die Universität Rostock S. 704. Anm. 2. 
und 3; s. auch die Ankündigung des Rektors David Chyträus in den schon 
genannten Scripta Posseis, S. 232 b vom 1. August 1563. Die Vorschriften 
sind teilweise eine Wiederholung der alten Bestimmungen. 



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272 Urkunden n. Akten znr Geschichte des mecklenburg. ünterrichtswesens. 

2. Nonnunquam ingredi habitationes et videre, an domi sint 
disoipuli, quid agant, an ignis rationem habeant, unde, quod deus 
clementer avertat, incendium oriri poBsit.^) 

3. XJsitatis diebus proponere materiam scribendi et disputandi 
et Buo quisque ordine curare, ut singulis mensibus oratio aliqua, 
Latina aut Graeca, publice recitetur. 

4. Omnes ut disputationibus et examinibus intersint, curabunt; 
si qui autem natu mciores inter alios scripta offerre nolant, ii pri- 
vatim exhibeant vel publice declamabunt. 

5. Non ferent in aedibus suis dyscolum aliquem, qui et ipse 
nihil agat et alios suo exemplo offendat. 

6. Non Bolum discipulos monebunt, ut in faciendis oflGciis voca- 
tionis diligentiam et assiduitatem praestent, sed ipsi etiam pietatis, 
modestiae, temperantiae, denique omnium virtutum exemplo audi- 
toribus praelucebunt. 

7. Licebit etiam regentialibus, in negligentiores mulctam ali- 
quam pecuniariam constituere, quae tarnen qualibet vice solidum 
Lubecanum non excedat, ita ut haec pecunia vel in necessarios 
aedium usus conferatur vel distribuatur pauperibus scholasticis 
diligentioribus. 

8. Singulis semestribus colligatur locarium ex habitationibus et 
reddatur ratio inspectoribus. 

9. Novitii, quoties aliqui accedunt, in habitationibus introdu- 
cantur et diligenter omnibus rebus, ut fenestris, fornacula, ianua, 
parietibus etc., inspectis, cura habitationis ipsis commendetur, ut 
si quid fractum fuerit, ab ipsis reficiatur. 

10. Nee iniquum est paulo post constituta disciplina ab illis, 
qui solvendo sunt, quatuor aureos pro disciplina exigere, cum 
meminerimus olim a ditioribus septem aureos exigi solere. 

11. Non liceat ulli in cubiculis, maxime vero in loco superiori 
secare ligna nee exercere intempestivam musicam nee instituere 
eompotationes. 

12. Quantum fieri potest, pueri petulantes, dissoluii et mali- 
tiosi, studiosis inservientes ex aedibus arceantur; possunt illi, qui 
opulentiores sunt, pauperis alicuius studiosi opera uti. 

IUI. 
Duo erunt generales omnium regentiarum inspectores, ad quos 
etiam praeceptores gravamina, quae in gubematione occurrunt, 
deferent. 



a) Verbessert aus „posset*' 



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Das nene Pädagogium zu Rostock. 273 



V. 
Demandabitor hoc officium de senteniia senatus academiae 
siDgulis semestribus alicui professori superionim facultatum et 
decano facultatis artium pro tempore. 

VI. 
Sexnper post noyi rectoris renundationem convocandi sunt 
regentiales ac interrogandi, an diutius munere gubernandi fungi 
yelint, ut in tempore de aliis idoneis personis, si opus sit, ipsis 
substituendis cogitari possit. 

VII. 
Interest academiae, neminem scholaBticorum extra scholae 
aedes habitare, nisi magisterii gradu omatuB sit yel locum in 
regentia aliqua habere non possit. 

vin. 

Cum etiam disciplinae conservatio ad communem totius aca- 
demiae dignitatem et utilitatem pertineat et ipsius academiae nervus 
sit, academiae rector, quoties aliquem relaturus est in numerum 
studioBOTum, mandare debet inscribendo, ut migret in aliquam 
scholae domum et deligat sibi privatum praeceptorem ex regentia- 
libus academiae. 

IX. 

Nemo regentialium yel reliquorum magistrorum, qui non sunt 
profesBores publici, aliquid yel publice yel privatim proponent enar- 
randum sine yenia senatus academiae. 

X. 
Quod si aliuB quispiam, qui non fuerit ex numero professorum, 
aliquid enarrare yoluerit publice, id et permissu decani et diebus 
extraordinariis, quibus usitate publice legi non solet, fiat. 

XL 
Si quis tamen professorum yel peregre proficisceretur yel negli- 
gentia quadam aifectata lectionem suam omitteret, licebit alten 
cuidam eadem hora vel eandem vel aliam utilem lectionem pro- 
ponere sciente tamen decano. 

xn. 

Debent etiam regentiales fideliter hortari discipulos, ut audiant 
lectiones suo ingenio et progressui accommodatas, nee ferro, ut sine 
discrimine quemvis praelegentem audiant et onerent se multitudine 
et varietate lectionum. 

Monnmenta OemumiM Faedagogioa XXXYin 18 



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274 Urkunden u. Akten zur Greschichte des mecklenburg. ünterrichtswesens. 

27. 

AuMlmmg von Komödien an der Schule 
zu Wismar. 

1561. 1595. 

a. 

Einladung des Rektors Christian Scliregel zn Wismar znr 

Teilnahme an der Anfffthrnng einer Komödie. 

Wismar 7. März 1561. 

Gnade und frede wünsche ick yuw, erbare wise heren, von 
got deme vader. Amen. Erbare gunstige heren, ick kan yuwer 
erb. w. nicht bergen, dat ick ein christlick spil mit minen mit- 
hulpem habe thogericht, dar de lop der werlt, wo es itzt in yelen 
Orden togeit, fast gründlick inne vorfaten und ogenschinlick vor- 
gestellet, desulvige im nedderlande gemacket unde ock sünst in 
etlicken seesteden gespelet. So denne nu ein erbar rat mochte 
lust hebben, desulvige in der negestkumpstigen wegen tho hören, 
bid ick früntlick, e. e. r. mi einen dach und stede anlegen möge, 
dat de personen denne dar mochten upwaren, und uns denne dama 
de kercke thom grawen municken vorgunnen, darinne vor der ge- 
meine tho speien. So ock e. e. rat dar sulvest wolde henkamen, 
kan e. e. rat einen dener darben verordnen, desulvige de stede 
vor e. e. rat erholden möge. Worup ick beger ein gnedig ant- 
wort, wenner es ein erb. rade werd gelegen sin. Do yuw hir mit 
got dem heren in sinen gnedigen schütz lang gesunt befehlen 
sampt den yuwen. 

Datum ex meo museo an. 1561. 7. Martii. 

Christianus Schreigelius, 
scholemester in eins erb. rades schole. 

b. 

Einladung des Schreib- und Bechenmeisters Alexander Pipan 

zu einer Komödie. 

Wismar 1595. 

Emveste, erbare, hochgelartte, hoch unnd wolweise, großgon- 
etige liebe herm! Demnach e. ern. erb. hochw. mir so gunstig 

Za 27a: Abgedruckt bei Schröder, Eirchenhistorie , II. S. 314; s. anch 
Jahrb. 1, S. 84. Das Original ist nach einer Auskauft von Dr. Techen in 
Wismar nicht mehr aufzufinden. 

Za 27 b: Original im Ratsarchiv zu Wismar. 



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Aufföhrang von Komödien. — Zum kirchlichen KatechismusTerhdr. 275 

gewesen unnd mir ufiF mein ansinnen der jungen anherwarchßenden 
jugendt zu guetem exempel eine comoedia zu agiren erleubet, 
darfur ich dann ganntz dienst unnd freundtlich danckbar bin, alß 
hab ich dieselbige auch ohne allen verdrieß durch gottes hulff ins 
werck gerichtet und die personen auch nhun so weith gebracht, 
das sie sich nhunmehr ihre personen itzlicher insonderheit zu 
agiren nicht scheuwen. Dieweill ich dann nhun hoffe, das sie sich 
hinfemer in der kleidung noch beßer halten werden, alß gestern 
geschehen, und e. em. erb. und hochw. ich gleichwoU zur danck- 
barkheit solche comoedia gern mochte sehen und anschowen laßen, 
aber nicht wißen khan, wan es derselben gelegen sein mochte, 
alß ist hiemit mein gantz dienst imd freundtlich bitt, e. ern. erb. 
und hochw. wollen sich gunstiglich ercleren, welchen tagk es der- 
selben gelegen, so will ich diese woche ih ehr je lieber für e. em. 
erb. und hochw. alleine agiren; dann wo ich zulange harren wurde, 
muste ich mich besorgen, das ich etzliche personen wegen der 
angehenden ämte nicht wurde lenger mechtig sein khonnen; dero- 
wegen e. em. und hochw. sich auch desto ehe mit gunstiger 
antwortt unbeschwerdt gegen mir wollen vernehmen laßen. Das 
will ich mich dienst und freundlich verhoffen und dieselbige sambt 
und besonders dem schütz gottes zu langer glucklicher regierung 
und leibes gesundheit getreulich bevohlen haben. Datum 
Wißmar den 15*«" Julii anno — 95 

e. ern. erb. und hochw. dienstwilliger 

Alexander Pipan, 
deutscher schreib und rechenmeister. 

mppr. scripsi. 

28. 
Zum kirchlichen Katechismnsverhör. 

1561. 1562. 1599. 

a. 

Erneute Elnricbtnng der Katechismuslebre in Bestock. 

1561. 

Anno Christi 1561. inchoatae sunt primum conciones matu- 
tinae in templis parochialibus, initio facto ipsius concionis media 

Zu 28 a: Aus L. Bacmeisters Hiflioria eccleaiae Rostocliiensis bei Weat- 
phalen, Monnmenta inedita, Tom. I, Spalte 1582. 1583. Bacmeister kam 1562 
als Pastor an St. Marien nach Rostock. 

18* 



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276 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichts weseuB. 

sexta usque ad medium septimae. Antehac enim iUo ipso tempore 
infimus ecclesiae minister (quem yulgo saoristam yocarunt) eyan- 
gelium dominicale ex sella quadam in medio templi circumstanti 
populo praelegit et brevem addidit explicationem; deinde catechesis 
Lutheri partem unam cum interpretatione eiusdem similiter prae- 
legit et de ea auditores simplices erudivit, interdum etiam pueroB 
examinavit, et tum preces factae ac cantiones subiunctae. Inde 
ergo factum, ut conciones catecheticae essent deinceps matutinae 
in tribuB tempÜB parochialibus ad S. lacobum, 8. Petrum et S. 
Nioolaum, sed in templo Mariano hora XII. caiechismus explica- 
retur pro concione ab infimo diacono, in quod templum yelut in 
media urbe situm TulgUB hominum et familiae civium conyenire 
commode possent. 

b. 
Katechlsmnsyerhor zu Wismar« 

1562. 

a. 
Aus der regelmäßigen Kanzelyerlesung. 

Idt Bcholen na disser tit neue junge knaben edder kleine 
junckfruwen tom disch des heren gelaten werden, de yorhin nicht 
darto gewesen, idt si denn, dat se den catechismum toyoren in der 
gemeine upgesecht hebben und dat gemeine gebett ayer se gegan 
si.^) Darum scholen de husyeder ere kinder und gesinde darto 
holden, dat se tor predige und tom yerhör des catechismi flitigen 
kamen.^) 



Zu 28 b: a. Abgedruckt bei Schröder, Eirchenhistorie, IL S. 386. Das 
Original &nd Dr. Techen zu Wismar nicht mehr. 

') Hier ist die erste Andeutung der bestehenden Konfirmation gegeben. 
Die Bevidierte Eirchenordnung regelt sie fol. 167 für das ganze Land; s. die 
Nummer XIII auf S. 197. 

*) Das Eatechismusverhör ist von dem wismarschen Superintendenten 
Wigand eingefQhrt; denn so heißt es im Zeugnis, das ihm der Rat ausstellte: 
Examen catechismi singulis diehus dominicis et lunae instituit, ut pueri 
puellaeque catechismum Lutheri minorem recitarent, pro illis preces publicae 
fierent, capita doctrinae Ghristianae exacte addiscerent et quae matutinis oon- 
cionibus audiverant, palam in conspectu ecclesiae exponerent. Neque solam 
in illa re id spectayit, ut Studium et attentionem in tenera aetate excitaret, 
sed etiam ut una cum aetate simul pietatem et timorem dei discerent. Simnl 
etiam posteritatis rationem hoc modo habere voluit Schröder, Eirchenhistorie, 
m. S. 67. 



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Zum kirchl. Katechismus verhör. — Neueinrichtung d. Partikularschnle. 277 



ß- 

Este chismushocb zelten. 
Yon den sogenannten catechismus-hochzeiten,^} deren eben 
daselbsten erwehnung geschehen, ist zu wissen, daß wenn ein knabe 
den catechismus yor der öffentlichen gemeine und zwar in den 
hauptkirchen des sontags nachmittags auf des pastoris befragen 
anfgesaget, er ein mädgen bei sich gehabt, welche als braut mit 
ihm zur kirche gegangen ; wenn aber ein mädgen den catechismum 
gebetet, ist ein knabe als bräutigam mit ihr gangen, die denn 
hernach auch wieder zusammen zu hause gegangen und bestens 
bewirtet worden. Daher der name der catechismus-hochzeiten ent- 
standen. 

c. 
Ans den Generaldekreten der Yisitation für das Bistam 

Batzebnrg. 
[Ratzeburg. 1599.] 
Es sollen alle pastores den catechismum mit ihren zuhörem 
fleißig treiben und ihnen denselben durch den kuster alle Sonn- 
tage deutlich und langsam vorlesen lassen. 



29. 

Die Neneinrichtang der Partiknlarschule zu 

Parchim durch die Visitation vom Jahre 1563. 

[Parchim 21. 22. März 1563.J 
Die herrn visitatom^) haben eim rathe zum abscheide gesagt 



erstlich 



ß. So bei Schröder, Eirchenhistorie, II. S. 383. 384. Das Original anch 
dieses Stückes ist unauffindbar. 

*) Diese schöne Sitte finde ich nur hier erwähnt. Es ist leider ans 
dem Zusammenhang nicht zu ersehen, wo Schröder die Nachricht gefunden hat. 

Zu 28 o: Abschrift im Hauptarchir zu Neustrelitz: Generalia oder etzliche 
gemeine decreten aus allen Visitationen zusamen gezogen, darnach sich alle 
pastores, custers, kirchschworen und zuhörer im g^ntzen stifte gentzlich und 
gehorsamlich verhalten sollen, bei Vermeidung s. g. und eines ehrw. thumb 
cap. höchster ungnad und Ungunst und ernstlicher unnachlessiger strafe etc. 
unser Abschnitt: Den pastoren belangend. Von ihrem ampt. Der Administrator 
bestätigte die Dekrete am 7. Oktober 1599 auf seinem Schlosse zu Schönberg. 

Zu 29: Nach dem Original Visitationsprotokoll im Geh. Archiv zu Schwerin. 
Beim .Abschied der Schulgesellen* steht das Datum: .22. M&rz" am Band. 

^) Visitatoren waren nach der Überschrift des Buches Dr. theol. Simon 
Musäus zu Schwerin, Superintendent Wigand aus Wismar, Hofrat Hubert 



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278 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

5. die herrn visitatom hetten auch auf die schuele beide pa- 
stores, einen burgermeister, der der gelartiste unnd der schulen gneigt 
sey, und eine ratbs persone zu inspectores scole yerordent, das sie 
alle halbe jähr die schuele yisitim und der schulemeister die kinder 
examiniren soll und sie yerhoren, wie sie sich in dem halben jähre 
gebessert und dester yleissiger zu studiren lust und liebe gewinnen 
mochten. 

Dergleichen, das sie ausserhalb der zeit die schuelgeßellen 
zu straffen, ihnen zuzureden und sie zum got gefelligen leben zu 
halten, volßauffen und ein unzuchtigs wildt und rohes leben zu 
verlassen und den kindem mit gueten exempeln fhur zu gehnde 
zuyermhanen, und im falle sie dieselben nicht hören und ßich 
nicht straffen lassen wolten, solche ungehorßamen zuerleubben und 
andere tüchtige fromme und gelarte geßellen wiederumb ann ihrer 
stete anzunemmen macht haben sollen. Derwegen auch die pre- 
diger von der chantzel und ein rath auf dem rathhauße die burger 
yermhanen und dazu reytzen selten, das ein yeder den jungen oder 
kindem, die ßich wol anstellen, einen alben ^ oder ß^), was ein 
yeder wil oder yermag, aus fireyen willen geben, das sie black, 
pappyr und anders, so ihnen in der schulen von nöten, dafhur 
kauffen. Den was ein yeder also zu furdern die ehre gottes gibt, 
solchs wirdt ehr aus seiner nharunge nicht mißen. Das auch die 
burger ihre kinder mit yleishse zur schuele halten und, weil ihnen 
die schuel geßellen ihre kinder instituiren und zu gueten kunsten 
halten, das die jenigen, die es vermugen, dieselben auch nach eins 
yeden yermuegen, der eine dießen, der ander einen andern tag 
ihnen die malzeit, damit sie ßich dester besßer underhalten können, 
beßorgen. Dann weil sie die ihren zur gotßeligkeit und in gueten 
künsten ufferziehen, sein die eitern auch ihnen von dem ihren (doch 
nach yermuegen) zu ihrer underhaltunge handtreychung zu thunde 
schuldig. 

Damit ßich aber auch niemants yon den bürgern seiner armuth 
und unyermuegens halben zu beclagen unnd sein kindt derhalben 
aus der schuele halten möchte, sollen die schuel geßellen die armen 
umb ßunst lemnen. Dann es offt erfharen, das aus solchen, die 
propter deum zur schuele gehalten, fhurtreffliche lewte, die den 



Sieben, Dr. iur. Lorenz Pankelow, Hauptmann Peter Heldorff zu Qrabow^ 
Hauptmann Achim Eleinow zu Dobbertin und der Notar Peter WefiPing. Die 
Visitation begann am 3. März 1563. 

•) d. h. Weißpfennige, deren Wert zuerst 6Vt ^ betrug. 



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Die Neueinrichtung der Partikularschule. 27^ 

kirchen und regimenten hernachmals überaus dienstlich gewefien, 
geworden sein. 

6. soll ein rath auch jehrlichs die schule aus den gemeinen 
holtzungen mit ettlichen truckenen bewmen bedencken, damitt die 
geJBellen und die kinder winterzeits keinen frosßt in der schneie 
pleiben mögen; dan solchs gereicht zu fui:derunge der ehre gottes 
und der stadt gemeinen besten, darumb der rath solche bewme 
fhur kein gelt so tewr yerkauffen als an einem solchen schätz, 
da got dem almechtigen und gemeinem nutz mit gedienet wirdt, 
anleggen kann. 

Abscheydt der schuelgeßellen.') 

Sie seint erstlich yermhanet, das sie ßich der gestaldt Ter- 
halten solen, das sie dem ministerio unverweißlich sein. Dan man 
Kette inspectores scole verordent, als nemlich beyde pastores, den 
burgermeister Georgen Claus, welcher den gueten kunsten ge- 
wogen wehre, sampt einem des raths. alls Tomas Qischen; die- 
ßelben selten sie dafhur halten, eheren und erkennen und ihnen 
in allen pillichen dingen volgen, dann dieselben würdig, wo sie 
recht und gotßelig lebten, über sie halten unnd sie auch yhor 
gewaltsamen uberfall beschützen und beschirmen selten, auqh in 
Sonderheit bedencken, welche grobe sunden sie begingen, wenn 
sie mit einem boßen ergerlichem leben der jugent, die ihnen under 
ihrer disciplin gethan wurde, fhurgingen, das auch der herr Christus 
sagt, das solchem, der der geringsten einen von den deinen ergert, 
beßer, das ihm ein möllenstein an den halße gebunden und damit 
in der tieffe des mehres geßenckt wehre, Mattei 19. Darumb 
selten sie sich befleißen, das sie der jugent mit gueten exempeln 
fhurgingen und sie des lebens halben unthadelhaiftig gefunden 
wurden. 

Unzucht, volßauffen und alles wildt und rohes leben solt von 
sie nicht gehöret werden, wie denn solchs zur vititatorn ersten an- 
kunfift durch den rath über sie wehre geclagt worden. Im fall sie 
hierüber handeln und solchs von ihnen mehr erfharen, wurden die 
inspectores sie ihren entphangenem bevelh nach endtlich erleuben 
und des dienstes entßetzen. 

Es betten die herrn visitatorn verordent, das sie den jungen 
den cathechismum in der gemeine leßen lasßen, darnach auch die 

') Die Schulgesellen waren nach dem Protokoll Johann Albinus, der 
Kantor Isaak Lönnies und als tertiarius Johann Mouwe; letzterer „hat frei tisch 
beim pastor, bekommt ihn aber nicht". 



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280 UrknndeD u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünteirichtswesena. 

knaben in der schuele examiniren, was sie von der predigt be- 
halten betten. Dergleichen wehre ihnen auch fhurgeschrieben, wie 
sie sich in der schuele und in der kirchen halten selten, welchs 
ihnen damit solt uberandtwordt sein, endtlich ir leben und weßen 
darnach zu richten. Mit eehrlicher cleidunge selten sie ßich auch 
dergestalt halten, das sie keinen szammit auf dieselben ßetzen 
liesßen noch zerbolgte Hoßen truegen, sich auch auff den abendt 
uff der straesßen nicht finden lasßen, damit sie nicht in ernstUcher 
straff genommen werden. 

Man bette auch mit dem rathe umb allerley anliggen der 
schuele geredet und ihm sonderlich auferlegt, die burger zu ver- 
mhanen, das ein yeder seine kinder mit vleisse zur schneien halten 
soll; dergleichen die Ordnung gemacht, wo ein armer man sein kindt 
zur schuele gehen liesße und das vermuegen nicht bette, das ehr 
dasßelbe darein kundt halten, selten die schuelgeßellen solche 
arme kinder propter deum lemnen, dan einem yeden under ihnen 
nach seinem stände dester eine besßer beßoldunge (die ihnen zu 
gelegener zeit durch den oeconomum eröffnet wurde) zu seiner 
underhaltunge verordent; ingleichen auch mit dem rathe yer- 
handelt, die burger anzuhalten, das sie die schuelgeßellen ein 
yeder nach vermuegen diesßen tagk einer, morgen ein ander sie mit 
einem halben oder gantzen tage in der wochen der mahlzeit halben 
versorgen selten, und das die inspectores alle halbe jähr die schuele 
visitim und der schuelmeister die schuler in ihrer jegenwertigkheit 
examiniren soll, damit man sich daraus des Schulmeisters und der 
schuler angewanten vleiß zu erkunden haben möge. 

Gleichfals wehre auch ein rath von wegen der landffursten 
angelangt, das sie die schuele jehrlichs jegen den winter mit ett- 
liehen trugkenen bewmen aus den gemeinen holtzungen ver- 
sorgen soll. 

Mit fhurerzeltem allen sie dann auch nach aller nothdurfft 
verßorget sein wurden. Darumb solt sich ein yeder, wie begert, 
nach seinem beruff also schicken und halten, wie ihnen solchs vor 
got und der weldt wol anstundt, welchs man ihnen also zum ab- 
scheide sich darnach zurichten und ernste straff zuvermeiden nicht 
hette verhalten wollen. 



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Die Stiftsschule zu Schwerin. 281 

30. 
Die Stiftsschnle zu Schwerin. 

1565. 1576. 

a. 
Stiftnngsafcte der Stiftsschule zu Schwerin« 

Güstrow. 4. Februar 1565. 

Von gottis gnaden wir Ulrich, hertzogk zu Megkelnburgk, fürst 
za Wenden, administrator des stiffts unnd graeff zu Schwerin, der 
lande Rostogk unnd Stargardt herr, thuen kundt unnd vor aller- 
menniglichen hiemit öffentlich bekennen: Nachdem in unserm 
stifft unnd sonderlich bei unser thumb - kirchen und schulen zu 
Schwerin allerhandt irthumb, spalt und oneinigkeit wegen zweier- 
handt der kirchen und schulen-diener bestallung und derselben Unter- 
haltung und reformation, welche vast uf eine onordnung und frembde 
gewalt wolt getzogen werden etc., eingerissen, daher wir sambt 
unnserm thumb - capittel nicht onpillig yorursacht, gotte zu ehren, 
beforderung unnd pflantzung seins heiligen woerdtz zu heilsamb- 
keit der christlichenn gemein, auch eintragk der kirchen und schuel- 
diener daselbst eine neuwe reformation bei gedachter unnser thumb- 
kirchen unnd schneien unnd unnter andern eine eigne gewisse Ordnung 
unnd bestallung derselben personen unnd dienere zu begreiffen und 
antKttrichten, wie dieselbe dan nhumehr der notturfft und muglich- 
keit nach Tor äugen unnd ins wergk bracht. Zu welcher Unter- 
haltung wir dan die prebenden, beneficien, lehne, vicarien unnd 
andere geistlichen gueter unnsers stiffts, capittels unnd thuemb- 
kirchen zw Schwerin angehoerig, ßo unter weltliche personen unnd 
alßo zu weltlichenn brauch, dohin sie nicht gehoerich, verendert, zu 
denen, so unns zu der notturfft unser capittel guetwillig abgetretten 
und ufgetragen, der notturfft nach eingetzogen und zu geregter 
kirchenn unnd schueldiener besoldung verordnet, inmaeßenn wir auch 
noch dieselben eintziehen und dohin vorordnen krafft dieses unsem 
brieffs, unter welchen eingetzogenen geistlichen lehnen unnd hebungen 
dan neben andern begriffen sein sollen alle derjennigen, ßo unsem 
kirchen oder schulen daselbst nicht dienen, alß da sein D. Simon 
Pauli, D. Thomings, L. Huberti, Baltzer Megkelnburgs, so etwan 
der raeth zu Schwerin ahn sich bracht, Jochen Kochs, Mattias 

Za 30a: Nach dem Abdrucke bei Wex, Zur Geschichte der Schweriner 
Oelehrtenschule. S. 31. 32. Teilweise druckt es auch Schmidt in den Bei- 
trägen zur Geschichte der Schweriner Domschule. 1808. S. 19. 20 ab. 



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282 Urknnden u. Akten zur Gescliichte des mecklenbnrgf. Unterrichtswesens. 

Kochs, Davidt van Hagens ^) unnd der vorstorbenen, 60 itz yaciren, 
über welche unnd andere mher innhaltz abergebene register unnd 
vortzeichnus wir den wolgelarten unsers stiffts-notarien und lieben 
getreuwen Jürgen Huebenern^) zum monitom, einnhemer unod 
oeconomum bestellet unnd angenommen, demselben hiemit auf- 
legend und beyhelend, solche hebungen unnd einkommen nicht 
allein ufs getrewlichste unnd vleissigste, wie er sich dessen yor- 
pflichtet, eintzumhanenn, zussamen zu brengen unnd ahn die orter, 
dahin sie Torordnet unnd bescheiden, den dienern außzuteilenn. 
sonndern auch, da er derselben stiffts unnd capittels guetter unnser 
thumbkirchen zu Schwerin angehorig unnd ettwa durch manniger 
band alienation, langen besitz oder sonstenn Yorschwiegen unnd on- 
kundig wordenn, mher auBrichtenn könne, solchs seines eußersten 
vleißes zuvorsuchen, inn acht zunhemen, eintzufordern oder zuvor- 
melden. Demnach gelangt ahn obgemelte besitzere der lehne 
hiemitt unnser gnedig begeren, ihr wollet in betrachtung dieser 
unnser christlichenn Verordnung, die wir dießmhals je pillig nicht 
soltenn umgehenn, dieselbenn eure hebungen abtretten, unnser kircben, 
dahin sie gehoerig, widderumb onweigerlich guetwillig uftragenn unnd 
zu befurderung des gottesdiensts, dartzu sie vorordnet, geregten 
unsem oeconomo volgen, einnhemen und damit disponiren lassen. 
Darahn geschieht die pilligkeit unnd unser meinung. Also auch 
thuen wir hiemitt unnsem ambtleuten sambt und sonderlich mitt 
ernst gepieten unnd bevhelen, im fhal jemand der obgeschriebenen 
oder andere sich widder geregte unser Verordnung unnd bevbelich 
wurden uflegen unnd weigerich ertzeigen, uf ersuchenn obgemelts 
unsers bestalten oeconomi Jürgen Huebenem alle unnd jede hebungen 
derselben in denn emptem eures vorwesens eintzufordern unnd zu 
bekommen hulfiflich unnd forderssamb zu sein oder zum weinigsten 
bei denn leuten zu arrestim zu bekümmern unnd biß uf unnser 
weyter erclerung antzuhaltenn, so vemne ihr selbst hernach darumb 
wollet onbeschuldiget sein. Darahnn geschieht auch unnser ent- 
licher wille unnd bevbelich. Deß zu bekunde habenn wir unnser 
fürstlich pitzschafft hieruntenn gedrucktt unnd mit eignen banden 
underschriebenn. 

Actum Güstrow, denn 4ten Februarii ao. etc. 65. 

^) D. Simon Pauli ist der rostockisebe Superintendent, ein Solin des 
Bürgermeisters Jobann Pauli zu Schwerin. Baltbasar Mecklenburg ist bemach 
Kloeterhauptmann von Ribnitz. Die Übrigen Namen wage ich nicht zu bentimmen. 

*) Jürgen Hübner ist 1570 unter den Domherrn, 1573 Senior des Kapitels; 
Riscbe, Verzeichnis der Bischöfe und Domherrn tou Schwerin etc. 1900, S. 32. 



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Die Stiftsschule zu Schwerin. 283^ 

b. 

Lehrplan der Stiftssehale za Sehwerin. 



Zum yierten, das diese folgenden lectiones der rector in e. 
f. g. schule den primanis gelesen und proponirt, als catechismum 
D. Davidis*) Chytraei, grammaticam Graecam et Latinam, quaestiones 
dialeotices Lucae Lossii, epistolas Ciceronis, Graeca evangelia und 
Phocylidem; neben diese lectiones hat er den primanis exercitium 
styli gegeben und dasselbe inen corrigiret. Den secundanis hat 
der rector proponirt das kleine corpus doctrinae ludicis,^) gram- 
maticam Latinam Philippi, epistolas familiäres Ciceronis a Sturmio 
colleotas, disticha Catonis, Latina evangelia dominicalia und ihnen 
ire scripta corrigiret, den tertianis aber corpus doctrinae ludicis, 
compendium grammaticae Philippi, epistolas Sturmii, disticha Catonis 
und Latina evangelia dominicalia. — Der conrector hat den primanis 
gelesen und proponiret Terentii comoedias, Yergilii bucolica, pro- 
sodiam und proyerbia Salomonis, den secundanis catechismum 
Lutheri Latinum, syntaxin, fabulas Aesopi und Locos communes 
eententiosorum versuum ex elegiis Catulli, Ovidii, TibuUi, Propertii, 
den tertianis catechismum Lutheri, elementa grammaticae Bonni 
imd fabulas Aesopi. Dieweil der cantor untuglioh und ungelahrt 
sein soll, hat er nur in der kirchen und schulen gesungen und die 
kleinen knaben, so da lesen lernen, yerbört. 

c. 
Die Tereinigang der Ffirstensehule mit der Stiftsschule 

zu Schwerin. 

Güstrow. 26. Juli 1576. 

Ulrich etc. Erbaar wirdige und wollgelarte liebe andechtige 
und getrewen ^). Wir geben euch gnediger meynung zu erkennen, 

Zu 80 b: Nach dem Abdruck bei Wex, Zur Geschichte der Schweriner 
Qelehrtenfichule. S. 32. 

a) Verb, ans »Danielis". 

b) Verb, aus ^ludices*. 

Die Stelle ist ans einem Bericht des Superintendenten Simon Pauli zu 
Rostock an den Herzog Ulrich entnommen. Jener war ein SchQler des Daberkns, 
von dem er mit Begeisterung spricht in der Rede ,De oppido Suerino", in 
der lat. Übersetzung der Chronik Hederichs bei Westphalen, Mon. inedita etc. 
Tom. UI. Sp. 1688 ff. 

Zu aOe: Nach dem Abdrucke bei Wex, Zur Geschichte der Schweriner 
Gelehrtenschule. S. 39. 

^) Angeredet ist das Domkapitel. 



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284 Urkunden u. Akten znr Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

das wir gemeint, beide schulen zu Sohwerihn umb der lieben jogendt 
besten und unser thumkirchen und stadt Schwerin wolstands wUlen 
zusammen zu stoßen. «Dieweill aber M. Joannes Pauli daselbst 
lestlicher gewesener rector ann einen andern orth ^) zum predigampt 
Yociret und sich nunmehr der schulen nicht annehmen solle und 
wir entlich entschlossen, Magistrum Bernharden Heydenreich, unsers 
gotseligen lieben bruder in s.l.') schulen gewesenen rectoren, hin- 
wider in unsere stifftschule zum ordentlichen rector zu bestellen, 
also begem wir gnedigk, ihr wollet euch daselbst zu Schwerihn 
auff nächstem bartholomeitagk gewißlich bei uns finden und an- 
geben lassen, unser meinung desfalls von uns anhören und uns des- 
falls femer mitt bestellung desselben newen rectors nebenst andern 
delibirim und schließen helffen. Nichts desto weniger aber wollet 
ir, Jörge Hübener,^) angesichts briys euch gegen Schwerihn verfugen 
und in unserm und unsers capittels nahmen gedachten Magistram 
Bemhardum Heidenreich an die thumbschule, diselbe biß man femer 
mitt ihm uff kunfftigk Bartholomei handien und einer gewissen 
bestallung einig werden möge, nebenst dem conrector und cantor 
zu verwalten mit gebührlichen solenniteten anwisen und intromit- 
tiren, darmit die Jugend nicht yerseumpt oder die schuU ganz 
verwaiset werden möge. Daran etc. Güstrow, 26. Julii 76. 



31. 

Schulgesetze nnd Pensenordnung 
an der Schule zu Wismar. 

1566. 

a. 
Gesetze für die Lehrer an der Sehule zn Wismar. 

[Wismar] 1566. 

1. Ordiantur cantiones diebus dominicis mox absoluta matutina 
contione in omnibus templis, diebus vero profestis paulo post 
sextam. 



*) Johann Pauli ging als Pastor nach Waren, 1578 nach Wismar. 

*) d. i. seiner Liebden. 

*) d.L der ökonomns nach 30 a. 

Zu 81a; Abgedmckt bei Grain, Die Reformation der christlichen Kirche 
in Wismar. 1841. Ich habe den Abdruck mit Wigands Handschrift im Geh. 
und Hauptarchiy zu Schwerin verglichen. Die Überschrift — nicht von Wi- 



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( 



Schulgesetze und Pensenordnung an der Schale zu Wismar. 285 

2. Canant et regant chorum decenter. Alternis Latine et 
Oennaxiice canant, aut quoties pastori ecolesiae yidebitur, Latme 
Tel Germanice canant. 

3. Ante altare pueri canant fiexis genibus: Benedicamus, et 
alia, quae memoriter et soli pneri canunt. 

4. Interspergant et alias pro tempore GFennanicos hymnos, ut 
et popnlus habeat occasionem canendi et populo Tersus a canto- 
nbus inchoentor. 

5. Ita moderentar et regant cantiones, ut diebus dominicis 
octava, profestis septima mähe pastor suggestum conscendere possit. 
Et ante oontionem diebus dominicis semper canatur: Wir glauben. 

6. Yesperas pomeridianas horam ante contionem inchoent et 
diebus dominicis Germanicos psalmos immisceant. 

7. Obtemperent pastori gubernanti ecclesiam proque ipsius 
arbitrio ac iussu cantum regant. 

8. Pueros ita regant, ut concordi voce canant et in gestibus 
omnibuB verecundiam et pietatem prae se ferant. Ipsi quoque prae- 
ceptores sese in templo ita gerant, ne nugentur aut indecoro gestu 
Bcandalum yel pueris vel reliquo populo praebeant. 

9. In deducendis funeribus pueros dirigant, praesertim ante- 
riores. 

tO. Ut diebus dominicis simul adsint duo canentes in templis. 
11. Ad letaniam omnes conveniant pueri cum omnibus coUegis. 
Decretum et hoc est, ne rector ullum coUegam in cuiusquam 
templum introducat, nisi prius riobis praesentatum. 

Ad conditiones, quae collegis scholae proponi solent, 
hae adiiciantur 

1. rectori seorsim. 

1. Ut regat duo: 1. scholam, 2. ecclesiam. 

Scholam : Ut et ipse legat convenientia pueris et reliqui. Item 
üt horas obserrent omnes. Item ut modesti sint omnes et nuUus 
ferator, qui scandalosus sit. Ecclesiam: Ut iusto tempore sint in 
choro. Canant omnia, quae debent, regant pueros in templo et 
observent. 

gands Hand — lautet: D. Johannes Wigandos Sup. haec seqnentia üs, qui 
praefaernnt scholae Wism. (teste ipsius manu et aliis fide dignis) proposuit 
^ «X officio iniunxit Über den besonderen Gesetzen steht das Datum : Anno 
1566. 18. September. 



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286 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswes eng. 



2. Ut bonis moribus praeeat tum collegis, tum pueris, vitet 
levitatem in potu et reliquis vitae partibus. Item diebus dominiois 
honesto vestitu sit in templo. 

2. Collegis seorsim. 

Ne quis recipiatur aut deponatur sine cognitione et consensu 
superintendentis, qui eos examinatums est. 

Obtemperent rectori in scholasticis operis et tali ratione doce- 
ant iuventutem, sicut ipse praescribet. 

Horas certas observent et fidelitatem praestent tali cum con- 
ditione. Quod si neglexerint horam, iudicio*) rectoris mulotandi sunt. 

Yitam agant piam et pudicam in sennonibus, factis et vestitu. 

Ad nullas prorsus nocturnas choreas accedant, nisi nuptias 
accesserint ut reliqui convivae. Si Tero convivio non interfuerint, 
prorsus non accedant Quod si yero id fecerint, statim priventur 
sua functione. Alias quoque si convivae fuerint, tempestive domum 
se recipiant neque maximam noctis partem potationibus et levita- 
tibus aliis consumant. 

In reliqua etiam vita ebrietates et alia peccata scandalosa 
vitent. 

In vestitu honeste se gerant. Non militanter scindant caligas. 

Et diebus dominiois longiori et honestiori veste utantur im- 
primis. 

In deductionibus funerum decore regant coetum puerorum. 

E templis, quamdiu publica sacra et contiones peraguntur, non 
egrediantur. Et inter contionandum ipsi etiam auscultent, non 
dormiant, non legant alia, quae scändalum tum pueris tum ceteris 
■auditoribus praebent. 

Domi etiam sua studia non negligant. 

b. 
Ordo lectlonnm an der Sehule zu Wismar. 

Wismar 1566. 

In prima classe : Qrammatica maior Philippi, evangelia Graeca 
dominicalia et epistolae aut Novum Testamentum vel alius autor 
Oraecus, Chytraei catechesis, Yirgilius vel alius poeta Latinus, 
adiuncta Murmelii prosodia, Philippi rhetorica, Ciceronis orationes, 

a) Verb, aus .quod iudicio*. 

Zu 81b: Abgedruckt bei Schröder, Kirch enhistorie, 11. S. 615. 516. 
Dr. Techen in Wismar vermißt jetzt das Original im Batsarchiv. Rektor war 
damals M. Johannes Walbom. (1566—1572.) 



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Schulgesetze und Pensenordnung. — Aus der Konsistorialordnung. 287 

grammatica GFraeca Clenardi aut syntaxis Graeca M. Job. Posselii, 
dialeotica Philippi, Ciceronis epistolae, catechesis Lutheri Germa- 
nica, TerentiuB etc. 

In secunda classe: Philipp! syntaxis maior, Petri Mosellani 
tabulae de tropis et sohematibus, Terentius, catechesis Lutheri 
Oermanica, colloquia minora Erasmi^ ludicis corpus doctrinae. 

In tertia: Syntaxis Benno adiuncta, Erasmi libellus de civilitate 
morum, eatechesis Germanica, Aesopi fabulae, evangelium Latinum, 
Philippi grammatica minor, Catonis disticha, corpus doctrinae 
ludiciB. 

In quarta: Latina evangeiia in templis populo proponenda, 
vocabularium quoddam, catechesis Germanica Lutheri, formulae 
pueromm seu dialogi Latini et Germanici etc. 



32. 
Ans der Konsistorialordnung des Stifts Schwerin. 



1567. 



Das erste teil. Von den personen und anfänglich von den 
Superattendenten. 

Der superattendent zu Schwerin soll eine gelarte und tugliche 
persone sein, die in dem äusserlichen handel und wandel kein 
ergernus an sich habe, der soll seinem ampt in gottes anruffung 
und furcht getreulich vor und darob sein, daß in kirchen und 
schulen die christliche reine lehr, inmassen sie in der biblischen, 
prophetischen, apostolischen, gottlicher schrift verfasset und der 
wahren reinen auspurgischen konfession und unser lande kirchen- 
Ordnung gemeB öffentlich bekant, gepredigt, lauter und rein fort- 
gesazt und erhalten werde; und wofern sich jemand darwider zu 
lehren, predigen, schreiben oder lesen öffentlich oder heimblich 
understehn wurde, soll er mit vermahnung, oder da es von nöten 
sein wird, mit der gelarten sinodis und versamblung und lezlich 
durch der kirchen gezwang solchem unrat zeitigen vorkommen, und 
wan die sich nicht wieder auf die rechte bahn durch christliches 



Zn 82: Etwa gleichzeitige Abschrift in der Bibliothek der Landes- 
nniyersität Rostock: Mss. Meckl. 0. 113. ' 



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288 Urkanden u. Akten zur Geschichte des znecklenbnrg. ünterrichtswesens. 

Termabnen weisen lassen wollen, so sollen die in nnserm stift nicht 
geduldet werden. 

Femer soll der süperattendent sampt denen, welche wir ihnie 
zuordenen wollen, zum furderligsten eine christliche ordentliche 
Yisitation mit allen und jeden zugehörigen stucken vor die hand 
nehmen und was an personen, auch abzug und mißbrauch der 
geistlichen und sonst Unrichtigkeit gefunden, zu gottseliger christ- 
licher Ordnung und gottlichen ehren, so viel an ihme ist, brengen 
helfen. 

Yor d£ts dritte, so soll er in kirchen und geistlichen aachen 
inhalts dieser Verfassung mit seinen zugeordenten die gericht vor- 
Wesen, die sachen, welche die guetliche handelung ihrer art nach 
leiden wollen, zur christlichen yorsohnung mit fleiß vorhandeln, und 
da die guete entstehet, als den parteien urteil und unverzüglich 
recht geben helfen 

Das ander teil: Yon Sachen und personen, die vor das consiatorium 
gehörig. 

Erstlich was glaubens und dan auch gewissens sachen sein, 
item ein aufsehn zu haben, daß es ordentlich und christlich in 
kirchen und schulen mit der lehre, lektion, ceremonien und allen 
andern gottesdiensten zugehe und gehalten werde. 

Jtem das kirchen, kirchhöve und schulen in notturftigen ge- 
beuw und Verwahrung erhalten und nicht verfallen. 

Jtem, was die priester, kirchen, schuldiener und alle andere 
geistliche personen in der lahr, auch ihrem leben, handel und 
Wandel und allen anhangenden ihrem ampt betrifft. 

Jtem, daß die einkommen und gueter bei schneien, kirchen 
und zu gottlichen milden sachen erhalten und die ausstehende 
schulde eingefordert und, was davon durch die vom adel oder 
andere de facto underzogen, wiederumb in gottes ehre, darzu es be- 
wiedembt, so viel es sich zu recht eignet, auf vorgehende verheer 
und Cognition gebracht werde 



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Die Vereinbarang des Domkapitels zu Schwerin mit dem Administrator. 289 

33. 

Die Vereinbanmg des Domkapitels zu Schwerin 
mit dem Administrator betreffs des Schulwesens. 

1568. 1590. 

a. 

Yertrag in betreff des Kirehen- und Schulwesens zwischen 

Herzog Ulrich und dem Domkapitel zu Schwerin. 

Bützow. 21. Februar 1568. 

YoD gotts gnaden, wir Ulrich, hertzog zu Mechelenburg, flirst 
zu Wenden, administrator des stiiFts und graff zu Swerin, der lande 
Rostock und Stargard harr, thuü hiemit vor unB und unsere succes- 
sorn, nachkamende bischoff oder administratom des stiffts Schwerin 
und sonsten allmaenniglich kund und bekennen: Nachdem wir unfi 
mit dem ehrwürdigen probst, dechant, senior und ganzen capittel 
unsere thumbstiffts Schwerin eine christlichen reformation yor- 
glichen, darauf zu der ehre gottes, erbreitung seines heiligen allein 
8eli[g]machenden worts, christliche auferziehung der jungen jüg[gend] 
und viele heil und wolfart geregt unser stiff[ts und] thumbkirche 
zu Schwerin mit einem superattende[nten, nohtdürffjtigen kirehen 
und schuldienem, der augsburgischen confes[sion yerjwandt und 
zugethan yorsorget, [wejlchen [kirch und] schuldienem yon unsen 
gemeinen stiffts und cap[itels] einkommen und hebung ihre be- 
solduug und underhalt yo[r]ordenet und darzu eine oeconomei be- 
stellet, zu welcher behueff und notturft geregt unser thumbcapit- 
tul ihres theils uns derselben dorf Jordenshagen ^) mit alle des- 
selben zugehörigen herrlicheiten und gerechtigeiten, daran ihnen 
nichtes vorbehalten noch aussbeschieden, Inhalts des darauf lauten- 
den und unß zugestalten brieffen und siegeln neben ihrem einhelligen 
versiegelten consens und volgebrieffe, zusampt einer probenden uff der 
sultzen zu Luneborg, jerlich funftzig gülden tragend, deren letztn 
besitzer er Emestus Rottmann, etwa prediger unser thumbkirchen 
zu Schwerin gewesen,'^) und dan einem beneficii zu Malletin ambts 
Greveßmollen, deßelben letzte besitzere er Hainrich Stampe und 
Sigemunt Zweng gewesen, sechzehn marck jerlich gebend, zue 



Zn 83a: Nach einer 1884 gefertigten Abschrift im Geh. Archiv zu 
Schwerin; s. auch Westphaleui Mon. inedita, Tom. IV, Sp. 1145» 1146. 
^) Zu Jürgenshagen s. Jahrb. 47, S. 172. 
*) Zu Bottmann s. Jahrb. 13, S. 172 und 18, S. 38 Anm. 3. 
Monnmenta Oennaniae Paedagogica XXXVIU 19 



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290 Urkanden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünterrichtswesens. 

hulf solcher Unterhaltung gedachter kirchen und schuldiener 
resignieret, abgetretten und unß wircklich instituiret und daran ge- 
wiesen, unsers besten gefallens alß mit eines administratoris deß 
stiffts eigenthumlichen guete damit zu gebähren, daß wir unß da- 
gegen und wiederumb gegen obgemelte probst, dechant, senior 
und gantzen capittul unsers thumbstiffts fürstlich vorwilligt und 
vorsprechen, verwilligen und vorsprechen unß auch noch gegen- 
wertig fürstlich vor unß und unsere nachkommende bischoff und 
successorn deß stiffts, obgedachte verordente kirchen und schul- 
diener, ohne einige unsers capittulß weiter zuthun auß unsem eigen 
fürstlichen und bischoffs oder aber bischoffs cammer guetem jer- 
lichen für und furo zubesolden und zu unterhalten, und solle da- 
mit mehrgemelt unser thumbcapitul an deßelben eignen hebungen 
und nutzbarkeiten hinfure in ewigkeit nitt weiter belegt, be- 
muehet oder beschweret werden; alleß craft dießes unserm ihme 
dem capittel gegebenen und mitgetheileten reverses, den wir mit 
unserm anhangenden fürstlichen insiegel und unser unterschriebnen 
handschrifft für unß und unsere nachkommen wissentlich beglau- 
biget und bekrefftiget. Geschehn uf unserm Stifts hauße Butzow 
den 21. februarii nach Christi unsers hem und seligmachers ge- 

buert im 1568 jähr. 

Ulrich h. z. Mehelenburg. 

b. 

Stiftung eines Stipendiums seitens des Domkapitels für die 

Domschnle zn Schwerin. 

Schwerin. 25. Juni 1590. 

In nomine sanctae et individuae trinitatis ac domini nostri 
lesu Christi, qui est iustitia et salus nostra. Amen. Nos Henricus 
de Luhe praepositus, Otto Wackerbart decanus,^) Ludolphus 
Schack senior caeterique canonici ecclesiae Sverinensis notum 

Zu 88 b: Unter der Überschrift „Fundatio annui beneficii a capitalo 
dioeces. Swerinens. in scholasticos scholae eiusdem collati^ abgedruckt bei 
Westphalen, Mon. inedita, Tom. IV. im Diplomatarium Mecklenbargicmn mia- 
cellnm ex authenticis membranis et chartis descriptum Sp. 1162. 1163. Verfasser 
des letzteren ist Georg W, Pastor in Schwerin. Siehe auch Hederichs Schwe- 
rinische Chronica. 1598. Bogen N. Nachrichten zu diesem Stipendium finden 
sich bei Schmidt, Kleine Beiträge zur Geschichte der Schwerinschen Dom- 
schule. 1812, S. 2 ff. Das Stipendium wurde beim Tode des Propstes Otto 
Wackerbarth 1599 wieder zurückgezogen; Stuhr, Festschrift zum Jubiläum. 
1903. S. 12. 

1) Zu Otto Wackerbarth s. Jahrb. 49, S. 231. 



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Die Vereinbarung des Domkapitels zu Schwerin mit dem Administrator. 291 

facimus umTersis et singulis hasce litteras legentibus, quod, cum 
Bcholae Syerinensis seu cathedralis cultum scholasticum magis 
magisqae diminui partim ex praeceptorum multis querelis, partim 
nobis ipsis ex frequenti adspectu testibus cognosceremus, singulari 
erga perfectam scholam amore ac benevolentia, e pio pristinum 
eius decus tuendi studio graviter, ut par est, adfecti sumus. Quod 
ut re ipsa potius testaremur, quam aut vultu aut verbis tantum 
prae nobis ferremus, maturo consilio praesenti futuroque forte 
damno maiori, quantum facultates nostrae patiuntur, succurrere 
Yolnimus. Itaque diligenti longaque deliberatione adhibita com- 
muni tandem totius capituli consensu decrevimus de reditibus nostris 
annuis ad dei optimi m. gloriam propagandam *) et fulcieudum 
scholae incrementum et excitandam maiorem inter scholasticos 
aemulationem et industriam quotannis conferre centum marcas 
Lubecenses, quas rector eiusdem scholae pro tempore a monitore 
capituli nonis Decembr. d. Nicoiao sacris postulabit, facto initio ab 
anno currente nonagesimo. Hamm centum marcarum quindecim 
praeceptorum infimo in orthographia et arithmetica pueros infor- 
manti in salarii auctionem numerabuntur, octoginta quinque stipen- 
dia puerüia nominabuntur et cum pietatis in deum ac praeceptores, 
tum doctrinae et diligentiae et modestiae in moribus studiisque 
erunt praemia inque singularum classium sex scholasticos distri- 
buentur proportione geometrica ita, ut in suprema classe primus 
eorum, qui, sicut dictum est, eruditionem studiaque sua praecep- 
toribus caeterisque dominis examinatoribus probarunt, decem marcas 
accipiat, secundus novem, tertius octo cum dimidia, quartus octo, 
quintus Septem cum dimidia, sextus Septem. In media classe 
primus quinque marcas, secundus quatuor, tertius tres cum dimidia. 
quartus tres, quintus duas cum dimidia, sextus duas. In infima 
classe primus solides ^iginti, secundus octodecim, tertius sedecim, 
quartus quatuordecim, quintus duodecim, sextus decem. Quae 
reliquae sunt marcae novem cum solidis sex, inter caeteros classium 
pueros pro arbitrio et censura praedictorum dominorum distri- 
buentur singulatim, ne Uli quoque neglecti videantur aut nuUum 
sese facti non minus officii fructum percepisse doleant aut querantur; 
fitque haec distributio habitis examinibus ita, ut dimidia coUatae 
perceptaeque pecuniae pars cedat examini autumnali, altera ver- 
nali. Quibus examinibus si plures nequeunt, duos certe ex cano- 
nicis nostris Interesse volumus et reverendum ministerium eiusdem 



a) Verb, aus propagandum. 

19* 



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292 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

ecclesiae Sverinensis nee non senatores aliqui, et si qni ex civibus 
idonei iudicabuntur, eos quoque adfaturos speramus, adesse certe 
licebit; volumus etiam et statuimus, ut in pnerilium stipendiorum 
perceptione absque TtgoooyTtoltjtpla scholastica eraditio industriaque 
et cum progressus in studiis tum in moribus honestas spectetar, 
nulla vel prosapiae vel familiae vel aetatis yel patriae yel loci 
sessionisve ratione habita. Statuimus item, ut qui stipendia illa 
puerilia perceperunt scbolastici, gratos sese beneficiique memores 
capitulo praebeant scripto aliquo a primanis recitato et distichis 
quibusdam a secundanis compositis et cum dicto sententiaque aliqua 
insigniori Latino - Q-ermanica a tertianis probae loco capitularibus 
intra hebdomadem^) exhibitis. Quod si qui etiam ex perceptoribuB 
stipendiorum tantos deo propitio in studiis progressus fecissent, ut 
aliquando ecclesiae scholaeve Sverinensi usui esse possent, operam 
suam iisdem offerre meminerint, hac spe atque fiducia quod non 
minorem ab Ulis quam ab aliis laborum suorum mercedem sint 
accepturi; utque ex laboribus molestiisque suis in examinando 
reverendum ministerium cum praeceptoribus voluptatem capiat ali- 
quam, ipsis quoque ex beneficentia nostra cannjos (kannen) vulgo 
Stäbchen yini quatuor quotannis constituimus, quos illi ab eodem 
monitore nostro, quandocunque volent, postulabunt. Postremo ut de 
nostro innoyandi promoyendique ordinem scholasticum studio nemini 
dubium sit, praesens beneficium rebus capituli magis florentibus 
accessione aliqua nos aucturos et pro confirmatione et auctione 
illius apud reyerendissimum atque illustrissimum principem ac 
dioeceseos administratorem dominum Udalricum quamprimum et 
quam diligentissime elaboraturos promittimus et poUioemur, reser- 
yata tamen nobis fundationis huius et benignae constitutionis (sed 
sine omni illius diminutione) emendatione. Quae uniyersa et singnla 
ut rata semper et firma inyiolataque habeantur, hisce litteris atte- 
stamur appensoque usitato capituli sigillo confirmamus. Actum 
Swerini in loco capitulari solito. Anno domini 1590 postridie 
lohannis Baptistae. 



b) Verb, aus hebdomadam. 



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Aus der meoklenburgiBcfaen Kirchengerichts- oder Konsistorienordnang. 293 

34. 

Aus der mecklenburgisclien Kirchengericlits- oder 
Konsistorienordnimg- 

Güstrow. 31. Januar 1570. 

Von gottes gnaden wir Johans Albrecht und Ulrich gebrüdere, 
hertzogen zu Meckelnburgk, fürsten zu Wenden, graven zu Schwerin, 
der lande Rostock und Stargardt herren, entbieten allen und jeg- 
lichen unsern prelaten, herren, landt unn hoffräthen, auch professorn 
unserer universitet zu Rostock, desgleichen den Superintendenten, 
pfarherren, predigern, haupt und amptleuten, denen von der ritter- 
schafft, küchmeistem, schultessen, zölnern, bürgermeistern, richtern 
und räthen der stedte, schulmeistern, gemeinden und andern unsern 
unterthanen, zugehörigen und verwandten, unsern grus, gnad tmd 
alles guts zuvor. Erwirdige, edle, veste, wirdige, liebe andechtige 
räthe und getrewen. Nachdem uns der ewig almechtig getrewe 
gott zu diesen letzten bösen zeiten sein heiUges wort auß unaus- 
sprechlicher gute und barmhertzigkeit geoffenbart und zuerkennen 
geben, welches wir auch mit hertzlichen freuden und dancksagung 
angenommen, unsern underthanen lautter und rein predigen und 
fürtragen lassen und durch gottes gnad bis anher getrost und un- 
erschrocken bekandt, auch vermittelst seiner hülff und beystandts 
bis in unser grub dabey zu verharren und dasselbig als den edelsten 
und theursten schätz dieser gantzen weiten weit unverfelscht auff 
unsere nachkömling zu bringen uns nicht allein in krafft unsers 
obliegenden von gott befohlenen ampts schuldig erkennen, sondern 
auch höchstes fleis angelegen sein lassen, in massen wir auch umb 
solcher Ursachen willen unser universitet zu Rostock mit einem 
atadtlichen järlichen einkommen zu Unterhaltung der lerer der 



Zo 84: Der durcbleuchtigen hochgebornen fUrsten und herren, herrn 
Johans Albrechts und herren Ulrichs gebrüdern, hertzogen zu Meckelnburgk, 
fürsten zu Wenden, grafen zu Schwerin, der lande Rostock und Stargart herren 
kirchengericfats oder consistoriiordnung. In ihrer f. g. universitet zu Rostock 
angerichtet. Im jar nach Christi unsers herrn geburt MD. LXX. Rostock. 
Gedrückt durch Jacobum Lucium. Bogen E4. Das erste Erachten für unsere 
Konsistorialordnung stammt aus dem Jahre 1552, ein zweites von 1564; ein 
drittes von 15(57 überarbeitete 1569 der Kanzler Heinrich Husan, wie neuer- 
dings der Biograph Husans, Merkel, in seinem Werke, Heinrich Husanus. 1899. 
S.96, 107, 116, 118, 176 dargetan hat. Zu den ersten Erachten s. Otto Mejer: 
Zum Kirchenrechte des Reformationsjahrhunderts. 1891. S. 87 ff. — 



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294 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichts wesens. 

heiligen schrifft und anderer guter löblicher künste, auch der armen 
unvermügenden jugendt sonder rühm fürstlich und mildiglich be- 
gabt, versorgt und versehen, und wir dan die zeit über, so wir aus 
göttlicher Verleihung in unserer fürstlichen landtregierung gesessen, 
mehr dan zuviel vermerckt und befunden, das es gantz und gar 
ein unmüglich werck, die wäre religion, rechtschaffenen gottes dienst, 
heilsame nützliche und wolgeordente ceremonien, christlichen ge- 
horsam und wandel, ehrliche gute zucht, auch friedfertige gleich- 
stimmige einhelligkeit in kirchen und schulen zu erhalten und 
dagegen ergemus, mißbrauch, zwispaldt, gezenck, unrath und Zer- 
rüttung, von welchen unsere Widersacher ursach und gelegenheit 
zu Verachtung, Schmähung und lesterung des heil wertigen und 
alleine sehligmachenden worts gottes nemen, abzuwenden und zu- 
verhüten, ohne bestellung, vorwaltung und handthabung eines ge- 
meinen gewissen und bestendigen kirchengerichts, zu dem auch 
das zu hofe und vor unserm landtgericht den ehesachen und andern 
zu kirchen und schulen gehörigen hendeln schwerlich mit fug und 
bequemigkeit abgewartet, noch dieselbige jederzeit nach erheischung 
der nodturfft ordentlich und schleunig verhört, vorrichtet, entscheiden 
und geörtert werden können. 

Als haben wir demnach zu gotts lob, rühm und preis, heiligung 
seines theuren namens, pflantzung und außbreitung seines seligen 
worts und fümemlich zu gemeinen trost, erbawung, wolstand, fned, 
ruhe, einigkeit, schütz und schirm der kirchen und schuldiener in 
unsern landen und fürstenthumen mit vorgehaltem gutem zeitigem 
rath vieler bewärter trefflicher gelerter und erfahrner personen von 
unsern theologen, auch hoff und landträten nachfolgende Ordnung 
eines christlichen rechtmessigen consistorii oder kirchengerichts be- 
griffen und fassen lassen, mit sonderlichem fleis und andacht bey 
uns selbs erwogen, auch beliebt, beste tigt und durch den offenen 
druck publicirt, der ungezweiffelten hoffnung und Zuversicht, wan 
solche notwendige und heilsame bestellung des regiments der 
kirchen nicht lenger vorseumet noch verzogen', sondern auff gottes 
befelch durch uns trewiich und nach dem maß unsers von seiner 
almacht gnediglich verliehnen vermügens ins werck gesetzt, christ- 
lich gefürt und gehandthabt und also nach gottes reich als dem 
höchsten gut zum ersten und fürnemsten getrachtet wirdt. Es 
werden auch alle ratschlege, hendel und arbeit im weltlichem 
regiment laut seines wahren unwandelbaren verheissung und zusag 
umb so viel destomehr segens, glucks, schleuniges fortgangs und 
gedeiliches auffnemcns gewinnen und behalten. 



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Aus der mecklenburgischen Kirchengerichts- oder Konsistorienordnung. 295 

Demnach und dieweil diese Ordnung umb obgehörter Ursachen 
willen von uns christlich, fürstlich und wolmeinlich bedacht, fürge- 
nommen, volzogen und ins werck gerichtet ist, so wollen wir uns 
nicht allein keinen zweifei machen, es werden alle guthertzige, der 
reinen evangelischen lehre, rechtschaffenes gottes diensts, christ- 
licher ubung, gehorsams, zucht und wandeis, auch fridtsamer^ got- 
seliger einhelligkeit in kirchen und schulen liebhabende underthanen 
ein sonderlich frolocken hierüber schopffen und dem almechtigen, 
der ein gott und stiffter Ordnung ist und wil, das alles in seiner 
auserwelten geliebten gemeinde gebürlicher heilsamer und ordent- 
licher weise zu gehen soll, von grundt ihres hertzen darvor lob 
und danck sagen, sondern wir befehlen auch hiemit gnedig und 
ernstlich, das sich alle unser underthanen, was wirden, standts oder 
Wesens die seyn, dieser unserer Ordnung in zutragenden darin be- 
griffenen feilen durchaus gemeß verhalten, aus derselbigen mit 
solcher gehorsamer folge unweigerlich nachkommen und geleben, 
wie sie begeren den zorn gottes, auch unsere straff und ungnadt, 
die allen den jehnigen, so muthwillig und vorsetzlich dawider 
freveln, thun oder handien werden, unableßig begegnen wirdt und 
osll, zuvermeiden. Darauff ein jeder verwarnet sey und sich dar- 
nach zurichten wisse. 

Das ist unser gnediger und ernster wil und meinung. Datum 
in unser stadt Gustrov den letzten tag Januarii dieses 70. jars der 
wenigem zal. 

Vom ampt der kirchenrethe. 

Der kirchenrethe ampt soll fürnemblich seyn, für sich und 
neben den Superintendenten hierauff zusehen, damit die pfarherr 
und diener des evangelii dem heiligen götlichen wort gemeß ein- 
trechtig und gleichförmig predigen und lehren, derwegen auch die 
heilige schrifft fleißig studiren, auff das sie die reine christliche 
lehre dem volck trewlich fürtragen und sich aller rotten, secten, 
Yordechtiger bücher und lehre, welche der wahren augsburgischen 
confession, derselbigen apologien, den schmalkaldischen artickeln, 
auch unserer publicirten kirchenordnung wiederwertig gentzlich ent- 
halten 

Es sollen auch die pfarherrn, seelsorgere, prediger und andere 
kirchendienere, da inen etwas zuleide geschieht oder einige un- 
billigkeit oder abbruch oder schmelerunge an iren geordenten ein- 
kommen, güteren und nutzungen widerfehret, es geschehe gleich 
solchs, von weme es wolle, sich bey unseren kirchenrethen jeder- 
zeit schütz und schirms genossen und sie ersuchen, das sie ire ge- 



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296 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbarg. Unterrichtswesens. 

klagte beschwerung an das ampt, rath oder herschafft, darunder 
die Sache gehörig, vermüge unserer kirchenordenunge gelangen 
lassen und umb abschaffung, auch besserung solcher mengel und 
gebrechen anhalten 

Yon Sachen und personen, die dieses kirchengerichts 
Jurisdiction unterworffen sein sollen. 

Vor diß unser consistorium sollen erstlich und fürnemblich ge- 
hören alle streit unn disputation von der christlichen lehre und 
glauben, auff das gott zu ehren und zu vieler menschen Seligkeit 
die göttliche lehre rein und unverfelschet in diesen unseren von 
gott verliehenen landen erhalten und auff die nachkömling gebracht 
werden. 

Alle Sachen, so der kirchen, schulen, hospitalien und gemeins 
kastens guter, lehen, einkommen, nützung, gebew und besserung, 
darzu der kirchen und schulen dien er besoldung, vocation, ampt, 
dienst, leben, wandel, translation und enturlaubung betreffen. 

und alle gemeine und schlechte irrungen, so sich zwischen 
den Superintendenten, pastorn, diacon, schulendienem und custem 
unter inen selbe zutragen. 

Auch so jemand wider sie zuklagen hette in persönlichen und 
nicht dingklichen zusprüchen. 

Yon gewalt und Jurisdiction des consistorii. 

Das consistorium ist als ein gemein kirchengericht erwelet 
unn geordenet. Darum hat es auch in namen der kirchen macht 
und gewalt) in allen unseren landen und fürstenthümen gegen 
mennigliche, was wirden, Standes oder wesens der sey, niemandts 
ausgenommen, alle unchristliche ergerliche sünde, ubelthaten und 
laster, nach ordenung, macht und gewalt der Schlüssel, so Christus 
der kirchen gegeben und befohlen Matthei 16. 18. Johan. 20. mit 
ernsten und scharffen erinnerungen, vermahnungen, Warnungen, 
einreden, bedrawungen, Suspension von den sacramenten und anderen 
christlichen ubungen in der kirchen, auch der excommunication, in 
massen und nach der form, wie solchs hernach weiter erkleret, 
zustraffen. 

Es sollen aber alle Sachen, die anfangs an das consistorium 
gelangen, dem protonotario angezeigt und von ime ferner den 
kirchenräthen furgetragen werden, die sich dan insonderheit be- 



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Ans der mecklenburgischen Eirchengerichts- oder Konsisiorienordnung. 297 

fleißigen sollen, das die parteyen, fürnemblich aber die armen 
kirchen und schulendiener und andere dergleichen miserabiles 
persons nicht lange auffgezogen, sondern, so viel müglich, befördert 
und mit dem Unkosten verschonet werden. Wo auch die sache 
gering und nicht weitleufftig, so sol keiner partey dieselbige durch 
schrifftlichen proces auff zu ziehen gestattet virerden. 

Nach was rechten im consistorio zu sprechen sey. 

Erstlich in glaubens Sachen, was die religionis streit und Un- 
einigkeit von der lere oder gottes diensten anlangt, sol die einige, 
ewige, unwandelbare richts schnür seyn gottes wort in heiliger, 
göttlicher schrifft der kirchen geoffenbaret, davon 8. Paulus spricht:^) 
So jemandt ein ander evangelium predigt, als ich euch geleret 
habe, der sey verflucht, und Deut. 4, 12: Du solt nichts darzu 
thuen zu gottes wort und solt nichts davon nemen. 

Dieweil sichs aber offtermals zuzutragen pflegt, wan religions- 
streit und gezencke erregt werden, das helle, klare Sprüche der 
göttlichen schrifft in widersinnische meinungen verkeret und mancher- 
ley ungleiche unnd, wie sichs im eusserlichen schein ansehen lest, 
widerwertige sprüche angezogen werden, so ist nötig, das man die 
Sprüche in den propheten und aposteln, sonderlich wie sie in irer 
spräche (in Ebraeis et Graecis fontibus) lauten, sampt den umb- 
stenden fleißig gegen einander halte 

In anderen kirchen Sachen, als das examen catechismi, die 
formam administrationis sacramentorum , Visitation em, synodos, die 
caeremonien, lectiones, gesenge und andere kirchenübungen be- 
treffendt, soll unser kirchenordenung allenthalben gevolget werden. 

Von verierung und prescription wider der kirchen und 
göttlicher milder Sachen schult oder guter. 

Nachdem es sich offt unnd vielmals begibt, wann die debitores 
unnd schüldener der kirchen, gemeinen kastens oder anderer piorum 
locorum gemanet, der schuldt mit siegel und briefen überzeuget, 

das sie dagegen mit der praescription sich entschuldigen, so 

soll unser consistorium in diesen Sachen nach entstandenen hande- 
lungen gute fürsichtigkeit gebrauchen, damit die praescription 
zu Verderb und grossem nachteil kirchen und schulen, auch der 
hospitalien und armen heuser nicht leichtlich gestattet, besondem, 
so viel es sich zu recht leiden wil, hindersatzt werde 

') Gal. 1, 8. 



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298 Urkunden a. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesen?. 

35. 
Aus der Superintendentenordnimg. 

Güstrow. 31. Januar 1571. 

Von gottes gnaden wir Johans Albrecht unnd Ulrich, gebrudere, 
hertzogen zu Meckelburgk, Fürsten zu Wenden, graffen zu Schwerin, 
der lande Rostogk und Stargardt herm, entpieten allen und yeden 
unsern unterthanen und yorwanten unsem gnedigen grus zuvor 
und geben euch hiemit gnedichlich zuerkennen, als wir in unserer 
fürstlichen regierung fümemlich das reich gottes und die ehr 
unsers herm und heylandts Jhesu Christi zubefürdem unnd ver- 
muge unserer christlichen im offenen druck ausgegangenen kirchen- 
ordnung die reine lehr des evangelii, rechten gebrauch der hoch- 
wirdigen sacrament, ehrliche zucht, leben und wandel, ordentlichen 
beruff und einweisung der kirchendiener in ihr predigampt, recht- 
messige kirchen gericht über die ehesachen, kirchen und schuldiener, 
gebürliche Verwaltung der kirchen guter zu notturftigem unterhalt 
der kirchen, schulen, hospitalien unnd dero gebenden, auch exa- 
mination der Stipendiaten, so zum studieren und lemung gottes- 
worts und guter künste von uns vorlegt werden, trewlich zube- 
schützen und zu handthaben uns schuldich erkennen, auch ver- 
mittelst gottlicher hülff wolgenaigt seint, und aber von unsem 
lieben andechtigen und getrewen, den wirdigen und hochgelarten 
unsern Superintendenten und theologen berichtet werden,^) wie der- 
selben unserer christlichen kirchenordnung in etlichen notwendigen 
stucken bey vielen wenig folge geschehe, darzu sie unsere als der 
landts fürsten und obersten schützberrn und patronen der in unseren 
fürstenthumen und landen gelegenen kirchen gnedige hülffe unnd 
befürderung untertheniglich angeruffen, das wir demnach in diesem 
öffentlichen mandat von etlichen derselben articuln unserer christ- 

Zn 85: Originaldruck: Constitution der hertzogen zu Meckelburgk etc. 
Wie es binfüro mit den superintendeotzen, auch kirchen personen und gutem 
und etlicher dabey befundener mengel halben in i. f. g. landen gehalten 
werden soll. Gedruckt zu Rostock durch Jacobum Siebenbflrger. Anno 1571. 
S. 2 des Titelblatts: Johans Albrecht und Ulrich, gebrüdere, von gottes gnaden 
hertzogen zu Meckelnburgk, etc. dann: Das große Wappen. 15 S. Text. Abg'e- 
druckt auch in der Bärensprungschen Sammlung. Schwerin 1753 N. 4. Schröder, 
Kirchenhistorie. Teil III, S. 71ff. 

^) D. Chyträus hatte 1567 die Mängel des Kirchen- und Schulwesens dem 
Herzog Johann Albrecht aufgedeckt; s. mein Buch, Mecklenburg im Zeitalter 
der Reformation. 1900. S. 190. 



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Aas der Saperintendentenordnang. 299 

liehen Idrchen Ordnung uff vorgehabten reiffen rath unsere er- 
klerang und besiendige entliche mainung verfassen lassen, auch 
unsem superattendenten, amptleuten, patronen der kirchen, oeco- 
nomis, kirchengeschwomen und allen andern, die solchs angehet, 
in krafft dieser unser offenen Constitution hiemit ernstlich einge- 
bunden und aufferlegt haben wollen, das sie über dieser unser 
Ordnung in allen nachgesetzten puncten trewlich und festiglich 
halten. 

Anfenglich und zum ersten soll allen und ydem unsem Super- 
intendenten, pastom, Seelsorgern, kirchen und schuldienem hie mit 
obliegen, aus schuldigem tragenden ampt darauff zusehen und 
gutt achtung zu geben, damit angeregter unserer publicierten 
kirchen Ordnung in allen stucken durchaus nachgelebt und die in 
unsem kirchen abgeschaffte offenbahre misbreuche, abgötterey, 
sunde und laster nicht widerumb einreissen, viel weniger darüber 
als nun mehr gott lob kundtbabren, klaren und hellen Sachen auff 
sonderliche weitere befelch von hoff gesehen und gewartet werde. 
Zum andern, damit alles desto ordentlicher und richtiger zu- 
gehe, so sollen hinfdro alle unsere lande und furstenthumb in sechs 
unterscheidtliche krais ausgetailet und über einen yglichen krais 
ein besonderer superintendens verordnet werden, dem die nechst- 
gelegene und gesessene kirchen und pastorn angewiesen seyn 
sollen. Als nemlich der erste krais soll seyn in unserm hertzog- 
thumb Meckelburgk, upd soll der superintendens in unser stadt 
Wismar seinen sitz haben und unter seine superintendentz gehören 
unsere stadt und empter Wismar, Meckelburg, Buckow, das landt 
zu Polen, Temptzin, Neukloster, Gadebusch, Rehne, Sternebergk, 
Orevismühlen, Darssow. 

Der ander krais soll sein in unserm furstenthumb zu Wenden, 
und sol der superintendens seinen sitz in unser stadt Güstrow haben 
unnd in seine superintendentz gehören nachfolgende empter und 
stedte: Güstrow, Malchin, Wahren, die stadt, closter und das landt 
zu Malchow, Tetrow, Röbel, Cracow, Lage, Stovenhagen, Ivenack, 
Dargun, Nienkahlen, BruU, das closter Dobbertin.* 

Der dritte krais soll gleicher gestalt in unserm furstenthumb 
zu Wenden sein unnd der superintendens seinen sitz in unser stadt 
Parchim haben; in desselben superintendentz sollen gehören die 
nachfolgenden empter und stedt: Parchim, Goltberg, Grabow, New- 
stadt, Luptze, Plage, Eldenaw, Dömitz, Görlosen und Mernitz. 

Der vierdte krais soll sein in unser graffschafft Schwerin, 
und soll der superintendens seinen sitz in unser stadt Schwerin 



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300 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenborg. ünterrichtewesens. 

haben unnd neben dem bisstumb Schwerin unter seine superinten- 
dentz mit gehören die nachfolgenden empter unnd stedt: Schwerin, 
Hagenow, Walsmöhlen, Wittemburg, Zerrentin, Boitzenburg und 
Crivitz. 

Der fünfiPte krais soll sein in unserm lande zu Rostogk, und 
soll der superintendens in unser stadt Rostogk wohnein und unter 
seine superintendentz gehören unsere stadt Rostogk sampt den nach- 
folgenden emptern und stedten: Ampt, stadt und closter Ribnitz, 
Dobran, Marienehe, Schwan, Qntigen, Gröpelin, Tessin, Sultz und 
Marlow. 

Der sechste krais soll sein in unserm lande zu Stargardt und 
der superintendens seinen sitz haben in unser Stadt Newenbranden- 
burgk und unter seine superintendentz gehören unsere stadt Newen- 
brandenburgk sampt den nachfolgenden emptern und stedten: Star- 
gardt, Fridelandt, Waldeck, Wredenhagen, Feldtbergk, Fürsten- 
bergk, Wesenbergk, Strelitz, Myrow, Nemerow, Wantzkow, Broda. 

Vors dritte soll in einem ydem krais dem Superintendenten 
zum anfang befholen sein, sich neben den aroptleuten eines ydem 
orts in seinem gantzen befholenen krais aller kirchen, namen, ge- 
legenhait, einkommens und mit was pastom sie versorget seint, 
zuerkündigen und davon eine richtige vorzaichnus zumachen. Zu 
solchem behuff soll in einem ydem krais ein tüchtiger notarius 
oder Schreiber bestellet seyn, der diesem werck, bis es vorrichtet, 
gentzlich oblige und auswartte. So sollen auch die bücher der in 
unserm gantzen lande hin und wider alberait gehaltenen Visita- 
tionen, oder die noch zukunftiglich gehalten werden möchten, 
gezwifacht abgeschrieben und ein exemplar davon dem consistorio, 
das ander dem Superintendenten in einem ydem krais zugestellet 
werden. 

Und damit dieses alles umb so viel ordentlicher und schleu- 
niger ins werck gestellet werden müge, so wollen wir in die in- 
struction unserer visitatora, darin dan ohne das neben den theo- 
logen und Superintendenten etliche aus dem mittel unserer land 
und hoffrethe verordnet seint, die amptleut eines ydern orts mit- 
setzen und den andern adiungieren, welche hiemit unsem aus- 
tracklichen ernsten befelch haben sollen, in denen dingen, die 
gottes wort und unserer ausgangenen kirchenordnung gemes, auch 
vor sich selbst unstreittig, schlecht und recht seint, auff der visita- 
torn unnd ihr selbs ratsames mit gutbedüncken schleunige executioo 
unnd wirckliche volstreckung auch unser unersucht zuthun, damit 
nicht, wie bißhero geschehen, aus mangel der exeoution das gantze 



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Ans der Soperintendentenordnung. 30 1 



^werek der Visitation ohne frucht abgehe und ersitzen pleib und 
daher der christlichen kirchen un¥riderbringlicher schade und nach- 
tail erwachse. 

Gleicher gestalt verpieten wir auch hiemit unsem cantzeleyen 
und sonst menniglichen, das sie in allen andern dingen, die mit 
gutem Yorgehaptem rath und mit unserer als der landtsfürsten 
beatettigung und ratification durch die yisitatorn alberait einmal 
verordnet sein oder zukunftig verordnet werden möchten, keine 
vorenderung fumehmen, sonderti da die notturfft einige vorende- 
rong darin erhaischen würde, das solchs durch die verordente 
kirchenräthe oder consistorium mit rath unnd vorwissen der ienigen, 
die es mit betrifft, und die daran interesse haben, es seien gleich 
kirohen diener oder weltliche personen, geschehe und vorge- 
nommen werde. 

Die custodes oder küster sollen die pfarherm neben den 

kirchgeschwomen anzunehmen macht haben, jedoch das solche per- 
sonen den patronen und Superintendenten nicht zuentgegen seyn, 
sondern von dem Superintendenten zuvor verhört und examiniert 
werden. 

Zum sechsten halten wir hochnötig und nützlich sein, das ein 
yder superintendens neben seynen caplanen oder diaconen jahrlich 
in seinem krais ufs wenigste ein vorsamlung oder synodum halte, 
darin der pfarherrn lehr, leben und wandel mit vleis erforschet, 
die ungeschickten unterweiset und gelehret, die ein unordentlich 
leben führen, gestrafft, und andere der kirchen gebrechen und 
mengel gebessert und abgeschafft werden. Derhalben wir allen 
unsem amptleuten und der kirchen patronen oder lehenherrn ernst- 
lich hiemit aufferlegen und befhelen, das sie hierinnen den Super- 
intendenten behülfliche handtreichung thun und befürderlich sein, 
und was aus erkündigung der kirchen und prediger von den Super- 
intendenten bey ihnen zu nötiger besserung derselben gesucht, 
vleissig fort setzen und volziehen, damit die kirchen Sachen nicht 
unnötig auffgehalten werden und wir derhalben unbemühet bleiben. 

So sollen in gleichem die oeconomi den kirchen und schul- 
dienem zu ydem halben jharen ihre gebürliche besoldung unvor- 
züglich reichen, desgleichen in den kirchen gütern, deren vorwal- 
tung ihnen vertrawet worden, aus eigener anmassung oder gut- 
bedüncken mit einmahnung oder emphahung der widerlöslichen 



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302 Urkunden u. Akten znr Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 

hauptsummen oder sonsten einige Yorenderung zu machen, noch 
darein zubewilligen sich mit nichten unterstehen, sondern es soll 
solches alles mit vorwissen und gut achtung des consistorii oder 
Superintendenten und patronen in einem jedem krais geschehen. 

Ferner ordnen wir und wollen, das die Stipendiaten, sie sein 
edel oder unedel, von unserm kirchen rath unnd consistorio oder 
von dem Superintendenten eines ydern kraises mit yleis examiniert 
werden, damit man wissen müge^ ob die lehen und stipendia, so 
zu milden Sachen anfengklich gestlfftet und billich dabej gelassen, 
auch Yon untüchtigen leuten nit gemisbraucht werden sollen, wol 
oder übel angewendet. 

Zum achten, wan sachen, welche kirchen persohnen nnd guter 
betreffen, für fallen, wollen wir, das dieselben zu erst dem Super- 
intendenten, unter dessen superintendentz sie gehörig, sollen an- 
gezaigt und berichtet werden, welcher dieselbige, da sie ihme zu 
wichtig, förderlichst an das consistorium zuentschaiden soll ge- 
langen lassen. 

Hieran geschieht unsere entliche und ernste mainung, darüber 
wir auch mit gottes hülff zuhalten gentzlich entschlossen. Darnach 
sich ydermenniglich wisse zurichten. 

Datum in unser stadt Güstrow 

den letzten Januarii, Anno 71. 



36. 
Die Ordnung der Kurrende in Rostock und Wismar. 

1571. 1572. 1579. 

a. 

Batsyerordnnng betreffs der Karrende in Rostock. 

Rostock. 6. Mai 1571. 

1 . Daß die jungen knaben belangend ein jeder bürger in keller 
oder boden seinen söhn zur schulen halten oder ein ehrlich hand- 
werck lehren lassen solle, und ist in den schulen verordnet, daß 
die armen knaben , die es von nöten, mit einer currenda, wie man 



Zu 86a: Angeführt bei Grape, Das evaDgelische Rostock, erwähat auch 
bei Schröder, Kirchenhistorie III, S. 83. Im Ratsarchiv fand sich nichts dazu. 



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Die Ordnung der Kurrende in Rostock und Wismar. 303 

es nennet und in fielen stadten gebräachlich , umgehen und für 
der leute türen nach 10. im mittag christliche gesänge teutsch 
und lateinisch singen selten, doch jede schule besonders in ihren 
carspel zu unterschiedenen tagen in der wochen; doch also, daß 
sie alle wochen einmal jedes teil sein carspel ümsinge, und 
solte solches den künftigen sonntag Cantate^) angehen. Mittler 
zeit solte ein jeder seine kinder, die er sonst für die türe lasset 
umlaufen, in die schule schicken, denn man sonst ausser ier cur- 
renda keinem knaben, der für der türen bettelt, etwas geben soll, 
sondern ihn zu der currenda weisen. Was auch also in der cur- 
renda gesammlet wird an geld und viktualien, soll jederzeit ge- 
treulich durch etliche dazu verordnete ausgeteilet werden. 

2. Den andern fremden bettlem, sonderlich Studenten und 
Schreibern, soll man nichts geben, wo sie nicht einen schein vom 
bürger- meister haben. 

3. Andern fremden bettlem soll auch nichts gegeben werden, 
es sei denn daß sie das zeichen auf den kleidem tragen^), wel- 
ches e. e. rat denen schwachen und notdürftigen zu geben pfleget. 

b. 

Torsehläge des Rektors Düring in betreff der Einriehtang 

einer Karrende zu Wismar. 

Wismar 1572. 



1 . Pro concione publice civibus oportet significari amplissimum 
senatum cum consensu ipsius ministerii currendam instituisse et 
omnino yelle, ut omnes quotidie hostiatim mendicantes pueri deinceps 
remittantur ad caetum currendariorum, et ut ne micapanis^) extra 
iUum ordinem siye ordinario sive extraordinario tempore yagantibus 
Buppeditetur. 

2. Cum tres sint in hac urbe parochiae, universus grex ille 
catalogo certo inscriptus tres dies de septimana habere debet, solis 

>) Das war der 13. Mai. 

>) Zorn Bettlerzeichen s. mein Bach, Mecklenburg im Zeitalter der Refor- 
mation. 1900. S. 287. 

Zu 86 b: Abgedruckt bei Schröder, Eirchenhistorie III, S. 136—138. In 
der Vorrede klagt der Rektor über das Heramlungern der Kinder auf den 
Straßen. Zusammen mit dem Eonrektor hat er auf Anregung der Scholarchen 
die Ordnung entworfen, welche er jetzt dem Rate vorlegt. 

^) D. i. ein Stück Brot. Mike ist aber auch ein Festbrot, s. Jahrb. 36, 
S. 113 ff. 



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304 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

nimirum Martis et lovis, quibus in certum platearam namerum 
distributis totam urbem de tempore sumta Latina responsoria, hym- 
no8 item et antiphonas aliasque cantiones pias canendo perlustret 
adhibito cantus gubernatore et morum inspectore et tantum edolii 
coUigat, unde vita pro necessitate possit sustentari. Crescente 
tamen caetu aliter rem universam institui necesse est. 

3. Hora decima meridiana omnes currendarii iusto ordiae 
schola egredientes in plateis modeste incedant cantentque vel usque 
ad medium duodecimae vel usque ad auditam horam duodeeimam, 
ut emetiri possint certarum aliquot platearum tractum semper sab- 
sequentibus illos duobus pueris robustis et humeris suis gestantibos 
alicuius magnitudinis sportam, qua excipiantur civiom eleemo- 
synae, unamque pyxidem obseratam altematim manu ferentibus, in 
quam data pecuniola mittatur. 

4. Certis plateis infra praedictum prandii tempas quolibet die 
perlustratis omnes ex aequo incedentes ordine suo ad monasterium 
revertantur et ibi in certo conclavi coUectas eleemosynas pyxidemque 
ordinariis idoneisque personis tradant, ut eaedem illae vel liberaliter 
vel parce porrectos cibos recte inter reversos distribuant pecuniamque 
pyxidi inclusam reser^ent statis illam temporibus ad usus neces- 
flflrios servata proportione debita conferentes. 

5. Personae duae sint delectae, quarum una sit coUega scholae, 
altera civis quispiam, bonus paterfamilias, administrandae oeconomiae 
rationem quodammodo intelligens. 

6. Pyxidi duae serae apponantur, ad quas duae claves compa- 
ratae in delectarum personarum custodia habeantur ita , ut ad 
evitandam suspicionem omnem una clavis uni, altera alteri tribuatur. 

7. Eaedem illae personae eleemosynis non sufficientibus ad 
famem omnium sedandam possunt interdum de panibus pinsendis cum 
yicino quopiam pistore agere et pro allatis post unum atque altemm 
mensem elapsum fideliter satis facere ex unanimi consensu aperta 
pyxide. 

8. His membris ita recte in actum perductis et furtivis scbolis 
serio abolitis omnes extravagantes mendici ciTium ianuas et aures 
mendicando molestare pro more suo recepto volentes qucviB 
tempore abigantur (ut modo dictum est) oportet, quo valeant veri 
scholastici, qui habentur in currendariorum numero, a scurris sceleratis 
quam rectissime secemi. Beliqua omnia ad buius rei tractationem 
quae speetare videbuntur, temporis successu non incommode 
poterunt addi. Quod reliquum est, Deus omnipotens, omnis ordinis 



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Die Oidnang der Kurrende. — Die Schalen in den drei Landeaklöstem. 305 

autor et conservator, ardentibuB votis solicitandus erit, ut siout 
ad omnium actionum et negocioram, ita ad huius praescripti modi 
incrementum suam divinam gratiam et benedictionem sanctam propter 
nomen sanctam säum olementer largiatur, quo ipsi grata et cunctis 
mortalibus nobis salutaria fieri et praesentis huius vitae currioulo 
commodissime possint. 

Thom. Thuringus, B. 

c. 
Aus der wismarsehen Bettelordnang. 

Wismar. 1579. 

oder dieselbige in der stadt lateinische und teutsche 

schneie gehen lassen, do dan von uns die Verordnung geschehen, 
das die durfftige knaben von durch uns bestalten schulmeistern 
ohne einige der eitern zulage unterweiset werden und neben der 
lere vormittelst angeordneter currenda auch notturftigen underhaltt 
bekommen mugen. 



37. 
Die Schulen in den drei Landeaklöstem. 

1572. 

a. 

Die Übergabe der drei Kloster an die Landstände 

zu Sehulzwecken. 

Sternberg. 2. Juli 1572. 

Wir Johanns Albrecht und Ulrich, gebrüdere, von gottes 
gnaden hertzogen zu Meckelnburg, fürsten zu Wenden, grafen zu 



Zu 86 e: Original ini Ratsarchiv zu Wismar. 

Es scheint, als ob die Kurrende, welche 1572 der Rektor erstrebte, noch 
nicht eingerichtet war. Denn 1586 heißt es in einer andren Ordnung (§5): 
„Auch aus den eingesambleten allmoßen wöchentlich etwas zu ihrer Unter- 
haltung bekommen sollen, biß die currende kunfftig angeordnet werde." Her- 
nach ist sie eingerichtet. 1712 heißt es: Wegen Mangels an Schülern wird 
Mittwochs nicht mehr auf der Gasse gesungen. Wismarsches Ratsarchiv. 

Zu 87a: Nach einem Abdruck: ,Assekuration und andere Reverse de 

annifi 1572 und 1621 samt der Kayserlichen Gonfirmation* sub dato den 

17. Februarii anno 1626 Rostok , gedruckt bey Jacobus Riechein, E. E. 

Rate Buchdr. 

MonomeDta Geimaniae Paedagog:ica XXXVni 20 



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306 ürknndeQ n. Akten rar Geschichte des mecklenbnrg. ünterrichtswesens. 

Sohwerin, der lande RoBtock and Stargardt herren, tbon kund und 
bekennen hiemit: Nachdem unsere unterthänige landsohafft auf 
eiliQhen bißhero gehaltenen landtagen uns unteürechiedliche be- 
flohwernngeo, so ein^s theils. die gemeine, eines theik aber sonder- 
bare personen angehen und betreffen, stückweise ftrgebraoht und 
geklaget und darüber unsere gnädige yerbesserung gebeten, daß 
wir uns darauf gegen gedachter unser getreuen landschafft gnädig- 
lich erboten und erkläret, thun auch solches in krafft dieses brieffes, 
wie Yon puncten zu puncten folget: 

Erstlich 

Zum vierdten überweisen wir unserer landschafffc die drey 
jungfrauen-clöster Dobbertin, Ribnitz und Malchow dergestalt, daß 
sie zu christlicher ehrbarer auferziehung der inländischen Jungfrauen, 
so sich darin zu begeben lust hätten, angewand und gebraucht 
werden^) und die landschafft macht haben sol, einen amptman, 
Vorsteher oder Verwalter, doch vermittelst unserer confirmation und 
bestettigung darin zu setzen und aus erheblichen Ursachen wieder 
zu enturlauben, welcher sämptlichen uns und etlichen, so die land- 
schafft verordnet, nemlich Georg Below zu Eargow, Dieterich Plesse 
zu Zülow, Claus von Oldenburg zu Gremmelin und Johann Cramon 
zu Wuserin, von seiner haußhaltung jährlich rechnung thun und 
was an einkommen ersparet und erübrigt vrird, dem closter zum 
besten angewendet, dagegen auch die Jungfrauen nach unserer ge- 
fasten reformation leben und wandelen und durch die landschafft 
eine gewisse Ordnung der haußhaltung auf unsere ratification ge- 
macht und darin gehalten werden sol. Es sol aber die hochge- 
bome furstin, fräulein Ursula, hertzogin zu Meckelnburg etc. und 
ebtissin zu Ribnitz, unsere freundliche liebe vetterche,^) an voll- 
kommener regierung, administrirung, bestellung und geniessung ge- 
meld tes closters Ribnitz die zeit ihrer 1.') lebens dadurch in nichts 
gehindert, keine Jungfrau auch ohne ihrer 1. vorwissen und bewil- 
ligung hinein begeben, sondern alles in vorigem stände (ohne daß 
sich die Jungfrauen unserer neuen closter- Ordnung gleich den andern 
gemeß verhalten sollen) bey ihrer 1. leben gelassen werden. Wann 
aber genantes fräulein, die itzige ebtissin, nach gottes willen ver- 



^) Der Aasdrnck ^ Hospitalen' fehlt hier, versteht sich aber ans dem Zn- 
sammenhange der Verhandlnngen (s. Jahrb. 22, S. 150; auch Nr. 19 b. auf S.247) 
von selbst. Der Konvent besteht eben ans solchen Jungfrauen, die zur Welt 
,unduchtig*' sind; diese haben die Aufgabe der Jugendunterweisung. 

•) vetterche = Cousine. 

*) d.h. Liebden. 



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Die Schalen in den drei Landeak] Ostern. 307 

silirbe, so sol diß closter Ribnitz in aller maß wie Dobbertin an 
eine ehrbare landschafft und derselbigen Verordnung kommen, 
daran wir sie aaoh nicht hindern sollen noch wollen 

b. 
Die Sehulordnung in den drei Landesklöstern. 1572. 



"Wie nun die frommen und löblichen konige und fiirsten im 
Yolk Juda David, Salomon etc. solche nährer und pfleger der 

Zu 87 b: Der Titel lautet: Reformation und Ordnung der jungfrauw 
kloster, wie es darin mit christlicher lehr, gebrauch des hochwirdigen Sakra- 
mente, täglichen gesängen und andern christlichen ubungen soll gehalten 
werden. Ich benutzte eine Abschrift aus dem 17. Jahrhundert » welche die 
Bibliothek der Ritter- und Landschaft zu Rostock aufbewahrt (D. fol. 338.) — 
Das Orginal habe ich im Geh. Archiv zu Schwerin vergebens gesucht, vielmehr 
nur 2 Abschriften gefunden sowie den archivalischen Hinweis, daß das Original- 
konzept des Chyträus bei den Landtagsakten vom Juli 1572 sei. Einen alten 
Druck unserer Ordnung habe ich nicht gefunden ; doch ist aus ihr der Kalender 
f&r das Bibellesen gedruckt u. z. B. angebunden der östreichischen Kirchen- 
ordnung des Chytr&us von 1578 in dem Exemplar der Regierungsbibliothek 
zu Schwerin. (B e V, 130 A). Neuere Abdrücke s. Viereck, Die Rechts- 
verhältnisse der vier meckl. Jungfrauenklöster nach ihrer geschichtlichen Ent- 
wicklung. 1875. U, S. 30ff. 

Zur Vorgeschichte der Klosterordnuog : Schon 1562 hatte der Herzog 
Johann Albrecht eine , Reformation" für das Kloster Dobbertin abrissen lassen. 
Diese wurde 1569 und 1570 von den Visitationskommissionen bestätigt, resp. 
näher bestimmt, s. Lisch in Jahrb. 22, S. 158. 169. In der Bibliothek der Ritter- 
and Landschaft ist eine Abschrift der Bestimmungen der Visitationskommission 
de dato 16. März 1570. Am Tage vor Pfingsten 1572 nun schreibt Chyträus 
an Johann Albrecht, er habe die Klosterordnung fertig, auch habe er Johann 
Älbrechts Meinung „hineinverwebt", nach welcher dieser etwas habe verbessert 
wissen wollen gegenüber der „Dobbertiner Reformation"; Qeheimes Archiv 
zu Schwerin. In der Tat hat Chyträus jene Reformation vorgelegen, auch der 
Abschied von 1570; letzterer scheint insonderheit die Vorlage für die Schul- 
bestimmungen des Jahres 1572 gebildet zu haben. Aus der schon genannten 
Abschrift setze ich deshalb den § hierher: „Als auch befunden, daß die schule 
im kloster mit tüchtigen schulmeisterinnen oder lehrerinnen nicht nottrufbig 
versorgt, dardurch die jungen mägdlein in der lehr und zucht versäumet 
werden, demnach haben obgedachte fürstliche verordente Margareten Warden- 
berg und Else Dessin darzu beruffen, welche die jungen Mägdlein in teutscher 
und latinischer sprachen instituieren, zum singen und andern kirchenordnungen 
gewenen und underrichten sollen. Und darmit sie wissen mugen, wie sie 
sich darein vorhalten sollen, ist für ratsamb bedacht, da6 ihnen etliche personen 
von außen zugeordent werden, so ihnen anleitung geben und disciplin und 
zucht erhalten helfen, und soll darin folgende Ordnung gehalten werden. 

Nachdem die schulen angerichtet worden, gottseligkeit, christliche zucht, 
lesen, schreiben und gute kunste mit neyen und dergleichen zu lernen, so 

20* 



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308 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünterrichtswesens. 

kirchen und christlichen zucht und Studien gottlicher lehr, welche 
sonderlich in der stiftkirchen zu Jerusalem und daraus gepflanzeten 
sjrnagogen oder schulen in ganzen land getrieben und ausgebreitet 
worden, gewesen seind, als haben nach der apostel zeit christliche 
und gottselige konige und fursten nach dem furbild des ersten und 
ältisten erzstiftes im volk Jsrael zu erhaltung und ausbreitung des 
heiligen gottlichen worts, gottseliger Studien und christlicher zucht 
und zu erbauwung und besserung der umbliegenden kirchen, daß 



sollen die schubneisterinnen darzu des tags vier stunden haben, zwo vormittag 
und zwo nachmittag, und sollen an&nglich, wenn sie in die schulen, unge- 
fShrlich wenn die predigt aus ist oder sie sonst in der kirchen ausgesungen 
haben, gegen acht schlage sich verfugen, ein stuck aus dem catechismo die 
kinder aufsagen lassen, darnach sie geschicket, die kleinen Mägdlein den 
catechismum siecht ohne auslegung, die erwachsene Jungfern mit der aus- 
legung D. Martini Lutheri. Damach soll ein jedes mägdlein seine lektion uf- 
sagen, daß es lesen lerne, entweder buchstabieren oder zusammen lesen, es sei 
ein kapitel aus dem Sirach oder sonst aus dem newen testament oder einem 
andern Christen nutzen buche; darnach soll es etwas neyen oder wirken oder 
knutten, und wenns balde umb zehen schlage ist, daß sie wieder aus der schulen 
gehen wollen, so sollen sie vorher einen christlichen psalm singen. 

Desgleichen sollen sie uf den nachmittag umb eins wieder in die schulen 
sich verfugen um zum an&ng einen psalm oder zwei oder drei singen und 
darnach lesen, und wenn sie alsdann auch ihre lektion ufgesagt, sollen sie sich 
in arbeit, welche den jungfem gebühret, üben mit neyen und dergleichen und 
sollen aus dem psalm buch Davids etliche psalmen von außen lernen und ordent- 
lich au&agen, und wenn sie ausgehen wollen, auch einen feinen psalm singen. 

Wenn sie aber außerhalb der schulen bei ihren weschen sein, so sollen 
sie sich in aller gottseligkeit und ehrbarer zucht üben mit beten, lesen, von 
außen lernen, mit neyen und anderer jungferlicher arbeit, welchs sie hernach 
den schulmeisterinnen weisen können, und sollen züchtig, gehorsamblich und 
iriedesamb leben. Und soll diese Ordnung nur zum anfange angerichtet 
sein, aber hernach soll sie nach gelegenheit der zeit und personen mit gottes 
hülfe vorbessert werden. 

Zu den politischen Verhandlungen betreffs Einführung der Elosterordnung 
von 1572 s. die Aktenauszüge bei Viereck, Rechtsverhältnisse etc. II, S. 27. Hin- 
zugefügt kann werden, daß die Ordnung am 17. Juni an Joachim von der Luhe 
abgesandt wurde; Geheimes Archiv zu Schwerin. Nach der Instruktion der 
Herzöge für die Kommissare, welche die Klöster überweisen sollten, 7. Ok- 
tober 1572 (Original im Geh. Archiv), sollte jener die Ordnung übergeben. 

Aus dem Jahre 1578 existiert keine Ordnung mehr. Allerdings die Visi- 
tatoren von Dobbertin ver&.ßten am 17. März 1578 einen Abschied für dies 
Kloster, der die Klosterordnung bestätigte. (Abschrift in der Bibliothek der 
Bitter- und Landschaft zu Rostock). Darin sprechen sie den Wunsch aus, daß 
die Ordnung gedruckt würde. Herzog Ulrich bestätigte den Abschied am 
3. Mai (Abschrift ebenda) und versprach den Druck. Doch scheint dieser unter- 
blieben zu sein. (s. auch Viereck, 1. c. I, S. 94.) — 



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Die Schulen in den drei LandesklOstem. 309 

sie ein farbild der reinen lehr und wahren gottesdiensten und nntz- 
licher ceremonien und christlicher zucht daraus nehmen mochten, 
die Stift und kloster anfanglich bei den kirchen geordent und mildig- 
lioh begabt. 

Und seind sonderlich die alten mannskloster erstlich nicht 
anders als schulen gewesen, darin unter der zucht und lehr eines 
gelahrten mannes, den man einen abt, das ist vater, genennet hat, 
junge knaben und andere in christlicher lehr und gueten kunsten 
unterweiset und uferzogen und zu täglichen gebet und andern 
christlichen ubungen mit lesen, psallieren und einem christlichen 
eingezogen zuchtigen leben und wandel gehalten seind, mit welchen 
hernach die ämter in der kirchen gottes und weltlichen regierung, 
nach dem ein jeder von gott begäbet und berufen, bestellet worden 
seind, wie solcher klosterschulen die alten canones und concilia 
auch bei den widersache[r]n gedenken, als synodus Toletana^) 
necessarium statuit, ut constituantur claustra, in quibus clerici dis- 
ciplinis ecclesiasticis vacent et omnibus unum sit refectorium et 
dormitorium. Item constituimus , ut si impuberes aut adolescentes 
in clero existunt, omnes in uno claustro commaneant, ut lubricae 
aetatis annos non in luxuria, sed in disciplinis ecclesiasticis agant 
deputati^) probatissimo seniori, quem et magistrum doctrinae et 
testem vitae habeant. Als hat S. Augustinus bei seiner kirchen ein 
monasterium clericorum angerichtet, darin er die clericos, so zum 
predigtamt sollten gebraucht werden, in christlicher lehr als unter- 
wiesen und geübt hatt, daß viel beruhmbte pastores und bischöfe aus 
S. Augustini monasterio andern kirchen seind furgesetzt worden, wie 
Possidius^) dieselben mit namen erzählet. Instgleichen seind in 
Teutschland viel hundert jähr die pfarren und zuweilen auch die 
bistumb, ehe sie so reich und gewaltig worden, aus den klostern 
besetzt, die weil gelahrte leut, ehe die Universitäten innerhalb 
200 Jahren in Teutschland aufkommen, mehresteils anderswo nicht 
denn in den klostern erzogen worden, und ist den hochloblichen 
christlichen regenten aUe umb das liebe predigtamt zu tun gewest, 
die weil gott seine heilsame lehr, durch welche ehr den menschen 
alle seine guter und die ewige Seligkeit mitteilet, in seiner heiligen 
Propheten und apostel Schriften gefaßt und dieselbig zu lesen, zu 
hören, zu lernen und andern furzulesen und zu erklären befohlen 

a) verb. aus „deputari". b) verb. ans „Posidonius". 

*) Vielleicht das Konzil vom Jahre 633 — s. Specht, Geschichte des 
Unterrichtewesens etc. 1885 S. 173. — oder das von 646, welches das Mönchs- 
wesen ordnete. 



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310 Urkunden o. Akten zur Geechiohte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 

hait, daß in denselbigen yorsammblungen der stift and kloster die 
studia christlicher lehr treuwlich und fleißig getrieben und nicht 
allein die heilige schrift taglich darin gelesen und ausgelegt und 
duchtige prediger und Seelsorger auferzogen, sonderen auch andere 
freie kunste und sprachen, die zum grundlichen vorstände und aus- 
legung der heiligen schrift hochnötig seind, darin gelehret und er- 
halten wurden. Als aber die alten stift und kloster umb dieser 
arbeit der erhaltung und ausbreitung christlicher lehr und Studien 
mUen reichlich mit vielen und großen guetem begäbet und mächtig 
worden und endlich gangen ist, wie Bernhardus klagt: Religio 
peperit divitias et filia devoravit matrem, daß beide, tumbherr und 
monch in kloster, die heilige schrift zu profitieren und zu predigen 
und andere zu lehren unduchtig und aUein faule, weuste und mußige 
Junkern worden, hatt die hohe unvermiedlich not christliche fursten 
und regenten gedrungen, daß sie Universitäten oder hohe schulen 
anrichten und stiften mußen, darin die studia christlicher lehr, der 
weltlichen recht, der erznei, der arithmetica und astronomia, so 
dazu notig seind, daß man jährlich ein gewissen kalender habe, 
der latinischen, griechischen und ebraischen spräche, darin gottes 
wort von den propheten und aposteln erstlich geschrieben und ge- 
fasset ist, in ihren landen erhalten und ausgebreitet und duchtige 
personen zum predigtamt und vielfältigen dienst der weltlichen 
regierung mochten darin zugerichtet und grundlichen unterweiset 
werden 

Dieweil auch i. f. g. getreuwe und gehorsame landschaft zum 
oftermal underteniglich angesucht und gebetten, daß die jungfrawen 
kloster zu hospitalen armer gebrechlichen jungfrawen vom adel, 
auch zu christlicher auferziehung und Unterweisung junger jung- 
frawen vom adel gemeiner landschaft zu gut, von i. f. g ..... 
erhalten wurden . als wollen i. f. g solche von i. f. g. land- 
schaft begehrte jungfrawenkloster bei ihren gutem auch 

forthin gnädiglich erhalten 

Denn anfänglich die jungfrawkloster nichts anders als christ- 
liche schulen und Zuchthäuser der jungfrawen gewesen, darin sie 
unter der lehr und zucht einer gottfurchtigen und vorständigen 
domina zu wahrer erkenntnus und furcht gottes, zu täglichem ge- 
bet, zu gehorsamb, zucht, meßigkeit, demut und allerlei arbeit, so 
in der haushaltung mit kochen, neien, spinnen, kinder zu gottes- 
furcht und guten sitten zu gewehnen, notig, treuwlich und fleißige 
unterweiset und uferzogen seind, darmit sie nochmals gleicher- 



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Die Schalen in den drei Landesklöstem. 311 

^stalt aoch kinder lehren und uferziehen konnten, wie sie durch 
(olteB gnaden gelehrt und in der zucht gehalten worden 

]>whalben 

haben i. £ g. vor der zeit in i. f. g. jungfraw-klostem Dobertin, 
Ribnitz, Malchow und andem eine christliche reformation furge- 

nommen und eine christliche Ordnung kurzlich fassen 

und den kloster jungfrawen zum teil zustellen lassen, seind auch 
nochmals des christlichen fürstlichen fiirhabens und endlicher meinung, 
daß i. f. g. die jungfrawen und andere personen, so dieser zeit ia 

i. f. g. jungfraw-klostere seind imterhalten wollen, jedoch 

also und mit diesem bescheid, daß sie sich vorgemeldter i. f. g. 
christlichen Ordnung und befehl, welche i. f. g. newlich übersehen, 
erwogen und mit vorgehabtem etlicher i. f. g. yomehmen land- 
stände und theologen rat vorbessert und vermehret haben, gemSß 
und gehorsam vorhalten. 

Erstlich ..... 

Zum vierten, dieweil die jungfraw kloster anfangs fhmehmblich 
darumb gestiftet und mit reichen einkommen begäbet sein, daß 
gott und der christlichen gemein darin gedienet und daß es Zucht- 
häuser oder gottselige schneien wären, darin christlicher leute 
tochter und jungfrawen in warer erkenntnus und anruffung gottes 
ZU aller zucht und ehrbarkeit und nötiger hausarbeit auferzogen 
und unterweiset und arme gebrechliche jungfrawen vom adel und 
andere, so zum ehestand nicht duchtig oder sonsten durch sonder- 
liche gaben gottes im stand der jungfrawschaft gedächten zu 
pleiben, in klostem als in hospitalen ihre Unterhaltung hätten, als 
ordenen und befehlen die durchleuchtige hochgebome forsten und 
herm, herr Johans Albrecht und herr Ulrich, gebrudere, hertzogen 
von Meckelnburg etc, daß in einem jungfrawen kloster ein mägd- 
leinschuele angerichtet werde, also daß die domina eia gewisse 
anzahl junger jungfrawen vom adel und andere annehmen und eine 
bestimmbte anzahl jähr darin auferziehen und entweder selbst oder 
durch andere geschickte zuchtige und fleißige matronas oder alte 
jungfrawen lehren und unterrichten soll lassen, also daß sie da 
lernen lesen, schreiben, predigt hören, den catechismum sprechen, 
nejen, spianen, knutten, weben, wirken, mit den ziffem und Pfen- 
ningen rechnen etc. und zum täglichen gebett gehalten werden, 
mit solcher Unterweisung, daß sie rechten vorstand der ganzen 
christlichen lehr erlangen und sich zu rechter anruffung gottes und 
allen tugenden gewehnen. 



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312 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenhurg. Unterrichtswesens. 

Wo nun kloster jnngfrawen seind, welche wol lesen, Bchreiben, 
neyen und andere dergleichen arbeit können und zu solcher Unter- 
weisung der kinder nutzlich mögen gebraucht werden, sollen der- 
selben eine oder zwo zu schuelmeisterinnen von der domina vor- 
ordent werden; wo sie im kloster nicht seind, soll sonsten eine 
geschickte zuchtige matron oder jungfraw darzu bestellet und mit 
gebuerlicher ziemblicher Unterhaltung vom kloster versorget werden. 

Die schuelmeisterin ^) soll taglich vier stunden zu Unterweisung 
der jungen mägdlein gebrauchen, also daß sie morgens, wann in 
dem chor ist ausgesungen oder die predigt geendigt, ungefährlich 
gegen acht uhm in der schneien zusammen kommen, da erstlich 
das „Yeni sancte spiritus^ teutsch oder das „Yater unser im himmel- 
reich'' von allen samtlich soll gesungen werden. Damach soll die 
schuelmeisterin etliche von den kleinesten mägdlein die zehen gebot, 
artikel des christlichen glaubens, das vaterunser, die wort der tauf 
aufsagen lassen und die kinder gewöhnen, daß sie fein laut, deutlich 
und langsam ausreden. 

Die großen mägdlein sollen neben den werten der zehen 
gebot, glaubens etc. auch die auslegung aus dem kleinen catechismo 
Lutheri erzählen, und soll kein ander dann allein Lutheri cate- 
cMsmus in der schnei gebraucht werden. 

Nach dem gebett und catechismo soll die schuelmeisterin jedes 
mägdlein sein furgegebene lektion im buchstabieren oder lesen 
aufsagen lassen und sie gewehnen, daß sie die buchstaben recht 
ausdrucken und fein langsam^) und unterschiedlich lesen lernen. 
Darzu sollen erstlich die kleine teutsche biblien oder fibeln und 
darnach die gewohnlichen evangelia, gesangbuchlein, Jesus Sirach, 
psalter und das new testament gebraucht werden. 

Wenn sie nun ziembUch lesen können, sollen sie auch zum 
schreiben gewöhnet werden, also daß ihnen gute, lange, schöne 
buchstaben furgemalet und die band so lang gefurt werde, bis sie 
dieselbige nachmachen und in sillaben und ganzen werten zu- 
sammensetzen lernen. Diesen schreiberinnen soll alle tage ein 
kurzer nutzlicher spruch furgegeben werden, den sie etliche mal 
nachschreiben und zugleich auswendig lernen, als: Die furcht gottes 
ist der Weisheit anfang. Lasset die kinder zu mir kommen und 
wehret ihnen nicht, dann solcher ist das himmelreich. Konmiet 
her, kinder, höret mir zu, ich will euch die furcht des herren lehren. 

c) verb. aus ^^lengsam''. 

') 1578 leiteten z. B. in Dobbertin Margarete Wardenberg und Jese Tessin 
den Unterricht. 



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Die Schnlen in den drei Landesklöstem. 313 

Selig seind, die gottes wort hören und bewahren. Jesus Christus 
ist in die weit kommen, die sunder selig zu machen. Also hat 
gott die weit geliebet etc. Welche nun ziemblich lesen und 
schreiben können, oder auch vor dem schreiben, die sollen im 
neyen, knutten und dergleichen arbeit unterwiesen werden und 
doch das lesen und schreiben taglich mituben und etliche schone 
psalmen, als den 103. 34. 133. 51. 127. auswendig lernen. Andere, 
so nun etwas erwachsen, sollen neben dem lesen und neyen zu 
gewissen stunden mit in der kuchen oder garten arbeiten, etliche 
weben, wirken, sticken etc^ wie solchs nach gelegenheit der kinder 
imd anderer umbstanden von einer vorstandigen lehrmeisterin in 
der erfahrung selbst viel bequemer dann in solchen Schriften kann 
Yorordent und vorrichtet werden. So auch etliche jungfrawen zu 
der latinischen sprach lust hätten und eine duchtige schulmeisterin 
darzu hätten, soll derselbigen mit raet der Superintendenten eine 
leichte nutzliche Ordnung der Unterweisung in lateinischer sprachen 
samt etlichen buchlein, so zum anfang am nutzlichsten dienen, zu- 
gestellt werden. 

Wann die mägdlein bald um zehen schlage wiederumb aus der 
schulen gelassen werden, sollen sie vorher einen christlichen psalm 
aus dem teutschen gesangbuchlein Lutheri, der sich auf die zeit 
reimet, als auf Weihnacht: Gelobet seistu Jesu Christ. Christum 
wir sollen loben schon. Von himmel hoch da komm ich her. Der 
Tag ist nun so freudenreich. Uff ostem : Christ lag in todesbanden. 
Jesus Christus unser heiland. Uff pfingsten: Komm heiliger geist. 
Nun bitten vrir den heiligen geist, mit einander singen. 

über tisch sollen die jungen jungfräwlein nicht allein still, 
zuchtig und hoflich sich zu halten gewehnet werden, sondern auch 
eine aus ihnen die ganze wochen durch über jede malzeit ein 
capitel aus der bibel mit den summarien Yiti Theodori ordentlich 
lesen und vor und nach der malzeit das benedicite und gratias 
ordentlich sprechen. 

Nach mittage soll man umb ein schlag wiederumb in der 
schuel zusammen kommen und zum anfang ein teutschen psalmen 
oder zwei,^) darin der catechismus kurzlich, mit einander singen 
als: Dies seind die heiligen zehen gebot. Wir glauben etc. Vater 
unser etc. Christ unser herr zum Jordan kam. Jesus Christus 
unser heiland. Nun frewet euch lieben Christen gemein etc. Dar- 
nach sollen die mägdlein, was ihnen für mittage Airgegeben^ 



d) statt „zwei singen''. 



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314 Urkunden u. Akten znr Geschichte des mecklenbnrg. ünterrichtswesens. 

wiederumb aufsagen und ein jedes nach seinem yorstand und zu- 
nehmen mit buchstabieren, lesen, schreiben, neyen, knutten und 
wirken etc. sich üben. Da soll die lehrmeisterin einem jeden 
wiederumb ein lektion im ^lesen oder neyen fiirgeben, die es 
folgenden tag aufsage oder wisse, dann auch die mägdlein, wann 
sie außerhalb der schneien bei iren wesichen') oder zu^eordenten 
jungfrawen sein, nicht mußig sein, sondern dasjenige, bo ihnen in 
der schneien auferlegt, mit lesen, schreiben, neyen, auswendig 
lernen etc. fleißig yorrichten und zuchtig, still und freundlich leben 
und der domina und ihren furgesetzten jungfirawen ohne murren 
gehorsam sein sollen. Die ungehorsamen aber, so sich entweder 
in der lehr und aufgelegter arbeit faul und yorseumblich oder 
sonst in ihrem leben mit werten, werken oder gebärden ungebur- 
lich, trotzig und widerspenstig erzeigen, die sollen durch die 
schuelmeisterinnen nach gelegenheit und umbstände der Über- 
tretung, die jungen mit geburlichen werten, strafen und mit ruten. 
die alten mit dem kerker auf der domina befehl ernstlich ge- 
zuchtiget werden. 

Zum fünften. Damit nun solche christliche ubungen und 
zuchtschulen gott zu ehren und dem ganzen land, sonderlich aber 
denen vom adel zu nutz und trost als der bequemer, besser und 
langwähriger in den jungfrawen klostem mögen erhalten und ge- 
handhabet werden, ist vor noten, I. daß eine gottfurchtige ver- 
ständige domina den andern jungfrawen in jedem kloster furge- 
setzt werde 

III. daß einer jeden kloster jungfrawen etliche mägdlein zu- 
geordent werden, auf welche sie des tags, wenn sie nicht in die 
schule gehen, achtung hab, auch des nachts bei ihnen bleibe und 
schlafe ; 

lY. daß des klosters prediger alle wochen ufs weinigst einmal 
im kloster zusehe, wie es mit dem gottes dienst, schulen und sonst 
zugehe, was die jungfrawen für bucher zu ihren gebeten, gesang 
lesen und sonst gebrauchen, desgleichen in der schulen höre, wie 
die kinder in ihrem catechismo und sonst unterweiset werden und 
zunehmen; 

Y. daß der superintendens desselben orts alle halbe jähr das 
kloster visitiere, und wie dieser Ordnung allenthalben nachgelebt 
werde, fleißig erkundige, in der schul mit den kindem examen 
halte : 



») = Wäschen = Tante. 



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Die Schalen in d. drei Landesklöstern. — Schfllergesetze an d. Domschale. 315 

YI. daß ein gewisse anzahl jungfrawen in die kloster ge- 
nommen, welcher igliohe nach ihrem vermugen zu Unterhaltung 
des klosters auch etwas gelds mit hineinbringe, welchs so sie im 
kloeter pleiben und sterben würde, alles bei dem kloster pleiben, 
und wann sie sich wieder heraus begäbe, zum teil ihr wiederumb 
«Tstattet sollte werden. 

YII. Wann über die bestimmte anzahl etliche vom adel oder 
andere ihre kinder darin wollten zu gottesfurcht, zucht und notiger 
lehr und hausarbeit unterweisen imd u&dehen lassen, die sollen 
jährlich dem kloster für den tisch und imterhaltung ein billige 
summa geldes, ungeßLhrlich 15 ä [geben], bis etliche heraus- 
kommen 

Oott gebe gnade und sogen, daß es zu seinem gött- 
lichen lob und preis und vieler leute Wohlfahrt fruchtbarlich ange- 
richtet und woU geraten muge. Amen. 



38. 
Schülergesetze an der Domschule zu Güstrow. 

1572. 

Nulla felix erit respublica sine legibus et disciplina; ita scho- 
lastica gubematio, quae teneram mentem format, nisi formulas 
morum praescriptas habeat, dignitatem suam tueri non potest. 

Zu 88: Nach einer etwa gleichzeitigen Niederschrift, welche ich im 
Archiv der Qüstrower Snperintendentnr fand. Die Überschrift der Vorlage 
lantet: Leges pro alumnis scholae Gustroviensis latae anno CIO lOLXXII 
millesimo quingentesimo sepfcuagesimo secundo. Die Qesetze sind auch von 
Besser abgedruckt in „Nachrichten von der GQstrowschen Domschule". Zweites 
Stück. Güstrower Schulschrift. 1811. S. 5—14, und von Raspe in der „Einladung 
zur Jubelfeier" S. 36—38, ebenfalls von Vormbaum, Ev. Schulordnungen I. 
S. 576 — 580. Aus einem Vergleiche mit der dort S. 412 ff. abgedruckten von 
Qotechalk Prätorius verfaßten Magdeburger Schulordnung von 1553 ergibt sich, 
daß letztere offenbar als Vorlage gedient hat, da ganise Sätze wörtlich her- 
übergenommen sind, während andererseits eine einfache fierübernahme der 
ganzen Ordnung nicht anzunehmen ist, da sich auch Abweichungen zahlreich 
finden. Raspe und Besser benutzten für ihre Drucke jüngere, von Dr. Käm- 
merer und dem Hofrat Spalding angefertigte Abschriften, wie solche sich in der 
Universitätsbibliothek zu Rostock Mss. Meckl. 12 (3) und in der Bibliothek 
der Domschule zu Güstrow finden. Die beiden weichen untereinander und 
auch von dem mir vorliegenden Exemplar so ab, daß man an erneuerte 
Redaktionen, die später gemacht wurden, zu denken haben wird. Es lohnt 



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316 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 

Primum omnium et in genere prohibemus blasphemias, detesta- 
tiones, abusum nominis divini, iuramenta, magiam, mendacia, furta, 
libidines, convitia, libellos famosos, iniurias, confoederationes,*) factio- 
nes, conspirationes, et quicquid iure communi nefas esse putatur. 

Prohibemus simili ratione gladios, pugiones, sicas, evocationes 
ad dimicandum, seditiones, grassationes, symposia, publicas tabemas, 
spurca GoUoquia, et quicquid Martium magis est quam musicum, 
piscationes, yenationes, aucupationes, item natationes^) et lotiones 
in stagnis et fluminibus vicinis, quae^) scholasticis non conyeniunt. 
Et prorsus iisdem abstinendum esse sciant, qui scholae nostrae 
yelint gaudere priyilegiis. 

Ghoreis nuptialibus scholasticos abesse iubemus.®) 

Frequentaturus scholam primum rectorem adeat petatque 
nomen suum inter discentium referri nomina legibusque se ob- 
temperaturum promittat. 

Cum conveniendi tempus est, nemo sine yenia emaneat. Qui 
absentes esse coguntur, praeceptoribus coram absentiae causam 
reddant aut missa scheda proprii chirographi causam proferant 
yeniamque petant. 

Qui autorum explicationem audiunt, semper et omnibus locis^) 
Latinae linguae sermonem sonare debent. 

Grayissimas poenas sibi imminere noyerint, qui spretis legibus 
suo nihil non agunt arbitrio. 

De moribus in templo. 

Certum est, omnes homines ideo conditos esse, ut extaret 
imago dei agnoscens et glorificans deum ; quo fit, ut pietatis exer- 
citia iuventuti necessaria yideri debeant. 

Principio serio mandamus, ut in schola,®) cum iustum conve- 
niendi tintinnabulo designatum tempus est, uniyersi et singuli sine 



sich indes nur die hauptsächlichsten hier anzufügen. Die jungem Hand- 
schriften haben: 

a) confoederationes aut conspirationes. b) Quae fehlt, — sie ziehen auch 
die vorgehenden Worte nicht mehr zu prohibemus. e) Meine Vorlage hat 
die Bemerkung: Werden zum tantz invitiret. d) die jungem schieben ein: 
omni tempore. e) ut in templis, cum iustum conveniendi pro consuetudine 
tempus est, universi et singuli sine tergiversatione compareant et quidem sub 
primum tintinnabuli motum. 

^) Raspe, 1. c. S. 36 Anm. 2 bemerkt hierzu : Den Leibesübungen waren 
die alten Pädagogen überhaupt nicht sonderlich zugetan. Trotzendorf war 
bekanntlich noch strenger: Nee aestate frigidis aquis lavantor nee hyeme aut 
glaciei se credunto aut nivis globos iaculantor. 



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Schülergesetze an der Domschule zu Güstrow. 317 

tergiversatione compareant; symphonistae etiam ante primum motum 
tintinnabuli cantu finito in schola reliquis sese coniungant et in 
comitatu praeceptonim templum petant. 

Et quia cum maximo ipsomm commodo coniunctum est dare 
sese mature pietati neque aliud quicquam petulantiam et ferinam 
vitam magis promoveat quam garritus inanes et impii, dum alii 
canunt et conciones attente audiunt, volumus, et devotio pü hominis 
hoc requirit, ut in vespertinis precibus cantorem sua voce iuvent; 
alias etiam ante et post conciones hymnos Germanicos cum con- 
cione universa canant: concionum dispositiones vel calamo vel 
mente excipiant postridie in schola rationem reddituri; et finitis 
sacris omnibus eo ordine, quo templum ingressi sunt, sine strepitu 
et tumultu egrediantur et eodem die^ devotionis suae (et) vel 
memoria retentorum vel charta exceptorum rationem reddant.^) 

Absentibus difficulter venia concedetur, nee id alia ratione, 
quam si gravissimam excusationis rationem praetendere possint et 
probare. 

Cum Sacra res peragitur, verecunde decet astare, nudo capite, 
manibus pedibusque iunctis, oculis bene compositis et flexo, cum 
res postulat, poplite. 

Librorum profanorum lectione in templo interdicimus>) 
Summopere vetitum sit, ne quis scurriliter in res sacras aut 
ecclesiae ministros loquatur. 

Quoniam autem et christianae yitae inspectio requiritur, ideo 
participationem de coena domini negligi prorsus non volumus, ne 
ethnicismum magis quam christianismum alere iudicemur. 

Praefectis et decanis hoc esto commissum officium, ut secus 
agentes referant in tabulas et eodem vel sequenti tempore prae- 
ceptoribus notos faciant, de quibus pro ratione personae, loci et 
facti sumantur supplicia. 



f) postridie. g) Statt Symphonistae — reddant: In ingrediendo et 
exeando strepitns vitandi sunt et tumultus. In templo cum canitur, praeci- 
nentem intueri et collegam ceterosque pueros communi voce iuvare decet ; sed 
praecinere vel in fine moderatorem aequare nemini faerit impune. Cum ex- 
eundi tempus est, vitandi sunt impetuosi motus, et nihil hie absque nutu prae- 
ceptorum fieri decorum est. h) Die Jüngern Abschriften lassen mit Recht 
hier den Satz der älteren weg, der eine bloße Wiederholung ist: Finitis sacris 
Omnibus eo ordine, quo templum ingressi sunt, sine strepitu et tumultu 
egrediantor. 



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318 Urkanden u. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtsweseiis. 

De moribus vel officiis in schola. 

Non est dubium, scholas pietatis, Yirtutis et sapientiae ofBciiias 
esse, qua in re praestandum est, ut omnia reverenter et in loeo fiant. 

Cum iustum conveniendi tempus est, mature omnes adsint. 

Nemo sibi licentiam sumpserit emanendi; sed si quid inter- 
Tenerit, per yeniam dabitur concessio. 

Yeniam petens coram id faciet vel scheda proprii chirographi 
missa causam absentiae reddet. 

Cum catechismi, evangelii et similium in templis et scholis fit 
explicatio, simpliciter omnes interesse volumus; nee valebit absen- 
tiae excusatio nisi ex gravissima causa.') 

Quod si qui somnolenter scholam ingrediuntur, pro membris 
non reputabuntur, sed potius repulsionis sibi periculum esse nove- 
rint, ut quibus ipsi discipuli non sunt, iidem nee ipsis praeceptores 
existant. 

Ingressuri scholam non resistant prae foribus nee in platea, 
et iisdem in locis ociosorum exemplo obambulare sit prohibitnm. 

Scholam ingressus modeste eum locum occupabit, quo prae- 
ceptorum auctoritate quilibet sedere iussus est. 

Serie prohibitum sit, ne quis ante tempus lectionis vagetur, 
cursitet, rixetur aut quoscunque strepitus excitet.^) 

Tempore matutino cum catechismus aut caput ex bibliis reci- 
tandum est, quilibet pro ratione successionis vel ipse recitationem 
absolvet vel alium impeditus substituet. 

Absente praeceptore vel avocato sie omnia agenda sunt, ac si 
coram adesset. 

Antequam lectiones peractae sint, nemo sine venia audaciam 
ex schola eundi sibi sumpserit. 

In intervallis lectionum coUationes aut inquisitiones de lectione 
concedimus; sed futiles verborum commutationes, tumultus, et 
quicquid eins est, prorsus ex scholastico coetu in ultimas terras 
relegamus. 

Omnibus officiis in schola peractis cum ad suas quisque aedes 
dimittitur, abitionem modeste fieri iubemus, et in hoc genere cla- 
mores, vociferationes, tumultuationes et similia simpliciter vitanda 
sibi sciant. 



i) Hier steht am Rand meines Textes bemerkt: „Die kinder müssen 
in die früepred. gehen, wo sie nicht wollen gestraft werden, und die 
paedagogi bleiben im bette liegen.* [!!]. k) Fehlt in den jüngeren Ab- 
schriften. 



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Scfaülergesetse im der Domschale zu Gastro w. 319 

Praefeotis et deeanis esto ebnnnisBum officium, ut seoug agentes 
animadvertant et deprehensos prMceptoribuB indicent, de quibus 
poenae suo sumentur ordine. 

De moribus in platea. 
Semper de tota gubernatione iudicitttti a moribus extemis 
sumitur, ideo diligentisBime mores et virtutes in platea elucere 
Yolumus. 

In plateis necessariae yirtutes sunt: Modestia Yultus, modestia 
in loquendo, modestia in eundo. Inprimis et timpliciter haec 
iabemus prohibita esse, quae sunt ordinum perturbatio, circumcur- 
sitatio, Yociferatio, rixatio, decertatio, tumultuatio, idque adeo, ut 
qui contra fecerit, durissima supplicia subiturus sit. 
Ludere in plateis nemini debet esse licitum. 
Si quis virum honestum reverentia dignum nee non puellam 
et matronam praeterierit, honorem praestabit nudato capite et 
similibuB. 

Si quis alterum petulanti derisione exceperit, re delata graviter 
punietur. 

Cum exemplum dei quisque sit in imagine parva, praefecti et 
decani morum inspectores et de male meritis accusatores esse 
debent. 

De moribus in funere. 
Cum in confesso sit hominem ad immortalitatem creatum, 
decet etiam in funeribus pie defunctorum certa virtutis elucere signa. 
Qui prodeunt in funus, non frivolis cogitationibus^) mentem 
exercere debent, sed multo magis haec intueri, quod omnes mor- 
tales simus, quod saepe subitanea sit oppressio mortis, quod animae 
sint perpetuae, quod post hanc alia vita sit, quod defuncti corporis 
aliquando gloriosa futura resuscitatio, quod deus rogandus sit pro 
felici emigrationis hora, et quaecunque sunt bis similia. 

In plateis quando funus deducitur, prohibitae sunt discursiones, 
strepituB, et quicquid tumultuum nomine iudicari poterit. 

In cantionibuB suam quilibet adiungat operam idque ita, ut 
decore decantatum appareat. 

Cum ad locum sepulturae perventum fiierit, caveat quilibet, 
ne yagetur, ne tumultuetur, ne canendo gubematorem deserat. 

PoBt humationem in decessu idem praestabitur, quod ante 
sepulturam decere significatum est. 



1) Die Vorlage hat am Rand: multo minus frivolis colloquiis. 



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320 Urkunden u. Akten znr Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtswesen^. 

Praefecti et decani tamquam observatores certis intervallis 
debent a caeterorum latere interdum esse ac delinquentes tum 
admonere, tum annotare, tum coUegae de facto eorum declarare. 

De officiis et moribus domesticis. 

Sicut omni tempore lux nostra coram hominibus lucere debei 
ita domi quoque praestandum est, ut nihil praeter ordinem com- 
missum esse perhibeatur. 

Domesticarum virtutum praecipuae sunt: Pietas erga parentes, 
obedientia, fidelitas, modestia, tranquillitas et in vocatione diligentia. 

Qui scholastici sunt, cum a re literaria conceditor immunitas, 
domi se continere debent neque unquam per plateas divagari, nisi 
domesticum aliquod urgeat negocium. 

Nemo rixetur cum familia, nemo tumultus excitet, nemo iussis, 
quae in rem heri sunt, refragetur aut reluctetur. 

™) Qui familiam conturbaverit et herum parte moeroris one- 
raverit, sicut domicilium habere desinet, ita scholae beneficiis et 
privilegiis Omnibus privatus esse debet sine gratia. 

Nemo sine voluntate patris aut heri pro suo cerebro, praeter- 
quam ius et aequum est,*^) emanendi sumat audaciam. 

De officiis erga praeceptores. 

Cum deus opt. max. parentes honorare iubeat, nemini dubium 
est cum ceteros magistratus, tum etiam studiorum morumque forma- 
tores significari. 

Discipuli >toto genere praeceptoribus se ita exhibebunt, ut 
parentum et optime meritorum loco eos agnovisse videantur. 

Si quid praeceptores mandaverint, officii nomine discipulos 
obedire yolumus, propterea quod et plus aetate sapiant et prae- 
sumptio sit non male eos auditoribus velle. 

Quoties cohortationes et obiurgationes audiunt, perinde acci- 
piendae sunt, ac si yiya voce deum loquentem audirent. 

Cum communis sit collegarum yocatio, communis administratio, 
aequaliter omnibus praeceptoribus auditores nostros parere yolumus. 

Asperitatem conyitiationem, infamationem , seditionem erga 
docentes tam prohibemus, quam quod maxime ; qua in re qui secus 
agunt, quid merituri sint, yiderint ipsi. 

Si quis male meritus poenae se subiicere detrectayerit, merito 
pro mortuo membro repudiabitur. 

m) Dieser Satz ist dem andern (Nemo sine . . .) nachgestellt, n) fas et 
iustum. 



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Schülergesetze an der Domschule zu Güstrow. 32t 

Praefeotis et deoanis sit data provincia,®) qui, quod deprehende- 
rint, yel rectori Tel caeteris renunciandi cura tenebuntur. 

De officiis paedagogorum. 
Omne benefioium of&cii gratia confertur; ita paedagogi, qui 
dominomin liberalitate fruuntur, ad remunerationem se obligates 
esse Bciant. 

In paedagogis quataor yirtutes maxime necessariae sunt: Düi> 
gentia, fidelitas, bonestas yitae, comitas.P) 

Cum domi sunt, paeros exerceant in grammatica pro capta, 
eradiant in pietate, moribus necessariis instrnctiores ef&ciant; 
sabinde eohortationibus excitent et suo [quoque exemplo cum in 
studiis, tum in moribus praeluceant. 

In plateis semper iis, quos commendatos habent, adhaerescere 
debent ita, ut deducentes et reducentes comitentur et de iis, quae 
agenda simt, admoneant.^) 

Cum scholam Tel templum adeundi tempus est, deducant eos 
eo et Omnibus in scbola temploque peractis ofiGciis inde domum 
leducant. 

Qoi paedagogi sunt, sine consensu domini (heri) nee absint ab 
aedibus nee diutius absint, quam ab hero permissum est/) 

Qui male paedagogiam gerunt, grayissime punientur, ne oivium 
beneficentia propter abusum claudatur. Nonnunquam depulso male 
merito gubemationem alter aocipiet. 

Poenae sunt: Obiurgatio'), humisessio, cibi potusque sub- 
tractio^), virga, carcer, eiectio. 

o) proTincia inspiciendi. p) Am Rande der Vorlage: Kleidung müssen 
dieselbe verkauffen oder sonst abschaffen, wenn sie auff Universitäten wollen. 
q) Am Bande: Manche schüler bringen ihre discipuli biß an die schule, und 
sie gehn selbst nicht hinein, r) Am Bande: Etliche, wann sie to dem gelde 
bekommen, lassen sie nicht ab, biß solches außer hanses versoffen oder ver- 
q)ielet. s) Am Rande: Ego illum piissimum pnto, cui pudor plus est. t) Hier 
findet sich ein späterer Zusatz: Multa. 



Moniniiflnte 0«nnaiiiae Pafedagogioa XXXVm 21 



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322 Urkunden u. Akten lur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtewesens. 

39. 

Die Oberaufsicht 
über Kirche uAd Schule zu Rostock. 

157Ä und 1584. 



Aas dem BostMker ErbTertrag. 

21. Sept. 1573. 



Aber mitt bestellang des Superintendenten, so alleinn inn der 
Stadt Rostock seinn ampt yerwaltenn soll, soll es nachfolgender ge- 
staldt gehaltenn werdenn, das einn gantzes elirwurdigs ministerium 
oder predigambt inn Rostock sambt zveyen personen auß dem 
mitteil des raths doselbst auß den Tier pfarrhermn einen, der ahm 
allertucbtigstenn unnd geschickestenü zu solchem ambtt erachtett 
wirdt, erwehlenn unnd ihrenn f. g. nitmkundich machenn soll, den 
alsdann ihre f. g. confirmiren unnd bestedigenn, ihme auch das auff- 
sehen über alle prediger, schul- und kirchendiener inn der stadt 
(under welchen dan auch die prediget in den hospitalien zu S. 
Georgen und zum heiligen geist, welche nebenn den schuldienem 
die vier burgermeister ihme dem Superintendenten ahnweisenn 
sollenn, mit begriffenn seindt:) yertrawen unnd befehlenn woUenn. 
Unnd soll gedachter superintendens inn wichtigenn sachenn ohne des 
ministerii rath unnd wissenn kheine ahnotdnung, yiel weniger aber 
newerung inn der stadt thuen noch anrichten. 

Also soll auch der rath die Vorsteher der kirchen bestellenn 
unnd j ehrliche rechnung vonn ihnenn auffhehmenn, auch vleiiB an- 
kehrenn, das die hebungen zu der kirchen gebewen unnd der ge- 
meinenn kirchendiener, als schuldiener, welche vom rath angenomen 
werdenn, item der organistenn, custör, pulsanten unnd calcantea 
underhaltung getrewlich angewendett werdenn. Aber alle andere 
geistliche hebungen, die zum gebew der kirchenn nicht gestifftett, 
noch inn der Vorsteher einnam unnd rechnung gehören, sollen za 
aller der ubrigenn kirchendiener, wie die namenn habenn mugen, 
besoldung unnd zu nichts anders gebraucht werdenn. Were auch 
ettwas vonn solchen hebungenn jehrlich übrig, das soll alleinn zu 



Zu 89 a D.b: Beide Stücke verdanke ich Stadtarchiyar Dr. Dragendorff, 
der sie nach dem Original im ßostocker Ratsarchir aufgenommen hat. 



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Die Oberaufsicht über Kirche und Schule zu Rostock. 323 

mildenn ohristlichenn sachenn, darzu es anfengklich gestifftett, unnd 
ins kheinenn andemn eigen nutz gewandt noch prophanirt werdenn. 

b. 
Aas dem 2. Bostoeker Erbvertrag. 

Febr. 1584. 



1. Anfengklich erkennen und bekennen burgenneister, rath 
und gemeine zu Rostogk, das die suprema inspectio in doctrina- 
libuB et ceremonialibus in der stadt Rostogk den regierenden hert- 
zogen zu Meckelnburgk alfi der stadt landesfursten zustehe unnd 
gebühre, unnd wollen die von Rostogk i. f. g. unnd deren nachkom- 
men den regierenden hertzogen zu Meckelburgk etc. in solcher 
inspection nicht weiniger alß andere meckelburgische stende unnd 
stette gehorsamblich unterworffen seyn. 

7. Eß soll auch mitt besteUung des Superintendenten in der 
Stadt Rostogk gehalten werden, wie solchs in obgedachtem erbver- 
trage Torsehen ist, in § „Aber mitt besteUung des superintenden 
ten etc.^ 

8. ünnd wirdt sonsten tzu der regirenden meckelburgischen 
landesherschafft gefallen billig gestellet, wellicher gestalt i. f. g. 
die inspection der übrigen kirchen des rostogkischen krayses ihrer 
anderen zu Rostogk Yorordenten theologen einem beyhelen wollen» 

U. Die Visitation aber in der stadt Rostogk soll durch zween 
fürstliche meckelnburgische aßeßom des consistorii und zween 
dartzu verordnete auß dem mittel des rhatts hinfiiro vorrichtet unnd 
darinnen nach laudt unnd inhalt der instruction, deren sich s. f. g. 
unnd der rhatt zu Rostogk den 13. Decembris anno 1578^) etc. 
zu Wismer voreinigt, verfahren, auch ein jeder der vier deputierten 
mitt dem gelubde, so angeregter instruction angehefftet, beleget 
werden, 

21. So will auch der rhatt zu Rostogk unberuchtigte unnd 
genungsam begüterte burger zu kirchen vorstehemn erwehlen, auch 
richtige unnd bestendige jerliche rechnung von ihnen nhemen 
unnd die Vorsehung thun, damitt den schuldienem, Organisten, 



^) Die Instruktion, Wismar. 13. Dez. 1578, findet sich abgedruckt bei 
Schröder, Kirchenhistorie lU, S. 469 ff. Das Gelübde S. 472-473. 

21* 



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324 ; Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

custem, pulsanten uimd calcanten ihre betagte dienstgelder und 
besoldungen zu bestimbter zeitt ohne vertzugk und richtig gefallen. 

3t. Ferner soll das closter zum heilligen creutz zu christlicher 
ufferziehung unnd underhaltung einlendischer jungfrawen vom adel 
unnd burger kinder unnd zu nirgents anders gebraucht werdenn. 

32. Unnd soll die wähl unnd nomination des closterprobsts 
hinfuro bei den conventualen unnd bürgermeistem zu Rostogk, 

33. die confirmation aber des erweiten closterprobsts bej den 
regierenden landesfursten seyn, 

34. unnd die Visitation des closters unnd die jehrliche uff- 
nhemung des closters recbnung vor obgemelten vier deputirten des 
fürstlichen consistorii unnd des rhatts geschehnn. 



40. 

Die Visitation der wismarschen Schule 
durch das geistliche Ministerium. 

Wismar. 1573. 



Es soll auch der superintendens neben zugeordneten eines er- 
baren rats und etlicher pastoren alle jähr zweimal die schulen 
visitieren und die knaben im examine verhören und auf die lectiones 
und exercitia, daß die der lieben Jugend und ihren studiis, nutz 
und besserung fruchtbarlich angerichtet und gehalten werden, 
fleissige und treue achtung geben. Es soll auch der Schulmeister 
sampt seinen gesellen, was die Ordnung der lektion, disciplin, ge- 
sänge in der kirchen belanget, dem Superintendenten und gantzem 
ministerio gehorsam leisten. 

Zu 40: Abgedruckt bei Schröder, Eirchenhistorie lU, S. 177. 178. 

Die wismarschen Prediger beschwerten sich bei Herzog Johann Albrecht 
über den Superintendenten Wolfgang Peristerus vom wismarschen Sprengel, 
u. a. daß er sich weigere, bei den Kindern das EatechismusverhOr anzustellen. 
Schröder, Kirchenhistorie 111, S. 170. Eine Kommission schlichtete den Streit 
durch eine Reihe von Artikeln, unter denen auch der unsere ist. 



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Visitation der wismarschen Schule. — Aus Herzog Joh. Albrechts Testament. 325 

41. 
Ans Herzog Johann Albrechts Testament. 

Schwerin. 22. Dezember 1573. 



Und dieweill sich die aufferziehung junger forsten in ihr gantzes 
leben und kunfftige regierüng erstrecket, auch nicht weiniger dar- 
an dan einem grossen schweren baw am grundt fest gelegen, so 
setzen und befehlen wir, bitten auch freundtlich, die herm yor- 
munder wollen mit aller getrewen yäterlichn sorgfeltigkeit daran 
sein, das unsem liebenn sonen bis zu iren mundigen jaren und 
wolmacht christliche gotfurchtige und gelerte praeceptores, auch 
yerstendige und fürstlicher erbarer hoff zucht erfame hoffmeister 
zugeordenet und gehalten werden, die sie zu rechtschaffener er- 
kentnus und warer furcht gottes und zu allen christlichen fürst- 
lichen und lobUchen regenten wolstendigen tugenden, zucht und ge- 
behrden aufferziehenn und die freiheit, darin leider itzo die wilde un- 
artige und unehrerbuttige jugendtauf wechset, und daraus hemachher 
ihr eigener und anderer leute schaden, y erderben, schimpf unndschand, 
auch landen unnd leuten unrath erfolgt, mit nichten bey inen ein- 
wurtzelen lassen, sie auch zum stadieren fleißig anhalten, damit 
sie die lateinissche sprach, historien und institutiones iuris lernen, 
sich derselben in furfallenden hendelen nutzlich gebrauchen, auch 
gelerte und yerstendige leute in iren rathschlegen unnd Stimmungen 
desto leichtlicher unnd besser yerstehen mugen. 

Fumemblich aber wollen wir, das unsere liebe sone yor allen 
dingen die haubtstücke unsers wahren christlichen glawbens aus 
dem catechismo dieser unserer lande und doctoris Martini Lutheri 
buohem zusambt der heiligenn schrifft des alten und newen testa- 
ments ire tagliche lection sein lassen, in betrachtung, das uns der 
son gottes, unser Ueber herr und seligmacher Jesus Christus selbst 
yermahnet, in derselbigen fleißig nachzuforsschen , dan die gebe 
yon im 9 ohn dessen erkentnus alle kunst unnd Weisheit auff erden 
weiniger dan nichts ist, kundtschafft unnd zeugnus. 

Erstlich sollen unsere liebe sone in religions Sachen keine 
enderung in kirchen und schulen einfuhren, sondern bey unserer, 

Zu 41 : Nach dem Original im Geh. und Hauptarchiy zu Schwerin. AV 
gedruckt auch hei Klüver, Beschreibung des Herzogtums Mecklenburg etc. III, 
2. 1789. S. 117 flf. des Appendix. 



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326 Urknnden ü. Akten sur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

ausgangenen kirchen ordenung, die wir mit stadtlichem reiffem gatem 
rathi vieler bewärter christlicher gottseliger lehrer bedacht, publi- 
eiert und angerichtet, und welche auff die prophetissche und aposto- 
lissche lehre und daraus gezogene augsspurgissche anno tausent 
fimfPhundert dreissig weilandt kayser Carln dem funfften von et- 
lichen chur - fursten und stenden des heiligen reichs ubergebene 
confession, auch derselben apologi und schmalcaldissche articul ge- 
gründet ist, steiff, fest und bestendiglich verharren und bleiben. 

Ingleichen und nicht mit geringerm ernst und eiffer sollen 
unsere freuntliche liebe sone über unsere universitet zu Rostock 
als dem fumembsten kleiot unserer lande und furstentumb halten 
und darauff sehen, das dieselbige jeder zeit mit christlichen rainen 
gelerten, bewehrtenn und berumbten lehrern der heiligen schrieiFt, 
der rechte, der artzney, als der hohesten dreien facultaeten und der 
freien kunste, auch in hohen schulen üblicher sprachen zur gueten 
notturfft bestellet und besetzt sey. Da es auch noet, darin refor- 
mation oder Visitation und enderung furzunehmen, soll inen solchs 
jederzeit mit Zuziehung verstendiger leute, fiimemblich aber von 
inlendisschen und iren eigenen undertanen, auch nach gelegenheit 
von auswertigen und frembden mit ernst angelegen sein, in betrach- 
tung, das die universitet gleich* einem pflantzgartenn und werck- 
stette, daraus beide regiment, geistlich und welthch, in den für- 
nembsten stenden versorgt und besetzet werden mussenn. 

Und dieweil bey vielen pastom und schuldienem hin und wider 
in unsem landen taglich allerley clagen gehört werden von wegen 
ires geringen underhalts und in unsern fumembsten stetten, da 
zuvor grosse clerisien gewesen und viel meßpfaffen im bapstumb 
reichlich gelebt, itzo weinig personen zu Verrichtung des gottes- 
dienstes mit noet emehret werden können, welches unsers erachtens 
daher am allermeisten verursacht wirt, das die angestellte visita- 
tiones an viell orten nicht volkomlich gehalten, zum teill auch 
nicht exequiert, zum teill von den oconorois unordentlich und übel 
hausgehalten, die haubtssummen und gueter, von dero reuten und 
hebungen die kirchen diener leben und besoldet werden sollen, 
abgemahnet, nicht widerumb zu nutz angelegt, auch von inen jer- 
liche rechnung selten und an etlichn orten gar nicht genommen, 
imd gleichwoU die kirchengueter darunter zum eigen nutz ange- 
wendet, untergeschlagen, auch woll etwa von den patronen oder 
lehenherrn selbs occupiert und profaniert, desgleichen auch die 



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Aus Herzog Johann Albrechts Testament. 327 

beneficia und lehen, so Tor alters zu milden Sachen gestifftet, nach 
gimst und affection mehr, denen die patronen gewogen, dan die 
derselben wirdig und vehig, verliehen werden, darüber die kirchen 
in abfaU kommen und ungelerte, ungeschickte und offtermals erger- 
liohe leute in die pfar- und Schuldienste einschleichen, welche sich 
nmb nichts, dan wie sie ein stuck brottes erschnappen mugen, be- 
kümmern und derhalben alles nach irer patronen und obern ge- 
fallen hingehen lassen, die sehelsorge irer kirchspilkinderen ver- 
säumen eins teils, auch anderer und irem orden und stände ubel- 
anstendigen hendell als hopffenkauffs, procurierens, notariatambts und 
derogleichen sich understehen und annehmen, welchem allen da 
l^ftger solte zugesehen werden, ohn allen zweivel gottes gerechter 
soim über unsere liebe sone, auch lande und leute kommen und 
uns «tines tewren werden worts umb unsers verdiensts und un- 
danckb%vk^t willen berauben und verlustig machen würde. Dem- 
nach so Offenen, setzen und wollen wir, das unsere freundt- 
liche liebe aoae ein fleißigs ernstes auffmercken hierin haben, 
gotsforchtige v^ntendige leute darüber zu rath nehmen und 
allen mengelen, die wir diesfals in richtigkeit zubringen ver- 
hindert worden, zu Verwahrung irer gewissen, und damit sie 
gott von irem tragenden befohlenen fürstlichen ambt schuldige 
rechenschafft geben können, aiieh seines segens, den er allen, 
die ihn von hertzen lieben, oberen und fdrchten, verhaist, teilhafftig 
werden mügen, durch billiche rechtmeßige mitteil zu grundt ab- 
helffen. 

Gleichergestallt sollen auch unsere sone über der fürstlichen 
particular schul alhier zue Schwerin, welche wir aus gnugsamen 
erheblichen Ursachen angerichtet, und daraus viell gelarter leute 
kommen, die hin und wider in Deutzschland bey chur und fursten zu 
bestellung geistlichs und weltlichs regiments gebraucht wurden, 
steiff und fest halten, daran den noetwendigen Unkosten nicht 
sparen, vielweiniger aber dieselbige abgehen lassen, sowohl als sie 
auch unsere liberei, darzue wir ein anfang alhier auff dem schloß 
gemacht, erhalten und von jaren zu jaren vermehren, auch durch 
keine teylung zerreissen noch von hinnen verrukken sollen. 



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328 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichiswesens. 

42. 

Die Yerpflichtimg der Schule 
zur Leichenbegleitnng. 

1575. 1576. 

a. 
Die Begleitung der Leichen durch die wismarsche Schule. 

Wismar, 1575. 

Item, darmit men henfdrder eigentlich weten möge, op welck 
tidt de lyke scholen beerdiget werden, so scholen desolven ap den 
mandaoh, dingstach, middeweken, donnerstach imdt freidach tho 
twen schlegen begraven werden, undt dat dorch de selemanerschen ^) 
den scholegesellen tho rechter tidt schall angesecht werden, dat 
se mit den hindern np den klockenschlach Yorth sich na dem lyke 
Yorfoegen scholen, des sonaYcndes tho einem schlage undt des 
sundages tho dren schlegen. 

Item, den scholegesellen mit der gantzen scholen schall ge- 
gOYcn werden 2 marck, mit twBn carspeln eine marok, mit einem 
carspell, de temelikes Yormogens sin 6 6, de armen 3 fi. 

b. 
Lelchengeldgebfthren der Schulmeister In Bestock. 

Rostock. 14. April 1576. 

Wen die Schulmeister einen todten zu der erden bestettigen 
helffen, sol man inen dafür geben, wie folget: 

Für ein alt leich, da Yorgeleutet wird, einen gülden. 

Za 42a: Aur der «Ordnung des ersamen rades der stadt Wißmar orer 
de doden begreffnüs und alles, was dortho gehorigk, anno 1575 in der £uten 
uffgerichtet", abgedruckt bei Schröder, Kirchenhistorie III, S. 218. 219; auf meine 
Bitte aus dem Original von Dr. Techen aufgenommen. 

^) Seelemanersche, wohl die Totenkleiderin, welche den Sterbe&ll in 
den Bekanntenkreisen meldete. 

Za 42 b: Aus der Rostocker Polizeiordnung von 1576. §: Von schul- 
meistern. Bogen M'. 

Eine Begräbnisordnung in Rostock aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts 
findet sich bei Wiechmann- Hofmeister, Mecklenburgs Altniedersächsische 
Literatur. III, S. 111 besprochen; hier auch ein Hinweis auf Wiederholungen 
derselben. S. auch S. 129. 



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Die Verpflichtung der Schule. — - Ansichten des D. Chythräus. 329 

FQr ein leich, dazu mit den grossen glooken ohne vorlenten 
geleutet wird, eine marok lübisch. 

Für ein leich, dazu die bürgerglocken geleutet werden, einen 
halben gülden unnd für die kinderglocken 8. ßl lübisch. 

Würden auch die leiche one leutent weggebracht, sol man 
dem Schulmeister vor ein alt leich 6, und wen ein kind begraben 
wird, 4 ßL lübisch geben. 



43. 

Ansichten des D. Chyträns in betreff einzelner 
Aufgaben der Schule. 



1578. 



Der Kirehengesang in der Sehule im Sinne des Professors 

DaTld Chyträns, 

[Rostock 1578.] 

Damit . . gottes wort und alle göttliche lehr, vermanung, ver- 
heissungen und drawungen mit grösserem lust und frewden gefasst 
und leichter in bedechtnus behalten und desto tieffer in der Zu- 
hörer hertzen durchdringen und dieselben zu warer hertzlicher 
gottseligkeit, furcht, liebe, trost, freud, gebet und dancksagung 
desto brünstiger bewegen und anzünden, hat der gütige, weise, 
barmhertzige gott die schöne liebliche musica oder gesang in seiner 
lieben kirchen von anfang her geordnet und erhalten, darin alle 
artikel unsers christlichen glaubens und die fümemsten gottes werck, 
wolihaten und geschieht und sonderlich die gnedige erlösung des 
menschlichen geschlechtes umb Christi willen in reimen und gesangs- 
weis rund und deutlich gefasst und mit andacht und ernst ge- 
sungen und die liebe jugent und andere durch die liebliche musica 
mit lust und freuden zu warer erkentnus gottes, glauben, danck- 

Za 48 a: Aus David Chyträns, Der fürnenidten heubtstück christlicher 
lehr nützliche and kurtze erklerang. Rostock 1578. Teil VII, 8. 250a— 261b: 
,,Ordnnng der christlichen gesenge und lection der heiligen schrifft, so dep 
Bontags und teglich zur metten und vesper oder vor und nach mittag das 
gantze jar durch, so viel nach jeder kirchen gelegenheit möglich, gehalten 
werden.* Weggelassen ist ein allgemeiner einleitender Teil, S. 250 ab, bibli- 
sche und historische Ausführungen, S. 251b— 253a, die Aufzählung der Gesänge, 
S. 254a— 260 a. 



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330 Urkunden u. Akten zur Geecbichte des mecklenburg. Unterrichtsweaens. 

sagung und allen gottgefelligen tagenden und gottesdiensten mit 
fröhlichem hertzen gereitzet und unterwisen und von den unnützen 
und schedlichen weltliedern abgeführet würden. 

Derhalben itzgemelte gesenge, so von dem heiligen geist selbst 
durch den propheten David und andere gottes männer in der 
heiligen schrifFt und durch die heiligen alten väter und zu unser 
zeit durch D. Luthem und andere seine trewe mitgehülfFen gemacht 
sind, mit allem vleis und trewen in allen christlichen yersamlungen 
der kirchen gesungen und der lieben Jugend und dem gemeinen 
man von den schulmeistern und küstern in dorffem und flecken 
tcewlich fürgesagt und eingebildet sollen werden. 

Denn in den kirchen, da die zuhörer der latinischen spräche 
gantz unerfaren und keine schüler sind, auch sonst, wenn die gemein 
zusamen kompt, sol alles oder ja das meiste in deudscher den 
Zuhörern bekandter sprach gelesen und gesupgen werden, auff das 
nach der lehr 8. Pauli 1. Korin. 14. alles in der christlichen gemein 
ad aedificationem oder zur besserung geschehe, das wäre erkentnis 
gottes, warer glaub, anruffung, furcht und gehorsam gegen gott 
und in summa wäre gottseligkeit in der zuhörer hertzen durch das 
fürgelesene oder gesungen gottes wort erbawet, vermehret und 
gestercket werden. Dazu ist ja nötig, das die zuhörer das jenig, 
was geredt oder gesungen wird, vernemen und vorstehen können 

Wo aber in stedten und sonst lateinische schulen sind, ist in 
den fümemsten und eltisten der augspurgischen confession ver- 
wanten kirchen gewonlich, das zu Übung der jugend und umb der 
andern willen, so lateinisch verstehen, die alten herlichen lateini- 
schen kirchen geseng, da gemeiniglich ein sonderlicher geist, kraift 
und leben in ist, mit untergesungen werden, als die schönen her- 
lichen sequentiae: Yictimae paschali laudes, auff ostern. Yeni 
sancte spiritus et emitte coehtus. Item : Spiritus sancti adsit nobis 
gratia, auff pfingsten. Benedicta semper sancta sit trinitas, auff 
trinitatis. Laus tibi Christo, auff Mariae Magdalenae. Psallite regi 
nostro, in die decoUationis lohannis Baptistae. Summi trium- 
phum regis, auff ascensionis. Cläre sanctorum senatus apostolorum 
und Caeli enarrant gloriam dei filii, de apostolis. locundare plebs 
fidelis, de evangelistis. Agone triumphali militum regis summi. 
Item: O beata beatorum martyrum, solennia de martyribus. 

Item: Die schönen antiphen: Haec est dies, quam fecit dominus, 
auff annunciationis und nat. Yeni sancte spiritus, auff pfingsten. 
admirabile commercium, auff circumcisionis etc. und die auserlesene 



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Ansichten des D. Ghytraus in betreff einzelner Aufgaben der Schule. 331 

responsoria: Siimmae trinitati, simplici deo, auff trinit. Gaude 
Maria, cunctas haereses sola interemisti, quae Gitbrielis archangeli 
dicÜB credidisti etc., auff purifioationis. Discubuit, in die caenae 
domiDi. Tenebrae, auff den freytag. Media vita in morte sumus, 
de defunctis. Der tractus: Domine non secundum peocata nostra, 
in der fasten etc. 

Zu diesen lateinischen gesengen braucht man in vielen kirchen 
die psalmodiam oder cantica sacra veteris ecclesiae per Lucam 
Lossium selecta, darin die reinen antiphen, responsoria, hymni, in- 
troitus und sequentiae im ersten teil auff die sontag und fest Christi, 
im andern teil auff die fest Mariae und anderer heiligen apostel 
und marterer, im dritten teil die geseng beym heiligen abendmal, 
als Kyrie, Gloria, Patrem, praefationes, Sanctus, Agnus Dei etc. 
mit mancherley noten nach unterschied der festen, im yierden teil 
die psalmen mit iren antiphen und intonationibus zusammen ge- 
bracht sind. Und wird vleissig darauff gesehen, das die schönen 
herlichen, alten lateinischen geseng nicht gantz und gar vergessen 
und verloren, sondern jarlich auff ire tag oder ja auff die sontag 
für oder nach, wenn solche festag im jar einfallen, gesungen werden. 
Derhalben dasselbige buch oder psalmodia Lucae Lossii in viel 
kirchen, darin lateinische schulen sind, gekaufft wird. 

b. 
Die Konfirmation im Sinne des Professors David Chyträns. 

Rostock. 1578. 

Es ist zu pflantzung und erhaltung reiner christlicher lehr, zu 
beforderung warer gottseligkeit, guter zucht und christlichen wandeis 
bei jungen und alten sehr nützlich und dienstlich, das man die alte 
christliche weise der confirmation oder des examinis der jenigen, 
so erstlich zum heiligen sacrament des leibs und blutes Christi gehn 
wollen, erhalte, das die pastores und prediger zu bestimpten zeiten 
die kinder von 10. 12. 14. 15. jaren öffentlich in der kirchen im 
catechismo verhören, in welchem examine die kinder iren glauben 
und bekentnis von den fürnemsten und nötigsten stücken christ- 
licher lehr nach Ordnung des catechismi öffentlich anzeigen und 
ire zusage und erstes gelübnus, das sie durch die paten oder götten 
der heiligen dreifaltigkeit in der tauffe gelobet und versprochen 

Zu 48b: Ebenda. TeillV. S. 223a— 228a: »Von der confirmation«. 
Ausgelassen ist die Anrede an das Volk, S. 226a, das Gelübde und ein Gebet 
auf S. 227 ab. 



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332 Urkunden n. Akten zur Geschiebte des mecklenburg. Unterrichtawesens. 

haben, öffentlich wiederholen und Iren glauben und bekentnis von 
der mahometischen türcken, widerteuffer und anderer secten ir- 
thumen absondern und in warem glauben, rechter anruffang und 
willigem gehorsam mit gottes hülff allzeit zu yerharren festiglich 
zusagen und also hemachmals zu der gemeinschafft des heiligen 
sacraments zugelassen werden. 

Denn hiedurch die liebe Jugend die christliche lehr desto 
fleissiger, gründlicher und voUkomener zu lernen und stercker, 
grösser und reicher erkentnus gottes und unsers heilandes Jesu 
Christi, darin das ewige leben stehet, zu bekommen und mit 
dem alter auch in weißheit und gnad bey gott und fromen menschen 
zuzunemen, erweckt und entzündet wird, wie von S. Johanne dem 
teuffer geschrieben stehet, das er mit dem alter auch im geist ge- 
wachsen und starck worden sey. Und von solchen kindem, die 
iren catechismum wol gelemet haben und an den herrn Christum 
glauben, redet on zweiffei Christus auch, da er ein kind dem 
grösten im himelreich vergleichet und dazu spricht : Wer ein solches 
kind in seinem namen auffneme, der nemo Christum auff, wer aber 
dieser kleinen kinder eines, die an in glauben, ergere, dem were 
besser, das er im tieffsten meer erseufft würde. Sehet zu, das ir 
nicht jemand von diesen kleinen verachtet, denn ire engel im 
himel sehen allezeit das angesicht meines vaterä im himel.^) 

So werden durch diese weise, die kinder oder die catechumenen 
öffenüich in der kirchen zu verhören und zu bestetigen, die eitern, 
gevattem, prediger und Schulmeister erinnert und verursacht, ir 
ampt in Unterweisung der lieben Jugend im catechismo mit grösserm 
fleis und ernst zu bedencken und auszurichten und nicht allein für 
ire kinder und catechismusschüler, sondern auch für sich selbst 
mehr fleis an gottes wort und christlicher lehr recht und gründlich 
zu lernen anzuwenden. 

So ist diese weise bei der kirchen gottes im alten und newen 
testament allezeit gebreuchlich gewest, das die in der kindheit 
durch die heilige tauffe zu gottes kindem und der gemeinschafft 
der kirchen Christi angenomen sein, hemachmals, wenn sie zu iren 
verstendigen jaren gekomen, von iren eltem und lehrmeistem in 
allen heubtartickeln christlicher religion unterweiset und damach 
iren glauben in der kirchen gottes öffentlich selbst bekennet haben. 
Dabey denn ein hertzlichs gebett von der gemeinen kirchen ge- 
schehen und die kinder durch aufflegung der hende und gebrauch 



») Luc. 9, 48. Matfch. 18, 6. 10. 



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Ansichten des D. Chytr&ns in betreff einzelner Aufgaben der Schule. 333 

des heiligen abentmals sein bestätiget worden, wie unser herr 
Christus selbst die kinder, so von Iren eitern zu im gebracht 
würden, mit aufflegung der hende und seinem göttlichen segen 
confinnirt und bestetiget hat, Matt. 19., und die lieben alten yäter 
und Patriarchen über die kinder gebetet, hende aufiPgelegt und sie 
gesegnet haben, und der herr Christus selbst, als er ein kind bey 
12. jaren von seinen eitern in die kirchen gefärt ward, seinen 
glauben öffentlich bekennet und auff die fragen des catechismi also 
gottselig und herrlich geantwortet hat, das alle, die im zuhöreten, 
sich seines Verstandes und seiner antwort verwunderten, Luc. 2. 

Forma confirmationis. 

Wenn nu die kin.der irgend biß an ir 10. 12. 14. oder auch 
weniger jar gekomen und iren catechismum sampt der kurtzen 
auslegung Lutheri und etliche andere fümeme fragen von christ- 
licher lehr, welche hievor^) verzeichnet sind, fest auswendig ge- 
lemet haben und ziemlich verstehen, sollen sie von irem vater oder 
vormünden zu dem pastor gefüret werden , welcher in ein tag be- 
stimmen wird, auff welchem er sie öffentlich in der kirchen vor 
dem altar verhören wolle. 

Nu sind in etlichen kirchen die ostern und pfingstheiligen 
tag, anderswo der sontag zu dieser verhöre geordnet, das sie als 
bald nach der verhöre mit zum sacrament gehen. 

Als denn sollen die gevattern und eitern oder, so die gestorben, 
ire vormünde und andere von der freundschafft den knaben oder 
das megdlin eins oder mehr zum altar füren. Da denn der pastor 
oder kirchendiener mit dieser vorrede, welche auch in andern 
kirchen gebraucht wird, oder mit dergleichen rede das volck an- 
sprechen mag 

Damach lasset er das kind anfenglich den glauben, die zehen 
gebot, vater unser und einsetzung der heiligen sacrament mit hel- 
ler und deutlicher stim auff sagen und fraget als denn weiter: ' 

Was der christliche glaub sey ? 

Was unterscheid sey zwischen dem christlichen glauben und 
der türcken religion? 

Wie viel personen in der gottheit sein ? etc., wie diese fragen 
sampt kurtzen und richtigen antworten kurtz zuvor ordentlich ge- 
setz sind. 

Nach dieser verhör sol der pastor das megdlin oder kneblin zur 
bestendigkeit im glauben, im gebett und andern tugenden vermanen. 

') 8. Anm. ssu 43 a. 



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334 Urkunden n. Akten zur Geschichte des meckienburg. Unterrichtswesenfi. 



Auff diese yermanong sol der knab oder megdlin eine zusage 
thon mit solchen oder dergleichen worten, welche im der pastor 
fürsagen sol. 

Nach dieser rede sol der pastor dem knaben oder meglin die 
band auffs henpt legen. 

Und alle, die da gegenwertig sind, sollen ein ernstlich gebett 
thun in gemein für die gantze christliche kirche und für die vor- 
gestalten personen. Man mag auch singen: Yeni sancte spiritofi. 

Der pastor aber sol mit diesen oder dergleichen Worten beten. 



Darnach sollen dieselben kneblein oder megdlin sampt iren 
eitern zum tisch des herren gehen. 

c. 

Der Kateehismusunterricht 

nach dem Sinne des Professors David Chyträns. 

[Rostock 1578.] 

Nachdem der heilige catechismus oder summa christlicher lehre 
in die zehen gebot, glauben, vater unser und die wort der heiligen 
sacrament etc. kürtzlich zusamen gefasset, der gmnd unser christ- 
lichen religion und kern der gantzen heiligen schrifft und die 
höchste weißheit in himel und erden ist, die uns der son gottes 
und die aposteln selbst von wort zu wort fürgeschrieben und 
immerdar trewlich gelehrt und außgelegt haben, so gebüret allen 
Christen und sonderlich den pastoribus und Seelsorgern, das sie den 
heiligen catechismum gottes hertzlich lieb und werd halten, teglich 
von wort zu wort sprechen, immerdar fleissig betrachten, inen selbst 
und iren kindem fürsagen, lesen, singen, erkleren und die prediger 
in.allwege fümemlich dahin gedacht sein, das sie in mit höchstem 
fleis bey iren kindem und zuhörem treiben und pflantzen, daraus 
sie iren glauben und anruffung gottes und ir gantzes leben gott- 
seliglich und christlich anstellen und regieren mögen. 

Und ist sonderlich gottes ernster und unwandelbarer befelch, 
das man den lieben kindem und der Jugend aufiF das trewlichst 
und fleissigst den heiligen catechismum furtragen, erkleren und 
einbilden sol. Deut. 6: Diese wort (der zehen gebot) soltu zu hertzen 

Zu 4S : Ebenda und zwar aus der angehängten „Eirchenagenda", Teil III : 
„Vom catechismo." S. 211b— 223. Zu dieser Kirchenordnung 8. Krabbe, Dftvid 
Ohyträus. 1870. S. 223 und Anm. 2. 



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Ansichten d«t D. Chyiräas in betreff einzelner Aufgaben der Schule. 335 

nemen und soll sie deinen kindern fleissig lehren oder scherpffen 
wie im ebreischt&ti text stehet, das ist, hell und deutlich erkleren 
und immer für Uhd für treiben und üben, und sie dieselbigen zu 
lernen fleissig atthulten und widerumb von inen fordern und auff- 
sagen lassen. 

Ephes. 6: Ir Yeter, ziehet ewre kinder auff in der zucht und 
Termanung des h^ttn Christi, das ist nicht allein in eusserlichen 
tagenden, guten sitton und künsten wie die heyden, sondern auch 
das sie die lehr vott gott und unserm herrn und seligmacher Jesu 
Christo, das ist göttes wort und den lieben catechismum lesen, 
lernen, behalten uüd zu rechter erkentnus und anruffung gottes 
und warer gotseligkolt gewöhnet werden. 

Psal. 78. Gott h&t sein zeugnus, das ist sein wort und sein 
gesetz gegeben, das ht unsern yettem gebötte zu leren ire kinder, 
die noch selten gebölren werden, wenn sie auffkomen, das sie es 
auch iren kindern yerkündigten, das sie setzen auff gott ire hoffnung 
und nicht vergessen der wolthaten gottes und seine gebott hielten. 
Psal. 119. Wie Wird ein jüngling seinen weg unstrefflich gehn? 
Wenn er sich helt nAch deinen werten. 

Timoth. 3. Von kikidt auff weisestu die heilige schrifft, welche 
dich kan unterweisen zur Seligkeit durch den glauben an Christum 
Jesum. 

Psal. 34. Eompi her, ir kinder, höret mir zu, ich wil euch 
die furcht des herrn lehren. 

In diesen Sprüchen ist gottes will und befelch klerliohen auß- 
gedruckt, welcher die liebe Jugend gottes wort und christliche lehr 
fleissig studieren und bewaren und die eitern, prediger und Schul- 
meister iren kindern und zuhörem den catechismum christlicher 
lehr fleissig fürhalten, erkleren und einbilden heisset. 

So hat der liebe barmhertzige gott und unser heiland Jesus 
Christus für andern ein sonderlicher wolgefallen an den lieben 
kindern und zarten jugend, die den seligen gnadenbund und gaben 
des heiligen geistes in der tauff empfangen, in reinem hertzen und 
einfeltigen unbefleckten glauben bewaret, den catechismum fleissig 
lernet, mit frölichen und keuschen hertzen gott anruffet und dancket 
und seinen eitern und Vorstehern demütig gehörsam ist. 

Solche kinder sind der reineste und beste teil des gantzen 
menschlichen geschlechts und die rechte schöne blüe der christ- 
lichen kirchen, welche gott sonderlich lieb und angenem und des 
ewigen himmelreichs schönste pflentzlein sein, Matt. 19: Lasset die 
kinder zu mir, Christo, komen, denn solcher ist das himelreich. 



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336 Urkunden u. Akten znr Geschichte des mecklenburg. Unterrichts wesens. 

Item: Es ist nicht der wille des himlischen vaters, das eines Yon 
diesen kleinen yerloren werde. ^) Es sey denn, das ir umbkeret und 
werdet wie die kinder, so werdet ir nicht in das himelreich komen.*) 
Item : Aus dem munde der unmündigen und seuglingen hastu dein 
lob bereitet.') Diese liebliche und herliche zeugnus yon den heiligen 
catechismus schuelem, den lieben kindern, selten ja alle gottselige 
christliche eitern, Schulmeister und prediger hertzlich lieb und werd 
halten und an ire kammer, schulen und predigstul schreiben und 
oSt betrachten, wie ein grosser schätz an den lieben kindern zu 
lehren und gotselig zu underweisen inen befohlen sey. Sollen 
auch in iren lehrampt desto fleissiger sein und sich mit den lieben 
aposteln nicht yerdriessen lassen, yiel weniger Schemen, dise nütz- 
liche kinderlehr oder catechismum on unterlas der lieben Jugend 
einzustreichen und einzubleuen, damit sie den grund der christ- 
lichen ehr und warer gottseligkeit trewlich fassen. Denn was man 
fest und stet im gantzen leben behalten wil, das mus man in der 
Jugend lernen. Und wo der grund nicht zuyor recht gelegt ist, 
da wird, wie die weisen sprechen, alle arbeit, das ander darauff 
zu bawen, yergeblich angewendet. 

Derhalben wir yon dem heiligen catechismo diese Ordnung als 
eine yon den fumemsten, nötigsten und nützligsten Ordnungen in 
der gantzen kirchen agenda setzen und mit grossem ernst und 
trewen weiten gehalten haben, das die pastores in den kirchen 
dieser landen, die Schulmeister bey iren schülem, die haußyeter 
bey iren kindern und gesinde die lehr des catechismi mit höhestem 
fleis treiben und pflantzen, also das die prediger alle sontag (allein 
die hohen fest ausgenomen) die nachmittags predigt mit keiner 
andern materi als mit dem lieben catechismo zubringen. Und 
wenn sie in ein mal geendiget, bald dafomen wiederumb anfangen 
und on unterlaß wiederholen und treiben, also das sie in allen 
predigten erstlich die blossen wort der zehen gebott, glaubens, 
yater unser und sacrament imerdar auif einerley foim und weiß on 
einige yorenderung dem jungen yoick und gemeinen man mit 
langsamer deutlicher und klarer stim ordentlich fursprechen und 
die Zuhörer yermanen, das sie fleissig darauff mercken und solche 
wort auch so nachsagen und außwendig lernen. 

Und damit einerley gewisser text und form aUer stück des 
catechismi durchaus in diesen kirchen gebrauchet und das junge 

») Matth. 18, 14. 
«) Matth. 18, 3. 
*) Matth. 21, 16. 



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Ansichten des D. Chyträus in betreif einzelner Aufgaben der Schule. 337 

und einfeltige volck nicht durch unnötige yerenderung, zuthuung, 
aussenlassung oder verrückung eines worts oder syllaben irr ge- 
macht werde, wollen wir, das diese wort der zehen gebot, glaubens, 
▼ater unsers etc., wie sie in D. Luthers kleinen catechismo stehen, 
anff einerley weise allenthalben stetes und ewiglich behalten 
werden. 

Dergleichen soll in schulen vor allen dingen der catechismus 
geleret und die kinder von jugent* auff zum gebett und gottselig- 
keit gewöhnet und alle tag, ehe sie morgens heim gehen, die 
stuck des catechismi mit einerley werten den kindem fürgesprochen 
oder von den kindem samptlich auffgesagt werden, also das der 
Schulmeister lateinisch oder deudsch, nach dem die knaben studieren, 
anfahe: Haec sunt praecepta domini dei nostri, darauff die kinder 
folgen: Primum praeceptum: Ego sum dominus deus tuus, non 
habebis etc. 

Der Schulmeister: Hi sunt articuli fidei nostrae, die knaben: 
Credo in deum etc. 

Desgleichen ein jeglicher haußvater seine kinder und gesind 
darzu halten soll, das sie morgens, ehe sie essen oder zur arbeit 
gehen, ir gebett sprechen und die stuck des catechismi ordentUck 
erzelen. 

In etlichen wolgeordneten kirchen pfleget man auch alle son- 
tag morgens vor der predigt die stück des catechismi nacheinander 
von dem predigstuel dem volck deutlich für zulesen, welches wir 
auch in diesen kirchen nach eines jeden orttes gelegenheit, sonder- 
lich in dörffem, daman nach mittag leider unfleissig zur kirchen 
kömpt, gern gehalten sehen. 

Aber in der ordentlichen catechismus predigt am sontag nach 
mittag, wenn die blossen wort und text des catechismi imerdar 
auflF einerley weyse nacheinander erzelet sein, sol der prediger 
allezeit nur ein stücklin für sich nemen, als ein einiges gebott, 
einen teil des symboli oder nur ein artickel davon, eine bitte im 
vater unser, ein stuck der lehr von heiligen sacramenten etc. und 
desselbigen einigen Stückes verstiEtnd und meinung, was es gesagt 
sey, fein einfeltig, schlecht und recht imerdar mit einerley deut- 
lichen, kimigen, kurtzen werten erkleren und außlegen und die- 
selbigen einerley wort offt wiederholen, welche einerley wort und 
kurtze außlegungen allein auß doct. Lutheri kleinem catechismo 
genomen und kein andere form jemals eingefürt und gebraucht 
werden solL 

Monnmenta Oennaniae Paedagogica XXXVm 22 



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33b Urkunden u. Akten zur Geschichte clea inecklenbarg.Trnterriöhtäweseiis. 

'Seich dieser einfältigen außl^^ng mag er Von dem firelbigän 
geböit öder stück des catechismi weitibufftiger r)Bden 'ütid ttiit an- 
ziehüiig meh'rer sprüch und zeugnus diBr heili^eü schrifft, götlicher 
Yerheissungen und dräwungen, exemp^lh, verhfanüngen und straff 
der ungehorsamen etc. außstrieichen, 'und ^o ers nicht besser zu 
machen vermeinet, dem grossen catechismus Lutheri folgen oder 
Von vrbrt tu vC^brt 'förlesen, wie denn "unser ernste meinung ist, das 
der*klÄ!h uüd grosse catechiUtnQs -Lnth^n ewij^i^h bei dieser land 
kirchen soll erhalten werden. 

Aber zum bdschluß der predigt, w'dlche nicht über ein halbe 
stünde erstrecket, soll deöselbigän Stücks des catechismi kurtze 
aüßlegtmg aus ^doctoris Lutheri kteitten catechismo widerumb von 
w^ort 'zu wort dem volck 'auff einerley weyse ftirgespröchen und 
etlich mal 'Widerholet wenden, damit sie dieselbigen 'wort auch 
außwendig lernen und auffsagen können. 

Nach der predigt lasse mfan die kiäder, junge knaben und 
megd, an ein bestimpten ort mitten in der kirchen zusaitaea komen, 
da verhöre der pfarherr mit seinen collegen ein jedes in Sonder- 
heit oder etliche darauß, ob sie ir gebett, zehen gebot, glauben etc. 
können sampt der außlegung. 

• Von dieser verhöre oder mündlichen bericht, frag und antwort 
hat der nam catechismus seinen Ursprung:. 

Denn catecheo oder catechizo eigentlich mit lebendiger stim 
einen unterweisen und widerumb verhören, ob er das jenig, was er 
gehöret, recht verstanden und behalten hab, heisset. Und ist diese 
gewonheit, junge Christen zu leren und zuverhören, allezeit in der 
kirchen gottes breuchlich gewesen nicht allein darumb, das sie als 
der fleissiger darauff merckten und lemeten, was in^n fürgetragen 
würde, dieweil sie es wider auff sagen müssen, sonder auch, das 
sie ires glaubens bekentnus für gott und seiner kirchen öffentlich 
theten, ehe den sie durch die tauff der kirchen äingeleibet würden, 
darher noch die fragen und antworten 'in den ceremönien der tauff 
geblieben sein, und damit die prediger und lehrör in der kirchen 
wüsten, ob Ire zuhörer die lehre recht eMgenomen und in christ- 
lichem verstand' und gottseligkeit zunemen. Denn Bolches ä^u eines 
trewen lehrers ampt sonderlich gehöret. 

Es sollen aber die'pastores in solchem 6xamine uüd verhöre 
lieblich und freundlich ' und holdselig mit den kindem faren, (wie 
unser herr Christus selbs die kinder adff das aller lieblichst und 
freundlichst angenomen hat) für allen zuhörem ' seuberliöh loben 
und so fort zufaren, vermanen, die es nicht wol können, aber doch 



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Axiaichten des p.,Q^jtr^ti8 in betreff ^einzelopr ^ufgal^en fi^ Bchnle, ^30 

gern lernen weiten, nicht .bald p^^ptlich.SQ^^ltefi o^er luurt ai^aren, 
sondern freundlich erinnern und vermaDen, das sie gqtt zu.i^f^mi 
und zu irer gelbst wolfart grossem vleiß zu lernen /eu^^enden, das 
sie also nicht durch der prediger unfreundlikeit von deip c{^t;echi^f)[{p 
abgeschreckt, sonder mit Uebe, lust^uQd freuden denselben lernen. 
Nach dem examine sollen die kinder irer heiligen tauff und 
des seligen gnadenbu^des, den gott mit in in der :tauff auffge- 
richtet hat, und irer zusag und gelobnus, da^sie durch ire^pc^ten 
der heiligen dreifaltigkeit getan haben, kürtzlich erinnert und zu 
warer gottseligkeit,.woht, gehorsam, trew und warbeit yermanet 
und mit men hertzlich gebetet und zum besohluß gott mit christ- 
lichen gesengen gedancket werden. 

Wenn nun der catechismus also schlecht und einfeltig ettlich 
mal efkleret ist und die jungen knaben und megdlin die wort der 
zehen gebott, glaubens, vater unser etc. sampt den kurtzen auß- 
legungen Lutheri wol und* fertig können, sol der prediger bey eiaem 
iglichen stück des catechismi noch mehr nützlicher und nötiger 
fragen erkleren, als bey den zehen geboten oder gesetz gottes: 
Was für unterschied sey tzwischen dem gesetz und evangelio? 

Antwort: 
Das gesetz sind die zehen gebot, welche leren, wie wir sein, 
was wir tun und lassen sollen, und verdammet alle menschen, die 
nicht Yolkomenen gehorsam leisten. 

Das evangelion ist die gnedige yerheissung von Christo, darin 
nns Vergebung der sünden und ewiges leben lauter umb sonst umb 
Christi willen geschenckt wird, und ist die sunmia des evangelii 
dieser spruch: Also hat gott die weit geliebet, das er seinen ein- 
gebomen son gab, auff das alle, die an in gleuben, nicht sollen 
verloren werden, sondern das ewige leben haben. Diß ist viel ein 
andere höhere lehr als die zehen gebot. 

Ob wir dem gesetz gottes mit unserm gehorsam vermögen 
gnug thun? 

Antwort: Nein. 

Was ist denn der rechte gebrauch des gesetzes? Antwort; 
Die Sünden offenbaren und alle menschen umb der sünde 
willen verdammen, 2. lehren, welches gute werck sein. 

Die gebott all uns gegeben sind, das du dein sünd, o menschen 
kind, erkennen solst und lernen wol, wie man für gott leben sol. 
Was ist Sünde? Antwort: 

Alles, was wider gottes gebot ist. 

22* 



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340 Urkunden n. Akten znr Geschichte des mecklenborg. Unterrichtswesens. 

Erbsünde ist angebome blindheit, böse neigong und lust wider 
gottes gebot. 

Werckliche sünden sind böse gedancken, rahtschlege, begirden 
und eusserliche thaten wider gottes gebott. 

Welche sünden bleiben nicht in den heiligen? 
Antwort: 

Die Sünden wider das gewissen, wenn einer wissentlich und 
williglich wider gottes gebott thut. 

Straffen der sünden sind: 

Gottes zorn, der zeitliche tod, krieg, hunger und alles Unglück, 
zuletzt die ewige vordamnus. 

Was ist christliche busse? 

Hertzliche rew und leid über seine sünd und erschrecken für 
gottes zorn fülen und glauben, das im seine sünde um Christi 
willen vergeben sind, und in solchem glauben gott mit guten wercken, 
die er befholen hat, dienen und gehorsam sein. 

Welches sind gute wercke? 

Die gott geboten hat, wenn sie geschehen auß dem glauben 
an Christum zu diesen end, das gott geehret werde. 

Wie die guten werck gott gefallen? 

Durch den glauben an Christum Jesum. 

Wie wir sie zuthun vermügen? 

Durch hülff des heiligen geistes. 

Worum sol man den zehen geboten gehorsam sein und gute 
werck thun, die weil sie nicht Vergebung der sünden verdienen? 

Antwort: 

Man soll gute werck thun erstlich um gottes willen, dieweil sie 
gott unser herr und vater geboten (Joh. 2, 5. Thess. 4), dem wir 
als gehorsame kinder folgen sollen, und werden uns durch Christum 
die Sünden darumb vergeben und der heilige geist geschencket, das 
wir forthin nicht der sünden dienen (Rom. 6. Tit. 2. 1 Pet l, 2), 
sonder gott mit guten wercken preisen sollen (Matt. 5. Philip. 1). 

Zum andern um unser selbst willen, das wir gewisse anzeigung 
eines rechtschaffenen glaubens haben (Joh. 4. 2 Petri 1 . 1 Joh. 2, 
3. Jacob. 2) und gottes gnad, Vergebung der sünden und Selig- 
keit nicht wiederumb verlieren (1 Tim. 1, 5. 6. 2 Petri. 1, 2. Rom. 8) 
und nicht zeitlich und ewiglich von wegen der sünden wider das 
gewissen gestrafft werden (Eph. 5. 1 Cor. 6. Ebre. 13). 

Zum dritten um des negesten willen, das im dadurch ge- 
dienet und geholffen (1 Joh. 3) und niemand ergemuß gegeben 
werde (2 Cor. 6. 1 Timot. 6. 1 Pet. 2, 3). 



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Ansichten des D. Ghyträus in betreff einzelner Aufgaben der Schule. 341 

Also bey dem glauben soll man das junge volck oder cate- 
chumenos weiter unterweisen. 

^Was der christliche glaube sey? 

Christlicher glaube ist nicht allein alle artickel des glaubens 
wissen und für war halten, sonder auch mit hertzlicher zuYorsicht 
und vertrawen sich auff gott yerlassen und gewißlich gleuben, das 
uns gott um seines sons Jesu Christi willen durch des heiligen 
geistes predigampt Vergebung der Sünden, erlösung vom tod, 
ewiges leben und Seligkeit gewißlich schencke. Denn auff diese 
artickel alle andere als auff das. end gerichtet sein, und dis ist der 
glaub, der gerecht und selig machet. 

"Was für ein unterscheid zwischen dem christlichen und türcki- 
schen glauben sey? 

Die türcken glauben nicht an den einigen warhafftigen gott, 
yater, son und heiligen geist, der sich durch den heiland Christum 
geoffenbaret hat, sondern dichten in selbs einen abgott, der himel 
und erden soll geschaffen haben. So gleuben sie nicht an den 
Bon gottes Jesum Christum, das er warer gott, einiger heiland und 
seligmacher sey, durch welchen wir yergebung der Sünden und 
ewige Seligkeit bekomen, sonder behalten nur ein stücklin von 
zehen geboten, das man der oberkeit gehorsam sein, nicht tödten, 
nicht Stelen, nicht falsche zeugnis geben, vleissig beten und almusen 
geben sol etc., und dadurch vermeinen sie gerecht und selig zu 
werden. 

Wie viel personen sein in der gottheit? 
Drey. Gott vater, son und heiliger geist. 
Wie viel natum sein in Christo? 

Zwo. Göttliche und menschliche natur. Rom. 9. Aus welchen 
ist CThristus nach dem fleisch, der da ist über alles gott gebenedyet 
in ewigkeit. 

1. Joh. 5. Wir sind in Christo Jesu, dieser ist warhafftiger gott. 
Wie man Vergebung der Sünden erlange und vor gott gerecht 
und selig werde? 

Durch den glauben an den son gottes Jesum Christum, der 
für uns geborn, gelitten, gestorben und aufferstanden ist, um 
welches willen allein aus lauter gnaden, nicht von wegen unserer 
eigenen werck oder verdienst allen, die es gleuben, Vergebung der 
Sünden, gerechtigkeit und ewiges leben geschencket wird. 

Deßgleichen sol bey dem vater unser weiter Unterricht ge- 
schehen, das zu einem christlichen gebett diese sechs stück ge- 
hören : 



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2(42 Urk^anden n. Akten zur Geschichfe des mecklenburg. ünterrichtfifiresens. 

ErstUbh das im allein didh' eihigen ^^aHiafflagen ewigen all- 
mechtigen gott, vater unsere herrn Jesu Christi, sampt sein'äm ein- 
gebornen son Jesu Christo und heiligen geist in uncfei^em gebett 
auspichen und nicht verstorbene menschen oder todte bilder und 
gÖtzeii oder einen ertichten schöpffer himels und der erden, der 
nicht der vatör unsers heilandes Jesu ChrisiS sey, m6' die Juden 
und turcken, anraten. 

2. Betrachtung der göttlichen befehel, so uns heissen beten. 
Matt; e; 7. Luc. 18. 

3. BekentnuB unserer unwirdigkeit und sünden oder warhaff- 
tige büß und bekerung zu gott. Psal. 51. Dan. 9. Denn gott er- 
höret nicht die sünder, ero nicht busse thun. 

4. Betrachtung der göttlichen verheissungen, beide von yer- 
gebung unserer Sünden und von erhörung unsers gebets umb des 
mitäers Jesu Christi willen. Joh. 16. Rom. 5. Psal 50. 

5. Der glaub und yertrawen auff den mitler Jesum Christum, 
tfas umb seinet willen unser gebett gewifilich nach gottes willen 
erhöret werde. 

6. Erzelung der geistlichen und zeitlichen guter und notduifft, 
darumb Wir bitten^ welche in die sieben bitte des vater unsers 
von Christo ausgetellet sein. 

und aus diesen sechs stücken ist der unterscheid zwischen 
christlicher und heidnischer anruffung weiter zu erkleren. 

Von der heiligen tauff und abendmal ist gnug, das sie auf 
die fragen im kleinen catechismo fiirgeschrieben antworten können. 



44. 

Einzelne didaktische Vorschrifken 

des Professors Caselius. 

1579. 

a. 

Die Forderung einer guten Aussprache beim Anfangsunterricht 

seitens Johann Caselius'. 

[Rostock 1579.] 
Qui prima litterarum elementa et legere pueros docent idque 
recte, quam bene cle illis mereantur, ex bis facere iudicium pos- 

Zl 44 a: Ans loannis Caselii ,,De Indo litterario recte aperiendo liber". 
RoBtochii in officina lacobi Lucii. Anno 1579. S. 11—14. Dies ziemlich seltene 
Buch ist Theobald Grumme, Rat beim Bischof za Lübeck gewidmet, der 
Caselius um ein Gutachten gebeten hatte. 



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Eifizelne didaktische Vorschriften des Professorß Caselios. 3^3^ 

8TunTi9, qu^ pri^uIi^Di hac in parte i^^gligeiMier eruditi sunt, quomm 
uo^ ego aliquot, qu^, cum primaip litteram, initio obscure proferre 
4idjicia9e;^jl^ ea^, cpuBuetudinem yi^ ^xuerent, ets^ maxime y^llent, 
tuopi, quod salibuB. ^o no;p9in|^ a8perg;erQntur, tum qiaod hoc iam ipsi 
intelligerent. lis enim et eloqijentiae fores. occluBae aunt et ademptus 
f^re ußus 8ßi;mQnia in fa^jiji^ri consuetudine. Quis enim e media 
]^leLbe ye.l etjam semibarbanis inconditos, soilob aequis auribus 
^cqipiat^ n.edum sitientibust avide arripiat ? Quis autem nisi impuden- 
tiasim^uQ^ qui Vitium in prpnunciatione haud. leve aliquod agnoscat 
▼eJL. Bi n^itura accepi^m, vel. cpntractum in infantia yel in concionem 
ad diceQ.dum^ prodeat vel aliqi^as suas ef se partes postulet in ele- 
ga^tium hqmi^um seinxLonibus? Si quid vero, eiusmodi quis vel a. 
i^9,t]ara. ajQc^perit yqI a^b i^eunte aetate didicent, ^ dediscere ha,ud 
ae<]iu,e fa,c^e ^i^t. Kon solum enim q^uae primum inibibens, dif- 
fic^Iim^ e^uw.tMir, sed ipsum dediscere p^r se est loi^ge difficilius 
qu^m. di8,^re. Neque ^m,en iji^on in laude ponendum est, si quis 
quod^ i^. quaqi^e re alia et in ^ac minus probum habeat, hoc c^bii- 
cei^e ^ut ^m^^<l^^^ con^tur. 

' b. 

Die Forderung einer gaten Handschrift 

seitens Joliann ipaselius'. 

[Rostock 1579.] 

üt autem sum sollicitus de singularum litterarum, syllabarum, 

dictionum, denique orationis enunciatione, sie in litterarum scriptione 

velim plus impendi operae et studii quam apud nos passim' fieri 

Yideo. Quin contra pueri ex multis audiunt doctissimos quosque 

litteras quam turpissime pingere. Quod si ita est, nihilo magis 

tamen est sequendum quam aut pera aut baculus afFectandus 

Diogenb atque etiam minus, quod hie de hoc genere vitae abhor- 

rente a communi mortalium consuetudine consilium cepisset, illi 

venuste etiam malint scribere, si possint. Cum enim in omni re 

elegantia sit optanda^ tum in hac minime negligenda est, etiamsi 

non esse necessaria aliquibus yideatur. 

c. 
Per griminii^t}se4ie YJv\^ßrricJit ni^cli Jptifuiii ^a^^^^s. 

[Rostock 1?7S|.] 
Est enim haec [grammatica] filum Ariad|iae atque dux Tel 
potius perpetua comes peregrinantibus in Latina lin^a tamquam 

Zu Uh: Ebenda, S. 19. 20. 

Zu 44e: Ebenda, S. 30—42. Man hat Caselins ^Is {Jen ^ntigrapamatiker, 
Daberkus nnd die Verfasser der fiärchenordnang von 1552 als Grammatiker 



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344 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünterrichtswesens. 

in longinqua regione. Quare in scholis puerilibus recte fit, ut do- 

ceantur hanc artem tarn utilem et necessariam tirones Primum 

non diligitur libellns grammations neque facilis neque breyis, sed 
ut ipsi aiunt, plenior et perfectior vel quem puer ipse versarit, 
yel quem ad arbitrium suum magister confecerit 

Deinde de singulis partium orationis accidentibus, quae ita 
appellant grammatici, de quorum etiam numero inter ipsos nun- 
quam hactenus convenit (neque vero etiam opus est admodum) 
docent et quaerunt ex discipulis nimis religiöse, quasi in arithmetica 
si in minimo numerorum erres, in Universum a veritate aberraris, 
ita hie quoque fiat; quod longo secus se habet, neque non de iis 
ita subtiliter disputare quidam incipiunt, ut non in arte litteraria, 
sed in divina philosophia versari et se profiteri non grammaticos 
sed logicos yideantur. Quorsum enim faeit aecurata consideratio 
de numero, de tempore, item de aliis horumque definitiones? Ita 
enim appellemus, quae ne recte quidem descriptiones dici quennt. 
Pertinent autem rerum investigatio et scientia ad philosophum, de 
quibus grammaticus frustra se ipsum oecupat et angit, frustra 
pueros suspensos tenet et cruciat. Imbecillitas enim ingenionim 
puerilium huiusmodi quaedam non capit, etiamsi magister praeclare 
intelligat et subtiliter ipse philosophetur. Aliam praeterea multi 
adhibent diligentiam supervacaneam in locis scriptorum veterom, 
qui in libellis grammaticis citantur, perquirendis et explicandis. 
Uli indagatores unius voeulae aut versus, praeterquam quod iacturam 
faciunt bonarum horarum gravem, perinde in gravissimis scriptoribus 
versari mihi videntur, ut in magnifica domo atriensis, qui vasis 
aureis et argenteis neglectis sparsa per aream ossicula vel nuces 
cassas sedulo et coUigat et custodiat. Neque in grammaticis prae- 
eeptis interpretatio scriptorum locum habet, de qua dicemus postea, 
et amussis quaedam est grammatica, qua utitur faber, non aedificium 
aut ipsa aedificatio, quod infra fiet planius. Reprehendi ingentia 
grammatica, quae teneris ingeniis oneri sint et ipsa deprimant, 
neque iniuria, ut arbitror 

Neque hoc praetereundum est omnes modos loquendi ad regu- 
las a quibusdam referri vel ex quoque herum novam regulam 
confici, quod fortasse rectum ita minime necesse sit 

Persequi autem omnia, in quibus multos errare existimem 
qui docent grammatica, neque necesse est neque velim neque 



bezeichnet; Rische, Der Unterricht an den höh. Schalen Mecklenburgs. Ludwigs- 
luster Schulschrift. 1884. I, S. 10. 12 ff. 



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Einzelne didaktische Vorschriften des Professors Caselius. 345 

possim, cum multae aliorum prayae rationes me fdgiant et errorum 
numerus definiri nullus ulla in re possit 

Sed quid tu tantum carpis? Inquies: Quo igitur modo gram- 
maticam doceri iubes? Yim universae huius artis potissimam in 
inflexione dictionum consistere arbitror, in qua puerum ita exerceri 
velim, ut sit exercitatissimo promptior, praeceptionibus vero et 
reg;uli8 oneretur quam fieri potest paucissinüs statimque deducatur 
ad intelligendoa Latinos scriptores 

Ego enim artem grammaticam ut principium ad discendum, 
non ut scientiarum perfectionem probandam et utraque manu tenen- 
dam arbitror. Qui grammatica non teneat, eum ad sapientiam non 
adspiraturum concessero, qui teneat nihilo dum sapientiorem esse 
affirmem quam qui non teneant. Liquere id hinc puto, qui balbutiat, 
eum forte eloquentem fore; cui usus linguae in formanda Yoce 
nullus sit, primum aditum ad eloquentiam esse interclusam neque 
tarnen balbutientem tantillo esse muto eloquentiorem. Aut si 
Romam iter instituerim, si limen egressus fuero, Romam forte ali- 
quando yenero; tamen siye domi latebo, siye limen egrediar neque 
ulterius progrediar, nunquid ego me Romae esse stulte somniem 
aut eo yenturum, etiamsi perpetuo ante aedes ambulem, sperare 
audeam? 

Nihil adeo magis discentium cupiditatem retardet quam eos 
ab ultima infantia ad iuyentutem usque detineri in plusquam nugis 
grammaticis, quod non sine stomacho fieri yidi saepius. Nisi enim 
saepe yidissem, non reprehenderem ac ne yix quidem fieri crederem ; 
pereunt adolescentiae anni decem, saepe plures; aliquando yiginti 
si dixerim, non mentiar, ita misere perlt ipse flos aetatis. 

Quanto temporis spacio yirum etiam praestantem militia fieri 
et doetrina credibile est, si quem neque animus neque Ingenium 
deficiat. 

d. 

Die Auswahl der lateinischen Sehriftsteller 

naeh Johann Caselius. 

[Rostock 1579.] 

Esse autem in ludos litterarios minime recipiendos, quidquid 
est recentium scriptorum, nihil habeo caussae, quapropter dubitem. 
Cum enim yelimus puerum Latinum sermonem discere, non inqui- 
natum, sed quam fieri potest purissimum, satis profecto est eam ex 



Zu 44dl Ebenda, 8.45—49. 



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3^. Urkunden n. Akten zur Geschichte des Mecklenburg; Untocnchteweeens. 

eo g>enere soriptorum hauriri, de quorajo» poritotQ et hoc in ge- 
nere perfectione dubium esse nullum possit 

Constat enim eos esse et optimos ommom et pnrissimoB, qui 
florente lingua simulque vigentibns apud Romanos scientüs Chraecis 
scripserunt, qnique accemmodati sunt captui discentium 

If. vero Tullium principem esse non solum sermonis Latini, 
sed in Universum Bomanae eloquentiae quis neget? 



e. 
Bfe Ittterpretatton der Sehrtfteteller nach ^hai» Caselies. 

[Rostock 1579.] 

Missis igitur illis ambagibus reddet soriptorem magister et 
pluribus yerbis, ut muntern illius aperiat, et paHdoribuB, ut dictio- 
num proprietatem oetendat 

Fiat autem interpretatio pro captu discentium sive nostro 
sermone sive Latino. Nam ut non dubium est in erudiendis primis 
tironibus matema lingua yertendam Romanam, ita probarim hanc 
rationem aliquot etiam annis servari adhibita hac cura, ut lueulenta 
adhibeatui* interpretatio yerbis vernaculis, non yulgaribus, non sor- 
didis, non iam male excogitatis, sed propriis, puris, lectissimis ad- 
hibitis loquendi modi itidem in ipsa Germania natis. Hoc vero 
ego non sine caussa tantopere urgeo. Cum n[empe] in Latino 
sermone comparando phirimum laboremus idque nos multis de 
caussis recte facere arbitremur, an plane incultam esse nostram et 
in situ iacere patiemur? Quae malum haeo inscitia est non cupere 
eleganter et polite cum nostris bominibus loqui? Intueamur item 
alias gentes: Hispani suam linguam summo studio excolunt, suam 
Galli, suam Itali et in Italia Apennini incolae Tusoanam, quam 
ingeniosissimi hominos inoredibili diligentia ad perfeetioius fastigium 
usque provexerunt, ut putetur omnibus omnium nobis cognitarum 
gentium longe hodie antecellere, quod mihi facile etiam persuadent 
neque plurium idiomatum rudi neque ad credendum facili. Non 
igitur indignum nobis erit in nostra aliquid egregium moliri, quod 
non eo dico, quasi hoc penitus negligi existimem. 



Zn 44e: Ebenda, S. 76—80. 



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Einzelne didkktische Vorschriften dea Profesaors CaselioB. 347 

f. 

Die Methodik des lateinisehen Unterrichts naeh Johann 

Cttselins. 

[Rostock 1579.] 

Incidimus autem in hanc mentionem, ut eos reprehenderemns, 
qtii iir pueriKbns ludis cum non dooeant Latinam linguam, tarnen 
declamando e:xercere discipulos videri volnnt, nimis equidem stalte 
atqae adeo non malus ac si infantem, qui hmni dum repat, curri- 
culo perctirrere aliquo vel longinquum iter suscipere iubeas. Yolu- 
mm et&iä puetum dooeri Latinam linguam, primmn omnium nt 
int^Higat, deinde ut scribendo et loquendo usurpet. Pueri ser- 
monem nümquam tfansire tulgaria dubium nuUum est, scriptionem 
cogere ad magna uti diximus insipentia. Itaque nobilem exercita- 
tioneib rheforicam ab ea schola, quam hie instituimus, Tel certe ab 
hae teiifeta aetate neque dum in sermone confirmata neque instructa 
dieendi praeceptfs neque ullo de rebus gravioribus indicio praedita. 
Igittti^ pro'ponet mag^ster quotidie pueris in hoc tirocinio primum 
breTiorem epistolam Tel narratiunculam e Cicerone redditam ser- 
mone vemaculo, quam illi Latiue reddent. Sic imbibent et puri- 
tatetn sermonis Romani, quod nihil peregrini assuet in emendando 
correctoi^ et ad bonam sensa animi exprimendi rationem assueflent 
siatim, quod est profecto operae precium, uti per se patet cm- 
Bbet 

Neque etiam improbem in scribendis versibus exerceri pueros. 
Per emm elegans res est et ingenia cum oblectat tum acuit. Cogi- 
tarnen noHm, qui non ignavia hoc Studium negligtmt, sed natura 
ab eo videntut abhorrere. Neque enim necesse est multos in re 
poetioa nraltum proficere (tantum enim satis est, ut hoc genas 
optimorum scriptorum intelligatur et quantum inseruit rationi pe- 
destris orationis construendae) neque multum profecerit, qtti eam 
inyitus colat. Sed 'qui huc veluti afflatu aliquo rapiuntur, abster- 
rendi non sunt, sed adiuvandi, non multa scriptione, sed modica, 
quorsum enim versuum sexcentorum profusio, in quibus natiivi 
suoci nihil insit? et multa pöetarum lectissimorum utriusque linguae 
lectione accurataque consideratione, qui ipsis exemplo sint. 

Zu 44f: Ebenda, S. 110—112. 118. 119. 



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348 Urkanden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesenfl. 

45. 
Der Wert der hänslichen Eraehung. 

Ein pädagogisches Flug- und Merkblatt aus dem Jahre 1579. 

Dewyle in disser lesten grundtsuppe ^) der bösen werlt de 
yunge yöget nicht alleine de, welcke mit der disciplyn vorsümet, 
sonder ock de in guder tucht unde dwange geholden, so dryste 
frech, modtwillich und ungehorsam wert, dat se schir nicht mehr 
noch van oldem noch van preceptom in der schole kan regieret 
und institiueret werden, und dat also veele wedder alle vormodinge 
und thoversicht yorderven und thonichte werden, achte ick hoch 
nödich, eine gemeine vormaniDge und bericht tho dhonde yan den 
orsaken des grothen und ayerwindtliken Schadens, den wy an 
unsen kindem (de na der seelen wolfart unse högeste gudt synt) 
beyinden, up dat de öldem dorch betrachtinge dersulyen mögen 
ermanet werden, desto flytiger yor ere kindere thobeden und se 
mith nödiger disciplyn und lere tho yorsorgen. 

Den ick sehe, dat yeele uth einfoldt und unyorstande mith der 
disciplyn (de se etwan gahr underlaten edder nicht recht gebrucken) 
grothe orsake geyen, dat ere kindere mißgeraden; densulven hape 
ick, schal disse yormaninge deinstlich, nütte und angeneme syn. 
De ayerst disse erinneringe nicht yan nöden hebben, desulyen 
werden se denn andern nicht mißgönnen und dith nicht anders, 
also ydt gemeinet, düden und upnemen. Denn dewyle ick dechlick 
sehe und erfare, dat de yorderff yeler kinder mehr den öldem 
also den kindern kan und muth thogerekenet werden, hebbe ick 
sölckes nicht lenger ansehen ' können, sunder uth christlikem yyer 



Zu 45: Ein echristlike ande sehr nödige erinneringe van den orsaken deß 
grothen vordervens der yungen jöget, dardorcb alle stende disser werldt ge- 
schwecket unde tho lest undergahn werden, gedahn an alle christlike oldere 
dorch einen wolmeinenden Christen. Das ist der Titel des pädogogischen Flug- 
und Merkblattes: Rostock. Gedrücket dörch Augnstin Ferber. Anno 1579. 
Seite 2 folgen 4 Sprüche aus: Sirach 16. Ps. 127. Ephes. 6. Sirach 30. Seite 3 
beginnt der Text. 7 Blätter im ganzen. Der Verfasser ist unbekannt, s. 
Wiechmann- Hofmeister, Mecklenburgs altniedersächs. Literatur. 11, S. 98 ff. 
Das einzige Exemplar dieser Schrift befindet sich in der Regierungsbibliothek 
zu Schwerin, Ob VII 370. 

^) d.i. der Rest und hängt mit dem Aberglauben zusammen, daß 1600 
die Welt untergehen würde (nach einer Erklärung des Geheimrats Dr. Grotefend 
zu Schwerin); übrigens hat auch Luther dies Wort. 



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Der Wert der häuslichen Erziehung. 349 

und guder meninge disse gemeine erinneringe an frame öldem 
dohn willen. Godt de almechtige geve, dat ydt frucht schaflFe und 
der yungen yöget thom besten gereeke. 

De yordeiriff, underganck und unaverwindtlike schade, den die 
öldem an eren kindern sehen und erfaren, kümpt her erstlich van 
dem gerechten und tömigen gade im hemmel, dama yan den 
öldem sülvest und van den kindem. 

Dewyle godt gerecht und ein yverer ys aver de Sünde, straffet 
he na der predige des gesettes exodi am XX. cap. de missedadt 
der öldem an den kindem beth int veerde leedt, also dat umme 
der Bünde willen der öldem nicht alleine de kindere mißgeraden, 
Sünder o£Fte de gantze stamme und gesiechte gestraffet, yordelget 
und uthgeradet werde. Wy hebben ein trurich und bedrövet 
exempel an unsen ersten oldern und am gantzen minschliken ge- 
siechte. Den do Adam und Eya einen appel wedder gades gebodt 
affgebraken und daryan gegeten hadden, müsten se nicht alleine 
uth dem paradyse yorstöt und allerley ungelücke underworpen syn, 
Bünder dat gantze minschlike gesiechte muth der straffe noch mith 
deelhafftich syn, do se müsten ansehen, dat sick ere eigene kindere 
ermordeden. Wo Dayid an synen kindern umme synes ehebrocks 
willen, de frame Jonathas umme synes yaders Ungehorsams willen 
und andere mehr gestraffet syndt, tügen de historien, und syndt 
nicht alleine biblische und heidensche historien solcker exempel 
yul, Sünder de dagelike erfaringe stellet uns ock solcke hüpich yör, 
daruth wy sehen und leren möten, dat de mißradinge der kindere 
offte eine straffe der sünde sy, de godt na syner gödtliken gerech- 
ticheit und yyer an öldem und nakämelingen straffet. Ein yd er 
beflytiget sick synen kindem yeele geldt und gudt tho eryen, dat 
se nicht armodt lyden mögen. Ayerst men scheide yeele mehr 
sick beflytigen eines godtseeligen und ehrbaren leyendes, handeis 
und wandeis, also dat wy unsen kindem nicht gades tome und 
straffe eryeden; men scheide gewisse gelöyen, dat godt dat gude, 
daryan he ock den namen hefft, na ludt synen thosagen nicht wil 
und kan unbelohnet und dat böse na syner gerechticheit nicht kan 
ungestraffet laten. Dat were wol dath beste erye, dat wy unsen 
kindem nalaten konden, alse gades erkentenisse, hülde und seegen, 
und dat ys ock wedderumme de högeste und gröteste schade, den 
wy erlyden können, wen unse kindere mißgeraden und wen exempel 
des gödtliken toms ahn en uns yorgestellet werden. Darna leth 
godt ock de kindere und offte de, welcke in gudem dwange ge- 
holden und yon yöget up wol instituieret unde ertagen werden. 



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350 ürknnden u. Akten zur.Gescliichte des mecklenbarg. ünierrichtswesens. 

und de van wysen, gelerden und yorstepdigen pldem gebum syndt, 
mißgeraden, dat he uns lere, dat wolgeradene kindere gades gayen 
syndt und nicht van dem blöde noch van dem willen des fleiBches 
noch yan dem willen des manns gebaren syndt, unde dath wy se 
yan gade bidden möten. Den ydt ys godt un^me de ehre tbp 
dhonde, de schöle und möte wy em nicht enthen und weger^n. 
De högeste ehre und deinst ayerst, de em kan betieget werden, 
ys, wen wy erkennen und bekennen, dat wy alles yan em bebben, 
wen wy etwes yan em bidden und em yor sine gnade und ge- 
schenkede güder und wolHaden dancken. Darümme wen he süth, 
dat he syner ehren beroyet wert, und dat wy gedencken, ydt sy 
natürlich, dat yan framen ölderen frame kindere gebaren werden, 
dat yan dem framen und godtsaligen manne Abraham de frame und 
godtsalige sön Jsaac gebaren ys, stellet he uns untellige exemple 
yor, dat ock böse und godtlose kindere yan framen und godtsaligen 
öldem herkamen. Also gaff godt unsem ersten yader Adam einen 
godtlosen söne, den Oain, dem framen Noha den Cham, dem hil- 
ligen köninge und propheten Dayid d^n Absolon, dem Ezechiae 
den affgödischen, godtlosen und tyrannischen Manasse und solcl^ 
darümme, dat he uns lere und betüge, dat de öldem ere framicheit, 
godtsalicheit, wy^heit, hillicheit unde andere gayen den kindern 
dorch de lyf&ige gebordt nicht können mithdeelen, und dat ock 
alle sorge, disciplin und Institution yorgeyes ys, wo godt nicht 
syne gnade, seegen und hülpe dartho yorlenet. Ock leth godt de 
kindere sonderlick der yennen, de yor andern mith gayen und 
güdem begayet syndt, mißgeraden, up dat se den öldem demoedt 
predigen und ehn erinnern mögen, dat se solcke gayen und güder 
nicht yan sick sulyest, sünder yan gade hebben, und dat se de- 
sulyen dorch de lyfflike gebordt eren kinders nicht eryen können. 
Den godt kendt und weth unse swackheit und gebreeke wol, alse 
dat wy uns balde umme eines geringen dinges willen yorheyen unn 
stoltzieren plegen und gedencken, dat unse yorstandt, unse wißhejit, 
gayen und güder uns so eigen syn, dat se ock er£Bich by unsen 
kindem blyyen möten. Darümme ys de yader wyß, yorstendich 
und ryck gewesen, so maket godt den söne thom deren edder 
arm, dat he uns lere, dat solcke gayen lehngüder syndt, de godt 
yorlehnet, weme he will, und wy se uns und der lyffliken gebordt 
nicht thoschryyen, sonder mit demoedt und in den fruchten gades 
gebraken schölen. 

Umme disser dryer orsaken willen leth godt na syner gödt- 
liken gerechticheit und wißheit uns thor straffe, thor lere und thom 



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Der Wert 'der hänsliehen Emehmig. 351 

besten de kiiidefe mißgefaden, alao dat offte neen flyth, upsehent, 
institution und diseiplyn helpet, eonder allene.gade geduldt, boedt* 
ferdiohelt und dat hillige gebedt^ welcks by gade yeele yormach 
und gewifilich erlanget, etwan dat men biddet edder etwes beten. 
De öldern Torderren ook offte de kindere süly^st mith der 
disoiplyii nnd Inspedtion; dem etlike geyen sick so gantz und gahr 
op de'arbeidt ^erer 'essohinge, up ere hußholdinge und ay erladen 
siek so mith hendeln und geschefften, dat ee de nödige disciplyn 
und upsehent up ere kindere genßlick underlaten und meinen, wen 
se eren kindem yeele geldes und gudes eryen und nalaten, so 
syndt se genochsam yorsorget, und en könne denne nichts mangeln; 
under des laten se de sülyen upyirassen alse wilde strüke , ane 
tüchtund lere; desüly^n wethen und glöyen nicht, dat.geldt und 
guAt ällene fliiddele syndt, dardorch eren kindem mith gehulpen 
werde. De middele ayerst können yan sick sülyest nichts wercken 
edder uthriahten, sonder ein ander muth se in yorrichtinge syner 
weroke alse mstrumente und media gebruken. Qeliok alse eines 
tymmennanns exe ein dodt dinck ys und yan sbk sülyest nichts 
wercken und yorrichten kan, wo nicht de meister desülye in de 
handt nimmet imd darmit syn werck yorrichtet; schal sülokes ge- 
schehen, so muth • de timmermann thoyorne oek geleret hebben und 
weten, wo he de exe bruken und darmit howen schöie. Also 
syndt rikedhom, geldt und gudt ock allene middele, dar dorch 
tmse kindere können beyördert werden; ayerst se möten thoyome 
leren, wo se desülye bruken, erholden und yormehren schölen, und 
dewile de minsohe yan natur thom bösen nnd mössigange geneigt 
imd yan gade ni^es wet, möthen de kindere dorch harde, nödige 
und glickförmige disciplyn thom gudenxmd sonderlich thor irüchte 
gades wol gewönnet und bayen dat noch godt umme hülpe, seegen 
und beyorderinge flytich gebeden werden; den gades handt sweyet 
allenthalyen bayen, nnd syn seegen maket alleine ryok, dama 
yolget erst unse flyth, kunst und yormögen und lestlich de mid- 
iste, ahne welcke ock godt wol kan beyordem und helpen. Hyr- 
nth ys liehtlick tho sehende, wo wyßlich desülyen handeln, de 
mek mehr beflytigen^ wo se yeele geldt und gudt erweryen, alse 
wo seere^ kindere in gades Mchten ertehen und thor ehrbarheit 
gewonnen mögen; gelick alse de yennen unwyßlick handeln, de 
der Bcho mehr alse der yöthe und der kleyder mehr alse des lyyes 
geröken, also nerriß handeln ock de oldern, de mehr flyth einen 
grothen schat thosammeln, alse ere kindere wol tho ertehen ahn- 
wenden; yele unwyßliker handeln noch de, welcke dorch unchrist- 



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352 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

like und vorbadene middele und wege ahne gades fruchte und 
godtsalicheit eren kindem Bchette sammeln. Den dewyle godt na 
syner gerechticheit dat unrechte nicht leth ungestraffet, kan solck 
unrecht gudt und erve den kindem beth int veerde leedt nicht ge- 
dyen. Exemple gifft de dagelike erfaringe untellich. Dat beste 
averst und dat gröteste gudt ys dat, wen de kindere van yöget up 
wolertagen thor godtsalicheit und ehrbarheit gewennet werden. 
Dith ys ein ewich und unvorgencklick Patrimonium, dat de oldem den 
kinderen nalaten und erven schölen, welcks en noch vür edder 
water noch deeve edder röver noch yennich ander ungelücke 
nemen kan. 

Derwegen dewyle wy in disser werldt nicht darümme eyn und 
leeven, dat wy hyr uns schölen ewige schelte sammelen, sonder 
dat wy ewich im hemmel by gade leeven und mit unsen kindem 
und nakömelingen den hemmel Tüllen mögen, schöle wy uns ock 
mehr befiytigen sölcke schotte tho sammelen, de unvorgencklicb 
synt, und de wy mit in den hemmel nemen und darmit wy uns in 
ewicheit belustigen können, also de nichtigen vorgenckliken und 
unbestendigen güder, de uns thor ewigen und der seelen wolfarth 
mehr schaden also baten. Dama yorderyen ock de oldem ere 
kindere mith der Institution, wen se desülyen nicht weten edder 
van andern laten recht instituiern, befehlen se ock nicht Tor- 
sten digen, gelerden, erfarenen und trüwen praeceptom; den de- 
sülTost nichts wet und ein dohr ys, kan einen andem nicht wyß 
unn gelert maken ; gOTon und Torgönnen ock dem praeceptori nicht 
Tullenkamene macht, de yöget tho tüchtigen unde regeren. Wen 
de praeceptor wil Torwarts, so wil de Tader edder yo de moder 
tho rügge, unde wen de yöget Tormarcket, dat ein Tan den dren 
wanckelt und sönderlick ein Tan den oldem und mit dem prae- 
ceptore nicht aTorein stimmet, so kan by der yöget nichts edder 
yo weinich geschaffet werden, sönderlick by den, de Tan nator 
wedderspenstich und böse syndt, gelick also ein wage nicht alleine 
nicht Tortkümpt, wen de perde darTor nicht eindrechtich tehen, 
sonder dat eine wil Torwarts, dat ander tho rügge, dat drüdde thor 
syden uth, also ys der yöget nichts schedtlikers, alse wen de oldern 
dem praeceptori thoweddem synt und nicht trüwlick helpen willen. 

Wen einer synen söne thom handtwercke Tordinget, so aver- 
gifft he en dem meister, also dat he nicht macht hefft in den 
lehryaren, densülven tho synen geschefften thobraken, muth ock 
lyden, dat en de meister tüchtiget, straffet und na synem gefalle 
informieret und regieret. ÄTorst wen de oldern ere kinder in de 



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Der Wert der häuslichen Erziehung. 353 

schole dohn, dar de högesten, nödigesten und sweresten künste 

tho lerende synt, so befehlen se en wol dem scholemeister, ayerst 

de meiste macht dem kinde thogebeden beholden se TOr sick, also 

dat ere söneken so vaken unde tho der tydt in de schole gha, alse 

se willen, und nicht alse de scholemeister wil, alse ydt yannöden 

doth, nemen underwylen en etlike dage van den studiis und bruken 

tho andern arbeyde und schefften. Wen averst disse dre, vader, 

moder und praeceptor einioh synt und mit der yöget gelick trüw- 

lick meinen, so können se nicht alleine mit der lere an dersülven 

yeele schaffen, sonder ock mit der disciplyn, so veme de natur 

nicht gar distorta und düyels ys, und wo godt nicht sonderlich 

straffen wil. Den Ptolomaeus, de yomemeste astronomus, secht in 

Bjnem centiloquiis, dat de disciplyn der natur ayerlegen sy, desülye 

underholden und yast endern könne. Ein hundt edder sonst ein 

wylt deer kan getemmet werden und etwes yan minschen leren, wo 

yeele mögeliker ys sölckes einem yomünfftigem minschen, de yor- 

nüfftigen orsaken und reden 'kan byyallen, sonderlich wen beschei- 

dentlick und yomüfftich mit em wert ummegegan. 

Darümme so de oldem ere kindere sülyest nicht weten effte 
können instituieren und leren, so befehlen se desülyen andern und 
sehen nicht alleine flytich tho, dat se wol und trüwlich mögen in- 
stituieret werden, sonder hindern ock de dysciplyn nicht, ane weicke 
by der yöget nichts edder yo weinigken geschaffet werden, unde 
bedencken darby, wo se ydt im hemmel können yorantwerden; 
wen dorch ere yorsümelike inspection und unardige edder untydige 
leye de kindere so yorderyen, dat se beyde am tydüiken und 
ewigen gude schaden lyden möten und ewich yordömet werden. 

Lestlich geyen de oldem orsake thom yorderye der kinder, 
wen se desülyen lichtyerdich , uppich und unmetich kleiden mehr, 
alse en na crem stände und gelegenheit gehöret; den dat kleidt 
maket den moedt und yorendert dat gemöte, syn gebeerde und 
seede, alse beyde an kleinen kindem und an olden tho sehende 
ys. Ein hingst modet und pralet yeele mehr, wen he gesmücket 
und getömet ys, alse wen ydt yor dem wagen geith ane smück 
und zyradt. 

Wol ayerst einen bogen moedt hefft und sick bedüncken leth, 
he sy wyß genoch, treth ock herin in syden und sammit, de kan 
nicht stedich, stille und flytich syn im studerende; den wo scheide 
men dem yennen etwes leren und geyen, deme in synem sinne 
nichts mangelt, wo scheide de by den bökeren und scarteken stille 
und lange sitten, deme de moedt und syn in der lucht und bayen 

Monnmenta Oemumiae Paedagogioa XXXyUI 23 



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354 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtawesens. 

uth swevet, und de ock schöne üppige und lichtyerdige kleider 
hebben! De willen ock by schönen lüden und by eres geliken 
syn, by welcken se mehr undöget alse tucht und erbarheit leren; 
und wen wy bedencken willen, tho welckem ende uns de kleidinge 
gegeven, so möge wy uns dersülven wol billich mehr Schemen, 
alse fröuwen edder damit vorheYen. Do Adam dat kleidt der un- 
schuldt Yorlaren hadde und naket herin ginck, makede em godt 
einen rock van schapfellen, dat he syne schaembde bedeckede. 
Darümme wen wy einen rock ansehen edder antehen , scheide wy 
uns billich Schemen unser schände, unses falß und blodtheit. 
Averst des wy uns billich Schemen scheiden, darmit vorheve wy 
uns und stoltzieren ; wen einer (de yam galgen gelöset were) wolde 
mith dem stricke, dat he thor antöginge syner dadt unde thom 
ewigen spotte am halse dragen müste, pralen und datsülve yder- 
manne wysen, desulve würde yo billich van wysen lüden bespottet 
unde Yorlachet werden. 

Mit olden lüden, de eines bestendigen gemöthes syndt und 
sick in der kleidinge nicht lichtlich yorheven, hefft ydt eine andere 
gelegenheit; desülven mögen sick, doch ein yder na syner mathe 
und stände kleiden; dath men ayerst de yunge yöget, de doch 
sonst lichtverdich, unbestendich und doerhafftich ys, althoüppich 
kleidet, ys dersülyen högeste vorderff und den oldem nicht al- 
thorömlick; den dat kleidt maket den kindern ein lichtverdich, up- 
pich, trotzich und ayerböstlich gemöte, und ane dat kan nemandt 
weten, wo syne kindere geraden, und wat godt yan einem ydem 
maken möchte. 

Maria singet in erem gesange^): Godt wedderstreyet den 
hoyerdigen, und den demödigen gifft he gnade; alse wolde se 
Seggen, so sehre alse de hoyerdigen in de böge willen, so sehre 
drücket godt mit syner swaren handt nedder, und wen desülven 
kindere tho sölcken lüden nicht gedyen worden, alse mit der 
kleidinge gemeinet, so were ydt yo beyde, den oldem und den 
kindern, schimplich. 

Derwegen dewyle de unmetinge kleidinge den kindern tho 
neuem dinge bevörderlick ys, sonder im studerende sönderlick 
hinderlich und schedlich und gereket en thom vorderve, scholde 
men yo beide sines geldes und siner kinder schonen; also vor- 
derven de oldem ere eigene kindere mit dissen dren stücken, mit 
der disciplyn, institution und kleidinge. 



') Lud, 46 ff. 



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Der Wert d. häusl. Erziehung. — Die Einfübrang einer neuen Schulordnung. 355 

De kindere lestlich latent an sick ock nicht mangelen und 
sönderlick, wen se sehen, dat se hoges Standes und rick syn edder 
ToraDdem mit sönderlikeu gaven, alse mit gndem vorstände und 
memoria begavet, yorlaten se sick darup und verachten alle dis- 
ciplyn, tucht und lere, den sie gedencken, dat se ydt nicht van- 
nöden hebben, mit studerende sick sehr und groth bemögen, dewyle 
se sonst underholt hebben, und gedyen also de groten güder, de ehre 
oldem mit groter sorge und arbeide hebben tho samende gekrasset, 
en thom vorderve und undergange. Edder hebben se wat mehr Vor- 
standes und gaven vor andern, vorlaten se sick updesülven, und 
dewyle se in einer stunde mehr alse ein ander in twen effte mehr 
stunden kan schaffen, vorschuven se ydt van einer tydt tho der 
andern beth so lange, dat nichts darvan wert. 

Dith hebbe ick uth christlikem yver und wolmeinende van den 
orsaken des groten vorderves und des unaverwindtliken Schadens 
an der yöget, den man mit süfften offte ansehen und erfaren 
muth, erinneren willen, biddende, christlike olderen wollen ydt 
tho horten nemen und dat högeste gudt, alse de leven unschül* 
digen kindere, so vorstan, regieren und kleiden, dat se nicht alleine 
hyr up erden, sünder ock im hemmel ewich ehre lust und fröwde 
an en sehen, hebben unn erfaren mögen. Dat vorlene und geve 
de barmherticheit und getrüwe godt und erbarme sick aver unse 
swackheit und doerheit gnedichlick. Amen. 



46. 

Die Emfahrung einer neuen Schulordnung an der 

Domschule zu Güstrow durch Herzog Ulrich. 

Güstrow. 13. Mai 1580. 

IT. g. g. z. Wirdige, hoch undt wolgelarte, Über andechtiger 
und getreue. ^) Nach dem wir aus uberschickter relation unser zur 

Zu 46: Nach dem Abdruck bei Baspe, Einladung zur Jubelfeier etc. 
S. 38. 39, dann mit dem yon mir im Superintendenturarchive zu Güstrow auf- 
gefundenen Original verglichen. Die Schulordnung selbst suchte schon Raspe 
vergebens, und es bleibt aufßlllig, daß sich keine Spur derselben in den 
Archiven findet. Dies erklärt sich vielleicht dadurch, daß die Ordnung schon 
1602 durch eine neue ersetzt wurde. 

^) Das Mandat ist an den Superintendenten M. Andreas Gelichius, 

den Geheimrat D. M. Bolfragius und D. Esa. Hoffmann gerichtet; s. Raspe 

1. c. S. 38. 

23* 



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356 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

schulen alliir zu Güstrov verordneten yisitatorn befunden, das von 
wegen allerhandt in derselben befundene mengell einer sonder- 
lichen neuen schul [or]denunge vonnoten sey, in welcher ausdrück- 
lich und clerlich verordnet, wie undt welcher gestaltt es hinfürder 
sowol mit den lectionibus alß auch mit Ordnungen der stunden, 
Information und discipUn solle gehalten werden, sich auch sowol 
die praeceptores alß die discipuli sambt undt sonder darnach zu 
achten und richten haben mochten, so haben wir demnach auß christ- 
licher und fürstlicher fursorge, die wir für die übe zarte jugent haben, 
darmit sie recht, wol und fleißig sowol ihn dem reinen wortte gottes 
alß auch ahndem freyen kunsten mögen auferzogen werden, haben und 
tragen, eine gewisse summarische Constitution und Ordnung, wie es 
hinfürder in unserer schulen alhie solle gehalten werden, zusammen 
bringen und fassen lassen.^) Wollen demnach und befehlen euch 
fair mit gnedig, das ihr dieselb nicht allein aus unserer hoffcantz- 
ley zu euch nemet, sondern von ihr das ministerium, den rectorem 
und ahndere schuldiner für euch bescheiden, in jegenwartt der 
knaben inen solche unsere Schulordnung übergebet und dameben 
ahn unser stat ahnzeiget, das wir solche Ordnungen in allen ihren 
puncten und articuln von inen sembtlichen und einem idem in- 
sonderheit entlich und ernstlich wollen gehalten haben, sie auch 
alß die praeceptores dameben vermanet, dieweill diso Ordnung 
der zarten jugent zum besten gemachet und dardurch derselben 
vil gutes und nutzliches wirtt geschaffet werden, sintemal ahn 
rechtschafher fleißigen auferzihung und underrichtung der zarten 
liben kinderlein vil und merglioh gelegen, das sie auch für sich 
derselben sich gemes verhalten, dardurch irem ambt und beruf 
genug zu thuen, auch sonsten der liben jugent ein gutt exempell 
dardurch zu geben. Wie wir dan auch woUen, das ihr die knaben 
imgleichen auch zu geburUchem fleis, gottesfurcht, tugent und 
ahnderer erbarkeit, auch gehorsam gegen ihre praeceptores er- 
manet. Ahn diesem allen thutt ihr unssem gnedigen willen in 
gnaden zu erkennen. Qustrov, den 13. may ao 80. 

*) Als Vorlage der Schulordnung dienten „Ordnungen churfürstens Augusti 
zu Sachsen , wie es in dero landen bei denen Jdrchen . . . Universitäten . . . 
forsten- und particularschulen . . . gehalten werden solle", welche 1580 er- 
schienen; s. Vormbauni, Die ev. Schulordnungen I, S. 230 ff; Raspe, 1. c. S. 40. 



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OrdniiDg der Beischnlen in Wismar. — Neneinrichtnng der Rostocker Schule. 357 

47. 
Ordnung der Beischnlen in Wismar. 

[c. 1580]. 
I. 
^Niemand soll sich unterstehen, einige kleine knaben oder 
mettken zu lehren, ohne sonderliche erlobnus des rats.^) 

n. 

Diejennen, den es erlobet ist, sollen die kleinen knaben und 
mettkens ihm gebede, gottes furoht undt aller dugent mit flite 
holden und vonnahnen. 

in. 

Wan eine von denselben in der kercken den catechismum 
aufsecht, sollen die mesterinnen keine gasterei holden, noch des- 
wegen von den oldem etwas fordern oder annehmen.^) 

IV. 

Soll ihnen erlobet sein, den sommer über twei mahl und nicht 
mehr int gcone gan, eins uff pantaleon^) und eins in den mey. 
Wehr hirwedder handelt, soll durch die richtehem vorgefordert 
und ernstlich gestrafft werden. 



48. 

Die Neneinrichtnng der Rostocker Schnle 

dnrch Nathan Chyträns. 

a. 

Der Professor und Sehnlrektor Nathan Chyträns richtet die 

Bostocker Sehnle im Geiste Sturms und Fabrieins' ein. 

[Rostock 1580.] 
Cum ecclesiarum et rerumpublicarum onmium salus et felicitas 
consistat in recta iuventutis educatione et puerili disciplina, non 

Zu 47: Bruchstück eines Konzeptes im Ratsarchiv zu Wismar mit der 
Oberschrift : Articul, wornach sich diejennen, so in den beischuhlen die kleinen 
knaben und mettkens lehren, richten sollen. 

^) Am 17. März 1579 hatte der Rektor eine Beschwerde wider die Bei- 
schulen eingereicht; er zählte 9 auf. S. Schröder, Kirchenhistorie III, S. 530 

') Ein Hinweis auf die Konfirmation als bestehenden kirchlichen Akt 

») d. i. am 28. Juli. 

Zu 48 a: Aus „Ludi literarii ab amplissimo senatu Rostochiensi in civium 
suorum utilitatem nuper aperti sciagraphia Nathanis Chjtraei rectoris": De 



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358 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünterrichtswesens. 

immerito omnes, quibus earam cura diyinitus commissa est, sollicite 
hoc potissimum agere debent, ut iuventus, quae paulo post noYum 
quoddam civitatis corpus futura est, quam rectissime instituatar, 
atque ideo inprimis in hoc incumbere, ut scholae illae inferiores, 
quae primae veluti of&cinae sunt virtutum et eruditionis verae ac 
salutaris, quam accuratissime constituantur et conserrentur. Lau- 
dandum est igitur amplissimi et prudentissimi senatus Rostochiensis 
utilissimum hoc toti reipublicae institutum, quo impulsi de re tam 
pia tamque necessaria serio iam deliberare certique aliquid consti- 
tuere et effectum dare decreyerunt; idque ut felix et utile huic 
ecclesiae et reipublicae sit, vere ex animo opto. Meum de re tam 
ardua non ita pridem requisitum consilium hoc est, consentaneum 
quidem nobilissimarum in Germania scholarum maxime Sturmianae 
et Fabricianae constitutioni, quod tamen aliorum vere eruditorum 
et recte haec intelligentium censurae libenter subiicio. 

b. 
Die Einrichtnng der Schale zu Rostock. 

Rostock 1580. 

[I.j De classibus. 
Et consentiens omnium eruditorum iudicium et quotidiana ex- 
perientia testantur, quae temere, confuse et sine certo ordine fiunt, 

schola paeriii recte aperienda ad s. p. q. Rostochieusem consilium Nathanis 
Chytraei, und zwar die erste Hälfte des Prooemium, Bogen Bi. Diese Schrift 
des Chyträus ist nur noch in einem Exemplare in der Hegierungsbibliothek 
zu Schwerin vorhanden, nach welchem Timm, Rostocker SchuIschrifL 1882. 
S. 1 — 38 einen Abdruck herstellte. Ich benutzte ersteres. 

Zu 48b: Ludi literarii usw. von Chyträus (s. o.) Bogen B» — Di. Am 
Schlüsse heißt es: Haec ferme sunt ea, quae ad novae scholae constitutionem 
ratione institutionis et exercitiorum quotidianorum pertinere videbantur. Quae 
omnia cum amplissimi huius reipublicae consules et senatores adhibitis quoque 
in consilium theologis et professoribus nonnullis, qui tantam rem intelligere 
videbantur, unanimi consensu comprobassent, tandem etiam pro singulari sua 
prudentia alia quaedam ad regimen scholasticum et ofBcia praeceptorum, 
cantorum, paedagogorum et discipulorum pertinentia prioribus istis coniungere 
eaque sua auctoritate voluerunt confirmare. Non enim ignorant ad parentam 
domesticam disciplinam gravem et honestam praeceptoruraque assiduam in 
scholis diligentiam et industriam necessario magistratus quoque auctoritatem 
accedere debere, cuius reverentia tam praeceptores quam discipuli in officio 
contineantur et negligentes aut contumaces legitimis modis emendentur aut 
coerceantur. Ea igitur, quae sequuntur, tanquam legnm viai haben tia hoc 
modo constitui, sanciri et deinceps observari volunt — der Nachsatz leitet zu 
den Schulgesetzen über. 



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Die Neaeinrichtung der Rostocker Schale durch Nathan Ch)'träu8. 359 

ea recte fieri nequaquam posse. Utile igitur et plane necessarium 

fuerit universam discentium multitudinem in ordines seu classes 

certas distinguere, ita ut earum singulae suum peculiarem et a 

<saeteri8 seionctum locum suumque peculiarem magistrum habeant. 

Quantum enim puerorum diversi profectus inter se confusio et 

magiatrorum diversimode docentium varietas incommodi et impedi- 

menti afferat, res ipsa cum non exiguo iuventutis nostrae detri- 

mento loquitur. lUos autem ipsos magistros summe cum iudicio 

nolla yel privatae amiciciae vel gratiae vel cognationis ratione 

habita oculis tantum in publicam utilitatem defixis et quidem a 

scholae rectore magistratui nominatos eligere oportebit iisque eius- 

modi stipendia assignare, quibus se et familiam etiam honeste alere 

atque ita continuare aliquot annos suum officium possint, ne singulis 

mensibus novos pueri praeceptores nanciscantur, quam ipsam do- 

cenlium crebram mutionem, cumprimis iuyentuti bonis literis im- 

buendae noxiam esse, nemo ex prudentibus est, qui non intelligat. 

Rationem autem et conditionem huius urbis et iuventutis con- 

siderantibus videtur universus discentium coetus non incommode 

distribui posse in ordines seu classes quinque, quarum quidem 

conclavia ita aedificari possunt, ut duo plane coniuncta tabulato 

intermedio separentur, cui extreme contingua sit fomacula una 

utrumque hypocaustum eadem opera calefaciens. Ipsae autem 

classes ratione mensarum in suas decurias distingui solent, e quibus 

fiinguli decuriones tamque animadversores morum officiorumque 

exactores deliguntur. 

Infima seu quinta classis. 
Postremus hio seu quintus ordo sit puerorum tam tenerorum 
quam etiam grandiusculorum, qui a parentibus in scholam dedu- 
cuntur, non ut maiores in literis progressus faciant, sed ut Germa- 
nica legendi et scribendi ratione una cum arithmeticae elementis 
mediocriter cognitis aliis vitae generibus paulo post adhibeantur. 
Hi igitur simul ad catechismum cum explicatione Lutheri memoriae 
infigendum compellantur et in cantu ecclesiastico yiliorumque 
funerum deductionibus superioram classium vices subeant. 

Quarta classis. 

Proximus ordo, id est quartus, contineat pueros tyrunculos et 

novicos sex aut Septem annos natos et nunc primum e sinu materno 

in ludum deductos et Latinis Graecisque literis a parentibus desti- 

natos. Hi notas literarum agnoscere, syllabas coniungere litera- 



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360 Urkunden u. Akten zur Geschichte des meckleuburg. Unterrichtswesens. 

rumque characteres utcunque pingere discant. Elementa item doc- 
trinae christianae nuda cum precibus usitatiB insignibusque aliquot, 
sed tarnen paucis sacrae scripturae dictis et rerum vocabulis puerili 
intelleotui quotidie obyÜB recitatione in dies singulos clara voce 
iterata memoriae pedetentim infigant et quidem tantisper in hac 
classe detineantur, donec sine titubatione legere et literas ducere 
mediocriter possint. Quare quidem ipsa eleganter scribendi ratio 
in proximis classibus aecurate erit perpolienda. Proderit autem, 
si dum legendi rationem discunt, in manibus habebunt eos libellos, 
quos postea integros memoriae infigere oportebit, nimirum decli- 
nationum et coniugationum formulas. Ita enim futurum est, ut 
quasi aliud agentes isto alias molestissimo läbore multo quam vulgo 
fit, citius faciliusque defungantur. Ne autem in ipso quasi educa- 
tionis puerilis limine impingamus, requirimus in quolibet et huiiLs 
inprimis classis magistro, ut minime sit cerebrosus aut plagosus, 
sed qui singulari quadam benevolentia cum patema gravitate 
coniuneta tractet pueros magisque eos promissis collaudationibus, 
praemiolis, concertationibus et poenis moderatis excitet quam per- 
petua torvitate, iurgiis, clamoribus et verberibus importunis odio 
scholae et literarum, quas nondum possunt ipsarum causa deligere, 
inficiat eosque quasi gemmantes ante florem enatum crudelitate sua 
suffocet. Quis autem ita est durus et rerum omnium ignarus, qui, 
quae cum commodo et voluptate aliqua aetati tenerae sensim in- 
stillari possunt, ea summo cum labore, molestia et odio eidem 
cupiat inculcare. Idem pro viribus sedulo operam dabit, ut vitia 
linguae puerilis, dum flecti sine negocio potest^ corrigat et vocem 
ad sonum elegantem, in quo nihil horridum, nihil hiulcum, nihil 
agreste, nihil putidum sit, informet. Quod fiet, si literas neque 
nimis expressas neque etiam negligentius oppressas et obscuratas 
pronuncient; si item verba neque exiliter nimis exanimata neque 
gravius et asperius inflata et anhelata, sed cum quadam moderatione 
neque languida neque etiam nimis canora leniter efferant. Quia 
etiam maxima huius classis frequentia videtur esse futura, ut lui- 
versis et singulis satisfieri possit, duos praeceptores, alterum senio- 
rem, alterum, si alius ex sententia haberi non possit, iuniorem ei 
praeficere oporteret. 

Tertia classis. 

Tertius ordo eorum sit, qui sine titubatione legere iam didi- 
cerunt quique catechismum Lutheri cum explicatione Germanica et 
nominum verborumque inflexiones ex Donato, qui hie nuper ex 
Siberi libello scholastico editns est, deinceps memoriae sunt man- 



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Die Neoeinrichtung der Rostocker Schule durch Nathan Chytr&us. 361 

daturi. In quibus equidem ita exerceri debebunt, ut etiam 
exercitatissimis sint promptiores. Id autem fiet, si post cognita et 
memoriae infixa usitata Donati paradigmata singulis horis, quibus 
exercentur, ad eandem analogiam unum aliquod nomen et verbum 
cum Germanica interpretatione iubebuntur variare. Quod sane 
perpetanm in hac classe esse oportebit. Idem quoque paulatim 
partes orationis intemoscere discant, quarum exempla ut habeant, 
simul eis proponantur dialogi facillimi et brevissimi ex libris col- 
loquiorum scholasticornm Maturini Corderii selecti, quos primo dis- 
cant intelligere et Oermanicis verbis interpretari. Quo facto ordine 
singula eins verba secundum partes orationis examinentur et per 
decurias ordine inflectantur. lisdem, ubi hac in parte satis vide- 
buntur exercitati, praeceptor ex eodem Donati libro proponat 
praeeepta etymologiae et instante iam annuarum progressionum 
tempore subiungat viginti illas eidem Donato eo consilio additas 
regulas syntaxis maxime communes et necessarias usui quotidiano, 
ut ita paulatim ex coUoquiis auditis modos loquendi agnoscere, 
constmctionis rationes aliquo modo rudi tamen Minerva videre et ad 
Latine loquendum sese discant praeparare. In quem ipsum usum 
non solum rerum vocabula ex nomenclatore vel lunii vel Theo- 
phiU Qolü, verum etiam praecipuorum et in quotidiano convictu 
maxime usitatorum verborum significationes et familiäres loquendi 
formulas proprias et Latinas (ouiusmodi sunt illae Corderii in col- 
loquiis scholasticis et nonnullae etiam a Camerario olim editae) 
certo et non magno numero quotidie pueris proponet, ut ita Ger- 
manae Latini sermonis puritati a teneris assuefiant nee barbaris 
quibusdam et ineptis loquendi modis assuefacti eosdem postea de- 
discere, quod fere fit, nunquam aut certe admodum difficulter pos- 
sint. Pari enim opera et labore licet fructu admodum dissimili ad 
probatam et laudabilem aut etiam ad inquinatam et barbaram 
loquendi rationem puer pervenerit. Interdum etiam distichon ali- 
quod, sed breve et casti alicuius poetae huius ordinis pueris 
explicabitur. Qualia sunt ea, que Catonis titulo circumferuntur, 
item disticha arguta et singularia eum in usum a Fabricio et 
Sibero quondam coUecta et edita. Id autem ideo faciendum 
existimamus, ut quamvis consuetudine magis quam ratione, 
tamen versus modulari et inter initia studiorum numerosum illud 
et concinum in poetis observare et admirari discant, omamen- 
tam postea sermonibus scriptis et toti vitae futurum. Idem 
ordo singulis diebus unam boram in literis eleganter pingendis 
consumet et a magistro huius artis in schola monstrata domi dili- 



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362 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

genter recognoscet et accurata imitatione exprimet. Et ut scire 
possit praeceptor, an revera id faciat, iubebit eum singulis, in qui- 
bus scribendi rationem exercet, paginis septimanae diem praeacribere. 
Ita enim quos hac in parte Bedulos, quos negligentes habeat, 
yidere et pro merito utrosque poterit tractare. Musicae quoque 
exercitium hie non negligetur. Ea yero, quae in hac classe tra- 
duntur, uno anno perdiscere posse puerum ingeniosum nobis per- 
suademus, aut si etiam semestre Uli accedat, id non pessime col- 
locatum arbitramur, modo ea, quae hie traduntur, fideliter et exacte 

cognoscat. 

Secunda classis. 

Huius classis pueris ordine proponatur et explicetur grammatica 
secundum tres priores partes, orthographiam, etymologiam et syn- 
taxin, idque quamfieri potestbrevissime et maxime perspicue sine ullo 
novarum praeceptionum coacervatione. Cupio autem in hac schola 
perpetuo retineri grammaticam Philippi Melanthonis, sicuti captui 
puerorum accommodata iam pridem usurpata est in scbolis quibus- 
dam non ignobilibus et ante aliquot annos hie etiam praelo 
subiecta et in prioribus ludis aliquamdiu non inutiliter tradita est 
Ea enim licet quatemionibus tota absolvatur, tarnen integram 
artem, quantum quidem puero opus est, ita dilucide pleneque com- 
plectitur, ut in ea nihil magnopere posse desiderari yideatur. Id 
quod omnes intelligentes ubi yiderint, nobiscum dicturos esse non 
dubitamus. Ut autem praeceptorum exempla suppetant, praelegao- 
tur huic ordini epistulae Giceronis a Sturmio eum in usum in 
librum primum et secundum digestae, utpote breves et faciles et 
huic aetati maxime accommodatae , item yersiculi mimograpbi et 
alia disticha sententiosa in eum finem unum in libellum congesta. 
Bis praelectis et recte intellectis eadem aut multo etiam quam in 
tertia classe accuratior singulas partes examinandi dissolyendique 
ratio adhibeatur. Exercitia quoque scribendi ex iis ipsis, quos audiunt, 
libris breyissima et lingua yemacula huius classis pueris proponantui, 
et modi loquendi, quibus in scribendo uti debeant, initio illis in- 
dicentur, donec paulatim ipsi sine cortice nare assuescaut. Quod 
ut citius et facilius fiat, iubebuntur singulis septimanis suo Marie 
unum ex coUoquiis scholasticis Corderii dialogum in Gernianicum 
sermonem conyertere eumque cum altero exercitio praeceptori 
exhibere. Imo proderit assuefacere pueros, ut insignem illum col- 
loquiorum librum domestica lectione et relectione accurate et integre 
eyolyant sibique quam familiarissime notum faciant, qua ipsa in re 
paedagogos quoque eorum qui opulentiores sunt, plurimum laborare 



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Die Neaeinrichtung der Bostocker Schule durch Nathan Chyträus. 363 

oportebit. Et classici etiam praeceptores data oportunitate eum 
percurrendo integrum explicare non grayabuntur. 

Mores quoque huius ordinis accurate formandi eidemque initia 
Oraecae linguae, maxime declinationum et coniugationum paradig- 
mata paulatim erunt instillanda, ita ut Grecis evangeliis primo 
legendi pronunciandique rationem animadvertat, delnde etiam exempla 
nonDiinibus et verbis inflectendis accommodata ex üsdem desumat. 
Hie etiam puer ingenuus exercitium eleganter pingendi literas 
Latinas non praetermittet simulque Graecas quoque venuste reprae- 
sentare addiscet et cum primanis et tertianis in musica suo tem- 
pore exercebitur. Tarn diu autem in hac classe detinendus erit 
puer, donec congrue et dilucide Latine scribat animique sensa 
tolerabiliter efferat et paradigmata Graecae grammaticae ad unguem 
teneat. Quod deo iuvante intra biennium fieri posse arbitramur. 
De stupidis enim et stivae magis quam scholae aptis, item de 
negligentibus et ludum raro frequentantibus aut etiam contumacibus 
et rebellibus hie non loquimur. 

Prima classis. 
Quando iam in superioribus classibus congrue Latine loquendi 
et scribendi facultatem puer erit consecutus, tum vero constituto 
annuarum progressionum tempore in primam classem transferetur. 
In qua hoc potissimum agent praeceptores, ut sermoni grammatico 
etiam omatus aliquis et elegantia concilietur. Ideoque magna ex 
parte occupati erunt in optimis Latinae et Graecae linguae auctori- 
buB explicandis. Ex Latinis audiant iam epistolas at Atticum, iam 
libellum Giceronis de amicitia vel de senectute, quibus accedat 
Terentius, odae et epistolae Horatii insigniores, elegiae castiores 
Tibulli et aliorum quoque poetarum loci maxime insignes. Ex 
historicis yel Sallustium vel etiam Aemilium Probum paulatim 
cognoscant. In hac quoque classe quarta pars grammaticae, nimi- 
rum prosodia reliquis adiiciatur et ratio metiendorum scribendorum- 
que carminum pueris ostendatur. Perficiatur item Studium gram- 
maticae Graecae et ex auctoribus Graecis explicentur primo faciliores. 
In quibus sunt Graecae epistolae breviores eumque in usum ex toto 
Yolumine coUigendae: Isocratis oratio ad Demonicum, item Pytha- 
gorae, Phocylidis et aliae iis adiunctae gnomae, ad quas praecepta 
grammaticae erunt examinanda. His suo tempore et prout diu in 
hac classe detineri se patientur, adiici poterit Plutus Aristophanis, 
Theognis, Phoenissae Euripidis, e quibus in pleniorem tam prosae 
quam poeticae orationis Graecae possessionem introducantur. Et 



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364 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtsw^esens. 

quia propositis materiis diversarum scriptionam maiore cum cora 
et diligentia Stylus hie est exercendus, quo eum de praeceptis 
rhetorum formare consueseant, isagoge aliqua rhetorices, quae huic 
instituto accommodatissima videbitur, item progymnasmata vel 
Hennogenis vel Aphthonii simplicissime et ad captum adolescentu- 
lorum maxime apposite illis proponaDtur et ex eorum praescripto 
in partibus illis tractandis et expoliendis exerceantur. Et si dis- 
cipuli constantes et bis lectionibus idonei sint, ex aureolo Demetrii 
Pbalerei de elocutione libello doctrina de periodis et de formis 
seu cbaracteribus orationis diyersis, item de natura et usu 
figurarum rbetoricarum precepta succincta brevitate illis explicentur 
nee praetereantur initia aritbmetices. Postremo omnium ex pluri- 
mis pauca praecepta dialecticae, quorum maximus et quotidianus 
in yita usus est, illis ex erotematis Philippi in compendium redact-a 
tradantur, ut categoremata, discrimina propositionum, Schemata 
argumentandi, modi vitiosa argumenta dissolvendi, moneanturque 
talem artem dialecticam esse, quae hac aetate et hoc loco integra 
tradi, intelligi et disci non possit, ideoque eam scbolis regiis reser- 
vandam esse. Diebus etiam sabbati et festis plenior doctrinae 
christianae cognitio ex catechesi D. Davidis illis instilletur et si 
tempus suppetat, libellus Fabricii de viris illustribus, qui quasi 
bibliorum compendium est, item psalmi aliquot ex Bucanano illis 
praelegantur. Atque ut verae de rebus optimis sententiae teneris 
illorum mentibus instillentur et mores quoque efficiantur politiores, 
non inutile puto, si pro tempore Ludovici Viyis introductio ad 
sapientiam, item Galateus lo. Casae de honestate et elegantia 
morum subinde illis proponantur. Atque bis quidem septis quasi 
ac terminis totum puerilium studiorum curriculum includatur; caetera 
sublimiora et difficiliora quae sunt, in academias vel nostram vel 
alias reiiciantur, in quas, si triennium diligentes hie fuerint, non sine 
honore et fructu suo poterunt ablegari. Quod si in tempore, nimi- 
rum annos nati Septem, pueri nobis commendentur et praeceptores 
quoque contingant industrii et laborum scholasticorum non impa- 
tientes, metam hanc deo iuvante attingere poterunt anno aetatis 
decimo quarto, quinto aut sexto, nisi aut ingenio aut omni cura et 
diligentia omnino destituantur aut parentes et paedagogi inepti 
ipsi eos nobis invitis remorentur et corrumpant suove tempore 
exercitiis scholasticis Interesse non sinant. 

[IL] De docendi ratione. 
Cum in scholis bis inferioribus hoc praecipue a praeceptoribus 
requiratur, ut pueros quam maxime pios et bene moratos efficiant 



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Die Neueinrichtung der Bostocker Schule durch Nathan Chyträus. 365 

eosdemqae ad faoultatem congruae et purae orationis Latinae et 
Graecae linguae mediocrem intelligentiam perducant, hos ipsos 
fines praeceptor perpetuo in conspectu habeat et ad eos omnes 
labores suos dirigat. Pedetentim igitur et per oertos gradus hoc 
ipsum agat et meminerit, sicuti in yasa angustiora liquores, ita 
bonas literas in animos puerorum sensim instillari oportere tra- 
dendo primum faciliora iisque perceptis paulatim ad difficiliora pro- 
grediendo. Nam omnia mio in loco docere, omnia sine discrimine 
et modo infantiae balbutienti obtrudere et inculcare et in schola 
puerili professorem seu oratorem potius quam ludimagistrum agere 
pneritiae perniciosissimum est. Yitet igitur prolixitatem et exempla 
praeceptorum, maxime syntaxeos, lingua potius yemacula quam 
Latina pueris certo numero inter explicandum dictet et ad ea ex 
regttlarum prescripto Latine conyertenda et plura etiam suo Marte 
coUigenda eosdem assuefaciat perpetuo memor illius Horatiani^): 

Quicquid praecipies, esto breyis, ut cito dicta 
Percipiant animi dociles teneantque fideles. 

Eundem, quod supra quoque monui, minime oportet esse 
plagosum, grayem tamen et quem pueri minime contemnant, 
sed ex animo yereantur. Is si quos in suo officio segnes et som- 
nolentos esse yideat, in hos alios diligentiores concitet, ut certent 
inter se de loco. Nonnunquam etiam, si quos in crassa et supina 
negligentia, obliyione aut ignorantia deprehendet, ex decuriis aut 
classibus inferioribus aliquem accersi iubebit, quem commodius ad 
interrogata existimet posse respondere. Id enim si fiet et prior 
ille, si quid in eo bone est indolis, deinceps erit diligentior, hie 
yero ad metam propositam citius assequendam quasi calcaribus 
equo generöse adhibitis exstimulabitur. Si yero quem omnino stu- 
pidum aut etiam refractarium esse animadyertet, eum quod yiri 
boni est, parentibus candide indicabit et ut alten eum yitae generi 
in tempore adhibeant, monebit. 

[IQ.] Quot horis et quibus sit praelegendum. 
Quinque horae abunde sufficere yidentur ad quotidianam trium 
superiorum classium institutionem. Noyiciis autem et tyrunculis, 
quibus alias mitiores esse yoluissemus propter classis huius frequen- 
tiam, tum etiam ob commodiorem et pleniorem in ratione legendi, 
quae repetitionis assiduitatem quotidianam requirit, informationem, 
neoessario yidentur assignari debere horae quatemae, ita ut ante 

>) Horaz, Ars poet. 335. 



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366 Urkunden n. Akten sur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

meridiem ientaculo prius domi sumpto veniant hora octava, dimit- 
tantur decima. Post prandium redeant prima, abeant tertia, idque 
eodem modo tarn hieme quam aestate. Reliquarum classium dis- 
cipuli ludum petant hora YII. praemissoque hymno sacra et reci- 
tatis precibus doceantur usque ad octavam, qua ipsa ut spacium 
habeant ad repetendum, nihil praelegant praeceptores, sed assue- 
faciant pueros, ut audita ipsi inter se recognoscant et ut singulae 
decuriae suis decurionibus, quae recitanda erunt, recitent. lentari 
etiam extra auditoria ei, qui volet, licebit, modo mature ad exer- 
citia suorum aequalium redeat. Hora nona praeceptores lectiones 
suas continuabunt puerosque detinebunt in decimam, qua eundam 
ipsis erit in templum scholae contiguum, ubi caput unum ex 
bibliis clara voce quidam ei rei praefectus toti coetui scholastico 
praeleget. Deinde postquam pueri ad id idonei paucis aliquot 
hymnis et psalmis sacris decantatis deum laudaverint, quilibet suo 
ordine modeste domum ibit, id quod etiam eodem modo fiet sub 
horam quartam postmeridianam exercitiis scholasticis in qualibet 
classe finitis. Ad exercitium autem musicum, quod in eodem templo 
commodissime haberi potest, a prandio convenient hora prima. Id 
enim et senatorum et negociatorum filiis, qui prandium saepe in 
duodeeimam differunt, accommodatissimum videtur. Hora secunda 
praeceptores classici suas lectiones et exercitia continuent usque 
in quartam. Omnes autem discendi labores a precibus et hymnis 
incipiant iisdemque eos finiant. Paedagogi interim, si qui sint, 
puerorum adigantur, ut ipsi privatas scholas non aperiant, sed 
tan tum audita in schola cum pueris diligenter et quidem ad prae- 
scriptum eins, in cuius classe simt, praeceptoris repetant, ne novis 
praelectionibus eos obtundant et ad stuporem et ignorantiam adigant* 

[lY.] De examinibus tam classicis quam publicis et de 
anniversariis classium progressionibus. 
Utile et necessarium erit in qualibet lectione non progredi 
ulterius, antequam pridie tradita accurato examine sint repetita. 
Singulis etiam septimanis certa hora destinetur repetitioni universali 
omnium eorum, quae tota bebdomade pueri audiverunt et didi- 
cerunt. Ita enim futurum est, ut omnia plenius intelligantur fir- 
mioresque in memoria radices agant. Proderit etiam inter decli- 
nandum et coniugandum, item in aliis recitationibus quibuscunque 
ita assuefacere pueros, ut ii, qui recitant, voce utantur clarissima 
et quae ab omnibus eins classis condiscipulis exaudiri possit, reliqui 
vero ita in ea, quae recitantur, attenti sint, quasi ipsi una recitent. 



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Die Neueinrichtung der Rostock er Schule durch Nathan Chyträus. 367 

Quod diligentiuB fiet, si subinde ex improyiso prioris recitationem 
praeceptor mterrumpet et alium eam eodem, quo ille cessat loco, 
iubebit continuare. Idem etiam inter docendum non inutiliter fiet, 
si nimirum aliquem animo forte peregrinantem et nihil minus 
cogitantem subito interrogayerit praeceptor, quid eo ipso momento 
postremo dixerit, et in supina negligentia deprehensum in aliorum 
conspectu puniverit Quia yero multum excitat pueros laudabilis 
illa aemulatio, liceat Ulis instituere certamina de loco honestiori, 
ita ut inferioris alicuius decuriae discipulus locum superiorem in 
prima decuria tenenti litem denünciare cumque eo recitandis lectio- 
nibus auditis praeceptore in puerorum corona auditore et iudice 
contendere yictorque yicti locum occupare possit aut yictus sine 
ignominia in suum priorem locum redire. Sic fiet, ut primae 
decuriae pueri nunquam securi diligentius sibi cayeant semperque 
parati sint ad antagonistam exipiendum. Praeterea semel in anno 
in consulum, superintendentis, pastorum et parentum praesentia 
instituenda erit solennis studiorum censura. In ea de singulorum 
in pietate et Hteris diligentia fiat iudicium, et qui diligentiores 
fuisse maioresque in suis classibus profectus fecisse deprehendentur) 
iis ad superiores ordines transitus concedatur, ita quidem ut in 
unaquaque ascendentium serie primo, secundo et tertio diligentiae 
suae praemiola pro cuiusque aetate et loco publice distribuantur, 
ut sie alii quoque ad maiorem sedulitatem et curam inyitentur. 
Optarim igitur more reipublicae Argentinensis duos aut tres ex 
ordine consulari et senatorio scholarchas eligi, quibus et eorum 
quae iam dixi, et praeterea omnium ad scholae institutionem et 
conseryationem pertinentium cura incumbat et ad quos querelae 
quoque, si quibus opus sit, deferantur, ne subinde consules aut 
uniyersum senatum de rebus leyiculis opus sit interpellare. Exa- 
mina autem illa scholastica quotannis inchoentur aut die lunae pro- 
xime sequente ferias paschatos aut die lunae sequente festum 
Michaelis. Nam propter classium paucitatem et lectionum exer- 
citiorumque multitudinem bis institui examina illa singulis annis 
yix poterunt. 

[V.] De exercitiis stylL 

Exercitium styli praetermitti non posse omnes intelligunt 
Det igitur operam praeceptor, ut in eo quoque recte et commode 
yersetur. Quod fiet, si non propriae inyentionis scripta pueris pro- 
ponet, sed traductum locum aliquem Ciceronis in linguam yulgarem 
puerum Latine reddere iubebit et adbibita puerilis compositionis 
correctione in ipsius Ciceronis yerba eum deducet et inde suum 



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368 UrkuDden u. Akten zur Geschichte des mecklenborg. Unterrichtswesens. 

scriptum ipsum emendare et ex institata dnoruin dissimilium colla- 
tione sapientissimi scriptoris eloquentiam admirari et paulatim quo- 
que aliquo modo docebit repraesentare. Utile etiam erit per inter- 
Talla eiusmodi argumenta excogitare, in quibus pueri praecipuas 
etymologiae et syntaxis regulas, quas audiyerunt, explicare, item 
rerum quoque praecipuarum appellationes seu nomeudaturas scri- 
bendo ad usum transferre cogantur. Ita ammadyertet praeceptor, 
an pueri grammatioam recte intelligant, errantesque ad maiorem 
diligentiam adiget. Scripta autem emendabit publice omnibus 
audientibus, ita ut pueri alicuius classis omnes certa hora suoram 
argumentorum bina exempla in promptu habeant, quorom altemm 
ipsi retineant idque marginibus satis spatiosis, alterum mundissinie 
descriptum olFerant praeceptori, qui quidem per decuriones secun- 
dum decuriarum numerum in totidem fasciculos ea colligi iabebit. 
Id ubi factum erit, in qualibet decuria unus aut alter clara voce 
suam compositionem legat praeceptore Interim exemplum sibi ex- 
hibitum inspiciente et errata tam orthographiae quam constmctionis 
indicante, in quae omnes qui similiter errarunt, intendere et ex 
Yitiis alterius sua emendare oportebit. Si yero quem deprehendat 
aliud agentem, qui vitium bis terve indicatnm in suo scripto non 
emendaverit, eum convenienti poena aliis videntibus praeceptor 
offioiat, ut in reliquis maiorem intentionem excitet. Iterata iam 
aliquoties emendatione locum Ciceronis a se Germanice propositum*} 
proferet praeceptor Latinum eumque describendum puerilique com- 
positioni certum in librum relate subiungendum proponet; atque 
ita labor seorsim sua manu omnia emendandi praeceptori minuetur 
et in pueris, qui publice sibi legenda et corrigenda sua Scripte 
noyerunt, augebitnr cura et intentio. Ad carminum scriptionem 
quod attinet, primae classis auditoribus subinde transposita et 
disiecta bonorum yersuum yerba suis numeris restituenda exhibe- 
buntur aut oda aliqua in aliud genus carminis conyertenda tradetor, 
donec paulatim ipsi quoque yersiculos modulari assuescant. Nemi- 
nem autem abhorrentem et inyitum ad hoc exercitium adiget* 
multo minus yerberibus (nisi forte ignayia aut malitia pueri sese 
prodat) coget praeceptor. Multi enim natura a musis sunt alie- 
niores neque hoc seculo alias satis ridicule et impudenter in hoc 
genere scribaci omnes yersificatores esse opus est. 



a) Aus propotitum verbessert. Hier wie auch in der folgenden Nummer 
ist 9 (för ae) mit e wiedergegeben, da es in der Vorlage sehr willkürlich 
steht. 



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Die Neueinrichtung der Bottooker Schule durch Nathan Chytrftus. 369 

c. 

Gesetze der Schale zu Rostock. 

[Rostock 1580.] 

I. De praeceptoribuB. 
Oam olassium supra indicata distribntio necessario observanda 
videatur, de coUegis quoque, qui laboribus illis quotidie sastinendiB 
Bufficerent, cogitandum fuit. Placuit igitnr, ut primo rector aliquis 
haio necessario officio maxime idonens constitueretar, cni totius 
scholae inspectio et operaram ad modam anpra praescriptam in 
coUegas distribntio et exactio incnmberet, qniqne ipse in prima 
classe hora sibi assignata qnotidie doceret. Huic rectori pro nnmero 
classinm coUegas ceriios, quos sno' Institute idoneos esse iudicayerit 
et qnos consniibus vel scholarchis ipse nominaverit, adinngi volunt, 
ita nt tribns snperioribus classibns singuli praeoeptores praefician- 
tur. Quartae yero praesint duo, nt pneris balbutientibns eo plenius 
satisfieri queat. Quia yero propter quatuor templa parochialia, ut 
Tocant, totidem qnoqne cantoribus opus est, qui in musica pueros 
exerceant eosque in templnm diebns dominicis dednoant, unnm 
generalem cantorem constitnere eique tres sncoentores (qui tarnen 
rectori debitam obedientiam ipsi quoque praestent) adiungere yisum 
est. In quorum numero unum esse oportebit, quiclassi quintae 
pueros in Germanicis et arithmeticis tantum erudiendos continenti 
recte praefici possit. Atque ita rectori cantoribus simul nnmeratis 



Z« 48e: Ludi literarii usw. von N. Chyträus. Bogen Dt — Gs. Die Ein- 
leitong zu den Ge9etzen findet sich schon in der vorigen Nummer. Chyträus 
schließt Ft: Habes iam humanissime lector ea, quae proximis mensibus de 
novae scholae constitutione deliberata, decreta et nonnuUo cum iuventutis 
fructu inchoata sunt. Er schließt einen Segenswunsch an. Dann folgt : Dem 
christlichen leser. Dieweil ohne zweiffei viel bürger durch etliche von iren 
vorigen paedagogis seind ingenommen worden, als solt die jetz new angehende 
Schulordnung inen unleidlich und der jugent undienstbar sein, haben wir dise 
nachfolgende eines erbaren raths von den paedagogis angeordente leges ver- 
deutscht und dieselbe zugleich alhie im druck außgehn lassen, damit ein jeder 
sehe, wem hierin furderung oder hindemuß, fortheil oder schade geschehe. 
Konten auch wol leiden, das die vorgehende der newen schul an Ordnung 
darchaus möchte verdeutschet sein, denn wir derselbigen für gott und allen 
gelerten und vorstendigen leuten kein schew tragen. Dieweil aber solchs 
itziger zeit nicht füglich hatt geschehen können , wolle ein erliebende burger- 
schafft mit disem weinigen jetzund fridlich sein und sich das uberige von 
andern außlegen lassen. Hiemit gott bevohlen. — Von mir sind „Die leges 
Ton den paedagogis aus der vorgehenden Schulordnung verdeutschet" der 
Bequemlichkek halber neben den lateinischen Text gestellt. 

Monumenta Oermaniae Paedagogioa XXXyni 24 



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370 Urkanden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. ünterrichtswesens. 

College suberunt novem, nisi forte quibusdam ex inferioribus prae- 
ceptoribus classicis cantoris quoque officium commode demandari 
queat, tum enim numerus hie futurus esset contractior, quorum si 
quis aut non idoneus fuerit aut in officio suo negligens aut erg& 
rectorem contumax et in collegas iniurius, eum a rectore iudicatum 
magistratus yel scholarcbae ab officio suo sine recusatione remoye- 
bunt. 

De praeceptörum officio. 

Ad officium autem praeceptörum classicorum haec praecipue 
pertinent, quorum observationem stipulata manu et subscriptione 
Bua magistratui urbis et rectori scholae promittent. 

L 

XJt rectori suo exactam in ratione institutionis et aliis ad scho- 
lam pertinentibus negociis obedientiam et observantiam praestent 

IL 
Ut ita sint eruditi et morati et in yita, yestitu et conversatioiie 
cum aliis ita studiosi modestiae, temperantiae, honestatis et integii- 
tatis, ut scholae utiles et honorifici censeri possint. 

III. 

üt anteaquam suam operam conduci patiantur, firma quadam 
animi inductione secum constituant se labores istos scholasticos deo 
gratos et iuyentuti unice utiles et necessarios quantumvis graves 
non cum taedio, fastidio et impatientia, sed potius alacritate et 
quodam animi prolubio yelle subire et sustinere, aut si se id facere 
non posse aut yelle intelligant, ut tum alteri hunc locum conoedant 
et ab hoc munere abstineant. 

IV, 

Ut non obiter perfunctorie et quasi leyi brachio in suo officio 
exequendo yersentur, sed fidei datae et conscientiae suae perpetua 
memores, sedulo et serio omnia agant, yicarios nisi grayissimis de 
causis et quidem praescio rectore in suum locum non substitaant 
et profectus suorum auditorum omnium sine prosopolepsia unice 
studiosi et cupidi sint et ad eum omnes industriae suae neryos 
Intendant. 

V. 

Ut in castigationibus modum non excedant nee yaletudini aut 
sanitati puerorum incommodent. Sciant igitur iracundiam frenare, 
et ubi omnino necesse est, humi potius prostratos quam mensis aut 



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Die Neueinrichtung der Rostocker Schale dnrch Nathan Chytr&ns. 371 

Bcamnis iniectos yirgis caedant. Ita enim a luxatione, conyulsione 
et rapinra nihil erit periculL DifFerant etiam oastigationes us- 
qae ad lectionem finitam, interea yero delinquentes ab observatore 
in catalogo annotari curent, ut ira, si qua est, interim deferbeat et 
operae scholasticae huiusmodi supplioüs et clamoribus non nimis 
crebro interrampantur. 

VI. 

Ut de Bcholae huius fiindatoribu8 et patronis, item de schola 
ipsa eiusque rectore et reliqnis praeceptoribus honeste sentiant et 
loquantor et calumnias de üs sparsas potiue refütent quam eas aut 
approbent aut quasi yentilando latius dissemineni 

vn. 

Ut de stipendiis suis, quibus aequo et liberrimo animo con- 
dud suam operam passi sunt, non temere apud quosvis conqueran- 
tur. Sed si omnino necessitas urgeat, ut id cum debita moderatione 
apud rectorem yel scholarchos faciant, qui hao in parte plus quam 
Tulgos iUis poterunt et yolent commendare. 

VIII. 
Ut cum rectore et collegis omnibus colant ooncordiam et alter 
alteriuB naeyos, quantum quidem fieri potest, patienter ferat. 

IX. 
Ut in collectione et distributione peouniae communis fideles 
et integri sint nibilque fraudulenter aut pleonectice simulando aut 
dissimulando in proprium suum conmiodum conyertant aut cum ali- 
Cttius e collegis incommodo suum commodum quaerant. 

X. 

XJt pueros aut discipulos quoscunque musicae causa in conyiyia 
secum non deducant eoye nomine ad se accersant, et si priyatim 
quoque nonnullos suae disciplinae commendatos habeant, eos ita 
instituant, ut neque horis, lectionibus et exercitüs classicis destinatis 
neque scholae honori et incrementis quidquam decedat. 

XI. 

üt neminem puerorum diutius, quam par est, in sua classe detine- 

ant atque ita eorum progressum remorentur, sed ut omnes tam 

idoneos quam non idoneos statis annuorum examinum et probationum 

temporibus indicent. 

24* 



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372 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 

xn. 

Ut quotannis post examina ordinem studioram suae clasais 
pueris praescribaat, e quo, quid diebiu et horis singnlie et publice 
audiendum et privatim repetendum sit, sciant atque ita excusatione 
ignorantiae utij non posaint, ut item subinde explorent, nam ordini 
praescripto obtemperent et diligentibus laudatis negligentibas stimulos 
admoyeant. 

xm. 

Ut in coUegas aut dassea praeter suam quascnnque nisi ex 
auctoritate et conaensu rectoris nihil imperii sibi naurpent. 

XIV. 
Ut noYos extorquendi pecuniam modos non excogitent neque 
ullam nifli iussu reotoris peeuniae collectam pueris imponant. 

XV. 

Ut pecuniam rectori aut oollegie quibusounque ex decreto 
amplissimi senatus destinatam non intercipiant, supprimant ant 
ayertant. 

XVI. 

Ut paulo ante vel certe in ipso puncto horae quisque in sna 
classe praeato sit et labores aibi iniunctoa praemiaaa precatione et 
hymnis usitatia alacriter incipiat, secus faciens mulctam, de qua 
inter coUegaa convenerit, exsolyere non gravetur. 

xvn. 

Ut ai negligenter et infideliter munus suum obeant et momti 
non fiant meliores, remoyeri ae aine ulteriori causae alicuiua inqui- 
aitione patienter ferant, ita tarnen, ut tribua vel ad summum sex 
mensibus ante idipsum praesciant, aut si nitro dimitti postnlent, 
totidem mensibus ante idipsum rectori indicent. 

n. De paedagogis. 
Cum plerique omnes cives a Nachdem in gemeiner bürger- 

paedagogis in acholis cubiculari- schafft nicht wenig seindt, welche 

bua ^) olim instituti magnopere de in irer jugendt auff den burschen 

eorum inscitia, negligentia et per- und privat schulen sindt auffer- 

fidia quoque conquerantur suae- zogen und yerseumet worden und 

que ignorantiae culpam in eoa sich derwegen nicht unbiUig aber 

*) d. sind Winkelschalen. 



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Die Neaeinrichtang der Rostocker Schule durch Nathan Chyträas. 373 

paene solos conferant ei alias irer paedagogoram unyerstandt, 
plnrimum in bonis, eraditis fide- naohlessigkeit und untrew zum 
Uboaqae paedagogis, quomm nu- he£Ftig8ten beklagen, auch irer 
meros admodum exiguue est, p'o- Unwissenheit und Terseumniß 
sitom Bit momenti, non immerito schult auff sie allein schieben, 
de ÜB quoque certi aliquid con- und es auch sonsten gar viel an 
stituendum fuit, quod perpetuo fromen, gelerten und trewen pae- 
deineeps obserraretur. Plerum- dagogis, derer nicht übrig viel 
que enim yagantes illi homines gefunden werden, gelegen, schei- 
impuri omnis dissolutionis, dis- net es für rathsam, das man 
ciplinae laxationis aliorumque auch von den selbigen etwas ge- 
malorum causae esse consueve- wisses schliesse, welches hernach- 
runt, qui propterea necessario ab mals stets gehalten werde. Denn 
eruditis et moratis adolescentibus gemeiniglich solche umbleuffer 
sunt discemendi. aller leichtfertigkeit, ungehorsame 

und anderer laster ein ursach zu 
sein pflegen, welche derenthalben 
notwendig von züchtigen, firomen 
und gelerten gesellen zu under- 
scheiden sein. 
Mandat igitur honestissimus Ist derhalben eines erbaren, wol- 
huius reipublicae senatus, ut nemo weisen raths ernster befehl und 
deinceps, cuiuscunque ordinis aut wiU, das keiner hemachmals, er 
conditioms sit, paedagogum ali- sey auch wes Standes und wesens 
quem cuicunque ex ciyibus insi- er wolle, einigen paedagogum 
nuare aut obtrudere audeat, nisi irgendt einem bürger zubringe 
eum prius rectori scholae exa- oder aufiPtringe, er sey dann Yor- 
minandum et legibus hisce no- hin Ton dem rectore scholae exa- 
stris subiiciendum curayerit. Quas minirt und zu solchem ampt 
quidem rector, ubi eum in exa- düchtig erkennet und hab sich 
mine ratione aetatis morum et auch diesen unsem legibus unter- 
eniditionis idoneum deprehen- worffen. Welche im dann der 
derit et approbaverit, hoc, quo rector, wo er im examine be- 
sequuntur, ordine et modo illi standen, auch alters, geschicklig- 
legendas proponet iisque, ut nitro keit unn guter sitten halben für 
manu sua subscribat et obedien- düchtich kan geacht werden, or- 
tiam poUiceatur, iubebit. Quod deutlich, wie sie nach einander 
si id facere recuset, alium pro- folgen, zu lesen fürlegen, auch 
bum, modestum et eruditum ado- im mit seiner eigen handt die- 
lescentem huius loco civi illi com- selbigen zu unterschreiben und 
mendabit. gehorsam zuzusagen befehlen 



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374 Urkunden u. Akten zor Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 

inrdt. Wo aber einer das zu thaen 
inen sich wegem worde, so sei 
der rector einen andern fromen, 
züchtigen nnd gelerten gesellen 
in desselben stedt dem bürger 
zuweisen und commendiren, da 
er und seine kinder besser mit 
versorget sein mögen. 

Leges paedagogorum. Leges 

I. L 

Ego N. N. bona fide sine dolo Ich N. N. sag zu bey meinem 
et fraude promitto in omnibus glauben und waren werten ohn 
Ileitis et honestis accuratam reo- allen trug und list, das ich in 
tori huius scholae obedientiam et allen billichen und erlichen sachen 
observantiam. dem rectori diser schul fleisswilli- 

gen gehorsam mit aller ehrer- 
bietung leisten wiL 

n. n. 

Pueros meae fidei commissos Gegen die knaben, die mir 
ita tractabo, ut potius me ament vertrawet, wil ich mich also mit 
et magnificiant quam metuant aut aller bescheidenheit yerhalten, 
oderint. das sie mich viel mehr lieben 

und werdt halten denn forchteD 
und hassen mögen. 

ni. III. 

Neque mea saeyitia aut im- Ich wil auch mit meiner 

portunitate efficiam, ut bonas li- hertigkeit und ungestümigkeit 
teras, scholas et exercitia puerilia ihnen nicht ursach geben, das 
ayersentur, sed potius ut ea dili- sie an guten kiinsten und spra- 
gant et admirentur. eben und anderen schulübungen 

ein abschewen tragen, sondern 
yiel mehr fleiß anwenden, das sie 
dieselben lieben, darzu lust haben 
und yiel darvon halten mögen. 

IV. IV. 

Assuefaciam eos, ut tarde, di- Ich wil sie auch gewenen, das 
stincte et clare omnia pronuncient sie alles fein langsam, unter- 



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Die Neaeinrichtung der Rostocker Schule durch Nathan Ohytr&na. 375 

et characteres literanim eleganter soheidlich und laut aussprechen, 
pingere discant. auch fein reinlich und schön 

schreiben lernen. 

V. V, 

Nihil privatim eis tradam, quod Daheimen will ich inen nichts, 
non Tel a rectore vel praecep- denn was mir zu thuen von dem 
toribus classicis mihi sit iniunc- rectore und praeceptoribus clas- 
tum, sed hoc potissimum agam, sicis aufferlegt ist, furgeben und 
ut in classibus audita recte in- furlesen. Ich wil auch zusehen, 
telligant et memoriae infigant damit sie das jenige, was sie in 
et Latine ex colloquiis Corderii der schul gehöret, recht verstehen, 
loquendo se exerceant. Ad edis- dasselbige außwendig lernen und 
cendum non intellecta neminem sich in der lateinischen sprach 
adigam. Deque iis, quae ipse non aus den colloquiis Corderii üben 
intelligo, malo doctiores inter- mügen. Ich wil keinen nötigen, 
rogare quam pro veris falsa pue- etwas, das er nicht verstehet, 
ris meae fidei creditis tradere. außwendig zu lernen. Will auch 

selbs lieber andere das jenige, 
so ich nicht verstehe, firagen, 
denn die knaben, so mir be- 
fohlen, unrechter weiss unter- 
richten. 
VI. VI. 

Si pueri teneriores mihi com- Wo mir junge kinder vertra- 
mittentur, dabo operam, ut, quae wet würden, wil ich allen müg- 
ad cultum et munditiem corporis liehen fleiss fürwenden, damit ich 
pertinent, non gravatim ipsis prae- ihnen, was zu irer leibes kleiduDg 
stem eosque in scholam et tem- und reinigkeit gehöret, unbe- 
plum deducam et reducam, et schwort leiste, sie des morgens 
quae ludendo et iocando eis in- anziehe, unter äugen wasche, sie 
stillari poterunt, in iis tradendis in und aus der schulen und kir- 
blande potius et amice quam chen führe. Und was sonst mitt 
imperiose, morose et minaciter freundtlicher und spilender weis 
illos tractabo. in sie kan gebracht werden, das 

sol allezeit lieber mit lieblichen 
denn mit schelt und trew werten 
von mir fürgenomen werden und 
geschehen. 

vn. vn. 

Si qua in re delinquant, quae So auch die kinder etwas ver- 
animadversionem requirere vide- würcken würden, darumb sie not- 



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376 Urkunden u» Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Unternohtawesens. 

atur graviorem, in Bchola a prae- wendig gestrafft müsten werden, 
oeptore classico iUos castigari wil ich sie allezeit lieber von 
ourabo potius quam priyatim vir- dem praeeeptore classico zuehti- 
gis ipse eos caedam. gen lassen, denn sie selbst daheimen 

mit ruthen streichen. 

VIII. vm. 

Privatim scholam non aperiam, Ich wil kein privat schul an- 

nuUam puerum, sive scholae richten, keinen knaben, er gehe 

alumnus sit sive fieri aliquando oder werde noch hernachmals in 

possit, in privatam disciplinam diese schale gehen, zu mir locken, 

recipiam. NuUum a schola et keiner der gemeinen schul oder 

magistris alienabo. NuUum in magistris entziehen oder abhendig 

convivia musicae causa mecum machen, keinen der musikenhalben 

deducam. NuUum in hospitio suc- in gasterey und zechen mit mir 

cessorem absque consensu rectoris nemen, auch keinen in herberg 

mihi substituam. und tisch an meine stett ohn des 

rectoris vorwissen und willen sub- 

stituim. 

IX. IX. 

De rectore, collegis et schola Yon dem rectore, coUegis und 
honesteloquar, mendacia etcalum- schul wil ich allezeit erUch rheden, 
nias de iis spersas refutabo, aut die lügen und calumnien so viel 
si modus in iis ab aUquibus ex- müglich wiederlegen, oder wo es 
cedatur, eos rectori indicabo. etliche hierinn zu viel machen 

würden, dieselbigen dem rectori 

vermelden. 

X. X. 

CoUegarum scholae aegrotan- Ich wil auch der schulgesellen 
tium aut alias omnino necessariis und magistorum ampt, so sie et- 
occupationibus destrictorum vices wan kranck oder durch andere 
in claese subire, si idoneus a geschefft verhindert würden, so 
rectore iudicatus fdero, non grava- ich von dem rectore darzu düch- 
bor. tig erkennet, unbeschwert ver- 

walten. 
XL XL 

Si qua in re delinquam, me So ich worin straffbar sein 
moneri aut etiam pro peccati würde, wil ich mich gerne ver- 
qualitate obiurgari sine murmure manen und nach der verbrechung 
feram. Imo etiam si propter delicti gelegenheit gedültig und ohn 
gravitatem vel coram scholarchis widerbellen straffen und unter- 



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Die Neaeinrichtiuig der Boatocker Schale durch Nathan Chyträus. 377 

yel iD[agiufico] academiae reotore weiBen lassen. Wo ich auch 
yel etiam amplissimo senatu ac- wegen einer begangenen ubelthat 
cusari me oporteai, illorum latae für der universitet magnifico reo- 
de me sententiae sine contumacia tore, den herm scholarchis oder 
acquiescam illique nequaqoam auch einem erbaren rath muste 
me opponam. verklaget werden, wil ich ohne 

alle Widerspenstigkeit irer über 
mich gesprochnen sentents ge- 
horsamen und derselben mit 
nichten mich widerlegen. 

Xn. XII. 

Diebus sabbati hora XII. et Den Sonnabent umb zwelff 
aliis quoque horis exercitio musico schlege, auch zu andern stunden, 
deetinatis in puncto horae adero die dem exercitio der musica zu- 
et in melodüs postridie in templo geordnet, wil ich auff den glocken 
decantaodis una cum aliis me schlag yorhanden sein und in den 
exercebo aut mulctam, de qua gesengen, die. auff den folgenden 
inter coUegas convenerit, exsol- feirtag in der kirchen sollen ge- 
yere non gravabor. sungen werden, nebenst den 

andern mich üben oder wil die 
straff, so die coUegae unter sich 
auffsetzen werden, ohne alle be- 
schwerung erlegen. 

Xni. XIII. 

Ante concionem etiam tam ante Für der morgen und vesper 
quam post meridianam cum filiis predig wil ich mich sampt meines 
herilibus in tempore adero et in herrn kindem in die kirchen bey 
canttt ecclesiastico pro viribus zeiten verfügen und den andern 
alios adiuvabo et nisi primario nach meinem vermügen in den 
cantorepraescientenunquammeam kirchengesengen trewlich helffen 
praesentiam patiar desiderari. und ohne des obersten cantoris 
Mulctas etiam super hac re con- vorwissen unn vnllen nicht aussen 
stituendas, ubi deliquero, pro mea bleiben oder aber der straff, die 
parte sine murmure sustinebo. do gesetzt, wo ichs verdienet, one 

alle einrhede mich gerne unter- 

werffen. 
XIV. XIV. 

In hospitio memor ero modes- Inn meines herm und vrirtes 
tiae et verecundiae non ignarus, haus wil ich allezeit der zucht 



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378 ürkonden u. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unterrichtswesens. 

quantum ab hospite meo in hac und ehrbarkeit eingedenck sein, 
rerum omnium difficultate bene- weil mir nicht unbewust, wie ein 
ficium accipiam. A prandiis et grosse wolthat mir in diesen 
coenis mature surgam neque tewren und schweren zeiten von 
conviviorum finem exspectabo. demselbigen erzeiget wirt. Von 
Mensae etiam, sicubi opus erit, non der mittags und abendtmalzeit 
invitus ministrabo et in aliis, si wil ich zeitlichen auffstehen und 
quibus potero, negociis expedien- nicht aller zechen und gastereien 
dis hospitis benevolentiam mihi ende außwarten. Wo es auch 
conciliare et conserrare studebo, würde von nöten sein, wil ich 
ut post meum discessum aliis quo- gerne zu tisch dienen und auch 
que idem beneficium non gravatim in andern geschefften zuverricl^^en 
praestetur. mich also verhalten, das ich meines 

herm und wirtes gunst erlangen 
und behalten möge, auff das also 
auch nach meinem abscheid 
andere gute gesellen solcher wol- 
tbaten theilhafftig werden mügen. 

XV. XV. 

Promitto denique me benefi- Endtlich sag ich zu, das ich 
ciorum, quaehicaccipio, memorem aller mir alhie erzeigten unn ent- 
et si aliquando res meae meliori pfangenen wolthaten jederzeit in- 
loco fuerint^ benefactoribus quo- gedenck, auch so es etwan umb 
que meis aut eorum liberis gratum meine sach besser stehen würde, 
esse futurum. diesen meinen wolthetem und 

patronen oder auch ihren kindern 
alle danckbarkeit zuerzeigen 
schuldig, willig und geflissen sein 
will. Alles trewlich und ohnge- 
ferlich. 

[lU.] De officiis discipulorum. 
Ut etiam scholae huius discipuli sciant, quae potissimum sui sint 
officii, neve postea eins ignorationem delictis suis possint praeten- 
dere, yult et mandat ampUssimus huius reipublicae senatus, ut 
leges de officiis scholasticorum, quae sequuntur, perpetuo ratae 
habeantur et in loco et tabula omnibus quotidie conspicuae propo- 
nantur, subinde etiam scholasticis praelegantur et explicentur, utque 
neminem ex maiusculis praesertim in scholam recipiat rector, nisi 
prius obedientiam iisdem legibus se praestiturum promiserit. 



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Die Neueinrichtung der Rostocker Schule durch Nathan Chytrftus. 379 

Earum autem sicuti publice in patenti Charta impressae et sigillo 
senatus munitae in praesentia praeceptorum a secretario et appari- 
toribus parpuratis singnlis classibos exhibitae et affixae sunt, exem- 
plum hie subiungimus. 

Gonsules et senatus reipublicae Bostochiensis suis civibus 
et aliis lecturis s. d. 

Cum singulari dei clementissimi beneficio scholam puerilem 
bene constitutam tandem in utilitatem publicam aperuerimus eiusque 
initia, pro quo immortales eidem deo optimo maximo gratias debe- 
inu8, satis sint felicia, hortamur cives nostros et alios, qui hoc 
publico beneficio una frui cupiunt, ut liberos suos in hunc ludum 
deducant eosque deductos non temere, quod hactenus nimis misere 
factum est, patiantur emanere et exercitia scholastica toties negli- 
gere. Quomodo enim a praeceptoribus etiam fidelissimis, si non 
adsint, erudiri possunt? Praeterea eosdem monemus, ut non arbi- 
trentur satis esse, si scholae magistris et praeceptoribus filios suos 
commendent-, nisi etiam domestica inspectione rectaque et commoda 
disciplina inprimisque precibus ardentibus et quotidianis tarn neces- 
sarios et salutares magistrorum labores accuratissime adiuvent. Neque 
enim, ut vulgo existimatur, solus praeceptor discipulum pium, eru- 
ditum et bene moratum efficere potest, nisi pueri ipsius ingenium 
et Yoluntas, parentum moderata gravitas et bona exempla ipsiusque 
adeo magistratus auctoritas et patrocinium magistrorum labori et 
industriae respondeant. Meminerint igitur domi quoque parentes 
sui hac in parte muneris et officii et sicuti diligi, erudiri et laudibus 
excitari suos libenter audiunt et vident, ita eosdem delinquentes 
obiurgari moderatisque castigationibus emendari et coerceri non ini- 
quo animo ferant, ne, quod in schola maxima cum praeceptorum 
molestia et labore vix exstructum est, id ipsi domestica corruptela 
et indulgentia subita iterum destruant. Cum etiam hactenus civium 
nonnulli ob pueros suos virgis caesos in scholas et magistros sepe- 
numero admodum iniurii fuerint, hanc ipsam licentiam in bene 
constituta republica plane intolerabilem omnibus iurisdictioni nostrae 
subiectis plane adimimus et mandamus, ut huiusmodi querelas, si 
omnino opus sit, primo ad scholae rectorem, deinde ad scholarchas 
ei rei praefectos cum debita moderatione deferant, neque ullis Tel 
minis Tel iurgiis vel couYiciis, multo minus armis praeceptores 
adoriantur, nisi aut certa aliqua pecuniae summa mulctari aut in 
custodia non satis honorifica aliquandiu detineri malint. Cum etiam 
non cuiusYis sit iuventutem recte instituere aut de Yora instituendi 
ratione iudicium ferro, hortamur eosdem cives nostros, ut metas 



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380 Urkunden u. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. ünterrichtsweflens. 

snae temere de rebus incognitis iudicando non excedant, sed rectins 
intelligentibus rem istam permittant et de hoc tanto et tarn insigni 
dei beneficio honorifioe sentiant et loquantur, ne ingratituduie saa 
importuna eo se ipso quodammodo indignos efficiant et honestam 
sttorum educationem, qua nihil melius et utilius primae aetati con- 
tingere potest, ipsi malitiose impediant. Qui quidem ipd ut nos 
etiam, quod nostri est officii, in scholae huius exornatione et con- 
servatione facturos esse intelligant, leges has pueritiae scholasticae 
proponi et ut recte intelligantur, a singularum olassium magistris 
quolibet semestri pueris explicari et secundum eas in disciplina et 
oastigationibus omnia fieri volumus. Eaeque tarn a magistris et 
discipulis quam a civibus et oppidanis ut ratae habeantur, severe 
etiam sigilli nostri indicio mandamus. Datae Rostochii calendis 
Februariis anno CIO 10 XXC. 

Leges diseipulorum. 
I. 
Cum scholae christianae, in quibus yerae pietatis bonarumque 
literarum et linguarum doctrina discitur et propagatur, dei et serva- 
toris nostri lesu Christi domicilia et templa sint, omnes quoque 
huius scholae discipuli eo diligentius discent et maiori cura pietatem, 
modestiam, verecundiam aliarumque virtutum exercitia suscipient 
et colent, ne deus ofFensus desidia, impietate et petulantia incola- 
rum haec ipsa domicilia sua relinquat atque ita tam discentes quam 
docentes auxilio suo, sine quo nihil anquam feliciter gestum est, 
destituat. 

n. • 

Bequirimus igitur a pueris, scholae huius alumnis, ut deum 
patrem domini ac servatoris nostri lesu Christi una cum spiritu 
sancto timeant, ament omnemque spem et fiduciam suam in illo 
solo collocent. Timor enim domini omnis verae et salutaris sapien- 
tiae est initium. 

IIL 

Ut sacrosancto dei nomine non abutantur, non sint blasphemi, 
maledici, mendaces, fures, ebriosi; ut ludos et iocos turpes ac scur- 
riles, dicta item spurca et obscoena et quidquid turpitudinis cuius- 
cunque speciem habet, memores yoluntatis et vindictae divinae 
non usurpent. 

IV. 

Ut diebus dominicis et festis templa modeste et verecunde 
adeant, caerimoniis cum religiosa quadam observantia sine strepitn 



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Die Neueinrichtung der Bostocker Schule durch Nathan Chytr&ns. 3gl 

et petulantia modeste intersint et sacras conciones cum attentione 
et sUentio audiant deumqne lingua et animo conoelebrent. 

V. 
Ut praeceptores tanqnam parentes animorum ex animo ament 
et observent eonimque iussis et monitis libenter et acoorate ob- 
temperent et admonitiones castigationesque eorum aequo animo 
ferant, non responsent, non re&agentur eodemque in delicto multo- 
ties iterando iisdem molestias suas non augeant. 

VI. 
Ut in scholam non per intervalla, sicuti hactenns factum est, 
sed assidue veniant et ordinem studiorum, lectionum et exercitioram 
a rectore vel praeceptore classico sibi praescriptum quilibet studiose 
sequatur et quidquid agat, id serio sibi agendum esse statuat. 

VIL 
Ut magistratibus, theologis, professoribus et alijs viris et ma- 
tronis honestis ubicunque obviis aperto capite et gestibus animi 
submissionem indicantibus honorem exhibeant. 

vm. 

Ut nullas onmino querelas, multo minus falsas, ad quenquam 
nisi ad reotorem et praeceptores deferant nihilque eorum, quae in 
scholastica disciplina et castigationibus fiunt, temere eliminent. 

IX. 
Decuriones primi omnium horis, quibus docetur, praesto sint; 
quae memoriter recitanda sunt, exigant; errantes, tumultuantes, 
absentes ignavosque notent et sine uUa dissimulatione eos ex in- 
dicibus suis accusent. 

X. 

Gaeteri onmes in puncto horae vel etiam paulo ante in audi- 
toriis suis adsint et quidem domi prius consideratis et perlectis iis, 
quorum explicationem in schola sunt audituri. Id enim intelligen- 
tiam et memoriam mirifice adiuvat. 

XI. 
Inprimis antem pueri studiosi sint munditiei, careant sordibus. 
Ideoqne non dissoluti, discincti, squalidi et illuvie immundi aut sca- 
tentes pediculis in scholam prodeant, sed ore, ocuUs et manibus 



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382 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. ünterrichtswesens. 

pure lotis, vestibus mondis, capillitio detonso et pexo, caiceis tersis, 
caligis tkoraci alligatis. Pediculosi autem bis terve moniti abi 
Vitium hoc non correxerint, e schola, ue alioe inficiant, eiiciantiir. 

XIL 

Scholam ingressi non tumultuentur; indicto silentio non gar- 
riant, non discurrant, sed auo ordine et loco sedeant atque arma 
Bua scholastica in promptu habeant et aut Latino tan tum sermone 
recte utantur aut donec uti possint, in schola taceant 

xm. 

In schola et alibi bonis moribus assidue studeant, praecepto- 
ribus ad docendum prodeuntibus aut alias per examen quidpiam 
interrogantibus continuo assurgant. Inter auscultandum caput non 
scabant aut id cubito innixi fulciant; pennas non mandant, non aliia 
ineptis gesticulationibus seipsos deforment. Et ut ad audiendum 
et respondendum promptiores et expeditiores sint, semper in lectione 
sedeant capite detecto, nisi forte frigoris vehementia aut yaletudo 
cuiuspiam adversa aliud requirat. 

XIV. 
Mensas, fomaces, fenestras, parietes, seras in auditoriis sua 
petulantia non corrumpant, vel si id fecerint, suo sumptu corrupta 
et fracta reficiant. 

XV. 

Cum quid ex memoria recitandum est, neque is, qui recitat, 
librum inspicere neque alter e regione suum illi librum obvertere 
aut clanculum aliquid ei suggerere yel insusurrare audeat. 

XVI. 
In funera prodituri aut alias e ludo dimissi modestiae et vere- 
cundiae memores sint; in coemiteriis aut plateis turbas non excitent; 
extra aut intra urbem non discurrant, non vociferentur, non lapidea 
iaciant, non ludis inconcessis et scurrilibus indulgeant. 

XVII. 
Non sint rixosi, tenaces simultatum et odiorum, minaces et in 
se mutuo yel verbo vel facto iniurii et contumeliosi. Iniurias etiam 
ab aliis acceptas nee verbo nee factis ipsi ulciscantur, sed rem 
omnem praeceptoribus cognoscendam, diiudicandam et puniendam 
relinquant. 



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Die Neueinrichtong der RoBtocker Schule durch Nathan Chyiräus. 383 

xvm. 

Pugionibas aut sicis nunquam succingantur et ab omni armo- 
rum genere abstineant. 

XIX. 

Aestate flumina, hieme glaciem non ingrediantur.^) 

XX. 

Ad nuptias, solemnia conylvia, ludos gladiatorum, choreas abs- 
qne permissu rectoris non accedant aut reversi yirgis se caedi 
animo aequo ferant. 

XXI. 

Eos, qui contra leges peccarunt, oondisoipuli praesertim inter- 
rogati non dissimulent nee iniuste aliquem notent nee iuste notati 
notam aecipere recusent aut mulctae duplum ipsi exsolvant. 

XXII. 
Compotationes et lustra ebriorum et alia loca suspecta vitent. 

xxm. 

Honesto scholastico ordini eouTeniente yestitu omnes utantur. 

XXIV. 

Lagenas, panes butyro illitos aut alia cibaria secum in seholam 
aut funera non deferant. 

XXV. 

Non solum bis statutis, verum etiam deinceps statuendis 
obedientiam promittant. 

XXVL 

Neque satis esse putent promittere, nisi etiam re ipsa ea velint 
et studeant praestare. 

xxvn. 

Has leges qui violayerit, poenas sustinere non recuset. Poenae 
autem pro delicti magnitudine sint, obiurgatio, humisessio, yirgae, 
carcer, eiectio. 

xxvm. 

Mulctati singulis diebus sabbati satisfaciant aut corpore poenas 
luant. 

XXIX. 

E schola profugi non sine insigni castigatione recipiantur. 



*) 8. die Anmerkung 1 zu Nr. 38 auf S. 316. 



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384 Urkunden a. Akten znr Geschichte des mecklenburg. Unterrichtsiresens. 

XXX. 

Poenis submittere se noientes et oontumaciter praeceptoribus 
rebelles senatus per lictores suos in scholam missos cionrabit aat 
nihilominus refractarios ex urbis et agri sui finibns sine mora eiici 
curabit. 

[lY.j De diebus festis et cantu ecclesiastico. 

Dies festi toti deo rebnsque diyinis tribuantur. Pueri igitnr 
secimdum distinctionem templorum parochialium diebus dominicifi 
ante et post meridiem signo dato in yicinas templis scholas veteres 
convenient et ex iis praeceptoribus praesentibus modeste in tem- 
plum prodibuut. Quo autem pueri quam modestissime et cum 
silentio sacris intersint, assuefaciendi sunt, ut particulam aliquam 
concionis in codicillos suos excipiant, quam domum reversi Latine 
reddant et praeceptori petenti exhibere semper possint. Is autem 
dies, qui festum praecedit, catechismi explicationi tribuatur, et ita 
primus et postremus dies deo, intermedii yero bonarum artium 
studiis ad dei gloriam ülustrandam susceptis consecrentur. Ad 
cantum yero ecdesiasticom quod attinet, eaedem cantiones, quibus 
recte modulandis cantores pueros universos et alios in schola 
exercuerunt, in singulis templis publice canantur, ita quidem ut 
primae classis praeceptor cum suo cantore ei rei praesit in templo 
d. virginis, secundae classis praeceptor cum suo cantore in templo 
d. lacobi, tertiae et quartae classis praeceptores cum suis duobus 
cantoribus ad d. Nicolaum et Petrum. Esdem praeceptoribus et 
cantoribus perpetuo aderunt singularum parochiarum paedagogi, 
qui eo ipso nomine pueros suos diebus festis in templum comita- 
buntur. Nee studiosi huius exercitii amantes inviti suam operam 
cantoribus hac in parte praestabunt, praesertim si praemiorum, 
quae ex cantu nuptiali proveniunt, participes se fore intelligant. 

[Y.] De mercede scholastica, funeribus et cantu nuptiali. 
De mercede scholastica placet senatui, ut tenuioris fortunae 
cives eandem, quae hactenus usitata fuit, deinceps quoque nume- 
rent, nimirum singulis anni trientibus solides binos. Opifices yero 
aliosque mediocres ciyes quaternos, mercatores autem et coctores 
cereyisiae aliorumque ordinum ditiores et honoratiores exsolyere 
iubet senos. Quod si quis considerata laborum scholasticorum 
multitudine et grayitate nitro plusculum addere voluerit, illius 
liberalitati modus non praescribitur. De didactro hoc modo coUecto 
dimidiam partem primo rector percipiet. Beliqua dimidia rursus 



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Die NeneinrichtnDg der Bostooker Schnle durch Nathan Cbyträns. 385 

dividetur in duas aequales partes, quarum aaa tribus praeceptoribus 
a rectore proximis cedet, altera in quinque caeteros coUegaB et 
cantores aequaliter distribnetur. 

Ad funera vero et cantum nuptialem quod attinet, cum is, qui 
nunc est, rector ab istis oneribus immunis sit, nihil etiam ex pe- 
cunia, quae inde ad scholam redit, sibi assignari postulat, sed eam 
libenter reliquis collegis integram relinquit. Et funeralis quidem 
pecunia in capsellam coUecta singulis anni trientibus vel etiam 
mensibus in octo aequales partes redacta inter caeteros coUegas 
distribuetur. Ex funeribus autem opulentiorum, si tan tum uno in 
templo pulsationes campanarum crebriores fiant, unum dalerum, si 
in duobus templis, duos, si in tribus aut omnibus quatuor parochia- 
libus, tres Tel quatuor daleros, ut antea etiam usitatum fuit, iidem 
accipient. Ex reliquis Tulgarium hominum funeribus tantum 
scholae dabitur, quantum in politica senatus ordinatione ei destina- 
tum est. 

Pueris yero in funus prodituris munuscula usitata ante meridiem 
in Bchola vel templo scbolae vicino distribuentur praesente aliquo 
ex defuncti amicis. Et quidem in scbola hoc fiet, si simul omnibus, 
in templo vero, si tantum paucis aliquibus ex certa parochia ad 
hoc designatis in funus sit prodeundum. Ita enim eo citius ex 
funerum deductione ad intermissa exercitia poterunt redire et 
tempore pestis, tempestatum aut frigoris tam pueris quam aliis 
funeri operam dantibus minus erit periculi et molestiae. 

Funera yero deinceps deducentur hora prima, ad quae certus 
puerorum numerus pro cuiusque Yoluntate et funeris qualitate yel 
ex bis, qui currendae, quam vocant, intersunt yel etiam ex iis, qui 
quintae classis discipuli sunt, adiunctis paucis, qui Latinas cantiones 
modulari norunt, et quidem ex illis ipsis, e quibus mortuus ef- 
ferendus est parochiis, deputetur. Pueris adiungatur unus aut duo 
ex collegis inferioribus, pro ut numerus puerorum maior aut minor 
est. Si yero totius scholae pueri in funeribus opulentiorum et 
honoratiorum petuntur, adsint inferiores coUegae omnes cum uno 
ex quatuor magistris rectori proximis, pro ut quemlibet secundum 
yicissitudinem ordo tanget. In funeribus autem consulum, senatorum, 
professorum et concionatorum omnes collegae praeter rectorem 
pueros comitabuntur. Si plura simul erunt funera, tum qui 
in singulis parochiis ad id sunt constituti, ea quisque suo loco eo- 
que, quo dictum est, modo deducent. In concione funebri aliquot 
saltem pueri cum uno ex cantoribus maneant, qui finita concione 
yersiculos duos posteriores in funeribus usitatae Germanicae cantioni 

Monumenta Oeimaniae Paedagogica XXXYUI 25 



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386 Urkunden n. Akten znr Geschichte des mecklenburg. Unterrieb tswesens. 

snbrangant. Reliqai pueri omnes in Bcholam ad exercitia et leotiones 
Buas redeant. Haram caerimoniarum moderator erit cantor 
Primarius, qui pro hoc ipso officio et molestia ante distributionem 
pecuniae coUectae de singulis daleris binos solidos Lubecenses 
praecipiet. 

Quantum iam attinet ad praemium rausicae nuptialis, quod 
proximis annis in pecunia, ferculis et cerevisia nimis excrevisse 
multi queruntur, senatus mandat, ut deinceps duo daleri in Univer- 
sum scholae numerentur,^) quorum unus omnibus collegis simul 
cedat, ita tarnen ut hinc etiam cantori primario duo solidi Lubecani 
praenumerentur. Alterum dalerum paedagogi et adolescentes 
Studiosi, qui una cecinerunt, accipiant. üt vero paedagogi, qui 
civium filios instituunt, officium canendi non detrectent, senatus apud 
cives suos facile se effecturum pollicetur. 

Ad reliqua praeceptorum praemiola adventitia quod attinet, 
primum et antiquissimum est isagogicum, quod puer examinatas, 
antequam catalogo discipulorum inscribatur, praeceptori offerre solet. 
De eo alii opulentiores, alii tenuiores, alii iiberaliores, alii tena- 
ciores cum sint, nihil certi constitui potest, et illud ipsum muDus- 
culum merito rectori soli debetur. 

Pro lignis quoque tres solidos Lubecenses antiquitus quilibet 
puerorum conferre solitus fuit. Eam pecuniolam deinceps coUigi 
placet circa festum Bartholomaei, ') ut ligna in tempore emi possint. 
Quae cura uni ex civibus scholae inspectoribus incumbet, cui ipsi 
id, quod expendit, ex coUatitia illa summa restituatur. Quod 
superest, inter rectorem et collegas omnes equaliter distribuatur. 
Caeterum reliqua quae pauUatim in scholas irrepserunt honoraria, 
qualia sunt candelae, panis paschalis, munusculum, ut ita loquar 
Qregorianum et nundinale et reliqua eins generis, non quidem 
plane obolet senatus, sed eä cuivis libera relinqui et a solo rectore 
coetui scholastico pro tempore indici iubet, ita tamen ut non 
nominatim, quid aut quantum cuilibet afferendum sit, definiat, sed 
id liberae uniuscuiusque yoluntati relinquat. Placet etiam, ut 
quilibet puerorum, qui potest et vult, praeceptori, in cuius classe 
instituitur, huiusmodi munuscula afferat. Ea autem, quae strenae 
et ramalium nomine olim collata sunt, senatus multis de causis 
plane abrogat. 



a) verbessert aus numerenter, 
») 24. August. 



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Die Neneinrichtang der Bostocker Schule durch Nathan Chytrftiu. 387 

[VI.] De aliis quibuBdam ad soholae constitutionem et 
conservationem pertinentibus. 

I. Mandat senatus, ut una illa, de qua supra dictum est, gram- 
matica gravi iudicio semel in scholam introduota perpetuo retineatur, 
ita ut nemini mutare eam liceat. 

II. Praeterea ut et propter impensas institntionisque et institn- 
enfcium dissimilitudinem bonorumque et fidelium praeceptorum 
paucitatem una tantum in urbe sit schola, in qua bonis litterie 
iuventus imbuatur, — soholae enim arithmeticae, in quas mercatores 
qnoque et alii grandiores saepe non optimi cum commeent, non 
male ab bac schola seiuugentur, ita tarnen ut arithmetici Uli pueros 
huio soholae destinatos ad se non alliciant aut recipiant, — quocirca 
senatus scholas omnes clandestinas et cubiculares, ut yocant, iubet 
aboleri et vult, ut singuli in unam hanc scholam suos liberos de- 
ducant, aut si id initio facere neglexerint et praepostera institutione 
eos corruperint pronuntiationeque vitiosa aut aliis ineptiis iterum 
dediscendis imbuerint, ut ii non ita facile et quidem duplicata aut 
triplicata etiam mercede in hanc scholam recipiantur. 

III. Cum sicuti omnia alia, quae de novo inchoantur, ita haec 
qnoque noyae soholae constitutio multorum reprehen8ionibu9,reforma- 
tionibus, calumniis et iam nunc sit et deinceps quoque exposita sit 
futura, promittit senatus se nisi altera parte audita de nemine prae- 
ceptorum aliquid temere crediturum aut suspicaturum esse. Quis 
enim, si accusasse tantum sufficiat, inoocens esse possit? Yideat 
igitur quilibet, quibus fundamentis et rationibus querelae et. accu- 
sationes suae nitantur. 

lY. Cum rectore quoque et conoilio academico transegit senatus 
de nemine advena yel inquilino in numerum studiosorum temere 
recipiendo, qui aut fundamenta grammaticae nondum sufBcienter 
iecerit aut per aetatem seipsum, ut par est, regere nondum possit, 
effecit quoque, ut severe depositoribus a senatu academie mandatum 
sit, ne quem ex schola hac transfugam prius depositioni suae 
subiiciant quam testimonium a rectore scholae puerilis afferat, e 
quo constet eum bona cum venia et gratia dimissum esse.^) 

[YIL] De custode seu famulo communi. 
Ad exemplum aliarum inignobilium scholarum semper habe- 
atur custos communis, ad quem commodius sustentandum pueri opu- 

*) Diese Verein barung des Rates mit dem Rektor der Universität hinsicht- 
lich der Aufnahme der Studierenden ist offenbar das erste Beispiel einer Art 
von Reifeprüfung. 

25* 



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388 Urkunden u. Akten sor Geschichte des mecklenbaiig. ünterrichtswesens. 

lentiores singulis anni trientibus UDum atque alterum semissem con- 
ferant. Eins officium erit rectori ad negocia scholastica expedienda 
praesto esse, fenestras et fores claudere. amissa in schola colligere 
et suis possessoribus praemioio aliquo, si ditiores sint, interveniente 
restituere, pauperes singulis hebdomadibus bis ad purgandum audi- 
toria Bchole adigere, fornaces et caminos, ne ab incendio periculum 
sit, sedulo subinde inspicere, denique ubi vel inchoanda vel inter- 
mittenda erunt exercitia scholastica, noia signum dare. 

[VIIL] De vacationibus anniversariis. 
Quod caret alterna requie, durabile non est.^) Ideoque ad alia- 
rum nobilium scholarum exemplam yacationes certae et anniver- 
sariae tam discipulis quam praeceptoribus merito conceduntur. 
Clausa igitur sint auditoria singulis diebus Mercurii boris postmeri- 
dianis, item toto die Innocentum et Qregorii/) duobus item diebus 
in Bacchanalibus'^) diem dominicam proxime sequentibns; diebus 
quoque festis sanctorum (nisi quod precibus yespertinis singulos in 
suis templis interesse oportebit) reliquae horae postmeridianae 
vacent. Praeterea dies sequens ferias paschales; tres dies examina 
scholastica et diem progressionum sequentes. Item dies proxime 
sequentes festum lohannis Baptistae et Michaelis; tres dies in nun- 
dinis^); dies promotionum et in renunciatione novi rectoris horae 
postmeridianae, quibus tamen posterioribus cayebitur, ut pueri 
memoriam exercentes non plane sint otiosi. 

d. 

Der Professor und Schulrektor Nathan Chjträns fordert das 

Zusammenwirken yon Schule und Hans. 

[Rostock 1580.] 

Feto autem, ut nihil de bis omnibus inchoentur, nisi prius deo, 
sine cuius auxilio nihil feliciter et incipitur vel geritur, seriis et 
ardentibus precibus res tanti momenti publice aliquoties sit commen- 
data et ciyes quoque una cum aliis de scholarum et instituti huius 
utilitate et necessitate suoque etiam officio accurate sint praemoniti. 
Praepostera enim sunt eorum iudicia, qui paenes solos praecep- 



b) aus nondinis. 

Zu 48d: Aus ,ludi literarii etc.", andere Hälfte des Prooemiums, Bogen Bi. 

») Horatius, Ars poet. 81. 

•) 28. Dez. 12. März. 

') Fastnacht. 



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Die Neueinrichtung der Rostocker Schule durch Nathan Chjträus. 389 

tores esse arbitrantur pueros ad morum elegantiam et mediocrem 
eruditionem perducere. Nisi enim parentum fides, industria et 
moderata seyeritas magistrorum diligentiae ex altera quasi parte 
respondeat eorumque laborem pro virili sua parte subleyet, nihil 
laudabile hie effici posse certissimnm est Faciant igitur domi 
quoque parentes, quod sui est officü, et sicuti amari, erudiri et 
landibus excitari suos cupiunt, ita eosdem delinquentes obiurgari 
et castigari quoque non iniquo animo ferant, ne quod in schola ex- 
atruitur, id ipsi domestica indulgentia destruant. 



Das Urteil des Professors und Sehnlrektors Nathan Chyträns 

über die Zahl der täglichen Unterrichtsstnnden 

und das schuirählge Alter. 

Rostock. 10. Mai 1580. 

Was nu das jenige belanget, nemlich , das etliche ver- 
meinen, das die kinder nicht stunden gnug in die schul gehen, 
hatt es so ein gelegenheit, das inn den dreyen obersten classibus 
die knaben vier stund mit ihren ordinariis lectionibus und dann ein 
stund im schreiben unn ein stund in der musica und also alle tage, 
außgenommen den mitwochen und sonnabendt, gantzer sechs stund 
in der schul zubringen, welches meines erachtens wo nicht zu- 
viel, dennoch übrig genug ist, kan auch den magistris, die tag 
für tag vier gantzer stundt inn ihren classibus auffwarten müssen, 
mehr arbeit mit fug und billicheit nicht auffgeleget werden. Dar- 
zu ist es ein ander ding mit dem studiren und mit andern handt- 
wercken, und kan einem die geschicklicheit und weißheit nicht auff 
ein mal, als wenn man ein scheffel körn in ein sack schüttet, ein- 
gegossen werden, sondern es hört mit guter bescheidenheit zeit 
und weil dazu, und wil solch handel mehr mit freud und lust denn 
mit zwang und Überdruß getrieben werden. Auch müssen die 
knaben zeit haben, daheim das jenige zu repetiren und außwendig 
zu lernen, auch zu componiren und abzuschreiben, was ihn teglich 
in der schule fürgeben und gelesen wirt, sonst ist aller kost und 
mühe vergebens und umb sonst. Über das sollen sie frisch 
und gesundt bleiben (welches denn zum studiren hoch nötig), müssen 



Zu 48 e: Ans demselben Buche und zwar aus der dem Prooemium voran- 
gehenden Rede an Rat und Bürgerschaft von Rostock, datiert am Schluß: 
Rostock, den 10. Maii anno 1580, zusammen 22 S. Das Abgedruckte steht auf 
8. 5-14. 



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390 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbnrg. Untemchtswesens. 

si jhe auch teglich ire leibes übnng haben and nicht allezeit in 
einem winckel eingesperret sitzen und die nase, jedoch mit weinigem 
nutz und frommen, in den büchern haben. Daraus ein jeder ver- 
nunfftiger leichtlich zuerachten, das hierin dem ding mit yerordnnng 
der stunden mehr zu viel dann zu weinig geschehe. Denn boI ein 
knab neben seinen sechs stunden, die er in der schul ist, auch das 
ander, davon jetz meidung geschehen, teglich und mit vleiß ver- 
richten und auch schier umb den andern tag die todten zur be- 
grebnuß beleiten, wirdt im warlich nicht viel zeit übrig sein. Was 
nun die aller kleinesten in quarta classe belanget, binn ich zwar 
erstlich för meine person in der meinung gewest, das man die- 
selbige alle tage über zwo stund, eine für, die andere nachmittag 
nicht solte beschweren, das sie also mit lust lernen und nicht vor 
irer zeit uberteubet und uberblewet möchten werden. Dieweil 
aber dennoch der selbigen kinder eine zimliche anzal ist, die dann 
inn ihrem beten, buchstabiren und lesen sonderlich müssen unter- 
wiesen und verhöret werden, habens die herm verordneten für gut 
angesehen, das diesen kleinen kindern teglich vier stund zugeordnet 
möchten werden, welches auch ich umb vorgemelter ursach willen 
mir nicht hab mißgefallen lassen, und bin gentzlich der meinung, 
das den kleinen kindern übrig gnug geschehe, und das sie auff 
keinen weg ohn ihren merckiichen schaden mit mehr standen 
sollen oder können geplagt und beladen werden, die eitern weiten 
sie dann für der zeit selber thumm und überdrüssig und zum 
nachfolgenden studiren undücbtig machen. Welches dann zwar 
auch aus der teglichen erfahrung und mit vieler fümemer und 
hochverstendiger leut gezeugnis, wo es von nöten, konte dargethan 
und erwiscn werden. Und ist sonderlich wol zu mercken. das der 
fürtreffliche und hochverstendige naturkündiger und philosophus 
Aristoteles imm ende seines siebenden bucbs vom stadtregiment 
ungeferlich auf diese meinung schreibet, das man solchen kindern, 
ehe dann sie das sechst oder siebend jähr erreichen, keine schwere 
leibs oder vornunfft arbeit aufflegen sol oder etwas zu lernen oder 
begreiffen, es könne dann spielensweise geschehen, sie zwingen, 
damit nicht ihre natürliche krefft geschwecht werden und sie her- 
nachmals zu der grosse und stercke ihres leibes nimmermehr 
kommen können, die sie sonst, wo sie in irer kindheit mit solcher 
unzeitigen arbeit verschonet, wol betten erreichen können. Es wil 
aber eben derselbige hochweise man derwegen nicht haben, das solche 
kinder allezeit hinderm ofen stil sitzen und sich gantz und gar 
nich rühren und bewegen, auch nicht beten lernen sollen, sondern 



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Die Neueinrichtung der Rostocker Schule durch Nathan Cfaytrftus. 391 

er ^il, das man inen ihr spiel und ehrliche kurtzweil, mit welchen 
ire zarte corpuscula zimlich bewegt and geübet werden, nicht 
vergönnen noch weigern, auch sie zu ubermessigem außwendig 
lernen nicht nötigen sol. Auch scheinet es gantz unfreundtlich, 
das die eitern diesen ihren jungen kindem eben dieselbige freud 
und kurtzweil nicht gönnen, die ihn von gott und von der natur 
und auch sonst von weisen und verstendigen leuten verordnet und 
vergönnet ist. Denn so bald sie hernach sieben jähr erreichen 
und mit ernst entweder zum studiren oder sonst zu andern hau«- 
tierungen genötiget werden, fengt sich ihr mühe und erbeit und 
auch tegliches deponirend an und wehret, bis sie alt und widerumb 
in die erde verscharret werden. Es ist aber ins gemein diesen 
eitern nicht so viel zu thuen umb irer kinder Unterweisung, lehr 
und gute sitten als darumb, das sie ihrer aus den heusem und 
von der gassen mögen ohnig werden unnd also nicht mehr megde 
oder diener halten dürffen, die auff die kinder achtung geben, das 
sie nicht zu schaden kommen, dieweil solches die Schulmeister als 
die rechten kindermegte, wie sie meinen, wol thuen müssen. Da- 
von dann auch die böse gewonheit eingerissen, das man offt 
kinder kaum vor vier oder fünff jähren zur schule zwinget und sie 
darüber noch' etliche stund in die burschen einschleusst und in 
grosser furcht und zittern die wende ansehen lesset, das sie ja 
zeitlich mügen entweder thumm oder ja doch des studirens satt 
und überdrüssig gemacht werden, da doch das eines trewen 
Vaters und paedagogi fürnemstes ampt ist, das er mit solchen 
kindem auffs aller gelimpflichst umbgehe, und weil sie alters halben 
sonst nicht viel lernen können oder sollen, das er dennoch ihren 
zarten ingeniolis allgemechlich einbilde, wie ein fein herrlich ding 
es sey, wenn ein knab from und gottselig und dameben züchtig 
und geleret möge werden, und bißweilen, so oflft es die gelegen- 
heit gibt, vermelde, das solches nirgendt anders denn in wölbe- 
stelten schulen könne gelemet werden, und darneben mit lieblichen 
Worten vermane, auch bißweilen mit geringschetzigen, aber doch 
angenemen kindergaben dahin vermöge, das sie gern und willig 
die schule besuchen mügen. Wird auch ein verstendiger und ge- 
übter praeceptor wol wissen, wie er sich in der schule kegen 
solche kinder verhalten solle. Es kan aber auch eben von solchem 
praeceptoren nicht*) erfordert werden, das er dammb einer kinder- 
magt ampt und arbeit auff sich lade und den gantzen tag bey 



a) Verb, aus ,icht". 



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392 Urkunden u. Akten znr Geschichte des mecklenbnrg. Untemchtswesens. 

solchen kindem zubringe. Denn ein jeder über seine tegliche 
yier stund, da er sich allein auff bestellen lassen, auch andere 
ding zuverrichten hatt. Und wenn ja solcher einrehde solt etadt 
und räum gegeben werden, könte man wol auff ein andere weise 
darzu kommen, als nemlich also : Man verordne einen feinen betag- 
ten vemunfftigen man oder gesellen und gebe ihm auch dafür, 
was billich, der des nachmittags, sonderlich im sommer, noch ein 
seitlang bey diesen kleinen kindem verharre, und sie entweder in 
der kirchen, oder so es das wetter leiden will, auff dem kirchhoff 
mit einander spielen lasse und gute achtung auff sie alle gebe, 
das keiner von ihnen verletzt oder beschedigt müge werden. Ich 
sage aber allein von dem nachmittag, denn für mittag können 
doch solche kleine undersieboDJerige kinder, davon ich itzt rede, 
nicht wol für acht schlegen in die schule verfertigt werden, man 
weite sie dann ires natürlichen schlaffes, reinigung, kleidung unn 
morgenbrotes berauben, auch sie zuvor, ehe sie in die schule geben, 
nicht beten lassen, welches zwar verstendige und gottselige eitern 
nicht leichtlich zugeben werden. Auch sag ich allein vom sommer, 
dann jedermenniglich bewust, das es im winter umb drey schlege 
dieser örter albereit anfengt dunckel zu werden, unnd solte ja bil- 
lich keiner begeren, das seine kleine kinder im frost und finstem 
auff der gassen im regen und schnee selten gefunden werden. 

f. 

Das Urteil des Professors und Schalrektors Nathan Chyträus 

über die Haltung von paedagogi. 

Rostock. 10. Mai 1580. 
Was • . die paedagogos angeht, welchen, wie man sich hören 
lesst, hiermit etwas abgehn solle, ist es nicht ohn, das armer leute 
kinder, wenn sie mit zimlichen ingeniis von gott begabt und auch 
selbst gehorsam und vleissig sein wollen und die schulübungen, wie 
sie alhie verordnet, einen fohrtgang und bestandt haben sollen, 
sonderlicher paedagogorum nicht werden benötiget sein. Wie dann 
auch itziger zeit viel fümeme leute zu finden, denen Ire eitern in 
der jugent paedagogos zu halten nicht vermocht haben, die dennoch 
durch gottes sogen und angewenten vleis in guten schulen so viel 
gelernet haben, das sie jetzund in irem ampt gott und den men- 
schen nutzbarlichen dienen können. Hiemit aber ist nicht gemeint, 
das die, so reich oder sonst zimliches Vermögens sind, iren kin- 
dem keine paedagogos halten sollen. Denn je vleissiger auffsicht 

Zu 48 f: Aus demselben Buche, S. U— 16. 



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Neoeinrichtung der Rostocker Schule. — Die Schnle im Kloster zu Rühn. 393 

ein jeder auff seine kinder geben lesst, je besser es ist, zuvorab 
dieweil auch sonsten reicher leute kinder gemeiniglich auff irer 
eitern gut sich verlassen und derwegen im studiren nachlessiger 
und im leben und moribus etwas frecher unn mutwilliger zu sein 
pflegen. Darum es yon nöten, das sie auch im hause einen ver- 
stendigen und düchtigen auffseher haben, (dieweil die eitern doch 
gemeiniglich mit andern geschefften mehr sich bekümmern) der 
die schullectiones mit inen repetire, auch sonsten auff ir leben 
gute achtung gebe und sie zu gottes furcht und allerley tugenden 
mit christlichen yermanungen und guten exempeln zeitlich gewene. 
Sage auch, das ein solcher trewer und verstendiger paedagogus, 
wie auch ein guter praeceptor in der schule, mit keinem goldt zu- 
vergelten stehe. Unter welchen ich zwar nicht wil begriffen haben 
die jenigen, die ires bauches halben sich bey den eitern und 
kindem einflicken und anfenglich beide von sich und den kindem 
gros ding fürgeben und letzlich, wenn etlich viel jähr verflossen 
und sie unter des nicht der kinder, sondern ihren eigen fortheil 
geschafft haben, davon ziehen und die kinder den eitern viel un- 
geschickter und zum lernen untüchtiger hinder sich lassen, dann 
sie dieselbigen anfenglich entpfangen haben, da sie doch billich 
entweder grossem vleis fürgewendet, oder so ja die knaben zum 
studiren untüchtig befunden, dasselbige bey zeiten den eitern 
selten vermeldet haben, das sie also ohn vergeblichen Unkosten 
und unwiderbringliche zeit und geldt spildunge ihre kinder wo 
anders zu zeitlich betten gebrauchen können. 



49. 
Die Schule im Kloster zn Eülm. 

Güstrow. 10. April 1581. 
Yon gottes gnaden wir Elisabeth,^) gebome aus konnigklichem 
stam zu Dennemarck, hertzogin zu Mecklnburg, fürstin zu Wenden, 

Zu 49: Nach einer beglaubigten Abschrift der Elosterordnung im Geb. 
Archiv zu Schwerin; daran ist Ulrichs Bestätigung vom 25. Juni 1584. Nach 
einer wahrscheinlich jüngeren Abschrift gab v. Bülow den Text heraus: Die 
Elosterordnung von Rühn Tom Jahre 1581. 

Am 15. August 1608 erschien eine neue Ordnung, welche ich jedoch im 
Geh. Archiv zu Schwerin nicht finden konnte. Diese wurde 1619 aufs neue 
veröffentlicht; s. Viereck, Die Rechtsverhältnisse der mecklenburgischen Landes- 
klOster. II, S. 49. 50. 

^) Elisabeth, Witwe des Administrators des Stifts Schwerin und Herzogs 
Magnus, seit 1556 mit Hei%og Ulrich vermählt, f 1586. 



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394 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenbarg. Unterricbtswesens. 

grävin zu Schwerin, der lande Rostock und Stargard fraw, thun 
kund hiemit vor uns und alle unsere nachkömling, in krafft dieses 
briefes: Nachdem wir aus christlichem bedencken und umb befnr- 
derung gottes ehre willen das closter Rühne an kirchen und sonst 
wiederumb renovirt und zugerichtet, alß haben wir diese Ordnung 
darin gemacht 

Dieweil dan auch hie ihm lande in andern döstem keine 
jungfrawen schulen yerhanden, da dero vom adel kinder zum 
schreiben und lesen gehalten werden möchten, alß haben wir zu 
gottes ehren und den unterthanen zum besten in diesem closter 
Bühne eine mägdleinschule gestifftet der gestalt, das alda ein 
Schulmeister zu solcher behuef gehalten werden, und einer jedem 
ins closter begebenen jungfrawen freystehen soll, ihrer freunde 
auch wol andere leute kinder vom adel zu sich zu nehmen, und 
alda in die schul gehen, schreiben und lesen lernen zu lassen. 
Doch sollen sie dafür von der kinder eitern gebürliche erstattung, 
alß von einer jeglichen personen zwanzig gülden nehmen. Daneben 
sol auch obgedachter Schulmeister zu seinem unterhalt von des 
closters einkommen haben an gelde achtzig marck lübsch, zwey 
drömbt rogken, zwey drömbt gersten, vier sebeffel habem, vier 
Scheffel buchweitzen zu grütze, ein scheffel erbsen, acht gülden 
vor einen ochsen, zwey schweine, vier teget lemmer. Dagegen 
soll er schuldig sein, die kinder, so vorhanden und in seiner dis- 
ciplin sein, alle tage zum weinigsten vier stunde, alfi zwo Vor- 
mittage von sieben biß neun im sommer und halbwege achte biß 
halbwege zehen bei winters zeiten und dan zwo nachmittag von 
eins biß zu drey uhren bei sich zu behalten und dieselbigen im 
catechismo, auch teutschen schreiben und lesen mit fleiß zuunter- 
weisen und nach solchen verfloßenen stunden sol sich ein iedes 
in sein hauß verfügen und die schule, dazu dan der Schulmeister 
den einen und die fraw, so in der pforten ist, den andern scblüßel 
haben sol, wiederumb zugeschloßen werden. Es sol aber vorhem 
der sch\ilmeister ein weinig vor sieben . uhren sich in das closter 
begeben und mit einem glögklein, welches in dem crutzgang hangt, 
leuten, bald darauf sollen die kinder zu ihm in die schule kommen. 
Des sontags und die andern tage, alß des mittwochens und des 
freytags sol der Schulmeister neben dem pastorn und küstem in 
den kirchen singen helffen und nach geendigter predigt sich mit 
den kindern eine stunde in die schul verfugen undt darnach die- 
selbige zu hauß gehen laßen und die schul wiederumb zugeschloßen 



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Die Schule im Kloster zn Rflhn. — Ordnung des Klosters zum beil. Krenz. 395 

werden. Wo auch unter den andern etzliche ungehorsamb und 
nachleßig befunden wurden, sol es der Schulmeister der jung- 
frawen, darbei sie sein, anzeigen, und wo solches nicht helfen wil, 
8oI der Schulmeister uns oder der priorin solches vermelden und 
nicht verschweigen, damit gebührliches einsehen geschehen müge. 
Auf das aber auch die kinder daneben zum neyen gehalten werden 
und daSelbige lernen mügen, wollen wir eine fraw dahin Ter- 
ordenen, zu welcher die kinder des tages etliche stunden gehen 
und neyen lernen sollen. Es soll aber dieselbige fraw vor eine 
jedere person, die bei ihr im hause ist, zwantzig gülden, von den 
andern aber, die allein zu ihr ins hauß und in die lehr gehen, 
zwene gülden nehmen, und sol derselbigen frawen frei stehen, ob 
sie kom oder andere victualien an dem gelde empfangen wil. Sie sol 
auch die stuben, darin sie die kinder lehren wirt, auf ihren eigenen 
Unkosten einhitzen und warm haltten. Da aber solcher frawen 
durch uns vergönnet wurde, sich in das closter wie andere frawen 
und jungfrawenn vom adel zu kauffen, so soll sie gleich derselbigen 
obenspecificirte hebungen haben 

Datum Güstrow am zehenden monatstag Aprilis, im fiinfzeben- 
denhundert und ein und achtzigsten jähre. 



50. 

Ordnung des Klosters znm heil. Krenz 

in Rostock. 

Rostock. 14. September 1586. 

Erstlich soll das closter zum heiligen creutz alletzeit versehen 
und vorsorget sein mit einem gottseligen christlichen friedliebenden 

Zu 60: Diese wie die Ordnung vom 3. April 1630 lagen mir in gleich- 
zeitigen Abschriften ans dem Ratsarchive zu Rostock vor. Die Ordnung von 
1630 ist auch gedruckt von Mantzel, Neue meckl. Staatskanzlei. Teil II, S. 2—27. 
Die Aufschrift der ersten lautet: Copey der ordenung des closters zum heilligen 
creutz in Rostok. Durch die hem visitatorn in jhar 1586 vorfaßet und am 
heiligen creutzes tage im closter publicirt desselben jhars. 

Die Ordnung wurde in Gegenwart der Visitatoren und aller Konventua- 
linnen publiziert und verlesen; sie wurde durch den Visitationsabschied von 
1589 von neuem eingeschärft und bekräftigt; s. Viereck, Die Rechtsverhältnisse 
der meckl. Landesklöster usw. Beilage 10 S. 42 ff. 1605 kam ein Beschluß der 
Visitatoren zustande: Wegen der geringen Einkünfte des Klosters sollen fortan 



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396 Urkunden n. Akten zur Geschichte des mecklenburg. Unteirichtswesens. 

und an lehr und leben unstrefflichen prediger, welcher*) den jung- 
frawen und kindern gottes wort lauter und rein, wie es in den 
dreyen heubt symbolis, Apostolico, Athanasiano und Ambrosiano 
welch Augustino mit zugeschrieben wird, in der confession anno 
1530 keiser Carln den fünften zu Auapurg übergeben, in den 
schmalkaldischen articuln, im concordien buch und D. Martini 
Lutheri Schriften erkleret ist, predigt und auslegt in der wochen 
ohne die festage dreymahl, alß den sontag und die festage 
zwischen neun und zehen uhr Tor mittage uff dem reventer, den 
montag aber öffentlich in der closter kirchen, den sommer umb 
sieben und den winter umb acht uhr, auch Yormittage und den 
freitag umb eins nach mittage, da er auch das examen catechismi 
mit den kindern halten und die litaniam soll singen lassen. Dieser 
des closters prediger sol auch den jungfrawen und erwachsenen 
kindern das hochwirdige sacramente des waren leibs und blntts 
Jesu Christi under beider gestalt nach der einsetzung des herm 
öffentlich in der kirchen und besonders in ihren kranckheiden im 
kloster yerreichen, sie in irer beicht und außerhalb derselben oft zu 
aller gottsehligkeit, zucht und erbarckeit yermanen und unterweisen 
und, was mehr zu seinem ambt, mit trösten die krancken zu be- 
suchen, und sonsten gehöret, mit allem getrewen vleifie Terrichten. 
Zum andern sollen die personen in der yersamblung des 
closters sambt den kindern, welche darin genommen sind worden, 
gott dem herrn mit laßen, singen, beten danckhen und loben dienen, 
also das sie ohne das, das sie des morgens, wen sie aufstehen, 
und des abends, wen sie zu bette gehen, und vor und nach esseos 
allezeit zu beten und dancken schuldig sein, den vor mittag, wen 
die glocke sieben schlecht, zu chor gehen und wan sie sich alda 
ordentlich und zuchtig auf beide seite desselben gestellet, das 
geistliche lied : Rom heilliger geist, einen deutschen psalm Davids 
aus dem psalter, das benedictus deutsch, das simbolum Athana- 
sianum oder Ambrosianum umbschichtlich auf deutsch und etliche 
geistliche lieder aus dem psalm buch D. Martini Lutheri, die sich 
mit der zeit und den sontags evangelium reimen, andechtig singen, 
darnach auß dem alten testament, welchs fein ordentlich unter die 



nur 20 Jungfrauen aufj^enommen werden. Die Ordnung von 1630 wurde am 
3. April publiziert. Yisitatoren waren damals: D. Joachim Schönermark, D. 
Lorenz Stephan, Herr Markus Tancke, Herr Joachim Schutte. Diese Ordnung 
ist wörtlich dieselbe wie 1586, nur sind Zusätze ,ad articulum 1 usw.' ein- 
geschaltet. 

a) verb. aus „welche". 



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Ordnung des Klosters zum heil. Kreuz in Rostock. 397 

persohnen im kloster und kinder kan ausgetheilet werden, ein 
capittel lesen unnd darauf aus dem sangbuche Lutheri mit einem 
geistlichen liede, welche ein dancksagung ist, den gottes dienst 
beschliessenn. Den nach mittag aber sollen sie auf den schlag 
eins zu chor gehen und gleichfals, wen sie sich ordentlich all da* 
hin gestellet, den geistlichen gesang: Kom heilliger geist, einen 
deutschen psalm aus dem psalter David, den hymnum von der zeit 
deutsch und etzliche geistliche lieder Lutheri, die sich mit der 
zeit und sontags evangelien reimen, singen, darnach ein capittel aus 
dem newen testament lesen unnd abermahl aus dem psalmbuch 
Lutheri mit einem geistlichen liede, so eine dancksagung ist, diesen 
gottes dienst beschUessen. Wen sie dan vor mittagk umb die 
glocke acht und den nach mittag umb zwey ordentlich und zuchtig 
Yom chor herunter gangen sein, sollen die kinder sich in die schule 
und die andern des closters persohnen zu ihrer eschunge, arbeit, 
nach eines jeden gelegenheit an ihren ort still unnd zuchtig ver- 
fuegen.^) 

Die kinder, welche nicht im closter bleiben, sollen jehrlich 
funfzehen gülden und ein fuder holtz entrichten. Den armen und 
notturftigen kan diese summa auf gutt achten der dominae und 
probstes geringert werden ^) 



b) Zusatz der Klosterordnnng 70m 3. April 1630: 

Fürs ander verbleibet es gleichfalls bei dem andern Artikul billig, ohne 
daß aus allerhand Ursachen die Chorzeit hat müssen geändert werden, also 
daß des Vormittags umb 8, des Nachmittags umb zwei ühr dieselbe soll an- 
gestellet werden und, wie in dem Artikul gemeldet, gehalten und geendiget 
werden. 

Es soll aber, wann Chor gehalten, die Domina und Priorin beide, oder da 
eine derselben mit Leibesschwachheit behaftet, die Domina und Priorin nebst 
allen und sämtlichen Conventualn, Kost- und Schulkindern ernante Stunden 
fleißig besuchen, ernst- und andächtiglich singen, lesen und beten und sich 
nichts dann Leibesunvermögenheit davon abhalten lassen. 

c) Zusatz der Klosterordnung vom 3. April 1B30: 

Die Kostkinder oder Jungfern betreffend, sollen dieselben von der Domina, 
auch auf Ratification der Visitatorn, da keine erhebliche Ursachen, ohne Ver- 
wideren angenommen werden und dieselben, welche unter siebenzehn Jahren, 
dem Kloster dreißig, welche über siebenzehn und mehr Jahren sein, vierzig fl. 
und fünfzig Gulden nach Befindung der Zeitgelegenheit jährlich für Tischgeld 
entrichten; jedoch kann den Armen und Notdürftigen diese Summa auf Gut- 
achten der Dominae, Provisorn und Propstes geringert und sowohl des Winters 
als des Sommers dreingelassen und ohne redliche Ursachen wider der Eltern 
oder ihrer Vormünder Willen nicht abgeschaffet werden. 



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398 Urkunden u. Akten zur Qeschichte des mecklenburg. Unterrichts Wesens. 

Zum fünften, wo closter jungfrawen seind, welche woU lesen, 
schreiben, neyen, wircken und ander dergeleichen jungfräuliche 
arbeit können, sollen derselben ein oder zwo zu scholmeisterinnen, 
das sie die kinder zu obberurter arbeit mugen underrichten, ver- 
ordnet werden. Wo sie aber im closter nicht seind, so soll sonsten 
eine geschickte zuchtige matron oder jungfraw dartzu bestellet und 
mit geburlicher zimblicher underhaltung und besoldung vom closter 
versorget werden. Die schulmeisterinnen sollen teglich vier stunden 
zu Unterweisung der jungen megtlein gebrauchen, also das sie den 
morgen, wen im closter ausgesungen oder die predigt geendigt, 
ungefehrlich umb acht uhr in der schulen mit den kindem zu samen 
kommen, da sie etliche von den kleinesten megdlein die zehen 
gebott, die articuU des glaubens, das vatterunser unnd die wort der 
tauff und deß herm nachtmals neben den morgensegen aufsagen 
lassen und die kinder gewöhnen, das sie fein deutlich unnd langsam 
alle wort aussprechen und außreden. Die grossen megdlein sollen 
die außlegung aus dem kleinen catechismo Lutheri mit erzehlen 
und aufsagen, und soll kein ander den Lutheri catechismus allein 
in der schule gebraucht werden. Nach dem gebett und catechismo 
sollen die schulmeisterinnen jedes megdlein seine furgegebene lection 
aufsagen lassen und sie gewehnen, das sie die buchstaben recht 
außdrucken und fein langsam und underschiedlich lesen lernen, 
datzu dan erstlich sollen die kleinen deutschen fibelen, die gewon- 
lichen evangelia, gesengbuchlein, der psalter, lesus Sirach und newe 
testament gebraucht werden. Wan nun die megdelein zimblich 
lesen können, sollen sie auch zum schreiben gewennet werden, also 
das ihnen gute lange schone buchstaben furgemahlet und die hand 
ihnen so lange soll gefuhret werden, biß das sie dieselben nach- 
machen und die sillaben und gantzen worter zusamen setzen können. 
Es soll aber den kindem allerlei schone, doch kurtze Spruche aus 
dem alten und newen testament, die sie etzlichemahl nach schreiben 
und zugeleich außwendich lernen müssen, furgegeben werden. 
Welche nun zimblich lesen und schreiben können, die sollen auch 
wol für dem schreiben in neyen, sticken, wercken, knütten und 
dergeleichen arbeit unterweisen werden und doch des lesens und 



Da auch etliche seyn würden, die ihre Kinder ins Kloster zur Schule 
schicken und halten wollten, denselben soll erlaubet sein, ob sie dieselben 
selber im Kloster speisen, ihnen durch ihr Gesinde Essen und Trinken ins 
Kloster bringen, des Nachts im Kloster verbleiben oder daheime zu Haase 
holen lassen und behalten wollen. 



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Ordnung des Klosters zum heil. Krenz in Rostock. 399 



Schreibens teglich mit üben und etzliche schone psalm Davids auß- 
wendig lernen. Andere, so nun etwas erwachsen und woll schreiben 
und lesen gelernet, sollen neben dem lesen und neyen gewisse 
standen mit in der kuchen, im wasch hause, in dem garten arbeiten 
oder weben, wircken, sticken, wie solches nach gelegenheit der 
kinder und andere umbstende von verstendigen lehrmeisterinnen am 
bequemesten verordnet wird. Wan die megdelein umb zehen uhr 
aus der schule gelassen werden, sollen sie zu vom ein deutsches 
lied aus dem psalmbuch Lutheri, das sich auf die zeit oder sontags 
evangelium reimet« mit einander singenn. Wen hier auf die mahl- 
zeit folget, sollen die megdelein neben den closter jungfrawen nicht 
allein still und zuchtig sich zuhalten gewöhnet werden, sondern eß 
soll auch eine aus ihnen die gantze woche durch über jede mahl- 
zeit ein capittel aus der bibel lesen, ohne daß sonsten aus der<^) 
bibel capittel auf dem chor gelesen werden. Diß megdelein soll 
auch vor und nach mahlzeit das benedicite und gratias andechtig 
sprechen. Nach mittage, wen die megdelein sambt den closter 
jungfrawen vom chor kommen, sollen sie sich wiederumb alßbald 
zur schule verfuegen, daß sie ®) alda auf die vorgeschriebene weise 
biß umb vir uhr von den lehrmeisterinnen unterrichtet und unter- 
weiset werden. Wan die megdelein aus der schulen hinweg sein 
bei ihren wescken oder zugeordneten jungfrawen, sollen sie das 
jenige, so ihnen in der schulen auferlegt mit lesen, schreiben, 
neihen, auswendig lernen vleißig verrichten, zuchtig, still und fried- 
lich leben und der priorin, unter priorin und den jungfrawen, 
welchen sie sonderlich befohlen seint, ohne murren gehorsam sein. 
Die closter jungfrawen, so nicht in die schule gehen, sollen, wen 
sie nicht auf dem chore oder in der predigt sein, dem closter mit 
aufwarten in der kuchen, spinnen, neyen, sticken, wircken, weben, 
in dem garten zu arbeiten dienen, des morgens eine und des nach- 
mittags auch eine stunde. Die übrige zeit mugen sie ihnen selbst 
von ihrer eigenen materien arbeiten und was sie davon kaufen, zu 
einem nottpfenning haben. Die ungehorsamen kinder, so sich ent- 
weder in der lehre und auferlegte arbeit faul unnd verseumblich 
oder sonpt in ihrem leben mit worden, wercken oder geberden 
ungeburlich, trotzig, widerspentzig ertzeigen, dieselben [sollen] 
durch die schulmeisterinnen nach gelegenheit und umbstende oder 
ubertrettung mit werten und mit rütten gebührlich, die alten aber 



d) Hier steht im Text ein Zeichen, das nicht zu entziffern ist. e) verb. 
ans -in". 



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400 Urkunden n. Akten znr Geschichte des mecklenbnrg. Unterrichtswesens. 

auf der dominae und probstes erachten und befehl mit dem kercker 
ernstlich gestraflfet werden/) 

Zum sechsten sollen einer verstendigen ernsthaftigen trawen 
jungfrawen, welche des dosters tfauren mit auf und zuzuschliessen in 
guter acht habe, daß nicht einem jeden, wens im wolgefelt, aus 
und einzugehen freistehet, die Schlüssel alle morgen von der domina, 
der^) sie nach gebrauch der jungfrawen closter dieselben den abend 
wider bringen soll, zugestellet und übergeben werden. Denn von 
den conventualen und bestettigten closter jungfrawen wie auch von 
den kindern keine one sunderliche ehehaft und der dominae yor> 
wissen und erlaubnus aus dem closter gehen soll 

Nachdem durch daß vielfeltige anrichten, das von alters einer 
iglichen jungfrawen insonderheit eine schussel mit speise aufgetragen 
ist, nicht alleine die speise verunratet, sondern auch andere un- 
gelegenheit verursachet wird, also sollen hinforder zehen oder 
zwölf jungfrawen und kinder an einen viereggigen tisch gesetzet 
unnd aus einer gemeinen schussel gespeiset unnd soviel brot, als 
die notturft erfurdert, aufgetragen werden. Desgleichen sollen, die 
an einem tisch sitzenn, aus einer oder zwo kannen trincken; was 
nach geendigter mahlzeit an brod, speiß und tranck oberbleibet, 
soll wiederumb uiFgehobenn und der schafferschen zu verschliessen 
von den megden, welche auf der jungfrawen und kinder tische zu> 
warten verpflichtet seind, zugetragen werden. Wen die jungfrawen 
unnd kinder gegessen haben, sollen die megde auch an einem 
tische nach ihrer gelegenheit gespeiset und getrencket werdenn. 
Den kleinen jungfrawen soll des morgens ein fruchstuck, es sey 

f) Zusatz der Klosterordnnng vom 3. April 1630: 

Ob auch woll im fünften Artikul enthalten, daß ein oder 2 Schulmeisterinnen 
sollen bestellt und auf des Klosters Unkost gehalten werden, weil aber dennoch 
bis anitzo dies nicht zu Werke gerichtet, als soll auf Mittel und Wege gedacht 
werden, daß auch demselben ehemüglich ein Genügen geschehe oder sonst gute 
Ordinanz gemacht werden, damit dennoch die jungen Schulkinderlein in Gottes- 
furcht, aller Tugend und in der wahren Religion unterweiset und zu Gottes 
Ehren auferzogen werden, inhalt obgedachten fönften Artikuls. 

Und damit auch besser Disziplin, Zucht und Ehrbahrkeit über Tisch möge 
gehalten werden, sollen Domina und Priorin oder zum weinigsten eine der- 
selben, da die andre Leibesschwachheit oder anderer hochwichtiger Ursachen 
daran nicht behindert werden, täglich nebst den andern Conventualn und 
Kostkindern in die große Stube zu Tische gehen und, daß alles fein ehrbar, 
still und züchtig und wie es unter der Mahlzeit zu halten, in ermeldten fünften 
Artikul angeordent, zugehn, gute Achtung darauf geben 

g) verb. aus , derer". 



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Ordnung d. Elosiera in Rostock. — AQordoung ein. Scholftrchats in Wismar. 40 1 

ein bienuppe, süsse milch oder butterbrot verreichet werden. Die 
erwachsene und alte persohnen aber sollen sich an zwo mahl zeiten, 
den mittag nach zehen, den nachmittag nach fünf uhr genügen 
lassen. 

So seid nun aus not underthan nicht allein umb der straffe^) 
willen, sondern auch umb des ge Wissens willen. Rom: 13.^ 



51. 
Anordniing eines Scholarchats in Wismar. 

Wismar 1587. 

Und z